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Medienrundschau:
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Zitat
des Monats:
Die
Betonung des Bevölkerungsrückgang als Ursache schrumpfender
Städte als deutscher
geschichtskonservativer Sonderweg in der
internationalen Stadtforschung
"Bevölkerungsrückgang ist nie die eigentliche Ursache von
Schrumpfungsprozessen, sondern der unmittelbarste Anzeiger städtischen
Wandels bzw. eine Folge zumeist wirtschaftsstruktureller Probleme oder
Krisen. (...).
Ein spezieller Fall sind Bergbauzentren. Sie sind als Monozentren
zu sehen, welche in völliger oder sehr hoher Abhängigkeit von einer
Industrie bzw. einem Rohstoffabbau wachsen oder schrumpfen. Hierfür gibt
es auch in der älteren Historie zahlreiche Beispiele. (...). Wenig
verwunderlich weisen Bergbauzentren häufig die dramatischsten
Schrumpfungsgeschichten auf, also die höchsten Verluste (bis zu 90 %) in
kurzer Zeit. Beispiele sind Städte wie etwa Yūbari
in Japan,
Murmansk in Russland oder
Johanngeorgenstadt in Ostdeutschland."
(aus:
Annegret Haase "Schrumpfende Stadt" in Dieter Rink & Annegret Haase (Hrsg)
Handbuch Stadtkonzepte, Verlag Barbara Budrich, Opladen & Toronto 2018,
S.407f.)
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29.09.2018
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HORN, Karen
(2018): Hausaufgaben für Liberale.
Die Freiheit ist bedroht. Für
viele gilt sie nicht mehr als Wert. Zeit, sich zu fragen: Was haben
Liberale falsch gemacht?
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 29.09.
Die marktradikale Karen HORN, 2015
aus dem wissenschaftlichen Lobbyverein der Marktradikalen wegen dem
dortigen Rechtsruck ausgetreten, fragt sich nun wie es so weit kommen
konnte:
"Die Lehren der freiheitlich
inspirierten politischen Ökonomie vermögen nicht darüber
hinwegzutäuschen, dass uns oft das Gespür für politische Dynamiken
abgeht. Es fehlt an Einsicht in die Wucht sozialpsychologischer
Prozesse, ganz zu schweigen von der Kunst, in deren Wirbel das für die
Freiheit Wesentliche zu erkennen und in langfristigen Strategien zu
sichern."
Von wirklicher Einsicht ist HORN
jedoch noch weit entfernt:
"Eingeübt haben wir, als Antwort
auf soziale Fragen auf die Wohlstand schaffende Kraft der Märkte zu
verweisen. Und gleich danach geisseln wir die effizienzmindernde und
bevormundende Wirkung des Wohlfahrtsstaats."
Typisch für eingefleischte
Neoliberale wie HORN ist es den Sozialstaat auf seine wirtschaftliche
Funktionalität zu reduzieren. Ungleichheit gilt Neoliberalen als
problemlos, so lange sie die Produktivität bzw. die Profite nicht
behindert. Ein fataler Irrtum, dem Neoliberale unterliegen!
"Aber glatt zu ignorieren, welche
humanitäre Relevanz der sozialen Frage zukommt, ist ein Fehler. (...).
Gegen linke Rufe nach immer noch mehr Regulierung wissen wir mit guten
Argumenten zu protestieren. Nach rechts gelingen oft nur
Lippenbekenntnisse."
Einen starken Staat setzen
Neoliberale mit einem Staat gleich, der den Wettbewerb sichern soll -
notfalls militärisch. Dass der Sozialstaat zentral für die
Sicherheitspolitik ist, das gehört nicht zu ihrem Repertoire, weshalb
Neoliberalen das Gespür für die Alltagsprobleme der Menschen abhanden
gekommen ist (wenn sie es je hatten!). HORN ist eine Art neoliberale
Heimatvertriebene, was der Schluss ausdrückt:
"Falls es uns Liberalen nicht
gelingen sollte, Antworten zu finden, die über arg simple Gewissheiten
und ein abgekautes antietatistisches Mantra hinausgehen, dann könnte
es mit der Freiheit wieder einmal schneller vorbei sein, als wir es
uns vorstellen können."
Es hat erst des Aufkommens der AfD
bedurft, um Teile der Neoliberalen aufzuschrecken. Daraus lässt sich
die ganze Tragik dieser Ideologie erkennen. Sie ist unfähig,
rechtzeitig die Folgen ihrer Weltanschauung zu bedenken. Die
Hausaufgaben hätten die Neoliberalen bereits vor 10 Jahren machen
müssen. Jetzt können nur noch Notoperationen helfen.
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Das Single-Dasein in Finnland
HERMANN, Rudolf
(2018): Mutter Nokia und ihre Kinder.
Die nordfinnische Stadt Oulu ist
aus den Ruinen der Handyproduktion auferstanden,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 29.09.
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28.09.2018
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Seehofer muss weg! Die Kanzlerin schaut
tatenlos ihrer Demontage zu
SIGMUND, Thomas/HILDEBRAND, Jan/AFHÜPPE,
Sven/RICKENS, Christian
(2018): Kanzlerin auf Abruf.
Wochenendthema: Noch hat es kein
Bundeskanzler geschafft, seinen Abschied selbstbestimmt einzuleiten.
Auch Angela Merkel droht an dieser Aufgabe zu scheitern. Sie muss
jetzt die richtigen Schlüsse aus der Abwahl Volker Kauders ziehen,
in:
Handelsblatt v. 28.09.
Mit schöner Regelmäßigkeit versucht
das Handelsblatt aus Regierungskrisen Kapital zu schlagen und
Stimmung gegen die Kanzlerin zu machen, statt Aufklärung zu betreiben.
Das liegt daran, dass der Wähler aus Sicht unserer Eliten der
Emotionalisierung des politischen Geschehens bedürfe, weil er zu dumm
ist, um die Wahrheit zu begreifen. Dieser Trend zur Personalisierung
führt letztlich zum demokratischen Despotentum wie es in Frankreich
bereits in seinen Anfängen unter Emmanuel MACRON zu studieren ist. Wie
weit ist es noch zu türkischen und osteuropäischen Verhältnissen
angesichts des Niedergangs journalistischer Glaubwürdigkeit in
Deutschland?
Das Handelsblatt
unterfüttert seine Darstellung anhand von Grafiken, aus einer
Online-Umfrage des Marktforschungsunternehmens YouGov, die das Blatt
selber bestellt hat, und deren genauer Erhebungszeitpunkt fehlt.
Umfragen, zumal sie stark ereignisgetrieben sind, spiegeln in erster
Linie die desolate Informationslage in der Medienlandschaft wieder.
Seriöse Berichterstattung hat nicht nur die Ergebnisse eines einzigen
(meist mit ganz speziellen politischem Bias) Meinungsinstitut zu
berücksichtigen, sondern die Gesamtheit der verfügbaren Umfragen.
Online-Umfragen sind kaum repräsentativ, weil sie den
nicht-Internetaffinen Teil der Bevölkerung nicht angemessen
berücksichtigen kann, sondern deren Nicht-Berücksichtigung - aufgrund
intransparenter Korrekturen ergänzt.
Auf wahlrecht.de lässt sich
die
aktuelle Sonntagsfrage bei YouGov und deren Abweichungen in der
Vergangenheit zu den Umfragen anderer Meinungsforschungsinstitute
ersehen. Die CDU/CSU lag bei YouGov bereits am 30.08. nur bei 28 % und
ist am 27.09. nur ein Prozent niedriger gewesen. Die CDU-affine
ZDF-Umfrage sah die CDU/CSU Ende August dagegen noch bei 31 % und nun
bei 28 %. Aufschlüsse über die Parteipräferenzen der einzelnen
Institute ergeben sich aus der Umverteilung von Stimmen auf die
anderen Parteien, da hier ein großer Spielraum herrscht, und ein
Vergleich zwischen Prognosen und tatsächlichen Wahlergebnissen. Beides
sollte eigentlich skeptisch machen, aber der Mainstreamjournalismus
sucht sich jedoch nur die Institute heraus, die ihnen genehm sind.
Seriöse Analysen sind hier sehr selten.
Statt
über die unionsinterne Interessenlage zu berichten, die den Wahlsieg
von Ralph BRINKHAUS erst ermöglicht hat. Wer waren jene, die für
ihn gestimmt haben? Und welche Interessen verbinden sie damit? Diese
Frage wäre zuerst zu beantworten, wenn es um Aufklärung ginge.
Stattdessen werden uns 6 mögliche Nachfolger präsentiert, deren
Austauschbarkeit sich daran ermessen lässt, wenn man sie mit früheren
potenziellen Nachfolgern vergleicht. Dabei spielen Namen gegenüber den
Positionen, die sie jeweils innehaben, und deren zugeschriebene
politische Ausrichtung, eher eine untergeordnete Rolle.
BECKER, Benedikt/BÖLL, Sven/NIEJAHR,
Elisabeth/RAMTHUN, Christian/TUTT, Cordula
(2018): Dieser Mann will die
Wirtschaft zurückgewinnen.
Die Wahl von Ralph Brinkhaus zum
Chef der Unionsfraktion läutet die Endphase der Ära Merkel ein. Der
CDU-Mann setzt auf Akzente in der Steuer- und Europapolitik - und
kämpft um enttäuschte Wähler,
in:
WirtschaftsWoche v. 28.09.
Die WirtschaftsWoche sieht
in Ralph BRINKMANN jenen Mann, der ihre neoliberale Position stärken
soll:
"Seine Wahl zeigt (...), (...) dass
die Abgeordneten nicht länger abnicken wollen, was zwar im
Koalitionsvertrag steht, aber doch nur nach SPD-Programm klingt,
während die eigene Parteibasis den Drang nach Reformen verspürt."
Wie in der FAZ wird also
auch hier das Feindbild der Sozialpolitik gepflegt, obwohl die SPD
viel zu schwach ist, um sozialdemokratische Politik durchzusetzen, was
selbst die Autoren des Artikels zugeben:
"Das von der Union mehr gefühlte
als real existierende Primat der SPD in der Regierungsarbeit soll
gebrochen werden."
Kann es sich die SPD eigentlich
noch leisten, diese Koalition unter allen Umständen
aufrechtzuerhalten? Besser wäre dieses Drama endlich zu beenden, statt
mit dieser Koalition endgültig dem Weg der französischen Sozialisten
in die Bedeutungslosigkeit nachzueifern!
Im Gegensatz zum Handelsblatt
nennt die WirtschaftsWoche Namen, die für die Macht des
Netzwerkes von Ralph BRINKHAUS stehen sollen. Das reicht von
Gesundheitsminister Jens SPAHN über
Sepp MÜLLER,
Katja LEIKERT und
Günter KRINGS bis zu Carsten LINNEMANN, dem Chef der
Mittelstandsvereinigung.
Fazit: Die SPD könnte die ganze
Verärgerung über den Machtkampf in der CDU abbekommen, wenn sie nicht
endlich mit Koalitionsbruch droht, sollte die Union weiterhin die
Sozialpolitik sabotieren wollen. Rentenniveau-SCHOLZ sehen die
WirtschaftsWoche-Neoliberalen als ihren Verbündeten bei der SPD,
was deutlich macht, dass dessen Rentenvorstoß nichts als eine Farce
ist. Wie weit rechts das Blatt inzwischen gerückt ist, lässt sich
erkennen, dass es gerne gesehen hätte, wenn die CDU einen AfD-Antrag
zur vollständigen Abschaffung des Soli durchgewinkt hätte. Neoliberale
paktieren notfalls mit Antidemokraten, wenn es ihren Interessen dient,
so lässt sich das beschreiben.
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Die Altersvorsorge in
der Schweiz in der Debatte
ELING, Martin
(2018): Höheres Rentenalter - nicht länger tabu.
Gastkommentar: In Dänemark wird
das Rentenalter an die Lebenserwartung gekoppelt. Und kaum jemand
protestiert,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 28.09.
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Das Single-Dasein in Russland
STEINER, Christian
(2018): Höheres Pensionsalter löst das Problem nicht.
Kommentar: Rentenreform in
Russland,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 28.09.
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Das Single-Dasein in Japan
KÖLLING, Martin
(2018): Tokios Innenstadt vibriert.
Japan: Die bevorstehenden
Olympischen Spielen wirken wie ein Katalysator auf die
Stadtentwicklung der japanischen Hauptstadt. Der Immobilienmarkt läuft
heiß,
in:
Handelsblatt v. 28.09.
Es ist erstaunlich, dass sich die
Klischees über die Auswirkungen von Olympischen Spielen seit der
Olympiade 1964 in Tokio unverändert halten. 1970 erschien das Buch
Der unterschätzte Gigant von Robert GUILLAIN. Darin werden die
Impulse auf die Stadtentwicklung Tokios folgendermaßen beschrieben:
"Shinyuku, ein belebtes und
bekanntes Viertel, Treffpunkt der Jeunesse dorée und der - weniger
wohlhabenden - Intellektuellen, ist für die Umgestaltung Tokios ein
treffendes Beispiel. Bis vor wenigen Jahren bestand es größtenteils
aus einem unheimlichen Gewirr von verfallenden Gemäuern, hier und a
von einer Reihe Kneipen aufgeheitert, in denen man einen
phantastischen Sake trinken und am Spieß gebratenes Geflügel essen
konnte. Heute ist Shinyuku ein hochmodernes Viertel, das durchaus mit
Marunuchi konkurrieren kann, dem großartigen Geschäftszentrum im
Herzen der Stadt." (1970, S.10)
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27.09.2018
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DESTATIS (2018):
Rund jede fünfte Person in Deutschland ist 65 Jahre oder älter,
in:
Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts v. 27.09.
"Zum 31. Dezember 2017 lebten rund 17,7 Millionen Personen ab 65
Jahren in Deutschland. Das entsprach einem Anteil von 21,4 % an der
Gesamtbevölkerung. (...) Die Zahl der älteren Menschen (erhöhte sich)
um 36,6 % innerhalb der letzten 20 Jahre. Zum 31. Dezember 1997 hatte
es etwa 13,0 Millionen Personen der Generation 65+ gegeben. Das waren
15,8 % der Gesamtbevölkerung gewesen.
Im Ländervergleich zeigt sich die Alterung der Gesellschaft
unterschiedlich stark: In Brandenburg (+67,6 %),
Mecklenburg-Vorpommern (+61,1 %) und Schleswig-Holstein (+49,8 %) ist
die Zahl der Seniorinnen und Senioren seit 1997 am deutlichsten
gestiegen.
Die Mehrheit der älteren Menschen sind Frauen: Während etwa die Hälfte
(50,7 %) der gesamten Bevölkerung weiblich ist, liegt der Frauenanteil
bei den älteren Menschen derzeit bei 56,4 %. Dieser Anteil hatte Ende
1997 noch 63,0 % betragen und ist somit in den letzten 20 Jahren
deutlich zurückgegangen. Es erreichen mehr Männer als früher das
Seniorenalter.
Im EU-weiten Vergleich ist der demografische Wandel in Deutschland
weit vorangeschritten. Der EU-Statistikbehörde Eurostat liegen bislang
nur Daten zum Jahresbeginn 2017 vor. Höher als in Deutschland (21,2 %)
war der Anteil der ab 65-Jährigen demnach nur in Italien (22,3 %) und
Griechenland (21,5 %). Die niedrigsten Quoten hatten Irland (13,5 %)
und Luxemburg (14,2 %). Der EU-Durchschnitt lag bei 19,4 %", meldet
das Statistische Bundesamt.
STALA BW (2018):
290.500 Hochbetagte in Baden-Württemberg höchste Anzahl seit
Bestehen des Landes.
Zahl der 85-Jährigen und Älteren
hat sich seit 1970 versechsfacht,
in:
Pressemitteilung des
Statistischen Landesamt
Baden-Württemberg v. 27.09.
"In Baden-Württemberg lebten am
31.12.2017 rund 290.500 Personen, die 85 Jahre oder älter waren. Zwei
Drittel in dieser Altersgruppe der Hochbetagten sind Frauen (194.100)
und lediglich ein Drittel Männer (96 400). Die Zahl der Hochbetagten
hat damit seit 1952, dem Gründungsjahr des Südweststaats, einen neuen
Höchststand erreicht und sich allein seit 1970 versechsfacht. Bis zum
Jahr 2060 könnte sich deren Zahl nochmals annähernd verdreifachen
(...).
Die Gründe für diese Entwicklung sind zum einen auf die Altersstruktur
der Bevölkerung und zum anderen auf die stetig steigende
Lebenserwartung zurückzuführen: Ein neugeborener Junge kann heute in
Baden-Württemberg auf eine durchschnittliche Lebenserwartung von
79,5 Jahren hoffen, ein neugeborenes Mädchen sogar auf 84,0 Jahre.
Damit liegt die Lebenserwartung Neugeborener nach Angaben des
Statistischen Landesamtes um knapp 10 Jahre bei den Frauen bzw. um 11
Jahre bei den Männern höher als zu Beginn der 1970er-Jahre.
Die meisten Hochbetagten leben im Stadtkreis Stuttgart (16.000), dem
einwohnerstärksten Kreis in Baden-Württemberg. Allerdings liegt deren
Anteil an der Gesamtbevölkerung mit 2,5 % nur knapp im
Landesdurchschnitt (2,6 %). Am höchsten ist dieser Anteil in
Baden-Baden: Dort sind 3,8 % der Bevölkerung 85 Jahre oder älter,
damit leben in der Kur- und Bäderstadt knapp 2.100 Hochbetagte. Am
geringsten ist der Hochbetagtenanteil in den Landkreisen Tübingen,
Heilbronn und Biberach mit jeweils 2,3 %. Alle Werte im Text sind auf
100 Personen gerundet", meldet das Statistische Landesamt
Baden-Württemberg.
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DPA (2018):
Scholz: Plan für stabiles Rentenniveau.
Bundesfinanzminister hält keine
Steuererhöhungen für notwendig. Im Jahr 2030 seien rund 30
Milliarden Euro zusätzlich erforderlich,
in: ihre-vorsorge.de v. 27.09.
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Lukas Rietzschel - Mit der Faust in die Welt schlagen
HOBRACK, Marlen
(2018):
Ständig fallen Kastanien.
Abhänger: Lukas Rietzschel lotet
die ostsächsische Seele aus: Sie besteht zu 80 Prozent aus Ennui und
dazu ein wenig Bautzener Senf,
in: Freitag Nr.39 v. 27.09.
"Zwischen Tobis und Philipps ganz kleiner Welt in dem winzigen
Örtchen Neschwitz bei Bautzen gelegen, und der großen Welt da
draußen gibt es eigentlich keine Überschneidungen. Selbst die
Nachbardörfer wie Königswartha (...) sind schon die Welt da draußen.
(...).
In dieser Region Ostsachsens sind Dörfer wahlweise deutsch oder
sorbisch geprägt, auch wenn jede Ortschaft stets zweisprachige
Straßenschilder besitzt. Neschwitz ist eher deutsch, die Sorben aus
den Nachbardörfern werden misstrauisch beäugt und sind zunächst die
Lieblingsfeinde der dauergelangweilten Jugendlichen",
erklärt uns Marlen HOBRACK die Ausgangssituation der Dorfgeschichte.
HOBRACK betont besonders, dass die Eltern der beiden Brüder keine
Wendeverlierer sind:
"Die Brüder wachsen wohlbehütet auf, mit dem Einzug ins eigene
Häuschen, vom Vater eigenhändig kurz vor Tobias' Einschulung
errichtet, gelingt ein sozialer Aufstieg, der es fortan erlaubt, auf
die anderen Dörfler herabzusehen."
Aber was hat dies mit der aktuellen Situation zu tun?
"In den 2010ern kippt die Stimmung. Die Brüder geraten in schlechte
Kreise, wie man so gerne sagt. (...).
Der Vater verbringt mehr und mehr Zeit mit seiner Geliebten, die
Mutter vereinsamt, der Großvater stirbt. Irgendwann geht alles
Schlag auf Schlag. Tobis Welt zerbricht.
Als dann auch noch die längst stillgelegte örtliche Grundschule als
Unterkunft für Flüchtlinge hergerichtet werden soll, ist das Maß für
Tobias voll."
Wenn die private Situation den Zulauf zur rechten Szene erklären
soll, dann müsste Ostdeutschland eigentlich schon längst den Rechten
in die Hände gefallen sein. Oder ist die Abwanderung eine
einleuchtende Erklärung?
"Ob sich Menschen so wie Tobias radikalisieren? In jedem Fall wirkt
seine Geschichte plausibel, weil er so durchschnittlich ist. Er
leidet allenfalls an unendlichem Ennui, dem er eventuell entgehen
könnte - zöge er vielleicht in eine der Großstädte Sachsens, gar
nicht so fern von der Heimat."
Es muss den kosmopolitisch urbanen Lebenslügen angerechnet werden,
dass der Glaube weiterhin existiert, dass ein Umzug in die Großstadt
vor rechtem Mitläufertum schützt. In Leipzig und anderen Großstädten
zeigt sich, dass durch die zunehmende Gentrifizierung und
Segregation immer mehr Viertel jenseits der schicken
Mitte-Quartieren entstehen, in denen die Rechte Zulauf erhält. Es
könnte also genauso gut sein, dass im ländlichen Raum nur schneller
sichtbar wird, was zukünftig auch in Großstädten auf uns zukommt.
"Tobias ist nicht abgehängt, irgendwie hat er sich selbst
abgehängt",
lautet die Erklärung von HOBRACK, was doch arg nach der neoliberalen
Parole klingt, dass jeder seines Unglücks Schmieds ist.
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Seehofer muss weg! Die Kanzlerin schaut
tatenlos ihrer Demontage zu
SCHÄFERS, Manfred (2018): Fraktionschef Brinkhaus gegen
Finanzminister Scholz.
Der Fraktionschef verhandelt
künftig mit dem SPD-Politiker auf Augenhöhe. Was verschiebt sich
noch im Berliner Spiel der Kräfte,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v. 27.09.
Der FAZ ist die Betonung wirtschaftsfreundlicher Positionen
die einzige relevante Agenda. Manfred SCHÄFERS hat lobende Stimmen
für Ralph BRINKHAUS aus der Wirtschaft eingeholt und versucht ihn
als gewichtigen Gegenspiel zum Rentenniveau-SCHOLZ aufzublasen.
Tatsächlich hat er es in erster Linie mit Andrea NAHLES zu tun. Das
Feindbild der FAZ ist bekanntlich die Sozialpolitik der SPD.
Die Abwahl von KAUDER wird im Sinne der FAZ
instrumentalisiert. Aufklärung bietet also auch die FAZ
nicht.
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Die
Ära Trump in den USA
THOLL, Max (2018): Politik ist kein Moralwettbewerb.
Der Politologe Mark Lilla über
die Schwäche der Linken, Identität und weltfremde Popkultur,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 27.09.
Mark LILLA erteilt dem popkulturellen Kampf um
die Deutungshegemonie eine Absage:
"Politik ist (...) ein Machtkampf. Um Minoritäten zu schützen und
politische und wirtschaftliche Gerechtigkeit herzustellen, braucht
man Macht und die erlangt man nur über politische Institutionen. Und
dazu muss man Wähler überzeugen und um sie zu überzeugen, muss man
einen Schritt auf sie zugehen. Man muss sie dort treffen wo sie
sind, nicht wo man sie sich wünscht."
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Das Single-Dasein in Russland
STEINER, Christian
(2018): Duma beschließt umstrittene Rentenreform.
Präsident Putin lenkt ein.
Strukturprobleme bleiben weitgehend unangetastet,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v. 27.09.
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Das Single-Dasein in Japan
COULMAS, Florian
(2018): Einwanderungsland Japan.
Gastkommentar: Schleichende
Immigration,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 27.09.
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26.09.2018
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KERSTING, Silke/KOCH,
Moritz/RIEDEL, Donata
(2018): Boomtowns und Geisterdörfer.
Gleichwertige Lebensverhältnisse,
in:
Handelsblatt v. 26.09.
LOCKE, Stefan (2018): Annäherung durch Wandel.
An diesem Mittwoch tagt die
Kommission für gleichwertige Lebensverhältnisse zum ersten Mal.
Sachsens Ministerpräsident fordert mehr Autonomie für Länder und
Regionen, andere warnen jedoch schon vor zu hohen Erwartungen,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v. 26.09.
ALTENBOCKUM, Jasper vom (2018):
"Wir brauchen
mehr Lust auf Zukunft".
Im Gespräch: Markus Lewe (CDU),
Präsident des Städtetags,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v. 26.09.
LÖHR, Julia (2018):
"Manche Dörfer
sollten wir besser schließen".
Im Gespräch: Die Politik hat im
Osten viele Fehler gemacht, sagt
Joachim Ragnitz, Ifo-Institut
Dresden. Er rät zu Prämien, damit die Menschen in die größeren
Städte ziehen. Und ist froh, über jeden Arbeitsplatz, der im Osten
nicht entsteht,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v. 26.09.
Joachim RAGNITZ steht für die Hardliner des Neoliberalismus, die die
Stärkung der Starken fordern und damit die Spaltung der Gesellschaft
noch weiter vorantreiben:
"Leipzig, Jena, Berlin, das funktioniert alles wunderbar. Mit
Abstrichen gilt das auch für die Städte aus der zweiten Reihe,
Erfurt Eisenach, Halle oder Rostock zum Beispiel. Aber weite Teile
Ostdeutschlands sind mies dran. Die Lausitz, Nordsachsen,
Ostthüringen, das südliche Mecklenburg-Vorpommern. Als Ökonom sage
ich: Manche Dörfer sollten wir besser schließen und die Menschen zu
einem Umzug in die Zentren bewegen. (...). Warum nicht den Menschen
in kleinen Siedlungen eine Prämie zahlen, wenn sie in die nächste
10.000-Einwohner-Stadt ziehen, und diese dafür gescheit
anschließen?"
meint RAGNITZ, der jedoch von "einer insgesamt stark schrumpfenden
Bevölkerung" ausgeht, obwohl dieses Szenario inzwischen keine
Bevölkerungsvorausberechnung stützt.
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Klimawandel im
Emsland
HAHN, Thomas (2018): Moorglühen.
Zu Besuch bei erstaunlich
gelassenen Bewohnern im Emsland, wo die Bundeswehr vor drei Wochen
versehentlich ein Feuchtgebiet in Brand gesetzt wird,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 26.09.
Das Emsland ist eine Bastion der CDU und gilt gleichzeitig
Neoliberalen als Vorbild für die Bewältigung des "demografischen
Wandels". Die SZ versucht nun die Brandstiftung der
Bundeswehr zu verharmlosen. Feuchtgebiet? Davon kann keine Rede
sein, längst handelte es sich um ein brandgefährliches
Trockengebiet. Zuerst wochenlange Vertuschung des Vorfalls und dann
Beschönigung. Im Emsland zeigt sich das wahre Ausmaß des
Klimawandels in Deutschland. Das fahrlässige Vorgehen der Bundeswehr
passt zur derzeitigen Lähmung der Regierung.
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Das Single-Dasein in Schweden
WOLFF, Reinhard (2018): Rot-grün verliert Votum.
Parlamentsmehrheit wählt
Schwedens Ministerpräsidenten ab. Dabei stimmten die bürgerlichen
Parteien mit den rechtspopulistischen Schwedendemokraten,
in: TAZ v. 26.09.
Bullerbü ist längst abgebrannt, aber Linksliberale wollen uns
Schweden und andere neoliberalisierte Länder Skandinaviens immer
noch als Vorbilder präsentieren. Eher zeigt Skandinavien, dass eine
Sozialdemokratie, die sich dem Neoliberalismus unterwirft, den Weg
für rechte Regierungen ebnet.
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Die
Ära Trump in den USA
HAAF, Meredith (2018): American Way of Sozialismus.
Mit 22 gründete Bhaska Sunkara "Jacobin",
ein Magazin für popaffinen Linksradikalismus. Nun will er es nach
Europa bringen,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 26.09.
Unsere urbanen Kosmopoliten sind immer noch der Meinung, man könnte
mit Popkultur den Rechtspopulismus bekämpfen. Ein fataler Irrtum.
Die
Hipster-Blätter, die die Welt umkrempeln wollten. Was ist aus
ihnen geworden? Es ist noch nicht lange her, da galt n+1 als
der Hoffnungsträger dieses selbstverliebten Milieus und
der Suhrkamp-Verlag brachte eine Anthologie mit Texten dieser
supercoolen Autoren heraus. Kennt heutzutage noch jemand diese
damals so gehypten Autoren? Nun verkündet uns die Postfeministin
Meredith HAAF, die auch für das untergegangene Lifestyle-Magazin
Neon schrieb:
"Der Suhkamp-Verlag hat einen Sammelband für deutsche Leserinnen und
Leser herausgegeben, in der einige der wichtigsten und
interessantesten Texte aus den letzten Jahren vereint sind. Der
Klappentext von
»Jacobin. Die Anthologie« verspricht, dass der Kapitalismus auf
jeden Fall enden wird und kündigt Antworten auf die Frage an, was
danach geschehen soll."
Auseinandersetzung mit der derzeitigen Realität sieht anders aus!
Eher geht es um Eskapismus. Die Lifestyle-Linke bastelt sich ihre
Traumwelt zusammen, in der sie sich mit den Alltagsproblemen nicht
mehr auseinandersetzen muss. Die Rechte darf sich bedanken bei
dieser Schützenhilfe!
Interessant ist, dass Jacobin gleichzeitig mit n+1 ins
Rennen ging, aber von den Mainstreammedien nicht so gehypt wurde wie
n+1. Was sagt uns das? Im Kampf gegen den Rechtspopulismus wurde ein
ganzes Jahrzehnt verschenkt, weil unser
Fastfood-Buchmarkt auf "Bücher der Stunde" und nicht auf Bücher mit
Weitblick gerichtet ist. Reagiert wird immer erst dann, wenn das
Problem unübersehbar geworden ist und nicht mehr zu leugnen ist. Das
Kind muss erst in den Brunnen fallen. Dann jedoch werden in
schneller Folge potenzielle Anschluss-Bestseller auf den Markt
geworfen, bis die Aufmerksamkeit des Publikums erschöpft ist und ein
neuer Hype gebraucht wird. Für eine vernünftige Erneuerung aus dem
Geiste einer Minderheitenbewegung bleibt in solchen Zeiten keine
Aufmerksamkeit mehr übrig.
Die Literatur ein Frühwarnsystem, wie das Soziologen einmal glaubten,
weil ihre Massenstatistik zu träge ist? Der Fastfood-Buchmarkt ist
zur neuen Nachhut geworden.
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25.09.2018
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Seehofer muss weg! Die Kanzlerin schaut
tatenlos ihrer Demontage zu
MHO/DPA/AFP (2018): Kauder abgewählt - Brinkhaus neuer Fraktionschef.
CDU/CSU im Bundestag: Große
Überraschung im Bundestag: Der Merkel-Vertraute Volker Kauder ist
als Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion abgewählt worden. Nachfolger
wird der Finanzpolitiker
Ralph Brinkhaus,
in: Spiegel Online v. 25.09.
"Brinkhaus' Erfolg kann nach zwei dramatischen Regierungskrisen
innerhalb weniger Monate als deutliches Zeichen des schwindenden
Rückhalts für Merkel in der Fraktion gedeutet werden",
heißt es auf Spiegel Online. Der gestrige Versuch MERKELs die
Angelegenheit MAAßEN zu bereuen, wurde von den Medien sofort als
Machtverlust gedeutet. Welche Eskapaden kann sich SEEHOFER also noch
erlauben, bis er endlich von der Kanzlerin entlassen wird? Kann es
sich MERKEL wirklich noch erlauben die Personalie SEEHOFER der
Abstimmung in Bayern zu überlassen?
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CREUTZBURC, Dietrich (2018): Mehr Mütterrente für Reiche.
Linkspartei gegen Kappungsgrenze
für Gutverdienerinnen,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v. 25.09.
"(I)m Osten (sind) zwei Drittel der
Mütter von der Kappung der beitragsfreien Mütterrente betroffen
(...) - weil sie während der Kindererziehungszeit als
Arbeitnehmerinnen hohe reguläre Rentenansprüche erworben haben. Im
Westen gilt dasselbe nur für 18 Prozent. Die Zahlen hatte die
Rentenversicherung 2015 veröffentlicht. Linkspartei und
»Redaktionsnetzwerk Deutschland« ließen sich nun mittels einer
Anfrage an das Bundessozialministerium noch einmal »exklusiv«
darüber informieren.
(...) Die Bemessungsgrenze beträgt derzeit monatlich 6.500 Euro im
Westen und 5.800 Euro im Osten",
hetzt Dietrich CREUTZBURG gegen die Linkspartei, die sich wieder
stärker als Anwalt der Ostdeutschen zu profilieren versucht. Die
Linkspartei steht im Osten in vielen Teilen des Landes mit dem
Rücken zur Wand. Regierungsbeteiligungen, bei denen sie die
neoliberale Demografisierung gesellschaftlicher Probleme mitgetragen
haben, und eine Neuausrichtung im Westen, die die Linkspartei immer
mehr in die Nähe der anderen Mitte-Parteien rückt, haben ihr
Wählerpotenzial nicht erhöht, sondern lässt es stagnieren oder gar
schrumpfen.
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GENAZINO, Wilhelm (2018): Wie ich ich wurde,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v. 25.09.
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Lukas Rietzschel - Mit der Faust in die Welt schlagen
HASSENFRATZ, Celestine (2018): "Manchmal denke ich, ihr seid
verrückt".
Feuilletons zeichnen ein Bild des
sächsischen Romanautors Lukas Rieztschel, das in die Zeit von
Chemnitz und Köthen passt. Aber der junge Schriftsteller
widerspricht,
in: Neues
Deutschland v. 25.09.
Celestine HASSENFRATZ zeichnet die Ereignisse nach, die dazu
führten, dass Lukas RIETZSCHELs Roman auf dem deutschen
Fastfood-Buchmarkt als Roman der Stunde
vermarktet wurde. Mit dem Manuskript des Romans bewarb sich
RIETZSCHEL bereits 2016 für den Retzhof-Preis junger Literatur:
"Ein
Literaturagent, selbst kaum älter als Rietzel, nimmt Kontakt zu
ihm auf. Bis das Manuskript fertigt ist, dauert es noch ein Jahr.
September 2017, wenige Tage nach der Bundestagswahl, schickt der
Literaturagent das Manuskript an fünf große Verlage. Die AfD holt
12,6 Prozent und zieht ins Parlament ein, in Sachsen wird sie mit 27
Prozent stärkste Kraft."
Beim Ullstein-Verlag, der zum
schwedischen Bonnierkonzern gehört, bei dem gerade auch Thilo
SARRAZIN publiziert wurde, stieß das Buch bei der Lektorin Linda
VOGT und dem vom Aufbau-Verlag gewechselten Verleger Gunnar CYNYBULK
auf Interesse. Auch die anderen vier Verlage hätten das Buch
gedruckt. Mit großer Verlagsmacht wurde der Spitzentitel - nach den
Ereignissen im Chemnitz - in die Feuilletons der Mainstreammedien
gebracht:
"Sommer 2018, das Werk ist
fertig. In Chemnitz gehen 6.000 Menschen auf die Straße (...). Ganz
Deutschland will verstehen, weshalb der rechte Hasse im Osten weiter
wächst. (...).
Der Ullstein-Verlag hat zum »Literatourbus« geladen. Safari durch
Ostdeutschland, dorthin, wo Lukas' Buch spielt, in die Gegend, wo
die AfD 44 Prozent geholt hat. (...).
Noch acht Tage bis zur Veröffentlichung. Der Verlag hat eine
Rezensionssperre bis zum 7. September erbeten, das offizielle Datum
der Veröffentlichung, der »Stern« hält sich nicht daran. Sie sind
die Ersten, bringen die Story über den Jungautor des Jahres. Die
»Berliner Zeitung« zieht nach, die »Frankfurter Rundschau«, die
»Welt«, der
»Spiegel«.
Sie alle sind sich einig. (...). Der Autor wird noch vor Erscheinen
seines Buches zum gefragten Rassismusexperten, spricht in einer
Talkrunde mit Politikern und Wissenschaftlern über die
»Gemengelage«, wie er es nennt, in Sachsen. Der Ullstein Verlag
beschließt die Veröffentlichung vorzuziehen."
HASSENFRATZ lässt dann
Silke HORSTKOTTE vom Institut für Germanistik der Universität
Leipzig zu Wort kommen, die das Buch nicht als Erwachsenenbuch bzw.
als Gewalterklärungsbuch sieht, sondern als solides Jugendbuch.
HORSTKOTTE sieht wie diese Website
einen
"Trend der Literaturkritik, von
literarischen Neuerscheinungen zu fordern, dass sie aktuelle
Ereignisse darzustellen haben, eine Art Pflicht, dass Schriftsteller
ein komplexes Geschehen erläutern soll, das wir anderweitig nicht
erfassen können. (...).
Es sei letztlich auch ein journalistischer Trend, sagt Horstkotte,
eine Großerklärung für den Osten zu fordern. Rietzschels Roman sei
(...) interessant, so gebe ihr die Debatte über den Roman darüber
Auskunft, dass sich die Gattungsregeln des Romans wie wir sie
kennen, zu wandeln scheinen. »Ein Roman ist ein fiktionaler Text. Er
bildet Wirklichkeit nicht ab, sondern simuliert Wirklichkeit. Wenn
man den Roman als Erklärung für den Osten liest, versteht man ihn
(...) gerade nicht als Simulation, sondern als Abbild.«"
Mit diesem Trend geht ein anderer
Trend zwangsläufig einher: Der Autor muss mit seiner Biografie für
die Wahrheit des Geschriebenen stehen. HASSENFRATZ zeigt nun auf,
wie die Biografie des Autors so zurecht gebogen wurde, dass er zu
den Buchprotagonisten passt, aber sich im entscheidenden Detail
unterscheidet:
"Rietzschels Geschichte ist die
eines literarischen Underdogs, einer, der es geschafft hat, auf der
anderen Seite zu stehen. Und der sich nicht, wie die beiden Brüder
in seinem Roman, in rechten Kreisen stetig mehr und mehr
radikalisiert. Rietzschels Geschichte ist auch die Suche nach der
Bedeutung von Literatur in aktuellen Debatten.
Die Spurensuche beginnt im Jahr 2014. Lukas Rietzschel, 1994 in
Ostsachsen auf die Welt gekommen, Sohn einer Krankenschwester und
eines Fliesenlegers, hätte eigentlich eine Ausbildung machen sollen,
so erzählt er es. Sein Vater motivierte ihn, doch noch das
Fachabitur zu machen. (...) Er zieht nach Kassel, schreibt sich für
Germanistik und Politik ein. Kassel, Westen, sei für ihn zuerst ein
Kulturschock gewesen, erzählt er. Der Landkreis Bautzen, aus dem er
stammt, hat nicht einmal zwei Prozent Ausländer. In Kassel Nordstadt
ist es jeder Dritte.
(...).
13. September 2018, zwei Wochen ist das Buch schon im Verkauf. Der
Verlag hatte gehofft, es würde bereits jetzt auf der Bestsellerliste
stehen. (...).
Lukas Rietzschel bekommt einen eigenen Wikipediaeintrag. (...) Die
Medienberichte zu Rietzschels Biografie werden immer verdrehter. In
einem Bericht heißt es, das Buch habe er geschrieben, um zu
verstehen, weshalb sein Bruder auf rechtsextreme Demos gehe, ein
anderes Mal erzählt er von der gähnenden Leere der Bücherregale
seines Zuhauses. Nie wolle er vergessen, wo er herkomme. Aus der
unteren Mittelschicht. So, berichten die Medien, habe er es ihnen
erzählt. Die Journalisten graben tiefer in seiner Biografie. (...).
Immer mehr Parallelen zwischen seiner Lebensgeschichte und der
seiner Romanfiguren tauchen auf. (...). Es scheint, als wolle der
Autor seine eigene Lebensgeschichte mehr und mehr mit der seiner
Protagonisten verweben. Die Leser und Medien nehmen es begeistert
an. Endlich spricht da einer, der auch noch Ahnung hat, weil er es
doch quasi selbst erlebt hat.
Das alles, sagt Rietzschel habe er so gar nie gesagt. Irgendetwas
habe sich da verselbständigt. Sein Bruder sei nie auf einer
rechtsextremen Demo gewesen und aus der unteren Mittelschicht komme
er schon dreimal nicht. (...). Die Geschichte, in der Lukas
Rietzschel der aufgestiegene bildungsferne Autor ist, der
literarische Underdog, einer ohne Abi, einer, der fast Nazi, aber
dann Schriftsteller geworden ist, beginnt zu bröckeln."
Der Trend, der hier beschrieben
wird, ist wahrlich nicht neu. Spätestens mit Michel HOUELLEBECQ
gehört Imagedesign zum Handwerk des Literaturbetriebs. Man könnte
auch von einem Authentizitätswahn sprechen. Notfalls werden
Legenden, um die eigene Biografie gewoben, bei der selbst vor der
Fälschung von Fakten nicht Halt gemacht wird. Solche Fälle
lassen sich bereits
Ende der 1970er Jahre aufzeigen, eine Zeit, in denen ähnliche
Motive eine Rolle spielten. Damals strebte die Linke und nicht die
Rechte die Deutungshoheit an. Romane und Autoren können dann allzu
schnell politisch instrumentalisiert werden, insbesondere wenn dies
nicht als Intention bewusst geplant ist, wie das z.B. auf jene
französische Literatur zutrifft, die eine
Erneuerung im Geiste einer
Minderheitenbewegung anstrebt.
"Selbst als Sachbuch sei der Text
schwach, erzähle nichts von rechten Strukturen und Akteuren, sondern
von labilen Mitläufertypen, die aus Langweile zu Nazis werden",
kritisiert HORSTKOTTE den
Versuch, den Roman von RIETZEL als Gewalterklärungsbuch zu lesen,
statt als Symptom des Literaturbetriebs.
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Die AfD-Hochburg Sachsen in der Debatte
LASCH, Hendrik (2018): Zum Wunder fehlten 98 Stimmen.
Sachsen: Schwarz-blauer Erfolg
bei Wahl des Oberbürgermeisters in Meißen,
in: Neues
Deutschland v. 25.09.
Hendrik LASCH
schiebt den schwarzen Peter der AfD zu, um die
Niederlage von Frank RICHTER zu
erklären. Das macht es sich zu einfach, denn die Stimmen zum Sieg
hat der FDP dem "Mitte-Links"-Kandidaten weggenommen. Es ist die
fatale Rolle der neoliberalen FDP, die immer wieder das Zünglein an
der Waage spielt und einen Aufbruch verhindert. Das gilt umso mehr
im neoliberalen Musterland Sachsen. Die Sache beschönigen zu wollen,
hilft bei den anstehenden Wahlen in Sachsen nicht weiter.
MALINOWSKI, Bernadette & Winfried THIELMANN (2018): Unser Chemnitz.
Eine Stadt als Chiffre,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 25.09.
Bernadette MALINOWSKI, Dekanin der TU Chemnitz 2013-2016 und
Winfried THIELMANN, Prodekan von 2014 - 2016,
Angehörige der Generation Golf, und aus Bayern nach Chemnitz
gewechselt, verteidigen ihr gutbürgerliches Chemnitz gegen
Nestbeschmutzer:
"(D)ie Stadt Chemnitz unter Führung der sozialdemokratischen
Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig - die geschichtsträchtige
Industriestadt ist seit 1993 kontinuierlich sozialdemokratisch
regiert (...) ist (...) trotz ihres äußerst umsichtigen Agierens zu
Unrecht in Kritik geraten, a ihr Vorfälle, die sich in der
unmittelbar am Stadtrand befindlichen und allein vom Freistaat
Sachsen kontrollierten Erstaufnahmeeinrichtung in Ebersdorf
ereigneten, angelastet wurden. (...). Es soll hier auch nicht
unerwähnt bleiben, dass die kleine Nachbargemeinde Stollberg, mit
der wir in engem Austausch gestanden sind, unter der Führung ihres
Bürgermeisters Marcel Schmidt (Freie Wähler Union) ebenso
vorbildlich agiert hat.
Durch die Ankunft der Flüchtlinge in Chemnitz hat sich das Stadtbild
grundlegend verändert. Man muss sich klarmachen, dass Chemnitz -
abgesehen von seit Jahrzehnten hier lebenden Vietnamesen und
natürlich der bunten Studierendenpopulation der internationalen TU
Chemnitz - eine weitgehend bevölkerungshomogene Stadt gewesen ist.
(...).
Man kann sagen, dass der Umgang mit Zuwanderung, der in
Westdeutschland über etliche Jahrzehnte - und keineswegs
unproblematisch - erlernt worden ist, für die Bürgerinnen und Bürger
von Chemnitz eine Übernachtanforderung gewesen ist. (...).
Wenn dann ein bundesweit angereister rechtsradikaler (...) Mob (...)
der Zivilgesellschaft das Fürchten lehrt, ist dies weder ein
Versagen der Regierung der Stadt Chemnitz noch ein Versagen ihrer
Bürgerinnen und Bürger, sondern es ist das Versagen der Exekutive,
die es kontinuierlich versäumt, verfassungsfeindliche Aktionen
gerichtswirksam zu dokumentieren, die Straftäter dingfest zu machen
und der Anklage zuzuführen."
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24.09.2018
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RÜRUP, Bert
(2018): Individuell rational, kollektiv fatal.
Chefökonom: Mit freiwilligen
Beiträgen lassen sich keine nachhaltig höheren Rentenansprüche
erwerben,
in:
Handelsblatt v. 24.09.
Bert RÜRUP kritisiert Forderungen
nach der Ausdehnung der Möglichkeit von freiwilligen
Einzahlungen in die Rentenversicherung, die aufgrund ihrer Rendite
gegenwärtig die Renditen privater Altersvorsorge übertrifft. RÜRUP
warnt davor, dass die gesetzliche Rentenversicherung dadurch Gefahr
laufe immer mehr einem Schneeballsystem zu ähneln. Dass der
vor zwei Wochen erschienene Handelsblatt-Artikel
zu den meistgelesenen Online-Artikeln gehört, ist für ihn Anlass zur
Sorge.
Was an dieser Sorge stört, das ist
die Naivität, mit der die Nachhaltigkeit privater Altersvorsorge
propagiert wird. Warum diese nachhaltiger als die gesetzliche Rente
sein soll, kann RÜRUP nicht erklären, sondern redet sich andersweitig
heraus, nämlich dass:
"private Versicherungen einen
privatrechtlich geschützten Eigentumsanspruch auf den Kapitalstock und
die laufenden Auszahlungen gewähren".
Was nützt einem Versicherten aber
das, wenn dieses Unternehmen pleite geht oder gar der ganzen Branche
der privaten Altersvorsorge der Kollaps droht? Darauf hat RÜRUP keine
Antworten. Alarmzeichen gibt es jedoch zuhauf, was die drohende
Instabilität der privaten (inkl. betrieblicher) Altersvorsorge
betrifft.
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Seehofer muss
weg! Zwei schallende Ohrfeigen für die SPD, die jedoch die
notwendigen Konsequenzen vermissen lässt
HEIDE, Dana/HILDEBRAND, Jan/GREIVE,
Martin
(2018): Tage der
Entscheidung.
Regierung: In dieser Woche werden
die Weichen dafür gestellt, wie lange die Große Koalition noch Bestand
hat,
in:
Handelsblatt v. 24.09.
HEIDE/HILDEBRAND/GREIVEs Artikel
entstand vor dem Bekanntwerden des Ergebnisses der Nachverhandlungen
in Sachen MAAßEN. Die Autoren nennen bei ihren Zitaten die Informanten
nicht mit Namen, sondern sprechen von "führender Genosse" oder
"parteiintern", um Stimmung zu machen. Die am Dienstag stattfindende
Wahl des Fraktionsvorsitzenden stilisieren sie zur Schicksalsfrage der
Union:
"Sollte der Herausforderer Ralph
Brinkhaus, derzeit stellvertretender Unionsfraktionsvorsitzender,
Kauder schlagen, würde es auch in der Union wieder hoch hergehen
(...).
Merkel hatte sich wie Seehofer und CSU-Landesgruppenchef Alexander
Dobrindt für eine Wiederwahl Kauders ausgesprochen. Daher würde selbst
ein nicht so eindeutiges Ergebnis für Brinkhaus zumindest als Zeichen
eines schwindenden Vertrauens der CDU- und CSU-Abgeordneten in sie
gewertet werden."
Mit aller Macht versuchen also die
Medien die Koalition totzureden. Das Handelsblatt präferiert
eine FDP/Grünen-Lösung, als ob nicht die AfD derzeit der einzige
wirkliche Profiteur eines Bruchs wäre. Es ist bezeichnend, dass die
FDP die SPD zum Koalitionsbruch drängen will, nachdem sie selber einer
Koalition eine Absage erteilte. Die SPD soll also für die FDP die
Drecksarbeit bei der Beseitigung von Quertreibern wie Horst SEEHOFER
leisten. Die Idee scheint erfolgsversprechend, aber die Hoffnung
darauf, dass Bayern und Hessen eine Wende bringen könnten, könnte sich
als trügerisch erweisen.
ISSIG, Peter
(2018): Was wird aus
Seehofer? Geht er? Bleibt er?
Der CSU-Chef zeigt keine
Amtsmüdigkeit. Seine Parteifreunde diskutieren aber eifrig, wie sein
Abschied nach der prognostizierten Wahlschlappe aussehen könnte,
in:
Welt v. 24.09.
Peter ISSIG präsentiert vier Szenarien, bei denen drei SEEHOFERs
Abgang vorsehen ("Der schnelle Cut", "Der geordnete Übergang" und
"Alles geht seien Gang"), während das letzte Szenario - gegen alle
Umfrageprognosen - einen Triumph der CSU vorsieht, bei dem
SÖDER/SEEHOFER gestärkt hervorgehen.
CROLLY, Hannelore
(2018): Der bescheidene Erfolg des Flüchtlingsdeals.
Nur wenige Menschen sind
tatsächlich betroffen,
in:
Welt v. 24.09.
Hannelore CROLLY zieht Bilanz der ersten Regierungskrise, in der sich
SEEHOFER als starker Mann in der Regierung präsentieren wollte.
Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft beim wendigen Opportunisten
SEEHOFER jedoch eine große Lücke. Sein Ressort zeichnet sich durch
Wortgewaltigkeit, aber fehlende Erfolge aus. Gewinner ist allein die
AfD. Will also die CSU zukünftig mit der AfD koalieren? Die gelähmte
SPD, die nur noch nach kurzsichtigem Machterhalt strebt, ist auf alle
Fälle der große Verlierer. Ihre Rolle als Retter der Demokratie kann
sie nicht spielen, aber am Ende wird ihr - wie so oft in ihrer
Geschichte - die Rolle der Vaterlandsverräterin zugeschrieben werden.
Zwischen Pest und Cholera ist eine Erneuerung nicht möglich.
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BRIEGLEB, Till (2018):
Weniger Fleisch,
mehr Anarchie.
Was sind die Gründe der
Landflucht in Deutschland? Wie lassen sich Kultur und Bürgersinn in
Kleinstädten am Leben halten? Darüber diskutierte ein dreitägiger
Kongress in Halle,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 24.09.
Till BRIEGLEB betrachtet die "Landflucht" aus dem Blickwinkel
unserer arroganten, urbanen Kosmopoliten. BRIEGLEB lobt die
Originalität des Neoliberalen Reiner KLINGHOLZ, der die "Forderung,
nicht lebensfähige Kommunen sterben zu lassen" vertritt. Unwertes
Leben einfach zu vernichten, liegt im neoliberalen Denken offenbar
nicht so weit weg! Die aktuelle Kritik an Gebietsreformen münzt
BRIEGLEB so um, dass sie zu seinem Denken passt. Die Anarchie der
Nachwendejahre, die vor allem von der Popfraktion der
Lifestyle-Linken zur Legendenbildung erkoren wird, scheint als
Gegenentwurf zu den Niederungen der politischen Arbeit in der
Demokratie als verlockend:
"aus dieser von vielen Teilnehmern geteilten Erfahrung, dass
Verantwortungsgemeinschaften die besseren Lösungen liefern als
Beamtengemeinschaften wurde dann auch der Schlachtruf des Kongresses
geboren".
Fazit: Urbane Kosmopoliten betrachten die Probleme unseres Landes
als Abenteuerspielplatz ihrer selbstverliebten Vorstellungen vom
guten Leben.
Der Alltag der meisten Menschen in Deutschland spielt sich dagegen
weit weg von diesen Vorstellungen ab.
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SCHÄFER, Frank (2018): Scham nach oben.
Daniela Dröscher beschreibt in
ihrem autobiografischen Essay "Zeige deine Klasse" ihren
Bildungsaufstieg - inspiriert wurde sie von Didier Eribon,
in: TAZ v. 24.09.
Frank SCHÄFER stellt seine eigenen Erfahrungen als
Bildungsaufsteiger der Rezension des Buchs voran, um dann Daniela
DRÖSCHER als "zweite Generation" des Mileuwechsels zu
klassifizieren:
"Dröscher erlebt (...) nicht nur die emotionalen
Begleiterscheinungen und Reibungsverluste ihres bildungsbedingten
Milieuwechsels, sie versteht sie als durchaus verallgemeinerbare
Phänomene. Dabei gehört sie eigentlich schon zur zweiten Generation
und wächst in relativem Wohlstand auf. Den Sprung aus der
bäuerlich-proletarischen Klasse ins Bürgertum hatten schon ihre
Eltern vollzogen, allerdings fehlte ihnen noch die
Selbstverständlichkeiten im Umgang mit den bildungsbürgerlichen
Insignien (...).
Daniele Dröscher ist die Erste in ihrer Familie mit akademischer
Ausbildung."
erzählt uns SCHÄFER, der zwischen Bildungsaufstieg und Milieuwechsel
unterscheidet, aber gehört ein Facharbeiter schon zum Bürgertum oder
sind heutzutage nicht andere Kriterien notwendig, um Unterschiede in
der neuen Klassengesellschaft im Vergleich zur
Nachkriegsgesellschaft aufzuzeigen? Und was passiert, wenn ein
Bildungsaufsteiger das Buch eines anderen Bildungsaufsteigers
rezensiert?
"Gerade in den Fußnoten stehen (...) auch bloße Rüschenstickereien,
die allenfalls die Funktion haben, Belesenheit oder intellektuelle
Statisfaktionsfähigkeit auszustellen. Fast wirken sie wie ein
weiteres Symptom ihres Komplexes, wie ein streberhafter Versuch, dem
bildungsbürgerlichen Über-Ich zu gefallen.",
kritisiert SCHÄFER, obwohl - oder gerade weil? - er um die
Verletzlichkeiten jener weiß, die weder dem einen, noch dem anderen
Milieu wirklich angehören. DRÖSCHER sieht gemäß SCHÄFER erfolgreiche
Bildungsaufsteiger in einer Vermittlerrolle bei der "Befriedung der
Klassengegensätze" spielen könnten. In der Realität ist jedoch meist
das Gegenteil der Fall: die Aufsteiger schotten sich ab, um ihre
Privilegien zu verteidigen. Besonders deutlich wird das in der SPD
als Partei der Bildungsaufsteiger, die ihre soziale Herkunft
verleugnen.
Das Buch zeigt aber auch gerade wie wichtig das Buch
Rückkehr nach Reims von Didier ERIBON und die
Erneuerung der französischen Literatur
aus dem Geiste einer Minderheitenbewegung auch für den deutschen
Literaturbetrieb werden könnte. Solange Bildungsaufsteiger ihre
soziale Herkunft verdrängen müssen, wird sich in der Gesellschaft
kein wirklicher gesellschaftlicher Wandel vollziehen.
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Das Single-Dasein in Großbritannien
KAHLWEIT, Cathrin (2018):
Armut bedeutet
Stress.
Drogen, Gewalt, Protestwahl: In
Großbritannien avanciert ein Memoir aus der schottischen
Unterschicht zum Sensationserfolg,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 24.09.
Cathrin KAHLWEIT entdeckt über 10 Monate nach dem Erscheinen des
Buchs
Poverty Safari, dass sich Darren McGARVEYs Buch gut als
Waffe gegen eine in Deutschland als gefährlich eingestufte Form der
erfolgreichen Erneuerung der
französischen Literatur aus dem Geiste einer Minderheitenbewegung
eignet:
"Der Bericht über eine Jugend in Glasgow, über eine alkoholkranke
Mutter und eine Welt voller Sucht, Aggression, Missbrauch, Not und
Angst werden als »Erklärbuch für die Wut der britischen
Unterschicht« gehandelt. Und es ist gut möglich, dass das Buch bald
schon Didier Eribons »Rückkehr nach Reims« als Bibel jener
europäischen Intellektuellen ablöst, die zunehmen verzweifelt nach
Gründen für den Aufstieg des Rechtspopulismus und den Zerfall der
Gesellschaft suchen."
Die Erklärung des Rechtspopulismus durch den Neoliberalismus und der
damit verbundenen Entstehung einer neuen Klassengesellschaft ist
wesentlich gefährlicher als Erklärungsansätze, die den
Neoliberalismus und seine Folgen verharmlosen wie das z.B. bereits
bei
Hillbilly Elegie von J.D. VANCE der Fall war.
Wie kam es zu dieser Verzögerung der Wahrnehmung? Erst musste das
Buch von einem britischen Lord geadelt werden, damit es in der
britischen Klassengesellschaft satisfaktionsfähig war. Deutungen
erscheinen zudem umso zutreffender, insofern sie durch die Biografie
des Autors als "authentische Stimme" vermarktet werden kann. Je mehr
typische Unterschichtmerkmale ein Autor aufweisen kann, desto mehr
"Street credibility" besitzt er nach landläufiger Meinung.
"Im Mittelpunkt des Werks stehen die tiefen Gräben zwischen Mittel-
und Unterschicht. Die Klassengesellschaft und ihre
Unversöhnlichkeit. Und die Apathie, die in der Unterschicht aus dem
Gefühl erwächst, nicht verstanden und nicht gehört zu werden.
Das alles aber mündet bei dem 34-Jährigen nicht in Selbstmitleid
oder Larmoyanz, sondern, im Gegenteil, in dem Versuch, Brücken der
Verständigung zu bauen - vom Armenviertel Pollock, wo er
aufgewachsen ist, hinüber in die Welt der Politik. Auch wenn, oder
vielleicht gerade weil der Autor feststellt, er glaube nicht mehr
daran, dass Armut ein Problem sei, das von der Politik gelöst werden
könne",
beschreibt KAHLWEIT das Anlegen des Rappers, der als
"junger Mann (...) häufig in Radio- und Fernsehsendungen eingeladen
worden (war), weil er nicht nur gut rappen, sondern auch gut
erklären konnte; er sollte Zeugnis ablegen von einer Welt, die, so
McGarvey, von einer Armutsindustrie verwaltet, von Sozialarbeitern
und Psychologen begutachtet, (...) doch nicht verstanden wird."
Das deutet eher darauf hin, dass McGARVEY bereits seit langer Zeit
von neoliberaler Seite instrumentalisiert worden ist, weil er gut zu
dessen Programm passt. Aus der soziologischen Jugendkulturforschung
ist schon seit Jahrzehnten bekannt, dass Jugendliche sehr schnell
herausbekommen, mit welchen Antworten sie mediale Aufmerksamkeit
erhalten oder womit sie sich selber aus der Medienwelt
herauskatapultieren.
Andererseits stellt sich hier die Frage, ob die neoliberale Lesart
von KAHLWEIT tatsächlich die einzige Lesart ist, die dem Buch
gerecht wird und ob der Autor hier nicht einfach nur
instrumentalisiert wird, um andere Deutungen zu verdrängen. Das
zentrale Konzept "Stress" als Begleitumstand von Armut könnte auch
ganz anders gedeutet werden:
"»Die erfahrbare Realität von Armut wird missverstanden«, sagte er
dem Guardian, »wird leben in einer Gesellschaft mit Regeln
und Gesetzen, die fordern und fördern will. Aber das funktioniert
nur bei emotional stabilen Menschen. Wenn du in einem feindseligen
Umfeld aufwächst, funktionieren deine Gefühlswelt und dein Gespür
für Risiken ganz anders.« Das Sozialhilfesystem basiere auf der
Annahme, dass die Drohung, erniedrigt oder gedemütigt zu werden,
Menschen zu Leistungen ansporne. Aber das Gegenteil sei wahr. Armut
lasse keinen Freiraum für Fehler. Sie mache etwas ganz anderes mit
Menschen.
»Sie ziehen sich zurück« (...). Seine zentrale Erkenntnis lautet:
Wer Politik für sozial Deprivierte mache, müsse auch den Kontext von
Armutsstress verstehen und einsehen, dass dieser alles erstickende,
alles überwölbende Stress die Ursache für Fettsucht, Rauchen,
Spielen, Saufen, Drogensucht und Gewalt sei - und nicht die Folge."
Neoliberalismus kann als Erhöhung des Stresslevels für alle
betrachtet werden, denn Deregulierung bedeutet die Verlagerung von
Aufgaben auf den Einzelnen bei gleichzeitigem erhöhten
Informationsbedarf, um den eigenen Alltag zu bewältigen. Es
erscheint einleuchtend, dass die Forderung nach Eigenverantwortung
insbesondere in den unteren Schichten eine gewaltsame Belastung
darstellt, die die vorhandenen Probleme, die aus dem Umfeld
entstehen, noch zusätzlich verschärft. Der Versuch die
"Armutsindustrie" bzw. die Sozialpädagogisierung der Gesellschaft
als eigentliches Problem darzustellen, greift deshalb zu kurz. Denn
dieser Zugang ist ja selber Ausdruck der herrschenden neoliberalen
Ideologie.
Am Ende zeigt sich dann, dass KAHLWEIT das Buch nutzt, das "Brexit-Großbritannien"
zur Geißel der armen Bevölkerung zu stilisieren, wenn sie behauptet,
dass diese "Menschen gegen ihre eigenen Interessen stimmen, weil sie
glauben, es sei sowieso egal". ERIBON dagegen spricht von einem "Akt
der Notwehr" und erklärt das Wahlverhalten der Europagegner und
Nationalisten zu einem Akt, der die eigene Würde zu retten versucht,
die von Neoliberalen mit den Füßen getreten wird.
"Plötzlich (...) hätten sich liberale Intelligenzia und
großstädtische Elite in jenem Land wiedergefunden, »in dem der Rest
von uns schon lange lebt«",
zitiert KAHLWEIT die Folgen der Brexit-Entscheidung. Ob dies
zutrifft, wäre eine empirische Frage, die wohl erst die Historiker
angemessen bewerten können, denn ob Arme und urbane Kosmopoliten
jetzt tatsächlich in einem Boot sitzen, daran bestehen doch starke
Zweifel.
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23.09.2018
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BERNAU, Patrick (2018): Die Rente ist ungerecht.
Die Jungen müssen zu viel zahlen,
die Alten kriegen zu wenig Geld. Alle ärgern sich über die Rente.
Wer hat recht, und wie kann die Altersvorsorge künftig
funktionieren?,
in: Frankfurter
Allgemeine Sonntagszeitung v. 23.09.
Die Rente erscheint den Lesern der FAS als dringendstes
Problem in Deutschland. Patrick BERNAU hat jedoch nur die üblichen
neoliberalen Parolen dafür übrig, wobei z.B. die Intention der
DIW-Studie
Rentennahe Jahrgänge haben große Lücke in der Sicherung des
Lebensstandards
ins glatte Gegenteil verkehrt wird:
"60 Prozent der älteren Arbeitnehmer können sich in der Rente sogar
höhere Ausgaben leisten, als sie heute haben, hat das Deutsche
Institut für Wirtschaftsforschung ausgerechnet",
wird uns erzählt, aber nicht unter welchen Annahmen dies der Fall
sein soll, was BERNAU in Erklärungsschwierigkeiten bringen würde.
Aus neoliberaler Sicht gibt es keinerlei Probleme. Altersarmut? Eine
Fake-News von Linken. Die Besteuerung der Alterseinkünfte:
"Nur das Geld einiger unglücklicher Rentner wird tatsächlich doppelt
besteuert."
Die Ansprüche der Rentner werden als ungerechtfertigte "Wohltaten"
diffamiert, da sind sich FAS/FAZ und Springer-Presse
einig. Es geht in der Rentenpolitik
"nur
zum Teil (um) eine Auseinandersetzung der Rentner gegen die
Beitragszahler. Es ist ein Kampf der Babyboomer gegen ihre wenigen
Kinder. Würde der aktuelle Stand der Rente beibehalten, würden nicht
die
Babyboomer für ihre
Kinderlosigkeit bezahlen, sondern die arbeitende Bevölkerung",
behauptet dreist BERNAU und versucht damit das gesellschaftliche
Problem auf einen Konflikt von Eltern gegen Kinderlose zu
reduzieren, was z.B. die Arbeitgeber und ihren Anteil am Problem
ganz außen vor lässt.
Fazit: Neoliberale wie BERNAU versuchen Bevölkerungsgruppen
gegeneinander auszuspielen, um die wirklichen Probleme des
sozialstaatlichen Gesellschaftsvertrags zu verschleiern.
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Die AfD-Hochburg Sachsen in der Debatte
Die Oberbürgermeisterwahl in Meißen
wurde von den Mainstreamzeitungen als Stimmungstest für
die Landtagswahl in Sachsen gewertet und der Kandidat
Frank RICHTER zur Heilsfigur in Sachen Kampf gegen die AfD
stilisiert. Beim zweiten Wahlgang unterlag Frank RICHTER
jedoch gemäß
vorläufigem amtlichen Endergebnis dem von der CDU
unterstützten Amtsinhaber mit 42,6 Prozent. Das waren
knapp 1 Prozent weniger als der Sieger (es fehlten genau
98 entscheidende Stimmen). Ausgerechnet der noch einmal
angetretene Kandidat der FDP könnte RICHTER die
entscheidenden Stimmen gekostet haben, was ein
bezeichnendes Licht auf diese Wahl und die Rolle der FDP
in Sachsen wirft.
Der AfD-Kandidat war zum zweiten
Wahlgang gar nicht erst angetreten, wofür die FAZ
gestern die AfD mit Spott
überzog. Stefan LOCKE sieht RICHTER gar schon als Anführer
einer neuen Bürgerbewegung, die bei der nächsten
Landtagswahl antreten könnte:
"Sollte Richter hier
gewinnen, wäre das nicht nur eine Niederlage, sondern
ein Fanal, nicht wenige trauen ihm zu, dann im kommenden
Jahr auch bei der Landtagswahl mit einer Bürgerplattform
anzutreten."
Die CDU und ihr
Amtsinhaber wird wenig schmeichelhaft dargestellt:
"Meißen ist ein
spezielles Pflaster, die Stadt steht exemplarisch für so
manche Kommunalspitze in Sachsen, die sich den Dingen
eher fügt, als sie zu gestalten, die bürgerliches
Engagement eher lästig empfindet, als es zu fördern, und
die im Zweifel lieber keine klare Position bezieht."
Der von Neoliberalen
und Konservativen positiv besetzte Begriff
"bürgerschaftliches Engagement" bzw. sein linksliberales
Pendant "Zivilgesellschaft" ist in Zeiten des Rechtsrucks
jedoch eine zweifelhafte Sache. Wenn sich wie in Sachsen
Politikgestaltung auf neoliberale Austeritätspolitik und
Elitenbildung beschränkt, dann liegt mehr im Argen als uns
die Mainstreammedien weismachen wollen.
Fazit: Der geplante
Aufbruch in Meißen ist - trotz überregionaler medialer
Unterstützung - gescheitert. Das wird die Mainstreammedien
nicht daran hindern, dies trotzdem als Erfolg zu
vermarkten. Doch ein Frank RICHTER macht noch keine Wende
im desolaten Sachsen.
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22.09.2018
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Seehofer muss
weg! Zwei schallende Ohrfeigen für die SPD, die jedoch die
notwendigen Konsequenzen vermissen lässt
SERRAO, Marc Felix
(2018): Wie die SPD sich selbst verzwergt.
Die Hoffnung, durch ein
pragmatisches Regierungsprogramm die Wähler zurückzugewinnen, hat sich
für die SPD seit Beginn der jüngsten grossen Koalition nicht erfüllt.
Daran hat die ängstliche Parteiführung selbst grossen Anteil,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 22.09.
Marc Felix SERRAO, Ex-FASler,
stellt eine richtige Diagnose, hat aber mit seiner Forderung nach
einem Rechtsruck der SPD die falsche Medizin parat.
Unter dem Druck einer
Meinungsumfrage von Infratest Dimap, die jeweils einprozentige
Verluste für CDU und SPD bei gleichzeitigem Zugewinn von 2 Prozenten
für die AfD ergeben hat, will die SPD nun nachverhandeln. Der Fall
Maaßen aber ist nur Symptom für die Durchsetzungsschwäche der SPD auch
in der Sachpolitik. Den Beschluss des
Gute-Kita-Gesetzes, der angesichts der Personalien MAAßEN/ADLER
unterging, versuchten NAHLES und DREYER verzweifelt als SPD-Erfolg zu
deuten. Tatsächlich wird das Gesetz, das vollkommen unterfinanziert
ist, die Probleme bei der Kinderbetreuung angesichts des
Geburtenanstiegs verschärfen statt zu verbessern. Es zeigt sich daran
die völlige Unfähigkeit der SPD die gesellschaftliche Realität
angemessen in politische Maßnahmen umzumünzen. Die Union auch bei
Sachfragen in Erklärungszwang zu bringen, dazu fehlt der SPD die
Kraft. Mit ihrer defensiven Argumentation ist sie den beiden Parteien
CDU und CSU, die sich wie verfeindete Parteien benehmen und doch am
gleichen Strang ziehen, hilflos ausgeliefert. Die CSU erscheint in der
Regierung der stärkste Koalitionspartner zu sein, was deren Prozenten
am Bundestagswahlergebnis in keiner Weise entspricht. Die SPD verkauft
sich dagegen weit unter Wert und kann dadurch sozialpolitisch so gut
wie nichts durchsetzen, sondern begnügt sich mit Placebos wie bei der
Stabilisierung des Rentenniveaus bis 2025, deren Nachteile der SPD
bald auf die Füße fallen dürften!
Die
heutige taz bringt das Problem der SPD in Sachen MAAßEN auf
den Punkt:
"Die SPD ist am Freitag wieder dort
angekommen, wo sie Anfang der Woche schon mal war. Nur mit viel
schlechteren Karten."
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Foto: Bernd
Kittlaus 2018 |
FRIED, Nico (2018): Die Unbegreiflichen.
Sie reden miteinander, das ist
bewiesen. Die Frage ist nur: worüber? Was die Berliner Koalition mit
dem Kinderspiel "Lotti Karotti" zu tun hat, und wieso dies sehr
gefährlich ist,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 22.09.
Nico FRIED versucht Andrea NAHLES - im
Gegensatz zur FAZ - in ein besseres Licht zu rücken,
kommt aber an der Feststellung einer gravierenden Fehleinschätzung
von NAHLES nicht vorbei:
"Merkel und Seehofer halten zusammen. Die Kanzlerin will vor allein
eine Lösung. Ärger mit der CSU kann sie nicht brauchen, schon
kommende Woche sollen auch möglichst viele Abgeordnete der
christsozialen Landesgruppe ihren Vertrauten Volker Kauder wieder
zum Fraktionschef der Union wählen."
FRIED stellt ans Ende die zugeschriebene Position von SEEHOFER:
alles belassen wie bisher.
REINECKE, Stefan
(2018):
Chronik eines absehbaren Absturzes.
Die SPD hat in der Maaßen-Affäre
hoch gepokert - und verloren. Am Ende einer chaotischen Woche sagt
Andrea Nahles: Wir haben uns geirrt. Und will neu verhandeln,
in: TAZ v. 22.09.
"(Maaßens) Beförderung (...) war Seehofers Verantwortung. Das würde
in der Öffentlichkeit auch so wahrgenommen werden, so die Hoffnung",
beschreibt Stefan REINECKE die fatale Fehleinschätzung von Andrea
NAHLES. Die Parteivorsitzende hätte sich das denken müssen, denn die
neoliberalen Medien sind der SPD vor vornherein aufgrund ihrer
Sozialpolitik nicht wohlgesinnt. Aufklärung über politische
Zusammenhänge verstehen sie nicht als ihr Geschäft, sondern im
Gegenteil wollen sie Emotionen schüren. Im Massenmedien Fernsehen
wurde nicht darüber aufgeklärt, dass die Ernennung und Entlassung
eines Staatssekretärs im Zuständigkeitsbereich des jeweiligen
Ministers liegt, sondern die Berichterstattung in den
öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten beschränkte sich darauf,
NAHLES als einzigen Auslöser hinzustellen, während SEEHOFER als
listiger Widersacher erschien. Das war nur der letzte Tropfen auf
einen heißen Stein seit den emotionalisierten Vorgängen in Chemnitz
und der aufgeheizten Stimmung, für die die Medien mit ihrer
Berichterstattung eine Teilschuld mittragen.
Fazit: Die Medien kochen ihr eigenes Sensationssüppchen, bei der die
Aufklärung über politische Zusammenhänge auf der Strecke bleibt. Die
Medien haben einen großen Anteil an der Politikverdrossenheit, denn
sie schüren sie geradezu.
PFISTER, René & Markus FELDENKIRCHEN
(2018): "Warum müssen die Zufriedenen wählen gehen"?
Gespräch: Der Wahlforscher
Matthias Jung wehrt sich gegen den Vorwurf, er habe mit seinen Tipps
für Angela Merkel das deutsche Parteiensystem zerstört. Er sieht die
AfD als Chance für die Union und bekennt, dass er Nichtwähler
sympathisch findet,
in: Spiegel Nr.39 v. 22.09.
Matthias JUNG, der für das ZDF-Politikbarometer verantwortlich ist,
und zugleich Wahlkampfberater der CDU ist, gibt Auskunft über sein
Politikverständnis, das zeigt wie unsere Eliten die Wählerschaft als
Manövriermasse behandeln und Medien dabei eine ganz eigene
demokrativerachtende und antiaufklärerische Rolle spielen. JUNG
stilisiert die Grünen zur kommenden Volkspartei, wobei er sich
natürlich die Grünen als CDU-ähnliche Partei denkt. Wahlkämpfe
sollen keine Inhalte transportieren, sondern nur Personenimages
konstruieren. Vorbild solcher Personenwahlkämpfe sind die USA oder
Frankreich.
Es könnte jedoch sein, dass die Zeit der inhaltsleeren
Volkspartei-Wahlkämpfe schnell vorbei ist und stattdessen
Kleinstparteien mit großem Abgrenzungsbedürfnis die Wahlkampfarenen
bestimmen. Die AfD ist für JUNG kein Problem, sondern ihre Größe ist
lediglich eine Folge des Wahlkampfs der etablierten Parteien. JUNG
bemisst ihr Wählerpotenzial auf 7 bis 17 Prozent. Die Zukunft wird
zeigen, ob dies die Dynamik der derzeitigen Wandlung des
Parteiensystems nicht völlig unterschätzt.
Nichtwähler setzt der Artikel mit den Zufriedenen gleich, was eine
Sicht ist, die unseren Eliten gefallen mag, aber die Realität
verkennt. Es dürfte eines harten Aufpralls auf dem Boden der
Realität bedürfen, damit unsere Eliten merken, dass ihre
Wählerschaft keine bloße Manövriermasse ist, sondern Eigensinn
entwickeln kann. Der Brexit in Großbritannien und die Wahl von
Donald TRUMP haben dies offensichtlich nicht bewirkten können.
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Die AfD-Hochburg Sachsen in der Debatte
LOCKE, Stefan (2018): Langer Arm der Vergangenheit.
Der Theologe Frank Richter, der
im Dialog mit Pegida bekannt wurde, hat gute Chancen, Bürgermeister
von Meißen zu werden - und versetzt die CDU damit in Sorge,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v. 22.09.
Stefan LOCKE spottet, dass das AfD-Bundestagswahlergebnis nichts
Wert sei, wenn des darum ginge, dass die Bürger "Gefahr laufen,
direkt vor der eigenen Haustür von ihr regiert zu werden".
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Die Erneuerung
der französischen Literatur aus dem Geiste der Minderheitenbewegung
als Gegenmodell zum Fastfood-Literaturbetrieb deutscher Prägung
RÜHLE, Alex
(2018): Grossformat Édouard Louis.
Für den französischen Autor
Édouard Louis ist die Freundschaft zu dem Soziologen Didier Eribon
und dem Philosophen Geoffroy de Lagasnerie kreative Werkstatt,
Kraftzelle und Schutzraum,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 22.09.
Es gibt einen eklatanten Unterschied zwischen dem deutschen
Sachbuch- und Belletristikbetrieb, in dem die Fastfood-Kultur eines
Buchs der Stunde-Marketing mittlerweile die Fastfood-Kultur der
Stimme einer Generation abzulösen beginnt, die Ende der 1990ere
Jahre und Anfang der Nuller Jahre ihre Hochkonjunktur mit der
Konstruktion einer Generation Golf erlebte, zur neuen politischen
Sach- und Belletristikbewegung einer Minderheitenbewegung
links der französischen Sozialdemokratie, die ihren fatalen Absturz
- im Gegensatz zur deutschen Sozialdemokratie - bereits hinter sich
hat.
Seit dem Aufstieg der AfD werden mit jedem weiteren Erfolg Bücher
der Stunde ausgerufen, der Erklärungswert so gering ist, dass schon
bald das nächste Buch der Stunde ausgerufen werden muss. Das hat
viel mit den Funktionsmechanismen eines Buchmarktes zu tun, der sich
an eine bröckelnde Mitte-Elite wendet, die hilflos nach einer
Gegenstrategie such, ohne ihr Weiter-So grundsätzlich überdenken zu
müssen. Rasender Stillstand könnte man dieses Phänomen des atemlosen
Aktivismus bezeichnen. Während in Deutschland mehr oder weniger
vereinzelte Buchbetriebsinsassen versuchen die AfD-Erfolge mit zum
herrschenden Diskurs anschlussfähiger Strickware zu versorgen,
entwickelt sich in Frankreich dagegen eine neue Theorie, die sich um
eine Kerngruppe von Deutern der neuen Klassengesellschaft und deren
literarische Umsetzung bildet. In Deutschland gibt es keine
annähernd so erfolgreiche Gruppierung, sondern es herrscht
Fragmentierung. Jene, die neue Wege suchen, wie z.B. Christian BARON
("Proleten Pöbel Parasiten") müssen Vertreter eines leicht
revidierten Individualisierungsparadigmas (Andreas RECKWITZ
"Gesellschaft der Singularitäten" und Oliver NACHTWEYs
"Die Abstiegsgesellschaft") hochloben, weil eine wirkliche
Gegenströmung (noch?) nicht existiert.
Die "Darmstädter Schule" mit Cornelia KOPPETSCH ("Die
Wiederkehr der Konformität") und Michael HARTMANN ("Soziale
Ungleichheit - Kein Thema für Eliten?") kommt dem französischen
Denkansatz noch am nächsten, lässt aber die Radikalität der
französischen Neuausrichtung vermissen. KOPPETSCH ist zu sehr
elitenfeministisch orientiert (mit den darauf basierenden
Einseitigkeiten), während der elitensoziologische Ansatz von
HARTMANN aufgrund der deutschen Wissenschaftstradition zu eng
gefasst ist. Hier wäre eine Erweiterung um die Dimension des
globalen Finanzkapitalismus dringend notwendig, wie der
Ansatz von Sighard
NECKEL u.a. beweist.
Mit den bevorstehenden Landtagswahlen in Ostdeutschland und
insbesondere in Sachsen werden nun in schneller Folge Bücher der
Stunde ausgerufen, die die angeblich besondere Situation in
Ostdeutschland bearbeiten, aber den Gesamtzusammenhang zum
Neoliberalismus und der neuen Klassengesellschaft vermissen lassen.
So wird der Roman
Mit der Faust in
die Welt schlagen des jungen Sachsen Lukas RIETZSCHEL
genauso unter diesem Motto vermarktet wie die Sachbücher
Integriert doch erst mal uns! der sächsischen SPD-Ministerin
Petra KÖPPING und
Wer wir sind von Jana HENSEL und Wolfgang ENGLER.
"Es war uns wichtig, den Osten nicht aus der DDR heraus zu erklären,
sondern den Fokus auf die Nachwendezeit zu legen. Da vollziehen wir
einen Paradigmenwechsel. Wir müssen uns alles noch mal neu
anschauen, weil wir eine gigantische Emanzipationsbewegung von
rechts erleben. Eine Revolte",
begründet Jana HENSEL ("Zonenkinder") das Buchanliegen in der FR
von vorgestern, was genauso auch für
Petra KÖPPING gelten könnte. Der Versuch, den Erfolg der AfD mit
diversen Besonderheiten zu erklären, ist nicht in der Lage eine
erfolgreiche Gegenbewegung zu etablieren, sondern dient lediglich
der Zersplitterung der Gegenkräfte. Einzig die Erneuerung aus dem
Geiste einer neuen Minderheitenbewegung mit entsprechender
Sprengkraft könnte dem Erfolg ein Ende bereiten. In Deutschland ist
das nicht in Sicht.
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Das
Single-Dasein in Äthipien
SCHMUNDT, Hilmar
(2018): Das Wunder von Addis.
Demografie: Jahrzehntelang galt
Äthiopien als Hort des Elends, geprägt von Dürre, Hunger, Krieg.
Doch nun wandelt sich Afrikas zweitgrößte Nation zum
Hoffnungsträger,
in: Spiegel Nr.39 v. 22.09.
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21.09.2018
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Die
Privatisierungswelle der Altersvorsorge in den Industrieländern als
Urknall der neuen Wohnungsnot in Deutschland
MATZIG, Gerhard (2018): Fette Welt.
Mangel durch Reichtum: In
Deutschland sind Wohnungen auch deshalb so knapp, weil jeder
Einzelne immer mehr Raum beansprucht,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 21.09.
Während Kosmopoliten wie Gerhard MATZIG uns mit absurden Thesen zur
Wohnungsnot daherkommen und daher zum Hass auf unsere Eliten
beitragen, werden die tatsächlichen Ursachen der heutigen
Wohnungsnot in Deutschland vernachlässigt: Die Renditegier der
institutionellen Anleger insbesondere ausländischer Investoren und
die Immobilie als Altersvorsorge treibt die Wohnungsnot an. Dagegen
will uns MATZIG mit folgender These verdummen:
"Die Wohnungen in Deutschland sind in der Regel nicht zu klein,
sondern im Gegenteil viel zu groß. Folglich gäbe es gar keine
Wohnungsnot, würde man nicht auf zu großem Fuß und in quantitativ
üppig bemessenen (qualitativ aber of miserabel organisierten
Grundrissen leben."
Den einzigen Beleg für diese Behauptung formuliert MATZIG
folgendermaßen:
"(S)eit (...) 1972 (...) hat sich die durchschnittliche Wohnfläche
pro Kopf, die in Deutschland in Anspruch genommen wird, mal eben
verdoppelt. Bald werden es fünfzig Quadratmeter sein. Pro Mensch.
Zum Vergleich. Nur in den USA lebt es sich noch monumentaler, in
(...) Nigeria (kommt man) mit sechs Quadratmetern aus."
Wer so argumentiert, benutzt Statistik, um sie als Waffe, satt als
Argument zu verwenden. Daran stimmt wenig, denn
nach letzter Erhebung des Statistischen Bundesamts aus dem Jahr
2014 betrug die Wohnfläche pro Person 45,6 qm und
die Wohnfläche ging zurück (was auch mit den Erhebungsmethoden
zusammenhängt), während MATZIG eine Steigerung suggeriert.
Die durchschnittliche Wohnfläche ist nicht aussagekräftig, denn
entscheidend ist, wo sich die großen Wohnungen befinden und ob es
sich dabei um Miet- oder Eigentumswohnungen handelt. Die
Wohnungsfläche ist dort am höchsten, wo es keine Wohnungsnot gibt
und sie ist bei Eigentumswohnungen höher als bei Mietwohnungen. Der
Datenreport 2016 beschreibt die Situation zum Zeitpunkt des
Zensus 2011 folgendermaßen:
"Ein weiteres wichtiges Merkmal für die Wohnsituation ist die
durchschnittliche Wohnfläche, die jeder Person zur Verfügung steht.
Sie betrug am 9. Mai 2011 in Deutschland 43 Quadratmeter. Die
durchschnittliche Wohnfläche pro Person war im selbst genutzten
Eigentum mit 47 Quadratmetern deutlich größer als in Mietwohnungen
(38 Quadratmeter)."
Für Stadt-Land-Unterschiede unterscheidet der Datenreport nur nach
Bundesländern, aber auch daraus lassen sich deutliche Unterschiede
zwischen den Stadtstaaten und den ländlich geprägten Bundesländern
bei der Wohnfläche festmachen: Hamburg und Berlin wiesen 39 qm pro
Person auf, während es in Rheinland-Pfalz 47 qm pro Person waren. Da
die Daten noch aus einer Zeit stammen, in der die Wohnungsnot noch
kaum ein Thema war, ist von einer Verschärfung auszugehen.
Fazit: Im Gegensatz zum durchschnittlichen Wohnflächenverbrauch pro
Person, der nicht zwischen Miete und Eigentum differenziert, ist die
Privatisierung der Altersvorsorge und der damit verbundene Run auf
Immobilien und Investitionen der institutionellen Anleger
entscheidender für die Wohnungsnot in Deutschland.
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Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte
FORSTER, Christof
(2018): "Da unterscheiden
wir uns von der SP".
Für FDP-Fraktionspräsident Beat
Walti ist mit dem AHV-Steuerdeal das höhere Frauenrentenalter nicht
erledigt,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 21.09.
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Die Ära Macron in Frankreich
SCHUBERT, Christian (2018): Sex, Strand, Scheinmisere.
Agde am Mittelmeer ist
Frankreichs Hauptstadt der Arbeitslosigkeit - und eine Hochburg des
Toursimus,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v. 21.09.
Der Artikel von Christian SCHUBERT zeigt, wie die
Sozialschmarotzerkampagnen, die in Deutschland die Agenda 2010 und
insbesondere die Hartz-Gesetzgebung begleiteten, nun auf Frankreich
übertragen werden, wo MACRON sich ein Vorbild an Deutschland nimmt -
bzw. nach Meinung der Neoliberalen nehmen soll.
SCHUBERT beschreibt zuerst die Entwicklung von
Agde
seit den 1950er Jahren über die 1960er Jahre, in denen die
Bettenburgen als Alternative zu Spanien entstanden, bis zur heutigen
Situation, bei der die Arbeitslosen ins Visier genommen wird:
"Die Gegend ist gleichzeitig die französische Hochburg der
Arbeitslosigkeit. Die Statistikbehörde Insee teilt Frankreich in
mehr als 300 Zonen ein, und Agde weist zusammen mit der Nachbarstadt
Pézenas seit Jahren die höchste Arbeitslosigkeit Frankreichs aus -
zuletzt 16,7 Prozent der aktiven Bevölkerung. Früher war der Norden
Frankreichs mit Gegenden wie Lens/Hénin, Roubaix/Tourcoing,
Saint-Quentin, Thierache, Tergnier, Calais, Valenciennes und
Maubeuge in Frankreich am stärksten von Arbeitslosigkeit geprägt,
verursacht durch das Sterben der Kohleindustrie, der Stahlwerke und
der Textilbetriebe. Doch inzwischen sind die Abstiegsplätze in die
südliche Region von Langeuedoc-Roussillon und Midi-Pyrrénées
gewandert. Städte wie Perpignan, Sète, Alès, Béziers und Narbonne
gehören zu den besonders geplagten Zonen. Ganz unten steht Agde/Pézenas."
Als Hauptursache wird uns nicht die dortige Monostruktur des
Tourismus genannt, sondern die Arbeitslosigkeit wird zum gewollten
Lebensstil der Arbeitslosen erklärt:
"Von der »Wahl eines bestimmten Lebensstils« in einer Gruppe von
Antragstellern spricht sie. »Sie arbeiten vier Monate, dann haben
sie das Recht auf vier Monate Arbeitslosengeld, danach erhalten sie
vier Monate Sozialhilfe«. Nach einem Jahr beginnt die Rotation aufs
Neue",
zitiert SCHUBERT eine Handlangerin des französischen Staates. Der
Zusatz, dass die Kommune auch "Champion (...) bei der Zahl der
Schulabrecher" ist, hätte es eigentlich nicht bedurft, um die
Analogie zur Vor-Hartz-Zeit in Deutschland aufzurufen. Auch ein
anderes Argument Neoliberaler in Deutschland ist bekannt:
"Agde zieht viele Menschen aus anderen Landesteilen an, darunter
auch Arbeitslose (...). Seit Anfang der neunziger Jahre ist
die Bevölkerung um fast die Hälfte auf 28.000 Personen gewachsen."
Der Bürgermeister wird folgendermaßen zitiert:
"Man muss die jungen Leute überzeugen, dass beispielsweise der Beruf
des Kochs eine bessere Zukunft bietet als die soziale Hängematte."
Bei der historischen Altstadt werden uns zudem Anklänge an die
deutsche Sozialtourismus-Debatte der Gegenwart geliefert:
"Heute haben sich dort einige Mitglieder des »fahrenden Volkes«
niedergelassen."
Fazit: Der Artikel umfasst alle Elemente, die den Deutschen vor
Augen führen sollen, dass Frankreich eine Agenda 2010 braucht, weil
es sonst durch eine arbeitsscheue Unterklasse bedroht ist.
SCHUBERTs Artikel ist jedoch noch pikanter, denn er verknüpft diese
Sozialschmarotzerkampagne mit dem neoliberalen Standortwettbewerb
der Kommunen, bei dem es um die Attraktivität bei einer
kaufkräftigen Touristenklientel geht:
"Die sexuelle Freiheit am Strand gehe zu weit und schade dem Ruf der
Gegend, klagt der Lokaljournalist Didier Denestebe, der gerade ein
Buch über das Cap schreibt. (...). Der Bürgermeister sieht das
entspannter. (...). Seit zehn Jahren habe er als Bürgermeister über
die fünf oder sechs existierenden Swingerklubs hinaus keine neuen
Lizensen ausgegeben. Zudem ziehe die Freizügigkeit eine kaufkräftige
Touristenklientel an. »Der Arbeiter von Renault macht so was nicht,
das sind eher beispielsweise Anwälte oder Unternehmenschefs«"
LOBE, Adrian (2018): Die
Barone von Bercy.
Unter Präsident Macron verwandelt
sich die administrative Elite in einen Staatsadel,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 21.09.
Adrian LOBE stellt das
Buch Les Intouables d'Etat von Vincent JAUVERT vor, der
aufzeigt, dass Emannuel MACRON kein Erneuerer ist, sondern die
französische Tradition des Staatsadels (Pierre BOURDIEU) forciert:
"Der Autor zeichnet das Bild einer
korrumpierten administrativen Elite, eines regelrechten Staatsadels
(...), der seine Seilschaften an den Kaderschmieden knüpft und den
Staat nach Gutsherrenart führt."
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20.09.2018
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DESTATIS (2018):
Bundesverfassungsgericht erklärt Zensus 2011 für verfassungskonform,
in:
Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts v. 20.09.
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KROHN, Philipp (2018): Lebensversicherern winkt Entlastung.
Bundesfinanzministerium will
Kalkulation der Zusatzreserve ändern. Risikogewinne werden immer
wichtiger,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v. 20.09.
Die SZ berichtete bereits
vor einer
Woche über das schnelle Entgegenkommen des Finanzministeriums
auf die Wünsche der Versicherungswirtschaft. Den Wegfall des
geplanten Provisionsdeckels verschweigt Philipp KROHN lieber ganz.
Damit hat sich die SPD - und insbesondere Olaf SCHOLZ - eines
Druckmittels beraubt und zeigt, dass es ihr mit der Stärkung der
gesetzlichen Rente nicht sehr ernst ist. Das passt zur derzeitigen
desaströsen Lage der SPD, die gerne betont wie wichtig ihnen
Sachthemen seien, aber dann jeder Konfrontation aus dem Weg gehen!
Hinter dem Begriff "Risikogewinne" verbirgt sicht eine Sache, die
zeigt wie die Versicherungswirtschaft sich zu Lasten ihrer
Versicherten bereichern kann.
Risikogewinne ergeben sich nämlich immer dann, wenn die
"kalkulierten und tatsächlichen Kosten" auseinanderklaffen. Oder
anders formuliert: wenn bei Lebensversicherungen Sterbetafeln
verwendet werden, die mit einer viel höheren Lebenserwartung
kalkulieren als die tatsächliche Lebenserwartung der Versicherten.
Über das Ausmaß dieser Profite zu Lasten der Versicherten schweigt
KROHN, denn ihm geht es einzig um die Stabilität der
Lebensversicherer und nicht um die Belange der Versicherten. Als
Quelle gibt er einen Zeitschriftenartikel von Hermann WEINMANN an,
der sich in einer betriebswirtschaftlichen Analyse erschöpft. Die
Frage, inwiefern sich die Lebensversicherer ihre Stabilität auf
Kosten der Versicherten erkaufen, stellt sich in einer solchen
Sichtweise erst gar nicht. Aus diesem Grund betrachtet KROHN die
große Koalition als Glücksfall der deutschen Lebensversicherer.
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CREUTZBURG, Dietrich (2018): Beitragszahler spüren nichts von
Entlastung.
Die Regierung senkt den Beitrag
zur Arbeitslosenversicherung. Weil die Ausgaben für Pflege und Rente
aber stark steigen, bleibt bei den Beitragszahlern nichts hängen,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v. 20.09.
Wer nur die Schlagzeile liest, der wird mit Fake News gefüttert. Zum
einen hat sich die SPD wieder einmal NICHT mit ihren Forderungen aus
dem Koalitionsvertrag durchsetzen können, sondern wurde von der
Union vorgeführt, denn der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung wird
stärker gesenkt als vorgesehen:
"Das Gesetz zur Arbeitslosenversicherung sieht vor, deren
Beitragssatz dauerhaft um 0,4 Punkte auf 2,6 Prozent zu senken.
Daneben soll er befristet bis längstens 2022, durch eine
Rechtsverordnung um einen weiteren Zehntelprozentpunkt gesenkt
werden."
Macht zusammen 0,5 Prozent. Dagegen hieß es im Koalitionsvertrag:
"Wir werden den Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung um 0,3
Prozentpunkte senken."
Die Union kann sich zudem damit brüsten, die Pflegesituation zu
verbessern. Während die SPD Schelte für das Rentenpaket kassiert,
obwohl die CSU den teuersten Part zu verantworten hat, sonnt sich
die CDU im Glanze ihres Gesundheitsministers.
Natürlich darf das übliche FAZ-Mantra
in Sachen Rente auch nicht fehlen.
Was die Beitragsentlastung betrifft, so ärgert es CREUTZBURG, dass
die Arbeitgeber weniger entlastet werden als die Arbeitnehmer. Wenn
die FAZ also von Beitragszahlern in der Schlagzeile spricht,
dann meint sie nur die Arbeitgeber, deren Belange im Vordergrund
stehen.
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Seehofer muss
weg! Zwei schallende Ohrfeigen für die SPD, die jedoch die
notwendigen Konsequenzen vermissen lässt
BUBROWSKI, Helene/LEITHÄUSER, Johannes/WEHNER, Markus (2018): Am
dünnen Faden.
Ein Kompromiss für die Personalie
Maaßen ist gefunden - aber der Ärger ist groß. Nicht nur die SPD
fühlt sich an der Nase herumgeführt. Auch in der Union gibt es
kritische Stimmen. Sie haben keine Lust mehr auf die faul riechenden
Kompromisse. Die Stimmung in der Koalition ist schlecht,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v. 20.09.
Die FAZ verteidigt Horst SEEHOFER und sieht Andrea NAHLES als
Übeltäterin:
"Verschuldet hat die missliche Lage, in der sich die SPD nun
befindet, (...) die Parteiführung selbst. Mit der Forderung, Maaßen
abzulösen, hat Nahles den Bogen überspannt. (...). Jeder Minister,
selbst wenn er weniger selbstbewusst agiert als Seehofer, hätte sich
gegen eine solche Einmischung in seinen Geschäftsbereich gewehrt."
Die Berliner Zeitung titelt heute entsprechend: "SPD opfert
Staatssekretär für Maaßen". Dazu wird NAHLES beim Handschlag mit
SEEHOFER gezeigt. Während der SPD-Bauminister Gunther ADLER in den
Ruhestand versetzt wird, wird Hans-Georg MAAßEN dorthin versetzt, wo
er sowieso hin wollte - so die FAZ:
"Maaßen sitzt künftig auf dem Stuhl, auf den er schon seit Jahren
geschielt hat. (...). Nun wird er mit der Stelle seines bisherigen
Vorgesetzten belohnt. Das war Hans-Georg Engelke (...). Ausgerechnet
er muss nun weichen und soll sich künftig ums Bauen und Wohnen
kümmern".
SEEHOFER hat somit die SPD zweifach gedemütigt. Das quittiert die
Partei mit dämlichen Wortmeldungen, bei denen der Vorgänger von
NAHLES besonders hervorsticht:
"Thomas Oppermann (...) nennt es eine »gute Nachricht«, dass Maaßen
zum Staatssekretär befördert werde. Das sei besser, als ihn in den
Ruhestand zu versetzen. »Dann müsste er für seine Bezüge überhaupt
nicht arbeiten«."
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Foto: Bernd
Kittlaus 2018 |
Angesichts der Tatsache, dass dafür nun ein SPD-Staatssekretär in
den Ruhestand geht, der das von der SPD angeblich hochwichtige
Gebiet der Wohnungspolitik bearbeitet hat, kann man die SPD im
Grunde nicht mehr Ernst nehmen. NAHLES will die Koalition retten? Ob
der Preis dafür für die SPD nicht zu hoch ist?
GREIVE, Martin/KERSTING, Silke/NEUERER, Dietmar/STRATMANN, Klaus
(2018): Zurück im Krisenmodus.
Der Fall Maaßen droht zur
Zerreißprobe für die SPD zu werden. Parteichefin Nahles reagiert mit
einem flammenden Appell an die Basis, die Große Koalition jetzt
nicht zu opfern,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v. 20.09.
Das Handelsblatt hält sich mit Schuldzuweisungen zurück und
beschränkt sich angesichts der Demütigung der SPD durch Horst
SEEHOFER auf unterschiedliche Stimmen aus der Partei.
"Mehrere SPD-Politiker (...) brachten am Mittwoch einen Ausstieg aus
der Koalition ins Gespräch. Der SPD-Vorstand will am Montag beraten.
Für Sonntag ist ein Treffen des engsten Führungszirkels geplant.
Doch die Führung unter Partei- und Fraktionschefin Andrea Nahles
will das Regierungsbündnis fortsetzen",
schreiben die Autoren. Die FAZ sieht dagegen schnellere
Reaktionen bei der SPD als notwendig:
"Am Mittwoch gab es zahlreiche Krisensitzungen der SPD. Die engste
Parteiführung weiß, dass sie nicht bis zu ihrem geplanten Treffen am
Sonntag Zeit hat, die Stimmung wieder einzufangen.
Für Seehofer hingegen ist der Mittwoch ein guter Tag, ein sehr guter
sogar."
Dass dieser Tag ein guter Tag für Horst SEEHOFER war, darüber dürfte
ein Urteil erst noch gefällt werden. SEEHOFER muss weg, müsste jetzt
konsequenterweise das Motto der SPD sein, denn die Regierung
verspielt ihr Vertrauen und dafür ist einzig und allein SEEHOFER
verantwortlich.
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RENNEFATZ, Sabine (2018): "Auch die AfD wird die Ostdeutschen
letztlich enttäuschen".
Nach Chemnitz fragen viele: Was
ist da los im Osten? Sind die alle rechts? Die Journalistin Jana
Hensel und der Soziologe Wolfgang Engler sprechen über die Folgen
des Umbruchs nach 1989, die Flüchtlingskrise - und darüber, warum in
Ostdeutschland die Revolte nicht von links kommt,
in: Frankfurter
Rundschau v. 20.09.
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19.09.2018
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BMFSFJ (2018):
Bundeskabinett verabschiedet das Gute-KiTa-Gesetz.
Für mehr Qualität und weniger
Gebühren,
in:
Pressemitteilung des
Bundesfamilienministeriums v. 19.09.
Das Gesetz zur Weiterentwicklung der Qualität und zur Teilhabe in
der Kindertagesbetreuung war bereits bei der Aushandlung des
Koalitionsvertrags völlig unterfinanziert. Aufgrund der
interessengeleiteten Bevölkerungsvorausberechnungen wurde der
Geburtenanstieg der vergangenen Jahre nicht angemessen berücksichtigt,
sodass das jetzt von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte Gesetz
bereits eine Totgeburt ist. Das Gesetz wird die Probleme im Bereich
Kinderbetreuung verschärfen statt zu lösen.
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RITTER, Johannes (2018): Nestlé verkauft Lebensversicherer für 1,6
Milliarden Dollar.
Der hohe Preis überrascht,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v. 19.09.
Johannes RITTER berichtet über den Verkauf des Lebensversicherers
Gerber Life an die Western & Southern Financial Group.
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18.09.2018
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STALA BW (2018): Baden-Württemberg: Im Schnitt 1,57 Kinder je Frau
zweithöchste Geburtenrate seit über 40 Jahren.
Neckar-Odenwald-Kreis mit höchster,
Heidelberg mit niedrigster Geburtenhäufigkeit im vergangenen Jahr,
in:
Pressemitteilung des
Statistischen Landesamt
Baden-Württemberg v. 18.09.
Das Statistische Landesamt Baden-Württemberg meldet für 2017 107.375
Geburten (2016:
107.479). Die Geburtenrate lag bei 1,57 Kindern pro Frau (2016:
1,59). Bei der Geburtenrate macht sich auch die großstädtische
Wohnungsnot bemerkbar:
"Spitzenreiter unter den
44 Stadt- und Landkreisen war im Jahr 2017 der
Neckar-Odenwald-Kreis mit einer Geburtenrate von 1,78 Kindern je
Frau, gefolgt vom Landkreis Biberach (1,76) und dem
Alb-Donau-Kreis (1,75). Am Ende der Skala rangieren die
Stadtkreise Heidelberg (1,18), Karlsruhe (1,27) und Stuttgart
(1,32)."
Der
Rhein-Neckar-Kreis als "Speckgürtel" der Universitätsstadt
Heidelberg lag bei 1,63 Kindern pro Frau.
Bayern
hat - im Gegensatz zu Baden-Württemberg und
Berlin - einen Anstieg der
Geburten im Jahr 2017 gemeldet.
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WASCHINSKI, Gregor (2018): Kein Interesse an Riester.
Die Große Koalition hatte sich
Verbesserungen bei der privaten Altersvorsorge vorgenommen. Die
zuständigen SPD-Ministerien aber zeigen kaum Bewegung,
in: Handelsblatt v.
18.09.
Gregor WASCHINSKI propagiert immer noch die Stärkung der privaten
Altersvorsorge, obwohl deren Rendite im Vergleich zur gesetzlichen
Rentenversicherung derzeit miserabel ist und das Handelsblatt
vor 8 Tagen die
freiwillige
Einzahlung in die Rentenversicherung als Ausweg aus der Misere
propagierte. Es wundert deshalb kaum, dass vor allem die Lobbyisten
der Finanzdienstleister die private Altersvorsorge stärken wollen
(GDV, FDP und Wirtschaftsflügel der Union). Besonders hervorgehoben
wird, dass der
neoliberale DIW-Chef
Marcel FRATZSCHER (dem eine Nähe zur SPD nachgesagt wird) die
Stärkung ebenfalls befürwortet. Dass Walter RIESTER seine Reform
verteidigt, dürfte kaum wundern.
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SÜDDEUTSCHE
ZEITUNG-Wirtschaftsthema: Vier Länder, vier verschiedene
Rentensysteme.
Was Deutschland von den Nachbarländern lernen kann
ROSSBACH, Henrike (2018): Ewige Baustelle.
Auch in Zukunft wird es in
Deutschland Rentenreformen geben, die Demografie macht das
unumgänglich. Das deutsche System hat Schwachstellen. Chancen liegen
in einer besser funktionierenden Zusatzvorsorge,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 18.09.
Henrike ROSSBACH präsentiert uns die neoliberale OECD-Sicht auf das
deutsche Rentensystem. Für Neoliberale ist
Österreich ein Ärgernis, weil es (noch) Alternativen zum
deutschen System jenseits neoliberaler Vorstellungen aufzeigt. Von
den vier Ländern wird neben Österreich nur noch die
Niederlande genannt, dessen starke Betriebsrentensäule als
vorbildlich propagiert wird. Thomas ÖCHSNER wettert in seinem
Länderporträt gegen Österreich.
Frankreich wird uns als abschreckendes Beispiel vorgeführt. Die
Niederlande erscheint dagegen als Paradies:
"Die australische Beratungsfirma Mercer untersucht seit Jahren die
Rentensysteme aller Staaten der Welt. Die Niederlande lagen lange
Zeit auf Platz ein, 2017 rutschten sie mit hauchdünnem Abstand
hinter Dänemark",
erklärt uns das Länderporträt. Es wundert deshalb kaum, dass
Dänemark als viertes Land vorgestellt wird. Die
Unternehmensberatung Mercer verdient ihr Geld global in erster Linie
mit der betrieblichen Altersvorsorge, weshalb das Ranking mehr über
Mercer aussagt als über die einzelnen Rentensysteme. Mit seiner
Präferenz für die Kapitaldeckung ist die Sicht von Mercer einseitig.
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17.09.2018
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RITTER, Johannes (2018): Mit dem Armband zum Wunschkind.
Menschen & Wirtschaft: Das
Schweizer Start-up Ava hilft Frauen zu erkennen, an welchen Tagen
sie am ehesten schwanger werden. Doch das ist erst der Anfang,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v. 17.09.
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MAAK, Niklas (2018): Stadt, Land, Flucht.
Brauchen wir mehr sozialen
Wohnungsbau - oder könnten wir auch wieder in die vielen leeren
Dörfer ziehen?
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v. 17.09.
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BALCEROWIAK, Rainer (2018):
Geisterdebatte.
Das Rentenpaket der Groko wird
als großer Schritt gegen Armut im Alter verkauft. Das kann man nur
als blanken Zynismus bezeichnen,
in: TAZ v.
17.09.
Rainer BALCEROWIAK kritisiert die Stabilisierung des Rentenniveaus,
womit er sich mit den Neoliberalen in ein Boot setzt. Auch die
Aufweichung des Äquivalenzprinzips wird von Neoliberalen gefordert,
aber mit genau entgegengesetzter Zielrichtung, nämlich die
Reduzierung der gesetzlichen Rente auf eine Armenfürsorge im Sinne
einer Grundsicherung. BALCEROWIAK plädiert dagegen für eine
"Mindestrente für langjährig Versicherte oberhalb der staatlichen
Grundsicherung".
Es könnte also passieren, dass die Befürworter einer solchen
Mindestrente ganz schnell den Neoliberalen mit ihrem Programm der
Zurechtstutzung des Sozialstaats in die Hände spielen. Die
Stabilisierung des Rentenniveaus ist keine Maßnahme zur Verhinderung
von Altersarmut, sondern sie dient der Stärkung der gesetzlichen
Rente als Alternative zur Auslieferung von Schlechtverdienern an die
Finanzmärkte.
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HERZ, Carsten (2018): Wenig Licht, viel Schatten.
Die Niedrigzinsen setzen die
Lebensversicherer unter Druck. Eine Studie wertet wichtige
wirtschaftliche Kennziffern der Unternehmen aus,
in: Handelsblatt v.
17.09.
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16.09.2018
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RÖTZER, Florian (2018): Emnid-Umfrage: AfD wird in Ostdeutschland
stärkste Partei.
In Westdeutschland legen Union und
SPD einen Punkt zu, die AfD bleibt auf 13 Prozent,
in:
Telepolis
v. 16.09.
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Zu den News vom 01. -
14.
September 2018
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