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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
       
   
News 05.-13. Oktober 2018
News 01.-04. Oktober 2018
News 25.-30. September 2018
News 15.-24. September 2018
News 01.-14. September 2018
News 23.-31. August 2018
News 17.-22. August 2018
News 12.-16. August 2018
News 07.-11. August 2018
News 01.-06. August 2018

News 1-7/2018
News 2000-2017

 
 
   
Medienberichte über single-dasein.de
 
 
 
   

News vom 14. - 31. Oktober 2018: [14.10.] [15.10.] [16.10.] [17.10.] [18.10.] [19.10.] [20.10.] [21.10.] [22.10.] [23.10.]

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Die normative Soziologie der Elternschaft als Reduzierung der Kinderlosigkeit auf eine Vorphase der Elternschaft

"Angesichts der offensichtlichen Prozesshaftigkeit von Elternschaft erscheint es naheliegend, zur Strukturierung auf das Konzept des »sozialen Prozesses« zurückzugreifen (...).
Aus der Akteursperspektive umfasst der Prozess viele verschiedene Teilprozesse, die von der Mikro- bis zur Makroebene institutionell gerahmt werden. Zur Strukturierung kann der Gesamtprozess jedoch vereinfachend in drei Phasen gegliedert werden:
1. Die Vorphase beginnt in der eigenen Herkunftsfamilie und dauert bis zur möglichen Realisierung einer eigenen Elternschaft - bei Kinderlosigkeit also das gesamte Leben.
2. Nach der Zwischenphase des Übergangs zur Elternschaft folgt die generativ habitusprägende Hauptphase.
3. Nach einem weiteren Übergang beginnt die bis zum Lebensende andauernde Spätphase.
(...). D.h. im Zentrum steht das für Gesellschaften existenziell wichtige, generative Potenzial von Elternschaft - einerseits demographisch und andererseits habitusbildend. (...).
Wenn die Vorphase nicht in eigene Elternschaft übergeht, handelt es sich um Kinderlosigkeit. Den aktuellen Wissensstand hierzu führen Michaela Kreyenfeld und Dirk Konietzka in ihrem Sammelband
»childlessness in Europe« zusammen. (...).
Mit den radikal veränderten familienpolitischen Rahmenbedingungen von Elternschaft in Deutschland setzt sich Stefan Fuchs in seiner kritischen Analyse (»Gesellschaft ohne Kinder«) auseinander. Er beschreibt den Paradigmenwechsel als eine »kulturelle Defamilialisierung in (post)industriellen Gesellschaften« (...) - einerseits positiv gestaltet durch den Ausbau der Betreuungsinfrastruktur, andererseits negativ gestaltet durch finanziellen und zeitlichen Druck, gestützt von einer Anspruchskoalition aus Arbeitgeberverbänden, Internationalen Organisationen (EU, OECD), Medien und Wissenschaften. (...).
Die gegenläufige Entwicklung der Geburtenraten zweier deutscher Städte unter ansonsten vergleichbaren Rahmenbedingungen untersucht Barbara Elisabeth Fulda (»Immer weniger Kinder?«) mit Blick auf den Einfluss regionaler Milieus.
"
(aus:
Désirée Waterstradt "Elternschaft als blinder Fleck" in: Soziologische Revue, Heft 3, Juli 2018, S.401ff.)

 
       
       
   

23.10.2018

 
       
   

VAILLANT, Kristina (2018): Rettet die Rente vor der AfD.
Die Rentenvorstöße der AfD sind widersprüchlich und wenig überzeugend. Aber sie sollten der GroKo endlich Beine machen für ein Grundrentenkonzept,
in: TAZ v. 23.10.

Kristina VAILLANT, eine alternde Babyboomerin, die durch Pamphlete und unseriöse Darstellungen zur Rentenpolitik hervorsticht, sieht in der AfD eine Partei, die Schützenhilfe bei der Rentenpolitik leisten soll. Solche Überlegungen sind gefährlich wie die NS-Vorgeschichte gezeigt hat. Wer der Meinung ist, dass nur die AfD in der Lage ist, die Regierungsparteien vor sich herzutreiben, der hat die Linke bereits resigniert aufgegeben und treibt die Wähler zusätzlich der AfD in die Arme!

 
       
   

Das Diskussionspapier Housing Expenditures and Income Inequality und der IVD-Wohn-Preisspiegel 2018/2019 in den Medien

WIKTORIN, Anne (2018): Mieten spalten die Gesellschaft.
Eine wissenschaftliche Studie zeigt, dass steigende Wohnkosten die Einkommensungleichheiten verschärfen. Junge Mieter sind besonders betroffen,
in: Handelsblatt v. 23.10.

Anne WIKTORIN berichtet über ein Diskussionspapier von Bernd FITZENBERGER, Christian DUSTMANN und Markus ZIMMERMANN (deutsche Zusammenfassung hier) mit Daten von 1993 bis 2013, dass die Mietsteigerungen die soziale Ungleichheit verschärfen, denn:

"Wer gut oder sehr gut verdient, wohnt meist im Eigentum - und profitierte von den gesunkenen Hypothekenzinsen. Wer sich die eigenen vier Wände nicht leisten kann - darunter vor allem Niedrigverdiener -, leidet besonders unter den steigenden Mieten. »Denn die Wohnkosten machen den größten Teil der Konsumausgaben eines Haushalts aus«, erläutert Fitzenberger."

Für die Altersvorsorge, die aufgrund der Teilprivatisierung der Alterssicherung im Jahr 2001, für die Lebensstandardsicherung unumgänglich geworden ist, bleibt durch diese Mietpreissteigerung bei Geringverdienern nichts übrig.

"Die Sparquote sank für das unterste Einkommensfünftel von bereits mageren zwei Prozent im Jahr 1993 auf minus ein Prozent im Jahr 2013",

wird ein Studienautor zitiert. Der am Montag veröffentlichte IVD-Wohn-Preisspiegel 2018/2019 wird angeführt, um dies zu untermauern.

ÖCHSNER, Thomas (2018): Jetzt sind die Kleinen dran.
Bislang zogen die Mieten vor allem in den Metropolen an. Inzwischen aber steigen die Preise in Klein- und Mittelstädten am stärksten. Zugleich verstärken die höheren Wohnkosten die Ungleichheit im Land,
in: Süddeutsche Zeitung v. 23.10.

Im Gegensatz zum Handelsblatt stellt Thomas ÖCHSNER die Ergebnisse des IVD-Wohn-Preisspiegels 2018/2019 in den Mittelpunkt des Artikels und die Studie von FITZENBERGER/DUSTMANN/ZIMMERMANN wird nur nebenbei erwähnt. Die folgende Tabelle zeigt die 10 Städte mit der teuersten/günstigsten Kaltmiete der IVD-Erhebung.

Stadt Bundesland Kaltmiete (Euro/qm) Stadt Bundesland Kaltmiete (Euro/qm)
München Bayern 14,00 Dierdorf Rheinland-Pfalz 3,50
Stuttgart Baden-Württemberg 12,20 Rockenhausen Rheinland-Pfalz 3,50
Sylt Schleswig-Holstein 11,50 Altena Nordrhein-Westfalen 4,00
Ingolstadt Bayern 10,85 Aschersleben Sachsen-Anhalt 4,00
Köln Nordrhein-Westfalen 10,70 Eisenberg Rheinland-Pfalz 4,00
Frankfurt Hessen 10,50 Herscheid Nordrhein-Westfalen 4,00
Mainz Rheinland-Pfalz 10,30 Plettenberg Nordrhein-Westfalen 4,00
Vordertaunus Hessen 10,00 Rengsdorf Rheinland-Pfalz 4,00
Potsdam Brandenburg 10,00 Görlitz Sachsen 4,25
Hamburg Hamburg 10,00 Helmstedt Niedersachsen 4,30

Inwiefern diese Erhebung des Lobbyverbandes der "Beratungs- und Dienstleistungsberufe in der Immobilienwirtschaft" repräsentativ für den Mietwohnbereich in Deutschland ist, wird nicht transparent gemacht. Grundlage sind weniger als 400 der mehr als 2.000 Städte in Deutschland.

"Der IVD vertritt Makler, Sachverständige und Wohnungsverwalter, die etwa 3,5 Millionen Wohnungen in Deutschland betreuen. Auf ihren Angaben beruhen die Daten in dem Preisspiegel, für den der IVD Mietverträge berücksichtigte, die von April bis Ende September abgeschlossen wurden",

schreibt ÖCHSNER zur Erhebungspraxis des IVD.  

 
       
   

DROBINSKI, Matthias/RICHTER, Nicolas/RIEDEL, Katja (2018): Asche zu Asche.
Bis zu 50 Millionen Euro hat das Bistum Eichstätt verspekuliert. Der Bischof ruft: "Herrgott, was willst du mir sagen?" Ein Besuch,
in: Süddeutsche Zeitung v. 23.10.

 
       
   

PLICKERT, Philip (2018): Bundesbank regt höheres Pensionsalter für Beamte an.
Pensionslasten erdrücken einige Bundesländer. Finanzwissenschaftler: Mehr als 1 Billion Euro verdeckte Schulden,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.10.

Weil im Monatsbericht Oktober der Bundesbank zur Notwendigkeit einer Anhebung des Pensionsalters keine Fakten genannt werden, zitiert Philip PLICKERT lieber den Beamten Bernd RAFFELHÜSCHEN, der mit fiktiven Schuldenbergen die Notwendigkeit herbeizuschreiben versucht. Dafür wird er von Neoliberalen geliebt und gesponsert.

Dieses Mantra hat System, denn mit den unbeliebten Beamten lässt sich die Arbeitnehmerschaft spalten und gegeneinander ausspielen. Bei der Durchsetzung des Alterseinkünftegesetz wurde vorexerziert wie so etwas geht: Am Ende verlieren sowohl die Beamten als auch die Rentner, weil eine Spirale nach unten in Gang gesetzt wird.

 
       
   

FRITSCHE, Andreas (2018): Anträge zum Abschreiben.
Brandenburg: Die Linkspartei hat jetzt eine Landesarbeitsgemeinschaft Kommunalpolitik,
in: Neues Deutschland v. 23.10.

 
       
   

Das Single-Dasein in Russland

WEINMANN, Ute (2018): Von Einheitsfront keine Spur.
Die russische Linke kann von der Erhöhung des Renteneintrittsalters nicht profitieren,
in: Neues Deutschland v. 23.10.

 
       
   

22.10.2018

 
       
   

Die Veröffentlichung des Statistischen Jahrbuchs 2018 in den Medien

RATHCKE, Julia (2018): Ältere suchen neue Wege.
Sie bewegen sich im Internet, nutzen Singlebörsen und organisieren ihr Leben in der Alten-WG. Deutschlands Senioren werden einer neuen Studie zufolge immer aktiver,
in: Frankfurter Rundschau v. 22.10.

 
       
   

WIMALESENA, Jörg (2018): "Wir brauchen eine Arbeiterquote".
Der Kreis der Elite in Deutschland ist nicht besonders groß und bleibt unter sich. Für Kinder aus Arbeiterfamilien ist es fast unmöglich, bis ganz nach oben aufzusteigen. Woran das liegt und wie sich das ändern ließe, untersucht der Soziologe Michael Hartmann,
in: TAZ v. 22.10.

Der Elitenfeminismus hat in Deutschland die soziale Ungleichheit erhöht und die Aufstiegschancen dezimiert, denn nicht etwa die Männerherrschaft wurde durch die Frauenquote bedroht, sondern stattdessen der Aufstieg von männlichen Arbeitern sabotiert:

"(E)ine meiner Doktorandinnen hat das Phänomen am Beispiel von Professuren in Nordrhein-Westfalen analysiert. Bei Männern ist das Verhältnis von Herkunft aus dem obersten Milieu gegenüber Herkunft aus dem untersten Milieu knapp 3 zu 1, bei Frauen mehr als 5 zu eins. (...) Wenn eine Frau also noch einen Arbeiterhintergrund hat, dann wird es in der Regel nicht funktionieren. Sondern eher da, wo man etwas wiedererkennt",

erklärt uns der Elitenforscher Michael HARTMANN, der statt der eingeschränkten "Diversityquote" eine Erweiterung um eine Arbeiterquote fordert. Bislang zeigt sich, dass Arbeiterkinder in erster Linie dort eingesetzt werden, wo das Treten nach unten erforderlich ist. Ob in Politik oder Wirtschaft: die Arbeiterkinder sind besonders intolerant, wenn es um ihr ursprüngliches Milieu geht. Sie machen sich zumeist willfährig zum Verbündeten der Herrschenden, denn ihr Anerkennungsbedürfnis ist ihre Achillesferse.

Fazit: Soziale Aufsteiger sind nicht per se Verbündete der Arbeiterkinder. Solange soziale Aufsteiger auf Anerkennung im angestrebten Milieu angewiesen sind, sind sie erpressbar. Diese Erpressbarkeit als eigentliches Problem gilt es abzubauen, z.B. indem alternative Annerkennungsstrukturen für soziale Aufsteiger aufgebaut werden. Eine neue soziale Bewegung und die Institutionalisierung von Strukturen sind ein Weg dorthin. Ansätze dafür gibt es z.B. in Frankreich.

HARTMANN setzt dagegen auf Jeremy CORBYN in Großbritannien.    

 
       
   

KRIEGER, Friederike (2018): Ausstieg in Raten.
Ein Versicherungsexperte will den Verkauf von alten Policen attraktiver gestalten,
in: Süddeutsche Zeitung v. 22.10.

Run-offs bei Lebensversicherern haben einen schlechten Ruf, weshalb unsere neoliberalen Wirtschaftsjournalisten an einer Verbesserung gelegen ist. Der Artikel zeigt jedoch, dass selbst Insider wie Arndt GOSSMANN, der acht Jahre beim Abwickler Darag tätig war, die Finger lieber weg lässt vom Geschäft mit Lebensversicherungsaltbeständen.

 
       
   

PLICKERT, Philip (2018): Ökonomen für höheres Renteneintrittsalter.
"Groko macht Politik für die Alten und vergisst die Jungen",
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.10.

Die Überschrift stellt die Ergebnisse des FAZ-"Elitenpanels" grotesk auf den Kopf, denn nur etwas mehr als ein Drittel befürwortet ein höheres Renteneintrittsalter (38 Prozent!). Dabei wurden nur die Antworten von 144 Wirtschaftsprofessoren erhoben.

 
       
   

Die Endphase der Landtagswahl in Hessen in den Medien

WIND, Thomas (2018): Demoskopie, Medien und Politik. Ein Schulterschluss mit Risiken und Nebenwirkungen, Arbeitspapier 34 der Otto-Brenner-Stiftung

HANACK, Peter (2018): Spitzenduell in Gießen.
Volker Bouffier und Herausforderer Thorsten Schäfer-Gümbel treten im selben Wahlkreis an,
in: Frankfurter Rundschau v. 22.10.

Peter HANACK berichtet über den Wahlkreis 19 Gießen II. Das erschöpft sich in Belanglosigkeiten. Aussagekräftiger ist ein Foto mit Wahlplakaten der beiden Kontrahenten, die beschmiert wurden. 

 
       
   

Die Landtagswahl in Bayern in den Medien

GRAW, Ansgar (2018): Bloss nicht Reichen-Partei!
Die Grünen wehren sich gegen das Image, vor allem von Besserverdienenden gewählt zu werden,
in:
Welt v. 22.10.

"Die Grünen seien die Partei der Besserverdienenden, wird gesagt. (...). Dahinter steht das Bild vom Großstädter in gesicherten sozialen Verhältnissen, der die höheren Preise im Bioladen bezahlen kann, seinen Kaffee aus fairem Handel schlürft, im Sommer in die Sonne fliegt und zur Beruhigung des Gewissens grün wählt. Die Ärmeren können sich Grün nicht leisten",

erzählt uns Ansgar GRAW. Mit Zahlen, die bereits Daniel ECKERT vor sechs Tagen präsentierte, ergänzt um weitere Zahlen, geht dies schief, denn die FDP ist weiterhin die Partei der Besserverdienenden und Vermögenden - und das mit großem Abstand. Das widerspricht jedoch nicht dem Bild, das GRAW malt, denn die grüne Klientel wohnt schon seit den 1980er Jahren in den gentrifizierten Altbauviertel und zwar vorwiegend im Eigentum. Viele aus der Hausbesetzerszene haben einfach die Altbauten übernommen. Es sind die Gewinner der Bildungsexpansion, was hier schon vor 15 Jahren beschrieben wurde. Verdrängt wird dagegen nur, wer in Miete wohnen bleiben muss. Als Hochqualifizierte haben Grüne mehr kulturelles und soziales Kapital, mit dem sie fehlendes finanzielles Kapital kompensieren können. Das unterscheidet die Bohème von der Unterschicht.

Fazit: Die Grünen-Wähler lassen sich mit den simplen FDP-Kategorien einer Reichen-Zeitung analysieren.

 
       
   

SIEMS, Dorothea (2018): Durch Deutschlands Mittelschicht geht ein Riss.
Während die große Mehrheit so entspannt ist wie noch nie, plagen ein Drittel wachsende Zukunftssorgen,
in:
Welt v. 22.10.

Roman HERZOG, ein beleibter Beamter und strammer Neoliberaler mit Hang zur Ruckrede, ist Namensgeber einer Stiftung der bayerischen Wirtschaftsverbände, die sich bei der neoliberalen Organisation aus Nordrhein-Westfalen, die sich auf Berechnungen nach Gutsherrenart versteht, eine genehme Weltsicht gekauft hat. Die Expertise nennt sich Die gespaltene Mitte und basiert auf den üblichen Kennzahlen der Einkommensmitte, garniert mit modischen Begriffen, mit denen sich das neue Bürgertum gerne schmückt. Die Autorin Judith NIEHUS garantiert die Anschlussfähigkeit an den neoliberalen Diskurs. Dorothea SIEMS sorgt für weltgemäße Darstellung.

Fazit: Wer etwas über das Selbstbild des Distinktionsbürgertum wissen möchte, ist gut bedient. Für alle andere ist das öde Selbstbeweihräucherung und Schubladisierung der Anderen. Die "Besorgten" sind immer die Anderen!    

 
       
   

RÜTH, Axel (2018): Der milde Herbst des Propheten.
Gebären, nicht unterwerfen: Michel Houellebecq bekam in Brüssel den ersten Oswald-Spengler-Preis. Im Gegensatz zu dem deutschen Geschichtsphilosophen hält der Franzose den Untergang des Abendlands noch nicht für ausgemacht,
in:
Welt v. 22.10.

Der Spengler-Preis wurde von dem prominenten Fondsmanager Max OTTE ("Der Crash Kommt") gestiftet. Die Finanzbranche profitiert besonders von Horrorszenarien und möchte die Profite, die sich daraus ergeben abschöpfen. Axel RÜTH wendet die Story nationalkonservativ und zeigt damit Nähe zur AfD:

"Es bleibe immer noch die Hoffnung auf ein Wiedererstarken der Religion (...) und auf eine demografische Antwort: Zu keiner Zeit, so Houellebecq, pflanzten sich die Menschen so wenig fort wie in Zeiten der Zufriedenheit. Der gegenwärtige Mangel an Optimismus verleite die Europäer ja vielleicht gerade dazu »Kinder zu machen (...)«"

Panikschüren, um die Deutschen zum Kinderkriegen zu animieren? Das dürfte schiefgehen wie die Vergangenheit lehrt.

 
       
   

Das Single-Dasein in der Schweiz

SCHMID, Birgit (2018): Zweimal Ja sagen hält besser.
Der eine geht fremd, für den anderen stürzt eine Welt ein - nach dem Liebesverrat ist das Vertrauen in die Beziehung dahin. Wie lässt es sich zurückgewinnen?
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 22.10.

 
       
   

Das Single-Dasein in Japan

STOCKER, Frank (2018): Japan kämpft gegen den Fachkräftemangel.
Nirgends ist die Alterung der Gesellschaft so fortgeschritten wie hier, zugleich hält das Land die Grenzen für Zuwanderer fest geschlossen. Jetzt wagt Tokio die Wende,
in:
Welt v. 22.10.

 
       
   

21.10.2018

 
       
   

Die AfD-Hochburg Sachsen in der Debatte

KEILHOLZ, Christine (2018): Wurzelfäule.
In Sachsen bringt's nichts mehr, in der CDU zu sein,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 21.10.

Wenn es in einer politischen Partei keine sicheren Posten mehr zu vergeben gibt, dann macht sich das Spitzenpersonal auf und davon. Christine KEILHOLZ präsentiert zwei prominente Fälle aus der Sachsen-CDU: zum einen Thomas FEIST, der seinen Leipziger Bundestagswahlkreis (Wahlkreis 153 Leipzig II) an die Linkspartei verlor und Patrick SCHREIBER, dem im Wahlkreis 45 Dresden 5 (inklusive hipper Dresden-Neustadt) das selbe Schicksal bei der nächsten Landtagswahl ereilen könnte und deshalb nicht mehr antreten will:

"Mit Patrick Schreiber wirft ein liberaler Kopf hin, der in der Lage war, auch fortschrittliche Großstädter für die Christdemokraten zu gewinnen. Schreiber ist Werbefachmann, Unternehmer und Reserveoffizier. Solche Leute gehen der Sachsen-CDU nun von der Fahne - und das vor der entscheidenden Wahlschlacht."

Die AfD wird als Angstgegner der CDU beschrieben, denn sie kann der Partei die entscheidenden Stimmen kosten, was viel über die grundsätzliche Nähe beider Parteien aussagt.

Enttäuschte Politiker suchen die Schuld nicht bei der eigenen Partei, sondern bei den doofen Wählern:

"Was positiv ist, wird nicht mehr der Politik zugeschrieben. Was negativ ist, wird nur der Politik zugeschrieben."

Dass die CDU bislang von solchen Zuschreibungsprozessen profitiert hat, hieße dies im Umkehrschluss. Dass einer Partei Erfolge zugeschrieben werden, für die sie gar nichts getan hat, das wird gerne mitgenommen. Die Sachsen-CDU lebte lange gut von ihrer glorreichen Vergangenheit und neoliberalen Kennziffern, die angeblich Sachsen zum Musterknabe gemacht haben. Doch nun zeigen sich die Folgen dieses Ausruhens auf früheren "Erfolgen".

Fazit: Was der SPD im Bund passiert, das passiert mittlerweile auch in der Sachsen-CDU. Die Bayern-Wahl war dafür nur ein Vorgeschmack. Im November sollen die CDU-Kandidaten für die 7 Dresdener Direktmandate nominiert werden.       

 
       
   

MÜßGENS, Christian (2018): Magnet an der Ostsee.
Wohnen in Rostock: Die Stadt wächst im Nordosten rasant. Doch zwischen begehrten Altbauquartieren und den Platten bauten am Stadtrand liegen Welten,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 21.10.

Christian MÜßGENS beschreibt die Kröpeliner-Tor-Vorstadt (KTV) als das angesagte Wohnquartier in Rostock:

Kröpeliner-Tor-Vorstadt in Rostock, Foto: Bernd Kittlaus 2017

"Das Viertel, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Wohngebiet für Arbeiter der aufstrebenden Werftindustrie entstand und zu DDR-Zeiten zunehmend verfiel, hat sich in den zurückliegenden Jahren zu einem der beliebtesten Stadtteile in Rostock entwickelt."

Die Kehrseite der gentrifizierten innenstadtnahen Viertel sind die Plattenbausiedlungen:

Sonnenblumenhaus in Rostock-Lichtenhagen, Foto: Bernd Kittlaus 2017

"(M)it Blick auf die Gesamtstadt gibt es Warnsignale, denn in Rostock bilden sich Zonen heraus, die sich anhand ihrer Sozialstruktur stark unterscheiden. Soziale Segregation nennen Wissenschaftler diese Entwicklung, die in Rostock so stark ausgeprägt ist wie in wenigen anderen deutschen Städten. Eine Studie des Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) hat erst kürzlich gezeigt, dass sich die Bezieher von Sozialleistungen wie Hartz IV in Rostock zunehmend in einer Handvoll Quartiere konzentrieren. (...).
Einer der Gründe dafür ist die typische DDR-Plattenbauweise, die noch immer einen großen Teil des Wohnungsbestands in Rostock ausmacht. In Siedlungen wie Toitenwinkel, Schmarl oder Lütten Klein lässt sich dieses Prinzip wie in einem Lehrbuch studieren. (...). In Bezirken wie Rostock-Lichtenhagen, einem Ortsteil, der in den neunziger Jahren durch ausländerfeindliche Ausschreitungen bundesweit bekannt wurde, ist das Leben (...) besser geworden."

 
       
   

20.10.2018

 
       
   

Eva Illouz - Warum Liebe endet

PINES, Sarah (2018): Die Liebesversteherin.
Warum gibt es in der westlichen Kultur so viele Erzählungen über den Anfang der Liebe - aber kaum welche über ihr Ende? Ein Besucht bei der israelischen Soziologin Eva Illouz in Jerusalem,
in: Welt v. 20.10.

 
       
   

SIMS, Dorothea (2018): Scholz' Schummel-Rente.
Der Finanzminister will die gesetzliche Altersversorgung bis 2040 festschreiben - und behauptet, das sei problemlos umsetzbar. Dabei nennt er allerdings geschönfte Zahlen,
in: Welt v. 20.10.

Während die Neoliberale Dorothea SIEMS dem Finanzminister geschönte Zahlen vorwirft, präsentiert sie uns selber Horrorzahlen des AfD-nahen Nationalkonservativen Martin WERDING, die bereits Anfang des Monats in der ZEIT zur Polemik gegen die Stabilisierung des Renteniveaus zu lesen waren. Ergänzt werden diese Zahlen durch weitere Zahlen neoliberaler Organisationen, bei denen Kaffeesatzleserei bis 2080 getrieben wird, obwohl die letzten 20 Jahre gezeigt haben, dass Prognosen in der Regel bereits nach 4 Jahren überholt sind. Es werden lediglich negative kumulative Effekte beschworen, während positive Entwicklungsmöglichkeiten außen vor bleiben.

Davon abgesehen ist die Debatte um die Stabilisierung des Rentenniveaus lediglich ein Ablenkungsmanöver in Wahlkampfzeiten. Bislang ist noch nicht einmal die Rentenstabilisierung bis 2025, die eher Placebo als wirkungsvoll ist, tatsächlich Gesetz.  

KAISER, Tobias (2018): Warum Altersarmut zunimmt.
Immer weniger Menschen brauchen staatliche Leistungen. Das gilt aber nicht für Rentner,
in: Welt v. 20.10.

 
       
   

KRONAUER, Martin & Stephan LESSENICH (2018): Rendezvous mit der Ungleichheit.
Wir brauchen einen neuen Gesellschaftsvertrag: einen, der soziale Ungleichheit im Inneren reduziert und nach außen Solidarität zeigt,
in: TAZ v. 20.10.

Die Diagnose von KRONAUER & LESSENICH ist zutreffend, was die Kapitalseite des Gesellschaftsvertrags betrifft:

"(D)ie durch die wirtschaftliche Globalisierung mit zusätzlichen Machtressourcen ausgestattete Kapitalseite (hat sich) von jenem Kompromiss verabschiedet, der ihr in der Nachkriegszeit abgerungen worden war - und den sie immer schon als zu teuer empfunden hatte. Den neoliberalen Umbau des Wohlfahrtsstaats, den Abbau von Arbeitsrechten und Sozialschutz, hat das Kapital mal direkt erwirkt, mal durch Abwanderungsdrohungen und Niedergangswarnungen erpresst. Die »Hartz IV-Reformen« haben ein sozialdeklassiertes Milieu hervorgebracht. Und die Rentenpolitik wird absehbar zu einer großen Altersarmut führen - allen »Haltelinien« zum Trotz"

Das aber ist nur die halbe Wahrheit, denn ohne die elitäre Professorenschaft und die Eliten in den Mainstreamzeitungen hätte die Erpressung nicht funktioniert. Die Neoliberalisierung der Sozialdemokratie war nicht zwingend, sondern auch der Mithilfe durch die sozialen Aufsteiger geschuldet, die sich ihre Anerkennung durch brave Mitwirkung erkaufte.

Die Reduzierung der sozialen Ungleichheit im Inneren wird im Artikel völlig ausgeblendet und stattdessen auf Moralisierung gesetzt. Deutschland wird zur "Wohlstandsinsel" stilisiert, obwohl man eher von einer Steueroase für Reiche sprechen müsste. "Die Unhaltbarkeit des alten Gesellschaftsvertrag" sollen wir anerkennen, damit unsere Eliten in Ruhe weiter machen können wie bisher. Die Moralisierung basiert auf einer naiven Gegenüberstellung von globalem Norden und globalem Süden. Nicht etwa, dass die politischen Eliten sich mit den Diktatoren des globalen Südens zu Lasten der Armen im globalen Norden verbünden, wird angeprangert, sondern einer moralischen Diffamierung der Armen im globalen Norden wird das Wort geredet. Ihr Ansprüche gelten KRONAUER & LESSENICH als ungerechtfertigt und unhaltbar.

Fazit: Die elitäre Professorenschaft ist Teil unseres politischen Problems. Am Aufstieg von Stephan LESSENICH in die professorale Elite wird sichtbar, wie sich der Blickwinkel von Theoriebildung im Karriereaufstieg ändert.    

 
       
   

REINECKE, Stefan (2018): Redet verständlich!
Zehn Vorschläge wie die SPD sich retten kann,
in: TAZ v. 20.10.

Stefan REINECKE gibt Manierenunterricht für die sozialen Aufsteiger der SPD:

"Die SPD ist eine Partei des sozialen Aufstiegs. Ihre historische Mission war die Verwandlung von Arbeitern in Kleinbürger. Die ist geglückt. Tief in fast jedem Sozialdemokraten, dessen Eltern oder Großeltern noch zu den bildungsfernen Schichten gehörten, gibt es das nagende Gefühl, noch immer nicht dazuzugehören. (...). Man möchte aber doch so gerne auch endlich ganz und gar ankommen. Deshalb heiratet Schröder im Adlon, und die SPD spitze lächelt still und glücklich, wenn FAZ und Die Welt ihr jovial auf die Schultern klopfen. Falsch!"

REINECKE fordert mehr Selbstbewusstsein. Das aber lässt sich nicht verordnen, sondern benötigt alternative Strukturen, die geschaffen werden müssen! 

 
       
   

HAGELÜKEN, Alexander (2018): Mit 67 ist nicht Schluss.
Rente,
in: Süddeutsche Zeitung v. 20.10.

Alexander HAGELÜKEN lobt den Neoliberalen Bert RÜRUP, den er als Verfechter einer weiteren schrittweisen Erhöhung des Renteneintrittsalters präsentiert. Offenbar hat HAGELÜKEN die Meldung des Statistischen Bundesamt noch nicht gelesen, wonach die fernere Lebenserwartung von 65-jährigen Männern und Frauen in Deutschland leicht gesunken ist:

Sterbetafel Männer Frauen
2012/2014 17,69 Jahre 20,09 Jahre
2014/2016 17,81 Jahre 21,03 Jahre
2015/2017 17,80 Jahre 21,00 Jahre

Von daher sollte darüber diskutiert werden, was diese Stagnation bedeutet.

 
       
   

Die Endphase der Landtagswahl in Hessen in den Medien

ESSLINGER, Detlef (2018): Die Stimmungsmacher.
Umfrageinstitute wollen nur den Wählerwillen wiedergeben, sagen sie. Doch mit ihren Zahlen beeinflussen sie die Wahlen mehr denn je. Davon profitiert derzeit vor allem eine Partei,
in: Süddeutsche Zeitung v. 20.10.

Dieser Artikel hätte bereits vor der Bayernwahl auf Seite 1 erscheinen müssen, und nicht erst vor der Hessenwahl. Waren die Umfrageergebnisse der SZ etwa bei der Bayernwahl genehm, während sie bei der Hessenwahl stören? Diese Vermutung ist nicht ganz von der Hand zu weisen.

"Umfragen beschreiben nicht nur die Stimmung. Sie formen auch die Realität - gerade deshalb, da immer mehr Bürger erst spät entscheiden, ob und wen sie wählen. In Hessen erklärten soeben 44 Prozent der Befragten den Anrufern der Forschungsgruppe Wahlen, noch unentschlossen zu sein. Damit prägt deren Umfrage zwangsläufig den Wahlkampf",

erklärt uns Detlef ESSLINGER. Vor der Bayernwahl wäre Aufklärung notwendiger gewesen, denn am Einzug der FDP und dem verpassten Einzug der Linkspartei lässt sich die Macht der Umfragen erkennen. Denn wer gibt schon einer Partei, die in den Umfragen unter 5 Prozent gesehen wird, seine Stimme, wenn sie anderswo mehr Gewicht hat? Gerade jene Unentschlossenen, die sich an den Umfragewerten orientieren, können über Einzug oder Nicht-Einzug einer Partei entscheiden. In Hessen dagegen werden beide Parteien (noch?) in den aktuellen Wahlumfragen über der 5-Prozent-Hürde gesehen.

Darüber lesen wir bei ESSLINGER nichts. Stattdessen wird uns ein "Bandwagon-Effekt" präsentiert, wonach die Wähler dort ihr Kreuzchen machen, wo sie den Sieger sehen. In Hessen aber gibt es (noch) drei mögliche Sieger, weshalb der Effekt zur Wählerentscheidung wenig aussagekräftig ist.

ESSLINGER verweist auf eine am Montag erscheinende Dokumentation der Otto-Brenner-Stiftung zur Demoskopie. Darin wird gefordert, dass sowohl die Anteile der Unentschlossenen als auch der bekennenden Nichtwähler veröffentlicht werden sollten.

Die CDU-nahe Forschungsgruppe Wahlen bezeichnet ihre Wahlumfrage als "Projektion", was eher nach Prognose als nach Momentaufnahme klingt. Die Fehlertoleranz wird nur für einen Stimmenanteil von 40 Prozent (+/- 3 %) und 10 Prozent (+/- 2 %) angegeben. Zu "bekennenden Nichtwählern" werden kein Angaben gemacht.

ROSSBACH, Henrike (2018): Endlich angekommen.
In der Rolle des Arbeitsministers hat Hubertus Heil seinen Platz in der SPD gefunden. Doch zwischen ihm und Parteichefin Nahles könnte es bald kriseln,
in: Süddeutsche Zeitung v. 20.10.

Henrike ROSSBACH porträtiert das "fleißige Bienchen" Hubertus HEIL. Die Sympathie gilt lediglich dem strammen Agenda 2010-Befürworter, der als Angehöriger des SCHRÖDER-Fanclubs Karriere machte und dann zwischendurch abserviert wurde. Weil die angeschlagene Andrea NAHLES - zumindest rhetorisch - die Rückabwicklung der Agenda 2010 betreiben will, gilt nun HEIL als der neue Hoffnungsträger der Neoliberalen.

CREUTZBURG, Dietrich (2018): Die Luft ist raus.
Wer braucht noch die SPD? Deren Absturz in Bayern scheint die Gegner der Berliner Regierungskoalition zu stärken - die aber gerade sozialdemokratische Gesetze wie am Fließband produziert. Die lähmenden Widersprüche wurzeln tief,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 20.10.

Dietrich CREUTZBURG ist nicht gerade als Fan der Sozialdemokratie bekannt, weswegen das scheinbare Lob für Hubertus HEIL und die Sozialgesetze der Koalition etwas merkwürdig erscheint:

"Teilhabechancengesetz, Qualifizierungschancengesetz, Renten-Leistungsverbesserungs- und -stabilisierungsgesetz. Nicht zu vergessen das Gute-Kita-Gesetz und das Gesetz zur Verbesserung des Kinderzuschlags (...). Und nebenbei wären da noch die Pflegegesetze",

benennt CREUTZBURG jene Gesetze, die im Koalitionsvertrag vereinbart und umgesetzt wurden. Diese Gesetze sind den FAZ-Neoliberalen ein Dorn im Auge und werden mit dem Begriff "sozialdemokratische Handschrift" belegt. Das ist kein Lob, sondern eigentlich Tadel. CREUTZBURG sieht nämlich das Thema "soziale Gerechtigkeit" völlig überbewertet, denn die "einstige Stammklientel der SPD, die klassische Arbeiterschaft" würde sich mehr um die Auswirkungen der Migration sorgen. Klassische Arbeiterschaft meint jedoch nur die hochbezahlten Industriearbeiter z.B. in den Hight-Tech-Industrien ("Arbeitnehmer-Mittelschicht") und nicht etwa die Niedriglöhner im Dienstleistungssektor. Hier wird also ein ziemlich eingeschränkter Begriff des Arbeitermilieus verwendet, der sich bei der Bayernwahl-Betrachtung gar nicht widerspiegelt:

"Die Analysen zur Bayern-Wahl zeigen, dass die SPD unter den Arbeitern mit einem Zuspruch von 9 Prozent noch unter ihrem niederschmetternden Gesamtergebnis von 9,7 Prozent liegt. Die AfD hingegen wurde unter den Arbeitern mit 22 Prozent gut doppelt so stark wie im Durchschnitt aller Wähler. Die sonst so starken Grünen kamen dagegen hier auch nur auf 9 Prozent - während sie unter Angestellten, Beamten und Selbständigen mehr als 20 Prozent erreichten."

Die Angaben stimmen mit den Ergebnissen von Infratest dimap überein, die jedoch nicht nach Milieus unterscheiden, sondern nur nach der Tätigkeit. Die Rentner werden als eigene Gruppe betrachtet und nicht als Zugehörige eines bestimmten Milieus.

CREUTZBURG will der SPD das Verbleiben in der Koalition schmackhaft machen, denn die Union braucht einen Trottel, den sie weiter über den Tisch ziehen kann:

"Eine handfeste Folge wäre, dass (...) kein weiteres der vielen Projekte Gesetzeskraft erlangt. Dazu zählt auch das mit großem Kraftaufwand vorbereitete Rentenpaket. (...). Mit den Senioren hat die Partei bisher immerhin noch eine Gruppe, die ihr nicht ganz so schnell den Rücken kehrt. Und eine Gruppe, die wächst. Selbst unter Bayerns Rentnern erreichte die SPD noch 13 Prozent - ein Drittel mehr als im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung."

Dies ist nur eine Halbwahrheit, denn die SPD hat im Vergleich zu 2013 in allen Gruppen inklusive der Rentner 11 Prozent der Wähler verloren. Am meisten profitierte die CSU von den Rentnern (48 Prozent), die mit der Mütterrente auch die höchsten Ausgaben im Rentenpaket verursacht. Während die SPD mit ihrer Stabilisierung des Rentenniveaus lediglich Peanuts zu bieten hat.

Fazit: Die SPD sollte die Koalition verlassen, denn von den verabschiedeten Sozialgesetzen profitieren vor allem die Unionsparteien, während die SPD den Trottel spielen darf und am Ende auch die letzten Wähler verlieren wird.

 
       
   

Die Landtagswahl in Bayern in den Medien

GERTZ, Holger (2018): Schwein gehabt.
Die SPD sorgte einst dafür, dass München-Haidhausen immer schöner wird. Zum Dank liegen jetzt die Grünen bei stramm über 40 Prozent. Zu Besuch im Milieu einer neuen Volkspartei,
in: Süddeutsche Zeitung v. 20.10.

"Im Stimmkreis 109, München-Mitte, haben die Grünen 42,5 Prozent geholt, vor allem in der Isarvorstadt und in dem zu diesem Stimmkreis gehörenden Teil von Haidhausen haben sie gut abgeschnitten.
So ist Haidhausen zur grünen Mitte Münchens geworden, genauer gesagt, hat ein Trend sich verfestigt",

erzählt uns Holger GERTZ, der uns einen 66-jährigen Rentner vorstellt, der ehrenamtlich für die alternativen Haidhauser Nachrichten arbeitet. Der Wandel des Stadtteils vom "ehemaligen Arbeiter- und Handwerkerquartier" wird in die Mitte der 1980er Jahre gelegt. Der Artikel bietet wenig Informationen über die Stadtentwicklung, dafür umso mehr Folklore. Am Ende werden die Grünen als Bollwerk gegen Hetzer gepriesen. Dabei werden die Rahmenbedingungen dieses vermeintlichen Gutmenschentums unterschlagen. Denn erst die Abschottung bestimmter Bevölkerungsgruppen schafft den Nährboden der AfD. Wollen sich die Einkommensstarken zukünftig also in Bunkern vergraben, wenn die Grundlagen dieses Lebens wegbrechen?

ROST, Christian (2018): Das letzte Paradies der CSU.
In der Gemeinde Balderschwang haben die Christsozialen bei der Landtagswahl 82 Prozent der Zweitstimmen geholt. Damit das so bleibt, lädt Bürgermeister Konrad Kienle auch Grüne ein auf der Liste der Schwarzen zu kandidieren,
in: Süddeutsche Zeitung v. 20.10.

ROTH, Eva (2018): Was die AfD schwächt.
In einer Region in Niedersachsen ist ziemlich gut geglückt, was in Bayern misslungen ist,
in: Neues Deutschland v. 20.10.

Wie verzweifelt muss eigentlich die Linke sein, wenn sie Wahlkreis Mittelems zur Vorzeigeregion im Kampf gegen die AfD stilisieren muss?

"Der Wahlkreis Mittelems ist eine ländliche Region in Niedersachsen. Die meisten Menschen haben nicht viel Geld, die Löhne sind niedrig. Das verfügbare Einkommen pro Einwohner war in der Grafschaft Bentheim, die Teil des Wahlkreises ist, zuletzt etwa so hoch wie in der Sächsischen Schweiz. Das sind eigentlich gute Voraussetzungen für die AfD, doch bei der Bundestagswahl haben die Rechten in der Region nur 5,4 Prozent aller Stimmen erhalten - noch schlechter hat die AfD nur in der Unistadt Münster und im Wahlkreis Köln II abgeschnitten, in 296 Kreisen erzielte sie ein bessres Ergebnis."

Die Ursache wird im Emslandplan von 1950 gesehen, woraus geschlossen wird, dass Industriepolitik notwendig sei. Bis Industriepolitik jedoch greifen würde, könnte die AfD längst an der Macht sein. Starke Kommunen und intaktes Dorfleben (Das neoliberale Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung lässt grüßen!)

"(D)ie AfD (...) braucht Verbitterung, die vielerorts entstanden ist, weil Facharbeiter zu Leiharbeiter und Arbeitslosen wurden und keine Besserung in Sicht ist. Sie braucht das Gefühl, dass die da oben sich sowieso nicht kümmern und man selbst nichts ändern kann",

erklärt uns Eva ROTH. Was jedoch die Linke besonders schmerzen dürfte: Im Emsland herrscht das Regime der traditionellen Kernfamilie. In den Nuller Jahren wurde der Landkreis Cloppenburg als Vorzeigelandkreis gepriesen, weil dort noch die Geburtenrate am höchsten war. Wenn  Linke jedoch die neoliberale Demografisierung gesellschaftlicher Probleme übernehmen, dann haben sie bereits resigniert.

Als Gegenbeispiel wird uns Bayern präsentiert, wo die AfD in "Wahlkreisen mit einem überdurchschnittlich hohen Industriearbeiter-Anteil" und in den ländlichen Gegenden im Osten Bayerns stark sei.

Fazit: Die Linke kommt über eine defensive Abwehrhaltung nicht hinaus. Mit Abwehrkämpfen lässt sich der AfD jedoch nicht wirksam begegnen.

FRIEDMANN, Jan (2018): Die Macht vom Land.
Bayern I: Die CSU wird wohl mit den Freien Wählern regieren. Die waren vor allem abseits der Städte erfolgreich,
in: Spiegel Nr.43 v. 20.10.

"An die Macht (...) kommen aller Voraussicht (...) die Provinzversteher von en Freien Wählern. Deren Hochburgen liegen abseits der Siedlungsgebiete des hippen städtischen Bürgertums, in Stimmkreisen wie Kelheim, Schrobenhausen oder Forchheim (...). Als Abgeordnete entsenden sie Landräte und andere Kommunalpolitiker (...). In der bayerischen Politik wird es künftig ländlicher zugehen - und männlicher. Unten den 27 Abgeordneten der Freien Wähler finden sich nur 6 Frauen.
Mit den Freien Wählern gelangt eine politische Bewegung in die Verantwortung, die sich einst als Gegenmodell zum zentralisierten Politikbetrieb gründete, als Zusammenschluss kommunaler und regionaler Wählerverbünde. Erst seit 2008 ist sie im Landtag vertreten (...). (D)ie Partei stellt allein in Bayern zwölf Landräte und rund 600 Bürgermeister",

erzählt uns Jan FRIEDMANN, der Hubert AIWANGER als kommenden Minister eines "Super-Heimatministeriums" sieht. Michael PIAZOLO wird uns dagegen als Professor und Vertreter des "städtisch-liberalen" Flügels der Partei vorgestellt. Eine Grafik zeigt, dass die Freien Wähler in Kelheim 24,6 %, in Neuburg-Schrobenhausen 21,3 % und in Forchheim 20,4 % der Gesamtstimmen erzielte.

CLAUß, Anna (2018): "Funkstille".
Bayern II: 42 Jahre lang saß die CSU-Politikerin Barbara Stamm im Landtag, jetzt fliegt sie raus. Die Schuld sucht sie bei sich selbst - findet sie aber bei Horst Seehofer,
in: Spiegel Nr.43 v. 20.10.

Barbara STAMM, die für die CSU-Liste Unterfranken auf Platz 1 kandidierte, scheidet aus, weil die CSU nur 85 Sitze im Landtag erhält und diese alle an die 85 Direktmandate fallen. Die Grünen haben der CSU 5 Direktmandate weggenommen, der SPD eines.

Anna CLAUß interessiert nur die elitenfeministische Frauenquote, nicht aber die Arbeiterquote im bayerischen Landtag.

 
       
   

FRITSCHE, Andreas (2018): Manches Dorf hat Zukunft.
Brandenburgs Politik stellte sich für die Gegenden fernab des Berliner Speckgürtels lange Jahre auf einen Schrumpfungsprozess ein. Doch teilweise lagen die Bevölkerungsprognosen falsch,
in: Neues Deutschland v. 20.10.

Andreas FRITSCHEs Artikel stellt eine geringfügige Kehrtwende dar. Es wird zugegeben, dass die rot-rote Landesregierung in Brandenburg sich auf Bevölkerungsprognosen stützte, die dann nicht so eintrafen. Der Rückzug bei der geplanten Gebietsreform wird jedoch mit einer unseriösen Kampagne der CDU-Opposition begründet. Es wäre besser, wenn die Linke ihre Fehleinschätzungen zugeben würde, statt die Fehler bei den anderen zu suchen. Die Einsetzung einer Kommission zur Zukunft der ländlichen Regionen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, wird uns als Großtat präsentiert und nicht etwa als Hinhaltetaktik, um nicht reagieren zu müssen. Die Kommission hat wohlweislich auf völlig veraltete Bevölkerungsprognosen zurückgegriffen und das selbst noch in ihrem Zwischenbericht aus diesem Jahr. Über das erwähnte Gutachten des Leipziger Institut für Länderkunde wurde bereits im November letzten Jahres berichtet. Das Gutachten ist jedoch nicht öffentlich zugänglich, sondern nur als Kurzvortrag vorhanden. Was möchte man der Bevölkerung vorenthalten? Es gibt ein Dialogportal, aber keine Informationen. Sieht so Transparenz aus? Wenn die Linke wirklich bürgerfreundlich sein wollte, dann würde sie die Informationen veröffentlichen, statt verschlossen zu halten. Der Bürger wird aber offenbar nur als Störfaktor betrachtet!

"Die bislang vorherrschende Sicht auf demografische Probleme sei häufig einseitig und primär von Verlustängsten geprägt gewesen",

wird uns erzählt. Nichts deutet darauf hin, dass dies inzwischen anders geworden ist. Als Fakten werden uns zum Artikel nur Interpretationen geliefert:

"Entgegen früherer Trends liegt die Geburtenrate in den ländlichen Regionen sogar höher als im dicht besiedelten Berliner Umland. Während es zum Beispiel im Landkreis Elbe-Eltster bei den 20-25-Jährigen 70 Geburten auf 1000 Frauen gibt, sind es in der Stadt Potsdam lediglich 28 Geburten",

heißt es. Aus diesen "Fakten" ist lediglich ablesbar, dass frühe Mutterschaft nicht Sache der Städter ist. Dies ist nichts Neues. Erstaunen würde das Gegenteil. Die Zahl der Geburten erscheint sehr niedrig, denn in Brandenburg kamen im Jahr 2016 bereits die 24-jährigen Frauen auf durchschnittlich 76,1 Geburten pro 1000 Frauen. Für die Altersgruppe der 20-24-jährigen Frauen beträgt die altersspezifische Geburtenziffer sogar 284,8 also rund das 4fache der Geburten in Elbe-Elster (vgl. 2018, Tabelle.6, S.8). Dem Statistischen Jahrbuch 2017 sind die Geburtenrate (TFR) des Jahres 2015 für die Landkreise und kreisfreien Städte zu entnehmen (Vgl. S.63). Elbe-Elster kam auf 1,66 Geburten pro Frau, während es in Potsdam 1,38 waren.

Finsterwalde, Guben und Wittenberge werden uns als Städte mit besonders hohen Einwohnerverlusten genannt. Die Revision der Annahmen beschreibt FRITSCHE folgendermaßen:

"Um ein genaueres Bild zu erhalten, gab die Kommission beim Leipziger Institut für Länderkunde ein detailliertes Gutachten in Auftrag. Herausgekommen ist, dass sich die Schrumpfung in den berlinfernen Regionen flächendeckend abschwächte, dass weniger Jugend abwandern, dass Ältere hinziehen, die in Rente gingen und ihren Ruhestand im Grünen genießen wollen, dass zudem Flüchtlinge kommen, dass dies alles den Sterbeübeschuss jedoch nicht ganz ausgleichen könne und dass es statistische Ausreißer gebe."

Das würde man lieber im Original und mit den entsprechenden Daten lesen!    

 
       
   

BLUM, Thomas (2018): Rien ne va plus.
Die Zeitschrift "Spex" wird eingestellt. Und auch dem Pop unserer Gegenwart geht es nicht gut,
in: Neues Deutschland v. 20.10.

Thomas BLUM erzählt uns nochmals die Geschichte von der coolen Nach-68er-Generation, die sich in den 1980er Jahren um die Popkultur als gegenkulturelles, hedonistisches Projekt scharte. Im Mittelpunkt steht dabei der Popintellektuelle Diedrich DIEDERICHSEN. Der Niedergang begann bereits nach der Wiedervereinigung in den 1990er Jahren. Mit dem Aufstieg des progressiven Neoliberalismus erlebte die Popkultur zwar eine Scheinblüte, aber spätestens Mitte der Nuller Jahre, als sich die "Spaßgesellschaft" zur Hartz-Gesellschaft wandelte, war der Niedergang unaufhaltsam. FDP-Popper beerdigten das gegenkulturelle Projekt und Neocons bestimmten nun die Agenda. Das urbane, kosmopolitisches Milieu war nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Nach Neon und Intro verabschiedet sich nun das dritte Zeitgeistprojekt der urbanen Kosmopoliten von der Zeitschriftenbühne. Niemand wird darüber wirklich traurig sein, denn die Zombies waren längst tot.

Fazit: Die netten Jahre sind vorbei. Die neue Rechte bestimmt inzwischen die gegenkulturelle Agenda der Popkultur und es benötigt nun ganz andere Zeitschriften, um dem etwas entgegenzusetzen. Das Missy Magazin gehört nicht dazu!     

 
       
   

19.10.2018

 
       
   

HOCHGÜRTEL, Tim (2018): Demografische und verhaltensbedingte Einflüsse auf die Entwicklung der Lebensformen von 1997 bis 2017,,
in: Wirtschaft und Statistik, Heft 5

Die Analyse im Artikel von Tim HOCHGÜRTEL fällt hinter den Standard zurück, den die Single-Debatte gesetzt hat. Alleinstehende werden weder nach Geschlecht und Alter noch nach Alleinlebenden und Nicht-Alleinlebenden differenziert. Stattdessen wird die heterogene Gruppe der "Alleinstehenden" in einen Topf geworfen. Die Zielsetzung, eine Trennung zwischen verhaltensbedingten und demografischen Einflüssen zu unterscheiden, scheitert deshalb schon im Ansatz.

"Der Anstieg der Alleinstehenden kann (...) nur zu geringen Teilen mit demografischen Veränderungen erklärt werden. Auch wenn Alter und Geschlechtsverteilung kontrolliert werden, steigt die Anzahl der Alleinstehenden deutlich an. Lediglich ein Viertel des Zuwachses der Alleinstehenden ist demografiebedingt." (S.90)

Dies folgert HOCHGÜRTEL aus folgenden Ergebnissen:

"Die Anzahl der Alleinstehenden hat im Zeitraum von 1997 bis 2017 um rund 4,2 Millionen von 14,3 Millionen auf 18,5 Millionen Personen zugenommen. Dies entspricht einem Zuwachs um rund 29 %. Bei einer gleich bleibenden Alters- und Geschlechterstruktur der Bevölkerung wäre die Anzahl der Alleinstehenden lediglich auf 17,4 Millionen gewachsen. Der Anteil der Alleinstehenden wäre somit um lediglich 22 % gestiegen. Damit entfällt rund ein Viertel des Zuwachses in der Anzahl der Alleinstehenden auf demografische Ursachen. Verhaltensbedingte Ursachen weisen somit einen deutlich größeren Einfluss auf." (S.87)

Bei dieser Gesamtschau bleiben lebensphasen- und generationsspezifsch bedingte Unterschiede außen vor. Es wird stattdessen eine Status-Quo-Annahme getroffen, die die veränderten Rahmenbedingungen im Lebenslauf völlig außer Acht lässt, wenn "demografiebedingt" lediglich heißt, dass Alter und Geschlecht als Variablen dienen. Änderungen bei den sozioökonomischen Variablen fallen dann einfach in die Rubrik "verhaltensbedingt", obwohl sie unter Umständen strukturellen Veränderungen geschuldet sind. Zudem werden Brüche im Zeitablauf und Ost-West-Unterschiede ausgeblendet. Die Individudalisierungsthese, die von HOCHGÜRTEL als Theorie unterlegt, war auf Westdeutschland gemünzt. Die Verhältnisse in Ostdeutschland, die durch die Deindustrialisierung verursacht wurden, werden einfach ignoriert.

Fazit: Die Analyse von HOCHGÜRTEL ist kurzsichtig und die Schlussfolgerungen sehr gewagt. Der Anstieg der Alleinstehenden könnte auf ganz gegenläufigen Entwicklungen in einzelnen Lebensphasen und Gebieten beruhen, die in der simplen Gesamtschau schlichtweg außen vor bleiben. 

 

 

       
   

Das GKV-Versicherten-Entlastungsgesetz in den Medien

BRÜSS, Manfred (2018): Versicherte werden um acht Milliarden Euro entlastet.
in:
versicherungsjournal.de v. 19.10.

MIHM, Andreas (2018): Beitrag für Millionen Krankenversicherte sinkt.
Wiedereinführung der paritätischen Finanzierung,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.10.

Mit dem Gesetzesentwurf werden auch Maßnahmen durchgeführt, die eher fragwürdig sind. Die Krankenkassen dürfen statt wie bislang nur 10 Prozent, einen doppelt so hohen Anteil in Aktien für Pensionsrücklagen investieren - und das in Zeiten, in denen sich der Aktienmarkt nach unten bewegt. Ist also der zukünftige Finanzmangel der Krankenkassen gewollt, um besser Sozialabbau betreiben zu können?   

 
       
   

LIETSCH, Jultta (2018): Die Lust an der Arbeit.
Talk of the town: Der Anteil der arbeitenden RentnerInnen in Deutschland hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Viele der Erwerbstätigen tun es nicht nur, um ihre Rente aufzubessern,
in: Handelsblatt v. 19.10.

Jultta LIETSCH, Jahrgang 1952 und tazlerin im Ruhestand, rechtfertigt sich dafür, warum sie weiterarbeitet, wobei sie auf Zahlen des Statistischen Bundesamts zurückgreift, die die gleitenden Renteneintrittsalter unberücksichtigt lässt. Dagegen greift der IAB-Kurzbericht Erwerbstätigkeit nach dem Übergang in Altersrente von Silke ANGER/Annette TRAHMS/Christian WESTERMEIER, den die FAZ vorgestern zitierte - auf die Antworten aus dem Nationalen Bildungspanel zurück, das anderen Restriktionen unterliegt.

 
       
   

GERTH, Martin/SCHWERDTFEGER, Heike/SCHÜRMANN, Christof (2018): Nur bedingt flüssig.
Auf der Jagd nach Rendite investieren Versicherer und Pensionskassen in Infrastruktur, Asien-Immobilien und schwer handelbare Schuldpapiere. Im Crash wären sie in illiquiden Anlagen gefangen - so wie in der Finanzkrise,
in: WirtschaftsWoche Nr.43 v. 19.10.

GERTH&SCHWERDTFEGER/SCHÜRMANN berichten darüber wie leichtfertig Lebensversicherer und Pensionskassen mit dem Geld der Versicherten umgehen, nur um möglichst hohe Profite herauszuholen. Geht es schief, dann sind nicht die Investoren, sondern diejenigen betroffen, die auf ihre Altersvorsorge angewiesen sind.

Fazit: Finanzkrise 2008 war nur ein kleiner Vorgeschmack auf die nächste Krise, in der die Altersvorsorge besonders betroffen sein wird, da die Teilprivatisierung in Deutschland nicht mehr in den Anfängen steckt wie 2008, sondern immer mehr forciert wird. Und nicht nur das: Immer mehr Demografiefonds bunkern Gelder, die angelegt werden wollen. Dieser nächste Crash wird kommen, nur der Zeitpunkt ist noch ungewiss. Mit steigenden Zinsen rückt das Risiko immer näher.   

 
       
   

KROHN, Philipp & Manfred SCHÄFERS (2018): Entlastung für Lebensversicherer.
Die erzwungene Zusatzreserve wird abgeschwächt,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.10.

KROHN & SCHÄFERS berichtet über einen weiteren Sieg der Lebensversicherer, deren Lobbyverband Deutsche Aktuarvereinigung die Rechtfertigung der Verordnung geliefert hat, die Olaf SCHOLZ (SPD) nun durchgewinkt hat. Die Zinszusatzreserve (ZZS) war einst von der Versicherungswirtschaft als Abwehr gegen weitreichendere Regulierungen gedacht gewesen. Weil aber die Niedrigzinsphase länger als erwartet dauerte, soll die nun abgespeckt werden. Die Versicherten werden davon am wenigsten profitieren, denn es geht vorrangig um die Profitsteigerung. 

 
       
   

THEURER, Marcus (2018): Stolze 253.000 neue Millionäre in Deutschland.
Der Club der Reichen wächst. Besonders eine Art der Geldanlage hat sich für die Deutschen zuletzt als besonders hochprofitabel erwiesen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.10.

 
       
   

Die Endphase der Landtagswahl in Hessen in den Medien

DELHAES, Daniel (2018): Farbenspiele im Wahlkampffinale.
Die jüngste Umfrage zur Hessenwahl eröffnet neue Optionen für Koalitionen. Inzwischen gibt es sogar drei Anwärter auf das Amt des Ministerpräsidenten,
in: Handelsblatt v. 19.10.

Daniel  DELHAES berichtet über die Hoffnungen der CDU, dass ihr die Angst vor einer linken Regierung Wähler zutreibt. Im Mittelpunkt der geplanten "rote Socken"-Kampagne stehen FDP-Wähler und unentschlossene eigene Wähler. Bayern hat vorgemacht, dass in den letzten Tagen vor der Wahl die eigene Wählerschaft noch mobilisiert werden kann. Der SPD-Spitzenkandidat Thorsten SCHÄFER-GÜMBEL wird uns von den Mainstreammedien schon seit längerer Zeit als Ministerpräsidenten-Kandidat präsentiert, obwohl dessen Chancen eher gering sind. Nun gilt auch der Grünen-Spitzenkandidat als Kandidat.

Die aktuellen Wahlumfragen zeigen einen Trend nach unten bei CDU/SPD, während die Linkspartei bei 8 Prozent stagniert. Die AfD bewegt sich bei 12 Prozent und die FDP liegt auf Höhe der Linkspartei mit Trend nach oben. Sollte die "rote Socken"-Kampagne - wie so oft - erfolgreich sein, dürfte die SPD der große Verlierer sein. Manche hoffen, dass dies zum Bruch bei der Großen Koalition führen könnte. Doch die Parteispitze der SPD setzt auf die Europawahl, um Forderungen nach einem Bruch abzuwehren. Die SPD-Spitze geht im Grunde schon davon aus, dass es in Hessen nicht für ein Mitregieren reichen wird.

GREIVE, Martin & Claudia PANSTER (2018): Ja, sind die denn noch zu retten?
Die Parteispitze hat der dauersiechen SPD einen gründlichen Erneuerungsprozess verordnet. Wieder mal und diesmal besonders gründlich. Aber wie erneuert man eigentlich eine Partei?
in: Handelsblatt v. 19.10.

"Seit 2005 in der Partei, kandidiert er zum ersten Mal für den Landtag. (Oliver) Ulloth ist 34 Jahre alt. 18 Jahre war seine Vorgängerin im Amt, nun macht sie für die jüngere Generation Platz. In Nordhessen ist die SPD traditionell stark, Ulloth macht sich Hoffnung auf ein Direktmandat",

erklären uns GREIVE & PANSTER. Oliver ULLOTH will den SPD-Wahlkreis 1 Kassel-Land 1 beerben. Der Jurastudent und Selbständige steht nicht gerade für die Erneuerung der SPD, sondern für das neoliberale Weiter-So. Das Direktmandat hatte vorher mit Brigitte HOFMEYER eine Frau ohne Studium inne. ULLOTH steht dagegen für Vermännlichung und Akademisierung der SPD. Zwei Faktoren, die gerade den Niedergang der SPD zu verantworten haben.  Bei der letzten Landtagswahl kam die SPD auf gerade einmal 14 der 55 Wahlkreise. Auf der Landesliste der SPD rangiert ULLOTH auf Platz 37 von 152 Bewerbern.

"Der Ortsverein in Erftstadt hat gerade einmal 280 Mitglieder, seit mehr als 20 Jahren ist die 50.000 Einwohner-Stadt im Speckgürtel Kölns Schwarz-Gelb regiert. Das Bürgerbüro der SPD ist so trist wie der Zustand der Partei",

berichten GREIVE & PANSTER. In Erftstadt gibt es die erste SPD-Doppelspitze auf Ortsvereinsebene, was als Errungenschaft präsentiert wird. Hinsichtlich der Erneuerung der Partei werden uns zwei Initiativen präsentiert: zum einen eine "flügelübergreifende Initiative SPD++ und ihr Gründer Henning TILLMANN sowie die Initiative SPD Disrupt von Tom SCHLANSKY. Mehr als diese inhaltsleeren Angaben hat der Artikel nicht parat. Als Experten werden zwei Politikwissenschaftler zitiert: Oskar NIEDERMAYER und Gero NEUGEBAUER.

Fazit: Der Artikel lässt keine Erneuerung der SPD erkennen, was auch daran liegt, dass der Blickwinkel auf die Partei sehr eingeschränkt ist.

DEMLING, Alexander & Carsten VOLKERY (2018): "Die Sozialdemokraten brauchen einen neuen Namen".
Anthony Giddens: Der berühmte Soziologe spricht über den Niedergang linker Parteien und erklärt, warum sie Charismatiker wie Emmanuel Marcron brauchen und wie sie sich angesichts von Flüchtlingsfrage und Facebook erneuern können,
in: Handelsblatt v. 19.10.

Der britische Soziologe Anthony GIDDENS gilt als Vordenker der neoliberalisierten Sozialdemokratie. In Deutschland gehörte Ulrich BECK zu den Verfechtern des "dritten Weges", dessen Phraseologie Emmanuel MACRON derzeit in Frankreich einsetzt. GIDDENS lobt das Buch Strangers in Their own Land von Arlie Russell Hochschild, das zum Verständnis der Rechtspopulisten beitragen würde:

"Sie reiste aus Berkeley in den tiefen Süden der USA und lebte dort mit »Tea Party«-Anhängern, die sie »zu Hause gebliebene Migranten« nennt. Sie sind entweder zu arm oder zu alt, um wegzuziehen, aber sehen, wie ihre gewohnte Welt aus den Fugen gerät. So viel hat sich um sie herum verändert, dass sie sich bedroht und ihre Identität untergraben fühlen. Man muss für diese Gefühle Verständnis haben, bevor man eine politische Strategie entwickeln kann."

Man kann die Äußerungen auch als Plädoyer für einen Rechtsruck in der SPD lesen. Stichworte sind "Einschränkung der Migration", Betonung der Kriminalität als Problem. Die SPD soll also die Themen der Rechtspopulisten aufgreifen, aber "linke Lösungen" anbieten. Dass diese Strategie nach hinten los geht, zeigen die letzten Wahlen. Warum sollte man dann nicht das Original wählen? Auch sonst hat GIDDENS, der uns als Arbeiterkind vorgestellt wird, der als erster in der Familien studieren durfte. GIDDENS gehört also zu jenen, die heute das eigentliche Problem der SPD sind. Die SPD ist zur Partei der Bildungsaufsteiger geworden, die ihre neuen Privilegien nun umso härter verteidigen.

Fazit: Die Sozialdemokraten brauchen keinen neuen Namen und schon gar keine Phraseologie, die der Neoliberalisierungsphase entstammt, sondern das Gegenteil: Eine Abwendung von dieser Phraseologie. Dazu bedarf es einer grundlegenden personellen Erneuerung, denn der Glaubwürdigkeitsverlust ist das zentrale Problem der SPD.

RIPPEGATHER, Jutta (2018): Abwehrkämpfe statt politischer Inhalte.
FR-Tagesthema: Die AfD empört sich, doch sie liefert keine Antworten auf aktuelle Fragen,
in: Frankfurter Rundschau v. 19.10.

Die FR - einst linksliberales Flaggschiff - ist nur noch ein Schatten dieser goldenen Jahre. Zwei Seiten widmet das Blatt dem Thema "AfD vor der Wahl". Statt offensiver Berichterstattung, defensive Anti-AfD-Kampagne, obwohl damit den Rechtspopulisten nicht beizukommen ist. Je verzweifelter die Verteidiger der Demokratie ihr neoliberales Weiter-So verschleiern wollen, desto eher treiben sie die Protestwähler in die Arme der AfD. Die linke ist so zerstritten und fragmentiert, dass sie als Gegengewicht ein Totalausfall ist. Die Rechtspopulisten scheinen dann die einzige wirkliche Alternative. Dies aber ist das eigentlich Tragische.

Fazit: Ein Trend der diesjährigen Landtagswahlen ist es, dass Aufklärung zugunsten von Emotionalisierung vernachlässigt wird. Statt schonungsloser Medienberichte über die Polarisierung in den Bundesländern, wird auf Positivismus und Anti-AfD-Kampagnen gesetzt. Wenn sich die Medien zu Verbündeten von bestimmten Parteien machen, dann ist ihre Glaubwürdigkeit bedroht. Die Mainstreammedien sind Teil des Problems.

 
       
   

Das Single-Dasein in Japan

COULMAS, Florian (2018): Die Jahre, die es niemals geben wird.
Gastkommentar: Japan vor einer Zeitenwende,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 19.10.

 
       
   

18.10.2018

 
       
   

DESTATIS (2018): Lebenserwartung blieb 2015/2017 nahezu unverändert,
in: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts v. 18.10.

"Nach den Ergebnissen der aktuellen Sterbetafel 2015/2017 beträgt die Lebenserwartung für neugeborene Jungen 78 Jahre und 4 Monate, für neugeborene Mädchen 83 Jahre und 2 Monate. (D)ie Lebenserwartung von Neugeborenen (hat sich) damit im Vergleich zur vorangegangenen Sterbetafel 2014/2016 nur sehr geringfügig verändert.
Auch für ältere Menschen sind die Werte für die Lebenserwartung nahezu unverändert. Nach der Sterbetafel 2015/2017 beläuft sich zum Beispiel die noch verbleibende Lebenserwartung – die sogenannte fernere Lebenserwartung – von 65-jährigen Männern wie bereits 2014/2016 auf 17 Jahre und 10 Monate. Für 65-jährige Frauen ergibt sich nach wie vor eine fernere Lebenserwartung von 21 Jahren.
Auf der Ebene der einzelnen Bundesländer haben nach den Ergebnissen der Sterbetafeln 2015/2017 Männer in Baden-Württemberg mit 79 Jahren und 7 Monaten sowie dort lebende Frauen mit 83 Jahren und 11 Monaten nach wie vor die höchste Lebenserwartung bei Geburt. Die niedrigsten Werte weisen mit 76 Jahren und 3 Monaten weiterhin Männer in Sachsen-Anhalt sowie mit 82 Jahren und 3 Monaten Frauen im Saarland auf", meldet das Statistische Bundesamt.

 
       
   

DESTATIS (2018): Die Hälfte der Generation 65 plus surft im Internet,
Statistisches Jahrbuch 2018 mit nationalen und internationalen Daten zu Themen aus Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt erschienen,
in: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts v. 18.10.

"Der Anteil der 65- bis 69-Jährigen, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen, hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt: 2007 waren es 7,1 % gewesen, 2017 schon 16,1 %",

meldet das Statistische Bundesamt zur Veröffentlichung des Statistischen Jahrbuchs 2018.

 
       
   

SEYFFARTH, Moritz (2018): Fünf Hotspots mit Strahlkraft.
Berlin, Hamburg, München, Frankfurt und Stuttgart locken Millionen von Menschen an, auch ihr Umland wächst kräftig. Andere Städte müssen von ihnen lernen, um nicht zu veröden,
in: Welt v. 18.10.

Anlässlich einer BIB-Pressemittleitung Boomstädte im Osten Deutschlands nutzt Moritz SEYFFARTH Daten zur Bevölkerungsentwicklung, um das Weiter-So des neoliberalen Standortwettbewerbs zu propagieren. Bevölkerungsentwicklungen haben ihre Ursache gerade in ökonomischen Fehlentwicklungen. Sie sind Folgen und nicht Ursachen von Problemen. Der Neoliberalismus erzeugt durch die Demografisierung gesellschaftlicher Probleme erst jene Probleme, die er zu lösen vorgibt. Statt die Großstädte im Sinne einer Stärkung der Starken zu fördern, ist Dezentralisierung das notwendige Mittel. Cluster-Effekte, die von Neoliberalen beschworen werden, sind kein Heilmittel, sondern erzeugen geradezu Verödung in peripheren Gebieten. 

 
       
   

FABRICIUS, Michael (2018): Gute Aussichten im Osten.
Im Zuge der Wiederbelebung vieler Städte in den neuen Bundesländern werden die Immobilien vor Ort für Investoren attraktiver,
in: Welt v. 18.10.

Michael FABRICIUS berichtet über den jährlichen Wohnungsmarktbericht Ostdeutschland der TAG Immobilien AG

"Renditen zwischen vier und zwölf Prozent seien in den 27 größten Städten Ostdeutschlands möglich, heißt es in der diesjährigen Ausgabe",

lügt uns FABRICIUS an. Der Bericht umfasst lediglich 27 ostdeutsche Städte. Die Größe spielt dabei jedoch keine Rolle, sondern die Interessen der Firma. So umfasst z.B. die Region Rostock die Städte Rostock, Schwerin, Stralsund, Greifswald und Waren in Mecklenburg-Vorpommern. Waren (Müritz) ist jedoch nur die achtgrößte Stadt in Mecklenburg-Vorpommern. Die Städte Neubrandenburg, Wismar und Güstrow wären größer.

Fazit: Der Wohnungsmarktbericht ist sehr selektiv, was bereits anhand der letzten beiden Wohnungsmarktberichte aufgezeigt wurde.

 
       
   

Die Endphase der Landtagswahl in Hessen in den Medien

HEBEL, Stephan (2018): Trotz gegen Trauma.
Hessen: Rechnerisch ist eine rot-rot-grüne Regierung nach der Landtagswahl nicht ausgeschlossen. Ist sie politisch machbar?
in: Freitag Nr.42 v. 18.10.

ÖFINGER, Hans-Gerd (2018): Wurzeln der hessischen AfD reichen von CDU bis "Identitäre".
Für die Landtagswahl stellt die Partei altbekannte Rechtsradikale auf. Fragen zum Programm können diese nicht immer beantworten,
in: Neues Deutschland v. 18.10.

Hans-Gerd ÖFINGER sieht in der Hessen-CDU und dem Landkreis Fulda eine entscheidende Wurzel der AfD:

"Der Landesverband war von Alfred Dregger, dem ehemaligen Oberbürgermeister von Fulda (...) Ende der 1960er Jahre auf nationalkonservativen Kurs getrimmt worden. (...).
Dass Jahre später die hessische AfD im Landkreis Fulda besonders gut abschneidet, dürfte zumindest teilweise an der Bekanntheit Martin Hohmanns liegen. Bei der Bundestagswahl 2002 eroberte der ehemalige BKA-Beamte und Bürgermeister mit 49,5 Prozent der Erststimmen das Direktmandat für die CDU. (...).
Als parteiloser Direktkandidat errang er 2005 im Wahlkreis Fulda 21,5 Prozent der Erststimmen, konnte aber sein Direktmandat nicht gegen den neuen CDU-Kandidaten verteidigen. (...) 2016 führte er die AfD-Liste zur Kreistagswahl an. Aus dem Stand errang die Partei im Landkreis Fulda 14,3 Prozent und Hohmann wurde bis zu seiner Wahl in den Bundestag 2017 ihr Fraktionschef auf Kreisebene. (...). Bei der Wahl des Stadtparlaments Fulda 2016 brachte die AfD keine eigene Liste zustande. In der 68.000 Einwohner großen Stadt deckt eine Nachhut der einst hessenweit erfolgreichen Republikaner den rechten Rand ab."

Stadtschloss, Sitz der Stadtverwaltung in Fulda, Foto: Bernd Kittlaus 2018

Der Aschenberg in Fulda wird als von Russlanddeutschen bewohnter Stadtbezirk beschrieben, in dem die AfD punkten will.

 
       
   

ND/DPA (2018): Schlechtes Zeugnis fürs Ruhrgebiet.
Studie: Das Revier hinkt wirtschaftlich vielfach hinterher - und fiel in den letzten Jahren teils sogar weiter zurück,
in: Neues Deutschland v. 18.10.

Agenturmeldung zum IW-Gutachten Die Zukunft des Ruhrgebiets im Auftrag der NRW-Unternehmensverbände. Zum Ruhrgebiet werden 15 Landkreise und kreisfreie Städte gezählt (siehe Tabelle 3-1, S.19)

 
       
   

Die AfD-Hochburg Sachsen in der Debatte

RÖSLER, Jörg (2018): 1990 - Liquidierte Stadt.
Zeitgeschichte: In Chemnitz bemüht sich die Treuhandanstalt, eine ganze Industriemetropole einzuebnen. Werkzeug- und Textilmaschinenbau fristen jetzt nur noch ein Schattendasein,
in: Freitag Nr.42 v. 18.10.

Jörg RÖSLER macht die neoliberale Privatisierungspolitik der Treuhandanstalt für die Verfestigung rechtsextremer Strukturen in Chemnitz mitverantwortlich:

"Die Arbeitslosigkeit, für Chemnitz seit den 1950er Jahren ein unbekanntes Phänomen, steigt bis 1994 auf über zehn Prozent (sie liegt heute mit 7,4 Prozent über dem sächsischen Durchschnitt von 6,4 und deutlich über dem Wert 2,9 im benachbarten Bayern).
(...): Die Einwohnerzahl der Stadt schrumpft in 28 Jahren von 294.000 auf 247.000. Es sind vorzugsweise junge, gut qualifizierte Leute, oft ganze Familien, die Chemnitz verlassen. Der Rückgang des Anteils der bis 14-Jährigen von 18 auf 11 Prozent an der Chemnitzer Gesamtbevölkerung ist (...) die Konsequenz einer bisher irreversiblen Abwanderung. Auf der anderen Seite erhöht sich der Anteil der Rentner zwischen 1990 und 2017 von einem Siebtel auf ein Viertel der Gesamtbevölkerung.
Wer nach den Ursachen (...) sucht, stößt unweigerlich auf die Privatisierungen zwischen 1990 und 1994, die von der Treuhand begonnen und von der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS) fortgesetzt worden ist."

 
       
   

Annie Ernaux - Erinnerung eines Mädchens

JANDL, Paul (2018): Die Liebe zeigt ihr hässlichstes Gesicht.
Annie Ernaux buchstabiert in ihren Erinnerungen an einen fernen Sommer das Alphabet der sexuellen Gewalt und Erniedrigung,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 18.10.

 
       
   

17.10.2018

 
       
   

RIECKE, Torsten & Norbert HÄRING (2018): Deutschland ist besser als sein Ruf.
Standortwettbewerb: In der weltweiten Rangliste des World Economic Forum (WEF) landet die deutsche Wirtschaft hinter den USA und Singapur auf Rang drei,
in: Handelsblatt v. 17.10.

 
       
   

STEFFEN, Johannes (2018): Hintergrund-Daten: Löhne, Renten und Existenzminimum.
Ein komplexes Geflecht,
in:
sozialpolitik-portal.de v. 17.10.

 
       
   

BEEGER, Britta (2018): Warum Rentner weiter arbeiten.
Nicht nur des Geldes wegen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 17.10.

Nur wenige Rentner arbeiten wegen dem Spaß an der Arbeit weiter, wobei Spaß eher mit Macht zu übersetzen ist, denn es sind in erster Linie Führungskräfte und hoch bezahlte Erwerbstätige, die weiter arbeiten. Frauen arbeiten vor allem aus finanziellen Gründen und wegen der Kontakte weiter, die der Beruf mit sich bringt.

"238.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte arbeiten schon jetzt über die derzeitige Regelaltersgrenze von 65 Jahren und sieben Monate hinaus",

lauten die Erkenntnisse einer IAB-Studie, die aus der Sicht derjenigen geschrieben ist, die eine Erhöhung des Renteneintrittsalters und die Senkung der Arbeitskosten durch ein möglichst hohes Reserveheer im Blick haben.

 
       
   

SCZEPAN, Johannes & Andrew J. HARTSOE (2018): Schädlicher Provisionsdeckel in der Lebensversicherung.
Standpunkt,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 17.10.

Zwei Lobbyisten der Finanzdienstleister verteidigen die Subventionierung der Lebensversicherer.

 
       
   

Die Endphase der Landtagswahl in Hessen in den Medien

ÖFINGER, Hans-Gerd (2018): Der Arzt ist weg, die Bank sowieso.
Hessen: Erst zur Wahl hat die Regierung die Probleme des ländlichen Raums entdeckt,
in: Neues Deutschland v. 17.10.

"Derzeit lebt mehr als die Hälfte der Bevölkerung im Sechs-Millionen-Land jenseits der größeren Städte. Bevölkerungsschwund, Abwanderung in die Ballungsgebiete und schrumpfende Infrastruktur sind (...) (e)in großes Problem. (...).
Ein besonders großes Bevölkerungsminus wird den Landkreisen Vogelsberg, Hersfeld-Rotenburg, Schwalm-Eder und Waldeck-Frankenberg prognostiziert. Dem nordöstlichen, an der Grenze zu Thüringen und Niedersachsen gelegenen Werra-Meißner-Kreis sagt die landeseigene Hessen-Agentur einen Bevölkerungsrückgang von über 40 Prozent voraus. Demgegenüber kann sich das südhessische Darmstadt auf ein Plus von zehn Prozent einstellen..
Wenn die Heimatregion nicht mehr genügend Arbeit bietet, ziehen die Jüngeren weg - so etwa in das Rhein-Main-Gebiet. Wer aber nicht die Zelte abbrechen will, nimmt oftmals lange tägliche Wege mit Auto oder Bahn in Kauf. Frühmorgens sind etwa die ICE-Züge, die in anderthalb Stunden von Kassel nach Frankfurt am Main brausen, brechend voll mit Pendlern",

beschreibt Hans-Gerd ÖFINGER jene Problemkonstellation, die der Linkspartei bei der Hessenwahl Zuwächse bescheren soll. Wer aber nur die neoliberale Demografisierung gesellschaftlicher Probleme ständig wiederholt, der wird keine wirklichen Zuwächse für eine "linke" Partei erzielen, sondern lediglich den Zulauf zu rechten Parteien vergrößern.

Als einziges Problem des ländlichen Raums wird der Ärztemangel hervorgehoben:

"Als Schritt gegen den Ärztemangel auf dem Land hat die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) (...) einen »Medibus« entwickelt. (...).
Neuland bei der Sicherung der ärztlichen Versorgung hat auch Schwarzenborn (Schwalm-Eder-Kreis), die mit rund 1.400 Einwohnern kleinste Stadt Hessens, betreten. (...). (D)ie Stadt (betreibt) in eigener Regie ein neues Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ). (...). Um Nachwuchskräfte für das MVZ zu interessieren, stehe die Kommune in Kontakt mit Universitäten (...), erklärte Bürgermeister Jürgen Liebermann (SPD). Für ihn ist das kommunale MVZ, das sich an ein ähnliches Projekt im rheinland-pfälzischen Karzenelnbogen (Rhein-Lahn-Kreis) anlehnt, »auf jeden Fall ein Weg« gegen den Landarztmangel."

 
       
   

Die Landtagswahl in Bayern in den Medien

NIEWEL, Gianna (2018): Ab durch die Mitte.
München-Schwabing: Die Grünen legen um 20 Prozentpunkte zu, die FDP holt hier ihr bestes Ergebnis bei dieser Landtagswahl. Die Verlierer? Dreimal raten. Über den Untergang der SPD in Bayern, am Beispiel der tapferen Politikerin Isabell Zacharias,
in: Süddeutsche Zeitung v. 17.10.

Gianna NIEWEL porträtiert die SPD-Landtagsabgeordnete, die seit 2008 im Landtag sitzt und nun um ihren Wiedereinzug bangen muss. Im Stimmkreis 108 München-Schwabing unterlag die SPD-Kandidatin dem Grünen-Kandidaten Christian HIERNEIS (34,3 %) und dem CSU-Kandidaten. Auf der Bezirksliste Oberbayern steht Isabell ZACHARIAS nur auf Platz 7. Nach dem vorläufigen amtlichen Ergebnis würde dies gerade für den Einzug in den Landtag reichen (vgl. Tabelle 4.2, S.112).

"Schwabing ist schön gewachsen über die Jahrzehnte, voller Bildungsbürger, die hier seit Langem leben und am Elisabethmarkt am Samstag Gemüse und Fisch kaufen. Dieses Schwabing ist zugleich (...) gefährdet. Die Grünen verbesserten sich hier bei der Landtagswahl um 20 Prozentpunkte auf 34,4 Prozent, sie sind die stärkste Partei. Die FDP (...) holte nicht zuletzt dank der neuen Schwabinger Klientel (salopp: eigene Immobilie plus SUV für den Stau auf dem Mittleren Ring) Ihr bestes Ergebnis in Bayern: 12,6 Prozent",

beschreibt NIEWEL den Stimmkreis und deren Wählerschaft.

"Die SPD hat bei den vergangenen Landtagswahlen immer verloren. Im Saarland (...). In Schleswig-Holstein (...). In Nordrhein-Westfalen. (...). Jetzt also Bayern",

malt NIEWEL ein Niedergangstableau, das Schönheitsfehler hat, denn Niedersachsen bleibt außen vor, weil es dem Niedergangsszenario widerspricht.

 
       
   

16.10.2018

 
       
   

KRUSE, Katrin (2018): Tinder macht feige.
Was passiert, wenn man das herkömmliche Script der Dating-App unterläuft? Man kann schönen Phantomen begegnen. Und die Liebe neu erfinden,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 16.10.

 
       
   

SCHNELL, Christian (2018): Flexibilität als Lockmittel.
Die Lebensversicherung gilt als starr. Neue Produkte sollen nun flexible Einzahlungen und sogar Auszahlungen ermöglichen. Umsonst gibt es diesen Service allerdings nicht,
in: Handelsblatt v. 16.10.

 
       
   

Die Endphase der Landtagswahl in Hessen in den Medien

DELHAES, Daniel/GREIVE, Martin/STRATMANN, Klaus (2018): Ruhe, bitte - bis zur Hessenwahl.
CDU und SPD konzentrieren sich nach der Wahl in Bayern auf Hessen. Während Angela Merkel gestärkt scheint, wächst die Sorge über die zukünftige Rolle der SPD,
in: Handelsblatt v. 16.10.

 
       
   

Die Landtagswahl in Bayern in den Medien

DECKERS, Daniel (2018): Bayerischer Wandertag.
Wer von der CSU wohin marschierte - und wer ihr trotz allem zulief,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.10.

Daniel DECKERS präsentiert die Wählerwanderung, die vom Unionsnahen Meinungsforschungsinstitut der Forschungsgruppe Wahlen erhoben wurde. Im Mittelpunkt steht dabei die CSU.

ESSLINGER, Detlef (2018): Die neuen Farben des Freistaats.
Wahl in Bayern,
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.10.

Eine Grafik präsentiert das beste und schlechteste Ergebnis der 6 im Landtag vertretenen Parteien gemäß der Gesamtstimmen: CSU (Bad Kissingen: 49,8 %; München-Mitte: 16,1 %), Grüne (München-Mitte: 42,5 %; Cham: 7,8 %), Freie Wähler (Kelheim: 24,6 %; Nürnberg-West: 3,9 %), AfD (Regen, Freyung-Grafenau: 16,2 %; München-Mitte: 3,7 %), SPD (Hof: 21,5 %; Straubing: 4,6 %), FDP (München-Schwabing: 12,6 %; Tirschenreuth: 2,6 %)

ECKERT, Daniel (2018): Eine Partei für die Kinder des Wohlstands.
Die Grünen legen vor allem in den Regionen zu, in denen die Wirtschaft boomt und viele Menschen gut verdienen. Doch schon in der nächsten Konjunkturkrise könnte es mit der Herrlichkeit vorbei sein,
in: Welt v. 16.10.

Daniel ECKERT stellt allzu simple Zusammenhänge zur Partei der Grünen her. Immer noch ist die FDP die Partei der Besserverdienenden, während die Grünen sowohl bei Hochgebildeten als auch bei Besserverdienenden gut abschneidet. "Hohe Bildung" heißt jedoch nicht unbedingt hohes Einkommen. So gibt es Regionen, die zwar zu den reichen Regionen gehören, aber die Grünen schlecht abschneiden (z.B. Olpe). Andere Regionen wie Heilbronn Stadt zeigen, dass der Indikator verfügbares Einkommen pro Kopf durch Einkommensmilliardäre stark verfälscht werden kann. Dass die Klimapolitik der Hauptgrund für deren Wahlerfolg ist, darf ebenfalls bezweifelt werden.

Fazit: Die Welt bastelt sich ein Grünen-Bild wie es ihr gefällt.

 
       
   

15.10.2018

 
       
   

Die Landtagswahl in Bayern in den Medien

LANDESWAHLLEITER (2018): Landtagswahl am 14. Oktober 2018.
Vorläufiges amtliches Endergebnis,
in: Pressemitteilung Landeswahlleiter des Freistaats Bayern v. 15.10.

 
       
   

14.10.2018

 
       
   

IGEL, Leon (2018): Studenten werden Bauherren.
In den Uni-Städten fehlt es an bezahlbaren Wohnungen, Heidelberger Studenten sind selbst aktiv geworden und bauen ihr eigenes Wohnheim,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 14.10.

 
       
 

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Zu den News vom 05. - 13. Oktober 2018
 

       
   
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Bernds@single-dasein.de Stand: 23. Oktober 2018