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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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Medienberichte über single-dasein.de
 
 
 
   

News vom 21. - 31. Mai 2017: [22.05.] [23.05.] [24.05.] [26.05.] [27.05.] [28.05.] [29.05.]

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Die Beweisnot der Kinderlosen

"Mutwillig Kinderlosen (oder jenen, die über ihre wiederholten Besuche in der Kinderwunschklinik nicht sprechen und denen man die Mutwilligkeit nur unterstellt) wird hinter vorgehaltener Hand vorgeworfen, nicht erwachsen zu werden, hedonistisch zu sein oder sich in albernen Befindlichkeiten (»Generation Beziehungsunfähigkeit«) zu verlieren. Kinder zu kriegen scheint hier wie eine natürliche Pflicht und die Entscheidung gegen sie wie ein Zeichen fehlender Opferbereitschaft, die sich am Ende rächen wird. Vorauseilend werden Kinderlose um ein einsames Leben im Alter bemitleidet. Seid ihr wirklich glücklich?, unter dieser Beweisnot stehen Menschen ohne Kinder, deren Handlungen nur mehr als Kompensationsversuch für die Kinderlosigkeit gewertet werden."
(aus: Nina Pauer "Ihr wolltet es so" in der Zeit Nr.15 v. 06.04.2017)

 
       
       
   

29.05.2017

 
       
   

HÖLL, Susanne (2017): Rettet die Dörfer!
Landflucht: Die Bundesländer sparen allzu gern auf Kosten der kleineren Städte,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 29.05.

Statt Steuerentlastungen oder Sozialleistungen erhöhen, will Susanne HÖLL die regionalen Unterschiede verringern:

"Die Häuser der Eltern und Großeltern verfallen, die Busse fahren bestenfalls vier Mal pro Tag in den nächstgrößeren Ort, der Arzt ist 20 Kilometer weit weg, das nächste Krankenhaus auch",

beschreibt HÖLL jene Orte, die besser gefördert werden sollen. Angeblich geht es nicht um Gemeinden im Speckgürtel der Großstädte, aber da kommen angesichts der Zielgruppen Zweifel auf:

"Paare, die ihre Miete in den Zentren nur mit Mühe und zwei Einkommen leisten können und keinen Platz für ein Kinderzimmer haben. Oder jene Berufstätigen, die in München, Hamburg oder Frankfurt leben, aber als Rentner die hohen Preise mit Sicherheit nicht mehr zahlen können. Und vor allem die Polizisten, Krankenschwestern und Erzieher, die bislang im Umland wohnten, aber vertrieben werden von Besserverdienenden, die in den Metropolen keine passende Unterkünfte mehr finden."

Das ist eher ein Plädoyer für die Ausweitung der großstädtischen Speckgürtel als eine Rettungsaktion für ländliche Gemeinden in Randzonen, mit denen diese Förderung begründet wird:

"Warum soll man kleine Nester mit viel Aufwand am Leben halten, aus denen die tatkräftigen Leute fliehen und nur noch Alte verharren?
(...). (W)er ganze Regionen verwahrlosen lässt, nährt Radikale jedweder Couleur".

Man lernt daraus zweierlei: Unsere Eliten reagieren nur auf Abwahl und Kosmopoliten wie HÖLL vermarkten ihre Interessen immer strategisch. Man darf daran erinnern, dass die SZ nach der Jahrtausendwende vehement für die Abschaffung der Pendlerpauschale und das Ausbluten der Dörfer eingetreten ist, indem sie uns den Standpunkt von Reiner KLINGHOLZ bei jeder Gelegenheit präsentierte. Man darf also an der Einsichtsfähigkeit durchaus zweifeln. Sobald sich die Mitteparteien wieder im Aufwind fühlen, wird man von der Rettung der Dörfer nichts mehr lesen.    

 
       
   

WIEBE, Frank (2017): "Die Demografie begrenzt das Wachstum".
Loretta Mester: Die Chefin der US-Notenbank Fed in Cleveland spricht über die ambitionierten Ziele von Präsident Trump, die nächsten Leitzinserhöhungen und die Unabhängigkeit ihrer Institution,
in:
Handelsblatt v. 29.05.

Die Demografie muss bei Loretta MESTER als Ausrede herhalten:

"Ich gehe langfristig von zwei Prozent Wachstum aus. Hier sit die Demografie ausschlaggebend. In den siebziger Jahren hatten wir die geburtenstarken Jahrgänge, außerdem sind mehr Frauen berufstätig geworden. Da lag das Wachstum der arbeitsfähigen Bevölkerung bei 2,5 Prozent pro Jahr. Heute sind es nur noch 0,5 Prozent. Das ließe sich allenfalls durch mehr Einwanderung abmildern."

Der Produktivitätsfortschritt bleibt bei dieser Betrachtung außer Acht.

 
       
   

HÄRING, Norbert (2017): Der dritte Faktor.
Grundbesitz: Fläche spielt in der modernen ökonomischen Theorie keine Rolle mehr. Das hat fatale Folgen,
in:
Handelsblatt v. 29.05.

Norbert HÄRING erklärt uns wie der Neoliberalismus (im Ökonomendeutsch: Neoklassik) den Produktionsfaktor Boden vernachlässigte und damit einen Beitrag zur Finanzkrise leistete. Das Buch Rethinking the Economics von Josh RYAN-COLLINS, Toby LLOYD und Laurie MCFALANE soll den Boden als Produktionsfaktor wieder in den Mittelpunkt rücken.

"Was aufgrund unvollständiger Statistik als Wohlstandsgewinn daherkommt, ist in Wahrheit nur Umverteilung. Die höheren Grundstückswerte werden registriert. Die höheren Kosten für die Mieter und Pächter jedoch nicht. So entsteht die Illusion, die Gesellschaft sei reicher geworden, wenn ein Teil von ihr von einem anderen Teil mehr für die Nutzung der vorhandenen Grundstücke bekommt.
Die Rolle der Finanzbranche erscheint in einem anderen Licht, wenn »Investitionen« in Grundstücke nicht mehr als produktive Anlage gesehen werden. Das Hauptgeschäft der Banken ist heute nicht mehr, Unternehmen Kredite für produktive Investitionen zu geben, sondern das Hypothekenkreditgeschäft, überwiegend mit privaten Haushalten",

berichtet HÄRING. Das Problem dieser Art von Ökonomie ist, dass sie ihre Erkenntnisse erst rückblickend aufgrund gravierender Krisen entwickelt, statt prospektiv und vorausschauend. Dadurch hinkt sie der gesellschaftlichen Realität zwangsläufig hinterher und wird somit ständig nur neue Krisen produzieren, weil auch diese ökonomische Theorie nicht auf der Höhe der Zeit ist - oder gar alternative Sichtweisen zulässt. Empirie sollte dagegen Alternativen mitbedenken und damit Abweichungen vom Theorieideal erkennen. Stattdessen ist die Ökonomie zur politischen Rechtfertigungslehre verkommen. Dies lässt sich daran erkennen, dass uns HÄRING nicht etwa über bahnbrechende Erkenntnisse informiert, sondern nur über Erkenntnisse, die bereits Eingang in die europäische Statistik finden:

"Gemeinsam mit der OECD hat die europäische Statistikbehörde Eurostat 2015 »Compilation Guide on Land Estimation« - einen Leitfaden zur Schätzung von Bodenwerten - herausgegeben. Dieser soll helfen, »die Informationslücke zu schließen, die durch die Finanzkrise aufgedeckt wurde.«

Die nächste Krise kommt bestimmt!       

 
       
   

HAUSER, Jan (2017): Städte steigern ihr Geschäft.
Steuervorteile, Gebührentricks, Quersubventionen: Kommunalen Unternehmen fehlen Anreize, kostengünstig zu arbeiten. Der Bürger zahlt,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.05.

Jan HAUSER polemisiert gegen die Rekommunalisierung der Daseinsvorsorge. Bekanntlich ist das neoliberale Projekt der Zerschlagung kommunaler Versorgungsbetriebe gescheitert, weil die profitgierigen Unternehmen keineswegs kostengünstiger arbeiten, sondern der Ausverkauf zu Lasten der Bürger ging. Nun wollen CDU-Abgeordnete das Rad wieder zurückdrehen. HAUSER präsentiert die Gegner einer Rekommunalisierungs der Daseinsvorsorge: Rupert SCHOLZ (CDU) hat ein Gutachten im Auftrag des Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE) erstellt. Daneben werden Mike MOHRING (CDU) und Roman SEER, Direktor des Instituts für Steuerrecht und Steuervollzug der Ruhr-Universität Bochum genannt. Das Institut von SEER ist nicht unabhängig in seiner Forschung, sondern:

"Die Förderung der Projekte des Lehrstuhls für Steuerrecht hängt von den Spenden der Vereinsmitglieder und Dritter ab."

 
       
   

ASCHE, Helmut (2017): Fluchtursachen in Afrika bekämpfen?
Der Volkswirt: Ohne radikalen Politikwechsel verdüstern sich die Perspektiven für Afrika wieder. Das Bevölkerungswachstum ist ein gravierenderes Problem als erwartet. Und mehr Entwicklung wird zunächst zu mehr Migration führen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.05.

 
       
   

28.05.2017

 
       
   

HUMMEL, Katrin (2017): Hallo, ich bin dein Sohn.
Der Bundestag will das Gesetz ändern, das den Umgang mit "Kuckuckskindern" regelt. Doch gerechter wird es damit nicht, und so richtig glücklich ist auch niemand,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 28.05.

 
       
   

FRITZEN, Florentine (2017): Kita ja, Kita-Gebühren nein.
Die SPD will sie abschaffen. Aber das ist nicht Aufgabe des Bundes,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 28.05.

 
       
   

BRANKOVIC, Maja (2017): Wenn der Lohn das Herz bricht.
Der Sonntagsökonom: Wer sich ungerecht bezahlt fühlt, hat nicht nur miese Laune. Auch die Gesundheit leidet,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 28.05.

 
       
   

BOLLMANN, Ralph (2017): Der Verführer.
Robert Habeck ist die letzte Hoffnung der Grünen. In der Not verbündet er sich sogar mit der FDP,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 28.05.

 
       
   

KLIMENIOUK, Nikolai (2017): Russen sind die besseren Deutschen.
Unter Russlanddeutschen ist die AfD die beliebteste Partei. Das liegt vor allem daran, dass keine andere sich um diese Einwanderer kümmert,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 28.05.

Nikolai KLIMENIOUK erklärt uns unter Berufung auf die Bundeszentrale für politische Bildung, dass die Russlanddeutschen und ihre Kinder über 3 Prozent der deutschen Wahlberechtigten ausmachen und deshalb großen Einfluss auf das Wahlergebnis der AfD haben könnten:

"Bei den Landtagwahlen in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg erzielte die AfD in den Wahlkreisen, wo besonders viele Ex-Sowjetbürger leben, Rekordergebnisse, mancherorts mehr als vierzig Prozent."

KLIMENIOUK ist der Überzeugung, dass die AfD bei der Bundestagswahl zur "traditionellen Partei der Russen" avanciert wie einst die CDU unter KOHL.

 
       
   

27.05.2017

 
       
   

SIEMS, Dorothea (2017): Gerechter Wachsen.
Währungsfonds warnt Industrieländer vor einer Spaltung der Gesellschaft und propagiert ein "inklusives Wachstum. Die SPD ist von dem Konzept begeistert, andere dagegen weniger,
in:
Welt v. 27.05.

Dorothea SIEMS hält nichts von Umverteilungspolitik. Dabei stützt sie sich auf Michael FUCHS (CDU) und die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (VBW). Inklusives Wachstum übersetzt sie mit dem Zehn-Punkte-Plan für inklusives Wachstum von Brigitte ZYRPRIES, das sich in weiten Teil (was immer das heißen mag) im SPD-Wahlprogramm wiederfinde.

Uns wird ein Inclusive Development Index (IDI) des Weltwirtschaftsforums präsentiert, dessen Dimensionen uns jedoch verschwiegen werden. Der Report wurde bereits Mitte Januar veröffentlicht.

ZSCHÄPITZ, Holger (2017): 400 Billionen: Es droht die Renten-Krise.
WEF prophezeit riesige globale Pensionslücke,
in:
Welt v. 27.05.

Neoliberale präsentieren gerne hohe Summen, die abschreckend wirken sollen. Die Renten-Krise wird seit Jahrzehnten tagtäglich ausgerufen, nur eintreffen tut sie nie, bzw. immer erst in ein paar Jahrzehnten, z.B. ist nun 2050 oder 2060 en vogue:

"Allein in den Kassen der sechs Länder mit den größten Pensionssystemen der Welt dürfte im Jahr 2050 eine Lücke von 224 Billionen Dollar klaffen. Rechnet man noch das voraussichtliche Rentendefizit der bevölkerungsreichsten Staaten Indien und China hinzu, beträgt die Summe der ungedeckten Pensionsforderungen 400 Billionen Dollar",

rechnet uns Holger ZSCHÄPITZ vor. Schlagwörter wie "tickende Zeitbombe" und "globale Rentenkrise" nehmen Demagogen schon lange in den Mund. Gemäß dem Apokalyptiker Frank SCHIRRMACHER müssten wir längst untergegangen sein, denn die wir müssten eigentlich schon mitten in dieser globalen Rentenkrise stecken, wenn das Pamphlet Das Methusalem-Komplott, das vor 13 Jahren die Bestseller-Listen mit kräftiger Unterstützung der Mainstreammedien stürmte. Jetzt sollen wir noch über 30 Jahre darauf warten müssen, obwohl sich doch schon viele Menschen darauf gefreut haben, dass das Ende der Welt naht. ZSCHÄPITZ weiß schon gar nicht mehr, wie er uns auf diesen Big Bang vorbereiten soll, denn er fasst alle Krisen zusammen, damit wir auch wirklich glauben, dass wir es mit einem Super-GAU zu tun haben.

Und dann das:

"Deutschland gehört wegen der staatlichen umlagefinanzierten Rente nicht zu den Ländern mit den größten Pensionssystemen."

Da macht uns ZSCHÄPITZ erst große Angst und dann sind wir gar nicht gemeint!   

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

ENZ, Werner (2017): Ein vergiftetes Geschenk von 2.000 Franken.
Die BVG-Umverteilung ist auch bei Axa Winterthur fast ungestört am Werk,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 27.05.

ENZ, Werner (2017): Auch Bâloise tritt kürzer,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 27.05.

ENZ, Werner (2017): Sorge tragen zur privaten Altersvorsorge.
Kommentar zu Schweizer Lebensversicherer,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 27.05.

Die Lebensversicherer klagen? Dann ist sicher die Regulierungspolitik schuld, so Neoliberale wie Werner ENZ. Während in Deutschland Garantien das Feindbild der Wirtschaftsjournalisten sind, findet ENZ Garantien nicht schlecht. Dass Garantien in der Schweiz jedoch durch die Abwälzung der Risiken auf die Versicherten abgelöst werden, wird uns als Sachzwang aufgrund der Fehlregulierung durch den Swiss Solvency Test erklärt.

Den mittelständischen Unternehmen seien die Lebensversicherer bei der beruflichen Vorsorge lieber als Pensionskassen, meint ENZ, der deshalb klagt, dass von den ehemals fast ein Dutzend Lebensversicherer mit Garantien nur noch sechs übrig geblieben sind (Axa Winterthur, Swiss Life, Helvetia, Allianz Suisse, Pax und Bâloise).

Und nicht zuletzt wird die Legal Quote als regulatorisches Hindernis beklagt, denn dadurch sind die Versicherer gezwungen, 90 % der Bruttoerträge den Versicherten zugute kommen zu lassen, statt dies der Willkür der Versicherer zu überlassen.

 
       
   

26.05.2017

 
       
   

Die Studie Niedrige Stundenverdienste hinken bei der Lohnentwicklung nicht mehr hinterher in den Medien

SAUER, Stefan (2017): Die Last der Vergangenheit.
Studie: Viele Menschen mit Reallohnverlusten,
in:
Frankfurter Rundschau v. 26.05.

 
       
   

HANDELSBLATT-Wochenendthema: Fachkräfte verzweifelt gesucht

DÖRNER, Astrid u.a. (2017): Stunde der Arbeitnehmer.
Vom Fachanwalt bis zum Friseur: Wer etwas kann, hatte noch nie so gute Chancen am Arbeitsmarkt wie derzeit. Die Unternehmen suchen verzweifelt nach kundigem Personal. Doch gleichzeitig kommt fast eine Million Menschen nicht aus der Langzeitarbeitslosigkeit heraus,
in:
Handelsblatt v. 26.05.

Die Titelgeschichte zeigt das genaue Gegenteil dessen, was versprochen wird: Fachkräfte werden nicht verzweifelt gesucht, sondern die Arbeitskraft wird weiter ausgebeutet als ob es keinen Fachkräftemangel gibt. Das ist auch das Resultat des herrschenden Finanzkapitalismus.

"Nahezu überall in der Wirtschaft ist der Aufwärtstrend bei der Gehaltsentwicklung deutlich verhaltener, als man es angesichts des Wehklagens der Arbeitgeber über den Fachkräftemangel eigentlich erwarten dürfte. (...).
Angesichts der vielerorts fehlenden Bereitschaft der Arbeitgeber, auf (...) höhere(.) Gehaltsforderungen einzugehen, bezweifeln manche Ökonomen, dass überhaupt ein Fachkräftemangel existiert".
 

OBMANN, Claudia (2017): Magere Zuwächse.
Gehaltsentwicklung,
in:
Handelsblatt v. 26.05.

 
       
   

FISCHER, Eva (2017): Die Abgabenlast.
Grafik des Tages: In Wahlkampfzeiten werden immer wieder Steuersenkungen versprochen. In Umfragen plädieren auch Verdiener mit niedrigem und mittlerem Einkommen immer wieder dafür. Dabei zahlen sie kaum Steuern - ihr Abzüge vom Gehalt fließen zum Großteil in die Sozialkassen,
in:
Handelsblatt v. 26.05.

Nicht wirklich Erhellend sind die Grafiken, die uns Eva FISCHER präsentiert, denn Besser- und Spitzenverdiener kommen bei der Darstellung zu gut weg, weil nicht zwischen Bruttomonatslohn und zu versteuerndem Einkommen unterschieden wird. Wer bei den Sozialabgaben dagegen nur die Beitragsseite betrachtet und die Leistungsseite unberücksichtigt lässt, der will uns nur verdummen!

 
       
   

SCHWENN, Kerstin (2017): Keine Garantien für die Betriebsrenten.
Union und SPD machen den Weg frei für Reformpläne,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 26.05.

Nichts Neues erzählt uns Kerstin SCHWENN. Die Meldung über die Einigung war bei der Stuttgarter Zeitung bereits vorgestern zu lesen und worauf sich die Parteien nun genau verständigt haben, wird nicht bekannt gegeben, sondern nur, dass am Gesetzestext noch gearbeitet werde.

BAUCHMÜLLER, Michael (2017): Betriebsrente - ohne Garantie.
Für Arbeitgeber fällt künftig die Haftung weg, davon sollen Geringverdiener profitieren,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 26.05.

 
       
   

STROHSCHNEIDER, Tom (2017): Ein kleiner linker Gründungsboom.
Sie heißen "Zeit zum Handeln" oder "Die Urbane". Und sie wollen Alternativen zu den etablierten Parteien sein,
in:
Neues Deutschland v. 26.05.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

SCHNEEBERGER, Paul (2017): Die magische Zahl 2050.
Prognosen haben Konjunktur - auch in der Schweiz. Sinnvoll sind sie aber nur, wenn ihre Annahmen transparent gemacht werden,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 26.05.

Paul SCHNEEBERGER droht eine Serie mit dem Titel Schweiz 2050 an. Man darf bezweifeln, dass die Autoren den Rat von SCHNEEBERGER beherzigen werden und Annahmen und Interessen transparent machen werden. Wir kennen das zur Genüge aus Deutschland, wo man mit Zahlen bis 2060 hantiert.

"In den frühen 1970er Jahren schrieben Statistiker, Prognostiker und Politiker den Boom der Hochkonjunktur prospektiv einfach so weiter, dass sie für die Schweiz im Jahr 2000 eine Einwohnerzahl von 10 Millionen prognostizierten. Heute wissen wir, dass diese Wachstumskurve mit der Ölkrise von 1973 zu Makulatur wurde. Mittlerweile erscheinen die 10 Millionen Menschen aber wieder auf dem Radar, und zwar als mittleres Szenario des vom Bundesamt für Statistik bis 2045 prognostizierten Bevölkerungswachstums",

berichtet SCHNEEBERGER. Von Deutschland wissen wir, dass positive Zahlen den Neoliberalen ein Graus sind, weil dadurch ihre Horrorszenarien, die sie seit Jahrzehnten mantrahaft wiederholen, wie ein Kartenhaus zusammenzubrechen drohen. In der Schweiz ist es nicht anders. SCHNEEBERGER berichtet nun über eklatante Fehleinschätzungen der Amtsstatistiker hinsichtlich der Bevölkerungsentwicklung:

'2001 war das Bundesamt für Statistik in seinem mittleren Szenario noch davon ausgegangen, dass die Einwohnerzahl der Schweiz bis 2028 um lediglich 200 000 Personen von 7,2 auf 7,4 Millionen zunehmen würde. Dieser Wert wurde aber bereits 2006 erreicht. Daraus resultierte eine neue mittlere Annahme von 8,2 Millionen Einwohnern im Jahr 2036. Bereits Ende des letzten Jahres wurde auch diese Annahme definitiv von der Realität überholt: Ende 2016 wohnten 8,4 Millionen Menschen in der Schweiz."

Auch in Deutschland gab es solche Fehleinschätzungen, doch hierzulande sind die Amtsstatistiker keineswegs klüger geworden. Und wie in Deutschland wird auch in der Schweiz nun eine Verlagerung der Debatte von der  Bevölkerungsschrumpfung auf die Alterung vorgenommen, die sich schon in den folgenden Sätzen von SCHNEEBERGER ankündigt:

"Zahlen des europäischen statistischen Amtes für das Jahr 2012 zeigen, dass die Lebenserwartung in der Schweiz damals über 80 Jahre betrug – für Frauen 84,9 Jahre und für Männer 80,6 Jahre. Die Anzahl der zu erwartenden gesunden Lebensjahre, die es diesen absoluten Werten gegenüberstellte, war demgegenüber nicht nur markant geringer. Sie zeigte auch ein anderes Verhältnis zwischen den Geschlechtern: Demnach betrug die Erwartung bezüglich der gesunden Lebensjahre für Männer 68,6 Jahre, für Frauen aber nur 67,6 Jahre. Ohne zu erörtern, ob und in welchem Masse diese statistischen Erkenntnisse zustande gekommen sind: In Diskussionen um die Zukunft der Altersvorsorge und der Gesundheitsversorgung lassen sich aus absoluten und relativierten Zahlen unterschiedliche Schlüsse ziehen."

Fazit: Die Debatte um den demografischen Wandel folgt in der Schweiz dem gleichen Muster wie in Deutschland.

SDA (2017): Mehr Missbrauch bei der IV.
Bundesamt für Sozialversicherungen publiziert Zahlen zum Jahr 2016,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 26.05.

Mehr Missbrauch bei der Invalidenversicherung? Die präsentierten Zahlen lassen eine Beurteilung nicht zu, weil weder Vergleichszahlen, noch Maßstäbe bzw. Kriterien für Zeitvergleiche geliefert werden. Es wird durch die Darstellung eine Zunahme suggeriert, dem Leser aber die notwendigen Zahlen zur eigenen Bewertung vorenthalten. Auch könnte der Ausbau der Missbrauchsbekämpfung seit 2008 zu einer höheren Aufklärungsrate geführt haben.

SCHÖCHLI, Hansueli (2017): Ungedeckte Checks über 800 Milliarden.
Die geplante AHV-Reform löst praktisch keine Probleme und hinterlässt den Ungeborenen eine Hypothek von 120.000 Franken pro Kopf,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 26.05.

Hansueli SCHÖCHLI reitet wieder sein Steckenpferd.

 
       
   

24.05.2017

 
       
   

HERBERHOLD, Lennart (2017): Sex ist ein Kaktus.
Ein Leben ohne Lust und Leidenschaft, ohne Intimitäten? Für viele Menschen ist das kaum vorstellbar, zumal in jungen Jahren. Ein Treffen mit fünf Frauen in Hamburg, die sich selbst als asexuell betrachten,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 24.05.

 
       
   

BECKER, Kim Björn (2017): Wer früher stirbt.
Beim Ärztetag in Freiburg beklagen die Mediziner eine "Gerechtigkeitslücke" in Deutschland, die Gesundheit von Armen und Reichen unterscheide sich dramatisch. Aber die Ärzte sehen nicht nur viele Patienten unfair behandelt - sondern auch sich selbst,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 24.05.

 
       
   

PICHLER, Roland (2017): Einigung über Betriebsrente.
Neues Gesetz: Die große Koalition hat ihren Streit über die Betriebsrente beigelegt. Künftig entfallen die Garantien bei einer bestimmten Form der betrieblichen Altersvorsorge. Damit sollen Hürden für Mittelständler beseitigt werden,
in:
Stuttgarter Zeitung Online v. 24.05.

 
       
   

SCHIERITZ, Mark (2017): Die Mittelschicht entlasten! Aber wie?
Was hinter einer der beliebtesten Forderungen im Wahlkampf steckt. Vier Fragen und Antworten,
in:
Die ZEIT Nr.22 v. 24.05.

Zur Definition der Mittelschicht bietet uns Mark SCHIERITZ nur zwei ökonomistische Definitionen an, die auf der Einkommenshöhe basieren: Zum einen die Sicht des Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung:

"Nach amtlicher Festlegung der Bundesregierung zählt zur Mittelschicht, wer weder arm noch reich ist. Die Armutsschwelle liegt bei 60, die Reichtumsschwelle bei 200 Prozent des mittleren Haushaltseinkommens. Das entspricht einem Nettoeinkommen von 1.056 Euro beziehungsweise 3.520 Euro. Wer mehr verdient, zählt schon zu den obersten zehn Prozent der Gesellschaft.
Das gilt allerdings nur für Singleshaushalte",

erklärt uns SCHIERITZ und stellt dem die arbeitgebergesponsterte Sicht des IW Köln entgegen, die als "international" geadelt wird:

"Demnach umfasst die Mittelschicht alle Haushalte, die wenigstens 80 und höchstens 150 Prozent des mittleren Einkommens verdienen. Der Mittelschicht im engeren Sinn gehört (...), wer als Single netto zwischen 1.410 und 2.640 Euro im Monat nach Hause trägt."

Es macht also einen gravierenden Unterschied, welches Verständnis von Mittelschicht den politischen Vorstellungen unterlegt ist, wenn es um Steuerentlastungskonzepte geht.

In der öffentlichen Debatte kursieren zudem falsche Zahlen zur Steuerbelastung der Mittelschicht, weil nicht zwischen dem Bruttomonatslohn und dem zu versteuernden Einkommen unterschieden wird. Dazu heißt es bei SCHIERITZ:

"Ein Vollzeitbeschäftigter verdient im Durchschnitt 48.936 Euro brutto im Jahr. (...). Maßgeblich für die Berechnung der Einkommenssteuer ist aber nicht das Einkommen, sondern das zu versteuernde Einkommen - und das liegt in der Regel einige Tausend Euro darunter, weil bei der Steuererklärung zum Beispiel Aufwendungen für die Altersvorsorge abgezogen werden können. Um auf ein zu versteuerndes Einkommen von 54.058 Euro (Anm.d.V.: Das ist der derzeitige Einkommensbetrag, ab dem der Spitzensteuersatz greift) zu kommen, muss ein Single nach Schätzungen des IW schon 65.000 Euro im Jahr verdienen."

Beim Einkommen sind gemäß SCHIERITZ zudem  drei Bestandsteilen zu unterscheiden, die jeweils unterschiedlichen Steuersätzen unterliegen: das steuerfreie Einkommen, der mittlere Bereich und die Spitzenkomponente. Es ist also falsch, wenn Neoliberale behaupten, dass bereits Normalverdiener dem Spitzensteuersatz unterliegen, weil nur jener Teil des zu versteuernden Einkommens, der über der Schwelle von 54.058 Euro liegt, mit dem Spitzensteuersatz besteuert wird.

Für Schlechterverdiener bringt eine Entlastung bei der Einkommenssteuer also bedeutend weniger als für Besser- und Spitzenverdiener der oberen Mittelschicht oder gar der Oberschicht die nur von einer Vermögenssteuer betroffen wären.

"Die Mittelschicht leidet also - wenn sie überhaupt leidet - nicht unter einer hohen Einkommenssteuerlast, sondern unter einer hohen Belastung mit Sozialabgaben und indirekten Steuern.
Problematisch ist das vor allem, weil für Sozialabgaben und indirekte Steuern das Gegenteil gilt wie für die Einkommenssteuer. Sie nehmen prozentual mit steigendem Einkommen ab und treffen deshalb die Schwachen stärker als die Starken."

Die Beitragsbemessungsgrenze (BBG) bei den Sozialabgaben ist also das Hauptproblem der Schlechterverdiener. Deshalb wäre eine Erhöhung z.B. eine Erhöhung oder besser ein Wegfall der BBG angebracht, bei gleichzeitiger Deckelung der Rentenhöhe wie das bei der AHV in der Schweiz der Fall ist.

Die verschiedenen Steuerentlastungskonzepte, die in der öffentlichen Debatte kursieren stehen aufgrund der derzeitig bestehenden Abgabensituation vor der Quadratur des Kreises. Unter den gegebenen Umständen profitieren entweder die Besser- und Spitzenverdiener unverhältnismäßig oder aber die die Entlastung wird unbezahlbar. Eine angemessene Entlastung der Schlechtverdiener stößt auf den vehementen Widerstand der Besser- und Spitzenverdiener sowie der vermögenden Oberschicht. Es geht deshalb nicht um die Frage, ob sich der Staat das leisten kann, sondern darum dass eine Entlastung der Schlechterverdienenden im derzeitigen politischen System chancenlos ist. Wer als Schlechterverdiener Hurra schreit, wenn Steuerentlastungen gefordert werden, der hat nicht begriffen, dass von diesen Entlastungskonzepten immer die Falschen am meisten profitieren.   

 
       
   

KALBE, Uwe (2017): Steuersenkungsschlagabtausch.
Union stellt Eckpunkte für Wahlprogramm vor. Schulz kündigt unter Druck baldige SPD-Steuer- und Rentenpläne an,
in:
Neues Deutschland v. 24.05.

 
       
   

Grundeinkommensmodelle in der Debatte

SIEDENBERG, Sven (2017): Die Parteivorsitzende.
Früher wohnte sie in einem Zirkuswagen. Heute will Susanne Wiest mit dem "Bündnis Grundeinkommen" in den Bundestag,
in:
Die ZEIT Nr.22 v. 24.05.

SPÄT, Patrick (2017): Keine Almosen.
Zukunft: Die Befürworter eines bedingungslosen Grundeinkommens verharren in der Logik des Kapitalismus - anstatt ihn abzuschaffen,
in:
Die Freitag Nr.21 v. 24.05.

 
       
   

Die neue Klassengesellschaft in der Debatte

MÄRZHÄUSER, Antonia (2017): Eine Stadt für alle?
Besitzen: Aktivisten und Politiker kämpfen neuerdings Hand in Hand gegen Immobilienspekulanten. Zum Beispiel in Leipzig,
in:
Die Freitag Nr.21 v. 24.05.

Antonia MÄRZHÄUSER berichtet über Mittelschichtinitiativen in Berlin und Leipzig (z.B. Hausprojekt SOL im Stadtteil Leutzsch), die sich im Kampf um geeigneten Wohnraum zusammengeschlossen haben, um ihre Interessen besser gegen Investoren und städtische Wohnbaugesellschaften durchsetzen zu können.

"Leipzig ist eine der am stärksten wachsenden Städte Deutschlands. Lange hatte sie mit Abwanderung und Leerstand zu kämpfen, doch Letzterer ist zwischen 2011 und 2014 von 39.000 auf 22.000 Wohnungen gesunken. Schon 2020 wohl wird es in Leipzig überhaupt keinen Leerstand mehr geben."

Man darf das bezweifeln, weil es in Leipzig immer noch riesige innenstadtnahe Brachflächen gibt, sodass im Gegensatz zu anderen Städten Flächen zum Wohnen nicht knapp sind. Solche Mittelschichtinitiativen sind zudem keine Lösung des Wohnraumproblems, sondern dienen der Verharmlosung der Gentrifizierung und Segregation in Deutschland.

PUSCHNER, Sebastian (2017): "Die Konzentration nimmt zu".
Wohnungsmarkt: Konzerne zahlen bei Käufen keine Grunderwerbssteuern. Lisa Paus fordert Reformen,
in:
Die Freitag Nr.21 v. 24.05.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

ENZ, Werner (2017): Swiss Life vorsichtig mit BVG-Garantien.
Wachsender Anteil von teilautonomen Lösungen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 24.05.

 
       
   

23.05.2017

 
       
   

Die Pressemitteilung Deutschland altert unterschiedlich des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung in den Medien

MÜLLER, Benedikt (2017): Auf dem Land sieht's alt aus.
Das Durchschnittsalter der Deutschen steigt auf 43,9 Jahre,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 23.05.

Benedikt MÜLLER hält es nicht für notwendig zu erklären, dass die Zahlen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) für das Jahr 2015 gelten und nicht etwa für 2016. Die Behörde hat gestern Zahlen zu Bevölkerungsentwicklung (2000-2015), Durchschnittsalter und Anteil der 65-Jährigen und Älteren für alle 405 Kreise und kreisfreie Städte in Deutschland veröffentlicht. Während das BBSR vier Karten zu den Dimensionen des demografischen Wandels anbietet, präsentiert uns die SZ nur jene zum Durchschnittsalter der Bevölkerung im Jahr 2015. MÜLLER nennt drei Gründe für ein besonders niedriges Durchschnittsalter:
1) Zuzug von Studenten in die Hochschulstädte (Freiburg und Heidelberg mit der jüngsten Einwohnerschaft)
2) hohe Geburtenraten (Vechta und Cloppenburg)
3) Nähe zu Metropolen (Freising Erding)
Dagegen weisen strukturschwache Regionen (Suhl, Altenburger Land und Dessau) ein hohes Durchschnittsalter auf. Die Spannbreite reicht von 39,8 Jahren in Freiburg im Breisgau bis Dessau-Roßlau mit 49,5 Jahren.

DPA/ND (2017): Dessau-Roßlau hat die älteste Bevölkerung.
Deutschland-Rekord: Bewohner der Stadt im Süden Sachsen-Anhalts sind im Durchschnitt 49,5 Jahre alt,
in:
Neues Deutschland v. 23.05.

Wer die Zahlen als Ranking versteht, der missbraucht die Veröffentlichung, denn keineswegs muss Dessau-Roßlau die älteste Bevölkerung in Deutschland haben, denn das BBSR liefert nicht etwa Daten für alle Gemeinden in Deutschland, sondern nur für größere Städte, die kreisfrei sind, und ganze Landkreise. Mittelstädte oder Kleinstädte können deshalb durchaus noch ältere Bevölkerungen haben.

 
       
   

Die Veröffentlichung der Solvenzquoten von Lebensversicherern in den Medien

FROMME, Herbert (2017): Sicher ist sicher.
Europäische Versicherer müssen ab sofort eine neue Kennziffer für die finanzielle Stabilität veröffentlichen. Die Anbieter nutzen das Instrument sehr unterschiedlich. Kunden müssen den Gebrauch noch lernen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 23.05.

"Jede Gesellschaft muss einen Bericht zur Solvenz- und Finanzlage veröffentlichen, der meistens auf der Webseite steht. Nach dem englischen »Solvency and Financial Conditions Report« heißen die Berichte SFCR-Reports, mit dem Suchbegriff sind sie in der Regel zu finden. Allerdings verstecken manche Gesellschaften die wichtigen Zahlen darin in einem Wust von Daten (...). Offenbar wollen sie Nutzer der Berichte abschrecken",

erläutert Herbert FROMME die Probleme, die Verbraucher erwarten, sollten sie auf eigene Faust recherchieren.

"Ohne Übergangsmaßnahmen wäre eine Reihe von Gesellschaften pleite oder müsste von ihren Eignern frisches Kapital erhalten. Ein Beispiel ist der kleine Lebensversicherer Familienfürsorge, der zur HUK Coburg gehört: Er kommt ohne Übergangsmaßnahmen nur auf 56 Prozent des benötigten Kapitals, mit ihnen aber auf 261 Prozent - das reicht aus",

berichtet FROMME. Daneben wird die Ergo Leben (100 Prozent) und die HUK-Coburg Leben mit 125 Prozent - ohne Übergangsregeln - genannt. Deutsche Lebensversicherer würden aber im Vergleich zu Großbritannien gut dastehen. So würden Aviva mit 57 Prozent und Legal & General mit 7 Prozent schlecht dastehen.

FROMME weist darauf hin, dass der Bund der Versicherten zusammen mit Carsten ZIELKE die Berichte durchleuchten wolle, um den Kunden bessere Vergleichsmöglichkeiten zu eröffnen. Gemäß FROMME müssten Makler haften, wenn sie künftig eine schlecht ausgestattete Gesellschaft empfehlen und diese dann Pleite ginge.

"Wer sich bei einem Versicherer mit einer Quote um 100 Prozent versichert, ist selbst schuld, wenn er nach dessen Pleite kein Geld sieht",

meint FROMME.

KRIEGER, Friederike (2017): Der Marktführer lobt sich selbst.
Die Allianz sieht ihre Strategie bestätigt,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 23.05.

JAHBERG, Heike (2017): Versicherer im Krisencheck.
Unternehmen müssen sagen, wie dick ihre Kapitalpuffer sind. Die Zahlen sehen gut aus, doch viele haben sie schöngerechnet,
in:
Tagesspiegel v. 23.05.

Heike JAHBERG nennt mit der Ergo Leben (100 Prozent) und HUK Leben (109 Prozent) nur zwei Lebensversicherer die - ohne Übergangsregelungen - im kritischen Bereich lägen. Am Ende macht sicht JAHBERG für mildere Regeln für Lebensversicherer bei der Zinszusatzreserve stark, indem sie sich auf die Bafin und den Bund der Versicherten beruft.

OLS. & Christian SIEDENBIEDEL (2017): Lebensversicherer mit hinlänglichen Solvenzquoten,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.05.

"Ohne die Nutzung von Übergangsregeln wären 29 von 84 Lebensversicherern in den kritischen Bereich geraten berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. So seien alle über die Schwelle von 100 Prozent gekommen", heißt es in der FAZ zu den Solvenzquoten.

 
       
   

LOOMAN, Volker (2017): Nepper, Schlepper, Bauernfänger,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.05.

Volker LOOMAN kritisiert, dass in den Produktinformationen von Lebensversicherern bei fondsgebundenen Rentenversicherungen die Kosten, die bei den Fondsgesellschaften anfallen, nicht aufgeführt werden müssen. LOOMAN kommt auf 28 Prozent des Anlagebetrages, den die Anteile von Bank, Versicherung und Fondsgesellschaft bei fondsgebundenen Rentenversicherungen ausmachen würden, weshalb er zu ETF-Indexfonds und Anleihen als die bessere Geldanlage zur Altersvorsorge rät, wobei er bei Indexfonds von einer Rendite von 5 Prozent ausgeht, wobei einmalige und jährliche Kosten hinzukämen, die jedoch weit geringer seien als bei fondsgebundenen Rentenversicherungen.

 
       
   

Der Rentenwahlkampf der SPD in den Medien 

CREUTBURG, Dietrich (2017): SPD plant höhere Rente mit stabilem Beitragssatz.
Der Parteivorstand beschließt sein Wahlprogramm und gibt erste Hinweise zur Steuer- und Rentenpolitik. Einzelheiten sollen folgen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.05.

Martin SCHULZ wolle in die Offensive gehen und konkreter werden, hieß es allerorten nach der NRW-Wahl. Davon ist nichts übrig geblieben. Die SPD will genauso weitermachen wie bisher: möglichst vage bleiben. Dies gilt insbesondere für die Rentenpolitik, weshalb der Beitrag von Dietrich CREUTZBURG nichts wesentlich Neues dazu zu bieten hat, sondern wiederum nur auf das Gesamtkonzept zur Alterssicherung von Andrea NAHLES verweist. Einzig, dass die Beitragssätze nicht weiter steigen sollen, wird uns erklärt. Aber nicht bis wann sie nicht weiter steigen sollen. CREUTZBURG interpretiert das voreilig so, dass dann vermehrt zur Steuerfinanzierung gegriffen werde, um eine Stabilisierung des Rentenniveaus zu erreichen. Das ist nicht mehr als Spekulation. Man darf bezweifeln, dass sich die SPD damit einen Gefallen tut.

RIEL, Aert van (2017): Programm mit Leerstellen.
Tagesthema SPD vor der Bundestagswahl: SPD lässt zentrale Fragen weiter offen,
in:
Neues Deutschland v. 23.05.

"Die Frage, welche Reformen in der Rente notwendig sind, wird in der SPD noch kontrovers diskutiert. Parteilinke wollen das Rentenniveau langfristig bei über 50 Prozent stabilisieren und die gesetzliche Rentenversicherung stärken. Zudem sehen sie die Riester-Rente kritisch, weil durch sie nur die Versicherungswirtschaft profitiert hat, nicht aber die Versicherten. Der Chef des SPD-Arbeitnehmerflügels Klaus BARTHEL hatte etwa im vergangenen Jahr die Abschaffung der Riester-Rente gefordert. Der Mehrheit der Parteispitze gehen diese Pläne zu weit. Derzeit wird in der SPD diskutiert, dass das Rentenniveau bei etwa 48 Prozent liegen soll. Zur Riester-Rente findet sich kein Wort im Programmentwurf",

berichtet Aert van RIEL mangels konkreter Aussagen der SPD zur Rente. Bei der Vorstellung des Wahlprogramms glänzte der Kanzlerkandidat mit Abwesenheit.

RIEL erklärt uns außerdem, dass "soziale Gerechtigkeit" der SPD nicht genügt. Er spricht von einem "erweiterten Gerechtigkeitsbegriff", wozu Investitionen genauso gehörten wie die Förderung des ländlichen Raums und die Daseinsvorsorge. Auch das sind lediglich programmatische Leerformeln, denn die SPD hatte bereits zu Zeiten der Agenda 2010 ihren Gerechtigkeitsbegriff den Zielen der Agenda untergeordnet. 

 
       
   

BULLION, Constanze von (2017): Tränen und Krokodilstränen.
Die Kinderarmut ist gestiegen. Über die Gründe sind sich Linkspartei, Bundessozialministerin und Ökonomen uneinig,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 23.05.

 
       
   

KASTNER, Bernd (2017): Wer zuletzt lacht.
"Unsere Notdurft verrichten wir auf Toiletten": 2015 echauffierte sich Deutschland über den "Flüchtlingsknigge" aus der Odenwaldgemeinde Hardheim. Das Ende der Geschichte, fast zwei Jahre später: Das Miteinander funktioniert erstaunlich gut,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 23.05.

 
       
   

WALTER, Franz (2017): "Hömma, ich krieg dat schon hin".
NRW-Pütt-SPD? Die Gleichung ging nie auf. Über den Mythos vom sozialdemokratischen Nordrhein-Westfalen,
in:
Neues Deutschland v. 23.05.

Der Politikwissenschaftler Franz WALTER hat in einem Blog-Eintrag, den die Zeitung hier dokumentiert, die Legende vom Herzland der SPD widerlegt, die folgendermaßen ging:

"NRW-Pütt-SPD: Das alles hieß es, gehörte einst fest zusammen, Nordrhein-Westfalen war mit Kohle und Stahl das Pionierland des Industriekapitalismus in Deutschland. Und damit wurde es zum Zentrum der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung. (...). Dann aber verschwanden die Zechen. Dann schrumpfte die Stahlproduktion. Dann und dadurch dörrte auch das Arbeitermilieu aus. Und deshalb schmolzen die Mehrheiten der SPD zusammen".

Nun erklärt uns WALTER, dass das Gegenteil stimmt: Die SPD beerbte die katholische Zentrumspartei, die Kommunisten und die CDU erst langsam in den 1960er Jahren:

"Erst als das große Zechensterben einsetzte, begann der Aufstieg der SPD. Sie litt nicht an der Erosion des Bergbaus, sondern sie profitierte davon. Und sie zog den Nutzen aus dem Verfall der klassischen, vorbundesrepublikanischen Arbeitermilieus im rheinisch-westfälischen Industrierevier. Erst zerbrach das kommunistische Milieu (...). Dann, in der Krise der Montan- und Kohlenindustrie, büßte die protestantisch und wirtschaftsliberal grundierte Erhard-CDU der Früh-1960er Jahre das Vertrauen (...) ein. Der lange fest verwurzelte Sozialkatholizismus trocknete aus."

WALTER beschreibt die SPD als "Nachfolgepartei des sozialen Katholizismus, Partei der Sorger und Samariter". Idealerweise steht dafür Johannes RAU, NRW-Minister 1978 - 1998. Die jetzige Niederlage wird von WALTER als Kollateralschaden dieser paternalistischen SPD-Politik beschrieben:

"Man erzieht so rasch nörgelnde Konsumenten der Politik, nicht aber vitale Akteure der programmatisch gern gepriesenen Bürgergesellschaft. Und das paternalistische Kümmermodell hatte auch ökonomisch einen hohen Pries: die Schulden, die das Bundesland anhäufte, waren enorm."

Aus dieser Warte erscheint dann der Neoliberalismus geradezu als Retter aus der Not. Doch dies wäre zu einfach, stattdessen haben die sozialen Aufsteiger der SPD dazu beigetragen, dass das "Kümmermodell" mangels Personal zum Auslaufmodell wurde:

"Die meisten (...) waren aufgestiegen, hatten lukrative Posten im öffentlichen Dienst ergattert, wohnten längst nicht mehr in der alten Werkssiedlung. Plötzlich gab es bei den klein und zurück gebliebenen Leuten niemanden mehr, der ihnen gleichsam über den Gartenzaun hinweg oder in geselliger Runde im Vereinsheim beruhigend Fürsorge zusicherte.
Die Zurückgelassenen waren erst verdattert, dann enttäuscht, schließlich verbittert."

Hinzu kommt für WALTER die Tatsache, dass sich die sozialen Aufsteiger von der SPD zunehmend abwandten. Diese Version folgt jedoch allzu sehr dem Skript der Individualisierungsthese von Ulrich BECK und vernachlässigt die neuen Gemeinschafts- bzw. Vergesellschaftsformen, die sich in den letzten zwei Jahrzehnten herauskristallisiert haben. Diese Geschichte der gesellschaftlichen Gegenbewegung zur Individualisierung muss noch geschrieben werden.         

 
       
   

KALTENBRUNNER, Robert (2017): Sie brauchen Häuser und Beziehungen.
Die Integration von Migranten wirft erneut die Frage nach der sozialen Durchmischung der Stadt auf,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 23.05.

 
       
   

SEDLMAIER, Tobias (2017): Klassentreffen.
Der Soziologe Didier Eribon stellt in Zürich sein umstrittenes Buch "Rückkehr nach Reims" vor,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 23.05.

 
       
   

22.05.2017

 
       
   

Die Veröffentlichung der Solvenzquoten von Lebensversicherern in den Medien

SCHNELL, Christian (2017): Deutsche Versicherer zeigen sich standfest.
Solvency II: Branche meldet solide Finanzpuffer - mit begrenzter Aussagekraft,
in:
Handelsblatt v. 22.05.

SCHÄFER, Daniel (2017): "Es gibt viel Gerede im Markt".
Dieter Wemmer: Der Finanzvorstand der Allianz erläutert, warum die deutschen Versicherer unter besonderer Beobachtung stehen,
in:
Handelsblatt v. 22.05.

FROMME, Herbert (2017): Bedingt krisenfest.
Versicherer: Jetzt ist die Gelegenheit, das Geschäftsmodell endlich transparenter zu machen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 22.05.

Herbert FROMME ärgert sich über den Branchenverband der Versicherungswirtschaft (GDV), der Verbraucherschützern und der Presse empfiehlt die Solvenzquoten nicht zu kommunizieren. FROMME findet das angesichts der Praktiken der Lebensversicherer heuchlerisch:

"Denn es sind vor allem die Versicherer mit guten Werten, die schon heute damit im Wettbewerb arbeiten und die schwächere Konkurrenz schlechtreden."

Zu Recht kritisiert FROMME die Finanzaufsicht (Bafin), die sich mehr um die Versicherer als um die Verbraucher kümmert:

"Von der Bafin wünscht man sich, dass sie mehr über die Probleme der Branche unterrichtet statt die Solvenzzahlen klein zu reden. Die Aufsicht hat eine Heidenangst davor, dass schlechte Werte einige ohnehin angeschlagene Unternehmen vollends in die Krise stürzen."

Aber auch FROMME verhält sich nicht anders als die Bafin, denn schließlich sind die Solvenzquoten öffentlich zugänglich. Warum also werden sie nicht von der Presse kommuniziert, stattdessen werden einseitig nur die gut dastehenden Lebensversicherer genannt. Aufklärung sieht anders aus! 

 
       
   

KLIMM, Leo (2017): "Wir werden alles kaputtmachen".
Mitarbeiter einer französischen Pleite-Fabrik drohen, ihren Betrieb zu sprengen. Der Kampf erinnert Emmanuel Macron an die Realität im Land,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 22.05.

Leo KLIMM berichtet aus der ca. 5.200 Einwohner zählenden französischen Gemeinde La Souterraine im Département Creuse. Ein dortiger Automobilzuliefererbetrieb mit 277 Beschäftigten steht vor der Pleite und wird deshalb bestreikt.

"Es ist schon das fünfte Mal seit den Neunzigern, dass (...)(die) Firma im Insolvenzverfahren steckt. In dieser Zeit schmolz der Umsatz und die Belegschaft wurde halbiert - unter neun verschiedenen Eigentümern. (...).
Für die meisten Beschäftigten dort ist der Verlust der Jobs gleichbedeutend mit Langzeitarbeitslosigkeit. Es gibt ja weit und breit nichts für Facharbeiter in La Souterraine. Erst vor zwei Jahren hat der deutsche Konzern Fresenius nicht weit von hier 280 Leute hinausgeworfen. (...). Macht GM&S dicht, sind mindestens 800 Familien betroffen",

berichtet KLIMM über die Situation in La Souterraine, wo Jean-Luc MÉLENCHON den Widerstand unterstützt. Selbst eine Rettung des Betriebs würde der Mehrheit der Beschäftigten den Job kosten, meint KLIMM, der sich auf Zahlen eines möglichen Investors stützt.  

 
       
 

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Zu den News vom 13. - 20. Mai 2017
 

   
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Bernds@single-dasein.de Stand: 29. Mai 2017