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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
       
   
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News 07.-14. Oktober 2017
News 01.-06. Oktober 2017

News 1-9/2017
News 2000-2016

 
 
   
Medienberichte über single-dasein.de
 
 
 
   

News vom 01. - 08. Februar 2018: [01.02.] [02.02.] [03.02.] [05.02.] [06.02.] [07.02.] [08.02.]

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Der Rückgang der Umverteilungseffekte von Renten und Sozialleistungen hat zwischen 2006 und 2016 zu einem Anstieg der Armutsgefährdungsquote unter "Alleinstehenden" beigetragen 

"Die Armutsgefährdungsquote Alleinstehender stieg seit 2006 um 11,4 Prozentpunkte von 21,5 Prozent auf 32,9 Prozent. Über diesen Anstieg wurde am 12.-14. Februar 2018 in diversen Medien (Online und Print) berichtet. Die Differenz zwischen den Armutsgefährdungsquoten vor und nach Sozialleistungen einschließlich Renten (...) - die positive Verteilungswirkung der Sozialleistungen und Renten - sank von 42,0 Prozentpunkte in 2006 auf 30,7 Prozentpunkte in 2016. Diese EUROSTAT-Ergebnisse sollten nicht unbeachtet bleiben."
(aus: Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe (BIAJ) "Armutsgefährdungsquote Alleinstehender 2006 bis 2016 - vor und nach Sozialleistungen (EUROSTAT)" v. 15.02.2018)

 
       
       
   

08.02.2018

 
       
   

REIBSTEIN, Lena & Uta BREHM (2018): Müttererwerbstätigkeit in Industrieländern – Divergenz oder Konvergenz?
in:
Bevölkerungsforschung aktuell, Heft 1 v. 08.02.

 
       
   

SCHRÖDER, Kristina (2018): Kinder für die Kinderlosen.
Essay: Viele Paare in Deutschland sind ungewollt ohne Nachwuchs. Der Staat könnte ihnen mit geringen Mitteln den Kinderwunsch erfüllen - gegen die Bedenken von Feministinnen oder Konservativen,
in:
Welt v. 08.02.

Mit der Einführung des Elterngeldes im Jahr 2007 ging eine schleichende Diskursverschiebung der Debatte um die Kinderlosen vonstatten. Stand davor die gewollte Kinderlosigkeit der egoistischen Karrierefrau am Pranger - insbesondere in der Springer-Presse, so gilt nun in zunehmendem Maße die Karrierefrau als ungewollt kinderlos. Dies hatte wenig mit den Fakten (Der Anteil der Kinderlosen war nie so hoch wie das die Debatte vermuten ließ) und viel mit der politischen Stoßrichtung der Debatte zu tun, die von Vereinbarkeitsverfechtern und Nationalkonservativen dominiert war.

Die umstrittene Ex-Familienministerin Kristina SCHRÖDER hält nun ein Plädoyer für die Unterstützung der Reproduktionsmedizin. Sie kritisiert, dass in den Mainstreammedien nicht die normalen (d.h. verheiratete und heterosexuelle) Kinderwunschpaare Mitte 30 das Bild prägen, sondern Singlefrauen mit Kinderwunsch, gleichgeschlechtliche Paare und der Reproduktionstourismus über 40jähriger Karrierefrauen ins Ausland. Die Bedenkenträger sieht sie einerseits unter den Feministinnen und andererseits unter rechten Fundamentalisten.
SCHRÖDER lobt den Koalitionsvertrag, denn dort steht:

"Wir wollen ungewollt kinderlose Paare besser unterstützen und dazu die Maßnahmen der Bundesinitiative »Hilfe und Unterstützung bei ungewollter Kinderlosigkeit« unter Beibehaltung der bestehenden Förderkriterien fortführen. Wir wollen die Zuschüsse für Paare aus der Bundesinitiative in ganz Deutschland unabhängig davon gewähren, ob das jeweilige Bundesland sich an dem Programm beteiligt."

 
       
   

EPD/KNA/DPA (2018): Kinder machen arm.
Bertelsmann Stiftung: Familien sind häufig finanziell schlechter gestellt als bisher angenommen,
in:
Frankfurter Rundschau v. 08.02.

 
       
   

STEFFEN, Johannes (2018): Die "Grundrente" im Koalitionsvertrag.
Ein Interpretationsversuch,
in:
sozialpolitik-portal.de v. 08.02.

 
       
   

BURGER, Reiner (2018): Wo die Bildungskatastrophe beginnt.
Den Grundschulen in Nordrhein-Westfahlen fehlen Lehrer und Rektoren. Jetzt soll sich das ändern. Auch für die Schüler gibt es etwas Neues: einen Grundwortschatz,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.02.

Reiner BURGER berichtet über einen eklatanten Lehrermangel:

"In Duisburg fehlen 80 Lehrer, manche Stellen seien schon seit mehr als einem Jahr nicht besetzt, berichtet Bildungsdezernent Thomas Krützburg. Und obendrein haben 10 der 75 Grundschulen der Stadt derzeit keinen Rektor oder keine Rektorin; 63 könnten und müssten wegen ihrer Größe einen Konrektor haben, doch auch 25 dieser Stellen sind derzeit vakant. Es ist ein Teufelskreis, denn auf freie Stellen an Schulen ohne Leitung bewerben sich auch keine Lehrer. (...).
Insgesamt 390 Rektorenstellen waren zu Beginn des Schuljahrs 2017/2018 an den 2700 Grundschulen in NRW vakant, hinzu kamen 566 verwaiste Vertreterposten."

Mit weiteren Verbesserungen bei der Besoldung soll der Mangel behoben werden. Aufgrund des Geburtenanstiegs in Deutschland wird sich dieses Problem jedoch weiter verschärfen, denn Deutschland hat den Geburtenanstieg verschlafen. Dies wird sich in den nächsten 10 Jahren rächen.

 
       
   

CREUTZBURG, Dietrich (2018): Koalitionäre regeln die Renten von Zeitungsboten neu,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.02.

 
       
   

07.02.2018

 
       
   

CDU/CSU/SPD (2018): Ein neuer Aufbruch für Europa. Eine neue Dynamik für Deutschland. Ein neuer Zusammenhalt für unser Land.
Koalitionsvertrag,
in:
sozialpolitik-portal.de v. 07.02.

 
       
   

BMF (2018): Statistische Auswertungen zur Riester-Förderung.
Auswertungsstichtag 15. Mai 2017 - Beitragsjahre 2013 bis 2016,
in:
Bundesfinanzministerium.de v. 07.02.

 
       
   

REITZER, Hannah (2018): Vom Glück, ein Mannheimer zu sein.
SZ-Serie Was ist Heimat? Die Soziologin Marina Löw untersucht, wie Städte Neuankömmlingen ein Zuhause werden,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 07.02.

 
       
   

06.02.2018

 
       
   

STALA BW (2018): Erneut mehr Hochzeiten im Südwesten.
Ledige Männer heiraten im Schnitt mit gut 33 Jahren, Frauen mit knapp 31 Jahren,
in:
Pressemitteilung des Statistischen Landesamt Baden-Württemberg v. 06.02.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

GRUNDLEHNER, Werner (2018): "Die Kassen müssen in Jahrzehnten rechnen".
Ein Pensionskassenberater erklärt, wieso Vorsorgeeinrichtungen die strukturierten Produkte meist links liegen lassen,
in: Neue Zürcher Zeitung
v. 06.02.

 
       
   

05.02.2018

 
       
   

ENGEL, Sarah Heidi (2018): Professionell kuscheln.
Viele Menschen sehnen sich nach körperlicher Nähe. Ein Verein vermittelt ihnen die sanfte Berührung,
in:
Welt v. 05.02.

 
       
   

GEIS, Wido & Anja Katrin ORTH (2018): Frühe Eltern entscheiden sich für größere Familien.
Determinanten des Übergangs zu erstem, zweitem und dritten Kind,
in:
IW-Report Nr.3 v. 05.02.

Wido GEIS, Mitautor des Gutachtens Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Mehrkindfamilien in Deutschland für den Lobbyverband kinderreicher Familien Deutschland e. V., legt nun eine neue Veröffentlichung zum Thema vor. Das Gutachten bezog sich auf Ergebnisse von Martin BUJARD & Harun SULAK, wenn es heißt:

"Dass in Deutschland seit dieser Zeit so wenige Kinder geboren werden, geht zu bedeutenden Teilen darauf zurück, dass sich heute deutlich weniger Elternpaare für dritte und weitere Kinder entscheiden. Haben noch 22,4 Prozent der zwischen 1941 und 1946 geborenen Frauen drei und mehr Kinder zur Welt gebracht, waren es bei den zwischen 1972 und 1976 geborenen nur 17,0 Prozent. Dieser Rückgang der Zahl kinderreicher Familien erklärt Berechnungen von Bujard / Sulak (2016) zufolge rund 68 Prozent des Geburtenrückgangs, wohingegen nur 26 Prozent auf den deutlichen Anstieg der Kinderlosigkeit entfallen. Dennoch wird im politischen und wissenschaftlichen Diskurs über familienpolitische Ansätze zur Stärkung der Geburtenzahlen der Fokus in der Regel auf die Familiengründung und selten auf den Übergang zu drittem und weiteren Kindern gelegt." (2017, S.4)

BUJARD & SULAK beziehen sich jedoch in ihrem Beitrag Mehr Kinderlose oder weniger Kinderreiche? - anders als die Gutachten-Autoren - bei den 68 Prozent Rückgang keineswegs auf die Frauenjahrgänge ab 1941, denn diese sind bereits Teil des Problems, sondern auf den Geburtenrückgang der Frauenjahrgänge 1933 bis 1968. GEIS u.a. verfälschen also in ihrem Gutachten das Problem.

GEIS & ORTH gehen - im Gegensatz zu vielen anderen Studien - auf die Paarbildung als Voraussetzung der Familiengründung ein. Ihre Untersuchung unterscheidet jedoch nicht zwischen zusammenwohnenden Paaren und Paaren ohne gemeinsamen Haushalt, was ein gravierender Nachteil ist. GEIS & ORTH sehen auch in reiner Propaganda ein Mittel zur Steigerung der Geburten:

"Nicht nur das Timing von Familiengründung und Erweiterung auch die Werte und Normen im Hinblick auf die optimale Familiengröße bieten Ansatzpunkte für politisches Handeln. So muss im öffentlichen Diskurs und bei der Gestaltung politischer Maßnahmen darauf geachtet werden, dass die Familie immer der »Normalfall« und die Kinderlosigkeit der Ausnahmefall bleibt. (...). Ein besonderes Augenmerk sollte dabei auf größere Familien mit drei und mehr Kindern gelegt werden, die in der öffentlichen Meinung häufig eine eher ungünstige Konnotation erhalten. Hier ist es wichtig, auch positive Beispiele aufzuzeigen. Zudem sollten in der Kommunikation von öffentliche Einrichtungen (z. B. in Informationsbroschüren) verstärkt Bilder von Familien mit drei und mehr Kindern und nicht nur von der klassischen Zweikinderfamilie verwendet werden." (2018, S.18f.)

Der Versuch über Propaganda das Familienleitbild zu verändern wird seit jeher insbesondere in der Springer-Presse praktiziert. Solche Versuche können jedoch leicht das Gegenteil bewirken, wenn das Publikum ganz andere Vorstellungen vom eigenen Leben hat.     

 
       
   

RIETZSCHEL, Antonie (2018): Wem die Stadt gehört.
In Cottbus hat sich ein Graben aufgetan. Die einen finden: zu viele Flüchtlinge. Andere finden: zu viele Nazis. Über einen Ort, der seine Identität sucht,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 05.02.

KLEMT, Henry-Martin (2018): Cottbus mit und ohne Hass.
1500 Einwohner demonstrierten Mitmenschlichkeit - rechte Asylfeinde mobilisierten 3000,
in:
Neues Deutschland v. 05.02.

 
       
   

ROTH, Steffen (2018): Trügerische Statistik.
Forum: Jeder minderjährige Flüchtling erhöht die Kinderarmut in Deutschland, obwohl es ihm im Regelfall besser geht,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 05.02.

 
       
   

BÖTTIGER, Helmut (2018): Ewiger Mangel und verkorkste Lage.
Von der Mutter zur Geliebten und wieder zurück, ein bewährter Held ist wieder da: Wilhelm Genazinos neuer Roman "Kein Geld, keine Uhr, keine Mütze",
in:
Süddeutsche Zeitung v. 05.02.

 
       
   

SCHWENN, Kerstin (2018): Übermütige Rentenversprechen.
Wenn die Babyboomer in Rente gehen, wird sich die Garantie nicht halten lassen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.02.

"Da ist zum einen die Mütterrente (...). Rund 3,4 Milliarden Euro kostet das jedes Jahr zusätzlich. (...) Würde man auch noch die Mütter mit weniger Kindern bedenken, verdoppelten sich die Kosten. Das könnte ganz schnell passieren, wenn diese Mütter erfolgreich vor Gerichten auf Gleichbehandlung klagen",

meint Kerstin SCHWENN. Die Ausgestaltung der Grundrente schreibt SCHWENN dem CDU-Sozialpolitiker Karl-Josef LAUMANN zu, der bislang eher wenig zu sagen hatte. Neben der Mütterrente gilt SCHWENN die Stabilisierung des Rentenniveaus als besonderer Dorn im Auge.

"Selbst bei weiter guter Wirtschaftsentwicklung dürfte sie 2025 rund 4 Milliarden Euro kosten",

erklärt uns SCHWENN. Das wird - wie bei NAHLES - zum Positivszenario erklärt. Die Garantie gilt nur bis 2025 was SCHWENN - genausowenig wie andere Neoliberale - nicht daran hindert so zu tun, als ob die Stabilisierung des Rentenniveaus auf Ewigkeiten festgeschrieben wäre. Denn ohne diese Suggestion könnten die Babyboomer nicht als Drohszenario eingesetzt werden und darauf verzichten Neoliberale nie. Alles könnte jedoch zur Makulatur werden, wenn nicht von angeblichen Positivszenarien ausgegangen wird, sondern von pessimistischen Annahmen, die auch dem Rentenversicherungsbericht 2017 und der Bevölkerungsvorausberechnung zugrunde liegen. Beide hinken dem tatsächlichen Geburtenanstieg in Deutschland hinterher. Dies mag sich 2025 noch nicht auswirken, aber die Jahre ab 2030 sind keineswegs durch die demografische Entwicklung festgelegt - ganz zu schweigen von Entwicklungen, die noch gar nicht in den Blick kommen, weil die Zukunft offen ist. 

 
       
   

FISCHER, Eva (2018): Auf niedrigem Niveau.
Grafik des Tages: Die gesetzliche Rente in Deutschland reicht künftig vielen kaum zum Leben,
in:
Handelsblatt v. 05.02.

 
       
   

Das Single-Dasein in den USA

HÄRING, Norbert (2018): Das Leben am Limit.
Ökonomische Vergleiche: In den USA gibt es millionenfache absolute Armut wie in Entwicklungsländern, schreibt Nobelpreisträger Angus Deaton - und erntet heftigen Widerspruch,
in:
Handelsblatt v. 05.02.

 
       
   

03.02.2018

 
       
   

HESSE, Martin/JUNG, Alexander/SALDEN, Simone/SEITH, Anne (2018): Der Wohnungswahn.
Geldanlage: Das Eigenheim gilt als wichtiger Teil der Altersvorsorge. Doch Wohnungen und Häuser werden in Metropolen zunehmend unerschwinglich - und das Angebot ist so rar, dass windige Verkäufer leichtes Spiel haben. Lohnt sich der Immobilienerwerb noch?
in:
Spiegel Nr.6 v. 03.02.

 
       
   

BALZER, Imre/KNUTH, Hannah/LÜDKE, Steffen/NEZIK, Ann-Kathrin (2018): #diese altenleute.
Generationen: Junge Politiker leiden unter der Macht der Alten. Die dringend notwendige Verjüngung der Parteien kommt nicht voran,
in:
Spiegel Nr.6 v. 03.02.

 
       
   

BARTSCH, Matthias & Dietmar HIPP (2018): "Ach, der Dachdecker".
Spiegel-Gespräch: Die frühere Verfassungsrichterin Renate Jaeger sagt: Das Rentensystem ist rechtsstaatswidrig, weil es nicht mehr zu verstehen ist. Und: Wir müssen alle noch länger arbeiten,
in:
Spiegel Nr.6 v. 03.02.

 
       
   

LEITHÄUSER, Johannes & Matthias WYSSUWA (2018): Frust und Frieden.
Alles hängt manchmal mit allem zusammen: eine Werft in der ostdeutschen Provinz mit den Koalitionsverhandlungen, der Streit über Rüstungsexporte mit den Sorgen in Vorpommern. Eine Geschichte über große Politik und die ganz kleine,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.02.

LEITHÄUSER & WYSSUWA haben mit ihrem Artikel zu einer Änderung des Passus im Sondierungspapier (Stand: 12.01.2018) beigetragen. Dort hieß es:

"Die Bundesregierung wird ab sofort keine Ausfuhren an Länder genehmigen, solange diese am Jemen-Krieg beteiligt sind." (S.26).

Im Koalitionsvertrag (Stand: 07.02.2018) heißt es dagegen:

"Wir werden ab sofort keine Ausfuhren an Länder genehmigen, solange diese unmittelbar am Jemen-Krieg beteiligt sind. Firmen erhalten Vertrauensschutz, sofern sie nachweisen, dass bereits genehmigte Lieferungen ausschließlich im Empfängerland verbleiben."
(Zeilen 7075-7078)

In ihrem Artikel geht es um die Peene-Werft in Wolgast, dem Bundestagswahlkreis des CDU-Politikers Philipp AMTHOR. LEITHÄUSER & WYSSUWA stellen SPD- und Linkspartei-Politiker an den Pranger, sogar dass der Passus bereits von den Grünen in den Jamaika-Verhandlungen durchgesetzt wurde, wird hervorgehoben. CDU und AfD-Fraktion waren sich im Landtag bei einer aktuellen Stunde einig, dass der Export unproblematisch sei.

Der Tenor lautet, dass der Stopp des Exports die Werft bedroht. Dazu wird die Geschichte der Werft seit der Wiedervereinigung als Niedergang beschrieben. Die Autoren legen nahe, dass notfalls der Koalitionsvertrag mittels Bundessicherheitsrat umgangen werden könne.

Am Schluss wird ein "pragmatischer" Kommunalpolitiker der Linkspartei zitiert, der die Moral dieser Geschichte zusammenfasst:

"die Leute hier müssten arbeiten und ihre Familie ernähren. (...). »Ich habe Verantwortung für die Menschen hier.« Da müsse man die Ideologie einmal weglassen, sagt er. Und wenn man doch anders entscheide, dann müsse man sich den Wählern hier stellen."

Fazit: Um der AfD das Wasser abzugraben, gibt man seine Grundsätze auf. Das Beispiel aber zeigt auch, dass CDU und AfD bereits jetzt mehr verbindet als die ehemals linken Parteien. Es könnte also gut sein, dass Mitte-Rechts-Regierungen in Deutschland schneller kommen als so mancher meint. FAZ und Springer-Medien arbeiten jedenfalls bereits mehr oder weniger subtil an der Annäherung beider Parteien.

 
       
   

DECKERS, Daniel (2018): Gottes Verwaltungschef auf Erden.
Acht von Hamburgs 21 katholischen Schulen müssen schließen, weil Pensionslasten über Jahrzehnte ignoriert wurden. Auch der Bischof spielte keine rühmliche Rolle,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.02.

Die katholische Kirche in Deutschland schwimmt im Geld und Daniel DECKERS will uns weismachen, dass die Kirche in Hamburg ihre Schulen schließen muss, weil das Erzbistum Hamburg (genauso wie andere deutsche Bistümer, z.B. Limburg oder Eichstätt) Misswirtschaft betrieben hat.

Es wird Zeit die Kirchen als schlichte Unternehmen zu betrachten und sie auch so zu behandeln, statt sie weiter zu hätscheln. Die Hamburger Kirche will ihre Lasten sozialisieren, während die Profite weiterhin privatisiert werden. Das ist die typische Praxis neoliberaler Unternehmen!

 
       
   

BARON, Christian (2018): Die Möglichkeit einer Liebe.
Warum Michel Houellebecq von allen lebenden europäischen Schriftstellern der bedeutendste ist,
in:
Neues Deutschland v. 03.02.

 
       
   
02.02.2018
 
       
   

SCHWENN, Kerstin (2018): Das Rentenkonzept kostet Beitragszahler Milliarden.
Union und SPD einigen sich: Senioren sollen profitieren - die Jungen müssen zahlen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 02.02.

Kerstin SCHWENN berichtet über die Mitteilungen der Unterhändler der Arbeitsgruppe Arbeit & Soziales, zu der Andrea NAHLES (SPD), Karl-Josef LAUMANN (CDU) und Barbara STAMM (CSU) gehören.

Die Kosten von jährlich 3,4 Milliarden Euro für die Mütterrente basieren gemäß SCHWENN auf der Aussage von CSU-Politikerin STAMM. 

HEIDE, Dana & Peter THELEN (2018): Mütterrente kostet 3,4 Milliarden Euro.
CDU, CSU & SPD haben weitere Ergebnisse erzielt. Vor allem die Einigungen bei der Rente werden teuer,
in:
Handelsblatt v. 02.02.

SCHULZE, Tobias (2018): Renten sind sicher (bis 2025).
Auch das gibt es bei den Koalitionsverhandlungen: Die Gespräche zur Rentenpolitik enden harmonisch,
in:
TAZ v. 02.02.

 
       
   

VATES, Daniela (2018): Ost-Rentnern soll es besser gehen.
Verhandler einigen sich auf Fonds zum Ausgleich von Nachteilen. Vor allem Frauen betroffen,
in:
Frankfurter Rundschau v. 02.02.

NEIßE, Wilfried (2018): Im Osten geschieden tut heute weh.
Brandenburg: Landesparlament beschoss Appell zur Einführung eines Entschädigungsfonds,
in:
Neues Deutschland v. 02.02.

 
       
   

LAUER, Céline (2018): Dieses verdammte Dorf.
Alwine in Brandenburg wurde im Dezember versteigert. Für 140.000 Euro. Der neue Besitzer macht nun einen Rückzieher. Der Grund klingt beunruhigend - und lässt die Bewohner bang zurück,
in:
Welt v. 02.02.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

ENZ, Werner (2018): Die Versicherer bestehen den Finma-Test.
Die Prämieneinnahmen sind weiter rückläufig,
in: Neue Zürcher Zeitung
v. 02.02.

 
       
   

01.02.2018

 
       
   

HAYER, Björn (2018): Halt mich warm.
Liebe: Tindern, berechnen und Risiken abmildern, so datet die Spätmoderne,
in:
Freitag Nr.5 v. 01.02.

 
       
   

NACHTWEY, Oliver (2018): Für die vielen, nicht die wenigen.
Woher kommt die Krise der Linken? Sie hat das Mantra der Alternativlosigkeit verinnerlicht,
in:
Die ZEIT Nr.6 v. 01.02.

 
       
   

MÄRZ, Ursula (2018): In der Gefriertruhe.
Am Prenzlauer Berg in Berlin verschwinden zwei alte einsame Menschen und werden jahrelang nicht vermisst. Nur die Rente wird weiter ausbezahlt - an den mutmaßlichen Mörder,
in:
Die ZEIT Nr.6 v. 01.02.

 
       
   

KROHN, Philipp (2018): Versicherungskunden mögen neue Garantieprodukte.
Die Deutschen lassen sich von ihren Garantien nicht abbringen - auch nicht durch die hochkomplexen neuen Varianten der Lebensversicherer,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.02.

HERZ, Carsten (2018): Die Leiden der Assekuranz.
Die Versicherer kämpfen mit sinkenden Zinsen und wachsenden Problemen. Dennoch setzen sie 2018 auf mehr Geschäft und mahnen in Berlin die rasche Regierungsbildung an,
in:
Handelsblatt v. 01.02.

SIEVERS, Markus (2018): "Kein Grund für Crash-Szenarien".
Lage der Lebensversicherer ist stabil. Die gesamte Branche verzeichnet Umsatzplus,
in:
Frankfurter Rundschau v. 01.02.

 
       
   
PSYCHOLOGIE HEUTE-Titelgeschichte: Die Stärke der Stillen.
Introvertierte Menschen entdecken ihre Talente und entwickeln neues Selbstbewusstsein

OTTO, Anne (2018): Die Stärke der Stillen.
Sie brauchen keine Partys, ein gutes Buch ist ihnen lieber. Sie reden wenig und verbringen gerne Zeit allein. Introvertierte standen lange im Schatten der geselligen Extravertierten und zweifelten oft, ob mit ihnen etwas nicht stimmt. Zunehmend entdecken die Stillen ihre Stärken und entwickeln ein neues Selbstbewusstsein,
in:
Psychologie Heute, Februar

Der Medienhype um die Introvertierten begann in Deutschland erst mit der Übersetzung des US-Bestsellers Still von Susan CAIN im Januar 2011 mit der ersten Psychologie Heute-Titelgeschichte und einem Sommerloch-Titel des Spiegel im August 2012.

Introvertierte sind die Mauerblümchen unserer neoliberalen Gesellschaft und die paar Untersuchungen und Bücher, die in der neuen Titelgeschichte vorgestellt werden, sind nicht wirklich dazu geeignet, um in Introvertierten die kommenden neuen Menschen zu sehen. Eher gilt Introvertiertheit als Fall für die Behindertenbeauftragten (wobei der Coach der Therapeut der Wahl ist), bestenfalls als Fall für die Diversity-Beauftragten von Unternehmen. Dass die gescheiterte US-Präsidentenkandidatin Hillary CLINTON sich zur Introversion bekennt ist nicht unbedingt ermunternd. Weil die Situation also alles andere als rosig ist, endet der Artikel wenigstens mit einer aufmunternden Vision: Die Zeit der Introvertierten beginnt erst. Das mag für die heute gerade Geborene ein Trost sein, denn die sollen alle Methusalems werden.    

 
       
   

EBERHARDT, Wolfram (2018): Einsam sein.
Es kann uns alle treffen: Jeder Dritte fühlt sich zeitweise einsam, und bei vielen wird dieser Zustand chronisch. Denn je mehr uns das Gefühl der Verbundenheit abhandenkommt, desto misstrauischer, eigenbrötlerischer - und einsamer werden wir. Wie entkommen wir dieser Falle?
in:
Psychologie Heute, Februar

Der Artikel von Wolfram EBERHARDT stellt zwei Aspekte in den Vordergrund: zum einen das neue Ethos der Einsamen, das die Psychologin Maike LUHMANN repräsentiert, und zum anderen die

"Armut als viel verlässlicheres Vorzeichen für Einsamkeit als das Alter",

das Oliver HUXHOLD vom Deutschen Zentrum für Altersfragen hervorhebt. Bei der Betonung des Ethos der Einsamen ist es in den letzten Jahren zu einer Verschiebung gekommen, was an der Entdeckung der neoliberalen Misstrauensgesellschaft liegen mag, denn nun wird das Misstrauen der Einsamen als Hauptproblem für deren soziale Isolation gesehen. Vor fast 15 Jahren wurde dieser Aspekt auf dieser Website als Problem ängstlicher Singles beschrieben. Statt von Misstrauen, wurde damals von der Ausrichtung auf negative Aspekte der sozialen Umwelt gesprochen. In der unserer Aktivgesellschaft heißt Integration der Einsamen schlicht, sie zur Selbstsorge aufzufordern:

"Anders als bei einer echten Gefängniszelle müsse in der Zelle der Einsamkeit die Tür fast immer von innen geöffnet werden, sagt Maike Luhmann - und empfiehlt kleine Schritte, um den unwirtlichen, kalten Ort zu verlassen. Aktiv werden, ohne allzu große Erwartungen zu haben, lautet die Devise." 

 
       
   

OTT, Helena (2018): Die Kuschlerin.
Elisa Meyers Arbeitsplatz ist ihr Bett. Fremde zahlen für ihre Umarmungen, nicht für Sex. Dennoch löst ihr Job Irritationen aus. Von der fließenden Grenze zwischen Gefühl, Therapie und Intimität,
in:
Neon, Februar

 
       
   

MEINHARDT, Birk (2018): Nicht ohne Zorn.
Einst war hier ein Dorf. Dann kamen die Sozialisten, später die Privatisierer, zuletzt kamen Flüchtlinge. Nun ist Prohlis ein armer, gespaltener Stadtteil von Dresden mit empörten Bewohnern,
in:
Cicero, Februar

Birk MEINHARDT berichtet aus der Plattenbausiedlung Dresden-Prohlis:

"Prohlis war einst ein Dorf am Rande Dresdens. Ab 1975 musste es den Plattenbauten weichen, die hier errichtet wurden",

heißt es lapidar. Drastischer beschreibt es ein Artikel von Lars KÜHL im Februar 2016:

"Prohlis, jenes bäuerliche Runddorf mit seinem hübschen Schloss im Zentrum am südöstlichen Stadtrand, von Sorben als Siedlung Prolos wahrscheinlich vor rund tausend Jahren gegründet. Verschlafen, gesäumt von duftenden Obstwiesen, Ackerflächen und Kleingärten. Vorm Spatenstich vor genau 40 Jahren für Dresdens damals größtes Wohngebiet – bekanntlich legte Gorbitz später noch ein paar Blöcke drauf – galt das Örtchen als der am vollständigsten erhaltene Dorfkern der Stadt (Dresdner Geschichtsbuch, Band 4).
Zehn Jahre später war Alt-Prohlis Geschichte. Was der Zweite Weltkrieg nicht geschafft hatte, holten Bagger und Abrissbirnen in ihrer erbarmungslosen Effektivität nach."

Eine tragende Rolle in der Geschichte spielen zwei einheimische Tafel-Kunden, deren Lebenssituation wohl exemplarisch für die Lebenssituation der einheimischen Bewohner der Plattenbausiedlung gelesen werden sollen: Zum einen ein arbeitslos gewordener ehemaliger Ingenieur, der nach der Wende aus seinem Hobby einen Hauptberuf als "Kulturmanager" machte. Die Finanzkrise degradierte ihn zum Handelsvertreter, für den seine Einstellung jedoch ungeeignet war:

"Er will nicht wahrhaben, dass er in die Armut driftet, er lässt sich, um nicht zum Amt gehen zu müssen, seine private Rentenvorsorge auszahlen, und erst als die verbraucht ist, begreift er das wahre Ausmaß seines Dilemmas".

Das zweite Beispiel ist eine 58jährige Frau, die mit ihrem Lohn als Leiharbeiterin unzufrieden war und deshalb arbeitslos ist. Die Zivilgesellschaft wird zum einen von einem Erstbezieher der Plattenbausiedlung und Chef der Bürgerinitiative Prohlis ("35 Mitstreiter") und zum anderen von eine engagierte einheimische Frau vom Verein Querformat. Beide kümmern sich um die sozial benachteiligten Einheimischen im sozialen Brennpunkt:

"Am Jahresende 2016 hatte Prohlis 15.000 Einwohner. Nach Prohlis-Nord und Prohlis-Süd unterteilt, bezogen 25,7 respektive 32,1 Prozent aller Erwerbsfähigen Sozialleistungen nach SGB II, in ganz Dresden waren es 9,3 Prozent. Von den Nichterwerbsfähigen einschließlich der Kinder erhielten in Prohlis sogar 38,7 beziehungsweise 43,5 Prozent staatliche Stütze, zum Vergleich wieder Dresden gesamt, 12,8 Prozent."

Ein sozialer Brennpunkt wurde Prohlis erst nach der Wende, denn vorher gab es gemäß MEINHARDT keine Segregation: Arzt und Verkäuferin wohnten friedlich nebeneinander, denn Plattenbausiedlungen waren modern. Die Entmischung, d.h. die zunehmende Segregation, beschreibt MEINHARDT in verschiedenen Stufen: Am Anfang stand für ihn der Verkauf des städtischen Wohnungseigentums an Immobilienfirmen. Heute beherrscht die Vonovia den Immobilienmarkt von Prohlis. Der Konzern verdient glänzend an der Armut der jetzigen Bewohner. Die Besserbetuchten wanderten ab in die sanierten Altbaugebiete. Mit der Flüchtlingswelle im Jahr 2015 ist für MEINHARDT die zweite Stufe der Entmischung erreicht: hier die vernachlässigten, einheimischen Transferempfänger, dort die von der Flüchtlingsindustrie umsorgten Zugewanderten. Die schlecht entlohnte bzw. geförderte Zivilgesellschaft wird der profitablen Hilfsindustrie, hier repräsentiert durch zwei Caritas-Funktionäre.

"Ende 2016 lebten 16,6 beziehungsweise 16,7 Prozent Ausländer sowie Deutsche mit Migrationshintergrund im Stadtteil, in ganz Dresden waren es 10,6 Prozent. 47,5 respektive 41,5 Prozent der Ausländern in Prohlis erhielten Leistungen nach SGB II, in Dresden gesamt: 20,1 Prozent."

Die präsentierten Statistiken beinhalten eine Schieflage, denn ungenannt bleibt der Anteil der Einheimischen Transferempfänger in Prohlis. Diese Lücke füllt MEINHARDT durch die Sichtweisen der Einheimischen und die Charakterisierung seines einheimischen Armutspersonals. Die Einheimischen erscheinen als schamvoll, während die Zugewanderten als unverschämt erscheinen. Dazu wird die Leiterin der Tafel sozusagen als Expertin zitiert:

"Die Ausländer wollen gern Südfrüchte. Sie verstehen nicht, dass wir pro Person nur fünf geben können. (...). Eine Russin hatte sich über ihren viel zu voll gepackten Kasten gelegt und mich übel beschimpft, die dachte, die kann sich hier alles rausnehmen. Wenn ich mir dagegen unsere deutschen Rentner angucke: Die erscheinen nur einmal in der Woche, obwohl sie es viel öfter nötig hätten, ich kenn ja jeden, die schämen sich."

An dieser plakativen Gegenüberstellung ändert wenig, wenn MEINHARDT ab und an einwirft, dass auch Vorurteile die Sicht auf die Zugewanderten prägen. Die AfD profitiert davon:

"Bei der Bundestagswahl im vergangenen Herbst hat die AfD in Prohlis 32,4 beziehungsweise 33,4 Prozent der Stimmen erhalten, in Dresden gesamt waren es 22,5 Prozent."

MEINHARDT sieht die etablierten Parteien als Problemverursacher, die jedoch aus dem Erfolg der AfD nicht gelernt haben:

"Die Politik, deretwegen aus Prohlis ein schrecklich armer, unterschwellig empörter Stadtteil wurde, haben andere zu verantworten, und diese anderen scheinen nicht im Mindesten zu begreifen, was sie anrichten und sich auch selber antun, wenn sie die AfD immer weiter zu stigmatisieren versuche: Vielen Bürgern ist das nicht einmal mehr ein sarkastisches Lächeln wert."

Am Schluss stellt er den AfD-Ortsbeirat und Referent eines Landtagsabgeordneten vor, der die Rolle des Kümmerers für seine Partei einnimmt. Mit ihm hofft die AfD auf den Auftrag zur Regierungsbildung in Sachsen 2019.

Die Linkspartei gehört im Osten zu den etablierten Parteien. Sie könnte dort weiter schrumpfen, denn sie bietet keine Antworten auf die Probleme der Demografisierung gesellschaftlicher Probleme, sondern ist Teil des Problems.        

 
       
   

BÖHME, Johannes (2018): "Der Sozialstaat hat eine eher traurige Geschichte".
Der einstige Maoist François Ewald wurde Schüler und Wegbegleiter des großen französischen Philosophen Michel Foucault. In Frankreich gilt er heute vielen als neoliberaler Verräter. Seinen Weg bereut er nicht,
in:
Cicero, Februar

Das Interview gibt Hinweise auf den Enstehungskontext des 1986 erschienenen Buchs L'Etat providence von François EWALD das 1993 als Der Vorsorgestaat erschien und damit quasi die Rechtfertigung für die Teilprivatisierung des deutschen Rentensystems lieferte. Bereits 1991 beschrieb EWALD in dem Buch Politik in der Risikogesellschaft das neoliberale Ethos der Versicherungsgesellschaft:

"Versicherung bezeichnet nicht nur eine Anzahl von Institutionen, durch die in unseren Gesellschaften bestimmte Sicherheitsbedürfnisse abgedeckt werden; sie bezeichnet vielmehr das Wessen des Gesellschaftsvertrages. Der Gesellschaftsvertrag in modernen Gesellschaften verwirklicht sich vermittelt der Strukturen und Mechanismen der Versicherung. Oder besser gesagt, die Gesellschaften treten in die Moderne ein, sobald der Gesellschaftsvertrag die Form eines Versicherungsvertrages annimmt. Die Versicherung konstituiert den realen Kern der modernen Gesellschaft." (1991, S.288)

EWALD verstand sich als PR-Agentur zur Beseitigung des schlechten Images der Versicherungswirtschaft. Die Altersvorsorge wurde damals mit keinem Wort erwähnt, wurde jedoch immer schon implizit mit einbezogen, wenn es heißt:

"In bezug auf die Finanzierungsprobleme der sozialen Sicherheit spricht man derzeit viel von der Krise des Wohlfahrtsstaats. Indem man so den Staat in den Vordergrund rückt, wird die Tatsache der »Versicherungs-Gesellschaft« verkannt. Die modernen Institutionen der sozialen Sicherheit repräsentieren den dritten Institutionalisierungspfad einer Politik, die Ende des letzten Jahrtausends begonnen hat. Zu ihr gibt es gegenwärtig keine Alternative. Ihr Prinzip besteht darin, ihren Inhalt zum Gegenstand permanenter Verhandlungen zu machen, indem der Gesellschaftsvertrag auf der gemeinsamen Abdeckung bestimmter Risiken gegründet wird."
(1991, S.99f.)

Man kann darin das Manifest der Finanzialisierung von Vorsorge sehen. Die Versicherungsindustrie war EWALDs Rettung wie er sagt, denn:

"Die Versicherungsindustrie hatte einen schlechten Ruf. Claude Bébéar, der Gründer und ehemalige Vorstandsvorsitzende von Axa, wollte die Branche intellektualisieren und attraktiver machen. Ich brachte eine wissenschaftliche Schriftenreihe zum Thema Risiko heraus."

Die 1980er Jahre waren der Beginn der soziologischen Individualisierungsdebatte, was nichts anderes als der Beginn des Neoliberalismus in Deutschland und Frankreich war.

"Wir wollten in den frühen 2000ern die Art und Weise, wie der Sozialstaat operiert, ändern. Der Wohlfahrtsstaat ist (...) aus ethischer Perspektive (...). ein Fehlschlag. (...). Wir haben uns von extremer Armut befreit. Von der Angst vor dem Morgen. Aber der Preis ist unsere Unterwerfung."

Mit Unterwerfung meint EWALD das Zahlen von Steuern, das in Deutschland von der Mehr-Netto-vom-Brutto-Fraktion bekannt ist. Mit dem Neoliberalismus fand jedoch eine Verschiebung der Macht vom Staat auf die Unternehmen statt. Damit ergeben sich nun ganz andere Herausforderungen für die Zukunft. EWALD setzt auf die Generation Macron. Man wird sehen, ob das klug ist.

 
       
   

BOTHFELD, Silke (2018): Mit dem Grundeinkommen gegen den Sozialstaat?
Erik Olin Wright und Ronald Blaschke forderten in den Oktober- bzw. den November-"Blättern" 2017 die Einführung eines beindungslosen Grundeinkommens. Ob das tatsächlich eine emanzipatorische und gerechte Idee ist, diskutiert die Politikwissenschaftlerin,
in:
Blätter für deutsche und internationale Politik, Februar

 
       
   

WICHTERICH, Christa (2018): Der prekäre Care-Kapitalismus.
Sorgeextraktivismus oder die neue globale Ausbeutung,
in:
Blätter für deutsche und internationale Politik, Februar

 
       
   
DAS ARGUMENT-Schwerpunkt: Widersprüchliche Ressource Familie

ANASTASIADOU, Marianthi (2017): Der diskrete Charme der Familie.
Zu (neuen) Paradoxien des Privaten im Griechenland der Krise,
in: Das Argument, Nr.324

GARRIDO, María Gómez (2017): Die Familie in Spanien während der Krise.
Letzter Zufluchtsort?
in: Das Argument, Nr.324

McROBBIE, Angela (2017): Die neoliberale Ökonomie der Familie.
Wiederherstellung als soziale Fürsorgeinstanz und Zerstörung feministischer Errungenschaften,
in: Das Argument, Nr.324

Übersetzung des Originalbeitrags The neoliberal economics of family life (3. April 2017) von Angela McROBBIE, in dem sie das Buch Family Values: Between Neoliberalism and the New Social Conservatism von Melinda COOPER hervorhebt:

"Cooper zeigt auf, wie breit der politische Konsens innerhalb des männlich geprägten politischen Sprektrums von links bis rechts geworden ist, was die Gefahren für die Gesellschaft angeht, die vom scheinbaren Verlust »familiärer Werte« ausgehen, beispielsweise durch Scheidung und Alleinerziehende. Dem Feminismus wird zudem angelastet, die Bedeutung und Qualität der Liebe abzuwerten.
Nun sind es leider nicht nur Wirtschaftswissenschaftler der Universität Chicago wie Becker, die diese Anschuldigung erheben. Cooper verweist auch auf den Einfluss von europäischen linken Sozialwissenschaftlern wie Zygmunt Bauman, Ulrich Beck und insbesondere den deutschen Wirtschaftssoziologen Wolfgang Streeck. Laut Cooper deutet Streeck an, dass der Feminismus der Mittelschicht mit der Forderung nach gleichem Gehalt und flexiblen Arbeitszeiten Männer der Arbeiterklasse quasi aus ihren Jobs gedrängt und ihre Frauen damit um den verlässlichen Ernährer gebracht und die Stabilität der familiären Einheit zerstört habe. Sogar Karl Polanyi - derzeit bei so vielen Sozialtheoretikern beliebt - flüchtete sich in die Rückbesinnung auf Gemeinschaft und staatlichen Schutz in Form eines Familiengehalts und der damit verbundenen Sicherheiten. Cooper reiht auch Nancy Fraser, Luc Boltanski und Eve Chiapello in ihre Liste der progressiven ein, die die Familie als Grundlage von Fürsorge wiederherstellen wollen."

HAUBNER, Tine (2017): Ein unbequemes Erbe.
Die Ausbeutung von Pflegearbeiten und der marxistische Ausbeutungsbegriff,
in: Das Argument, Nr.324

 
       
 

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Zu den News vom 19. - 31. Januar 2018
 

       
   
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Bernds@single-dasein.de Stand: 03. März 2018