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Medienberichte über single-dasein.de
 
 
 
   

News vom 07. - 12. Dezember 2016: [07.12.] [08.12.] [09.12.] [10.12.] [11.12.] [12.12.]

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Alleinstehende Frauen, die sich ihren Kinderwunsch mit Hilfe der Reproduktionsmedizin erfüllen, sind egoistisch und denken nicht an das Wohl des Kindes

"Heute geht es oft nicht mehr um biologisch bedingte Hindernisse, die der Verwirklichung des Kinderwunsches entgegenstehen, sondern es wird vielmehr zur Aufgabe der Medizin, denen zu helfen, bei denen persönliche oder soziale Umstände das Hindernis sind. Zur Erläuterung möchte ich hier drei Fallbeispiele anführen (...).
Den genannten Geschichten sind wesentliche Merkmale gemeinsam. Im Zentrum befinden sich nicht Ehepaare, sondern Alleinstehende, genauer alleinstehende Frauen - die eine nach einer Reihe von Partnerschaften heute getrennt lebend, die zweite verwitwet, die dritte noch auf der Suche nach einer Partnerin. Und ein gemeinsames Merkmal ist auch (...:) Sie alle können Kinder bekommen (...). Wenn die Frauen jetzt die Hilfe der Fortpflanzungsmedizin suchen, dann (...) weil sie, und das ist der entscheidende Zusatz, für ihren speziellen Kinderwunsch nur auf diesem Weg Aussicht auf Erfolg haben. Die eine will ein weiteres Kind, obwohl sie die Zeitspanne biologischer Fruchtbarkeit schon lange hinter sich hat; die andere will ein Kind von ihrem Ehemann, obwohl dieser schon vor Jahren gestorben ist; die dritte wünscht sich eine optisch zusammenpassende Familie, aber ohne Mann, bestehend aus zwei Müttern mit Kind. (...).
In der individualisierten Gesellschaft, in der das Sich-Einlassen auf einen anderen Menschen, das Aushalten seiner Gewohnheiten, Vorlieben, Eigenheiten und erst recht seiner unbequemen Seiten (...) zunehmend größerer Anstrengungen bedarf, (...) mag die neue Form der Fortpflanzung deshalb einer wachsenden Zahl von Männern und Frauen als Vorteil und Fortschritt erscheinen. (...).
Aber auch hier gilt: Der Gewinn hat seinen Preis. (...). Pointiert zusammengefasst: Der Gewinn für die Erwachsenen geht auf Kosten der Kinder."
(Elisabeth Beck-Gernsheim "Die Reproduktionsmedizin und ihre Kinder", 2016, S.17-22)

 
       
       
   

12.12.2016

 
       
   

Die Ostrentenangleichung in den Medien

BOMSDORF, Eckart (2016): Weg mit der Sonderregelung.
Forum: 30 Jahre nach der Wiedervereinigung ist es Zeit, ein einheitliches Rentenrecht umzusetzen,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 12.12.

Eckart BOMSDORF betrachtet die Ostrentenangleichung aus der westdeutschen Perspektive, d.h. ihm ist die Höherwertung der Löhne ein Ärgernis, weshalb er nur Argumente gegen eine Beibehaltung vorbringt:

"Je nach Ausgestaltung der Reform werden um ein Prozent niedrigere Ansprüche erworben - von Generationen, die frühestens in zehn Jahren in Rente gehen. Denen steht allerdings die in der Vergangenheit sehr großzügige und weiter wirksame Regelung der Höherwertung der im Osten Deutschlands erworbenen Rentenansprüche gegenüber."

Den aktuellen Finanzierungsstreit der Ostrentenangleichung spart BOMSDORF aus, um darauf hinzuweisen, dass bereits jetzt die Rentenkasse die Sonderregelung bezahlt:

"Finanziert wird diese Höherwertung de facto übrigens aus der Rentenkasse in die allerdings neben den Beitragszahlern indirekt letztlich auch alle Steuerzahler einzahlen."

Zudem gibt es auch privilegierte Westdeutsche, die von der Höherwertung profitieren:

"Im Übrigen ist es wohl kaum vermittelbar, dass beispielsweise auch Angestellte der im Osten Berlins liegenden Bundesministerien, etwa des Auswärtigen Amtes oder des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, von den Vorteilen der Höherwertung profitieren - selbst Journalisten großer deutscher Zeitungen.

 
       
   

HAGELÜKEN, Alexander (2016): "Manche Ökonomen sind einfach schlechte Verlierer".
Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger über seinen ewigen Kampf mit der Mehrheit deutscher Volkswirte um Mindestlohn und Sparkurs. Weil die wachsende Ungleichheit der AfD helfe, fordert er 56 Prozent Spitzensteuersatz,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 12.12.

Der Ökonom Peter BOFINGER brüstet sich damit, dass er beim Renteneintrittsalter der gleichen Meinung ist wie die neoliberalen Ökonomen:

"Den völlig objektiven Ökonomen gibt es (...) nicht. Aber trotzdem sehe (ich) mich ja nicht als Vertreter der Gewerkschaften. So habe ich mich anders als sie dafür ausgesprochen, das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung anzupassen."

 
       
   

BRAATZ, Stefan (2016): Was ist das Rentensplitting?
Rechtsfrage,,
in:
Tagesspiegel v. 12.12.

Stefan BRAATZ von der Deutschen Rentenversicherung Bund erklärt uns die Aufteilung von Rentenansprüchen, die während der Ehezeit angefallen sind. Ein solches Rentensplitting führt dazu, dass Hinterbliebenenrenten dann entfallen.

"Für Ansprüche in anderen Versorgungssystemen, zum Beispiel Beamtenversorgung oder betriebliche Altersversorgung gilt das Rentensplitting nicht. Sie können sich für das Rentensplitting entscheiden, wenn Ihre Ehe oder eingetragene Lebenspartnerschaft entweder nach 2001 geschlossen wurde oder wenn Sie zu diesem Zeitpunkt bereits verheiratet waren und Ihr Parnter und Sie nach dem 1. Januar 1962 geboren wurden. (...) Außerdem müssen bei beiden 25 Jahre rentenrechtliche Zeiten vorhanden sein. (...).
Beim Tod eines Ehepartners kann der überlebende Partner das Rentensplitting auch allein herbeiführen. Dies ist jedoch nur innerhalb eines Jahres nach dem Tod möglich",

erklärt uns der Rentenexperte der DRV. Die Website der DRV bezeichnet das Rentensplitting als Alternative zur Hinterbliebenenrente.

 
       
   

PLICKERT, Philip (2016): Es ist nicht nur die Wirtschaft, Dummkopf!
Der Volkswirt: Wer sind die Wähler der populistischen Parteien - alles "Abgehängte"? Treibt sie die Angst vor Globalisierung und Finanzkrise? Wichtiger erscheint die Reaktion auf Immigration und linken Wertewandel,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v. 12.12.

Philip PLICKERT wendet sich im Kulturkampfblatt gegen die These, dass soziale Ungleichheit das Hauptproblem des Erstarkens des Rechtspopulismus sei. PLICKERT setzt lieber auf die These vom Wandel des Wertewandels in ihrer schlichten Form, die sich an einem Papier von Ronald F. INGELHART & Pippa NORRIS ("Trump, Brexit, and the Rise of Populism: Economic Have-Nots and Cultural Backlash") festmachen lässt.

Diese schlichte Kulturkampfthese frönt schwarz-weißen Klischeebildern und vernachlässigt die soziale Frage. Sie ist keine Erklärung, sondern selber Teil des Problems, indem ein Zusammenprall der Kulturen (postmateriell vs. anti-postmateriell). Dies ist insofern zu simpel, weil der Riss mitten durch die Linken geht und rechtspopulistische Parteien sowohl neoliberal als auch auf Sozialpolitik setzen können.

Im Kern geht es nicht um nationalistisch vs. universalistisch, sondern um eine Gegenbewegung zur Individualisierung, nämlich die Kollektivierung. Die These vom Wandel des Wertewandels wurde hier bereits im Jahr 2003 erörtert und in den Kontext einer neuen Klassengesellschaft gestellt. Die Kritik richtete sich gegen jene sozialen Aufsteiger der Agenda-SPD, die ihre Herkunft verrieten und den Sozialstaat als "Hängematte" diffamierten und allen Transferempfängern eine "Vollkaskomentalität" (Ulrich BECK) zuschrieben. Individualisierung wurde in diesem Klima der Verachtung von einer Verheißung zu einer Drohung. Jeder war von nun an selber Schuld an seiner Situation. Im Namen der Eigenverantwortung wurde die soziale Verantwortung über Bord geworfen. Im Angesicht der Finanzkrise war dann nichts mehr von Eigenverantwortung zu lesen, sondern nur noch von "Systemstabilisierung" durch die Bankenrettung. Kollektivierung als Reaktion auf diese neoliberale Ausrichtung der Politik ist die einzig mögliche Reaktion, denn unsere Eliten machen sonst weiter wie bisher. Wenn Kollektivierungsprozesse aus dem Ruder laufen, dann trägt dafür die Politik der Neuen Mitte die Hauptschuld. Sie hat ein Politikvakuum hinterlassen, das nun von rechtspopulistischen Parteien gefüllt wird. Eine Linke, die sich auf die soziale Frage rückbesinnt, befindet sich nun im Abwärtssog der Agenda-SPD, die mit ihrer Politik die Widerstandskräfte nachhaltig geschwächt hat.

 
       
   

OTT, Karl-Heinz (2016): Der Tanz um die Fakten.
Angeblich leben wir in postfaktischen Zeiten, doch unsere Erkenntnis war schon immer von Interessen gesteuert,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 12.12.

Der Schriftsteller Karl-Heinz OTT kritisiert das Unwort "postfaktisch" u.a. aus Sicht der  Wissenschaftskritik an der angeblichen Wertfreiheit:

"Allein die Frage, wonach man forscht und wonach nicht, zeigt, dass die Wege der Wissenschaft von Vorentscheidungen abhängen."

Er kommt zu dem Schluss:

"Heute verlaufen die politischen Trennlinien nicht zwischen Faktengläubigkeit und postfaktischer Chuzpe, sondern zwischen Lebensvorstellungen, die man für richtig hält, und solchen, die man bekämpft. Es geht um Standpunkte, Blickwinkel und Glaubenshaltungen."

 
       
   

NEUE ZÜRCHER ZEITUNG-Thema: Kinder machen.
Fortschritte der Reproduktionsmedizin

SCHMID, Birgit (2016): Ein Kind um jeden Preis.
Mit der Fortpflanzungsmedizin wächst auch der Druck auf Paare mit unerfülltem Kinderwunsch, nichts unversucht zu lassen. Muss man sich bald rechtfertigen, wenn man sich dem Nachhelfen verschliesst?
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 12.12.

"Von den Paaren, die auf natürlichem Weg schwanger zu werden versuchen, bleiben 10 bis 15 Prozent erfolglos. Als unfruchtbar gilt ein Paar nach ein bis zwei Jahren vergeblichen Wartens. Ungefähr die Hälfte von ihnen lässt sich behandeln",

behauptet Birgit SCHMID, ohne uns zu erklären, woher sie das alles weiß. Die Antwort einer Psychotherapeutin, die durch ihre Arbeit lediglich mit einem ganz bestimmten Klientel von Paaren in Kontakt kommt, wird uns als einzige Sicht auf das Problem des sozialen Drucks auf Kinderlose - gemeint sind hier sowieso nur kinderlose Frauen mit Partner -  präsentiert. Dass die Sicht von SCHMID sehr eingeschränkt ist, zeigt sich, wenn es heißt:

"Die teuren Behandlungen, die nicht kassenpflichtig sind, muss man sich auch leisten können. (...) Finanziell weniger gut gestellte Paare sind von dieser Wunscherfüllung von vornherein ausgeschlossen." 

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

FORSTER, Christof (2016): Die größte Baustelle der Rentenreform.
Die Parteien streiten sich über die Kompensation der Renteneinbussen in der zweiten Säule,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 12.12.

Christof FORSTER berichtet im Vorfeld einer Ständeratsdebatte über die unterschiedlichen Positionen von Ständerat und Nationalrat in Sachen Kompensation der beschlossenen Renteneinbussen. Dabei geht es um folgende Instrumente:

1. Senkung oder Abschaffung des Koordinationsabzug bei den Pensionskassen:

"Dabei handelt es sich um jenen Teil des Lohnes, der nicht versichert ist. Mit einem grösseren versicherten Lohn steigen die Sparbeiträge für die Pensionskasse, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer leisten",

erklärt uns FORSTER das Instrument.
2. Senkung des Sparalters
3. Erhöhung der monatlichen Altersgutschriftensätze (Sparbeiträge)
4. Verbesserungen bei der AHV: Dieser Punkt stört Neoliberale als Anwälte der Besserverdienenden. In der Debatte wird das als "Vermischung der beiden Säulen" gebrandmarkt.
5. Definition der Übergangsgeneration: Hier geht es um die Frage, wer in den Genuss der vollständigen Kompensation kommen soll. Finanzieren soll das der Sicherungsfonds der Pensionskassen und damit die Arbeitnehmer und Arbeitgeber. 

 
       
   

WINKLER, Peter (2016): Sinkende Lebenserwartung in den USA.
Mehr Amerikaner sterben an einer Überdosis als bei Verkehrsunfällen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 12.12.

"Die «Washington Post» schlüsselte die Studie des Statistikzentrums der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) noch weiter auf und zeigte, dass von den wichtigsten Bevölkerungsgruppen die weissen Frauen und Männer sowie die schwarzen Männer im vergangenen Jahr eine höhere Sterblichkeit hinnehmen mussten. Schwarze Frauen sowie Latinos und Latinas waren von dem Negativtrend dagegen nicht betroffen. Ebenfalls unverändert blieb die Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren. Das heisst, dass die Gründe für die gesunkene Lebenserwartung bei der Geburt die jüngeren Altersgruppen besonders treffen. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu 1993. Damals, beim letzten Knick in der Statistik-Kurve zur Lebenserwartung, hatten die jüngeren Jahrgänge zwar ebenfalls höhere Sterberaten in den Kategorien Aids und Unfälle. Doch der grösste Beitrag an die höhere Sterblichkeit insgesamt kam aus der Gruppe der über 65 Jahre alten Personen. Eine Grippeepidemie hatte damals in Alterseinrichtungen besonders viele Todesfälle gefordert",

berichtet Peter WINKLER über die differentielle Entwicklung der Lebenserwartung in den USA.

 
       
   

11.12.2016

 
       
   

KIESERLING, André (2016): Die Last des Übergangs.
Soziale Systeme: Eine Biographie ist auch eine Abfolge von Krisen. Die späten sind dabei häufig die kompliziertesten,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
v. 11.12.

André KIESERLING, dessen ganzer Ekel sich auf das Thema Ungleichheit ergießt, findet Trost in Ulrich OEVERMANNs Lebenswerk, das sich gut in die entpolitisierte Systemtheorie einpasst. Da werden "gemütliche Familien" dem Leistungsdruck der Schulen gegenübergestellt. Gleichaltrige werden zur Schicksalsgemeinschaft, deren soziale Herkunft in dieser Sicht kein Problem ist. Nahestehende sind durch die Differenzierung der modernen Gesellschaft überfordert, weshalb diese Professionen ausgebildet hat. Diese Hilfe der Fernsten ist die Domäne der Mittelschicht, was hier kein Thema ist, denn es geht ja nicht um Interessenpolitik, sondern um die Rechtfertigung eines mittelschichtbasierten Hilfesystems, das die überforderte Restgesellschaft als profitable, krisengebeutelte Klientel betreuen darf. 

 
       
   

10.12.2016

 
       
   

SETSCHE, Michael (2016): Wider die Rede vom "Postfaktischen".
Soziologischer Zwischenruf zur medialen Konstruktion von Wirklichkeit,
in:
Telepolis v. 10.12.

Aus wissenssoziologischer Sicht kritisiert der Soziologe Michael SETSCHE das Unwort des Jahres 2016 "postfaktisch" als Versuch der Mainstreammedien ihre Deutung als Wahrheit durchzusetzen, obwohl durch das Internet dieses Monopol zu Recht infrage gestellt wurde: 

"Mit dem Aufstieg des Internets sind die traditionellen Leitmedien nicht mehr die unangefochtenen Konstrukteure von Wirklichkeit (...). Was sie, etwa die Tagesschau täglich um 20 Uhr, als »zutreffend und wahr« verkünden, erhält nicht mehr automatisch den Status kulturell unstrittigen orthodoxen Wissens. Vielmehr ist eine Konkurrenz durch Netzwerkmedien entstanden, welche die gewohnte monodirektionale Informationsverbreitung (ein Sender, viele Empfänger) durch neue Formen der Verbreitung von Wissen ergänzt - und zwar von Wissen, das im Regelfall nicht von einer speziellen Berufsgruppe (Journalisten und Redakteuren) vor seiner Verbreitung kontrolliert, angepasst und zugerichtet wurde.
Stattdessen ermöglichen die »Neuen Medien« es jedem Nutzer und jeder Nutzerin (und das ist in Ländern wie dem unseren inzwischen die große Mehrheit der Bevölkerung), seine eigene politische Meinung, ihre eigenen Thesen über den Zustand der Gesellschaft und eben auch eine beliebige Anzahl von so genannten Tatsachenbehauptungen über dieses und jenes in die Welt zu setzen.
Diese Meinungen, Thesen, Behauptungen sind oftmals lebensweltnäher als das, was sich in »Welt« und »Spiegel« nachlesen oder in der Tagesschau anschauen lässt, ist aber genauso oft durch keinerlei Kenntnis gesellschaftspolitischer Zusammenhänge oder auch wissenschaftliche Befunde zu einem Thema getrübt. »Postfaktisch« jedoch ist es in einem wissenssoziologisch informierten Sinne genauso sehr oder genauso wenig wie das, was die genannten und viele andere Medien uns vermeintlich rein »faktenbasiert und objektiv« über die Wirklichkeit zu vermitteln suchen."

Mit dem Unwort "postfaktisch" wird also lediglich das Selbstbild unserer Eliten beschrieben, die Einschränkungen ihrer Deutungshoheit mit allen Mittel bekämpfen. Oder wie es SETSCHE bezeichnet: Der Begriff "postfaktisch" wird von unserer Deutungselite diskursstrategisch missbraucht.  

 
       
   

WOLFF, Volker (2016): Augen zu und durch - Aktien lohnen dauerhaft.
Die Vermögensfrage: Die deutschen Anleger ziehen sich aus Aktien und Fonds zurück. Dabei wurde mit Renditen um acht Prozent belohnt, wer in den vergangenen 50 Jahren in Aktien investierte und die Papiere länger hielt. Egal, wann er kauft,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v. 10.12.

Volker WOLFF macht sich zum Helfershelfer des DAI, dessen Interessen auf die Überredung von potenziellen Altersvorsorgesparern abzielt. Zuerst jammert WOLFF über die dummen Deutschen, die nicht wissen was gut für sie ist.

"Seit Jahren listet das DAI sorgfältig auf, mit welcher Rendite ein Käufer aller Dax-Aktien belohnt wurde (...). Die Ergebnisse berücksichtigen Kursgewinne und Dividenden. Sie sind allerdings etwas zu schön, weil sie vor Steuern und ohne Kosten ermittelt wurden. Das ist nicht ganz die Realität der Anleger",

verharmlos WOLFF ganz im Sinne der Finanzdiensleistungslobby. Warum werden die Kosten nicht von den Renditen abgezogen? Offenbar ergäbe sich dann ein Minus. Die Zahlen, die uns WOLFF liefert, sind zudem geschönt:

"Tabelle 1 zeigt die Schicksale unterschiedlicher Anlagedauern in den vergangenen 50 deutschen Börsenjahren. Wer irgendwann in diesem Zeitraum Aktien kaufte und diese fünfzehn Jahre hielt, erwirtschaftete meist eine jährliche Rendite von achteinhalb Prozent. Unabhängig vom Kaufzeitpunkt. (...). Entscheidend bei dieser Anlagedauer: Es gab am Ende nie einen Verlust, die schalen 2,3 Prozent waren das schlechteste aller Ergebnisse unter den fünfzehnjährigen Anlagezeiträumen."

Das widerspricht der aktuellen Studie des DAI:

"Bei historischen DAX-Sparplänen von 15 Jahren betrug (...) der Verlust für die schlechteste 15-Jahres-Periode (...) noch -0,4 Prozent." (2016, S.21)"

Bei der Tabelle von WOLFF fehlt die Quellenangabe. Offenbar weil sonst jedem ersichtlich wäre, dass die Angaben veraltet sind. Oder welchen anderen Grund sollte es dafür geben?

Das wirkliche Problem beschreibt WOLFF dann folgendermaßen:

"Mit Aktien kann schnell auch mal ein Drittel des Anlagevermögens vernichtet werden."

WOLFF rät deshalb, dass neben Aktien eine "ausreichend gefüllte Kasse" benötigt wird, um solche Einbrüche auszusitzen. Geringverdiener, die derzeit vorrangig auf die Kapitalmärkte gelockt werden sollen, besitzen solche Voraussetzungen nicht - und ob sie den Ruhestand überhaupt erreichen, ist noch eine ganz andere Frage. Aktien als Altersvorsorge? Schlechterverdiener sollten davon die Finger lassen! Es gibt zudem keinerlei Garantie dafür, dass sich die Rendite der Vergangenheit auch zukünftig erwirtschaften lassen. 

 
       
   

Das Alterssicherungssystem in Griechenland in den Medien

HÖHLER, Gerd (2016): Weihnachtsgeld für arme Rentner.
Griechenlands Regierung verteilt Steuerüberschuss. Anzeichen für Neuwahlen mehren sich,
in: Frankfurter
Rundschau v. 10.12.

"Rund 1,6 Millionen Pensionäre mit weniger als 850 Euro Rente im Monat, bekommen zu Weihnachten eine einmalige Sonderzahlung von 300 bis 830 Euro",

erklärt uns Gerd HÖHLER ein Ankündigung des Regierungschefs von Griechenland.

PILLER, Tobias & Werner MUSSLER (2016): Weihnachtsgeld für griechische Rentner.
Tsipras verteilt Mehreinnahmen aus dem Staatshaushalt,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v. 10.12.

"Tsipras (...) hat (...) für 1,6 Millionen Rentner eine einmalige Rentenzulage angekündigt. Je nach Rentenanspruch sollen die Rentner mit Monatsbezügen bis zu 800 Euro eine weitere Zahlung von bis zu 800 Euro erhalten", erklären uns PILLER & MUSSLER.

 
       
   

09.12.2016

 
       
   

Wort des Jahres 2016: postfaktisch - oder warum es das Unwort des Jahres ist

GFDS (2016): GfdS wählt »postfaktisch« zum Wort des Jahres 2016.
in: Pressemitteilung der Gesellschaft für deutsche Sprache v. 09.12.

Der Begriff "postfaktisch" wäre eigentlich ein Kandidat für das Unwort des Jahres gewesen. Durch diese Wahl ergreift die GFDS Partei für unsere Eliten, die dieses Wort als Schuldzuweisung an den Rest der Gesellschaft erfunden hat. Die Eliten reservieren damit ein Wahrheitsmonopol für sich, der Rest hat dagegen höchstens Meinungen und Gefühle. Die Wahl könnte die Kluft zwischen Eliten und Gesellschaft noch tiefer werden lassen, denn sie zeigt, dass Kommunikation in Postdemokratien wie Deutschland nur noch als Einbahnstraße erwünscht ist. Wir sollen unseren Eliten glauben wie früher die Gläubigen den religiösen Heilsbringern.

Unsere deutschen Sprachverwalter folgen mit ihrer Entscheidung lediglich dem britischen Vorbild.  

 
       
   

KAUFMANN, Stephan (2016): Jung, arm, kinderlos.
Befristete Beschäftigung hat Konsequenzen,
in: Frankfurter
Rundschau v. 09.12.

Stephan KAUFMANN berichtet unkritisch über die gestern veröffentlichte Auswertung des Mikrozensus 2015 von Eric SEILS (WSI). Dort heißt es:

"Sehr deutlich ist (...) der Unterschied bei der Anzahl der Kinder. In 100 Haushalten von befristet Beschäftigten dieser Altersgruppe leben durchschnittlich nur 29 Kinder. Wie Abbildung 5 zeigt, sind es in den Haushalten der unbefristet Beschäftigten durchschnittlich etwa 13 Kinder pro 100 Haushalten mehr. Allerdings unterscheiden sich befristete und unbefristete Beschäftigte in vielerlei Hinsicht. Um weitergehende Schlussfolgerungen über die Wirkung der Art des Arbeitsvertrages auf die familiäre Situation zu ermöglichen, wären daher multivariate Analysen erforderlich, die zumindest solche Faktoren wie die Branchenzugehörigkeit, Qualifikationsniveaus und den Migrationsstatus statistisch kontrollieren."

Die Altersgruppe der 20-35-Jährigen ist sehr groß gewählt. Der Mikrozensus 2015 erfasst zudem keine Kinderlose. Diese werden lediglich alle vier Jahre (zuletzt 2012) erfasst. Die Kinder könnten z.B. bei der Partnerin/dem Partner leben. Je höher der Bildungsgrad, desto später im Lebenslauf werden Kinder geboren. Die Auswertung hat deshalb nur eine geringe Aussagekraft. Die Personen mit unbefristeten Arbeitsverträgen könnten durchschnittlich älter sein als jene mit befristeten Arbeitsverträgen, wodurch die Zahlen nicht vergleichbar wären. Dazu müssten mindestens drei Altersgruppen verglichen werden: 20-24 Jahre, 25-29 Jahre und 30-34-Jahre.

Fazit: Die Auswertung von SEILS ist unseriös und belegt nicht das, was sie zu belegen beansprucht. Die Zusammenfassung einer großen Altersgruppe dient in erster Linie der Skandalisierung, aber nicht der Aufklärung.     

 
       
   

OTTO, Stefan (2016): Mehr als ein Wickelvolontariat.
Eine Untersuchung zeigt, wie sich das Elterngeld in den vergangenen zehn Jahren etabliert hat,
in: Neues Deutschland
v. 09.12.

Stefan OTTO berichtet über den DIW-Wochenbericht Nr.49 zum Thema Elterngeld. In der Mediendebatte wurden dem Elterngeld Wunder bei der Steigerung der Geburten zugeschrieben. Einpeitscher dieser Debatte wie die ehemalige ZEIT-Redakteurin Susanne GASCHKE stilisierten die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen zum Hauptproblem des Geburtenrückgangs in Deutschland. Im Rückblick war dies ein fataler Fehler. Erst langsam wird klar, dass die Kinderlosigkeit weit überschätzt wurde, während der Rückgang der kinderreichen Familien ignoriert wurde. Es erstaunt deshalb nicht, dass die Autoren des Beitrags Zehn Jahre Elterngeld: Eine wichtige familienpolitische Maßnahme keine positiven Wirkungen auf die Geburtenrate belegen können. Sie verweisen hier in erster Linie auf ein empirisches Defizit der Forschungslage:

"Bislang liegt jedoch nur wenig belastbare empirische Evidenz zu kausalen Wirkungen des Elterngeldes auf die Entwicklung der Fertilität in Deutschland vor. Grundsätzlich wird vermutet, dass das Elterngeld zu mehr Geburten führt, da die Mehrheit der Familienhaushalte durch das Elterngeld finanziell besser gestellt ist. Allerdings kann ebenso argumentiert werden, dass sich das Alter der Mütter bei der ersten Geburt erhöht. Zu einem späteren Zeitpunkt haben Eltern im Mittel ein höheres Erwerbseinkommen und damit auch ein höheres Elterngeld. Der Zusammenhang zwischen Alter bei der ersten Geburt und der Einführung des Elterngeldes ist unseres Wissens nach allerdings noch nicht explizit untersucht worden." (2016, S.1164)

Es wiederholt sich also auch hier wieder das, was in der Debatte über die Kinderlosigkeit zu beobachten war: Spekulationen ersetzen die Empirie - oder sind die bisherigen Ergebnisse von Studien nicht politisch korrekt genug gewesen?

Die Autoren begnügen sich mit einer Sekundäranalyse, wenn sie schreiben:

"Eine Studie zeigt, dass das Elterngeld, wenn auch in geringem Maße, die Wahrscheinlichkeit für weitere Geburten verringert. Eine weitere Untersuchung auf Basis des Mikrozensus weist je nach Einkommen unterschiedliche Effekte auf weitere Geburten aus: Insbesondere bei Frauen aus dem unteren Einkommensbereich sinkt die Wahrscheinlichkeit weiterer Geburten, während andere Frauen später wieder »aufholen«." (2016, S.1164)

Eine positive Bilanz sieht anders aus!  

 
       
   

HAAK, Sebastian (2016): In verschiedenen Welten.
Thüringer Landkreistag geht auf Konfrontationskurs zur rot-rot-grünen Regierung, vor allem wegen der Gebietsreform,
in: Neues Deutschland
v. 09.12.

 
       
   

MKR (2016): Plötzlich Politiker.
Mit der Berufung von Andrej Holm zum Staatssekretär unterstreicht Berlins rot-rot-grüner Senat den Willen zum Politikwechsel,
in: Neues Deutschland
v. 09.12.

ASMUTH, Gereon (2016): Kommt ein Radikaler in die Amtsstube.
Kommentar: Zur Berufung des Mieteraktivisten Andrej Holm zum Berliner Staatssekretär für Bauen und Wohnen,
in:
TAZ v. 09.12.

"Holm wird nicht Mitglied des Senats, er ist nur die Hilfskraft der neuen Stadtentwicklungssenatorin. Dennoch ist er unübersehbarer Beleg dafür, dass der neue Senat tatsächlich etwas ändern will",

meint Gereon ASMUTH. Vielleicht dient Andrej HOLM auch nur als Feigenblatt. Man wird sehen müssen, ob das gut geht. Man war offensichtlich nicht mutig genug ihn gleich zum Stadtentwicklungssenator zu küren. Nur das wäre ein wirkliches Signal gewesen!

RADA, Uwe & Dinah RIESE (2016): Berliner Senat mietet Andrej Holm.
Wohnungspolitik: Keiner hat Berlins Baupolitik so lange und so hart kritisiert wie der Stadtsoziologe Andrej Holm. Er war Aktivist, Akademiker und im Knast. Nun ist er als Staatssekretär selbst zuständig,
in:
TAZ v. 09.12.

 
       
   

SCHLIETER, Kai (2016): Auf ins Konzernland.
Die Bundesregierung lässt eine private Gesellschaft designen, damit Konzernen höhere Renditen erzielen. Finanziert von Steuerzahlern. Möglich wird nun eine weitreichende Privatisierung der Infrastruktur,
in:
TAZ v. 09.12.

Der Bericht von Kai SCHLIETER ist mehr als verlogen: Wir sind längst ein Konzernland und die Infrastrukturgesellschaft ist lediglich ein weiterer Baustein eines Prozesses, den Rot-Grün und deren Regierungsblatt taz in Gang gesetzt hat. Es wird von Konzernen gesprochen, obwohl es in erster Linie um institutionelle Anleger wie z.B. Fondsgesellschaften oder Lebensversicherer, geht. Deren Renditewünsche resultieren aus der Teilprivatisierung der gesetzlichen Rentenversicherung, mit der die Renten von immer mehr Menschen der Willkür der Kapitalmärkte ausgeliefert wurden. In einem Gutachten der Versicherungswirtschaft war zu lesen, was sich die Lobbyisten vom Staat wünschten. Wenn heute also mit einem Kabinettsbeschluss ein Gesetzesentwurf auf den Weg gebracht wird, der die Profite derjenigen, die durch die Niedrigzinsphase derzeit etwas weniger Gewinn machen, stärkt, dann muss dies in diesem Kontext gesehen werden. Davon liest man bei SCHLIETER jedoch nichts, denn schließlich gehört die taz nicht zu jenen Zeitungen, die das kapitalgedeckte Altersvorsorgesystem besonders kritisieren.    

 
       
   

DEMLING, Alexander (2016): Rache von der Müllhalde.
USA,
in: Handelsblatt
v. 09.12.

"Die Hälfte der Trump-Wähler sei ein »Korb von Erbärmlichen« (»basket of deplorables«), von Sexisten, Homophoben und Rassisten, mit denen ein ziviler politischer Diskurs vergeblich sei. Das sagte sie (Anm.d.Verf.: Hillary Clinton) in einer Rede im September. Für die Republikaner wurde Clintons Beleidigung prompt zum Schlachtruf (...). Bei keiner Wählergruppe verlor Clinton so deutlich wie bei Weißen ohne Collegeabschluss",

erklärt uns Alexander DEMLING. Hätte CLINTON die Wahl gewonnen, wenn sie das Buch White Trash von Nancy Isenberg über die 400jährige Geschichte der "weißen Unterklasse" gelesen hätte? Das jedenfalls legt DEMLING nahe, der das Buch für erhellend hält.

"Kreativ waren die - natürlich selbst ernannten weißen - Eliten mit ihren Beleidigungen: Aus dem eher neutralen Begriff »waste people«, die Ödland - »wasteland« urbar machten, erwuchsen Begriffe wie »Lehmfresser«, »Rednecks« und schließlich der »weiße Müll«, der dem Buch seinen Namen gab. (...).
Der »Weiße Müll« entwickelte aber auch einen Underdog-Stolz. Sie fühlten sich zum Beispiel verbunden mit sogenannten »Country Boys«, die auf dem Weg nach oben nicht völlig entwurzelten",

beschreibt DEMLING das zwiespältige Verhältnis zwischen Eliten und weißer Unterschicht. Die Kernthese behauptet, dass die Populisten die Spaltung der Unterklasse ausnutzen, um "Mehrheiten gegen einen Sozialstaat zu organisieren". Eine solche Sicht ist offenbar zu einfach, denn auch Nicht-Populisten haben kein Interesse an einer gerechten Verteilung des Wohlstandes, was der Kern des Sozialstaatsprinzips wäre.

 
       
   

SCHARRENBROCH, Christine (2016): Eiserner Sparkurs bei Zurich Deutschland.
Beim Versicherer fällt ein Sechstel aller Stellen weg,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 09.12.

Lebensversicherer klagen über die schlechten Bedingungen auf dem deutschen Lebensversicherungsmarkt und die neoliberalen Mainstreamjournalisten machen sich deren Klagen zu eigen. Vor diesem Hintergrund müsste man annehmen, dass der geplante Stellenabbau der defizitären Lebensversicherungssparte geschuldet sei. Christine SCHARRENBROCH belehrt uns dagegen, dass der Stellenabbau mit den Defiziten bei der Schadens- und Unfallversicherungsparte des Versicherungskonzerns Zurich begründet wird. 

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

FONTANA, Katharina (2016): Nicht aus dem Schneider.
Die Sanierung der Invalidenversicherung scheint auf guten Wegen zu sein. Das ist allerdings kein Grund, nun wieder die Schleusen zu öffnen. Bei der nächsten Reform braucht es vielmehr weitere Eingriffe,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 09.12.

Katharina FONTANA erklärt uns in der typischen neoliberalen Sprache der Verachtung gegenüber Transferempfängern, die man in Deutschland aus der rot-grünen Ära der Agenda 2010 kennt, wie Neoliberale in der Schweiz die Invalidenversicherung mit Reformen ab 2004 aus den Fängen der Sozialschmarotzer gerettet haben:

"Der einfache Weg zur Rente wurde blockiert, überbordende Ansprüche an die IV wurden zurückgestutzt. Im Vordergrund stand nicht mehr der Anspruch auf eine Rente, sondern der Verbleib in der Arbeitswelt - mehr Arbeitsmoral und weniger Rentnermentalität, lautete neu die Devise."

Die IV soll sogar profitabel werden ("Cash-Cow"). So zumindest zeigen es Berechnungen des Bundesamts für Sozialversicherungen, die FONTANA jedoch anzweifelt. Ärgerlich sind für sie insbesondere politische Forderungen nach Verbesserungen bei der Invalidenversicherung, weshalb sie die Errungenschaften des aktivierenden Sozialstaates preist, die wir auch aus Deutschland zu Genüge kennen. Kranke  werden so zu Spaßarbeitern. Verbesserungen werden von FONTANA mit Hinweis auf Missbrauch strikt abgelehnt. Sie lobt stattdessen eine geplante Reform, die verhindern soll, dass "Junge mit Kranksein mehr Geld bekommen als mit Arbeit".

Fazit: Die Unterstellung von Missbrauch dient Neoliberalen aller Länder dazu, die Bevölkerung zu spalten und dadurch Verbesserungen im Sozialbereich zu verhindern.  

 
       
   

08.12.2016

 
       
   

BOSBACH, Gerd & Hans-Jürgen KORFF (2016): Neue Zahlen: Gesetzliche Renten seit 2000 dramatisch gesunken – Es ist Zeit zu handeln, Frau Nahles!
in: nachdenkseiten.de v. 08.12.

WORATSCHKA, Rainer (2016): Der Armut näher.
Rentner erlitten in den vergangenen 15 Jahren einen enormen Kaufkraftverlust,
in:
Tagesspiegel v. 08.12.

Rainer WORATSCHKA berichtet über die Kritik des Statistikprofessors Gerd BOSBACH an der Verharmlosung der Rentenentwicklung in der neoliberalen Berichterstattung der Mainstreammedien zum Rentenniveau:

"(D)ie Rentenzahlungen (sanken) zwischen den Jahren 2000 und 2015 für Neurentner mit Versicherungszeiten von mehr als 35 Jahren im Schnitt von 1021 auf 848 Euro im Monat. Das ist ein Minus von 16,9 Prozent. Im gleichen Zeitraum stiegen die Preise um 24,7 und das Bruttoinlandsprodukt um 18,3 Prozent.
Auch die sogenannten Bestandsrentner mit mehr als 35 Versicherungsjahren hätten gemessen an der Kaufkraft ein enormes Minus zu verkraften gehabt, sagt Bosbach. Um die Preissteigerungen in diesem Zeitraum ausgeglichen zu bekommen, hätten sie im Jahr 2015 gut 21 Prozent mehr Rente bekommen müssen. Nominal stiegen ihre Bezüge zwischen 2000 und 2015 zwar geringfügig, das Plus betrug jedoch lediglich 2,8 Prozent. Im Schnitt erhöhte sich die Rentenzahlung für diese Gruppe pro Person von 1048 auf 1078 Euro im Monat."

Grundlage der Berechnungen sind Angaben der Deutschen Rentenversicherung in ihrer Publikation Rentenversicherung in Zeitreihen vom Oktober diesen Jahres.

 
       
   

SEILS, Eric (2016): Jugend & befristete Beschäftigung.
Eine Auswertung auf der Basis aktueller Daten des Mikrozensus,
in: Policy Brief Nr.8
v. 08.12.

 
       
   

Die Ostrentenangleichung in den Medien

DOEMENS, Karl (2016): Rentenkassen zürnen wegen Ost-West-Angleichung.
Versicherung warnt vor einem enormen Anstieg der Beiträge und spricht von einer "gesamtgesellschaftlichen Aufgabe",
in: Frankfurter
Rundschau v. 08.12.

Karl DOEMENS wiederholt noch einmal die ganze Debatte um die Ostrentenangleichung seit der Tagung des Koalitionsauschusses, um dann die Sicht der Deutschen Rentenversicherung (DRV) anhand der Reden von Annelie BUNTENBACH und Axel REIMANN auf der Bundesvertreterversammlung darzulegen.

DOEMENS beschwört mit Axel REIMANN die Gefahr, dass die Beitragsobergrenze von 22 Prozent bis 2030 nicht eingehalten werden könne, falls die Finanzierung der Ostrentenangleichung aus Beiträgen erfolgen sollte. DOEMENS verschweigt uns jedoch - im Gegensatz zu Peter THELEN, dass heute ein Gespräch zur Beilegung des Finanzierungsstreits bevorsteht.

THELEN, Peter (2016): Finanzlage noch besser als gedacht.
Rentenversicherung: Das Rentensystem steht immer noch stabil da - trotz großzügiger Geschenke der Bundesregierung wie etwa der Mütterrente. Das könnte sich aber schnell ändern, wenn nicht bald gegengesteuert wird,
in:
Handelsblatt v. 08.12.

Peter THELEN holt weiter aus als Karl DOEMENS, wenn er mit Axel REIMANN die Finanzlage der Rentenversicherung beschreibt, um dann aber ebenfalls die Ostrentenangleichung mittels Beitragsfinanzierung zu problematisieren:

"Die bis auf vier Milliarden Euro pro Jahr steigenden Kosten werden mithin 2024 erst voll wirksam, wenn auch die Rentenausgaben demografiebedingt stark steigen.
Das darf die Politik eigentlich nicht zulassen (...). Entsprechend hoch ist der Druck auf Schäuble, der am Donnerstag erneut mit Arbeitsministerin Andrea Nahles über das Thema verhandeln will. Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter in der Rentenversicherung stützen Nahles' Forderung nach Steuerfinanzierung."

ÖCHSNER, Thomas (2016): Auf der Seite von Nahles.
Rentenversicherung: Steuerzahler muss Ost-West-Angleichung zahlen,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 08.12.

 
       
   

HOFFMANN, Catherine (2016): Stadt, Land, Kluft.
Regionalpolitik: Deutschland braucht urbane Zentren, will es auch in Zukunft innovativ sein,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 08.12.

Catherine HOFFMANN rechtfertigt mit Richard FLORIDA und Reiner KLINGHOLZ, dass das Land gegenüber den Ballungszentren noch weiter abgehängt wird. Städte sollen um die kreative Klasse werben. Der neue Standortwettbewerb wird nicht mehr um Unternehmen, sondern um die Ansiedlung von Talenten geführt, so will es die Elitentheorie von HOFFMANN. Das Land soll deshalb zum Reservat alter Menschen werden, während die lernende und arbeitende Bevölkerung in urbane Räume zieht. Die Aufgabe einer Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse führt dazu, dass das Land nur dann weiterhin attraktiv ist, wenn es zum einen verkehrsmäßig nicht abgehängt ist und zum anderen der städtischen Elite einen Mehrwert verschafft (Erholung und Biokost)

"Orte in verkehrsgünstiger Lage unweit von städtischen Zentren haben es am einfachsten - sie bieten schon heute günstige und grüne Rückzugsbereiche für Städter. Oder Erholungsraum für Touristen. Auch der Trend zu regionalen Produkten bietet Chancen".

In dieser Elitentheorie droht das überflüssige Land zur Abstellkammer für die unproduktiven Teile der Bevölkerung zu werden: Alte und Arbeitslose, die sich ein Leben in den urbanen Räumen nicht mehr leisten können.  

 
       
   

LEBERT, Stephan (2016): Journalismus ist der tollste Beruf der Welt.
Aber etwas ist schief gelaufen. Wir Journalisten sind Teil des Establishments geworden. Es ist Zeit, das zu ändern,
in: Die ZEIT Nr.51
v. 08.12.

"(I)n den Neunzigern und zu Beginn der nuller Jahre (setzte) das veränderte Selbstverständnis vieler Journalisten ein. Man träumte nicht mehr davon, gefürchtet zu werden, man wollte geachtet werden. (...). Die Medien wurden Teil des Establishments (...). Man wollte sich zur Elite zugehörig fühlen, man wollte sie nicht mehr kontrollieren (...)."
In diesen Zeiten schaffte der Journalismus übrigens weitgehend die sogenannten Sozialreportagen ab, also die Nahaufnahmen aus den unteren Milieus, die Geschichten, die soziale Missstände anprangerten",

behauptet Stephan LEBERT. Daran ist nur eines wahr: Journalismus der Mainstreamzeitungen ist Teil des Establishments und pöbelt deshalb gegen den Rest der Gesellschaft, der zu dumm ist, um zu wissen, was gut ist und die deshalb zum richtigen neoliberalen Glauben überredet werden müssen. Sozialreportagen drehen sich deshalb nur noch um den Missbrauch staatlicher Leistungen durch das gemeine Volk. Die Eliten stilisieren sich zum Opfer der Massen.

Am Ende wird es gar ganz dreist, wenn LEBERT behauptet, dass es inzwischen einen Bewusstseinswandel gibt:

"Das Vertrauen ist weg, die Medien haben viel Glaubwürdigkeit eingebüßt, obwohl vieles inzwischen korrigiert worden ist. Eine neue, jüngere Journalistengeneration hat längst wieder ein anderes Selbstverständnis. Auch der Boom des seriösen investigativen Journalismus auf allen Kanälen ist dafür ein Beleg."

Man hätte da gerne Beispiele genannt bekommen, damit man sich selber ein Bild machen könnte. Doch so viel Vertrauen in den Leser ist offensichtlich zu viel verlangt. Alle Medien hätten vor TRUMP gewarnt, aber niemand hat das hören wollen? Wie doof ist das eigentlich? Das Buch der Stunde sei Rückkehr nach Reims von Didier ERIBON. Das Buch ist jedoch bereits 2009 in Frankreich erschienen, selbst zu diesem Zeitpunkt war es bereits zu spät. Der Sündenfall begann spätestens Anfang des Jahrtausends.

Im 2006 erschienenen Buch Die Single-Lüge vom Betreiber dieser Website wird im Kapitel 3 die Frage nach dem Vorbild Frankreich aufgeworfen. Anhand des Buchs Die Tyrannei der Lust von Jean-Claude GUILLEBAUD wird das Phänomen der Identitätspolitik behandelt und dabei auf die beiden verfeindeten linken Strömungen eingegangen. Im Kampf um die Anerkennung wurde der Verteilungskampf vergessen. Das Buch erschien in Frankreich 1998 - ein Jahrzehnt vor ERIBON. Allein dies zeigt, dass die jetzt aufbrechende Debatte eine lange Vorgeschichte hat. Unsere Medienelite verdrängt diesen Aspekt. Der Artikel von LEBERT zeigt vor allem eines: Journalisten basteln sich ein neues Wunschbild ihres Berufsstands - mit der gesellschaftlichen Realität hat das kaum etwas zu tun, sondern nur mit den Befindlichkeiten unseres individualisierten Milieus, dem Kollektivierungsprozesse wie sie derzeit aufflammen nichts als ein Graus sind. Der Soziologe Karl Otto HONDRICH hat frühzeitig einen Paradigmenwechsel gefordert: Statt der Individualisierungsprozesse sollten Kollektivierungsprozesse als Gegenreaktion in den Focus gerückt werden. 2003 wurde auf dieser Website das Ende der Individualisierungsverheißungen und die Rückkehr der Klassengesellschaft prophezeit. Mit den Themen des Monats wurden frühzeitig jene Themen aufgegriffen, die inzwischen virulent geworden sind oder in den nächsten Jahren dominant werden. Niemand kann behaupten, man hätte nicht wissen können, was passieren wird! Wenn sich Journalisten weiter weigern die veränderten Realitäten anzuerkennen, dann wird Deutschland schneller im Nationalkonservatismus enden als es den Verfechtern der offenen Gesellschaft lieb sein kann.

 
       
   

REHBERG, Peter (2016): Scham und Haltung.
Geistesleben: Didier Eribon war der Intellektuelle des Jahres 2016. Er steht für eine neue Art politischen Denkens,
in:
Freitag Nr.49 v. 08.12.

Peter REHBERG nimmt die Auftritte von Didier ERIBON in Berlin zum Anlass, um eine neue Rolle des Intellektuellen zu proklamieren: den schamhaften Intellektuellen. Mehr als Ratlosigkeit bleibt dabei nicht übrig.

 
       
   

07.12.2016

 
       
   

Die Reden auf der Bundesvertreterversammlung der Deutschen Rentenversicherung

BUNTENBACH, Annelie (2016): Aktuelle Vorschläge zur Fortentwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung.
Rede auf der Bundesvertreterversammlung,
in: deutsche-rentenversicherung.de
v. 07.12.

REIMANN, Axel (2016): Die Finanzlage der Deutschen Rentenversicherung.
Rede auf der Bundesvertreterversammlung,
in: deutsche-rentenversicherung.de
v. 07.12.

 
       
   

LAMBECK, Fabian (2016): Arme haben kaum was von der Rente.
Studie eines Versicherungskonzerns belegt die gewaltigen Unterschiede bei der Lebenserwartung in Deutschland,
in: Neues Deutschland
v. 07.12.

Fabian LAMBECK berichtet über den Welt-Artikel von Holger ZSCHÄPITZ, in dem dieser eine unveröffentlichte Studie eines Versicherungsunternehmen zur differentiellen Lebenserwartung in Abhängigkeit vom Einkommen vorstellte. LAMBECK weist darauf hin, dass dies bereits seit längerem bekannt sei, weil das Robert-Koch-Institut dazu regelmäßig berichtet:

"Tatsächlich veröffentlicht das Institut entsprechende Zahlen schon seit Jahren, nur stören diese in der neoliberal geprägten Debatte um das Renteneintrittsalter."

LAMBECK weist darauf hin, dass Rolf ROSENBROCK vom Paritätischen Wohlfahrtsverband bereits im Frühjahr auf Unterschiede bei der gesunden Lebenserwartung hingewiesen haben:

"Menschen aus dem unteren Fünftel seien »im Durchschnitt 3,5 Jahre früher im Leben von chronisch degenerativen Erkrankungen betroffen«. Somit betrage der Unterschied in der gesunden Lebenserwartung, also die Anzahl der Jahre, die man ohne Krankheit verbringe, »über 14 Jahre«".

LAMBECK präsentiert uns dann noch verschiedene Stellungnahme zum Renteneintrittsalter, die von Finanzminister Wolfgang SCHÄUBLE über Wolfgang STEIGER ("CDU-Wirtschaftsrat") bis zu Annelie BUNTENBACH (DGB) reichen.  

 
       
   

SEIBERT, Thomas (2016): Die Arbeiterklasse wird es nicht tun.
Kolumne: Seibert setzt für eine Linkswende auf das solidarische Drittel der Gesellschaft - und nicht auf die Abgehängten,
in: Neues Deutschland
v. 07.12.

Thomas SEIBERT setzt den Begriff "Arbeiterklasse" mit den Begriffen "Abgehängte" und "Verängstigte" gleich, während das "solidarische Drittel der Gesellschaft" als "anti-neoliberale, antirassistische, antisexistische, wachstumskritische und paneuropäische Mixtur" beschrieben wird. Eine genaue Vorstellung über diese unterschiedlichen Gruppen - wenn es denn überhaupt verschiedene Gruppen sind -  hat SEIBERT jedoch nicht. Weil das noch nicht undurchsichtig genug ist, wird die "Parteilinke" und die "Bewegungslinke" jenen gegenübergestellt, die mit diesen sympathisieren. Man könnte dafür auch einen gehypten Begriff vom Anfang des Jahrtausends verwenden: Multitude, denn ähnlich nebulös ist auch das Reservoir von SEIBERT, aus dem sich eine rot-rot-grüne Mehrheit speisen soll. Multitude war eine Projektion jener, die sich Veränderungen erträumten, aber nichts wirklich Handfestes über jene Subjekte wussten, die das bewerkstelligen sollten. Die Subjekte waren lediglich Interessenprojektionen ihrer Schöpfer, genauso wie bei SEIBERT.

Wie wäre es stattdessen mit einer neuen linken Sammlungsbewegung als Alternative zu den etablierten Mitte-Parteien, denn diese haben ihr Glaubwürdigkeit längst verloren. Ihre linken Protagonisten werden lediglich noch als Opportunisten wahrgenommen, die sich - je nach Wetterlage - auch neoliberaler Politik nicht verschließen. Anti-Neoliberalismus wird sonst lediglich zu einer Floskel ohne jegliche Bedeutung. 

 
       
   

STEFFEN, Johannes (2016): Durchschnittsentgelt und Arbeitszeit.
Teilzeiteffekt erhöht Rentenanwartschaft – nicht aber die Rente,
in:
sozialpolitik-portal.de v. 07.12.

 
       
   

Die Lebensversicherer in den Medien

SCHNELL, Christian & Carsten HERZ (2016): Rendite im Abwärtssog.
Besitzer von Lebensversicherungen müssen tapfer sein: Im nächsten Jahr bekommen sie noch weniger auf die angesparten Beträge gutgeschrieben,
in:
Handelsblatt v. 07.12.

"Seit Dienstag gibt es die bittere Gewissheit, dass am Ende der Laufzeit bei vielen Versicherten wieder etwas weniger herauskommen wird als bisher vermutet. Mit Allianz, Axa und Ergo haben drei Schwergewichte der Branche die Zahlen zur laufenden Verzinsung ihrer Lebensversicherungen im kommenden Jahr genannt. Einig sind sie sich in einem: Die laufende Verzinsung sinkt",

berichten SCHNELL & HERZ. Die Versicherer wollen keine Garantiezinsen mehr anbieten. Um Policen mit weniger Garantien (z.B. Bestandsgarantie) zu vermarkten, greifen Versicherer wie die Allianz darauf zurück, den Versicherten mit Garantiezinsen geringere Anteile am Schlussgewinn und den Bewertungsreserven zuzugestehen als Neukunden mit Bestandsgarantie. Bei der Allianz beträgt der Unterschied für das Jahr 2017 0,3 Prozent.

MAGENHEIM, Thomas (2016): Auch die Stärksten werden schwächer.
Analyse: Lebenspolicen werden 2017 erneut schlechter rentieren. Ein Ende des Abwärtstrends ist nicht in Sicht. Und es kann noch schlimmer werden - Pleiten von Versicherern eingeschlossen,
in: Frankfurter
Rundschau v. 07.12.

Thomas MAGENHEIM vermischt die Ankündigungen von Allianz und Ergo, ihre Verzinsung zu senken, mit Einschätzungen von Axel KLEINLEIN (BDV), der befürchtet, dass die Lebensversicherer die Krise mit Hilfe von Intransparenz auszusitzen versuchen. Auch der Map-Report weist für MAGENHEIM in eine bedenkliche Richtung. Niedrige Stornierungsraten sind da keineswegs eine frohe Botschaft, sondern belegen höchstens, dass Altkunden ihre wertvollen Verträge lieber behalten. Unseriöse Lebensversicherer versuchen deshalb ihre Altkunden zu Kündigungen zu überreden.

KROHN, Philipp (2016): Überschussbeteiligungen schmelzen dahin.
Keine guten Zeiten für Lebensversicherte: Die Policen werfen immer weniger ab. 10 Prozent weniger Verzinsung sind normal. Woran liegt das?
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 07.12.

"Alle drei großen Versicherer kürzten am Dienstag ihre Überschussbeteiligung für die Kunden um gut 10 Prozent oder mehr. Marktführer Allianz senkte die laufende Verzinsung von 3,1 auf 2,8 Prozent. Dabei handelt es sich nicht um die Beitragsrendite, sondern die Verzinsung für den Sparanteil der Police – also alles das, was nach Abzug der Kosten für Vertrieb und Risikoschutz in die Altersvorsorge des Kunden geht. Läuft ein Vertrag aus, kommen ein Sockelbetrag und eine Beteiligung an den Bewertungsreserven hinzu, die sich zusammen auf 0,6 Prozent addieren. So kommt eine Gesamtverzinsung von 3,4 Prozent für das Jahr 2017 zustande",

berichtet Philipp KROHN, der die Unternehmensinteressen in den Vordergrund seiner Berichterstattung stellt. So brüsten sich die Lebensversicherer damit, dass sie jetzt schon die Bedingungen von Solvency II erfüllen, die sie vorher vehement bekämpft haben. Dese Maßnahme geht nämlich voll zu Lasten der Kunden, deren Beteiligung aus den Überschüssen gekürzt werden.

Die unseriöse Praktiken, mit denen Kunden zur Kündigung von lukrativen Altverträgen bewegt werden sollen, werden als "subtil" verharmlost.

Marktführer Allianz ist zudem Vorreiter bei der neuen Abzocke der Kunden mit niedrigeren Garantien, die auch noch mehr Kosten als die höheren alten Garantien. Solange die Kunden sich das bieten lassen, können sich die Versicherer freuen. Die breitflächige Propaganda der Mainstreamzeitungen, die in erster Linie die Interessen der Finanzdienstleister statt der Kunden im Auge haben, hat offenbar ihre Wirkung nicht verfehlt - zumindest lautet so die Sprachregelung bei den Medien. Inwiefern dies ebenfalls nur Propaganda ist, lässt sich kaum nachprüfen.

KROHN, Philipp (2016): Andere Lehren.
Kommentar,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 07.12.

"Zwischen zwei revolutionären Ideen konnten sie sich entscheiden - entweder das Kollektiv abschaffen, um die Garantien zu retten, oder die Garantien abschaffen, um das Kollektiv zu retten. Den meisten war es so wichtig, Kunden weiterhin Sicherheit (...) zu versprechen, dass ihre Verträge zu besseren Fondssparverträgen verkommen sind. An die Idee, dass Sparen in der Gruppe effizient die Schwankungen der Kapitalmärkte glättet, glauben sie nicht mehr ", kritisiert Philipp KROHN.

 
       
   

Wie die Broschüre Lebensstandard im Alter sichern – Rentenlücke mit Aktien schließen der Finanzdienstleisterlobby in den Medien schönfärberisch dargestellt wird

REZMER, Anke (2016): Aktiensparen für die Rente.
Kommentar Bulle & Bär,
in:
Handelsblatt v. 07.12.

Anke REZMER erklärt uns wie die Kapitaldeckung von der Angst vor Altersarmut profitieren will. Christine BORTENLÄNGER vom Deutschen Aktieninstitut (DAI), also einer Finanzdienstleistungslobbyistin, will uns auf den Aktienmarkt locken:

"Vier Prozent Rendite braucht ein deutscher Durchschnittsverdiener laut DAI auf Sparraten in Höhe von vier Prozent seines Bruttoeinkommens im Jahr - will er das Abschmelzen seiner Rente von heute 50 Prozent des letzten Nettoeinkommens auf gut 41 Prozent im Jahr 2060 ausgleichen",

berichtet REZMER über die Sicht des DIA. Bei dieser Rechnung ist so ziemlich alles ungewiss. Wer 2060 in Rente geht - also derzeit mit 67 Jahren - wurde 1993 geboren und ist damit heute 23 Jahre alt und damit Berufsanfänger. Das Rentenniveau bezieht sich nicht auf das letzte Nettoeinkommen, sondern auf den durchschnittlichen Verdienst während seines Arbeitslebens. Es liegt heute bei rund 48 Prozent. Das Bundesarbeitsministeriums hat für 2045 ein Niveau von rund 42 Prozent prognostiziert. Bei einem weiteren Geburtenanstieg könnte sich das Verhältnis von Beitragszahlern zur Rentnern im Jahr 2060 wesentlich verbessern, weshalb die 41 Prozent reine Panikmache sind. Sollte sich die Politik zur Stabilisierung des Rentenniveaus genötigt sehen - was eher wahrscheinlich ist, dann verbessert sich die Situation sogar noch mehr.

Offenbar ist BORTENLÄNGER ebenfalls nicht von den Kapitalmärkten überzeugt, wenn sie eine enorme staatliche Förderung für eine Altersvorsorge mittels Aktien plädiert, denn sonst wäre diese Förderung überflüssig. REZMER ist sogar noch pessimistischer, denn mit Blick aufs Ausland will sie sogar Zwang anwenden. Wie unlukrativ muss also der Aktienmarkt sein, wenn man solche Mittel anwenden muss?

Fazit: Lieber auf die gesetzliche Rente setzen statt auf Kapitalmärkte, deren Entwicklung wesentlich schlechter verlaufen könnten als die Verfechter von Aktien das uns weismachen wollen. Im schlimmsten Fall wird die Rente zum Alptraum, wenn das Vermögen dahin ist.

HOCK, Martin (2016): Nur die Aktie kann die Rente retten.
Deutsches Aktieninstitut fordert Stärkung der Riester-Rente,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 07.12.

Martin HOCK berichtet noch ausführlicher und unkritisch über ein Pamphlet der Finanzdienstleistungslobby.

"Den Beitrag, den Aktieninvestments zur Altersvorsorge leisten können, untermauern die Initiatoren mit Zahlen. Sie haben die Rendite aller möglichen Sparpläne von ein bis dreißig Jahren zwischen 1967 und 2015 berechnet. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass ab einer Laufzeit von mehr als 15 Jahren kein Sparplan mehr einen Verlust gebracht hätte",

behauptet HOCK. Dagegen heißt es in der Broschüre:

"Bei Anlagezeiträumen von 15 bis 20 Jahren liegt kein von uns analysierter Sparplan im Minus, d.h. zumindest die Summe der Einzahlungen bleibt immer erhalten." (2060, S.3)

Da könnte man also sein Geld auch gleich auf dem Sparkonto lassen. Selbst dort bekommt man noch mehr als null Prozent, solange es keine Negativzinsen für Privatanleger gibt. Hinzu kommt die Einschränkung "von uns analysiert". Dazu heißt es in der Broschüre:

"Die folgenden Berechnungen legen (...) Sparpläne zugrunde. Als Maßstab für die Höhe der Aktienrenditen wird der Deutsche Aktienindex DAX 30 herangezogen, dem die 30 größten börsennotierten deutschen Unternehmen angehören. Betrachtet werden monatliche Daten für den Zeitraum von Anfang 1967 bis Ende 2015. Bei den Berechnungen in dieser Studie werden nominale Werte zugrunde gelegt, d.h. die Wertentwicklung der Anlagen wird nicht um die Inflation bereinigt." (2016, S.19)

Die Zahlen gelten also streng genommen nur für einen DAX-Indexfonds und nicht für das Alterssparen mit Aktien allgemein, wie uns nicht nur HOCK weismachen will. Und sie ignorieren auch noch die Inflation, die die Rendite drastisch schmälern kann.

Aber es kommt für HOCK noch schlimmer. Bei 15 Jahren Laufzeit kam es selbst beim DAX noch zu Verlusten:

"Bei historischen DAX-Sparplänen von 15 Jahren betrug hingegen der Verlust für die schlechteste 15-Jahres-Periode zwar noch -0,4 Prozent. Nach 20 Jahren lag die minimale Rendite auf DAX-Sparpläne mit 2,7 Prozent im positiven Bereich." (2016, S.21)

Wer also mit der Altersvorsorge per Aktien spät angefangen hat, z.B. mit 50 Jahren, dem  hätten in der Vergangenheit Verluste drohen können. Für die Zukunft ist diese Gefahr sogar wesentlich größer. Bei der Rendite müssten seriöserweise auch die Kosten abgezogen werden, wodurch die Verluste noch stärker zu Buche schlagen.

Während das Aktiensparen zu positiv dargestellt werden, sodass in der Praxis die präsentierten Renditen nur selten erreicht werden können, wird die gesetzliche Rente demgegenüber schlecht geredet:

"Nach aktuellen Erhebungen wird das Rentenniveau von aktuellen 51,6 Prozent des letzten Nettoeinkommens, bezogen auf den sogenannten »Eckrentner«, bis 2060 auf 41,2 Prozent absinken. (...). »Dabei sind unsere Annahmen noch optimistisch«, sagt DAI-Vorstand Christine Bortenlänger. »Nach dem jüngsten Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung wird dieses Niveau schon 2045 erreicht«",

behauptet HOCK. Daran stimmt jedoch so gut wie nichts. Das Rentenniveau bezieht sich auf den durchschnittlichen Verdienst und nicht das letzte Nettoeinkommen und so steht es sogar in der Broschüre der Lobbyisten:

"Das Standardrentenniveau, auf das in der öffentlichen Diskussion abgestellt wird, ist das Rentenniveau des Eckrentners in Abhängigkeit des letzten durchschnittlichen Jahreseinkommens. Das Bruttorentenniveau bezeichnet den Anteil der Rente am Bruttoentgelt. Beim Nettorentenniveau vor Steuern, oftmals auch als Sicherungsniveau bezeichnet, werden die jeweiligen Sozialabgaben sowohl vom Bruttoentgelt als auch von der erhaltenen Bruttorente abgezogen – Steuern werden hingegen nicht berücksichtigt." (2016, S.30)

Die Berechnungen beruhen auf veralteten Annahmen des Familienfundamentalisten Martin WERDING, dessen Publikation bereits 2013 erschienen ist und damit nicht auf der aktuellen Bevölkerungsvorausberechnung beruht.

In der Publikation der Lobbyisten (vgl. 2016, S.32) wird das Nettorentenniveau des Rentenversicherungsbericht mit dem Bruttorentenniveau verglichen, was HOCK bei seinen Ausführungen nicht kritisiert, sondern einfach unwidersprochen wiedergibt.

Schätzungen für das Jahr 2060 sind zudem mit großen Unsicherheiten behaftet, weshalb die Argumentation der Lobbyisten auch eher normativ als empirisch ist. Das aus ihrer Sicht Wünschenswerte (Ausbau der Kapitaldeckung) wird auf die Zukunft projiziert. Viel wahrscheinlicher ist dagegen, dass sich die Kapitaldeckung als wenig hilfreich bei der Bekämpfung der Altersarmut erweisen wird und deshalb die gesetzliche Rente wieder an Relevanz gewinnt.

Fazit: Die Berichterstattung ist einseitig und unseriös. Sie klärt nicht über die fragwürdigen Annahmen der Lobbyisten auf, sondern gibt sie unkritisch wieder. Dadurch erscheint das Sparen mit Aktien der gesetzlichen Rente gegenüber als überlegen obwohl das Gegenteil der Fall ist. Selbst mit ein DAX-Indexfond konnten in der Vergangenheit noch nach 15 Jahren Verluste gemacht werden. Die Kosten für den Sparplan sind dabei noch nicht einmal berücksichtigt. Wer auf einzelne Aktien setzt, dem könnten sogar noch viel größere Verluste entstehen. Die zukünftige Entwicklung der gesetzlichen Rente wird dagegen zu pessimistisch dargestellt.  

 
       
   

KAUFMANN, Stephan (2016): Unerhörte Ökonomen.
Wirtschaftswissenschaftler haben sich ihren großen Autoritätsverlust selbst zuzuschreiben, sagen Kritiker aus der eigenen Zunft,
in: Frankfurter
Rundschau v. 07.12.

"Sie fordern, die Unternehmen hzu entlasten, die Arbeitsmärkte zu flexibilisieren, das Rentenalter zu erhöhen und beim Lohn Zurückhaltung zu üben, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Dies sei für viele Menschen zwar schmerzhaft, führe aber langfristig zum Ziel: mehr Wachstum, mehr Wohlstand",

beschreibt Stephan KAUFMANN das typische neoliberale Mantra, das uns seit Beginn der 1990er Jahre in den Ohren dröhnt.

"Es herrscht die Haltung: Man muss Reformen gegen die Bevölkerungsmehrheit machen, sonst sind es keine guten Reformen",

bringt das der Ökonom Gustav HORN folgerichtig auf den Punkt. Schmerzhaft für Bevölkerung heißt aber auch: bequem für unsere Eliten.

 
       
   

Das bedingungslose Grundeinkommen in der Debatte

STRAUBHAAR, Thomas (2016): Ein neuer Gesellschaftsvertrag.
Aussenansicht: Warum das bedingungslose Grundeinkommen die richtige Antwort auf die Krise der Globalisierung ist,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 07.12.

Das bedingungslose Grundeinkommen ist für einen Neoliberalen wie Thomas STRAUBHAAR lediglich ein Einfallstor, um die bestehenden Sozialversicherungen weiter zu schwächen. Da dem Neoliberalismus kräftiger Gegenwind droht, hat STRAUBHAAR seine Argumentation der neuen Wetterlage angepasst. Da wimmelt es von "postfaktischer Stimmung" und plötzlich steht die "Verteilungsfrage ganz oben auf der Tagesordnung". Er droht uns mit einer "Allianz der extremen politischen Gegensätzen", die an die Macht kämen. Deshalb plädiert er für ein bedingungsloses Grundeinkommen, für das angeblich auch der Siemens-Chef plädiert. Aber das zeigt höchstens, dass er seit längerem keine SZ mehr gelesen hat!

Das bedingungslose Grundeinkommen ist STRAUBHAAR völlig egal, denn es dient nur als Ersatz für den heutigen Sozialstaat:

"Das Grundeinkommen ist lediglich das Instrument politischer Entscheidungen. (...). Es bündelt alle sozialpolitischen Maßnahmen in einem einzigen Instrument."

Das Rentenniveau würde sich damit noch einfacher und stärker absenken lassen als bisher. Ältere Menschen wären der Willkür neoliberaler Politik erst recht unterworfen.

Fazit: Linke Träumer setzen genauso wie Neoliberale auf ein Grundeinkommen. Man darf bezweifeln, dass sich die linken Träumer durchsetzen werden. Am Ende werden sich diejenigen durchsetzen, deren Feindbild schon immer der Sozialstaat war. Also: Finger weg vom Grundeinkommen, das letztlich nur in einen Almosenstaat führt!   

 
       
   

RITZER, Uwe (2016): Reicher Süden, armer Osten.
Eine Kaufkraft-Studie zeigt, dass ein Starnberger im Schnitt fast doppelt so viel Geld zur Verfügung hat wie ein Görlitzer,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 07.12.

Uwe RITZER verbreitet die PR eines kriselnden Marktforschungsinstituts. Eine kritische - aber unzutreffende - Anmerkung folgt ganz zum Schluss:

"Die durchschnittliche Kaufkraft einer Region sagt alleine noch nichts über die Schere von Arm und Reich aus. Anders formuliert: Auch in Starnberg leben arme Menschen. Nur eben weniger."

Dies aber muss nicht stimmen. Die Marktforscher rechnen mit Durchschnittseinkommen statt mit Medianeinkommen, die in der Regel niedriger sind, weil sie nicht durch sehr hohe Einkommen verzerrt werden können. Wenn am Starnberger See eine hohe Millionärsdichte herrscht, dann könnten dort viele Arme leben - sogar mehr als in anderen kaufkraftstarken Regionen, in denen die Kaufkraft jedoch gleichmäßiger verteilt ist.

 
       
   

MÜLLER, Jan-Werner (2016): Das postfaktische Zeitalter ist auch nur eine gefühlte Wahrheit.
Wir haben die Tatsachen, und die Populisten lügen? Wenn es doch nur so einfach wäre,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 07.12.

"Vielen geht die Diagnose eienr postfaktischen (oder wie es im Englischen bekanntlich noch emphatischer heißt: »post-truth«-)Ära inzwischen sehr leicht von der Zunge, so leicht und häufig, dass die Oxford Dictionaries es vor Kurzem gar zum »Wort des Jahres« kürten",

berichtet der Politikwissenschaftler Jan-Werner MÜLLER.

 
       
   

Der OECD-Bericht Pensions Outlook 2016 in den Medien

FERBER, Michael (2016): Kapitalgedeckte Vorsorge gewinnt an Bedeutung.
OECD-Bericht sieht Fortschritte in einigen Ländern - hohe Komplexität von Finanzprodukten,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 07.12.

Der Neoliberale Michael FERBER fasst alles was den Finanzdienstleistern missfällt als "finanzielle Repression" zusammen. Die Zunahme kapitaldgedeckter Altersvorsorgesysteme in den OECD-Staaten feiert FERBER als Erfolg.

"An erster Stelle liegt in der OECD-Statistik Dänemark mit einem angesparten Vermögen von 206 % des BIP vor den Niederlanden (178 %), Island (158 %), Kanada (157 %), den USA (133 %), der Schweiz (123 %) und Australien (122%)",

berichtet FERBER über das neoliberale Ranking von kapitalgedeckten Pensionsfonds- oder Pensionskassen-Systemen. Die Verlagerung von Alterssicherungsrisiken auf die Kunden beschreibt FERBER als Hinwendung vom "Leistungsprimat" zum "Beitragsprimat", d.h. der Enthaftung der Arbeitgeber.

Aus diesem Blickwinkel erscheint das Pensionssystem in Deutschland als ungenügend, denn die Kapitaldeckung erstreckt sich hier nicht nur auf die berücksichtigten Pensionsfonds oder Pensionskassen (vgl. 2016, S.40), sondern auch auf Unterstützungskassen, Direktzusagen oder Direktversicherungen sowie verschiedene Versorgungswerke. Die OECD will also nicht alle Kapitaldeckungsformen stärken, sondern nur ganz bestimmte.

Fazit: Das schlechte Abschneiden von Deutschland bei den Kapitaldeckungssystemen liegt also an einer tendenziösen OECD-Statistik, bei der nationale Kapitaldeckungssysteme nicht umfassend, sondern nur rudimentär verglichen werden. Der Vergleich lässt nationale Besonderheiten von Rentensystemen außer Acht und festigt dadurch einen internationalen Monopolfinanzkapitalismus, der die Interessen der Verbraucher nicht ausreichend berücksichtigt.      

 
       
   

HERMANN, Rudolf (2016): Schwedens lukrativer Wohlfahrtssektor weckt Argwohn.
Kontroverse Pläne der rot-grünen Minderheitsregierung, um die Gewinne privater Anbieter zu deckeln,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 07.12.

Rudolf HERMANN berichtet über das seit langem neoliberalisierte Schweden. Dort sind private Anbieter bereits vor 20 Jahren in den Erziehungs- und Wohlfahrtssektor eingedrungen.

 
       
 

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Bernds@single-dasein.de Stand: 22. Januar 2017