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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
       
   
News 01.-05. Januar 2018
News 17.-31. Dezember 2017
News 14.-16. Dezember 2017
News 07.-13. Dezember 2017
News 01.-06. Dezember 2017
News 25.-30. November 2017
News 18.-24. November 2017
News 15.-17. November 2017
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News 09.-13. September 2017
News 06.-08. September 2017
News 01.-05. September 2017

News 1-8/2017
News 2000-2016

 
 
   
Medienberichte über single-dasein.de
 
 
 
   

News vom 06. - 31. Januar 2018: [06.01.] [07.01.] [08.01.] [10.01.] [11.01.] [12.01.] [13.01.] [14.01.] [15.01.] [16.01.] [18.01.] [19.01.] [20.01.]

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Der Forschung zur Kinderlosigkeit fehlt immer noch eine angemessene Definition von lebenslanger Kinderlosigkeit, sodass diese in jüngeren Frauenjahrgängen immer noch überschätzt wird

"Research on childlessness has always faced challenges in formulating a clear definition of »permanent childlessness.« In qualitative studies, respondents who stated that they firmly reject parenthood were often categorized as childless, even if they were still of childbearing age at the time of the interview (Gillespie 2000: 228; Black und Scull 2005). But earlier quantitative studies also did not use any age limitations in the analysis of childlessness (De Jong and Sell 1977; Baum 1983). The conclusion from these investigations that »childlessness is temporary and that childbearing may occur later in life« (1977: 132) seemed self-evident. The studies that followed failed to use universal definitions of permanent childlessness. In principle, researchers have to wait until female cohorts have passed a certain age before drawing firm conclusions about the childlessness levels in these cohorts. However, the temptation to predict the childlessness levels of cohorts who are close to the end of their reproductive period is strong. The inability to imagine further increases in childbearing at later ages has led many researchers to use cut-off ages that are too low. As a consequence, these scholars overstated childlessness levels for the younger cohorts."
(Michaela Kreyenfeld & Dirk Konietzka "Analyzing Childlessness" in: Diesselben (Herausgeber) Childlessness in Europe: Contexts, Causes, and Consequences, Springer Verlag open access, 2017, S.6)

 
       
       
   

20.01.2018

 
       
   

BEENEN, Janis (2018): Wesertraum.
Das Goethequartier in Bremerhaven gilt schon lange als ärmstes Stadtviertel Deutschlands. Die Stadt versucht gemeinsam mit Bürgern und mutigen Investoren, den Verfall zu stoppen. Nun zeigen sich erste Erfolge - das macht manchem Angst,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 20.01.

Janis BEENEN beschreibt am Beispiel des Goetheviertels in Bremerhaven wie heutzutage die Gentrifizierung attraktiver innenstadtnaher Stadtviertel, d.h. die Vertreibung der Armen aus Gründerzeitvierteln, mittels Public-Private-Partnership betrieben wird.

"Die armen Menschen von Bremerhaven leben in Altbauten aus der Gründerzeit. Im Goethequartier zwischen Hafen und Innenstadt reihen sich hohe Mehrfamilienhäuser mit Stuckverzierungen aneinander (...). Rolf Thörner (...) arbeitet als Immobilieninvestor. Wo andere Elend sehen, sieht er Potenzial. (...).
In Medienberichten wird die Gegend oft als »ärmstes Stadtviertel Deutschlands« bezeichnet (...). Mehr als zwanzig Prozent der Bewohner hier haben keine Arbeit, jeder fünfte gilt als überschuldet. Von etwa 750 Häusern gab die Stadt 35 das Label »verwahrlost«. Der Mietpreis liegt meist unter fünf Euro pro Quadratmeter. Dennoch stehen viele Häuser leer. (...).
Seit Jahrzehnten leben viele Ausländer im Goethequartier, der Anteil liegt bie mehr als 40 Prozent. vor allem Bulgaren sind hier",

beschreibt BEENEN das profitable Altstadtquartier, bei dem hauptsächlich das schlechte Image, die Bewohnerstruktur und die unwilligen Eigentümer als Störfaktor der Gentrifizierung  angesehen werden. Denn bereits in den 1980er Jahren wurden Käufern goldene Zeiten versprochen, die nun als unwillige Eigentümer den Gentrifizierungsplänen entgegenstehen:

"In den verwahrlosten Mehrfamilienhäusern gibt es meist zahlreiche Wohnungseigentümer. Viele leben im Ausland (...). Etliche Eigentümer sind auch in Süddeutschland zu finden. Ihnen wurden die Immobilien in Bremerhaven nach einer Sanierungswelle in den 80er Jahren als Wertanlagen verkauf. Sie kannten die Wohnungen damals nur aus Hochglanzprospekten und zahlten überzogene Preise. Noch mehr Geld wollen sie nicht investieren."

Dieses Desaster könnte sich wiederholen, wenn Bremerhaven nicht doch noch vom Aufschwung profitieren kann. Die Stadt jedenfalls buttert viel Geld in das Altbauviertel, um es für Investoren attraktiv zu machen, die ganz sicher nicht an einem "belebten Viertel, in dem Menschen aus allen Schichten der Gesellschaften leben" (so das Marketinggewäsch, das  BEENEN nachplappert) interessiert sind, sondern Rendite machen wollen. Klappt es, dann steht am Ende das gentrifizierte Ghetto betuchter Wilhelmshavener.       

 
       
   

SOJITRAWALLA, Shirin (2018): Frau ohne Kind.
Rebecca Solnit sorgte mit ihren feministischen Essays weltweit für Furore. Ihr neues Buch ist gewohnt scharfsinnig und humorvoll,
in:
TAZ v. 20.01.

Shirin SOJITRAWALLA, Jahrgang 1968, geht nur äußerst widerwillig auf den titelgebenden Essay Die Mutter aller Fragen ein, in dem die kinderlose Feministin sich mit der verletztenden Frage Warum haben sie keine Kinder? auseinandersetzt. Außer dass SOJITRAWALLA die Behandlung dieses Thema durch Rebecca SOLNIT offensichtlich missfällt, bleiben die Gründe ihrer Abneigung im Dunkeln. Einzig der Essay Kinderlosigkeit von Hans-Ulrich TREICHEL aus dem Jahr 2004 fällt ihr dazu ein. Wichtiger ist SOJITRAWALLA stattdessen jenes Thema, das den elitefeministischen, akademischen Mainstream derzeit umtreibt. 

 
       
   

REINECKE, Stefan/SCHULTE, Ulrich/WYPUTTA, Andreas (2018): Im Kern gespalten.
Reportage: Am Sonntag stimmt die SPD darüber ab, ob sie Koalitionsverhandlungen mit der Union aufnimmt. Juso-Chef Kevin Kühnert kämpft gegen die Groko, SPD-Chef Martin Schulz dafür. Links gegen rechts - und mehr. Denn der Riss geht diesmal viel tiefer,
in:
TAZ v. 20.01.

Der Parteitag ist eine Farce. Ein bisschen Protest soll darüber hinwegtäuschen, dass die SPD sich wie ein Lamm zur Schlachtbank führen lässt. Der Juso-Vorsitzende Kevin KÜHNERT wird von REINECKE/SCHULTE/WYPUTTA folgendermaßen beschrieben:

"Der Stadtteil Friedenau liegt im wohlhabenden Süden der Hauptstadt. Wer hier in der SPD ist, gehört eher zur akademischen Mittelschicht. Der SPD-Ortsverein ist von Beamten, Lehrerinnen, Senatsangestellten geprägt.
Kühnert ist hier »der Kevin«. (...).
»Der Sonntag«, sagt er »wird schwierig. Wir müssen das gesittet über die Bühne bringen«. Gesittet. Wer so redet, ist kein Rebell, der das Partei-Establishment verjagen will. So kliingt jemand, den man sich in ein paar Jahren eher als Staatssekretär im Finanzministerium vorstellen kann, als mit Megafon auf der G20-Demo."

Im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 konnte man sehen, wie mit missliebigen Juso-Vorsitzenden bei der SPD umgegangen wird: Sie erhalten einfach keinen aussichtsreichen Listenplatz bei Bundestagswahlen. KÜHNERT wird das sicherlich nicht passieren.  

 
       
   

19.01.2018

 
       
   
taz-Titelgeschichte: Scheidung macht sie arm

OESTREICH, Heide (2018): Was nach der Scheidung übrig bleibt.
Vor zehn Jahren wurde das Unterhaltsrecht reformiert. Es sollte die "Versorgerehe" ablösen, die Familienpolitik modernisieren. Doch es trieb unzählige Frauen in die Armut,
in:
TAZ v. 19.01.

Heide OESTREICH zieht Bilanz zu 10 Jahren neues Unterhaltsrecht. Die taz gehörte in der Debatte zur Reform des Unterhaltsrechts zu den Befürwortern einer Neuorientierung auf die Doppelkarriere-Familie und begrüßte das als Schritt auf dem Weg zum Ende der Alleinverdienerehe. Dumm nur, dass die Doppelkarriere-Familie in Deutschland lediglich das Lebensmodell einer kleinen Minderheit von Akademikerinnen ist, die aber die Mainstreamdebatte dominierten.

"(W)as Brigitte Zypries bei ihrem Schritt in die moderne Familienpolitik nicht bedacht hatte. Es gab nur wenige moderne Familien für ihre moderne Familienpolitik Nach wie vor war und ist das vorherrschende Familienmodell in Deutschland das westdeutsche sogenannte modernisierte Ernährermodell - er Vollzeit, sie Teilzeit. 70 Prozent aller Mütter in Deutschland arbeiten nicht voll. Und so kommt es, dass nach wie vor 95 Prozent aller Menschen, die ein Recht auf Unterhaltszahlungen vom Expartner haben, Frauen sind."

2010 verfasste Julia NIEMANN in der taz eine Titelgeschichte über die verlassenen Macciato-Mütter im Berliner Szenebezirk Prenzlauer Berg. Simone SCHMOLLACK, heutige Chefredakteurin bei der Wochenzeitung Freitag, schrieb damals einen hämischen Artikel in der taz über Selbstmitleid im Szenecafé. OESTREICH fasst diese Sicht folgendermaßen zusammen:

"(»A)m Anfang war es tatsächlich Wildwest«, erinnert sich Anwältin Birgit Kemming vom Deutschen Juristinnenbund. Die Scheidungszahlen stiegen 2008 und 2009 plötzlich an. Die Vermutung liegt nahe, dass das Ehemänner ihre Exfrauen entsorgten, weil sie nun genug Geld haben sollten, um mit ihrer Geliebten eine neue Familie zu grünen.
Und die geschiedenen Frauen bekamen wenig Solidarität."

2013 wurde das Unterhaltsrecht abgemildert und mehr Rücksicht auf die "langjährigen Hausfrauenehen" genommen. Während die Männer per Hartz-Gesetzgebung auf die Abwärtsrampe geschickt wurden, war die Reform des Unterhaltsrechts das funktionale Äquivalent dazu für Frauen. Beide Reformen beendeten die Lebensstandardsicherung (wie schon zuvor die Teilprivatisierung der gesetzlichen Rente für die Rentenempfänger) und unterwarfen die Individuen dem neoliberalisierten Markt mit seinen Erfolgsprinzipien. Individualisierung wurde damit vom Versprechen zum brutalen Zwang für alle, die nicht zu den Happy Few der oberen Mittelschicht und der Oberschicht gehören. Elitenfeminismus und neoliberalistische Kräfte haben den traditionellen Sozialstaat weitgehend entsorgt - die AfD fährt nun die Ernte dieses Pyrrhussiegs ein.

Nichtsdestotrotz suchen Feministinnen weiterhin ihr Heil in einer mehr oder weniger marktkonformen Individualisierung. Ihr Motto: Die Individualisierung ist nur noch nicht richtig vollendet. Alternative Familienformen, die nicht dem Ideal der Doppelkarriere-Familie entsprechen, gelten als rückständig, obwohl der flexible Kapitalismus weniger auf Karriere als auf Niedriglohnbranchen setzt.

"Solange (...) die Familienpolitik nicht im Ganzen modernisiert wird, bleibt das neue Unterhaltsrecht eine Ungerechtigkeit."

Familienpolitik ist für OESTREICH zu allererst Gleichstellungspolitik und Bekämpfung des Ehegattensplittings. Daneben wird auch die "mangelhafte Kinderbetreuung" kritisiert. Zu den Auswirkungen der Reform von 2008 zitiert OESTREICH das 2017 veröffentlichte Arbeitspapier Less Alimony after Divorce – Spouses’ Behavioral Response to the 2008 Alimony Reform in Germany von Julia BREDTMANN & Christina VONNAHME, bei der jedoch nur die Auswirkungen auf damals bereits bestehenden Ehen, nicht aber auf die neuen Ehen betrachtet werden.

 
       
   

AUST, Andreas/ROCK, Joachim/SCHABRAM, Andrea (2018): "Grundrente" und Rentenniveau in den Sondierungsergebnissen von CDU, CSU und SPD.
Kurzexpertise Nr. 1/2018,
in:
infothek.paritaet.org v. 19.01.

 
       
   

BROCKMANN, Bärbel (2018): Rein in die Bude.
Weil Studentenwohnungen rar sind, greifen viele Eltern zur Selbsthilfe. Sie kaufen für ihren Nachwuchs ein Mikroapartment und vermieten oder verkaufen es später weiter. Die Kapitalanlage lohn sicht vor allem in teuren Uni-Städten,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 19.01.

 
       
   

18.01.2018

 
       
   

STRAUBHAAR, Thomas (2018): Junge Europäer vereinigt euch gegen das Diktat der Alten!
in:
Welt v. 18.01.

Der 60-jährige Ökonom Thomas STRAUBHAAR plustert sich auf und will eine Revolte gegen die Alten - also gegen sich selber - entfachen. Dümmer geht es nicht mehr! STRAUBHAAR gehört zu jenen, die durch ihre Fixierung auf Schrumpfung und Alterung den Geburtenanstieg verschlafen haben und damit für die fehlenden Investitionen in die Bildung mitverantwortlich sind. 2016 erschien sein Buch Der Untergang ist abgesagt - Wider die Mythen des demografischen Wandels. Darin revidiert STRAUBHAAR halbherzig jene Mythen, die er mit seiner Ökonomengemeinde in die Welt gesetzt hat. Nicht die steigenden Geburten, sondern allein die Zuwanderung macht STRAUBHAAR für eine positive Wendung beim demografischen Wandel verantwortlich.

"In Deutschland waren zuletzt im Jahr 2004 mehr als 700.000 Kinder zur Welt gekommen. 1964 während des Babybooms waren es doppelt so viele, nämlich 1,36 Millionen Geburten. Gegenüber den 1960er Jahren fehlen heute Jahr für Jahr rund 700.000 Kinder - was in etwa fast der gesamten Bevölkerung der Stadt Frankfurt entspricht" (2016,S.18f.),

schwadroniert STRAUBHAAR in dem Buch. Der Statistiker Gerd BOSBACH hält solche Aussagen dagegen für unverantwortliche Panikmache. Ein beliebter Trick, das gewünschte Ergebnis zu erzielen, ist die Wahl des Vergleichsjahres. So wird gerne publiziert, dass sich die Geburtenzahlen im Vergleich mit 1964 halbiert hätten. Dagegen werden seit 41 Jahren durchschnittlich 774.627 Kinder in Deutschland geboren, kritisiert der Statistiker. Die Geburtenzahl des Jahres 2016 liegt damit sogar über diesem langjährigen Durchschnitt.

"Zwar kann bis 2060 nicht völlig ausgeschlossen werden, dass Frauen wieder mehr Kinder als ihre Eltern haben werden, wenn vielleicht auch erst in späteren Lebensjahren (...). Aber selbst wenn es eine Wende zu mehr Geburten geben sollte, wird es in diesem Jahrhundert nicht mehr reichen, alleine durch mehr Kinder den demografischen Schrumpfungsprozess zu stoppen. Das verhindert der sogenannte »Echo-Effekt«. Er entsteht, weil heute die potenziellen Eltern fehlen, die morgen Kinder haben könnten" (2016, S.23),

behauptet STRAUBHAAR, der hier den nationalkonservativen Bevölkerungsforscher Herwig BIRG nachäfft. Fakt ist jedoch, dass die Kohortenfertilität - als der entscheidende Faktor - seit den Frauenjahrgängen Ende der 1960er Jahre bereits angestiegen ist. Der Rückgang potenzieller Mütter im Jahr 2025 könnte bereits durch einen Geburtenanstieg um nur 0,1 Kinder pro Frau überkompensiert werden.

Die Fixierung auf Schrumpfung und Alterung von Hysterikern wie STRAUBHAAR haben dazu geführt, dass der Geburtenanstieg aufgrund von Falschannahmen zur Geburtenentwicklung, nunmehr kaum noch bewältigt werden kann, weil die Lehrer- und Erzieherausbildung nicht rechtzeitig in Angriff genommen worden ist. In den kommenden Jahren werden sich deshalb die Bundesländer gegenseitig die viel zu wenigen Erzieher und Lehrer abjagen. In Sachsen sind bereits heute dreiviertel der Grundschullehrer Seiteneinsteiger.

Fazit: Die Jungen sollten unsere Ökonomen mit ihren Falschannahmen zur Geburtenentwicklung in Deutschland in die Wüste schicken! Sie sind hauptverantwortlich für fehlende Investitionen im Bereich der Erzieher- und Lehrerausbildung. Die fehlenden Erzieher und Lehrer könnten dazu führen, dass der Babyboom abgewürgt wird - und das ist dann keine Konsequenz des demografischen Wandels, sondern der fatalen Fixierung unserer Eliten auf Alterung und Schrumpfung.

 
       
   

BIB (2018): Erfolgreiche Habilitation von Dr. Heiko Rüger im Fach Soziologie an der Universität Mainz.
In seiner Habilitationsschrift analysiert der BiB-Wissenschaftler den Zusammenhang von berufsbezogener räumlicher Mobilität mit Familie, Beruf und Lebensqualität. Im Interview äußert er sich zu zentralen Ergebnissen seiner Forschungsarbeit,
in:
bib-demografie v. 18.01.

Die Erkenntnisse, die Heiko RÜGER ausplaudert, sind nicht wirklich erhellend und schon gar nicht neu. Das mag daran liegen, dass das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung nicht unbedingt zur Fortschungsavantgarde gehört, sondern den Entwicklungen ein Jahrzehnt hinterherhinkt. Schon Mitte der Nuller Jahre wurde auf dieser Website auf die gravierenden Mängel der Mobilitätsforschung hingewiesen. Die Konsequenzen der Hartz-Gesellschaft werden immer noch verharmlost, weil in erster Linie das gut situierte Akademikermilieu im Mittelpunkt der Forschungen steht. Wenn die Paarbeziehung weiterhin als Voraussetzung der Familiengründung entscheidend ist - und das ist sie für die Mehrheit, dann müssten Fernbeziehungen als Hindernis der Paarbildung in den Mittelpunkt der Forschung gerückt werden. Stattdessen werden RÜGER vom Interviewer nur harmlose Fragen gestellt, die von der Brisanz des Themas ablenken.      

 
       
   

THISSEN, Stefan (2018): Rentenfinanzen: Unerwartetes Plus.
Zum Jahresende lagen 33,4 Milliarden Euro auf den Konten der Rentenversicherung – über eine halbe Milliarde mehr als erwartet,
in:
Freitag Nr.3 v. 18.01.

 
       
   

SCHMOLLACK, Simone (2018): Brei und Härten.
Bundestagsmütter: Politik mit Baby war früher undenkbar. Doch es gibt zarte Fortschritte - sowie viel Gequengel,
in:
Freitag Nr.3 v. 18.01.

 
       
   

PUSCHNER, Sebastian (2018): Ran an die Superwurst.
Reiner Haseloff ist Sprach der Ost-CDU und nun in Euphorie - wegen der Sondierungen im Bund,
in:
Freitag Nr.3 v. 18.01.

"Haseloff (...) saß in der Sondierungsgruppe zu »Kommunen/Wohnungsbau/Miete/ländlicher Raum«. (...)
Nach Stanislaw Tillichs Rücktritt in Sachsen ist Haseloff nun das prominenteste Sprachrohr der ostdeutschen CDU-Landesebene, und als solches kann er nach den Sondierungen immerhin diese vier Zeilen Sondierungsergebnis vermelden: »Der Bund wird schrittweise einen höheren Anteil bei den Erstattungen an die Rentenversicherung für die Ansprüche aus den Sonder- und Zusatzversorgungssysteme der ehemaligen DDR übernehmen und damit die ostdeutschen Bundesländer entlasten (AAÜG).« Es geht um Rentenansprüche, die 1990 nicht genau administrativ zuzuordnen waren und größtenteils den Ländern aufgebrummt wurden (...). Und wohl weil sich DDR-Erwerbsbiografien als komplexer denn gedacht entpuppten, ist das Volumen dieser Ansprüche nicht abgeschmolzen wie geplant, sondern gewachsen. Sachsen-Anhalt zahlt 430 Millionen Euro jährlich, vier Prozent des Landeshaushaltes
",

erklärt uns Sebastian PUSCHNER zur Interessenlage des Ministerpräsidenten Reiner HASELOFF, der deshalb zu den Befürwortern einer Koalition von CDU/CSU/SPD gehört.

 
       
   

REZMER, Anke (2018): Wenn die Rente nicht reicht.
Altersvorsorge,
in:
Handelsblatt v. 18.01.

 
       
   

16.01.2018

 
       
   

DESTATIS (2018): Bevölkerung in Deutschland zum Jahresende 2016 auf 82,5 Millionen Personen gewachsen,
Schätzung für 2017: Bevölkerungsstand von mindestens 82,8 Millionen Menschen,
in:
Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts v. 16.01.

"2017 hat es im Vergleich zu 2016 ungefähr gleich viele Geburten (770.000 bis 810.000 gegenüber etwa 790.000 im Jahr 2016) gegeben",

meldet das Statistische Bundesamt zur Geburtenentwicklung. Letztes Jahr lag die Schätzung für 2016 bei 730.000 - 770.000 Geburten. Bereits vor 5 Tagen lagen Zahlen für die Krankenhausgeburten 2017 vor, die nur knapp über denen des Vorjahres lagen.

 
       
   

HAGELÜKEN, Alexander & ROSSBACH, Henrike (2018): Teure Pläne, vages Budget.
Union und SPD wollen viele besser stellen: Mütter, bedürftige Senioren und solche, die aus Gesundheitsgründen aus dem Beruf ausscheiden. Die Rente soll allgemein stabil bleiben. Das kann Beitrags- und Steuerzahler viel Geld kosten,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 16.01.

HAGELÜKEN & ROSSBACH stellen die Rentenpläne unter Vorbehalt ("wenn die Wirtschaft weiter sehr gut läuft"). Weder die Grund- noch die Mütterrente soll zu den "prioritären Ausgaben" gehören, zitieren sie einen anonymen Politiker ("aus Sondierungskreisen"). Man kann davon ausgehen, dass dieser Politiker dem Wirtschaftsflügel der Parteien angehört.

Während Andrea NAHLES die 48 Prozent Sicherungsniveau bis 2025 schönredet, obwohl ihr eigener Gesetzesentwurf vom November 2016 ein Mindestniveau von 46 Prozent bis 2045 vorsah, rechnet Bernd RAFFELHÜSCHEN das Sicherungsniveau schlecht. Die Stabilisierung solle bis 2025 angeblich 48 Milliarden Euro kosten. Dagegen sieht der Rentenversicherungsbericht 2017 bis 2024 ein Sicherungsniveau von 48 Prozent vor, d.h. erst im Jahr 2025 würde die Stabilisierung überhaupt Geld kosten. Zur Mütterrente heißt es:

"Nach Berechnungen der Rentenversicherung dürfte die neue Mütterrente im Jahr 2019 Mehrausgaben von etwa 3,7 Milliarden Euro mit sich bringen. Kostenbremsend wirkt, dass nur Mütter mit mindestens drei vor 1992 geborenen Kindern Anspruch auf den dritten Rentenpunkt haben sollen. Auf 2,7 Millionen Renten treffe das zu."

CREUTZBURG, Dietrich (2018): Grundrente wird zum Zankapfel.
Die SPD bejubelt die Pläne, Wirtschaftspolitiker sind optimistisch - doch die Rentenversicherung protestiert,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.01.

Dietrich CREUTZBURG betrachtet die vagen Aussagen des Sondierungspapiers zur Grundrente, die je nach Interessenlage unterschiedlich gedeutet werden können.

"(D)er Sondierungsbeschluss vom Freitag (erlaubt) völlig unterschiedliche Deutungen (...). Das zeigt schon die Bandbreite der Kostenschätzungen dieser Geringverdienerrente, die seither kursieren: Sie reichen von einigen hundert Millionen Euro bis mehr als 4 Milliarden Euro im Jahr. Das Sondierungspapier selbst enthält keine Angaben dazu. Unter den Mehrbelastungen des Bundeshaushalts nennt es die Grundrente gar nicht – was aber nahelegt, dass die Beitragszahler dafür einstehen sollen."

Im Sondierungspapier heißt es zur Grundrente lapidar:

"Die Lebensleistung von Menschen, die jahrzehntelang gearbeitet, Kinder erzogen und Angehörige gepflegt haben, soll honoriert und ihnen ein regelmäßiges Alterseinkommen 10 % oberhalb des regionalen Grundsicherungsbedarfs zugesichert werden. Berechtigt sind Versicherte, die 35 Jahre an Beitragszeiten oder Zeiten der Kindererziehung bzw. Pflegezeiten aufweisen. Voraussetzung für den Bezug der »Grundrente« ist eine Bedürftigkeitsprüfung entsprechend der Grundsicherung. Dabei wollen wir klarstellen, dass die Bezieher von Grundsicherung im Alter in ihrem selbst genutzten Haus oder ihrer Wohnung im Regelfall weiterhin wohnen können."

CREUTZBURG vergleicht die Grundrente zum einen mit der Solidarrente im Gesamtkonzept zur Alterssicherung:

"(D)ie Pläne (erinnern) an das Konzept einer „Solidarrente“ der ehemaligen Sozialministerin Andrea Nahles (SPD), kommen aber sogar noch großzügiger daher: Nahles hatte den Rentenzuschlag auf Dauer nur Versicherten mit 40 Beitragsjahren gewähren wollen – und kam schon damit auf Mehrausgaben, die bald auf jährlich 3,6 Milliarden Euro steigen würden."

Im Gesetzesentwurf, der nie in Kraft getreten ist,  heißt es dagegen:

"Die Solidarrente sollen diejenigen erhalten, die - wie im Koalitionsvertrag vereinbart - zunächst 35 Jahre lang, ab 2023 dann 40 Jahre lang Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung gezahlt haben. Kindererziehungs- und Pflegezeiten finden dabei ebenso Berücksichtigung wie kurzzeitige Unterbrechungen des Erwerbslebens durch Arbeitslosigkeit." (2016, S.34)

Während die CDU-Mittelstandsvereinigung (Carsten LINNEMANN) bei den Kosten auf die Bedürftigkeitsprüfung setzt, hebt CREUTZBURG die mögliche "Kostenexlosion" hervor, die seine Deutung nahelegt:

"Das deutet eine Lockerung der Grenzen für das sogenannte Schonvermögen an – für alle Grundsicherungsbezieher, auch die, die weniger als 35 Beitragsjahre haben. Zwar dürfen Antragsteller schon heute »angemessene« Immobilien behalten, auch wenn sie Geld vom Staat haben wollen. Gerade Senioren leben aber oft in Eigenheimen, die für Einzelpersonen recht groß sind."

Fazit: Die Berichte in SZ und FAZ zu den Rentenplänen deuten darauf hin, dass im Koalitionsvertrag etliche Wünsche der SPD noch zusammengestrichen werden sollen. Die SPD wäre also gut beraten, keine Koalitionsgespräche aufzunehmen, denn sie ist bereits bei den Sondierungsgesprächen von den zwei Parteien CDU und CSU gewaltig über den Tisch gezogen worden. Am Ende könnte die SPD nach dieser 3. Regierungsperiode den Weg der französischen Sozialisten in die Bedeutungslosigkeit gehen. Niemand wäre darüber dann noch traurig!

 
       
   

LÖHR, Julia (2018): Der Aufstieg gelingt doch.
Die meisten Kinder verdienen später mehr als ihre Eltern - allerdings mit einer wichtigen Einschränkung,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.01.

Julia LÖHR präsentiert eine PR der Arbeitgeberlobbyorganisation IW Köln, mit dem die soziale Mobilität in Deutschland schöngeredet wird. Der Artikel ist wenig informativ und die Ergebnisse beziehen sich sowieso nur auf die Männerkohorte der 1955 - 1975 Geborenen. Die 1965 - 1975 Geborenen firmierten in den Nuller Jahren unter dem Begriff Generation Golf. Diese wurde zur verlorenen Generation stilisiert, sitzt aber inzwischen - nach Ablösung ihrer Vorgänger - selber an den Schalthebeln der Macht.

Die Studie Wie der Vater, so der Sohn? von Maximilian STOCKHAUSEN, Jahrgang 1987, ist fragwürdig, weil als Kriterium des sozialen Aufstiegs nicht etwa der berufliche Werdegang, sondern nur die Einkommensverhältnisse betrachtet werden.

Zudem werden Bruttoverdienste verglichen, obwohl die Abgabenbelastung der Löhne im betrachteten Zeitraum gestiegen ist. Notwendig wäre deshalb ein Vergleich der verfügbaren Einkommen gewesen.

Hinzu kommt, dass das Lebenseinkommen nicht ermittelt, sondern als durchschnittliches Einkommen über einen gleich langen Zeitraum gemessen wird. Dadurch werden problematische Lebensphasen nivelliert.

Aufgrund der Unzulänglichkeiten des Untersuchungsdesigns sind nur Väter der Geburtsjahrgänge 1928 - 1954, deren Einkommen in max. 5 Jahren zwischen 1984 bis 1993 gemessen wurde, in die Untersuchung eingeflossen. Die Väter des Geburtsjahrgangs 1928 waren also bei Geburt des Sohnes zwischen 27 und 47 Jahre alt. Sowohl jüngere Väter als auch ältere Väter fallen aus der Untersuchung heraus. Da jüngere Väter vor allem in niedrigeren Einkommensgruppen verbreitet sind, wird die Untersuchung dadurch verfälscht. Die Väter des Geburtsjahrgangs 1954 waren dagegen bei der Geburt des Sohnes höchstens 21 Jahre alt.

Da die Lebenseinkommen augrund der Verfügbarkeit der Daten in ganz unterschiedlichen Lebensaltern erfasst wurden, ist eine Vergleichbarkeit kaum gegeben.

 
       
   

Das Single-Dasein in Frankreich

PAPON, Sylvain & Catherine BEAUMEL (2018): Bilan démographique 2017.
Plus de 67millions d’habitants en France au 1er janvier 2018,
in:
Insee Première v. 16.01.

Das Mütter-Vorbild Frankreich, das bei Vereinbarungsverfechtern genauso beliebt ist wie bei Traditionalisten, schwächelt bei der Geburtenentwicklung. Im Jahr 2017 wurden rund 767.000 Kinder geboren. Das waren ca. 17.000 weniger als im Vorjahr. Die Geburtenrate ist von 1,92 auf 1,88 Kinder pro Frau gefallen. Seit 2013 sind die Geburtenzahlen zurückgegangen (Höchststand: 811.500). Das Durchschnittsalter der französischen Mütter liegt bei 30,6 Jahren

 
       
   

15.01.2018

 
       
   

GENTRUP, Anne & Friederike KRIEGER (2018): Kürzer leben.
Zu viel Fett, zu wenig Bewegung: Kommt die Trendwende bei der Lebenserwartung?
in:
Süddeutsche Zeitung v. 15.01.

GENTRUP & KRIEGER lassen die Interessenvertreter der Versicherungswirtschaft zu Wort kommen, die natürlich nichts von einer Trendwende bei der Lebenserwartung in Deutschland wissen wollen. Die Interpretation von Fakten - so zeigt der Artikel - ist abhängig von den Interessen. Hätte man Verbraucherschützer zu Wort kommen lassen oder unabhängige Experten, dann wäre der Artikel informativer gewesen. Der aktuelle Rentenversicherungsbericht 2017 geht bereits von einer Verlangsamung des Anstiegs der Lebenserwartung aus. Für die Lebensversicherer wäre dagegen ein solcher Trend profitabel, weil sich für sie steigende Profite aus der Kluft zwischen tatsächlicher und prognostizierter Lebenserwartung ergeben.  

 
       
   

14.01.2018

 
       
   

SELL, Stefan (2018): Umrisse einer GroKo neu.
Teil 2:  Die Rente,
in: aktuelle-sozialpolitik.blogspot.de
v. 14.01.

 
       
   

BERNAU, Patrick (2018): Wie geht es den Deutschen, Herr Wagner?
Gert Wagner hat rund 30 Jahre lang die Menschen in Deutschland ausgefragt. Jetzt zieht er Bilanz über den Zustand des Lands,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 14.01.

Das SPD-Mitglied Gert G. WAGNER ist zum Jahresende als Vorstandsmitglied des DIW ausgeschieden und wird nun zum Abschied von Patrick BERNAU wohlwollend hofiert.

"Ich habe den Eindruck, dass das auch an ihrer Branche liegt und viele Journalisten ihre schlechter gewordenen beruflichen Bedingungen auf die ganze Republik projizieren",

meint WAGNER, der mit den "vielen" ganz sicher nicht die FAZ/FAS-Journalisten des Wirtschaftsteils meint.

 
       
   

13.01.2018

 
       
   

FRÜHAUF, Markus (2018): Pensionskassen müssen umsteuern.
Die Aufseher bangen um die Branche. Die niedrigen Zinsen reißen große Lücken. Wie es anders geht, zeigt der dänische Pensionsfonds ATP. Vierter Teil unserer Reihe "Anlegen wie die Großen",
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.01.

 
       
   

GÖBEL, Heike (2018): Einbruch in die Rentenkasse.
Kommentar,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.01.

Heike GÖBEL malt wie immer den Teufel an die Wand, wenn es um die Sozialausgaben geht. Da werden möglichst hohe Summen genannt, obwohl die Ausführungen zur Rente mehr oder weniger nichtssagend sind. Die Grundrente soll "weit mehr als 3 Milliarden Euro im Jahr kosten" und die Mütterrente soll sich "auf 4 Milliarden Euro" belaufen. Nur bei der Stabilisierung des Rentenniveaus übt GÖBEL Zurückhaltung.

 
       
   

SIEMS, Dorothea (2018): GroKo baut den Sozialstaat XXL.
Deutschland gibt über eine Billion Euro für Rente, Pflege und andere Sicherungssysteme aus. Die Wirtschaft warnt vor den Folgen,
in:
Welt v. 13.01.

Dorothea SIEMS zitiert aus einem 45-seitigen Interessenpapier der Arbeitgeberlobby BDA, das nicht etwa auf das 28-seitige Sondierungspapier reagiert, sondern zur Impfung von neoliberalen Journalisten im Kampf gegen den Sozialstaat verfasst wurde. Es finden sich darin die üblichen Drohgebärden und die einseitige Sicht, die sich aus der Profitgier der Wirtschaft ableitet. 

 
       
   

12.01.2018

 
       
   

CDU/CSU/SPD (2018): Ergebnisse der Sondierungsgespräche (finale Fassung),
in: sozialpolitik-portal.de
v. 12.01.

 
       
   

KELLER, Dieter & Andre BOCHOW (2018): "Besser als vorausgesagt wurde".
Gundula Roßbach im Gespräch,
in:
Südwestpresse v. 12.01.

 
       
   

11.01.2018

 
       
   

PRESSEPORTAL (2018): Aktuelle Milupa Geburtenliste zeigt: Geburtenrate in Deutschland bleibt auch 2017 auf hohem Niveau,
in: presseportal.de
v. 11.01.

Milupa meldet für das Jahr 2017 761.076 Geburten in deutschen Krankenhäusern. Das sind 424 Geburten mehr als im Jahr 2016.

Die Geburtenzahl von Milupa für 2016 liegt ca. 32.000 Geburten unter den vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Am Dienstag den 16.01. wird vom Statistischen Bundesamt voraussichtlich eine erste Schätzung der Geburtenzahl im Jahr 2017 veröffentlicht.

AMT FÜR STATISTIK BERLIN-BRANDENBURG (2018): Berlin wächst und wird jünger,
in: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg
v. 11.01.

Für Berlin werden 41.087 Geburten für das Jahr 2016 gemeldet. 2015 waren 38.030 Kinder geboren worden. Die Prognose der Kultusministerkonferenz, die für die Lehrerausbildung relevant ist, lag für 2016 bei 30.200 Kindern, d.h. um über 10.800 Kindern unter den tatsächlichen Geburtenzahlen. Deutschland hat diesen Geburtenanstieg wegen seiner Fixierung auf Schrumpfung und Alterung verschlafen. Das wird sich zuerst bei der Kinderbetreuung rächen!

 
       
   

BÖS, Nadine (2018): Die Liebe der Deutschen zur Familie.
Kein Abschied von der Familiengründung. Karriere steht nicht an erster Stelle. Elterngeld Plus wird beliebter,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.01.

Nadine BÖS berichtet über den wenig informativen Artikel von Tim HOCHGÜRTEL zu Familiengründung und -erweiterung im Kohortenvergleich und garniert ihn mit belanglosen Umfragen und Ergebnissen einer Broschüre zum ElterngeldPlus.

 
       
   

10.01.2018

 
       
   

BMFSFJ (2018): Bericht über die Auswirkungen der Regelungen zum Elterngeld Plus und zum Partnerschaftsbonus sowie zur Elternzeit,
in: bmfsfj.de
v. 10.01.

 
       
   

THELEN, Peter (2018): Mütterrente lässt Beitrag steigen.
Rentenversicherung,
in:
Handelsblatt v. 10.01.

Für Neoliberale wie Peter THELEN endete die heile Welt angeblich im Jahr 2014. THELEN rechnet uns vor, dass ohne die Ausgaben zur Mütterrente der Beitragssatz "um bis zu 0,5 Prozentpunkte geringer" wäre. Die Rentenversicherung - und nicht nur sie - betrachtet die Mütterrente als falsch finanziert, denn als gesamtgesellschaftliche Ausgaben müsste sie mit Steuern finanziert werden. Die Mütterrente II betrachtet THELEN als

"kleiner Geldsegen für Millionen Frauen zum 1. Juli 2018 und eine willkommene Wahlkampfhilfe für die CSU".

Bundesweit profitieren jedoch nur 2,7 Millionen Frauen von dieser Rentenerhöhung. Bezogen auf Bayern sind das schätzungsweise 300.000 Frauen von rund 2 Millionen 60-Jährigen und Älteren. Es dürfte eher die Verärgerung derjenigen Mütter überwiegen, die nicht in den Genuss dieser Mütterrente kommen. Ob sich die CSU damit wirklich einen Gefallen getan hat, wird die Landtagswahl zeigen - vorausgesetzt es kommt überhaupt zu einer Koalition.

 
       
   

Das Single-Dasein in Russland

TRIEBE, Benjamin (2018): Russland fehlen die Russen.
Die Zahl der Bevölkerung nimmt ab - und damit fehlen in den nächsten Jahren Millionen von Arbeitskräften,
in: Neue Zürcher Zeitung
v. 10.01.

Benjamin TRIEBE behauptet, dass Russlands Bevölkerung schrumpft (die Welt berichtete dagegen Mitte Dezember, dass es in den Jahren 2013-2016 einen Geburtenüberschuss gab; Die OECD weist Bevölkerungszahlen nur bis 2013 aus) , nennt jedoch keine Zahlen dazu, sondern nur Prognosen, die bekanntlich kaum das Papier wert sind auf denen diese stehen.

TRIEBE geht es auch nicht um die Bevölkerungsschrumpfung, sondern  nur um den Rückgang der arbeitsfähigen Bevölkerung, die je nach Interessenlage gravierend auseinanderklafft:

"Die arbeitsfähige Bevölkerung wird laut Wirtschaftsminister Maxim Oreschkin in den kommenden sechs Jahren um je 800.000 Personen sinken. Die Bank VTB schätzt den Rückgang in den nächsten acht Jahren nur auf je bis zu 500.000 Arbeitskräfte"

TRIEBE spricht von einer "demografischen Katastrophe" angesichts der Lage Russlands nach dem Zerfall der Sowjetunion in den 1990er Jahren:

"Die Sterblichkeit stieg, aber die Geburtenquote sank von 2,2 Kindern pro Frau im Jahr 1987 auf einen Tiefpunkt von weniger als 1,2 im Jahr 1999. Seither hat sich die Geburtenquote langsam erholt und beträgt immerhin wieder 1,7. Aber die demografische Delle lässt sich nicht mehr beheben. Der Anteil der 15- bis 30-Jährigen an der Gesamtbevölkerung ist von 24% im Jahr 2002 auf knapp 20% im Jahr 2015 gesunken."

Nach OECD-Angaben lag die Geburtenrate in den Jahren 2014 und 2015 bei 1,8 Kindern pro Frau. TRIEBE behauptet, dass es nur drei Reaktionsmöglichkeiten gebe: Steigerung der Produktivität, länger arbeiten oder Zuwanderung. Wie es für stramme Neoliberale gehört, wird letztlich nur in der längeren Lebensarbeitszeit ein Ausweg gesehen:

"Unter Experten ist unbestritten, dass Russland seine Arbeitskräfte zu früh in Pension schickt. Das Renteneintrittsalter beträgt 55 Jahre für Frauen und 60 Jahre für Männer. Es gehört zu den niedrigsten auf der Welt und wurde 1932 unter Stalin festgesetzt. (...). Der Anteil der Russen oberhalb der gegenwärtigen Altersgrenzen wächst gemäss dem Statistikamt bis 2035 auf knapp 43 Mio. oder von 25% auf 29% der Gesamtbevölkerung. (...). Die Schieflage wird dadurch verschärft, dass Frauen besonders früh in Pension geschickt werden, aber besonders lange leben: Ihre Lebenserwartung beträgt 77 Jahre, jene der Männer aber erschreckend tiefe 67 Jahre."

TRIEBE versteckt sich hinter nicht genannte Experten, was unseriöser Journalismus ist. 

 
       
   

Das Single-Dasein in Japan

BLASCHKE, Sonja (2018): Die letzte Ruhe im Hochregal.
In Japan ändern sich angesichts der Überalterung die Totenrituale - es fehlt an Platz, Zeit und manchen auch an Geld,
in: Neue Zürcher Zeitung
v. 10.01.

"Yukiko Maeda war eine von rund 1,34 Millionen Menschen, die in Japan 2017 verschieden, das sind so viele wie nie seit Kriegsende. Seit 1983 ist in Japan die rohe Sterbeziffer, also die Zahl der Todesfälle pro 1000 Einwohner, stetig angestiegen, von damals 6 auf über 10 pro 1000 Personen. Seit 2005 übertrifft in der ältesten Nation der Welt die Zahl der Todesfälle stets die der Geburten, und die Prognosen für die Zukunft sind ähnlich",

erzählt uns Sonja BLASCHKE, die uns den japanischen Staat als neoliberalen Kostensenkungsstaat vorstellt:

"90 Prozent der Japaner sterben im Spital. Stirbt jemand jedoch zu Hause, fragen die Nachbarn schon einmal, ob man den Arzt geholt habe. Das bringt die Hinterbliebenen in Verlegenheit, zumal auch die Polizei vorbeikommt. Der japanische Staat versucht derzeit, den Japanern das Sterben daheim nahezubringen. Es würde das Sozialsystem entlasten."

Zum Kostensenkungsstaat gehört auch die umfassende Vorsorge für den eigenen Todesfall, der als Selbstsorge propagiert wird:

"In Bahnen und Bussen, Zeitungen und Zeitschriften, selbst auf Facebook finden sich Anzeigen, die zum Grabkauf vor dem eigenen Ableben animieren wollen. Inzwischen sorgt über die Hälfte der Japaner vor, auch um die Kinder nicht finanziell zu belasten."

In Deutschland nehmen Berichte über "Armenbestattungen" zu, die dem Kostensenkungsstaat zu Last fallen könnten. Solche Berichte zielen darauf ab, eine neue Bestattungskultur zu installieren.

Und nicht zuletzt spielt auch die Religion eine funktionale Rolle im Kostensenkungsstaat, weshalb neben Bestattungsunternehmern auch japanische "Priester" zu Wort kommen. 

 
       
   

08.01.2018

 
       
   

SCHIER, Susanne (2018): Wunsch und Wirklichkeit.
Eine aktuelle Studie zeigt: Viele Deutsche fürchten, dass das Geld im Ruhestand nicht reicht. Allerdings dominieren weiterhin niedrig verzinste Anlagen die Altersvorsorge. Und jeder Dritte spart gar nicht,
in:
Handelsblatt v. 08.01.

 
       
   

Das Single-Dasein in Japan

HOLTHUS, Barbara (2018): Glück und Wohlbefinden in Japan.
Der Fall junger Eltern,
in: beziehungsweise, Januar/Februar
v. 08.01.

 
       
   

Das Single-Dasein in Indien

MERTEN, Martina (2018): "Wenn du alt bist, sollst du sterben".
Altern ist in der indischen Gesellschaft nicht vorgesehen: Es gibt kaum Pflegeheime und noch weniger Hospize. Viele Inder über 60 leben deshalb in unbeschreiblichem Elend,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 08.01.

 
       
   

07.01.2018

 
       
   

single-generation.de-Exklusivstory: Das Märchen über die Kinder der Babyboomer ("Echoeffekt") als Ursache der steigenden Geburtenzahlen im Jahr 2015

Immer wieder wird in den letzten Jahren behauptet, dass die Kinder der Babyboomer für die steigenden Geburtenzahlen verantwortlich wären. Es wird suggeriert, dass diese geburtenstarke Frauenjahrgänge wären ("Echoeffekt"), die nun für steigende Geburtenzahlen sorgen würden. Das Gegenteil ist jedoch der Fall, denn derzeit werden in erster Linie die Kinder der geburtenschwachen Frauenjahrgänge Mitte der 1980er Jahre geboren. Aus dem nachfolgenden Schaubild ist zu ersehen, dass die altersspezifischen Geburtenziffern (AGZ) der geburtenschwächsten Frauenjahrgänge im Jahr 2015 am höchsten waren:

Schaubild: Die altersspezifischen Geburtenziffern (AGZ) der Frauenjahrgänge
1970-1997 im Vergleich zu ihrer eigenen Kohortenstärke
Quelle: DESTATIS-Fachserie Natürliche Bevölkerungsbewegung 2015; Zusammenfassende
Übersichten Eheschließungen, Geborene, Gestorbene 1946 - 2015

Wäre also der Echoeffekt hauptverantwortlich für den Geburtenanstieg im Jahr 2015 gewesen, dann müssten die Geburtenzahlen zurückgegangen sein statt zu steigen.

"In den Jahren 1981 bis 1991 gab es einen kleinen Babyboom in Deutschland, damals stieg die Zahl der Geburten stark an",

erklärte uns z.B. Christina BERNDT (SZ 01.7.2016) zu den Geburten des Jahres 2015. Sabine MENKENS (Welt 01.07.2016) hat uns das folgendermaßen erklärt:

"Beim Statistischen Bundesamt hält man sich mit Deutungen über die Gründe für die wieder ansteigenden Geburten (...) zurück. Zunächst einmal sei festzuhalten, dass es derzeit einfach mehr Frauen im gebärfähigen Alter gebe – die Töchter der Babyboomer nämlich, die Ende der 80er-Jahre geboren wurden und jetzt selbst Mütter werden. 1964 wurde mit 1,36 Millionen Babys der geburtenstärkste Jahrgang aller Zeiten gemessen, 1990 war mit 905.000 erneut ein sehr starker Jahrgang. Diese Kinder werden jetzt nach und nach Eltern. Der Babyboom pflanzt sich quasi wellenförmig fort."

Aus dem Schaubild ist dagegen ersichtlich, dass der Echoeffekt erst in den nächsten Jahren zunehmen wird, wenn die Kohortenstärke auf hohe altersspezifische Geburtenziffern treffen. Trifft der Echoeffekt auf eine steigende Kohortenfertilität (CFT) der Frauenjahrgänge, dann verstärken sich diese Effekte noch. Wir sind auf einen solchen Geburtenanstieg weder bei der Kinderbetreuung noch bei der Grundschulversorgung vorbereitet. Die Fixierung von Politik, Wissenschaft und Medien auf Schrumpfung und Alterung hat dafür gesorgt, dass wir diesen Geburtenanstieg verschlafen haben.

In den nächsten Wochen werden erste Ergebnisse zu der Geburtenentwicklung im Jahr 2017 veröffentlicht werden. Erste Zahlen sind bereits in dieser Woche publiziert worden, z.B. Kiel ist bei Geburten Spitzenreiter. Heike STÜBEN bezieht sich dabei auf die Milupa-Geburtenliste:

"das Universitätsklinikum Kiel hat 2017 um 6,6 Prozent auf 1500 Geburten zugelegt. Die Zahl der Neugeborenen im Land ist allerdings noch höher als auf der Liste: Denn bei der Abfrage, die Milupa am 2. Januar in den Kliniken durchführte, werden Zwillinge und Mehrlinge immer nur als eine Geburt gezählt. Hinzu kommt, dass eine unbekannte Zahl von Entbindungen notgedrungen in Hamburg stattfand: Die werdenden Mütter mussten in Schleswig-Holstein abgewiesen werden, weil es immer wieder Engpässe bei Kinderkrankenschwestern, Ärzten und Hebammen gibt." (Kieler Nachrichten Online v. 05.01.2018)

Deutschlandweit liegen für 2017 noch keine Zahlen vor. Die Amtsstatistik ist noch nicht einmal in der Lage für 2016 Zahlen zum Geburtenanstieg zu liefern. Es liegt zur Zeit lediglich eine Schätzung zu den Geburtenzahlen vor.

Die Bertelsmann-Stiftung hat im Juli letzten Jahres auf Grundlage der Milupa-Geburtenliste eine eigene Schätzung der Geburtenzahlen für 2016 vorgenommen. Diese lagen noch unterhalb den vorläufigen Zahlen der Amtstatistiker.

Solange weder die Geburtenrate (TFR) noch die altersspezifischen Geburtenziffern für 2016 vorliegen, lassen sich auch die Zahlen für 2017 nicht angemessen einordnen, obwohl das vielerorts wieder getan wird. Wir sollten uns vor vorschnellen Einschätzungen der Geburtenentwicklung hüten. Die Geburtenzahlen könnten weit länger auf dem gegenwärtigen Niveau bleiben als Politik, Wissenschaft und Medien behaupten. Ungeborene mögen keine Kinder bekommen, aber die Entwicklung der potenziellen Mütter und die Kohortenfertilität können das kompensieren oder sogar überkompensieren, sodass ein Einbruch der Geburtenzahlen ausbleiben bzw. weit geringer ausfallen könnte als immer wieder behauptet wurde. Das aber wird nur geschehen, wenn es keine gravierende Wirtschaftskrise gibt, denn die wirtschaftliche Entwicklung ist viel wichtiger für die weitere Geburtenentwicklung als jene Faktoren, die immer wieder im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte stehen.     

 
       
   

06.01.2018

 
       
   

BRANDSTETTER, Barbara (2018): Steuern sparen mit höherer Rente.
Die Vermögensfrage: Wer früher in Ruhestand geht, kann mögliche Kürzungen der gesetzlichen Rente attraktiv mit zusätzlichen Beiträgen kompensieren,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.01.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

SCHWARZ, Gerhard (2018): Wir werden jedes Jahr älter.
Kolumne:Schwarz auf weiss,
in: Neue Zürcher Zeitung
v. 06.01.

MÄDER, Lukas (2018): Gewerkschaft warnen vor "sozialem Sprengstoff".
Der SGB befürchtet sinkende Renten - und beharrt auf einer Erhöhung der AHV-Leistungen,
in: Neue Zürcher Zeitung
v. 06.01.

 
       
 

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Zu den News vom 01. - 05. Januar 2018
 

       
   
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Bernds@single-dasein.de Stand: 20. Januar 2018