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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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News 1-7/2017
News 2000-2016

 
 
   
Medienberichte über single-dasein.de
 
 
 
   

News vom Dezember 2017: [01.12.] [02.12.] [03.12.] [04.12.] [05.12.] [06.12.] [07.12.] [08.12.]

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Mindestens 25 % der Geburten in Deutschland finden statt, ohne dass die Kinderwunschforschung dies vorhersagen könnte

"25 Prozent der Kinder werden (...) ohne gemeinsame Fertilitätsintention ihrer Eltern geboren. Bei manchen Gruppen von Eltern ist der Anteil nicht gemeinsam intendierter Kinder noch deutlich höher, bei niedriger Schulbildung beider Elternteile zum Beispiel gut 35 Prozent (...). Dieser Anteil nicht geplanter und nicht abgestimmter Geburten könnte mit pairfam-Daten sogar noch unterschätzt sein (...).
Man kann annehmen, dass oft andere Dinge für den Eintritt einer Schwangerschaft ausschlaggebend sind, zum Beispiel Sex unter unzureichender Verhütung und das Austragen einer nicht intendierten Schwangerschaft wegen moralischer Skrupel in Bezug auf einen Abbruch. (...).
Man kann die Inkonsistenzen zwischen ermittelten Kinderwunschkonstellationen und nachfolgenden Geburten allerdings auch damit erklären, dass individuelle Kinderwünsche so wenig stabil sind, dass selbst die kurz vor Eintritt der Schwangerschaft erfassten Fertilitätsintentionen (...) nur zum Teil maßgeblich sind. Beide Erklärungen dafür, dass Kinder oft auch entgegen den vorher ermittelten Intentionen ihrer Eltern geboren werden, sind möglich."
(Waltraud Cornelißen, Jasmin Abedieh & Alexandra N. Langmeyer "Wege in die Elternschaft. Kein Kind ohne vorgängigen Kinderwunsch seiner Eltern?" in der Zeitschrift für Familienforschung, Heft 2, 2017, S.220f.)

 
       
       
   

08.12.2017

 
       
   

Entgegen der Berichterstattung stagniert die Rentenbezugsdauer und die fernere Lebenserwartung in den letzten Jahren - und der Zusammenhang ist wesentlich geringer als die neoliberale Debatte es vermuten lässt 

SCHWENN, Kerstin (2017): CDU-Wirtschaftsrat: "Wir müssen länger arbeiten".
Die Lebenserwartung steigt, die Rentenausgaben auch. Das zwingt die Politik zur Reformdebatte,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.12.

Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) hat Daten zur Entwicklung der Rentenbezugsdauer bis 2016 vorgelegt. Die Neoliberalen leiten daraus gewagte Schlüsse ab.

Entgegen der Suggestion einer rapide steigenden Lebenserwartung, geht der neue Rentenversicherungsbericht 2017 von einer geringeren Zunahme der Lebenserwartung aus.

Entgegen der Meldung der DRV ist die Rentenbezugsdauer 2016 genauso lang wie 2015, nämlich 19,6 Jahre (vgl. Rentenversicherung in Zeitreihen, Oktober 2017, S.157). Die Rentenbezugsdauer von Frauen ist um 0,1 Jahre gesunken, während sie bei den Männern um die gleiche Zahl zugenommen hat.

Die FAZ versucht uns deshalb mit einer Grafik zu verdummen, die durch die Skaleneinteilung einen dramatischen Anstieg der Rentenbezugsdauer in den letzten Jahren suggeriert, obwohl das genaue Gegenteil der Fall ist.

Von 2012 bis 2016 ist die Rentenbezugsdauer lediglich um 0,6 Jahre gestiegen. Zuvor ist sie im gleichen Zeitraum (2008 bis 2012) um 1 Jahr gestiegen. Aufgrund der Rente mit 67 ist davon auszugehen, dass sich die Rentenbezugsdauer keineswegs parallel zur Entwicklung der Lebenserwartung entwickelt, sondern stärker stagniert oder sogar rückläufig sein wird.

ÖCHSNER, Thomas (2017): Ein hartes Stück Arbeit.
Die Deutschen leben länger, die Rentenversicherung muss länger zahlen. Noch spült der Job-Boom Geld in die Kassen, aber damit könnte bald Schluss sein,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 08.12.

Thomas ÖCHSNER beschwört "dramatische Konsequenzen", indem er suggeriert, dass die Entwicklung der Vergangenheit auch in der Zukunft so weitergeht. Das jedoch ist falsch wie die Zahlen weiter oben belegen. Dass eine breite Phalanx von Neoliberalen die Kopplung an die Lebenserwartung befürwortet und eine DIW-Berechnung, die veraltete Zahlen zur Entwicklung der Lebenserwartung instrumentalisiert, ist wenig verwunderlich. Nur mit der Realität hat dies nichts zu tun.

Auch die SZ setzt Grafiken als Suggestionsmittel ein. So präsentiert z.B. ein Schaubild nicht etwa die Entwicklung der ferneren Lebenserwartung von 65-Jährigen oder 67-Jährigen, sondern die Lebenserwartung von Geburt an, die für die Rentenbezugsdauer gar nicht relevant ist. Die Entwicklung der Rentenbezugsdauer wird durch unterschiedliche Zeiträume verzerrt. Eine Gegenüberstellung der Entwicklung der ferneren Lebenserwartung und der Rentenbezugsdauer (vgl. Rentenversicherung in Zeitreihen 10/2017) wird vermieden, um die Differenzen zu verdecken. Aus der folgenden Tabelle wird ersichtlich, dass der Zusammenhang zwischen beiden Faktoren keineswegs zwingend ist:

Tabelle: Vergleich der Entwicklung der ferneren Lebenserwartung 65-Jähriger
(in Jahren) mit der Rentenbezugsdauer in Deutschland
Jahr Männer Frauen
Lebenserwartung
(in Jahren)
Rentenbezugsdauer
(in Jahren)
Lebenserwartung
(in Jahren)
Rentenbezugsdauer
(in Jahren)
1995 14,69 13,6 18,55 18,2
2000 15,72 k.A. 19,50 k. A.
2005 16,71 14,7 20,22 19,8
2010 17,47 16,2 20,69 20,9
2015 17,67 17,5 20,84 21,7

Der Vergleich zeigt, dass die Rentenbezugsdauer von Frauen oberhalb der durchschnittlichen ferneren Lebenserwartung der 65-Jährigen liegt, während es bei den Männern umgekehrt ist, wobei die Männer in den letzten Jahren aufgeholt haben.

Zwischen 2010 und 2015 ist die Lebenserwartung der Männer nur um 0,2 Jahre gestiegen. Dagegen ist die Rentenbezugsdauer im gleichen Zeitraum um 1,3 Jahre gestiegen, d.h. um mehr als das 6fache der Lebenserwartung.

Fazit: Der Zusammenhang zwischen Lebenserwartung und Rentenbezugsdauer ist wesentlich geringer als es die neoliberale Debatte um die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung vermuten lässt. Es stellt sich also die Frage, warum dann diese Debatte in dieser Form überhaupt geführt wird und welche Interessen tatsächlich dahinter stehen.

BEISE, Marc (2017): Die alten Deutschen.
Kommentar: Bei allen Problemen: In Wahrheit werden doch alle jünger,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 08.12.

"Alle zehn Jahre steigt die statistische Lebenserwartung der Deutschen um zweieinhalb Jahre. Jedes zweite heute geborene Baby kann damit rechnen, 100 Jahre alt zu werden. Weil gleichzeitig viel zu wenig Kinder geboren werden, verändert sich die Statik der Gesellschaft. 2035 wird es doppelt so viele 60-jährige geben wie unter 20-jährige. Deutschland wird dann die älteste Bevölkerung der Welt haben.
So wird es kommen",

behauptet Marc BEISE. Das aber glaubt noch nicht einmal das Statistische Bundesamt, das die Treffsicherheit inzwischen aus dem Kriterienkatalog für Bevölkerungsvorausberechnungen gestrichen hat und stattdessen nur noch von "politischen Signalen" spricht.

BEISE argumentiert jedoch mit der Lebenserwartung von Geburt an, die für die Rentenversicherung im Jahr 2035 irrelevant ist. Ausschlaggebend wäre dann die fernere Lebenserwartung der 67 Jährigen. Diese aber stagniert. Nach der aktualisierten 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung (Variante 2A) ergibt sich folgende Entwicklung der von BEISE beklagten Relation von Jungen und Alten:

Altersgruppen 2015 2020 2030 2040
unter 20-Jährige 18,3 % 18,1 % 18,3 % 17,5 %
60-Jährige und Ältere 27,4 % 29,0 % 33,8 % 34,8 %
67-Jährige und Ältere 18,7 % 19,5 % 23,2 % 26,6 %

Im Jahr 2030 wird es kaum mehr Rentner (23,2 %) als Junge (18,3 %) geben, wenn das Renteneintrittsalter bei 67 Jahren liegen sollte. Dabei ist noch nicht einmal der jetzige Geburtenanstieg im ganzen Ausmaß berücksichtigt, denn auch die Variante 2 B bleibt weit hinter der tatsächlichen Geburtenzahl zurück. Der Rückgang der unter 20-Jährigen könnte also durchaus noch geringer sein.   

 
       
   

LOCKE, Stefan & Kerstin SCHWENN (2017): Die schnellste Mitte Deutschlands
Mit der Bahn in vier Stunden von München nach Berlin. Erfurt liegt in der Mitte und erhofft sich einen Aufschwung - andere Städte sehen sich als Verlierer,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.12.

Erfurt wird als Gewinner und Jena, Gera und Naumburg werden als Verlierer der neuen Bahnverbindung beschrieben.

 
       
   

SPICK, Max (2017): Heimatschutz.
In Brandenburg wird am Samstag ein Dorf versteigert. Und die Menschen, die dort leben, haben Angst. Ein Besuch,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 08.12.

 
       
   

07.12.2017

 
       
   

DESTATIS (2017): 2,0 % mehr Schwangerschaftsabbrüche im 3. Quartal 2017 als im Vorjahr,
in:
Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts v. 07.12.

"Im dritten Quartal 2017 wurden rund 24 700 Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland gemeldet. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, waren das 2,0 % mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Knapp drei Viertel (72 %) der Frauen, die im dritten Quartal 2017 einen Schwangerschaftsabbruch durchführen ließen, waren zwischen 18 und 34 Jahre alt, 17 % zwischen 35 und 39 Jahre. Knapp 8 % der Frauen waren 40 Jahre und älter. Die unter 18-Jährigen hatten einen Anteil von 3 %. Rund 40 % der Frauen hatten vor dem Schwangerschaftsabbruch noch keine Lebendgeburt.
96 % der gemeldeten Schwangerschaftsabbrüche wurden nach der Beratungsregelung vorgenommen. Medizinische und kriminologische Indikationen waren in 4 % der Fälle die Begründung für den Abbruch", meldet das Statistische Bundesamt.

 
       
   

RIEL, Aert van (2017): Dulig soll sich um den Osten kümmern.
Sachsens Wirtschaftsminister bewirbt sich beim SPD-Parteitag als Beauftragter für eine Region, in der die Sozialdemokraten große Probleme haben,
in:
Neues Deutschland v. 07.12.

"In Sachsen, Sachen-Anhalt und Thüringen erhält die Partei nur noch knapp über zehn Prozent der Stimmen. Wo die SPD die Regierung anführt - in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg - hat sie zuletzt Stimmen verloren. Nun will die SPD (...) einen Ostbeauftragten ernennen", berichtet Aert van RIEL.

 
       
   

LASCH, Hendrik (2017): Anderthalb Jahre auf Bewährung.
Hoffnungsträger mit 42: Michael Kretschmer soll die CDU in Sachsen wieder aufrichten,
in:
Neues Deutschland v. 07.12.

Der Wahlverlierer Michael KRETSCHMER, der seinen Wahlkreis bei der Bundestagswahl an einen unbekannten Handwerksmeister der AfD verloren hat, ist das letzte Aufgebot der Sachsen-CDU. Am Samstag soll er zum Landeschef gewählt werden und am Mittwoch noch schnell zum Ministerpräsident des einstigen CDU-Vorzeigelandes ernannt werden. Am Ende könnte für die CDU eine Koalition als Juniorpartner der AfD winken.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

FERBER, Michael (2017): Altersvorsorge als grösstes Sorgenkind.
Umfrage zu Probleme in der Schweiz,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 07.12.

Michael FERBER liest eine jährliche Umfrage im Auftrag einer Bank als Erfolg der Schweizer Neoliberalen, denen es gelungen ist, den angeblich drohenden Kollaps der Schweizer Altersvorsorge auf die politische Agenda zu setzen. Insbesondere die Älteren werden als anfällig für die neoliberale Propaganda gesehen. Problematisch erscheint FERBER jedoch, dass bereits die heutige Absicherung im Alter als unzureichend empfunden wird. Dies steht den geplanten Kürzungen bei den Leistungen entgegen, während die ebenfalls verfolgte Erhöhung des Renteneintrittsalters unbeliebt ist. 

 
       
   

Das Single-Dasein in Polen

REBMANN, Sophie (2017): Stiller Schmerz.
Abtreibung: Wer in Polen ungewollt schwanger wird kann kaum auf Hilfe hoffen. Oft bleibt nur das Sorgentelefon,
in:
Freitag Nr.49 v. 07.12.

Passend zur heutigen Meldung des Statistischen Bundesamtes berichtet Sophie REBMANN über die Warschauer Federacja, eine polnische Organisation für Frauen- und Reproduktionsrechte, die Ende 1991 gegründet wurde.

"1.098 Schwangerschaftsabbrüche gab es 2016 offiziell. Federacja geht von jährlich 100.000 bis 150.000 Eingriffen aus. Das größte Meinungsforschungsinstitut Polens, CBOS, gibt an, dass 25 - 35 Prozent aller Polinnen schon mal abgetrieben haben. 400 bis 500 Euro kostet der Eingriff in deutschen, tschechischen oder slowakischen Krankenhäusern. Wer sich die verhältnismäßig hohen Kosten nicht leisten kann, bestellt übers Internet Tabletten",

berichtet REBMANN aus Polen, wo Abtreibungen noch restriktiver gehandhabt werden als in Deutschland. Nur kurz geht REBMANN darauf ein, dass auch in Deutschland Frauen Informationen vorenthalten werden.  

 
       
   

06.12.2017

 
       
   

Der OECD-Bericht Pensions at a Glance in den Medien

SIEMS, Dorothea (2017): Für Senioren lohnt sich Arbeit zu wenig.
OECD-Studie: Die Flexirente ist nicht hilfreich. Anreize für längere Erwerbstätigkeit sind nötig,
in:
Welt v. 06.12.

Die Neoliberale Dorothea SIEMS bringt nur die Interessen von Wirtschaft und Besserverdienenden zur Sprache. Altersarmut ist kein Thema. Die drei Grafiken sind mit Rapide Alterung, Rente wird immer teurer und Wie viel das Arbeiten im Rentenalter bringt überschrieben, was bereits die angeblichen Probleme der deutschen Alterssicherung suggerieren soll.

Die Grafik Rapide Alterung nennt als Quelle die OECD. Der OECD-Report wiederum verweist auf die UN und die World Population Prospects Revision 2017. Angegeben wird nicht etwa der Altenquotient für 67-Jährige und Ältere, was für 2050 der gegenwärtig gültige Rahmen wäre, sondern nur für 65-Jährige und Ältere. In der Grafik werden nur 10 der 35 OECD-Länder dargestellt. Aus der folgenden Tabelle sind die 10 OECD-Länder mit dem höchsten Altersquotienten im Jahr 2050 ersichtlich (vgl. OECD-Bericht 2017, S.123):

Rang Land Welt-Grafik Altenquotient
im Jahr 2050
1 Japan vorhanden 77,8
2 Spanien vorhanden 77,5
3 Griechenland fehlt 73,4
4 Portugal fehlt 73,2
5 Italien vorhanden 72,4
5 Südkorea vorhanden 72,4
7 Slowenien fehlt 66,8
8 Polen fehlt 60,8
9 Österreich fehlt 59,4
10 Deutschland vorhanden 59,2

Neun OECD-Länder altern schneller als Deutschland bei dieser UN-Bevölkerungsvorausberechnung. Entscheidend für die Alterung im Jahr 2050 sind die Annahmen für die Geburtenentwicklung. Die UN ist für Deutschland von folgenden Annahmen ausgegangen (vgl. UN 2017, S.327):

Deutschland Geburtenrate (TFR)
2015 - 2020 1,47
2025 - 2030 1,54
2045 - 2050 1,63

Diese Annahmen bleiben hinter der tatsächlichen Geburtenrate zurück. Die Kinderzahl des Frauenjahrgangs 1973 lag in Deutschland bereits 2014, also im Alter von 41 Jahren bei 1,54. Sollten die Geburten bis zum Ende der Gebärfähigkeit noch genauso hoch sein wie die Frauenjahrgänge der letzten Jahre, dann wird die endgültige Kinderzahl mindestens bei 1,57 liegen und könnte sogar 1,6 erreichen, wenn der gegenwärtige Trend zu mehr Geburten in immer höheren Lebensaltern weiter anhält. Aufgrund der Fehlanreize des Elterngeldes hat sich der Anstieg noch weiter verstärkt. Im Jahr 2006 lag der Höhepunkt der Fruchtbarkeit noch im Alter von 29 Jahren (Frauenjahrgang 1975), im Jahr 2007 als das Elterngeld eingeführt wurde, sprang der Höhepunkt der Fruchtbarkeit auf das Alter von 31 Jahren (Frauenjahrgang 1976). Bei den Frauenjahrgängen 1977 - 1980 verharrte er auf diesem Level. Für die jüngeren Frauenjahrgänge deutet sich ein weiterer Anstieg an.

ROTH, Eva (2017): Wo die Renten besonders niedrig sind.
In Deutschland allen die Rentenansprüche geringer als in anderen Industrieländern aus,
in:
Neues Deutschland v. 06.12.

ÖCHSNER, Thomas (2017): Geringverdienern droht Altersarmut.
Wer wenig verdient, dessen Rente reicht später kaum zum Leben, zeit eine OECD-Studie,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 06.12.

 
       
   

05.12.2017

 
       
   

BETHKE, Hannah (2017): Sonst habt ihr keine Probleme?
Alarmstufe Nachwuchs: Susanne Garsoffky und Britta Sembach wollen den Riss zwischen Eltern und Kinderlosen heilen. Aber ihr Plädoyer für eine neue Familienpolitik trägt nicht sehr weit,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.12.

"Die Autorinnen pauschalisieren, vereinfachen und folgen einem ideologisierten Schwarz-Weiß-Denken, das sämtliche Facetten jenseits ihrer Demarkationslinie außer Acht lässt und überhaupt erst den Riss produziert, den sie zu kitten vorgeben",

kritisiert Hannah BETHKE, Jahrgang 1980, das Pamphlet Der tiefe Riss von Susanne GARSOFFKY & Britta SEMBACH, beide Jahrgang 1968 und Mütter je zweier Söhne.

BETHKE kritisiert den Biologismus, der dazu führt, dass Kinderlosigkeit und Mutterschaft zur Abweichung bzw. Norm stilisiert werden. BETHKE sieht zwar den "demografischen Wandel" als "Herausforderung, die ernsthaft kaum jemand kleinreden würde", bleibt aber eine Kritik der Positionen von GARSOFFKY & SEMBACH schuldig, obwohl doch gerade deren Angst, dass der Sozialstaat kollabieren könnte, dafür verantwortlich ist, dass die beiden Journalistinnen - und bei weitem nicht nur sie - Eltern und Kinderlose im Namen des angeblichen Generationenvertrags gegeneinander ausspielen.

GARSOFFKY & SEMBACH stehen mit ihrer politischen Position zur Rente und Kinderlosen der Alternative für Deutschland nahe - was bei BETHKE verschwiegen wird.

 
       
   

Die Lebensversicherer in der Debatte

HERZ, Carsten & Christian SCHNELL (2017): Eine zweifelhafte alte Liebe.
Besitzer der einst so beliebten Lebensversicherungen müssen sich auch 2018 auf weniger Rendite einstellen. Doch Marktführer Allianz setzt mit stabilen Prognosen seine Rivalen unter Druck,
in:
Handelsblatt v. 05.12.

HERZ & SCHNELL hofieren den Lebensversicherer Allianz, dessen Neugeschäft die Risiken der Altersvorsorge fast vollständig auf die Kunden verlagert hat. Von daher ist die Stabilität bei der laufenden Verzinsung eher Augenwischerei. Denn entscheidend ist nicht die laufende Verzinsung in einem einzigen Jahr, sondern was am Ende der Laufzeit für den Kunden herauskommt.

MAGENHEIM, Thomas (2017): Allianz hält Rendite von Lebenspolicen stabil.
Die Zinsflaute macht den Versicherern zu schaffen. Doch nun setzt der Marktführer ein Zeichen,
in:
Frankfurter Rundschau v. 05.12.

Der Artikel von Thomas MAGENHEIM ist noch weniger informativ als der heutige Handelsblatt-Artikel. Vor allem macht er sich zum Kumpanen der Markteting-Abteilung der Allianz, wenn er schriebt:

"Die Allianz (...) garantiert (...), dass (...) Altverträge nicht an professionelle Abwickler verkauft (werden), wie das Konkurrenten immer häufiger planen.'"

Was eine solche Garantie tatsächlich Wert ist, außer der Tatsache, dass es ein simpler Marketinggag ist, das wir die Zukunft zeigen. Auch die Aussage, dass die Allianz

"bei einem Zinsniveau von dauerhaft null Prozent in der Lage (ist), die Verpflichtungen auch aus Hochzinszeiten sicherzustellen",

ist in erster Linie Marketing. Wer wie die Allianz die Risiken der Altersvorsorge drastisch auf die Kunden umlegt, der hat gut prahlen. Ob der Kunde damit jedoch besser fährt, das ist eine ganz andere Sache.

KROHN, Philipp (2017): Allianz hält die Verzinsung in schwieriger Zeit stabil.
Der Marktführer in der Lebensversicherung will ein Signal an Kunden und Wettbewerber aussenden. Größe kann im Niedrigzinsumfeld ein Vorteil sein,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.12.

Philipp KROHN berichtet am ausführlichsten und versucht gleichzeitig die Allianz in ein mildes Licht zu rücken. So ist die Allianz bei den Verpflichtungen durch die Zinszusatzreserve keineswegs Spitzenreiter, sondern belegt lediglich Platz 8. Die Risikoverlagerung auf den Kunden hat indes die Allianz vorangetrieben, die sich über das neue Betriebsrentenstärkungskonzept besonders freuen kann, weil es ihr in die Hände spielt. Im Bereich der betrieblichen Altersvorsorge ist die Allianz gemäß KROHN noch am ehesten bei den klassischen Policen im Geschäft (ca. 25 Prozent statt ca. 10 Prozent bei der privaten Altersvorsorge)

KROHN sieht in der Bafin einen Helfer der Lebensversicherer, was die Belastungen durch die Zinszusatzreserve betrifft. Die Kunden liegen der Bafin dagegen weniger am Herzen.

KRIEGER, Friederike (2017): Gutschrift bleibt stabil.
Allianz nennt Überschussbeteiligung für Lebensversicherungen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 05.12.

Friederike KRIEGER verschweigt, dass die Allianz die Verzinsung nicht nur letztes Jahr, sondern bereits die letzten drei Jahre gesenkt hat, bevor sie nun die weitere Absenkung gestoppt hat. KRIEGER weist jedoch darauf hin, dass die Allianz mit besseren Konditionen für die risikoreichen Produkte Kunden ködert.

ENZ, Werner (2017): Allianz demonstriert erstaunliche Stärke.
Kommentar: Deutsche Lebensversicherer,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 06.12.

Werner ENZ sieht die Lage der Allianz nicht so rosig wie die deutschen Journalisten und weist auf die Unwägbarkeiten des Kapitalmarktes und der Politik hin.

 
       
   

LOOMAN, Volker (2017): Gegen die Angst vor der Angst,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.12.

Volker LOOMAN versteht sich als eine Art von Sozialpädagoge in Sachen "armer Schlucker". Das sind nur einfache Millionäre, die als Emporkömmlinge um ihr Vermögen bangen. Der 70-Jährige

"bezieht eine monatliche Rente von 3.000 Euro. Außerdem lebt er zusammen mit seiner Frau, die zwei Jahre jünger ist, in einem schuldenfreien Haus, das 700.000 Euro wert ist  Der wunde Punkt ist das »Depot« bei der Hausbank, in dem 500.000 Euro liegen",

erklärt uns LOOMAN die Ängste eines dieser Emporkömmlinge, die so etwas wie die Unterschicht in der Hierarchie der Reichen sind. In der Soziologie gilt Thorstein VEBLEN als Klassiker, der mit diesen so genannten Neureichen den demonstrativen Konsum verbunden hat. Heute würde man von einem Hang zu Statussymbolen sprechen. Man kann daraus sehen, dass Emporkömmlinge auch in der Soziologie selten einen guten Ruf haben. Ob dieses Bild der Neureichen mehr als nur ein Stereotyp ist, darüber lässt sich LOOMAN jedoch nicht aus, denn WIE das Vermögen erworben ist, das ist nicht sein Thema, sondern nur wie es erhalten wird.

 
       
   

SCHÖNBACH, Miriam (2017): Schöne Bescherung für "Görliwood".
Nachfrage nach dem Drehort in der internationalen Filmbranche ist hoch,
in:
Neues Deutschland v. 05.12.

Görlitz drohen die letzten Industriearbeitsplätze wegzubrechen, weshalb das Stadtmarketing nun auf die Stadt als Filmkulisse setzt. Ob das Görlitz davor rettet zur Geisterstadt zu werden, ist jedoch fraglich.

 
       
   

OECD (2017): Pensions reforms have slowed in OECD countries but need to continue.
Further reforms are needed across OECD countries to mitigate the impact of population ageing, increasing inequality among the elderly and the changing nature of work, according to a new OECD report,
in:
Pressemitteilung der OECD v. 05.12.

Die neoliberale Lobbyorganisation OECD hat den jährlichen Bericht Pensions at a Glance 2017 veröffentlicht. Frank SPECHT nutzt auf handelsblatt.de die Publikation, um der Politik die neoliberalen Leviten zu lesen: Woran es in der Rentenpolitik hapert.

"»Wir wollen das heutige Rentenniveau sichern und durch einen neuen Generationenvertrag die Beiträge stabilisieren«, heißt es in den Leitlinien, die der Bundesvorstand am Montag beschlossen hat und mit denen die Partei in Sondierungsgespräche mit der Union gehen will. Außerdem soll, wer ein Leben lang Vollzeit gearbeitet und Rentenbeiträge gezahlt hat, im Alter nicht auf staatliche Unterstützung angewiesen sein",

fasst SPECHT die SPD-Position zusammen. Das neoliberale Kernprojekt - die Erhöhung der Erwerbstätigkeit im Rentenalter streicht SPECHT besonders hervor:

"Positiv hebt die Industrieländerorganisation hervor, dass hierzulande die Quote der erwerbstätigen 55- bis 64-Jährigen seit der Jahrtausendwende um gut 30 Prozentpunkte gestiegen ist. Damit ist Deutschland absoluter Spitzenreiter. Bei der Beschäftigungsquote der 65- bis 69-Jährigen liegt die Bundesrepublik allerdings leicht unter dem OECD-Durchschnitt."

Das ist für Neoliberale aber nicht ausreichend, denen die Rente mit 63 genauso ein Dorn im Auge ist wie die zu niedrigen Anreize fürs Weiterarbeiten. Die Verschiebung des neoliberalen Frontverlaufs in die richtige Richtung in Europa rekapituliert SPECHT folgendermaßen:

"Insgesamt reagierten die Industriestaaten in den zurückliegenden zwei Jahren sehr unterschiedlich auf die demografische Entwicklung. So haben Finnland, Japan und Spanien Nachhaltigkeitsfaktoren eingeführt, wie es sie auch hierzulande gibt. Sie koppeln Rentenanpassungen an die Bevölkerungsentwicklung. Frankreich und Dänemark haben das Renteneintrittsalter an die durchschnittliche Lebenserwartung geknüpft. Im OECD-Durchschnitt wird das Rentenalter für Männer bis 2060 um 1,5 Jahre und für Frauen um 2,1 Jahre steigen. Dänemark, Italien und die Niederlande haben schon heute ein Renteneintrittsalter von mehr als 68 Jahren."

Monika QUEISSERs Steckenpferd ist die Individualisierung der Alterssicherung. Aus dieser Sicht wird die Benachteiligung der Frauen im deutschen Rentensystem angeprangert (Infos auf der deutschen OECD-Website finden sich hier).

Die Absurdität der neoliberalen Sicht, zeigt sich im Ranking zur finanziellen Nachhaltigkeit der Alterssicherung. Dort wird uns die Verhältnis der Erwerbstätigen zu den Rentnern für das Jahr 2075 präsentiert. Korea steht dort auf Platz 1 vor Portugal und Japan. Man kann sich über diese Art von Kaffeesatzleserei eigentlich nur wundern.

 
       
   

04.12.2017

 
       
   

Wie ein Journalist eine Studie dreist instrumentalisiert, obwohl die Studie gar nicht belegt, was der Journalist behauptet

HAGELÜKEN, Alexander (2017): Beruf und Kinder.
Familienpolitik: Dein Job lohnt sich nicht, tönt der traditionelle Mann,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 04.12.

"Ein Studium reduziert die Wahrscheinlichkeit von Nachwuchs um 25 Prozent, haben Forscher herausgefunden",

behauptet Alexander HAGELÜKEN nochmals, was er bereits am 01.12. verkündete. Die zitierte Studie ist vor allem für Historiker relevant, aber nicht für die Politikberatung, denn die Frauenjahrgänge 1956 bis 1975, auf die sich die Aussage - zudem noch verfälschend - bezieht, sind für das gegenwärtige Geburtengeschehen weitgehend bedeutungslos. Bevölkerungswissenschaftler sehen das Ende der Gebärfähigkeit bei 50 Jahren erreicht, d.h. im Jahr 2017 hat der Frauenjahrgang 1967 seine endgültige Kinderzahl erreicht.

Das Statistische Bundesamt hat die altersspezifischen Geburtenzahlen für die Frauenjahrgänge bis 1971 in einer Datenbank aufgelistet. Im Jahr 2015 erreichte der Frauenjahrgang 1971 das Alter von 44 Jahren. Bis dahin ergibt sich eine endgültige Kinderzahl von 1,51 Kindern pro Frau dieses Jahrgangs. Der Frauenjahrgang 1968 erreichte bis zu diesem Alter nur eine Kinderzahl von 1,49. Die nach diesem Alter noch geborenen Kinder erhöhen die Geburtenzahl nur noch im Bereich der dritten Stelle hinter dem Komma. Die endgültige Kinderzahl des Frauenjahrgangs 1966 lag bei 1,52 Kindern pro Frau. Nach dem 45. Lebensjahr wurden gerade noch 2,8 Kinder pro 1000 Frauen geboren. Darunter dürften sich vor allem erste Kinder von Akademikerinnen befinden. Diese Zahl steigt zwar bei den jüngeren Frauenjahrgängen bislang weiter, hat aber auf das Geburtengeschehen und damit die niedrige Geburtenrate in Deutschland nur einen sehr geringen Einfluss.

Was die Kinderlosigkeit betrifft, so liegen mit dem Mikrozensus 2016 erste Ergebnisse vor, die jedoch aufgrund der mangelhaften Datenlage leider noch keine Rückschlüsse für das Jahr 2016 ermöglichen. Die Statistikämter berufen sich auf IV-Probleme und Umstellungen bei der Statistik. Aber auch die bereits vorliegenden Daten widersprechen dem, was HAGELÜKEN behauptet. Erst Recht gilt das für die Untersuchungen von Martin BUJARD u.a., die das Hauptproblem der niedrigen Geburtenrate zu Recht nicht bei der Kinderlosigkeit der Akademikerinnen, sondern beim Rückgang der kinderreichen Familien sehen. Dazu heißt es bei BUJARD & LÜCK 2015:

"Deutschland ist durch die Kombination aus hoher Kinderlosigkeit und einem geringen Anteil Kinderreicher charakterisiert. Der Effekt des Rückgangs kinderreicher Familien kann jedoch mit 66,6 % den Großteil des Geburtenrückgangs in der Bundesrepublik Deutschland erklären (Bujard/Sulak 2015). Zeitlich unterscheiden sich die Effekte: Während in der Anfangsphase der Rückgang der kinderreichen Familien fast alleine den Geburtenrückgang ausgelöst hat, war später, beim Vergleich der Kohorten von 1950 bis 1970, die Kinderlosigkeit der dominierende Faktor (ebd.; vgl. van de Kaa 1987)." (S.41)

Bei den Frauenjahrgängen der 1970er Jahre spielt die Kinderlosigkeit nicht mehr die Hauptrolle. Das gilt auch für die Akademikerinnen. Bei den Frauenjahrgängen 1967 - 1971 (45-49-Jährige) waren noch 127.000 Akademikerinnen kinderlos. Dagegen sind es bei den Frauenjahrgängen 1972 - 1976 (40 - 44-Jährige) nur noch 121.000 Akademikerinnen. Aus diesen Zahlen ergibt sich folgendes Bild:

Tabelle: Die Anzahl der Kinderlosen und Mütter (Nicht-Akademikerinnen / Akademikerinnen) der Frauenjahrgänge 1967 - 1976 im Jahr 2016
  Jahrgang 1967-1971 Jahrgang 1972-1976
in Tausend in % in Tausend in %
Gesamtzahl der Frauen 2.912   2.298  
Gesamtzahl der Nichtakademikerinnen 2.412 100,0 1.818 100,0
Anzahl der Mütter ohne Hochschulabschluss 1.943 80,6 1.450 79,8
Anzahl der Kinderlosen ohne Hochschulabschluss 469 19,4 368 20,2
Gesamtzahl der Akademikerinnen 500 100, 0 480 100,0
Anzahl der Mütter
mit Hochschulabschluss
373 74,6 359 74,8
Anzahl der Kinderlosen mit Hochschulabschluss 127 25,4 121 25,2
Quelle: Broschüre Kinderlosigkeit, Geburten und Familien, Tabellen 3.7 und 3.8; eigene Berechnungen

Während die Anzahl der Kinderlosen bei den Frauen ohne Hochschulabschluss steigt, geht sie bei den Akademikerinnen zurück. Die Zahlen sind zwar scheinbar minimal, zeigen aber eindeutig, dass ein Studium keineswegs die Wahrscheinlichkeit um 25 % steigen lässt, denn der Unterschied in der Kinderlosigkeit beträgt zwischen Akademikerinnen und Nicht-Akademikerinnen lediglich rund 5 % und verringert sich sogar.

HAGELÜKEN hat die Aussage aus dem Kontext der Untersuchung gerissen. Nur im Kontext der speziellen Untersuchung und für die untersuchten Frauenjahrgänge sowie den betrachteten Faktoren hat die Aussage überhaupt Relevanz, nicht aber für das derzeitige Geburtengeschehen in Deutschland, das von den Frauenjahrgängen nach 1971 geprägt ist.

Vergleicht man das Geburtengeschehen von Gleichaltrigen im Zeitverlauf, dann werden die Unterschiede noch deutlicher (mehr hier).

Wie entscheidend sind überhaupt Akademikerinnen für die Geburtenentwicklung in Deutschland. Auch darüber gibt der Mikrozensus 2016 Auskunft. Denn auch in den jüngeren Frauenjahrgänge dominieren die Nicht-Akademikerinnen das Geburtengeschehen - allein durch die Anzahl der gebärfähigen Frauen.

Tabelle: Die Entwicklung des Anteils der Akademikerinnen an den jüngeren Frauenjahrgängen
  Frauenjahrgang
1972 - 1976
Frauenjahrgang
1977 - 1981
Frauenjahrgang
1982 - 1986
Frauenjahrgang
1987 - 1991
in Tausend in % in Tausend in % in Tausend in % in Tausend in %
Gesamtzahl der Frauen 2.298 100,0 2.319 100,0 2.287 100,0 1.885 100,0
Anzahl der Nicht-Akademiker-innen 1.818 79,1 1.751 75,5 1.672 73,1 1.476 78,3
Anzahl der Akademiker-innen 480 20,9 568 24,5 615 26,9 409 21,7
Quelle: Broschüre Kinderlosigkeit, Geburten und Familien, Tabellen 3.7 und 3.8; eigene Berechnungen

Obwohl der Anteil der Akademikerinnen an der Gesamtzahl der gebärfähigen Frauen in den nächsten Jahren steigen wird, so wird das Geburtengeschehen dennoch hauptsächlich von den Nicht-Akademikerinnen geprägt werden. Ein Anstieg der Kinderlosen bei Nicht-Akademikerinnen ist deshalb auch in den nächsten Jahren gravierender für die Geburtenentwicklung in Deutschland. Da die Frauenjahrgänge 1987-1991 erst 25-29 Jahre alt sind, kann sich hier der Anteil der Akademikerinnen noch erhöhen.

Die altersspezifischen Geburtenziffern der Fachserie 1 Reihe 1.1, die im Juli veröffentlicht wurden, zeigen weitere Trends für die Zukunft auf. Bis zu den Frauenjahrgängen 1986 (Stand: Jahr 2014) liegen die altersspezifischen Geburtenziffern über jenen des Frauenjahrgangs 1971. Dieses deutet auf einen Anstieg des Erstgebäralters für diese jüngsten Frauenjahrgänge hin. Was dies für die fernere Geburtenentwicklung in Deutschland bedeutet, das wäre eine viel wichtigere Frage, die bei HAGELÜKEN jedoch keine Rolle spielt. 

Fazit: Die Akademikerinnen sind entgegen der Suggestion von HAGELÜKEN keineswegs für die Rentenentwicklung in Deutschland entscheidend. Weder droht wegen ihnen der Kollaps, noch sind sie die Rettung der Rentenversicherung.    

 
       
   

GRÄBER, Berrit (2017): Viele Kinder helfen viel.
Mit Nachwuchs ist es jetzt leichter, in die günstige Krankenversicherung der Rentner zu kommen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 04.12.

Berrit GRÄBER berichtet über die Änderung bei der 9/10-Regelung, die im August klammheimlich durchgeführt wurde. Sie führt dazu, dass vor allem gut situierte Menschen, nachdem sie jahrelang von der günstigen Privatversicherung profitierten, im Alter die Vorteile der günstigen Rentnerkrankenkasse nutzen können. Einst sollte die 9/10-Regelung genau diesen Missbrauch verhindern.

Neben Beamtengattinnen nennt GRÄBER Ärzte, Anwälte oder Apotheker als mögliche Profiteure der Änderungen. 

 
       
   

OSEL, Johann (2017): Kleine Summen können ein Leben blockieren.
Trennung, Krankheit, Tod des Partners - das sind oft Schicksale vor der Überschuldung. Aber auch im Elektromarkt lauert die Versuchung. Immer mehr Menschen brauchen professionelle Hilfe. Die Beratungssituation im Freistaat ist sehr unterschiedlich - die SPD will das ändern,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 04.12.

"Zusammenklappen würde der Betrieb (Anm.: in Straubing), kämen tatsächlich alle Überschuldeten. Deren Anteil in der Stadt liegt bei 11,5 Prozent, in einer Liga mit Köln, Nürnberg und Hamburg; während der Landkreis rundherum eine der niedrigsten Quoten der Bundesrepublik hat. Seit Jahren rätseln sie in der Stadt, woher das rührt - ob so viele hier nicht ihr Geld zusammenhalten können? JVA und Psychiatrie am Ort haben wohl einen Einfluss (...). Doch auch nach Abzug der Personen liegt Straubing weit über dem Schnitt",

berichtet Johann OSEL anlässlich der Zahlen, die von der Creditforum Wirtschaftsforschung erhoben wurden und im Landtag debattiert wurden.

 
       
   

BÄCKER, Gerhard (2017): Entwicklung des Altersübergangs: Immer mehr Ältere wechseln aus einer versicherungspflichtigen Beschäftigung in die Rente,
in: sozialpolitik-aktuell.de v. 04.12.

 
       
   

MÄDLER, Katrin (2017): Mit Jugend und frischem Wind.
Junge Menschen wollen in Adorf gegen die Bevölkerungsprognose kämpfen,
in:
Neues Deutschland v. 04.12.

Katrin MÄDLER berichtet über ein Projekt des Bundesprogramms Demografiewerkstatt Kommunen, zu dem Adorf in Sachsen als eine von acht geförderten Gemeinden gehört. Das Projekt ist eine Art Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für einen Sozialpädagogen. Anfang des Jahrtausends forderte der nationalkonservative Bevölkerungswissenschaftler Herwig BIRG, dass Bevölkerungspolitik ein Bevölkerungsbewusstsein benötige. Das Projekt, das auf die Jugend abzielt, kann als Teil dieser Propaganda betrachtet werden.

"Seit 1990 ist die Bevölkerungszahl in der vogtländischen Kommune um ein Viertel zurückgegangen. Nach Zahlen des Statistischen Landesamtes in Sachsen dürfte Adorf bald die 5.000-Einwohner-Grenze unterschreiten - schon im Jahr 2022 könnte es soweit sein. Für das Jahr 2030 sind nur noch 4.500 Adorfer Bewohner prognostiziert. Ende 2015 lebten knapp 5.100 Menschen in Adorf - nachdem es im Jahr 2000 noch gut 6.200 waren,

berichtet MÄDLER über die prognostizierte Bevölkerungsentwicklung in Adorf. Bei der Bundestagswahl erhielt dort die AfD nur 25 % der Zweitstimmen und wurde damit nur zweitstärkste Kraft hinter der CDU. 

 
       
   

Das Single-Dasein in Österreich

SEISER, Monika (2017): Aufbau ohne Abbau.
Erstmals nach langer Zeit entsteht in Europa wieder ein Stahlwerk - im österreichischen Kapfenberg. Für die alte Industrieregion bedeutet dies eine Belebung,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.12.

"Vielleicht führen die kräftigen Geldflüsse auch zu einer stärkeren Besiedlung der Stadt, die von der Entwicklung von Böhler abhängt. In den Nachkriegsjahren bis 1971 erhöhte sich die Zahl der Bevölkerung auf einen Höchststand von 26.3000 Einwohnern. Damals beschäftigte Böhler rund 8.000 Mitarbeiter. Die darauffolgende Stahlkrise und die fortschreitende Privatisierung des Unternehmens, durch die sich die Zahl der Böhler-Beschäftigten auf 3.500 um den Jahrtausendwechsel reduzierte, ließ die Einwohnerzahl bis auf 21.831 im Jahr 2011 sinken. Jetzt zählt die Stadt 23.000 Bürger. Die Steigerung erklärt sich durch die Zusammenlegung der Gemeinden Kapfenberg und Parschlug im Rahmen der Steiermärkischen Gemeindestrukturreform",

berichtet Monika SEISER aus dem österreichischen Kapfenberg.

 
       
   

03.12.2017

 
       
   

SCHAAF, Julia (2017): Schöner streiten.
Wer rechtzeitig ein paar Gesprächsregeln einübt, kann das Trennungsrisiko senken. Wissenschaftler fordern deshalb präventive Trainings für Paare,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 03.12.

FREUND, Andrea (2017): "Wir brauchen Liebeskunde in der Schule".
Die Berliner Paartherapeutin Vera Matt hat seit kurzem regelmäßig junge Menschen in der Praxis, die sich beraten lassen, damit ihr Glück Bestand hat. Warum?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 03.12.

 
       
   

02.12.2017

 
       
   

FRITSCHE, Andreas (2017): Kluge Frauen mit Kindern.
In Brandenburg sind Akademikerinnen überdurchschnittlich oft auch Mutter geworden,
in:
Neues Deutschland v. 02.12.

"(A)llgemein sind Frauen, die in Großstädten leben und ein Hochschulstudium absolviert haben, häufiger kinderlos. 42,4 Prozent der Akademikerinnen in Berlin sind betroffen.
Anders in Brandenburg: Hier ist der Anteil kinderloser Akademikerinnen mit 16,7 Prozent sogar unterdurchschnittlich, denn unter den brandenburgerischen Frauen mit niedrigerem Bildungsabschluss haben immer hin etwas mehr als 25 Prozent keine Kinder.
Das sind Zahlen aus dem Jahr 2016",

erklärt uns Andreas FRITSCHE. Was dies bedeutet, das lässt sich nicht sagen, denn die Angaben lassen sich noch nicht überprüfen, denn die Statistischen Jahrbücher sind erst nächste Woche verfügbar. Es bleibt also unklar auf welchen Erhebungen die Zahlen beruhen. In der gestrigen Pressemitteilung des Amtes für Statistik heißt es lediglich:

"Fast die Hälfte der Berlinerinnen mit Hochschulabschluss hatte 2016 keine Kinder, bei den Brandenburgerinnen mit Hochschulabschluss war es ein Sechstel".

Das jedoch sagt keineswegs etwas über die endgültige Kinderlosigkeit von Akademikerinnen aus und ob Akademikerinnen in Brandenburg überdurchschnittlich Mutter werden, kann erst recht nicht daraus abgeleitet werden. Wir warten also lieber ab, was aus den Statistischen Jahrbüchern tatsächlich ersichtlich ist.

Gewöhnlich enthalten diese Jahrbücher überhaupt keine Zahlen zur Kinderlosigkeit von Akademikerinnen. Diese werden nur alle 4 Jahre erhoben. Letztmalig mit dem Mikrozensus 2016. Dazu stellt jedoch das Amt bislang gar keine Daten zur Verfügung. In der Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes vom Juli 2017 finden sich keine Angaben für Brandenburg, die Kinderlose bzw. Mütter nach dem Bildungsstand differenzieren. Woher stammen also die Daten und warum werden sie der Öffentlichkeit vorenthalten?

 
       
   

RIDDERBUSCH, Katja (2017): Neu im Angebot: Schwanger in den Wechseljahren.
Jede Frau verfügt über einen begrenzten Vorrat an Eizellen, der mit der Menopause verbraucht ist. Das müsse nicht so sein, sagen nun einige Ärzte in Europa und den USA. Und versprechen die wundersame Neubildung von Eizellen,
in:
Welt v. 02.12.

 
       
   

PETER, Tobias (2017): "Wenn man früh anfängt, bringt Vorsorge viel".
Die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, Gundula Roßbach, über die Zukunft der Alterssicherung, Probleme bei Selbständigen und einen fehlenden Weitblick der jungen Generation,
in:
Frankfurter Rundschau v. 02.12.

 
       
   

Die Gebietsreform in Thüringen in der Debatte

POLLMER, Cornelius (2017): Aufschub und Aus
Thüringens rot-rot-grüne Regierung stoppt Kreisgebietsreform,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 02.12.

Cornelius POLLMER berichtet darüber, dass nun "freiwillige" Gemeindefusionen durch 200 Euro pro Einwohner und einer Höchstförderungsgrenze von 2 Millionen Euro begünstigt werden sollen. Die freiwillige Fusion von Eisenach und Wartburgkreis soll 2019 abgeschlossen sein. 

HAAK, Sebastian (2017): Das rot-rot-grüne Kernprojekt ist tot.
Linke, SPD und Grüne in Thüringen müssen die Kreisgebietsreform beerdigen - nennen es aber anders,
in:
Neues Deutschland v. 02.12.

Sebastian HAAK, ein gnadenloser Verfechter von Toip-Down-Gebietsreformen, deren Sinn durchaus angezweifelt werden kann, kritisiert das Aus der Gebietsreform in Thüringen.

 
       
   

MISIK, Robert/MÜLLER, Tobias/REINECKE, Stefan/SOTSCHECK, Ralf/ZYLBERSZTAJN (2017): Von den Freunden lernen.
Reportage: Wahldesaster, müde Parteieliten, Konkurrenz von Rechtspopulisten: Die Sozialdemokratie steckt in ganz Europa in der Krise. Eine Reise durch Österreich, die Niederlande und Großbritannien zeigt: Die SPD könnte sich von den Erfahrungen ihrer Schwesterparteien Einiges abschauen,
in:
TAZ v. 02.12.

 
       
   

SCHÄFER, Michael (2017): Immobilieninvestoren lieben Deutschland.
Vor allem Berlin entwickelt sich immer mehr zum europäischen Betongold-Hotspot,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 02.12.

Michael SCHÄFER berichtet über das jährliche Städteranking (Emerging Trends in Real Estate® Europe 2018, Tabelle 3.1, S.28) der attraktivsten Immobilienmärkte in Europa, bei dem mittlerweile die deutschen Metropolen vorderste Plätze belegen. Außerdem geht er auf die Transaktionsvolumen (Schaubild 2-2, S.18) ein, bei denen Deutschland den Spitzenreiter Großbritannien überrundet hat. In der Schweiz ist lediglich Zürich von Bedeutung.

 
       
   

Das Single-Dasein in Dänemark

FRÜNDT, Steffen (2017): Da ist etwas faul im Staate Dänemark.
Das Land gilt als Sehnsuchtsort. Doch wer nicht als Tourist kommt, erlebt es mitunter nicht nett, sondern fremdenfeindlich,
in:
Welt v. 02.12.

Steffen FRÜNDT berichtet über den Fall der US-amerikanischen Soziologieprofessorin Brooke HARRINGTON ("Capital without Frontiers", mehr auch hier), der wie weiteren Wissenschaftlern wegen illegaler Nebentätigkeiten eine Vorbestrafung und schlimmstenfalls die Ausweisung droht.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

SCHÖCHLI, Hansueli (2017): Bundesgeld blockiert die Rentenreform.
Je stärker die AHV subventioniert ist, desto schwieriger wird der Umbau des Sozialwerks,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 02.12.

Hansueli SCHÖCHLI beklagt nach dem Beschluss des Nationalrats am Donnerstag die Umverteilung von oben nach unten und geißelt sie deshalb als Generationenkonflikt. Umverteilung solle nicht über die Alterssicherung erfolgen, sondern nur durch Steuerpolitik und Sozialhilfe. Dann - so diese neoliberale Sicht - könne Umverteilung leichter verhindert werden.

ENZ, Werner (2017): Lebensversicherer erfinden sich neu.
Strategien zum Überleben in einer langen Niedrigzinsphase,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 02.12.

Werner ENZ berichtet über keine einzige neue Strategie der Lebensversicherer, sondern fasst die üblichen Praktiken zusammen. Dazu gehört insbesondere die Umverteilung der Risiken auf die Kunden, die mit Renditeversprechen geködert werden.

 
       
   

Das Single-Dasein in Island

BORCHERT, Thomas (2017): Politiklabor Island.
Die neue Regierungschefin Katrín Jakobsdóttir koaliert mit Rechtspopulisten,
in:
Frankfurter Rundschau v. 02.12.

 
       
   

01.12.2017

 
       
   

HAGELÜKEN, Alexander (2017): Kinder oder Karriere.
Forscher weisen erstmals empirisch nach: Akademikerinnen entscheiden sich öfter gegen Nachwuchs als andere Frauen - weil sie Nachteile im Beruf fürchten,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 01.12.

Seit über 20 Jahren ist die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen ein Forschungsthema. Nun will uns Alexander HAGELÜKEN glauben machen, dass es erstmals empirische Ergebnisse gäbe. Dies ist natürlich völliger Unsinn. Aber was tut man nicht alles, um Banalitäten groß aufzublasen? Dass es sich bei der vorgestellten Studie um eine Veröffentlichung des neoliberalen RWI-Institut handelt, sollte stutzig machen, denn das Institut beweist so ziemlich alles, wenn es den Interessen der Wirtschaft dient. So wird einmal verkündet, dass die Rentenversicherung der Sargnagel für die Geburtenrate war, nun also wieder einmal die mangelhafte Vereinbarkeit von Karriere und Kind. Dabei stellt die Untersuchung gar nicht auf die Karriere ab, sondern auf die Bildungsexpansion, was ganz etwas anderes ist. Der Titel des Arbeitspapiers lautet deshalb Fertility Effects of College Education: Evidence from the German Educational Expansion. Mit einer Angst vor Nachteilen im Beruf hat das erst einmal gar nichts zu tun. Dass der Bildungsstand an sich nicht für die Geburtenrate von Akademikerinnen verantwortlich ist, das wurde bereits vor längerem belegt.

Angeblich werden Kausalzusammenhänge aufgedeckt, was ebenfalls Unsinn ist, denn mit der Studie wurden keinerlei Motive erforscht, sondern lediglich Zusammenhänge auf der makroökonomischen Ebene aufgezeigt.

"Während 1963 erst fünf Prozent der Frauen an die Uni gingen, ist der Anteil heute so hoch wie bei den Männern. Parallel ging seit dem Zweiten Weltkrieg die Geburtenrate deutlich zurück: Von 1,8 auf heute 1,4 bis 1,5 Kinder pro Frau",

schreibt HAGELÜKEN. Dagegen heißt es bei Daniel A. KAMHÖFER & Matthias WESTPHAL von der Universität Paderborn:

"While only 5 percent of all women born in 1943 were enrolled in higher education in 1963, the number increased tenfold until the birth cohort 1972. After the baby-booming years succeeding World War II, the average number of births per women dropped from 1.8 to 1.5." (S.7)

HAGELÜKENs Übersetzung verfälscht die Aussagen der Wissenschaftler, die sich auf die Entwicklung der akademischen Bildung bei den Frauenjahrgängen 1963 und 1972 beziehen und nicht etwa auf den Frauenanteil an der Universität. Beides wäre nur identisch, wenn lediglich die Erstsemester betrachtet werden würden. Zum gegebenen Zeitpunkt 1963 studierten jedoch mehrere Frauenjahrgänge an der Universität. Außerdem ging die Geburtenrate nicht seit dem Zweiten Weltkrieg zurück, sondern erst seit 1965. Betrachtet wird sowieso nur Westdeutschland, d.h. die Entwicklung in Ostdeutschland wird gar nicht berücksichtigt. Die Autoren beschreiben ihr Sample folgendermaßen:

"For the purpose of our analysis we make use of the Adult Starting Cohort that covers individuals born between 1956 and 1986 in, so far, seven waves between 2007/2008 (wave 1) and 2014/2015 (wave 7)8, see LIfBi (2015). Starting with about 8,500 women, the final sample includes 4,300 women who (i) were educated in West Germany, (ii) are aged 40 or older, and (iii) have complete information in key variables." (S.15)

HAGELÜKEN behauptet in dem Artikel:

"Wenn Frauen studieren, reduziert das die Wahrscheinlichkeit um ein Viertel, dass sie Kinder bekommen."

Dagegen heißt es in der Studie:

"The key dimensions along which we analyze fertility are the extensive margin (probability of becoming a mother) and the intensive margin (number of children conditional on being a mother). (...). From the one-fifth of college-educated women about three-quarters have at least one child. For women without a college education, the share of mothers is about nine percentage points higher. Interestingly, once a woman decides to become a mother, the average number of children is almost the same for women with and without a college education (if anything, college-educated mothers have slightly more children). In other words, the main difference in the descriptives between college-educated and non-collegeeducated women is on the extensive rather than the intensive fertility margin." (S.16)

Oder anders formuliert: Von den untersuchten Akademikerinnen blieben 25 Prozent kinderlos, während von den untersuchten Nicht-Akademikerinnen nur 16 Prozent kinderlos blieben. Da jedoch in der Befragung viele Akademikerinnen nur 40 Jahre alt waren, bekommen also einige davon noch Kinder.(2014 haben die Jahrgänge 1974 und älter; 2015 die Jahrgänge 1975 und älter die 40 Jahres-Grenze überschritten. Die Aussagen beziehen sich also lediglich auf Akademikerinnen der Geburtsjahrgänge 1956 bis max. 1975.

Die Schlüsse, die die Autoren ziehen, lassen sich dagegen nicht nachvollziehen. Es ist mehr als gewagt von Durchschnitten darauf zu schließen, dass die Anzahl der Kinder im Gegensatz zur Kinderlosigkeit bedeutungslos sei. Dies gilt umso mehr, da die Entwicklung der Kinderzahlen nicht im Zeitverlauf dargestellt wird. Da sich die Geburtenrate von Akademikerinnen nachweislich gesteigert hat, ist die Analyse dahingehend kurzschlüssig.

Fazit: Zum einen verfälscht HAGELÜKEN die Darstellung der Studie, zum anderen ist die Analyse selber fragwürdig, weil lediglich Aussagen zum Gesamt der Frauenjahrgänge 1956 - 1975 getroffen werden. Dagegen hat sich die Lage dieser Akademikerinnen im Zeitverlauf verbessert. Dies wird ausgeblendet. Ob der Übergang zur Mutterschaft heutzutage noch das Hauptproblem ist, lässt sich mit der Studie nicht belegen, sondern bedürfte der Analyse der Kinderlosigkeit und der Kinderzahlen verschiedener Frauenjahrgänge.

Der Mikrozensus 2016 hat gezeigt, dass die Kinderlosigkeit von Akademikerinnen gesunken und diejenige der Nicht-Akademikerinnen gleich geblieben ist. In der Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes hieß es dazu:

"Unter den 40- bis 44-jährigen Akademikerinnen war 2016 der Anteil der Kinderlosen mit 25 % um drei Prozentpunkte geringer als 2012 (28 %)."

Die Kinderlosigkeit der 40- bis 44-jährigen Nicht-Akademikerinnen liegt gemäß der Broschüre Kinderlosigkeit, Geburten und Familien dagegen weiterhin bei 20 %. Hinzu kommt, dass auch in den Altersgruppen 30 - 39 Jahre die Kinderlosigkeit zurückgegangen ist, d.h. das Erstgebäralter bei Akademikerinnen ist gesunken. Es muss deshalb gefragt werden, in wiefern die vorgestellte Publikation überhaupt noch relevant ist. Politische Ratschläge - wie HAGELÜKEN das gerne hätte - lassen sich aus der RWI-Publikation nicht ableiten, da ihre Ergebnisse offensichtlich für die Gegenwart wenig stichhaltig sind.    

 
       
   

MENGEL, Monika (2017): Ein produktives und selbstbestimmtes Leben.
Nachruf auf die Schriftstellerin Verena Stefan, deren Buch "Häutungen" zum Manifest der Frauenbewegung der siebziger Jahre wurde,
in:
TAZ v. 01.12.

 
       
   

Das Single-Dasein in der Schweiz

RITTER, Johannes (2017): Das Geld ruft.
Ein Bergdorf in der Schweiz will den Einwohnerschwund mit einer Umzugsprämie aufhalten,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.12.

Die Schweizer Gemeinde Albinen hat die Subventionierung gut situierter Familien unter großem Medienrummel beschlossen. Wird diese pervertierte neoliberale Standortpolitik von Kommunen Schule machen?

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

GMÜR, Heidi (2017): Mal Feind, mal Freund.
Beim Bundespersonal sind SP und SVP uneins - anders beim Bundesbeitrag an die AHV,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 01.12.

 
       
   

BOOK, Simon (2017): Das bessere Deutschland.
Dänemark: Das Land macht vieles richtig, was andere nicht schaffen: wenig Schulden, Digitalisierung auf dem Land und keine Angst vor Großprojekten,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.12.

Simon BOOK schaut als typischer Neoliberale neidisch auf das kleine Dänemark, das den Traum der Neoliberalen symbolisiert: Ausschaltung des Störfaktors Politik durch Expertokratie und Zähmung des Bürgerprotests. Ob ein großes Land überhaupt genauso funktionieren könnte wie das Miniland Dänemark, das politisch gesehen eher einem deutschen Bundesland (flächenmäßig so groß wie Baden-Württemberg und Saarland; aber dünner besiedelt als Schleswig-Holstein)  entspricht, das ist Neoliberalen egal. 

 
       
   

GASSMANN, Daniela (2017): Immer wieder.
Zusammenziehen, heiraten, Kinder kriegen: der Drei-Punkte-Plan jeder Beziehung? Oft sind des viel kleinere Schritte, die eine Liebe großmachen - fünf Paare erzählen,
in:
Neon, Dezember

 
       
   

Das Single-Dasein in Japan

LILL, Felix (2017): Japans Grauzone.
Nur in einem Industrieland ist die Bevölkerung noch älter als in Deutschland. Japans Rentner beeinflussen zunehmend Politik, Geschäftsmodelle und die Arbeitswelt. Hier lässt sich beobachten, was uns noch bevorsteht,
in:
Capital, Dezember

Felix LILL sieht in Japan ein Horrorszenario, das uns Deutschen angeblich ebenfalls droht. Dieser neoliberale Kurzschluss ist zwar weit verbreitet, aber falsch. Während Japan auch 2050 noch die älteste Bevölkerung weltweit aufweisen wird, gilt das für Deutschland dagegen nicht, weil viele Länder gemäß Berechnungen des U.S. Census Bureau Deutschland bei der Alterung überholen werden. LILL dagegen verschweigt uns das. Auch bei der Zuwanderung ist Japan kein Vorbild. Japans Bevölkerung schrumpft bereits heute, während das für Deutschland keineswegs der Fall sein muss. Natürlich wird uns wieder mit der Rentnerdemokratie (andere sagen: Gerontokratie) gedroht. Uns wird eine mächtige, japanische Rentnergewerkschaft vorgegaukelt, nur weil sie angeblich 34 Millionen Rentner vertritt. Von den Ungleichheiten innerhalb der Rentnerpopulation spricht LILL dagegen nicht.

"Japans Rentensystem ist größtenteils umlagefinanzeirt. Ohne eine Reform werden die Jahrgänge ab 1985 weniger Geld aus der Pensionskasse bekommen, als sie einzahlen",

behauptet LILL. Das sieht Carsten GERMIS in der FAZ vom 11.01.2014 ganz anders:

"Die gute Position japanischer Pensionäre hat auch damit zu tun, dass kapitalgedeckte Altersvorsorge in Japan neben dem staatlichen Rentensystem schon lange einen hohen Stellenwert hat. Das staatliche System bietet allein eine Grundversorgung. Dies wirkt als Anreiz zur Privatvorsorge. Die wichtigste Rolle spielen neben der Grundversorgung aber die Betriebe. Ihre Versorgungssysteme, oft gekoppelt an große Pensionsfonds, sind für viele Menschen der wichtigste Bestandteil ihrer Altersvorsorge – und einer der Gründe dafür, warum die Bindung zwischen Arbeitnehmer und Betrieb in Japan immer noch stark ist."

LILL will einen Generationenkonflikt in Japan entdeckt haben. Dieser wird bei uns schon seit gut 20 Jahren beschworen, obwohl nichts davon der Realität entspricht.

Während bei uns die Neoliberalen im Weiterarbeiten im Rentenalter den Königsweg sehen, kritisiert LILL dies in Japan, denn dort hat die niedrige Regelaltersgrenze den Vorteil, dass das Senioritätsprinzip ausgehebelt wird. Auch in Deutschland drängen Neoliberale auf billige Rentnerarbeitskräfte.

Fazit: LILL stilisiert die Jüngeren in Japan zu den Opfern, während die Alten angeblich den Jungen die Arbeit wegnehmen und genauso viel verdienen würden. Leider wird das nirgendwo mit Zahlen belegt, d.h. LILL spricht in diesem Artikel zu Gleichgesinnten. Im Rückblick wird sich zeigen, was von LILLs Vision übrig bleiben wird.    

 
       
 

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Zu den News vom 25. - 30. November 2017
 

   
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Bernds@single-dasein.de Stand: 08. Dezember 2017