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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
       
   
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Medienberichte über single-dasein.de
 
 
 
   

News vom 01. - 05. Juli 2018: [01.07.] [02.07.] [03.07.] [04.07.] [05.07.]

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Die Babyboomer in der Sicht des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung

"Die bevorstehende Pensionierungswelle der geburtenstarken »Babyboomer«- Jahrgänge von 1959 bis 1969 wird die demografische Alterung in Deutschland in den nächsten 20 Jahren deutlich beschleunigen. So wird nach der amtlichen Vorausberechnung die Zahl der Rentnerinnen und Rentner zwischen 2017 und 2035 um ca. 5,5 Millionen zunehmen."
(Bevölkerungsforschung aktuell, Nr.3/2018, S.1)

"Durch die bevorstehende Pensionierungswelle der geburtenstarken Jahrgänge von 1955 bis 1969 – der sogenannten »Babyboomer- Generation« – wird sich in Deutschland die demografische Alterung in den kommenden zwei Jahrzehnten deutlich beschleunigen. Die Zahl der Rentner wird laut amtlicher Vorausberechnung zwischen 2017 und 2035 um ca. 5,5 Mio. zunehmen, während die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter im gleichen Zeitraum um etwa 8 Mio. sinken wird. Das bedeutet, dass, sobald alle Babyboomer im Ruhestand sind, jedem Rentner weniger als zwei Personen im erwerbsfähigen Alter gegenüberstehen werden (Statistisches Bundesamt 2017).
(Elisabeth Kraus u.a. "Der Einfluss der Migration auf den demografischen Alterungsprozess: Deutschland im internationalen Vergleich", In.
Bevölkerungsforschung aktuell, Nr.3/2018, S.3)

"Durch die bevorstehende Pensionierungswelle der geburtenstarken Jahrgänge von 1955 bis 1969 (der sogenannten »Babyboom-Generation«) wird die demografische Alterung in den kommenden zwei Jahrzehnten deutlich beschleunigt. Die Zahl der Rentner wird laut amtlicher Vorausberechnung zwischen 2017 und 2035 um ca. 5,5 Mio. zunehmen, während die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter im gleichen Zeitraum um etwa 8 Mio. sinken wird. Das bedeutet, dass, sobald alle Babyboomer im Ruhestand sind, jedem Rentner weniger als zwei Personen im erwerbsfähigen Alter gegenüberstehen werden."
(Andreas Ette u.a. "Handlungsfeld Migration. Zuwanderung für die Gestaltung des demografischen Wandels nutzen", In. Policy Brief, Mai 2018, S.3)

 
       
       
   

05.07.2018

 
       
   

Der FNA-Bericht Grundsicherung wegen Alters: Projektion bis 2030 in den Medien

BRÜSS, Manfred (2018): Wenn es schiefläuft: 2030 über eine Million in Altersarmut,
in: versicherungsjournal.de v. 05.07.

Der Forschungsbericht geht davon aus, dass die Variante "Konstanz" die zutreffende Entwicklung bis 2030 darstellt, wobei unterstellt wird, dass die Ausweitung der Leistungen für Erwerbsminderungsrentner zur geringeren Inanspruchnahme der Grundsicherung mit Alter führen wird. Zur Bevölkerungsentwicklung wurde die aktualisierte Variante 2-A der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamts herangezogen:

Tabelle: Prognose zur Entwicklung der Altersarmut
Personengruppe Ende 2016 Ende 2030
Ist Projektionsvariante
Konstanz Anstieg

Anzahl (Hilfequote)

Männer 217.000 (2,92 %) 377.000 (4,4 %) 501.000 (5,9 %)
Frauen 309.000 (3,19 %) 457.000 (4,3 %) 551.000 (5,2 %)
Insgesamt 526.000 (3,07 %) 834.000 (4,3 %) 1.052.000 (5,5 %)
Quelle: Bruno Kaltenborn 2017, Tabelle 8, S.53
 
       
   

Der Gesundheitsreport 2018 der Techniker-Krankenkasse in den Medien

MIHM, Andreas (2018): Jeder zweite Berufstätige geht vorzeitig in Rente.
Das liegt nicht nur an körperlich anstrengenden Aufgaben,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.07.

Andreas MIHM präsentiert die neoliberale Lesart, nach der die Berufstätigen nicht etwa wegen Krankheit und Berufsunfähigkeit aus dem Erwerbsleben ausscheiden, sondern in erster Linie, um ihren Ruhestand bei bester Gesundheit zu genießen. Prävention ist deshalb für MIHM nicht das Mittel der Wahl, um den faktischen Renteneintritt zu erhöhen, sondern saftige Abschläge für einen vorzeitigen Renteneintritt.. 

BALCEROWIAK, Rainer (2018): Zu krank zum Durchhalten.
Studie: Nur die Hälfte der Beschäftigten erreicht das Renteneintrittsalter berufstätig,
in: Neues Deutschland v. 05.07.

Für Rainer BALCEROWIAK ist der schlechte Gesundheitszustand vieler Beschäftigter die Hauptursache für den vorzeitigen Ruhestand, weshalb er die Sicht der TK-Krankenkasse referiert, der für mehr Prävention und die Möglichkeit aus gesundheitlichen Gründen ohne Abschläge früher in Ruhestand gehen zu können plädiert.

Die TK-Krankenkasse ist zwar die größte Krankenkasse Deutschlands, repräsentiert jedoch lediglich rund 15 % der Beschäftigten in Deutschland. Die Ergebnisse sind also alles andere als repräsentativ.

Die Tabelle 1 des Gesundheitsreports (vgl. S.52) zeigt, dass die Geburtsjahrgänge 1948 - 1951 mehr Möglichkeiten zum Bezug einer vorzeitigen Rente besitzen als die Geburtsjahrgänge ab Geburtsjahrgang 1952. Für diese bestand die Möglichkeit zum Bezug einer Altersrente wegen Arbeitslosigkeit oder nach Altersteilzeitarbeit gemäß § 237 SGB VI oder zum Bezug einer Altersrente für Frauen gemäß § 237a SGB VI.

 
       
   

Sozialminister Hubertus Heil wird vom Kanzleramt an die Kette gelegt und darf seine Rentenreform nicht vor der Sommerpause vorlegen. Soll die geplante Rentenreform also noch im letzten Moment gestoppt werden?

THELEN, Peter (2018): Es wird unnötig teuer.
Kommentar: Es könnte alles rundlaufen bei der Rente bis 2025. Doch Heils Rentenreform wird genau das verhindern,
in: Handelsblatt v. 05.07.

Sozialminister Hubertus HEIL ist der Prügelknabe der Neoliberalen. Während die mickrige Regionalpartei CSU ein grandioses Sommertheater veranstaltet hat, wurde die SPD hinter den Kulissen ausgebremst:

"Noch vor der üblichen Ressortabstimmung läuft derzeit (...) eine Abstimmung mit dem Kanzleramt. Deswegen könnte sich eine Verabschiedung im Kabinett bis September verzögern. Dann drängt die Zeit, weil die Verbesserungen für Rentner und Geringverdiener Anfang 2019 in Kraft treten sollen",

erklärt uns Kerstin SCHWENN in der heutigen FAZ zu diesem Manöver. Peter THELEN hat deshalb Munition für eine Rentendebatte im Sommerloch gesammelt, die er uns heute präsentiert. Wenig verwunderlich geht es dabei um die geplante Mütterrente (Falschfinanzierung) und die Stabilisierung des Rentenniveaus, die mit dem Aufbau eines "Demografiefonds" in Zusammenhang gebracht wird. 

SCHWENN, Kerstin (2018): Heil will Geringverdienern Rente schenken.
Volle Rentenbeiträge soll nur zahlen, wer mindestens 1.300 Euro verdient, plant der Arbeitsminister. Wer steht dafür gerade?
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.07.

Kerstin SCHWENN bringt die Entlastung der Geringverdiener bei den Sozialabgaben in die Schusslinie. Sie will dies durch das Gegeneinanderausspielen von angeblichen Gewinnern und Verlierern dieses Vorhabens tun. Zum einen geht es um eine Neiddebatte, denn davon würden gemäß SCHWENN "gutsituierte Teilzeitbeschäftigte" profitieren. Im Kommentar werden dann jene, die "kaum mehr als 1.300 Euro" verdienen als Verlierer dargestellt.

Die Sache hat jedoch einen Haken, denn ob die Beitragszahler oder die Steuerzahler zur Kompensation der Ausfälle der Rentenversicherung herangezogen werden, ist noch gar nicht bekannt. Neoliberale wie SCHWENN sind gegen jegliche Aufweichung des Äquivalenzprinzips - zumindest wenn es gilt, die Interessen der Besserverdiener und Arbeitgeber zu schützen.

Mit 200 Millionen Euro jährlich wäre dies Entlastung von allen geplanten Leistungsausweitungen die Kostengünstigste, kommt aber rund 5 Millionen Beschäftigten zu Gute. Die Mütterrente käme dagegen nur rund 3 Millionen Frauen zu Gute, kostet aber mit 3,7 Milliarden Euro fast das Zwanzigfache.

Der DGB geht in seiner Pressemitteilung Geringverdienende sachgerecht entlasten, aber wie? vom 28.06. im Gegensatz zu SCHWENN von 600 Millionen Euro Kosten aus:

"(Die) Bundesregierung (...) hat im Koalitionsvertrag festgelegt, geringer(e) Einkommen zu entlasten indem sie die sogenannte Gleitzone (Midi-Jobs) ausweitet. Die Gleitzone soll nicht mehr wie bisher von 450,01 bis 850 Euro gelten, sondern von 450,01 bis 1300 Euro. Die so ver(r)ingerten Beiträge zur Rentenversicherung sollen, anders als heute, nicht mehr die Rentenansprüche der Beschäftigten mindern. Das ist in jedem Fall zu begrüßen. Der Vorschlag entzieht den Sozialversicherungen allerdings gut 600 Millionen Euro an Einnahmen und erhöht die Ausgaben der Rentenversicherung. Ein Ausgleich aus Steuermitteln ist im Koalitionsvertrag nicht vereinbart."   

SCHWENN, Kerstin (2018): Rente scheibchenweise.
Kommentar,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.07.

 
       
   

ROHWETTER, Marcus (2018): Was tun mit meiner Lebensversicherung?
Künftig gibt es bei Vertragswende womöglich weniger Geld. Die fünf wichtigsten Fragen und Antworten,
in: Die ZEIT Nr.28 v. 05.07.

Marcus ROHWETTER geht anlässlich des BGH-Urteils zur Kürzung der Überschussbeteiligung bei Kapitallebensversicherungen auf die Optionen der Kunden ein. Dabei unterscheidet er zwischen Kündigung, Beitragsfreistellung und Widerruf.

Problematisch sind jedoch Kapitallebensversicherungen, weil sie zugleich Risikolebensversicherung und Sparprodukt sind:

"Wie sich Spar- und Risikoanteil zueinander verhalten, ist ein gut gehütetes Geheimnis der Versicherungsgesellschaften.
Solche Geheimnisse gibt es viele. Denn obwohl Lebensversicherungen nicht selten über 30 Jahre laufen, sind die jährlichen Standmitteilungen nicht standardisiert. (...). Seit Anfang Juli ist ein neues Gesetz in Kraft, das zumindest einige der häufig gerügten Mängel behebt. Alle künftigen Standmitteilungen müssen Pflichtangaben enthalten",

meint ROHWEITTER. Kapitallebensversicherungen, die nach 2005 abgeschlossen wurden, besitzen meist gravierende Nachteile. Weder die Garantiezinsen noch die Besteuerung sprechen für sie. Besser fährt auf alle Fälle, wer Risikolebensversicherung und Altersvorsorge trennt.

 
       
   

KANNING, Tim (2018): Wo die Aktionäre wohnen.
In Ostdeutschland besitzt kaum jemand Wertpapiere,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.07.

Es kann wohl kaum erstaunen, dass Aktienbesitz dort am weitesten verbreitet ist, wo die Vermögenden wohnen.

 
       
   

GESTERKAMP, Thomas (2018): Kampf der Angekratzten.
Maskulinismus: Im Netz klagen Männer laut über ihre Benachteiligung. Manche ihrer Beschwerden haben in der Tat einen wahren Kern,
in: Die ZEIT Nr.27 v. 05.07.

Thomas GESTERKAMP meint, dass Antifeministen bzw. Maskulisten keine relevante gesellschaftliche Bewegung darstellen, ist jedoch der Ansicht, dass ein Erstarken nur verhindert werden könne, wenn gewisse Einseitigkeiten in Sachen Gender beseitig würden.

"Seit Jahrzehnten informiert ein staatlich finanzierter Bericht über die Gesundheit von Frauen, erst seit Kurzem gibt es auch einen Bericht über Männer, trotz ihrer mehr als fünf Jahre kürzeren Lebenserwartung",

erwähnt GESTERKAMP zwar ein wichtiges Defizit, wobei die ganze Tragweite des Problems offenbar nicht begriffen wird, denn Armut und Lebenserwartung hängen eng miteinander zusammen. Dass beide Aspekte nicht zusammen gedacht wird, führt zu geradezu grotesken Debatten um Altersarmut. So sind viel mehr Frauen im Alter arm, aber nur weil sie die Männer überleben. Armut wird als das vorrangige Problem betrachtet und nicht etwa die höhere Sterblichkeit. Aus der Sicht eines neoliberalen Sozialstaatsabbau erscheint dies konsequent: Arme Tote sind kostengünstiger. Die fehlende Anprangerung dieser zynischen Denklogik ist der wahre Skandal.   

 
       
   

HAAK, Sebastian (2018): Sagenhaftes aus dem Thüringer Wald.
Die kleine Gemeinde Nahetal-Waldau zeigt, wie Kommunen im ländlichen Raum ihre Einwohnerschaft halten können,
in: Neues Deutschland v. 05.07.

Sebastian HAAK stilisiert die Gemeinde Nahetal-Waldau im Thüringer Landkreis Hildburghausen zu einer Art siebtes Weltwunder. Das entspricht jedoch nicht der Realität. Die Gemeinde hat zwischen 31.12.2011 und dem 31.12.2016 95 Einwohner verloren und das, obwohl die Gemeinde damals nur 3.092 Einwohner zählte. Das ist ein Bevölkerungsverlust von 3,2 %

Außerdem hat die Gemeinde den entscheidenden Vorteil gut an die Städte Erfurt, Coburg und Schweinfurt angebunden zu sein. HAAK hebt das rege Vereinsleben und den Erhalt der Grundschule als Pluspunkte der Gemeinde hervor.

Obwohl die Gemeinde mit guter Infrastruktur und guter Ausstattung mit Arbeitsplätzen glänzt, gelang es der Gemeinde nicht, die Abwanderung aufzuhalten. Wie die Auszeichnung mit dem Europäischen Dorferneuerungspreis 2018 zeigt, ist die Lage im ländlichen Raum derart verzweifelt, dass bereits solche Anstrengungen als herausragend gewürdigt werden müssen.

 
       
   

HANISCH, Dieter (2018): Ein außergewöhnliches Bündnis.
Der erste Bürgermeister der Linken im Westen wurde im schleswig-holsteinischen Schwabstedt von CDU und SPD mitgewählt,
in: Neues Deutschland v. 05.07.

"Die idyllische, 1.400 Einwohner zählende Gemeinde Schwabstedt im Kreis Nordfriesland schreibt Politikgeschichte",

jubelt Dieter HANISCH. Ob eine Allianz der Altparteien die Antwort auf die Erfolge der AfD ist, darf bezweifelt werden. Eher ist das Gegenteil der Fall: Die Linkspartei könnte zur profillosen Mittepartei verkommen, die nicht mehr als Alternative im Parteienspektrum wahrgenommen wird.  

 
       
   

Die Ära Macron in Frankreich

SATTLER, Uwe (2018): Alte Kamellen, neue Bündnisse.
Mélenchons Parti de Gauche verlässt Europäische Linkspartei,
in: Neues Deutschland v. 05.07.

Uwe SATTLER warnt vor einer Zersplitterung der Linken, was angesichts der Zerstrittenheit der Linken (wenn man bei den Parteien der Europäischen Linken (EL) überhaupt von "Linken" sprechen kann!) ziemlich niedlich ist.

 
       
   

Das Single-Dasein in Italien

RÜB, Matthias (2018): Wo die Rechten Italien erobern.
Die Wiege des Erfolgs für das nationale Rechtsbündnis liegt in den Städten der Toskana. Jahrzehntelang regierten dort die Linken. Doch nun siegen Kandidaten des Bündnisses in einer Stadt nach der anderen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.07.

Matthias RÜB berichtet über die Bürgermeisterwahl in Siena, die der sozialdemokratische Amtsinhaber gegen einen Parteilosen verlor, der von Lega Nord und Forza Italia unterstürzt wurde. Die Partico Democratico hat die Toskana herabgewirtschaftet, was nun dazu führte, dass in einigen Orten wie Pisa, Livorno und anderen die Wahlen verloren worden. In Florenz sitzt jedoch noch der Nachfolger des Technokraten Matteo RENZI, weil dort erst 2019 Wahlen stadtfinden.

Fazit: Was in Italien gerade geschieht, könnte auch bald in Deutschland blühen, wo die SPD derart abgewirtschaftet hat und sich gerade von einer Regionalpartei vorführen lässt, dass sie bei den nächsten Landtagswahlen die Quittung dafür kassieren wird. 

 
       
   

04.07.2018

 
       
   

GAMMELIN, Cerstin (2018): Luft nach oben.
Finanzminister Olaf Scholz legt seinen ersten eigenen Haushaltsentwurf vor. Anders als seine Vorgänger will der Sozialdemokrat viel Geld in Infrastruktur und Bildung investieren. Allerdings steigen vor allem andere Ausgaben,
in: Süddeutsche Zeitung v. 04.07.

Olaf SCHOLZ bleibt sich seiner Rolle als "Schwarze Null"-SCHÄUBLE-Imitator treu. Die Neoliberale Cerstin GAMMELIN kritisiert insbesondere die geplanten Leistungsausweitungen bei der Rente, wobei sie mit wenig aussagekräftigen, aber bei Neoliberalen sehr beliebten großen Summen agiert, um einzuschüchtern:

"Dass die Ausgaben des Bundeshaushaltes ab 2021 erkennbar steigen, liegt daran, dass der steuerfinanzierte Anteil der Altersversorgung deutlich wächst. Die Leistungen an die Rentenversicherung steigen von 98 Milliarden Euro im kommenden Jahr auf 110 Milliarden Euro in 2020. Im Bundesfinanzministerium spricht man von einem »Rentenpaket«, das vorbereitet ist. Darin enthalten sind Zuschüsse zur Rentenversicherung, zur Erwerbsminderungsrente, zur Mütterrente und zur Absicherung der sogenannten doppelten Haltelinie, die verhindern soll, dass das Rentenniveau abfällt. »Durchaus erwähnenswert«, sei zudem die demografische Vorsorge bei der Rente. Ab 2021 sollen jährlich zwei Milliarden Euro zurückgelegt werden, um abgesichert zu sein, wenn die Babyboomer in Rente gehen."

Tatsächlich sind die Aussagen nichtssagend, passen aber dazu, dass seit Monaten Neoliberale aus allen Rohren gegen das geplante Rentenpaket schießen. Aus den Zahlen geht konkret nicht hervor, ob für die geplante Mütterrente tatsächlich Steuermittel eingesetzt werden. Bislang deutete alles darauf hin, dass dies nicht passiert.

Aussagekräfte wären die Zahlen lediglich, wenn zu den Zahlen mit Reformmaßnahmen auch jene ohne Reformmaßnahmen genannt würden. Dann könnte der Leser ersehen wie viel Geld SCHOLZ tatsächlich für das Rentenpaket einplant.

Die Deutsche Rentenversicherung berichtete kürzlich, dass sich im Jahr 2017 die Bundeszuschüsse für die Rentenversicherung auf lediglich 67,8 Milliarden Euro beliefen.

Wie kommt also GAMMELIN auf ihre 98 Milliarden Euro? GAMMELIN schreibt der Rentenversicherung auch Ausgaben zu, die mit der Rentenversicherung und den Altersrenten im engeren Sinne gar nichts zu tun haben, sondern gesamtgesellschaftlichen Aufgaben geschuldet sind. Im Bundeshaushalt 2017 wurden 2017 98,25 Milliarden Euro für die Rentenversicherung, die Grundsicherung im Alter und für Erwerbsminderung eingestellt. 13,2 Milliarden Euro kosteten allein die Beiträge für Kindererziehungszeiten, wobei dieser Betrag nur einen Teil dieser Kosten deckt, den Rest zahlen die Beitragszahler.

Nur 9,2 Milliarden trägt der Bund an den Lasten der Wiedervereinigung, von der vor allem westdeutsche Unternehmen profitierten, während die Lasten den westdeutschen Rentnern aufgeschultert wurden. Die Kosten der Ostrentenangleichung werden auch den Beitragszahlern aufgebürdet, wobei das Gesetz so gestaltet wurde, dass möglichst keinerlei Kosten entstehen. So waren in diesem Jahr die Rentenanpassungen für ostdeutsche Rentner ohne Gesetz höher als es das Rentenüberleitungsgesetz eigentlich vorgesehen hätte. Man kann deshalb von einem Placebo-Gesetz sprechen.

Rechnet man zusätzlich die 3,2 Milliarden Euro hinzu, die für Zusatzversorgungen im Beitrittsgebiet aufgewendet werden, steigen die Lasten der Wiedervereinigung sogar auf 12,4 Milliarden Euro. Bei dieser Überführung profitierten nicht etwa ehemalige Gering- oder Normalverdiener, sondern vorwiegend Besserverdienende und ehemalige Funktionäre des DDR-Systems.

Mit 7,2 Milliarden Euro ist der Beitrag zur Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung mehr als bescheiden. Neoliberale behaupten zwar, dass sie die Erwerbsminderungsrente stärken wollen, aber wenn es dann ernst wird, entdecken sie plötzlich den Sozialbetrug und pochen auf möglichst geringe Leistungen.

5,4 Milliarden lässt sich der Bund den Ausstieg aus der Steinkohleindustrie kosten, indem die knappschaftliche Rentenversicherung unterstützt wird.

Fazit: Statt seriöser Journalismus wird hier nur Polemik geliefert! Über den Haushaltsentwurf soll erst im November im Bundestag abgestimmt werden. Was dann noch übrig bleibt wird sich erst dann zeigen.

 
       
   

FRITSCHE, Andreas (2018): Ein Etat für die Zeit nach der Wahl.
Brandenburg: Kabinett billigt den Entwurf des Finanzministers zum Doppelhaushalt 2019/2020,
in: Neues Deutschland v. 04.07.

"16.721 Lehrer waren 2009 beschäftigt, inzwischen sind es 18.764, und im Jahr 2020 werden es 19.274 sein. Das entspricht einem Zuwachs von 15 Prozent, während die Schülerzahl nur leicht um drei Prozent auf rund 260.000 steigt",

lobt Andreas FRITSCHE die rot-rote Personalpolitik. Dass die prognostizierten Schülerzahlen aufgrund der Fehleinschätzungen der Geburtenentwicklung bald völlig überholt sein könnten, bleibt bei dieser Lobpreisung ausgeblendet. Bis zum Jahr 2015 sah es in Brandenburg - im Vergleich mit anderen Bundesländern - noch rosig aus. Dies hat sich aber seit dem Geburtenanstieg 2016 geändert. Das betrifft momentan zwar nur die Kinderbetreuung, wird aber nach 2020 auch auf die Grundschulen durchschlagen. In der nächsten Legislaturperiode wird Brandenburg die Versäumnisse der Vergangenheit zu spüren bekommen, die jetzt schon in viel größerem Ausmaß Sachsen treffen. 

 
       
   

GREIVE, Martin & Jan HILDEBRAND (2018): Pensionen auf Rekordniveau.
Beamtenpensionen,
in: Handelsblatt v. 04.07.

GREIVE & HILDEBRAND liefern eine Polemik ab, bei der die Fakten auf der Strecke bleiben.

SCHÄFERS, Manfred (2018): 520 Milliarden für Pensionäre.
Der Bund kommt auf deutlich höhere Versorgungslasten,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.07.

Im Gegensatz zu GREIVE & HILDEBRAND nennt Manfred SCHÄFERS die Herkunft der Zahlen, nämlich die Vermögensrechnung des Bundes 2017. Dort ist auf den Seiten 26 und 27 nachzulesen, wodurch es im Einzelnen zu den erhöhten Rückstellungen im Vergleich zum Jahr 2016 gekommen ist.

 
       
   

LEHMKUHL, Tobias (2018): Er will Scham verbreiten.
An der Freien Universität Berlin entwickelt Édouard Louis das Programm einer konfrontativen Literatur,
in: Süddeutsche Zeitung v. 04.07.

Im bräsigen deutschen Literaturbetrieb stoßen soziale Aufsteiger wie Édouard LOUIS auf wenig Gegenliebe, denn sie stören den elitären Hochkultursektor, der sich lieber an Nobelpreisen und sonstigen selbstreferentiellen Literaturbetriebspreisen orientiert und alles links liegen lässt, was den kosmopolitischen Ennui aus seiner himmlischen Ruhe wecken könnte. Wer als sozialer Aufsteiger meint, er könnte den Literaturbetrieb revolutionieren, dem könnte es schnell so gehen wie dem österreichischen Schriftsteller Franz INNERHOFER, der ins Abseits geriet als sich der Literaturbetrieb konsequenterweise der nächsten Modeerscheinung widmete.

Bezeichnend für die Selbstgefälligkeit der Literaturbetriebsinsassen ist folgende Beschreibung:

"(S)eine Mutter habe mit 16 Jahren die Schule abgebrochen und ihr erstes Kind bekommen, der Vater, ein einfacher Arbeiter, war mit 35 Jahren durch einen Unfall invalid geworden, ein Trinker fortan, der seinen schwulen Sohn wegen seiner tuntigen Gestik regelmäßig verprügelte.
An diesem Tag aber, Édouard Louis hieß damals noch Eddy Bellegueulle und war 14 Jahre alt, wurde J.M.G. Le Clézio der Literaturnobelpreis zugesprochen, und so schafft es die Literatur ausnahmsweise einmal ins Wohnzimmer der Bellegueulles, da selbst das Fernsehen darüber berichtete und den Schriftsteller auch interviewte. Dieses Interview befremdete den jungen Éddy (...). Warum schreibt er nicht über uns, fragte sich Louis damals (...)."

Realismus in der Literatur? Der Literaturbetrieb hat eine elitäre Abneigung gegen eine solche Sicht. Wer wie LOUIS "jenen eine Stimme geben" will, die "selber keine haben", werden mit dem Begriff der "engagierten Literatur" abgekanzelt, der an Alt-68er-Allüren erinnert, die in Zeiten des Neoliberalismus und des Rechtsrucks irgendwie verdächtig sind. LOUIS spricht jedoch nicht von engagierter, sondern konfrontativer Literatur, was im dünkelhaften Literaturbetrieb zwar kurzzeitig als Provokation goutiert werden kann, aber im Grunde nur die Naivität des sozialen Aufsteigers zeigt, der erst noch zur Raison gebracht werden muss - oder eben im Abseits landet, wenn sich die kurzatmige Neugier erschöpft hat.

"Literatur müsse kämpfen, den Unsichtbaren eine Stimme geben und im Sinne von Primo Levis Zeugnis ablegen. Le Clézio wäre, worauf Édouard Louis leider nicht mehr zu sprechen kam, ein geeignetes Beispiel für eine solche Literatur gewesen",

schwadroniert der elitäre Literaturbetriebsinsasse da nur. J.M.G. Le CLÉZIO ist kein geeignetes Beispiel, denn der Nobelpreisträger kommt aus einem begüterten Elternhaus und nicht aus einem französischen Armenviertel. Aber es ist bezeichnend für das deutsche Akademiker-Feuilleton, dass diese feinen Unterschiede einfach weggelächelt werden. Weltveränderung gehört nicht zum Aufgabenkatalog des Literaturbetriebs, der sich lieber selbst genügt und der Unterhaltung und Selbstverständigung der Eliten dient.    

 
       
   

03.07.2018

 
       
   

ZEMAN, Kryštof (2018): Zwei, eins, keins!
Kinderlosigkeit oder weniger Geschwister: Seit mehreren Jahrzehnten nimmt die endgültige Kinderzahl pro Welche Entwicklungen trieben den Geburtenrückgang an?
in: Demografische Forschung aus erster Hand, Nr.2

Eine Studie will belegen, dass in Deutschland die Kinderlosigkeit der treibende Faktor des Geburtenrückgangs war, doch die Studie hält nicht, was sie verspricht. Untersucht wird nicht der Geburtenrückgang, sondern nur der Rückgang unter eine endgültige Kinderzahl von 1,75 Kinder pro Frau. Damit wird bewusst der entscheidende Anteil des Rückgangs kinderreicher Familien ausgeblendet. Dagegen zeigt eine Untersuchung von BUJARD & SULAK, dass der Rückgang kinderreicher Familie den weitaus größten Beitrag zum Geburtenrückgang in Deutschland leistete.

Kryštof ZEMAN u.a. schrecken nicht einmal vor einer krassen Falschdarstellung der Ergebnisse von BUJARD & SULAK zurück. In ihrer Studie Cohort fertility decline in low fertility countries: Decomposition using parity progression ratios heißt es:

"In Austria, Germany, and Switzerland, strong work–family conflict and the associated fall in first-birth rates contributed to the fertility decline among the younger cohorts analysed (Sobotka 2012; Kreyenfeld and Konietzka 2017). However, an analysis of fertility decline among women born in 1940–1965 reveals remarkable differences between the three countries. In Western Germany, falling first-birth rates were the key factor, whereas in Austria and Switzerland fertility decline was especially driven by falling third and higher-order births, and, in Eastern Germany (former GDR), falling second-birth rates played the main role (Sobotka 2012; see also Bujard and Sulak 2016)." (S.658)

Dagegen heißt es bei BUJARD & SULAK, die den Geburtenrückgang nicht nur zwischen Geburtsjahrgängen 1940 und 1965, sondern zwischen 1933 und 1968 betrachten:

"Der Effekt der zunehmenden Kinderlosigkeit auf den gesamten CTFR-Rückgang Deutschlands beträgt 25,9 %, der der Abnahme des Kinderreichtums 68,0 % und der Interaktionseffekt 6,1 %. (...) Zunächst war ausschließlich der Rückgang kinderreicher Frauen verantwortlich, seit der Kohorte 1947 zu zwei Dritteln die zunehmende Kinderlosigkeit." (2016, S.487)

Durch die vorgängige Gruppenbildung bei den betrachteten Frauenjahrgängen (Unterscheidung 1940 - 1955 bzw. 1955 - 1970 Geborene) werden die empirischen Ergebnisse verfälscht. Dies liegt daran, dass der Geburtenrückgang in den einzelnen untersuchten Ländern ganz unterschiedlich verlief und nicht über einen Kamm geschert werden kann.

Auch die verwendete Definition eines "Niedrigfertilitätslandes" ist willkürlich. Gerade das österreichische Institut, dem die Forscher angehörigen, hat in den Nuller Jahren mit wenig seriöser Medienberichterstattung geglänzt. Es wurde über eine "Niedrigfertilitäsfalle" schwadroniert, die von Frank SCHIRRMACHER in seinem grauenhaften Pamphlet Minimum begierig aufgegriffen wurde.

"The demographic literature manifests a strong interest in explaining fertility declines to very low levels, discussing how persistent they are likely to be and pondering their long-term consequences. We thus pay special attention to analysing which parity progressions drive cohort fertility decline to very low levels. For period total fertility (TFR), the thresholds of very low fertility are well established. Very low fertility is usually defined as a TFR below 1.5 (e.g., McDonald 2006), whereas »lowest-low fertility« or »ultra-low fertility« is commonly defined as a TFR falling below 1.3 (Kohler, Billari, and Ortega 2002; Jones, Straughan, and Chan 2008). However, demographers have not yet adopted a common definition of very low cohort fertility. Because of the tempo distortions negatively affecting period fertility indicators, during the last four decades cohort fertility in the low fertility countries has typically stayed at a higher level than the conventional period fertility rates. Two recent contributions, by Myrskylä, Goldstein, and Cheng (2013) and Rindfuss, Choe, and Brauner-Otto (2016), adopt a completed cohort fertility level of 1.75 children per woman as a threshold below which cohort fertility becomes »very low«. We use the same threshold and label completed cohort fertility below 1.75 as very low.7 Among women born in 1950, cohort fertility fell below 1.75 children per woman only in Germany (Pötzsch 2016). Later on, more than ten countries saw their cohort fertility dropping below 1.75, especially among women born in the early 1960s (Frejka, Jones, and Sardon 2010; Myrskylä, Goldstein, and Cheng 2013)." (S.660f.)

An dem Rückblick zur bevölkerungswissenschaftlichen Debatte ist ersichtlich, dass der Willkür von Definitionen keine Grenzen gesetzt sind und sie eher einer Profession geschuldet sind, die um öffentliche Aufmerksamkeit mit der Ökonomie als Leitwissenschaft des Neoliberalismus konkurriert. Westdeutschland wird sozusagen zum Negativbild dieser nationalkonservativen Forschungstradition stilisiert.

Die Forschergruppe um Hans-Peter KOHLER hat in den Nuller Jahren die unseriöse Debatte um Niedrigsfertilitätsländer angestossen. Das neoliberale Flagschiff The Economist hievte KOHLER rechtzeitig vor der SCHIRRMACHER-Medienkampagne mit dem Fertility-Bust auf das Cover. Es passte zum damaligen Zeitgeist des Jahres 2006, in dem das Endspiel um das Aussterben des Abendlandes stattfand. Die damals suggerierte Abwärtsspirale, wonach Kinderarme noch mehr Kinderarme zeugen und die Industrievölker von Generation zu Generation die Erde in ein kosmisches Altersheim verwandeln, fieberte seinem unseligenHöhepunkt entgegen.

Wie es kam, dass irgendwann niemand mehr von der Abwärtsspirale sprach, das wäre die eigentlich interessante Frage. Die Forschung um Niedrigfertilität ist im Grunde ein Überbleibsel aus den unseligen Nuller Jahren.

Fazit: Demografen befassen sich immer noch mit dem Geburtenrückgang, statt sich mit den Folgen des Geburtenanstiegs zu befassen. Dies wird sich spätestens dann rächen, wenn der Ausbau der Kinderbetreuung in Deutschland nicht mehr mit dem Geburtenanstieg mithalten kann. In Deutschland beginnt diese Debatte erst ganz langsam, denn wir haben den Geburtenanstieg verschlafen und dessen Folgen noch längst nicht ganz begriffen!

 
       
   

FRITSCHE, Andreas (2018): Die Wohnungsnot betrifft alle.
Brandenburg: Acht Flüchtlingsfrauen finden in Hennigsdorf keine Wohnung - Einheimische auch nicht,
in: Neues Deutschland v. 03.07.

"(D)as Infrastrukturministerium (attestierte) bereits im Jahr 2014 der Stadt Hennigsdorf - so wie auch 29 anderen brandenburgischen Kommunen - einen angespannten Wohnungsmarkt. Die Situation hat sich seither trotz einiger Neubauvorhaben nicht verbessert, und kurz- bis mittelfristig wird es bei der Misere bleiben",

berichtet Andreas FRITSCHE über Hennigsdorf, wo anerkannte Asylbewerber und Hartz-IV-Empfänger um knappen Wohnraum konkurrieren, der den "Richtlinien für die Kosten der Unterkunft" genügt.

 
       
   

Die Broschüre Trend Reurbanisierung? in den Medien

WAHL-IMMEL, Yuriko (2018): Weg aus der Großstadt.
Bertelsmann-Studie konstatiert einen Zuwachs für Kommunen in ländlichen Regionen,
in: Frankfurter Rundschau v. 03.07.

"Bad Neustadt an der Saale in Bayern, das ostfriesische Aurich in Niedersachsen, Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern oder Heide in Schleswig-Holstein gehören (...) zu den Kleinstädten und Mittelstädten mit besonders deutlichem Zuwachs",

heißt es in der DpA-Meldung zur Studie. Die Aussagen sind jedoch nicht der Studie entnommen, sondern lediglich der Pressemitteilung. Es lässt sich deshalb nicht überprüfen, inwiefern diese Aussagen der BertelsmannStifung mit der ILS-Studie übereinstimmen.

2011 lebten z.B. in Aurich/Ostfriesland gemäß Datenbank des Statistischen Landesamts Niedersachsen 40.606 Menschen. 2016 waren es 41.793. Das ist ein Zuwachs von rund 2,9 Prozent. 2006 lebten 40.651 Menschen in Aurich, d.h. der Zuwachs ergab sich vor allem in den letzten Jahren. Inwiefern die Migration oder Suburbanisierungsprozesse dabei die entscheidende Rolle spielten, wäre zu fragen. Der Kommunale Wegweiser, auf den die BertelsmannStiftung verweist, liefert dafür keinerlei Daten, denn dieser endet mit dem Jahr 2012.

DRIBBUSCH, Barbara (2018): Im Alter gerne in kleinere Städte.
Zu Beginn der zweiten Lebenshälfte verlieren die Metropolen ihren Reiz,
in: TAZ v. 03.07.

 
       
   

BEENEN, Janis (2018): Hauptsache dabei.
SZ-Serie Gipfelstürmer: Erst seit einigen Monaten bildet sich am Niederrhein eine Start-up-Szene. Krefeld und Mönchengladbach wollen endlich für junge Leute attraktiv werden. Damit der Aufbruch gelingt, muss sich die Region von ihrer Tradition lösen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 03.07.

 
       
   

MÜLLER, Hans Christian (2018): Immer mehr Menschen.
Grafik des Tages: Die Weltbevölkerung wächst und wächst - zurzeit um 160 Menschen pro Minute. 2023 könnte die Marke von 8 Milliarden übersprungen werden. 2055 dann die von 10 Milliarden. Doch das Wachstum wird wohl bald langsamer: Denn noch schneller, als die Lebenserwartung wächst, sinkt wohl die Zahl der Kinder pro Erwachsenen,
in: Handelsblatt v. 03.07.

 
       
   

Das Single-Dasein in den USA

SCHENZ, Viola (2018): Stör-Reporter gegen Politikverdrossenheit.
Eine amerikanische Initiative schickt Journalisten in die Provinz, um die Demokratie zu retten,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 03.07.

Viola SCHENZ berichtet über die Initiative Report for America von Steven WALDMAN & Charles SENNOTT. Das Projekt will mit pathetischen Formeln Geldgeber ködern, um Qualitätsjournalismus in die Provinz zu bringen. Weniger die Demokratie wird hier gerettet, sondern mit dem Mainstreamjournalismus soll nun auch die Provinz beglückt werden. Es geht hier in erster Linie um einen Selbstrettungsversuch der unglaubwürdig gewordenen Medien. Ob diese Rechnung also aufgeht, wird sich erst noch zeigen müssen.

 
       
   

02.07.2018

 
       
   

ATZLER, Elisabeth (2018): Riester-Verträge mit Minuszinsen erlaubt.
Schlechte Nachrichten für Riester-Sparer: Bleibt die Gesamtverzinsung positiv, darf der Grundzins ins Minus rutschen, zeigt ein Urteil,
in: Handelsblatt v. 02.07.

 
       
   

BORTENLÄNGER, Christine (2018): Die Rente wirklich sicher machen.
Mit Aktien lässt sich der Generationenvertrag stabilisieren. Schweden zeigt, wie das geht,
in: Süddeutsche Zeitung v. 02.07.

Christine BORTENLÄNGER, Lobbyistin der Finanzdienstleister, verbreitet Fake-News in Sachen Aktien. Wie üblich wird die gesetzliche Rentenversicherung schlechtgeredet und die Aktien-Rendite schöngeredet.

Das DAX-Rendite-Dreieck verklärt die Renditen, indem die Renditen hervorgehoben, aber die Kosten für reale Anleger verschwiegen werden. Und es kommt sogar noch schlimmer: Die angeblich hohen Renditen, die über lange Zeiträume erzielt werden können, sind rein fiktiv und entsprechen nicht der Realität der historischen Börsenentwicklung des DAX. Da der DAX, der erst 1988, also nach dem großen Börsencrash 1987, eingeführt wurde, wird eine Rückrechnung vorgenommen, als ob er schon seit 50 Jahren bestehen würde. Diese fiktive Vergangenheit, die so für reale Anleger nie existierte, wird uns nun als Argument dafür geliefert, dass Aktien besonders gut - und ohne jegliches Risiko - für die Altersvorsorge geeignet seien:

"Da über lange Anlagezeiträume - wie bei der Altersvorsorge - das Risiko mit einer breit gestreuten Aktienanlage Verlust zu machen, gegen null tendiert, ist eine Beitragsgarantie ohnehin nicht erforderlich".

Wer diesen Unsinn glaubt, dürfte spätestens dann ein böses Erwachen erleben, wenn seine Altersvorsorge aufgrund eines Börsencrashs ausgerechnet in dem Moment einen Absturz erlebt, in dem er sich damit seinen Ruhestand finanzieren wollte. Beim DAX gibt es auch nicht wirklich eine breite Streuung, wie BORTENLÄNGER behauptet.

Fazit: Wer 20 Jahre lang sparte, so das DAI, den erwartete im schlechtesten Fall (falscher Einstiegszeitpunkt!) eine Rendite von 4,7 Prozent. Was davon nach Abzug der Kosten und Steuern noch übrig bliebe, das verschweigt das DAI lieber! Man hätte das Geld genauso gut auf ein einfaches Sparkonto legen können und das wird uns ernsthaft als Erfolg verkauft.

 
       
   

ROSSBACH, Henrike (2018): Hoffnungswert Rentenkommission.
Ob aus den Expertenvorschlägen konkrete Politik wird, ist offen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 02.07.

Henrike ROSSBACH berichtet darüber wie die FDP versucht, den Sozialminister zur neoliberalen Raison zu zwingen.

 
       
   

EISENRING, Christof (2018): Die Stadt, die von der Sauregurkenzeit lebt.
Spreewälder Gurken waren schon in der DDR ein Exportschlager - doch der Mindestlohn macht der kleinen Branche zu schaffen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 02.07.

"Dass Lübbenau den Spreewald vor der Haustür hat, erwies sich nach der Wende als Glücksfall, weil man so den Tourismus ausbauen konnte. Die Einwohnerzahl lag 1990 bei 23.500 Personen, derzeit sind des 16.000. Der Absturz hat mit dem Aus des lokalen Braunkohleabbaus und des zugehörigen Kraftwerks zu tun. Im Jahr 1996 ging der letzte Block vom Netz 5.000 Arbeitsplätze gingen verloren (...).
Nach 1990 verlor die Neustadt 800 bis 1.000 Leute pro Jahr. In den dortigen Plattenbauten hatte man in den 1960er Jahren Leute aus der ganzen DDR einquartiert, die im Kraftwerk und Tagebau arbeiteten.
(...)(Die Stadt) wurde von aussen nach innen zurückgebaut, 1.400 Wohnungen hat man abgerissen, um den Leerstand auf ein erträgliches Mass zu verringern",

erzählt uns Christof EISENRING über die Vergangenheit von Lübbenau/Spreewald. Der Bürgermeister der Kleinstadt sieht den Strukturwandel zu regenerativen Energien und Logistikbranche skeptisch. Gleiches gilt für die Privatisierung bei der öffentlichen Daseinsvorsorge im Bereich Post und Telekommunikation. Die AfD wurde in der Gemeinde zweitstärkste Partei hinter der CDU. Drei Jahre zuvor waren bei den Kommunalwahlen SPD und CDU mit je rund 28 Prozent noch fast gleichauf.

Der Gurkenanbau ist in Lübbenau eher eine Nischenwirtschaft, die sich um eine geschützte geografische Herkunftsbezeichnung dreht, die von einem Spreewaldverein "bewacht" wird. Im Zeichen nostalgischer Rückwendung gab es einen Boom, der jedoch vorbei ist. Angeblich soll auch der Mindestlohn zum Niedergang beigetragen haben, aber das ist neoliberale Mythenbildung.  

 
       
   

Das Single-Dasein in Russland

HANS, Julian (2018): Aufstand der Älteren.
Tausende Russen demonstrieren gegen Pläne, das Renteneintrittsalter anzuheben,
in: Süddeutsche Zeitung v. 02.07.

Julian HANS vermittelt uns die Sicht von Janis KLUGE, dessen Promotion von der konservativen Konrad-Adenauer-Stiftung gefördert wird, zur geplanten Rentenreform in Russland. Die Proteste der Russen werden von ihm vor allem als Profilierungsmöglichkeit für Wladimir PUTIN gesehen, der minimale Zugeständnisse bei der Reform machen könnte, um sein Ansehen zu steigern. 

 
       
   

01.07.2018

 
       
   

SCHÄFER, Christoph (2018): Der Traum von der idealen Kita.
Kinderbetreuung ist entweder gut oder günstig. Beides zusammen geht nicht. Jetzt erlassen immer mehr Bundesländer den Eltern die Gebühren. Das ist ein Fehler,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 01.07.

Christoph SCHÄFER sorgt sich um die privilegierten Doppelkarriere-Familien. Deren Ideal ist die "Glückskinder"-Kita in Sulzbach am Taunus. Dort ist die CDU-Welt noch in Ordnung. Mit 820 Euro-Elternbeitrag pro Monat und Kind ist die kosmopolitische Akademikerfamilie dabei.

SCHÄFER hat berechtigte Sorgen, dass diese heile Welt, dem Geburtenanstieg und den Wünschen der Akademikerfamilien zum Opfer fallen könnte. Was die neue, hochgelobte Familienministerin jedenfalls zu bieten hat und unter dem Label "Gute Kita-Gesetz" angepriesen wird, wird sich als Lachnummer erweisen angesichts der Geburtenzahlen.

"Mit dem mittlerweile vierten »Investitionsprogramm Kinderbetreuungsfinanzierung« schenkt sie Ländern und Kommunen bis zum Jahr 2020 zusätzliche 1,1 Milliarden Euro, damit diese weitere 100.000 Kita-Plätze bauen. Aber auch das wird nicht reichen. Offizielle Schätzungen zufolge werden in den nächsten sieben Jahren insgesamt 307.000 zusätzliche Krippenplätze und 296.000 Kindergartenplätze benötigt",

meint SCHÄFER. Bei diesen Zahlen sind ganz offensichtlich der Geburtenanstieg der letzten Jahre noch gar nicht berücksichtigt. Ob die Lobeshymnen in der bürgerlichen Presse über die neu Familienministerin in zwei Jahren noch Bestand haben werden, das ist eher unwahrscheinlich. Die große Koalition ist offensichtlich völlig überfordert mit diesem Problem.

"Derzeit unterscheidet sich der Betreuungsschlüssel stark von Bundesland zu Bundesland. In Baden-Württemberg ist er am besten. Hier muss eine Erzieherin in der Krippe auf drei und im Kindergarten rechnerisch auf 7,2 Kinder aufpassen. In Sachsen ist die Lage deutlich schlechter: Hier kommen 6,5 Krippenkinder beziehungsweise 13,4 Kindergartenkinder auf eine Vollzeitstelle",

berichtet SCHÄFER, der von einem "Qualitätsdesaster" spricht. Sachsen ist bislang als neoliberaler Musterschüler hofiert worden. Statt auf eine gute Grundbildung, setzte man auf Elitenbildung und Austeritätspolitik. Das dürfte Sachsen bei der nächsten Landtagswahl zum Verhängnis werden. Da kann Michael KRETSCHMER noch so sehr den Volksversteher mimen. Die Versäumnisse der letzten 10 Jahre lassen sich nicht mit ein paar Peanuts weglächeln.

Fazit: Die wirklichen Herausforderungen durch den Geburtenanstieg verleugnen Politik, Wissenschaft und Medien noch immer. Wie lange kann man die Menschen in Deutschland noch täuschen über die wirklichen Probleme? 

 
       
   

PENNEKAMP, Johannes (2018): Lob der Ungleichheit.
In vielen Ländern ist die Ungleichheit groß. Muss das immer schlecht sein?
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 01.07.

Johannes PENNEKAMP hat sich aus der Vielzahl von Studien jene ausgesucht, die zum neoliberalen Weltbild passt. Nach dieser Sicht gibt es gute und schlechte Ungleichheit. Gute Ungleichheit motiviert angeblich, während schlechte Ungleichheit demotiviert? Weit gefehlt! Schlechte Ungleichheit ist eine abstrakte Größe, die sich aus gesamtgesellschaftlichen Kennzahlen ergibt.

"Menschen verdienen vor allem deshalb unterschiedlich, weil sie sich unterschiedlich reinhängen",

heißt das schlichte neoliberale Credo, das einer naiven Willenspsychologie entstammt, aber mit der Realität nichts zu tun hat, denn der Verdienst hängt von vielen Faktoren ab, z.B. von der Stärke von Gewerkschaften, von Zeitgeisttheorien der Personalrekrutierer, von Selbstdarstellungsfähigkeiten, weil Leistung meist nicht direkt messbar ist. Nur mit Chancengerechtigkeit hat der Verdienst am allerwenigsten zu tun.

 
       
   

STEEG, Lena (2018): Mach Schluss.
Die einen trennen sich so vorbildlich, dass sie eigentlich zusammenbleiben. Andere schleichen sich feige davon. Und ein weiterer großer Teil verweilt in Beziehungen, die längst verloren sind. Unsere Autorin findet: Eigentlich müsste fast jeder endlich Schluss machen. Ein Plädoyer für den klaren Cut,
in: Neon, Juli

Die finale Ausgabe der Zeitschrift Neon macht das Schlussmachen zum Thema, was wenig originell ist und den Niedergang der Zeitgeistzeitschrift höchstens noch sichtbarer macht. Einen klaren Cut gibt es bei Neon leider auch nicht, denn die Marke soll im Internet Kunden zu den anderen Verlagsprodukten locken.

 
       
   

SKROBALA, Jurek/PILTZ, Christopher/REINHARDT, Nora (2018): Da bin ich wieder!
Zu Hause auszuziehen ist ein erhebender Moment: Ausbruch, Aufbruch, wohin wird einen der Wind tragen? Manchmal genau dorthin, wo alles begann: zurück zu den Eltern. Drei Heimkehrer erzählen,
in: Neon, Juli

Die Zeitschrift Neon ist in gewisser Weise auch ein Boomerang Kid. Mit der Rückkehr aus München an den Verlagssitz der Mutter in Hamburg wurde der Niedergang der Zeitschrift endgültig besiegelt.

 
       
   

MAURER, Marco (2018): Hin oder weg?
Die eine Stadt fühlt sich wie zu Hause an. Die andere nicht - aber für sie sprechen Studienplatz, Job oder Liebe. Woher weiß man, welcher Ort der richtige für einen ist? Und kann man sich aussöhnen mit einer Stadt, in der man eigentlich nie leben wollte?
in: Neon, Juli

"Wäre sie eine Frau, nicht einen weiteren Tag würde sie in meinem Leben Platz finden. Aber in Hamburg habe ich Arbeit und gute Freunde gefunden. Und beides gibt man nicht auf, nur weil einem die Stadt nicht gefällt. Oder? (...).
Mit zwei Listen setze ich mich in den ICE nach Berlin. Die eine ist eine Tabelle mit Städten, in denen ich gelebt und mich wohlgefühlt habe: München, Bern, Fribourg, Augsburg, Zürich. Auf der anderen Seite steht die Stadt, mit der ich mich schwertue: Hamburg. (...). Irgend zwischen Bodensee und Flensburg verläuft für mich offenbar eine unsichtbare Grenze, die »lebenswert« von »nicht lebenswert« trennt",

schreibt Marco MAURER. Viele Neon-Redakteure machten den Umzug nach Hamburg lieber nicht mit und hatten recht damit! MAURER hat die Stadtsoziologin Martina LÖW in Berlin besucht, die sich mit der Eigenlogik von Städten beschäftigt und von einer Passung zwischen Stadt und Mensch ausgeht.

 
       
 

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Zu den News vom 26. - 30. Juni 2018
 

       
   
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Bernds@single-dasein.de Stand: 12. Juli 2018