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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
       
   
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News 5/2018
News 2000-2017

 
 
   
Medienberichte über single-dasein.de
 
 
 
   

News vom August 2018: [01.08.] [02.08.] [03.08.] [04.08.] [05.08.] [06.08.]

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Die Bildungspolitik als Opfer interessengeleiteter Bevölkerungsprognosen

"Die jetzt revidierten Voraussagen über die künftigen Schülerzahlen bestätigen die Warnungen von Kritikern. (...). Denn immer wieder, zuletzt in den 1990er Jahren, ist er plötzlich da, der »Lehrermangel«, mit dem angeblich niemand rechnen konnte. Und immer wieder beruhen die bildungspolitischen Versäumnisse auf interessengeleiteten Bevölkerungsprognosen. (...).
Mit dem Kleinrechnen des Faktors Einwanderung und der unhinterfragten Fortschreibung niedriger Geburtenraten haben die Demografen den Alarmismus über eine aussterbende (biodeutsche) Bevölkerung befördert. Stiegen die Einwohnerzahlen trotz gegenläufiger Prognosen, erklärten die Forscher das kurzerhand zum statistischen Ausreißer.
Realistische Voraussagen sind aber gerade in der Bildungspolitik wichtig. (...). Statt den Versicherungen und ihren Lobbyisten auf den Leim zu gehen, sollte die Politik eine kinderreiche Zukunft planen - und deutlich mehr in die Ausstattung und das Lehrpersonal der Schulen investieren
"
(aus:
Thomas Gesterkamp "Falsche Prognosen mit Folgen", Neues Deutschland v. 04.08.2018)

 
       
       
   

06.08.2018

 
       
   

WUNDERLICH, Curd (2018): So überlebt die Liebe den Urlaub.
Bei vielen kracht es in den Ferien. Eine Paartherapeutin über Erwartungen an Erotik und Ruhe,
in: Welt v. 06.08.

Urlaubszeit ist Trennungszeit, zumindest wenn es um die Medienberichterstattung geht. Das liegt aber auch daran, dass uns nur Experten präsentiert werden, die mit Paarproblemen Geld verdienen. Wie viele Paare sich tatsächlich im - oder nach einem - Urlaub trennen. Darüber schweigt sich der Artikel aus. 

 
       
   

KUNZ, Anne (2018): Versicherer trennen sich von ihren teuren Altbeständen.
Alles muss raus: Die Assekuranz übergibt ihre Problem-Policen an Spezialgesellschaften. Nicht alle Kunden fühlen sich mit dieser Lösung wohl,
in: Welt v. 06.08.

Anne KUNZ stellt der Kritik von Verbraucherschützern an den Run-Offs die Sicht von zwei Unternehmensberatungen gegenüber, die mit Lebensversicherern Geschäfte machen, und deshalb den Verkauf von Altbestände eher positiv beurteilen.

 
       
   

Der Sozialbericht 2017 in den Medien

WASCHINSKI, Gregor & Thomas SIGMUND (2018): Zukunftsrisiko Sozialstaat.
Das Soziale wird ein immer größerer Kostenfaktor. Arbeitgeber, FDP und der Wirtschaftsflügel der Union fordern ein Umsteuern,
in: Handelsblatt v. 06.08.

"Erstmals seit Jahren ist die Staatsverschuldung unter die Zwei-Billionen-Marke gefallen. Laut Statistischem Bundesamt waren Bund, Länder und Gemeinden und Sozialversicherung 2017 nur noch mit 1,97 Billionen Euro verschuldet",

erklärten uns GREIVE & WASCHINSKI vor 3 Tagen. Solche positiven Nachrichten sind schlecht, weshalb sie von Neoliberalen immer mit angeblichen Negativmeldungen gekoppelt werden, die sich zudem auf Spekulationen gründen:

"Nach neuen Zahlen des Bundesarbeitsministeriums, die dem Handelsblatt vorliegen, sind die Ausgaben für Soziales im Vorjahr auf 965,5 Milliarden Euro gestiegen, ein Plus von 3,9 Prozent",

hieß es noch vor drei Tagen. Dies war anscheinend nicht drastisch genug, weshalb WASCHINSKI & SIGMUND nun schreiben:

"Laut aktuellen Zahlen (...) erhöhte sich die Summe aller Sozialleistungen 2017 auf den Rekordwert von 965,5 Milliarden Euro. Das ist ein Anstieg von 3,9 Prozent im Vergleich zu 2016."

Offenbar haben die Leser vor drei Tagen nicht verstanden, warum sich die Handelsblatt-Journalisten so empörten, weshalb nun der Begriff "Rekordwert" fällt, damit es auch dem Letzten klar wird, dass er sich zu empören hat!

Das Motto der Neoliberalen lautet: Überschüsse sind kein Segen, sondern ein Fluch. Wenn man sie nicht verstecken will, dann lautet die Alternative zu "üppigen Sozialausgaben" für Transferempfänger: Steuerentlastung für Besserverdienende und Reiche bzw. Subventionierung der Wirtschaft, die als Investitionen deklariert werden, zu fordern - das kommt wenigstens der eigenen Klientel zugute.

Nachdem Neoliberale Jahrzehnte unter der Fahne des schlanken Staates gegen den fetten Staat mit seinen unnützen Verwaltungen gehetzt haben , entdecken sie plötzlich einen Investitionsstau:

"Weil der Staat jahrelang seine Investitionen zurückgefahren hat, sind die Bauverwaltungen in Ländern und Kommunen ausgedünnt, Milliarden an Investitionsgeldern fließen deshalb nicht ab."

Kein Satiriker könnte diese geschickte Umformulierung des Problemsachverhaltes besser erfinden! Personalausgaben laufen bekanntlich im neoliberalen Jargon nicht unter Investitionen, sondern unter "konsumptive Ausgaben", weshalb nun der Begriff "konsumptive Ausgaben" für die Argumentation störend wäre. Um das zu erreichen, muss der faule Beamte/öffentlich Bedienstete zum Arbeitstier werden, dessen liegen gebliebene Arbeit uns nun als Investitionsstau entgegentritt.

Fazit: Wenn es der neoliberalen Argumentation dient, werden "konsumptive Ausgaben" schon mal zum Investitionsstau umdeklariert! Hauptsache es merkt niemand, dass sich dahinter eine 180 Grad-Kehrtwende (schönfärberisch: Opportunismus, der uns als Pragmatismus verkauft wird ) verbirgt.

SIGMUND, Thomas (2018): Die drohende Diktatur der Grauen.
Leidartikel: Die deutsche Politik ist geprägt durch eine Unwucht zulasten der Jungen,
in: Handelsblatt v. 06.08.

Der Babyboomer Thomas SIGMUND, Jahrgang 1966, hält sich irrigerweise für immer jung, weshalb er vor der Gerontokratie warnt, obgleich er Teil dieses Problems wäre, wenn dies nicht nur ein Scheinproblem wäre, das vom Klassenkonflikt und der damit verbundenen steigenden Ungleichheit in Deutschland ablenken soll. Viele der Sozialausgaben kommen jungen Familien zugute. Diese zu einer "Diktatur der Grauen" zu zählen, ist wahrlich ein zirkusreifes Kunststück! Aber da bei SIGMUND gehobelt wird, fallen auch schon mal Späne.  

 
       
   

Die AfD-Hochburg Sachsen in der Debatte

LASCH, Hendrik (2018): Pödelwitzer Wiederbelegung.
900 Aktivisten haben sich beim ersten Klimacamp im Leipziger Revier gegen Kohleverstromung engagiert,
in: Neues Deutschland v. 06.08.

 
       
   

Das Single-Dasein in der Schweiz

JARDINE, Anja (2018): "Fangt früher an!"
Mit Verboten lasse sich die Medizin nicht steuern, sagt Felix Häberlin, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin. Sie verschieben die Probleme nur,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 06.08.

 
       
   

Das Single-Dasein in den USA

JARDINE, Anja (2018): Fast wie Dschingis Khan.
NZZ-Serie Die Kinder von 5010 (5): Als junger Mann hat er Samen gespendet, um sich etwas Geld dazuzuverdienen. Und Gutes zu tun. Dass Kinder dabei herauskommen würden, war ihm immer bewusst. Dass es aber weit über 50 sind, überrascht ihn doch. Wer ist Samenspender 5010?
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 06.08.

 
       
   

05.08.2018

 
       
   

KALS, Ursula (2018): Mit Opa in einem Boot.
Großeltern sind ein Geschenk für Kinder. Wie kostbar dieser Generationenkontakt ist, geht in läppischen Rangeleien leicht unter,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 05.08.

 
       
   

BOLLMANN, Ralph (2018): Der neue Jens Spahn.
Gesundheitsminister Jens Spahn will eines Tages Kanzler werden. Dafür schafft sich der CDU-Politiker gerade das passende Image als mitfühlender Konservativer. Marktliberal war gestern,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 05.08.

Jens SPAHN galt dem marktradikalen Wirtschaftsteil der FAS einst als Hoffnungsträger - ein gnadenloser Kämpfer für Generationengerechtigkeit. Nun also wird er als Kanzleranwärter geführt. Man könnte jetzt die Unzahl von FAS-Kanzleranwärter Revue passieren lassen, die schon lange in der Versenkung verschwunden sind.

 
       
   

MAYER, Thomas (2018): Ratschläge zur Rente.
Wer sich bei der Altersvorsorge allein auf den Staat verlässt, ist verlassen. Man muss schon selbst etwas tun,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 05.08.

Ratschläge gibt es keine, wenn man von neoliberalen Weisheiten aus der Banalitätenkiste absieht. Thomas MAYER gehört zur Spezies der Vermögensverwalter, weshalb das Eigeninteresse die Ratschläge vorgibt.

 
       
   

04.08.2018

 
       
   

GESTERKAMP, Thomas (2018): Falsche Prognosen mit Folgen.
Es gibt wieder mehr Kinder in Deutschland, frühere Annahmen zur Bevölkerungsentwicklung müssen revidiert werden. Die Schulen sind darauf nicht vorbereitet,
in: Neues Deutschland v. 04.08.

"Anfang Mai ging die Kultusministerkonferenz (KMK) mit einer überraschenden Botschaft an die Öffentlichkeit: Die deutschen Schulen müssen sich in Zukunft auf mehr Kinder und Jugendliche einstellen. Ihre Zahl werde bis 2030 auf 11,2 Millionen steigen. (...).
Vor fünf Jahren hatte die KMK noch ganz anderes verlautbart, sie hatte einen Rückgang auf 9,7 Millionen Schüler im Jahr 2025 prognostiziert. (...).
Die falsche Schätzung der Kultusminister von 2013 fügte sich bestens ein in das düstere Bild, das interessierte Kreise vor allem der Versicherungswirtschaft schon seit der Jahrtausendwende zeichnen",

verkündet uns der schlecht informierte Journalist Thomas GESTERKAMP nun erst, da es sich nicht mehr leugnen lässt! Gut informierte Journalisten, die ihrer Aufklärungspflicht nachgekommen wären, hätten spätestens seit Juli letzten Jahres auf das Problem aufmerksam machen müssen. Damals machten Klaus KLEMM & Dirk ZORN auf den Lehrermangel aufgrund steigender Geburtenzahlen aufmerksam. Auf dieser Website wurde bereits viel länger auf die Tatsache hingewiesen, dass die Bevölkerungsvorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes bei der Geburtenentwicklung nur das nachholten, was längst eingetreten war, statt die Verhaltensänderungen abzubilden. Schon die im April 2015 veröffentlichte 13. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung war bereits bei ihrer Veröffentlichung überholt. Das gilt auch für die aktuelle Variante 2 A vom letzten Jahr, auf die sich der aktuelle Bildungsbericht 2018 bezieht. Im Winterthema von single-generation.de wurde ausführlich auf die veralteten Prognosen der KMK aus dem Jahr 2013 eingegangen und aufgezeigt, wie weit die Kluft zwischen Prognose und Realität innerhalb von nur 4 bis 5 Jahren bei der Geburtenentwicklung immer größer geworden ist.

Trotz seiner Kritik geht GESTERKAMP der defensiven Argumentation des Statistischen Bundesamts auf den Leim, wenn er schreibt:

"Die wachsenden Geburtenzahlen beruhen neben anderen Ursachen darauf, dass derzeit die Kinder der Babyboomer der 1960er Jahre im gebärfähigen Alter sind."

Dieser Aspekt wird vom Statistischen Bundesamt und von der KMK nur deshalb hervorgehoben, weil damit der Geburtenanstieg zu einem kurzzeitigen Phänomen verharmlost werden kann, das durch Aussitzen zu lösen ist. Auf single-generation.de wurde nachgewiesen, dass der so genannte Echo-Effekt im Jahr 2015 im Vergleich mit anderen Aspekten eher gering ausfiel. Das lässt sich auch aus einer aktuellen Analyse von Olga POETZSCH ersehen.

"Bemerkbar macht sich auch der Wertewandel in der Generation Y, der Jahrgänge ab 1980, die in Befragungen neben der beruflichen Karriere auch private Lebensziele hoch bewerten und sich häufiger die Gründung einer Familie wünschen",

meint GESTERKAMP. Das ist die Interpretation derjenigen, die in der Familienpolitik die Ursache für den Geburtenanstieg sehen wollen. Tatsächlich geht der Geburtenanstieg bereits auf die in der ersten Hälfte der 1970er Jahre geborenen Frauen zurück. Den Geburtenanstieg hat der Ökonom Detlef GÜRTLER für Westdeutschland bereits 2003 nachgewiesen, d.h. bevor die Familienpolitik den Kitaausbau und das Elterngeld auf die politische Agenda setzte. Die politische Debatte in Deutschland hinkte also der Realität hinterher und sorgte mit Forschungsartefakten zu Kinderwünschen und Kinderlosigkeit zu einer kontraproduktiven  Inszenierung des Aussterbens der Deutschen. Man könnte also im Gegenteil sagen, dass die Politik durch die Leugnung eines Wertewandels bei den in den 1970er Jahren geborenen Frauen, einen früher möglichen Babyboom verhindert hat. Es dauerte gut 10 Jahre bis die Amtsstatistiker ihre Position revidieren mussten, denn der angebliche Tempoeffekt, den Jürgen DORBRITZ noch 2004 proklamierte, und der damals kein Babyboom sein durfte, stellt sich nun als Anstieg der endgültigen Kinderzahl heraus. Die Einführung des Elterngelds im Jahr 2007 sorgte gar für einen Einbruch der Geburtenzahlen, weil das Elterngeld für späte Mütter gedacht war. Einen Geburtenanstieg bei den in den 1980er Jahren geborenen Frauen leugneten die Amtsstatistiker noch bis vor kurzem.

Fazit: Es ist zu begrüßen, dass endlich die Debatte um die Fehlprognosen zur Geburtenentwicklung endlich in den Mainstreammedien angekommen ist, auch wenn die Klagen - wie bei GESTERKAMP - reichlich spät kommen. Guter Journalismus hätte bereits vor mehreren Jahren den Geburtenanstieg thematisieren müssen. Deutschland hat den Geburtenanstieg verschlafen - auch dank schlechtem Journalismus!

 
       
   

BARON, Christian (2018): Sie können schreiben, was sie wollen.
Lügt die Presse? Wie das Propagandamodell von Herman und Chomsky hilft, eine sachliche Medienkritik zu formulieren,
in: Neues Deutschland v. 04.08.

Christian BARON nennt anlässlich der deutschen Übersetzung des Buches Manufacturing Consens von Edward S. HERMAN & Noam CHOMSKY fünf Filter der Konsensproduktion der Mainstreammedien: Eigentumsverhältnisse (Macht der Verlage und Besitzer der Medien), Werbeabhängigkeit (Macht der Anzeigenkunden), Quellenabhängigkeit (Macht der Presseagenturen), Einflussnahme (Macht von Interessengruppen) und Ideologie (Organisationsfähigkeit von Interessengruppen). Unsere Mainstreammedien brandmarken gerne berechtigte Kritik, indem sie Kritikern unterstellen, Verschwörungstheorien anzuhängen. Tatsächlich sind Verschwörungstheorien völlig überflüssig für die Erklärung des herrschenden Elitenkonsens wie BARON zeigt.

 
       
   

Die AfD-Hochburg Sachsen in der Debatte

ZIMMERMANN, Birgit (2018): Hoffen auf den "Überschwappeffekt".
Wie dick kann ein Speckgürtel werden? Die Antwort kann für Kleinstädte entscheidend sein,
in: Neues Deutschland v. 04.08.

"Ziel des Eilenburger Oberbürgermeisters ist eine Zahl: 20.000. So viele Einwohner sagt Ralf Scheler (parteilos), soll die sächsische Kleinstadt einmal zählen. Das ist sportlich. Ende vorigen Jahres hat Eilenburg gerade erst wieder die 16.000er-Marke erreicht. Schelers große Hoffnung liegt rund 30 Kilometer südwestlich seiner Kleinstadt - und heißt Leipzig. Eilenburg soll vom Boom der Großstadt ein Stück abgekommen",

berichtet Birgit ZIMMERMANN, die die politische Agenda des Oberbürgermeisters mit den Ergebnissen einer Bertelsmann-Auftragsstudie Trend Reurbanisierung? des ILS konfrontiert:

"»Besonders hohe Zunahmen der Wanderungsverluste an das direkte Umland zeigen sich in den Regionen München, Berlin und Leipzig«, heißt es in der Studie.
Für den Osten wäre das die Umkehrung einer jahrelangen Entwicklung."

Doch Magdeburg und Halle zeigen, dass es keinen generellen Trend zu solcher Suburbanisierung gibt. Mit Imagekampagne versuchen Kleinstädte wie Eilenburg von den Problemlagen der Metropolen zu profitieren:

"Scheler wirbt mit allem, was Leipzig, das seit 2012 um rund 70.000 Einwohner gewachsen ist, derzeit Probleme macht: ausreichend Schulen von der Grundschule bis zum Gymnasium, genügend Kitaplätze und günstiges Bauland. Schön grün sei seine Stadt noch dazu. (...).
Und dank des S-Bahnanschlusses sei Eilenburg ziemlich gut an Leipzig angebunden."

Pessimismus verbreitet dagegen Dieter RINK vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung:

"Verdrängungseffekte aus der Stadt heraus - wegen Wohnungsknappheit und extrem hoher Mieten - gebe es jedenfalls selbst im stark wachsenden Leipzig nicht."

 
       
   

MAGENHEIM, Thomas (2018): Allianz bekennt sich zu deutschen Kunden.
Lebensversicherungen bleiben im Haus,
in: Frankfurter Rundschau v. 04.08.

Thomas MAGENHEIM berichtet über die Allianz, die bei der Abwälzung von Risiken auf ihre Kunden in Deutschland eine Vorreiterrolle innehat und alles andere als günstig ist. Während für Deutschland der Verkauf von Altbeständen derzeit ausgeschlossen wird, hält sich die Allianz in anderen Ländern nicht daran:

"Bereits vor zwei Jahren hatte die Allianz in Südkorea einen solchen Bestand abgestoßen. Nun wurde auch in Taiwan ein Lebensversicherungsportfolio verkauf und das unter einigen Schmerzen."

Was ist das Wort eines Managers der Allianz also Wert?

 
       
   

CREUTZBURG, Dietrich (2018): Sozialausgaben in Deutschland steigen auf eine Billion Euro.
Sozialstaat wächst im Aufschwung stärker als die Wirtschaft,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.08.

Die Meldung, dass die Staatsverschuldung unter eine Billion gesunken ist, war der FAZ zu positiv, weshalb sie - anders als im Handelsblatt - weggelassen wird. Die Magie der Zahlen ist das eigentliche Thema des Artikels, denn:

"Betrachtet man anstelle der Auszahlungen die Finanzierung, dann ist die Billionengrenze sogar schon überschritten."

Neoliberale lieben große Zahlen und erst Recht, wenn sie als Zäsur interpretiert werden können. Große Zahlen schüchtern ein, weil sie im Alltag der meisten Bürger nicht vorkommen und deshalb kein Gefühl dafür existiert. Vom Supermarkt kennt man allenfalls das Gegenteil: Da werden Waren mit 9,99 Euro ausgezeichnet, weil das wesentlich günstiger aussehen soll als 10 Euro. Magische Zahlen sind Schwellwerte, die einprägsam sind, auch wenn deren Überschreiten oder Unterschreiten in Wirklichkeit völlig belanglos wäre. In der neoliberalen Zahlenmagie gibt es jede Menge Zahlen, die zu heiligen Kühen stilisiert werden. Rote Linien, die nicht überschritten werden sollen (40 Prozent Sozialabgaben ist so eine heilige Kuh). Seltener geht es um Unterschreitungen, das ist eher die Sache der defensiv argumentierenden Sozialverbände. Wer Untergrenzen etablieren muss, der steht argumentativ ganz anders da als diejenigen, die Obergrenzen einziehen dürfen. Die Machtverteilung ist asymmetrisch.

GÖBEL, Heike (2018): Billionschwelle.
Kommentar,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.08.

 
       
   

LÖHR, Julia (2018): Ausgekohlt.
Die Politik will raus aus der Kohle. Besonders hart trifft das die Lausitz. Neue Arbeitsplätze in der Industrie sind rar, auch der Tourismus läuft nur langsam an. Über eine Region, die sich alleingelassen fühlt,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.08.

 
       
   

BAUR, Dominik (2018): Die Kämpferin und ihr Co.
In Bayern liegen die Grünen bei bis zu 16 Prozent. Sie sind zweitstärkste Kraft. Doch Schwarz-Grün ist unter dem nach rechts gedrifteten Markus Söder keine Option, finden Katharina Schulze und Ludwig Hartmann. Das grüne Spitzenduo arbeitet nun auf das scheinbar Unmögliche hin: eine Regierung ohne Söder,
in: TAZ v. 04.08.

 
       
   

Die Ära Macron in Frankreich

LEICK, Romain (2018): "Europa ist futsch"
Gespräch: Die Wiederkehr des Verdrängten ist schon da: Der französische Soziologe Emmanuel Todd sieht einen Rückzug der europäischen Gesellschaften auf sich selbst voraus und kritisiert die deutsch-französische Selbstüberschätzung,
in: Spiegel Nr.32 v. 04.08.

Der französische Demograf Emmanuel TODD will die Weltkonflikte auf zwei Familientypen zurückführen:

"Wichtig ist, dass die deutschsprachige Welt historisch eher das Hoheitsgebiet der Stammfamilie ist als das der Kernfamilie wie in den USA, in England und in Teilen Frankreichs. (...). Dieser Familientyp (...) ist im Wesentlichen liberal, individualistisch, feministisch und egalitär. In der Stammfamilie wird der Stammhalter bevorzugt, gewöhnlich der älteste Sohn, dem als Erbe der Großteil der familiären Güter zufällt. Diesem Typ lassen sich Japan, Korea, Deutschland, Katalonien, aber auch der Südwesten Frankreichs zuordnen. (...).
Diejenigen Nationen, in denen einst die Stammfamilie dominierte, zeichnen sich durch eine beständige wirtschaftliche und technologische Dynamik aus, während dort andererseits eine tief greifende Demografische Krise herrscht, die zu einer Überalterung der Gesellschaft und einem Mangel an Fach- und Arbeitskräften führt."

Diese simple Gegenüberstellung blendet die historische Entwicklung aus, denn Frankreich war das erste Land, das in die demografische Krise geriet, woraus sich dann ein typisch französischer Natalismus entwickelte. Wie sich die Geburtenentwicklung zukünftig weiter entwickelt, das ist keine Frage der Überlegenheit eines historischen Familientypus, sondern eine Frage der sozioökonomischen Entwicklungen. Außerdem stellt sich die Frage, ob die Familientypen, die TODD beschreibt, nicht eher klassentypisch sind. Wo kein Erbe, da verliert die Stammfamilie ihre Funktion und im urbanen, kosmopolitischen Akademikermilieu ist heutzutage auch in Deutschland die Kernfamilie dominant.

Für TODD ist Frankreich kein Vorbild für eine liberale Demokratie, sondern Emmanuel MACRON wird von ihm als Autokrat beschrieben, der Frankreich in eine autoritäre Phase führt, für die der Sonnenkönig und Napoleon Pate stehen. 

 
       
   

03.08.2018

 
       
   

MEINHOF, Renate (2018): Schwere Geburt.
In Deutschland kommen wieder mehr Kinder zur Welt. Das ist eine gute Nachricht. Die schlechte: Es fehlt dramatisch an Hebammen. Über die Folgen eines kranken Gesundheitssystems,
in: Süddeutsche Zeitung v. 03.08.

 
       
   

GREIVE, Martin & Gregor WASCHINKSI (2018): GroKo-Reformen treiben die Sozialausgaben.
Die Staatsverschuldung sinkt unter zwei Billionen. Doch Wahlversprechen belasten den Steuerzahler,
in: Handelsblatt v. 03.08.

GREIVE, Martin (2018): Schluss mit Hamstern!
Die Überschüsse gehören den Steuer- und Beitragszahlern und nicht den Regierungen,
in: Handelsblatt v. 03.08.

Martin GREIVE macht sich zum Sprachrohr der vermögenden oberen Mittelschicht und Oberschicht in Deutschland. Deren Partikularinteressen werden zum Allgemeinwohl stilisiert.

KAUFMANN, Stephan (2018): Eine märchenhafte Rechnung.
Analyse: Deutschland ist hochverschuldet, wird gerne behauptet. Doch guckt man genau hin, entpuppt sich das als Milchmädchenrechnung,
in: Frankfurter Rundschau v. 03.08.

Stephan KAUFMANN kritisiert die Sicht auf die Staatsverschuldung wie sie u.a. heute auch im Handelsblatt daherkommt. Statt die Verschuldung einfach dem Bruttoinlandsprodukt gegenüberzustellen, verweist KAUFMANN darauf, dass auch das Staats- und Privatvermögen in die Betrachtung miteinbezogen werden muss. Dadurch relativiert sich die angeblich zu hohe Staatsverschuldung.

 
       
   

SCHWAB, Tobias (2018): Schöne Pensionen auf Kosten der Kleinbauern.
Die Ärzteversorgung Westfalen-Lippe hat Millionen in einen Agrarfonds investiert. Für ein pensioniertes Medizinerpaar ist das ein Skandal,
in: Frankfurter Rundschau v. 03.08.

 
       
   

02.08.2018

 
       
   

DESTATIS (2018): Mehr als die Hälfte der nicht-erwerbstätigen alleinerziehenden Mütter wünscht sich Arbeit,
in:
Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts v. 02.08.

 
       
   

Das Single-Dasein in den USA

WERNER, Kathrin (2018): "Wir sind weggehumpelt".
SZ-Serie Spuren der Finanzkrise (2): Als 2008 die Immobilienpreise einbrachen, verloren viele Amerikaner ihr Zuhause. Wie geht es ihnen?
in: Süddeutsche Zeitung v. 02.08.

Kathrin WERNER erzählt uns die Geschichte des Finanzberaters Carl RICHARDS in Boulevarblatt-Manier, der nach der Finanzkrise das Scheitern als Geschäftsidee entdeckte und zum Buchautor umsattelte ("The Behavior Gap"). Das Tenor des Artikels könnte man folgendermaßen umschreiben: Die Finanzkrise war ein Glück und bescherte ihren Protagonisten neue Chancen! The Behavior Gap ist eine küchenpsychologische Abhandlung, in der strukturelle Probleme des Finanzkapitalismus zu Verhaltensproblemen umgedeutet werden. Ob solche Bücher hilfreich sind eine neue Finanzkrise zu verhindern, darf bezweifelt werden. Die simple küchenpsychologische Botschaft: Wir tun manchmal nicht das, was wir tun sollten, sondern tun das, was alle andere tun, denn der Mensch ist ein Herdentier.

"Mehr als 9,3 Millionen amerikanische Hauseigentümer durchliefen zwischen 2006 und 2014 eine Zwangsversteigerung, gaben ihr Haus an Kreditgeber ab oder verkauften es über einen Notverkauf. Vollständige Daten zu den emotionalen Folgen der Finanzkrise fehlen. Eine Studie aus dem Jahr 2014 kam aber zu dem Ergebnis, dass es einen Zusammenhang zwischen der steigenden Zahl der Selbstmorde und der Immobilienkrise gibt",

erzählt uns WERNER, um die Geschichte von RICHARDS zu einem ganz gewöhnlichen Beispiel der Immobilienkrise darzustellen. RICHARDS ist jedoch kein ganz gewöhnliches Beispiel, sondern es ist die privilegierte Geschichte eines Protagonisten des Finanzkapitalismus, der sich sein Handeln und das seines Milieus so zurecht biegt, dass daraus eine Selbsttherapie wird. Erfolgreiche Menschen schreiben sich ihre Erfolge selber zu, während sie Misserfolge den Umständen ("Herdentrieb") zuschreiben. In der Krise wird der Neoliberale also zum Opfer der Verhältnisse, um danach gestärkt wieder zum Schmid seines Glückes zu werden. Ganz sicher sind unter den erwähnten 9,3 Millionen Geschädigten die wenigsten so privilegiert wie RICHARDS. Deren Probleme spielen jedoch keine Rolle.

 
       
   

01.08.2018

 
       
   

DESTATIS (2018): Bevölkerung mit Migrationshintergrund 2017 um 4,4 % gegenüber Vorjahr gestiegen,
in:
Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts v. 01.08.

 
       
   

SIEMS, Dorothea (2018): Arbeitsminister Heil verteilt Rente ohne Beitragszahlung.
Die geplante Subvention für Midijobber dürfte wenig im Kampf gegen Altersarmut bringen. Zumal auch gut situierte Teilzeitler profitieren,
in: Welt v. 01.08.

Dorothea SIEMS bläst einen "ordnungspolitischen Kommentar" zur Analyse auf.

 
       
   

Die Studie Kreise gewachsen – Bilanz durchwachsen: Zehn Jahre Kreisgebietsreformen in Sachsen und Sachsen-Anhalt in den Medien

LACHMANN, Harald (2018): Eine Fusionsrendite von null.
Eine aktuelle Studie beschäftigt sich mit den Kreisgebietsreformen in Sachsen-Anhalt 2007 und Sachsen 2008,
in: Neues Deutschland v. 01.08.

In Thüringen und Brandenburg haben die "linken" Regierungsparteien ihre Pläne für Zwangsfusionen vorerst aufgegeben. Bei den anstehenden Landtagswahlen sehen sie aufgrund der für Neoliberale typischen Demografisierung gesellschaftlicher Probleme schweren Zeiten entgehen. Und selbst Studien wie jene von Sebastian BLESSE & Felix RÖSEL können keine positive Effekte solcher bürgerfeindlichen Top-Down-Projekte erkennen. Der demografische Wandel galt bis vor kurzem als Rechtfertigung, um Großkreise gegen jegliche Vernunft durchzusetzen. Es muss als Ironie der Geschichte erscheinen, dass ausgerechnet der Aufstieg der AfD zum unwilligen Umdenken führt.

Fazit: Die Neoliberalisierung der Linken in Deutschland ist mitverantwortlich, dass der Rechtsruck nun auch in Deutschland Einzug hält. Kreisgebietsreformen haben insbesondere in Ostdeutschland zu Demokratieverdrossenheit und abgehängten Regionen geführt. Kosteneinsparungen - ein Hauptmotiv der Rechtfertigung von Großkreisen - sind dagegen ausgeblieben.  

 
       
   

FROMME, Herbert (2018): Digital und trotzdem teuer.
Die Allianz zielt in der Lebensversicherung auf junge Kunden,
in: Süddeutsche Zeitung v. 01.08.

 
       
   

LANGENBERG, Britta (2018): Auflösungserscheinungen.
Die Axa kündigt Tausenden Kunden ihre Unfall-Kombirente auf. Das ist bitter für die Betroffenen - und offenbart die Probleme einer ganzen Produktgruppe,
in: Capital, August

 
       
   

WISSMANN, Constantin (2018): Auf revolutionären Gleisen.
Bayerns grüne Spitzenkandidatin Katharina Schulze kokettiert mit einem Bündnis mit der CSU - auch wenn sie sagt, mit den Schwarzen sei derzeit kein Staat zu machen,
in: Capital,
Cicero

 
       
 

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Bernd Kittlaus
Bernds@single-dasein.de Stand: 16. August 2018