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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
       
   
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News 1-10/2017
News 2000-2016

 
 
   
Medienberichte über single-dasein.de
 
 
 
   

News vom 23. - 30. April 2018: [23.04.] [24.04.] [25.04.] [26.04.] [27.04.] [28.04.] [29.04.] [30.04.]

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Die 13. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamts ist durch die Bevölkerungsentwicklung längst überholt

"Die von der Behörde (Anm.: gemeint ist das Statistische Bundesamt) als realistisch kommunizierten Szenarien entpuppen sich (...) zunehmend als fraglich. Denn selbst die optimistische Annahme, dass die Geburtenrate bis 2028 auf 1,6 Kinder je Frau steigen könnte, wurde nun schon 2016 erreicht (1,59 Kinder). Und der Wanderungssaldo übertrifft sowieso alle Erwartungen. (...).
(Die) Bundesrepublik (ist) derzeit auf einem Pfad unterwegs, der eher dazu führen würde, dass die Bevölkerung bis 2060 von 82,5 auf etwa 78 Millionen Bürger schrumpft und nicht etwa auf nur 67 Millionen. Dieser vergleichsweise geringe Rückgang wäre wirtschaftlich und sozialpolitisch locker zu verkraften."
"
(Daniel Baumann "Ungeplante Kinder", Frankfurter Rundschau v. 29.03.2018)

 
       
       
   

30.04.2018

 
       
   
SOZIALE SICHERHEIT-Titelthema: Zu krank für die Arbeit - zu gesund für die Rente.
Die Sicherungslücke

NAKIELSKI, Hans (2018): Zu krank für die Arbeit - zu gesund für die Rente,
in: Soziale Sicherheit, Heft 4, April

SCHÄFER, Ingo (2018): Defizite in der sozialen Absicherung von gesundheitlich Beeinträchtigten
Zwischen Beschäftigung, Arbeitslosigkeit und Rente,
in: Soziale Sicherheit, Heft 4, April

ALLGAIER, Antonius & Martin MATHES (2018): Gesundheitsbedingte prekäre Altersübergänge.
Umsetzungsreife politische Antworten für Problemgruppen lassen weiter auf sich warten,
in: Soziale Sicherheit, Heft 4, April

NEUMANN, Dirk (2018): Reformbaustelle Erwerbsminderungsrente.
Absicherung und Vermeidung von Invalidität,
in: Soziale Sicherheit, Heft 4, April

ALLGAIER, Antonius & Martin MATHES (2018): Gesundheitsbedingte prekäre Altersübergänge.
Politische Antworten für Problemgruppen fehlen weiter,
in: Soziale Sicherheit, Heft 4, April

NAKIELSKI, Hans (2018): "Es gibt kein Patentrezept".
Arbeitsmarktforscher Martin Brussig zum schwierigen Verfahren der Anerkennung einer Erwerbsminderungsrente,
in: Soziale Sicherheit, Heft 4, April

KUCHENBACH, Johann (2018): Arbeitskraftabsicherung mit MetallRente.
Betrieblich und privat organisierter Schutz,
in: Soziale Sicherheit, Heft 4, April

NAKIELSKI, Hans (2018): "Die angebotenen Tarife klaffen um 400 Prozent auseinander".
Bianca Boss (BdV) zu Fallstricken bei Berufsunfähigkeitsversicherungen,
in: Soziale Sicherheit, Heft 4, April

 
       
   

SEEHOFER, Horst (2018): Heimat.
Die Gegenwart,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 30.04.

Auf einer ganzen Seite schwadroniert Horst SEEHOFER über seine Heimatvorstellung. Bei Politikern sollten eigentlich die Schreiber dieser Sonntagsreden mit genannt werden. Die erste Hälfte des Artikels kann man schnell überfliegen, denn dort findet sich nur eine Kurzfassung der Mainstreamdebatte, die Belesenheit zeigen soll. Wie die Heimatpolitik konkret aussehen soll, das wird nur in wenigen Sätzen angedeutet:

"Ich werde für den neuen Zusammenhalt in unserem Land drei aufeinander aufbauende Formate einberufen, zum einen eine Kommission »Gleichwertige Lebensverhältnisse«, die sich (...) um die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Alltagsprobleme der kleinen Leute kümmert. (...).(D)ie Fachkommission zur Integrationsfähigkeit und die Deutsche Islamkonferenz (werden) sich dem Aufgabenbereich Zuwanderung sowie der Frage nach der Entwicklung eines nach den Geflogenheiten des deutschen Religionsverfassungsrechts verfassten deutschen Islams (...) widmen."

Bei Heimat geht es also um "Defizite in der Daseinsvorsorge" und "interkulturelle Konflikte im Zusammenleben" und nicht etwa um die Probleme der neuen Klassengesellschaft und die Konflikte zwischen Kosmopoliten und Kommunitaristen. Soziale Fragen werden weitgehend zu Kulturkämpfen umgedeutet. Nur wenn es um die Daseinsvorsorge geht, werden Probleme der sozialen Ungleichheit in Form regionaler Ungleichheit bearbeitet:

"Heimat geht verloren, wenn der Ortskern verfällt, die Nachbarhäuser leer stehen, wenn Infrastruktur verlorengeht, wenn in den Städten Wohnungen nicht mehr bezahlbar sind oder in strukturschwächeren Räumen geliebte Menschen wegziehen, weil sie nur an anderen Orten bessere Lebenschancen sehen. (...) Den schwächeren Orten und Regionen muss geholfen werden, angefangen bei der Belebung von Orts- und Stadtkernen bis hin zu moderner Infrastruktur in den Bereichen Mobilität, Energie und Digitalisierung."

Das alles fällt unter die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse und soll erst einmal einer Kommission überantwortet werden, d.h. nicht angegangen, sondern hinausgeschoben werden. Wie so etwas abläuft, kann man in SEEHOFERs Bayern studieren, wo eine solche Kommission 4 Jahre lang tätig war.

"Heimat entsteht und ist dort, wo Menschen zusammenleben und füreinander einstehen".

Setzt man für Heimat den Begriff Familie, dann hat man den aktuellen Familienbegriff. Bei Heimat geht es SEEHOFER jedoch um das Ehrenamt, das noch weiter aufgewertet werden soll. Ehrenamt als Lückenbüßen für fehlendes staatliches Engagement?

"Das neoliberale Denken muss durch ein ordoliberales Handeln ersetzt werden",

meint SEEHOFER. Der Ordoliberalismus jedoch ist nur die deutsche Variante des Neoliberalismus. Die freie Marktwirtschaft war ja niemals als politikfreier Raum gedacht, sondern die Politik sollte die Freiheit der Märkte garantieren. Der Ordoliberalismus ist also keineswegs die Abkehr vom Neoliberalismus, sondern das Weiter-So unter Bedingungen der verschärften Verteilungskonflikte. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass die Polizei und damit der Sicherheitsstaat zuerst genannt wird. Danach die Finanzämter und zuletzt die Krankenhäuser. Für diese war SEEHOFER als Gesundheitsminister in der Zeit von 1992 bis 1998 zuständig als die Sparpolitik Einzug hielt. Soll nun SEEHOFER jene Schäden beheben, die er mitzuverantworten hat? Wird da also nicht nur der Bock zum Gärtner gemacht?   

 
       
   

FROMME, Herbert (2018): Die Kunden schützen.
Grüne fordern neue Regeln für Verkauf von Lebens-Policen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 28.04.

Herbert FROMME berichtet über die kleine Anfrage der Grünen Externe Run-offs bei Lebensversicherern (BT-Drs. 19/1429 v. 22.03.2018). Die Antwort der Bundesregierung liegt zwar vor, wurde aber noch nicht veröffentlicht. Eine Antwort auf die kleine Anfrage der FDP zu Run-Off-Plattformen (BT-Drs 19/1235 v. 14.03.2018) wurde dagegen bereits veröffentlicht.

Während die Bafin, die in erster Linie die Interessen der Lebensversicherer vertritt, keine Probleme für die Kunden sehen mag, befürchtet Gerhard SCHICK, das Run-off Plattformen ihre Renditeinteressen über die Kundeninteressen stellen werden. 

 
       
   

GRÄBER, Berrit (2018): Tückisches Plus.
Der Staat zahlt seit 2017 mehr Rente. Für 120.000 Senioren heißt das: sich um die Steuern kümmern,
in: Welt v. 30.04.

Letztes Jahr erklärte uns Berrit GRÄBER, dass für die Rentenerhöhung 2017 nur 40.000 Rentner erstmals eine Steuererklärung abgeben müssten. Nun sind daraus 120.000 geworden. Wundersame Vermehrung um 200 % könnte man meinen. Die hohe Zahl kommt aber durch eine irreführende Vermischung der Tatbestände durch GRÄBER und den Schlagzeilendichter der Welt zustande, denn sie bezieht sich auf die Rentenerhöhungen von 2017 und 2018. Letztere betrifft jedoch erst die nächste Steuererklärung, die 2019 abgegeben werden muss.

Gemäß BT-Drs 19/189 (S.23, Stand: 06.12.2017) werden von der Rentenerhöhung 2018 rund 54.000 Rentner betroffen sein. Diese Schätzung fällt zu gering aus (Annahme: Rentenerhöhung West: 3,0 %; Ost: 3,2 %), weil die Rentenanpassung 2018 um 0,2 % sowohl in West als auch in Ost höher als damals angenommen ausgefallen ist. GRÄBER ging im letzten Juli sogar von 80.000 Betroffenen aus, was jedoch zu hoch gegriffen ist. 

Fazit: Weil nur reißerische Zahlen der Ökonomie der Aufmerksamkeit genügen, werden wir verdummt. Daran hat auch das Finanzministerium schuld. Mit der Veröffentlichung der tatsächlichen Betroffenenzahlen könnte es dieser Praxis der Medien entgegenwirken. Zumindest im Nachhinein könnte dann verglichen werden, was an den Schätzungen stimmte und was nicht  Aber wen interessiert das dann noch?   

 
       
   

WEIERMANN, Sebastian (2018): In der ärmsten Stadt Deutschlands.
Der Strukturwandel hat Gelsenkirchen hart getroffen. Als Identifikationsobjekt bleibt vielen nur der Fußballverein,
in: Neues Deutschland v. 30.04.

"Gelsenkirchen kam im Herbst 2017 bundesweit in die Schlagzeilen. Die Statistischen Landesämter hatten eine Erhebung zum Durchschnittseinkommen in deutschen Städten veröffentlicht. Den ersten Platz belegte Heilbronn. 35.663 Euro beträgt der Durchschnittsverdienst in der baden-württembergischen Stadt. Bundesweit sind es durchschnittlich 21.600 Euro. Die Gelsenkirchener verdienen im Schnitt lediglich 16.274 Euro. Im Monat sind das 1.356 Euro. Bei der Arbeitslosigkeit belegt Gelsenkirchen regelmäßig einen traurigen Spitzenplatz. Aktuell beträgt die Quote 13,8 Prozent",

erzählt uns Sebastian WEIERMANN. Was er nicht erzählt: In Heilbronn wird der Spitzenverdienst vor allem von einer einzigen Person, dem Lidl Milliardär, eingesteckt. Den Rest teilen sich die anderen. Nur die Berechnung des Medianeinkommens würde solche Ausreißer verhindern. Außerdem werden nur die kreisfreien Städte in Deutschland berücksichtigt und zusammen mit Landkreisen aufgeführt, d.h. die Lage der Stadt hat auch damit zu tun, dass sie politische Funktionen innehat, die nicht jede Stadt finanzieren muss. Auch diese fehlt in dem Bericht. Stattdessen wird uns die Geografie der Stadt folgendermaßen erklärt:

"Die südlichen Stadtteile wie Ückendorf und die Alt- und Neustadt liegen im Norden des Ruhrgebiets. Sie befinden sich auf einer Linie mit der Dortmunder Nordstadt und Duisburg-Marxloh. Nach Norden dehnt sich Gelsenkirchen dann bis zu 14 Kilometer aus. Stadtteile wie Buer und Hassel haben teilweise Ähnlichkeiten mit dem Münsterland und sind viel weniger von der Großindustrie geprägt. (...). Eine gewachsene Stadt ist das heutige Gelsenkirchen nicht. Es handelt sich vielmehr um eine Ansammlung von verschiedenen Kleinstädten, die im Zuge von Gebietsreformen zusammengeführt wurden.
Der südlichste Stadtteil von Gelsenkirchen ist Ückendorf. Dort, entlang der Bochumer Straße, findet sich eine ganze Reihe von Gründerzeithäusern. (...). Leerstand prägt die Straße. Eingänge sind verrammelt. Fenster in Wohnungen fehlen.
Paul Erzkamp erzählt, die Stadt versuche nun, den Stadtteil aufzuwerten. Künstler und Kreative bekommen Räumlichkeiten. Die Stadt fördert die Ansiedlung. (...).
Ückendorf und die Neustadt sind verschriene Stadtteile. Der Anteil an Migranten ist hier hoch. In den letzten Jahren sind viele Einwanderer aus Rumänien und Bulgarien hinzugekommen."

Gentrifzierung wird inzwischen oftmals als Allheilmittel für die Probleme mit sozialen Brennpunkten oder niedergegangenen Stadtteilen gesehen. Der Artikel sieht das skeptisch und setzt dagegen auf einen sozialen Arbeitsmarkt und mehr Fördergelder, denn die Stadt steht unter Spardiktat:

"Die Stadt steht unter Haushaltsaufsicht der Bezirksregierung. Der aktuelle Haushalt ist schuldenfrei. Das ist die Bedingung, um am kommunalen »Stärkungspakt« des Landes teilzuhaben."

 
       
   

MEYER, Robert D. (2018): AfD versucht es mit "sozialem Patriotismus".
Die Rechten konzentrieren sich zunehmend auf das Thema Armut, doch das ist allzu oft nur ein Alibi für Rassismus,
in: Neues Deutschland v. 30.04.

Robert D. MEYER entdeckt die soziale Ader der AfD, die er jedoch nicht einmal in Ostdeutschland als mehrheitsfähig sieht. Als Protagonist wird Jürgen POHL genannt.

 
       
   

GERLACH, Thomas (2018): Das etwas andere Anker-Zentrum: menschenfreundlich, mit Standesamt.
In Naumburg in Sachsen-Anhalt gibt es die erste Migrationsagentur in ganz Ostdeutschland. Denn im Burgenlandkreis will man Geflüchteten und EU-Ausländern ernsthaft bei der Integration helfen,
in: TAZ v. 30.04.

Der Titelgeschichte über Bamberg, in der über Missstände berichtet wird, stellt Thomas GERLACH die Naumburger Migrationsagentur gegenüber:

"Die Agentur ist die Neuordnung aller Ämter und Einrichtungen, die auf Kreisebene mit der Integration von Flüchtlingen zu tun haben. In Ostdeutschland ist das einmalig. Im Westen gibt es einen ähnlichen Ansatz nur in Bochum und im Landkreis Osnabrück.

 
       
   

29.04.2018

 
       
   

RICHTER, Tillmann (2018): Männer ohne Sex.
In Online-Gruppen radikalisieren sich "Incels", die unfreiwillig Zölibatären. Der Attentäter von Toronto war einer von ihnen,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 29.04.

Im August 2014 schrieb der Spiegel über das Phänomen der Incels, einem Akronym für unfreiwillige sexuelle Enthaltsamkeit ("involuntary celibacy"). Während Takis WÜRGER damals noch von einem Amoklauf schrieb, spricht Tillmann RICHTER nun von Anschlägen bzw. Attentaten, ein Begriff, der in der Vergangenheit nur bei der Ermordung bekannter Persönlichkeiten verwendet wurde. Dies zeigt eine gewisse Verrohung der journalistischen Sprache an. Während 2014 von "ein paar Hundert" Männern die Rede war, sollen es nun "bis zu 40.000" sein, wobei User in ganz bestimmten Internetforen gemeint sind.

Bekennende, gewaltbereite Incels sind jedoch offenbar eine rare Spezies - im Gegensatz zu anderen Männern, die töten. Dass ihre Taten Aufmerksamkeit erregen, ist in erster Linie dem Umstand zu verdanken, dass sie nicht dem medialen Bild von Männlichkeit entsprechen. RICHTER stellt sie in den Zusammenhang mit der US-amerikanischen Nerd-Kultur und nicht etwa in den größeren und tiefgreifenderen Zusammenhang mit der amerikanischen Wild-Frontier-Mentalität. RICHTER behauptet nun, dass der Begriff "Incel" von einer Kanadierin geprägt wurde:

"der Terminus »incel« ist eine Übernahme. Erfunden hat ihn bereits zu Beginn der 2000er die heute 45-jährige Kanadierin Alena (...), die damit zunächst ihre eigenen Erfahrungen am College auf einen Begriff bringen wollte. (...). Erst 2015, nach Rodgers Attentat, wurde sie auf die Karriere des Begriffs aufmerksam."

Im englischen Guardian ("Woman behind »incel« says angry men hijacked her word »as a weapon of war«, 26.0.4.2018) heißt es dagegen:

"She came up with the label more than two decades ago, envisioning a community where people who are unable to find sexual partners could turn for support.
She called it »involuntary celibacy«.
This week the movement that eventually grew out of that term burst into public view, after a man ploughed into a crowd of pedestrians in Toronto, killing 10 people and wounding 14 others.
Minutes before the attack, the suspect allegedly posted a short, cryptic message celebrating the »Incel Rebellion«, according to police in Canada.
The connection left the woman who invented the term reeling »It’s not a happy feeling,« said Alana, who asked that her last name not be published. »It feels like being the scientist who figured out nuclear fission and then discovers it’s being used as a weapon for war.«
A self-described late bloomer, she coined the term involuntary celibate in the late 1990s to describe her own experience of not having sex and not being in a relationship.
It soon snowballed into Alana’s Involuntary Celibacy Project, a simple, all-text website where she posted theories and articles as well as ran a mailing list."

Der Begriff "involuntary celibacy" ist keine Erfindung der Kanadierin und auch nicht erst in den 2000er Jahren entstanden. Alana wird meist im Zusammenhang mit der jetzigen Tat in Toronto in Zeitungsberichten erwähnt, während Berichte zu Alana und Incel vor 2015 rar sind. Eine Einordnung in den historischen Kontext des Begriffs "involuntary celibacy" vor 1990 ist jedoch unabdingbar, um das Phänomen in seiner ganzen Tragweite zu verstehen.

1980 erschien in den USA das Buch The new Celibacy von Gabrielle BROWN. Es ging darin um das freiwillige Zölibat als Reaktion auf die Single-Bewegung und das Klischee vom "swinging single" als Ausdruck der medialen Sexualisierung. Die Single-Bewegung wiederum richtete sich zuvor gegen die Vorstellung, dass Sex nur der Ehe vorbehalten sei. Das Single-Dasein galt bis dahin sozusagen als unfreiwilliges Zölibat. Erst vor diesem historischen Hintergrund lassen sich die diversen Umdeutungen und Wandlungen des Begriffs einordnen, die nun in der Debatte um Incels eine Rolle spielen.

Die Entdeckung des unfreiwilligen Zölibats ist dem Backlash geschuldet, der in den USA im Laufe der 1980er Jahre seinen Siegeszug durch die westliche Welt begann. Während sich bis in die 1990er Jahre die wissenschaftliche Forschung auf die sexuelle Enthaltsamkeit als freiwilligen Lebensstil konzentrierte, ändert sich das seitdem. In dem Artikel Involuntary Celibacy: A Life Course Analysis - Statistical Data Included von Denise DONNELLY u.a. in der Zeitschrift Journal of Sex Research vom Mai 2001 heißt es zum Forschungsstand:

"Extant celibacy research tends to focus on persons who are celibate by choice, such as those who are celibate for cultural or religious reasons (Abbott, 2000; Goergen, 1974) or those who fear HIV, other sexually transmitted diseases, or pregnancy (Netting, 1992; Siegel & Raveis, 1993; Sprecher & Regan, 1996). Some research has focused on voluntary virgins, persons in their teens and twenties who choose to wait until marriage to become sexually active (Sprecher & Regan, 1996), and the religious media has introduced the idea of secondary virgins, persons once sexually active, but who are now celibate by choice (Stafford, 2001). The scarce research focusing on involuntary celibacy, however, tends to be limited to certain groups, such as celibates in ancient times (Abbott, 2000), married celibates (Donnelly, 1993), persons with chronic diseases or disabilities (Greenblat, 1983; Kiernan, 1988), and the elderly (Mulligan & Palguta, 1991; Quinnan, 1997; White, 1982)."

Dass diese Forschung zur unfreiwilligen Enthaltsamkeit wie ganz selbstverständlich am traditionellen Verständnis des Single-Daseins aus Zeiten vor der Single-Bewegung der 1970er Jahre anknüpfen kann, zeigt die Kritik der Forscher, wenn sie schreiben:

"Not only is research on involuntary celibacy scarce, it is fraught with conceptual and methodological problems. For example, Kiernan (1988) equated singlehood with celibacy, and used the terms interchangeably in both defining and measuring celibacy."

Die britische Studie Who Remains Celibate? von Kathleen E. KIERNAN befasst sich mit dem britischen Geburtsjahrgang 1946. Single-Dasein und unfreiwillige Enthaltsamkeit werden in dieser Tradition zum Synonym.

Während das Akronym Incel die dunkle Seite des Aspekts unfreiwilliger Enthaltsamkeit betont, kommt der Begriff "Absolute Beginners" oder einfacher Menschen ohne Beziehungserfahrung ohne diese Bedeutungseinschränkung dieser öffentlichen Debatte aus. Statt von freiwilliger Enthaltsamkeit wird auch von Asexualität gesprochen. Das Problem unfreiwilliger Partnerlosigkeit auf die Incels und die neue Rechte zu verkürzen, hilft vielen Betroffenen nicht weiter, sondern steht in Gefahr das Phänomen zu pathologisieren oder gar zu kriminalisieren.    

 
       
   

28.04.2018

 
       
   

GALL, Christian (2018): Volkskrankheit Einsamkeit - eine unterschätzte Gefahr.
In unserer Gesellschaft leben immer mehr Menschen in Einsamkeit. Das schmerzt, verletzt und tötet. So finden Betroffene Wege aus der Situation,
in: Augsburger Allgemeine v. 28.04.

 
       
   

FOCUS (2018): Freunde fürs Leben.
Je erfüllter wir unser persönliches Umfeld erleben, desto glücklicher und länger leben wir. Eine Liebeserklärung an unsere engsten Weggefährten, die uns vor der grassierenden Volkskrankheit Einsamkeit bewahren können,
in: Focus Nr.18 v. 28.04.

"Die durchschnittliche Beziehung hält rund vier, die Ehe 15 Jahre. Die Halbwertszeit einer engen Freundschaft liegt immerhin bei 24 Jahren",

weiß der Focus, verrät aber nicht woher. Auch sonst wimmelt die Titelgeschichte vor steilen Thesen und Behauptungen, die nicht nachvollzieh- oder nachprüfbar sind. In einem Atemzug wird da von "Isolation" und "Single-Dasein" gesprochen, als ob das kein Unterschied wäre und das Single-Dasein nicht eine sehr heterogene Lebensform ist.

Fazit: Besser vor die Haustüre gehen statt mit einem solch oberflächlichen Artikel die Zeit zu vergeuden. Wer Probleme mit Einsamkeit hat, dem helfen keine Bestsellerautoren wie Manfred SPITZER.

FOCUS (2018): "Einsamkeit ist das neue Rauchen".
Psychiater und Bestsellerautor Manfred Spitzer erklärt, weshalb soziale Isolation schmerzt und chronische Krankheiten verursacht,
in: Focus Nr.18 v. 28.04.

BAIER, Corinna & Solveig GODE (2018): Blind Date mit neuen Buddies.
Die Beziehung ist zu Ende, Jobwechsel, Umzug, der Freundeskreis verändert sich. Es gibt viele Gründe, warum man Anschluss sucht. Ein paar Tipps, wie es klappen kann,
in: Focus Nr.18 v. 28.04.

 
       
   

GÖRSCH, Juliane (2018): Sie haben ja so schöne graue Haare.
In einem Kurs lernen ältere Singles entspannt flirten,
in: Frankfurter Rundschau v. 28.04.

 
       
   

HEIDENREICH, Ulrike (2018): Der weite Weg zum Wunschkind.
Buch Zwei: Ein veraltetes Gesetz verbietet in Deutschland fast alles, was in der Reproduktionsmedizin heute möglich ist. Immer mehr Deutsche reisen deshalb ins Ausland, um schwanger zu werden. Über bestellte Babys und machbares Glück,
in: Süddeutsche Zeitung v. 28.04.

Ulrike HEIDENREICH berichtet über eine Kinderwunschklinik in Alicante, Spanien und über ein deutsches Paar, das sich dort mittels Eizellspende den Kinderwunsch erfüllte. Ein zweites Beispiel ist die Embryonenspende, die in Großbritannien einfacher möglich ist als in Deutschland. Zu Wort kommt die Psychologin Petra THORN, die sich auf psychosoziale Kinderwunschberatung spezialisiert ist und in der öffentlichen Debatte sehr präsent ist.

"Für Pro Familie hatte sie vor gut zehn Jahren eine Expertise über »reproduktives Reisen« verfasst. Dieser Begriff hat sich mittlerweile etabliert",

meint HEIDENREICH. In der öffentlichen Debatte wird der Begriff nicht verwendet, sondern hier wird der abwertende Begriff "Reproduktionstourismus" benutzt. Die ehemalige CDU-Familienministerin Kristina SCHRÖDER wandte sich kürzlich gegen Medienberichte, in denen nicht klassische Paare, sondern randständige Figuren wie Homosexuelle, Lesben und Alleinlebende als Kunden im Mittelpunkt stehen. Die SZ hält sich mit ihrer Reportage nun an diese Vorgabe.

"1.200 neue Patienten suchen jedes Jahr die Wunschkind-Firma auf. Die Klinik verzeichnet 15 Prozent Zuwachsrate und zehn bis 15 Millionen Umsatz pro Jahr. Ein Drittel der Kunden kommt aus Großbritannien, ein Drittel aus Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz, ein Drittel aus dem Rest der Welt, zum Beispiel aus den Emiraten. Seitdem die Niederlande und Großbritannien ihre Gesetze geändert haben und keine anonymen Eizellspenden mehr zulassen, finden sich dort weniger Frauen, die ihre Eizellen abgeben möchten. Die Folge: Die Nachfrage ist größer als das Angebote. Britinnen und Holländerinnen mit Kinderwunsch reisen nun auch vermehr nach Spanien. IVF Spain ist eine von insgesamt vier Kliniken für Reproduktionsmedizin in Alicante",

berichtet HEIDENREICH aus Spanien. In der Klinik werden gezielt Erasmus-Studentinnen aus dem deutschsprachigen Raum als Eizellspenderinnen angeheuert, um die Wünsche ihre Kunden zu befriedigen. Dazu locken sie u.a. mit kostenlosem Social Freezing, ein abwertender Begriff, der in Deutschland kursiert.

Als Gegner von Praktiken, die im Ausland üblich sind, werden der nationalkonservative Verein Spenderkinder und die katholische Kirche genannt. Der Gesundheitsminister Jens SPAHN, der ansonsten eine große Klappe hat, schweigt sich aus. Die SPD-Justizministerin plant eine Änderung des Abstammungsrechts. Eine Kommission hat im vergangenen Jahr Empfehlungen für eine gemäßigte Reform des Embryonenschutzgesetzes aus dem Jahr 1990 abgegeben.

Fazit: Deutschland gehört in Sachen Reproduktionsmedizin und Kinderwunschbehandlung zu den rückständigsten Ländern der Welt. Mit dem Einzug der AfD besteht die Gefahr, dass die Lebensschützer, wie bereits in anderen katholischen Ländern, die Richtung vorgeben werden.     

 
       
   

BÖRSCH-SUPAN, Axel (2018): Länger leben, später in Rente.
Samstagsessay: Die Bundesregierung will die Rentenversicherung durch teure Eingriffe sichern. Doch statt solcher Versprechen hilft vor allem eines: Wir müssen mehr arbeiten,
in: Süddeutsche Zeitung v. 28.04.

Axel BÖRSCH-SUPAN, gemäß Peter THELEN Mitglied der geplanten Rentenkommission, will das Ergebnis der Kommission mit seinem Beitrag bereits vorbestimmen. In den letzten Tagen wurde sein Horrorszenario über die angeblichen Kosten der doppelten Haltelinie bereits in diversen neoliberalen Wirtschaftsteilen beklatscht. Einzig das Handelsblatt stimmte nicht in den Chor der Postdemokraten ein. Der Essay hat gegenüber den Berechnungen nichts Neues zu bieten, sondern wartet mit weiteren Lügen auf:

"Heute Vierzigjährige werden (...) über zehn Jahre länger leben als bei derzeitiger Lebenserwartung. Zehn Jahre mehr!".

Bekanntlich ist für die Rentenversicherung weder die Lebenserwartung bei Geburt, noch die Lebenserwartung von Vierzigjährigen, sondern die fernere Lebenserwartung der 65- bzw. 67-Jährigen ausschlaggebend. Diese aber stagniert seit Jahren! Der Rentenversicherungsbericht 2017 nimmt deshalb eine geringere Lebenserwartung an als noch in vorangegangenen Berichten. Das aber verschweigt BÖRSCH-SUPAN, der diesen Bericht nur zitiert, wenn die Zahlen zu seinem Horrorszenario passen. Der Rentenversicherungsbericht 2017 wird deshalb nur zitiert, um den Rückgang des Rentenniveaus auf unter 23 Prozent ab 2023 zu suggerieren. Dagegen zeigt die Rentenanpassung 2018, dass die Zahlen des Rentenversicherungsberichts selbst für das Jahr 2018 schon zu pessimistisch waren. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im November 2017 wurde nämlich noch von einer um über 0,1 Prozent niedrigeren Rentenerhöhung ausgegangen als jene, die nun tatsächlich erfolgt.

Fazit: Wie die Rentenversicherung 2030 oder gar 2040 dasteht, das kann heute seriöserweise niemand - auch nicht BÖRSCH-SUPAN - prognostizieren. Ökonomen scheitern oftmals sogar an Prognosen, die für nicht einmal ein Jahr gelten sollen. BÖRSCH-SUPAN aber möchte die demokratische Willensbildung auf Jahrzehnte hinaus aushebeln. Politik muss flexibel auf Veränderungen reagieren können, statt dem ökonomischen Hirngespinst der Nachhaltigkeit auf den Leim zu gehen. Nachhaltigkeit gibt es nur, wenn die Zukunft nichts als eine Fortschreibung der Vergangenheit wäre. Das aber hat mit Zukunft nichts zu tun!  

 
       
   

KUHN, Philip (2018): West gegen Ost im Kampf um Gera.
Erstmals könnte in Deutschland ein AfD-Politiker Oberbürgermeister werden. Ein Parteiloser aus dem Badischen hält dagegen. Das Duell spaltet die Stadt,
in: Welt v. 28.04.

Philip KUHN berichtet in typisch arroganter westdeutscher Medienmanier über die morgige Stichwahl in Gera:

"Zwar gibt es schon in mehreren Ortschaften quer durch die Republik AfD-Bürgermeister. Der Posten eines Oberbürgermeisters aber in einer Stadt wie Gera mit fast 100.000 Einwohnern wäre ein Novum für die Partei - und ein Riesenerfolg.
21,3 Prozent erreichte Dieter Laudenbach in der ersten Runde der OB-Wahl in Gera Mitte April. Er wurde nur knapp geschlagen von Julian Vonarb, der mit 23,5 Prozent der Stimmen das beste Erstrundenergebnis erzielte. (...).
Nirgendwo sonst in Thüringen schnitt die Partei bei der Bundestagswahl 2017 so erfolgreich ab wie in Thüringen."

Die Westdeutschen sind die besseren Ostdeutschen, denn sie kommen mit SUV, setzen sich in ein Glashaus, das Bürgerbüro und Filiale der Unternehmensberatung des Wessis ist. Vollmundige Versprechungen gehören hier dazu.

Fazit: Hier geht es nicht nur um einen Ost-West-Konflikt, sondern um eine Ideologie: Soll Politik wie ein Unternehmen geführt werden? Oder ist Politik mehr als neoliberales Nutzenkalkül? Dass CDU, FDP und die Wählervereinigung Gera keine Wahlempfehlung für den Betriebswirtschaftler VONARB abgegeben haben, muss nicht von Nachteil sein, sondern spricht eher dafür, dass man VONARB, der ja extra aus der CDU ausgetreten ist, um gewinnen zu können, durch Nichtempfehlung unterstützt. Eine klare Unterstützung würde die Spaltung der Wählerschaft eher provozieren. Dass Linke, SPD und Grüne lieber einen Neoliberalen als einen AfD-Politiker bevorzugen, zeigt eher das ganze Versagen der Linken in Deutschland, die unfähig ist, ein soziales Gegenmodell zum herrschenden Neoliberalismus zu etablieren! 

 
       
   

ORDE, Sabine am & Christina SCHMIDT (2018): Was machen die hier?
Seit einem halben Jahr sitzt die AfD im Bundestag: Populisten, Nationalkonservative und Rechtsradikale. Sie verändern das Parlament - und dieses sie. Eine Langzeitbeobachtung,
in: TAZ v. 28.04.

ORDE  & SCHMIDT fassen ihre Langzeitbeobachtung der AfD-Bundestagsabgeordneten Beatrix von STORCH, Stephan BRANDNER, Leif-Erik HOLM & Jan NOLTE zwischen der ersten Bundestagssitzung am 24.10.2017 und dem 14.03.2018 auf drei Zeitungsseiten zusammen. Den Bericht können nur Studenten der Politikwissenschaft oder politisch Tätige überhaupt beurteilen, weshalb die richtige Bewertung gleich mitgeliefert wird. Aufklärung sieht anders aus!

"Vor einem halben Jahr nahmen 92 Abgeordnete einer neuen Partei im Bundestag Platz. Sie eint der unbedingte Will, die Republik zu verändern. Etwas Ähnliches passierte zuletzt mit den Grünen, 1983. Die Grünen haben das Land verändert, sie haben es offener und liberaler gemacht.
Auch die AfD will das Land verändern. In die entgegengesetzte Richtung",

erklären uns ORDE & SCHMIDT. Nur was sie verschweigen: Die Grünen der Anfänge haben mit den heutigen Grünen kaum mehr etwas gemein, erst Recht, wenn man die Vorgeschichte der Grünen miteinbezieht. Die Frage ist also, ob die Medienberichterstattung über die AfD wirklich nützlich ist. Reicht es einfach Dagegenzusein ohne Alternativen zum Weiter-So der etablierten Parteien, zu denen die Grünen inzwischen gehören, aufzuzeigen?

Fazit: Eine Kritik der AfD-Strategie greift zu kurz. Der Erfolg der AfD deutet auf ein Politikdefizit der etablierten Parteien zurück. Die Frage ist, ob nicht eine neue linke Bewegung erforderlich ist, um der AfD Paroli zu bieten. Rot-Grün und auch die Linkspartei als Regierungspartei im Osten sind aufgrund ihrer neoliberalen Politik der Vergangenheit nicht mehr glaubwürdig genug, um eine echte Alternative zu sein.          

 
       
   

CLAUß, Anna & Vivien KRÜGER (2018): Schnell zur Welt.
Babyboom: Immer mehr Geburtskrankenhäuser müssen schießen oder Schwangere abweisen, weil ihnen das Personal fehlt. Hebammen gibt es genug, nur leider nicht in Kliniken,
in: Spiegel Nr.18 v. 28.04.

"Immer mehr Kinder kommen auf immer weniger Geburtshilfestationen zur Welt. Die Zahl der Krankenhäuser, in denen Frauen entbinden können, ist seit der Wiedervereinigung um 40 Prozent gesunken, zugleich kommen mehr Kinder auf die Welt - vor allem in Großstädten",

schreiben CLAUß & KRÜGER, die das Problem nicht als Folge neoliberalen Politik sehen wollen, die der Spiegel befürwortet hat, sondern als reines Fehlanreizproblem:

"Hebammen sind da, nur leider nicht dort, wo Kinder zur Welt kommen."

Man könnte es auch anders formulieren: Die Klinken sind nicht dort, wo die Kinder zur Welt kommen. Dass die Kinder in Großstädten geboren werden, ist Folge der Schließung von Kliniken jenseits der Großstädte. Diese Situation wird sich noch verschärfen, denn Deutschland hat den Geburtenanstieg in vielen Bereichen verschlafen.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

SCHÖCHLI, Hansueli (2018): Appelle und Sonderregeln zugunsten  älterer Arbeitnehmer.
Behörden und Sozialpartner erwägen einen Schutz für Personen ab 55 Jahren vor der Aussteuerung durch die Arbeitslosenversicherung,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 28.04.

SCHÖCHLI, Hansueli (2018): Wie wäre es mit ein bisschen Ehrlichkeit.
Kommentar: Arbeitsmarkt und Rentenalter,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 28.04.

 
       
   

Das Single-Dasein in Italien

MAYR, Walter (2018): Die Erben des Don Camillo.
Italien: Während man in Rom noch um eine Regierung ringt, zeichnen sich in der Provinz bereits neue Allianzen ab. Ein Besuch in Brescello, wo die alten Parteien nichts mehr zu sagen haben,
in: Spiegel Nr.18 v. 28.04.

Walter MAYRs Bericht richtet sich gegen eine Allianz zwischen Matteo SALVINI und Silvio BERLUSCONI. Die Alternative: eine Allianz zwischen Lega und Fünf Sterne.

 
       
   

Die Ära Macron in Frankreich

SCHUBERT, Christian (2018): Spaltpilz Macron.
Vor einem Jahr kam der junge französische Präsident ins Amt. Er hat sich viel vorgenommen. Doch jetzt bläst ihm Gegenwind ins Gesicht, das soziale Klima in Frankreich ist von Gereiztheit geprägt. Was kann er tatsächlich erreichen?
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.04.

Je größer der Widerstand gegen die Reformen, desto größer der Erfolg von Emmanuel MACRON, so könnte man das Motto der Bilanz von Christian SCHUBERT umschreiben. Seinem neoliberalen Kompass folgt SCHUBERT unbeirrt, denn alle anderen sind orientierungslos.

"Macron ist kein Versöhner, sondern der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich viel, aber nicht alle Bürger gerade so einigen können",

charakterisiert SCHUBERT den Typus des westlichen Autokraten, der Erdogan von allen europäischen Regierungschefs am Nächsten ist..

 
       
   

27.04.2018

 
       
   

AMT FÜR STATISTIK BERLIN-BRANDENBURG (2018): Wachstum Berlins fast nur durch ausländische Bevölkerung,
in: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg
v. 27.04.

"Ende Juni 2017 lebten in Berlin 3.592.100 Menschen, 41.100 mehr als noch vor einem Jahr. Die ausländische Bevölkerung nahm um 41.000 und die deutsche um 100 Personen zu, teilt das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg mit. Damit gehen 99,8 Prozent des Bevölkerungswachstums in Berlin auf Ausländerinnen und Ausländer zurück.
Dieses Wachstum um 1,2 Prozent ist der geringste jährliche Bevölkerungsanstieg seit dem Zensus 2011. Dabei lässt sowohl das Wachstum der ausländischen als auch der deutschen Bevölkerung nach. Zuletzt wuchs die ausländische Bevölkerung um 7,1 Prozent. Die deutsche Bevölkerung stieg im letzten Jahr kaum messbar um 0,003 Prozent an.
Im ersten Halbjahr 2017 wurden in Berlin 19.600 Kinder geboren. 18.100 Menschen starben. Somit ergibt sich für die erste Jahreshälfte ein Geburtenüberschuss von 1.500 Personen. Fast 80.000 Personen zogen nach Berlin, während 63.600 Personen die Stadt verließen. Daraus ergibt sich ein Wanderungsgewinn von 16.400 Menschen", meldet das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg.

AMT FÜR STATISTIK BERLIN-BRANDENBURG (2018): Brandenburgs Bevölkerungszahl nähert sich der 2,5-Millionen-Marke,
in: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg
v. 27.04.

 "Ende Juni 2017 zählte Brandenburg 2.497.958 Einwohner. Damit fehlen bis zur 2,5-Millionen-Marke nur noch 2.042 Personen, wie das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg mitteilt.
Im Vergleich zum Juni 2016 nahm die Bevölkerung im Juni 2017 in Brandenburg um über 10.000 Personen zu, ein Anstieg von 0,4 Prozent. Dabei entfielen 93,4 Prozent des Wachstums auf die ausländische Bevölkerung, die um 9.800 Personen zunahm. Die deutsche Bevölkerung stieg um 700 Personen, was einem Anteil von 6,6 Prozent am Wachstum entspricht.
Seit Jahresbeginn wurden in Brandenburg 10. 000 Kinder geboren, während 16.700 Menschen starben. Damit weist das Land für die erste Jahreshälfte ein Geburtendefizit von 6.700 Personen aus. Es zogen 36.500 Menschen nach Brandenburg, 26.500 kehrten dem Land den Rücken. In der Summe ergibt sich ein Wanderungsgewinn von 10.000 Menschen", meldet das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg.

 
       
   

Die MEA-Studie Die Kosten der doppelten Haltelinie in der Kritik

WALLRODT, Ines (2018): Die Musik spielt auf dem Arbeitsmarkt.
Die wachsende Zahl der Alten muss die Rente nicht gefährden, wenn es mehr Beschäftigung für die Jüngeren gibt,
in: Neues Deutschland v. 27.04.

 Ines WALLRODT wendet sich - wie bereits gestern Peter THELEN im Handelsblatt - gegen die Annahmen und Berechnungen der MEA-Studie des Neoliberalen Axel BÖRSCH-SUPAN und Co-Autor. Die IMK-Studie, auf die sich WALLRODT beruft, geht dagegen nicht von einem Horrorszenario wie BÖRSCH-SUPAN aus, sondern setzt die Erwerbsintegration in Schweden als realistischen Maßstab. Statt eines demografischen wird ein ökonomischer Abhängigkeitsquotient verwendet, um die zukünftigen Belastungen zu berechnen.

Die Unbrauchbarkeit des Altenquotienten wird anhand zweier EUROSTAT-Berechnungen zur Entwicklung des Altenquotienten in Deutschland belegt:

"2014 ging das Statistische Amt der Europäischen Union (Eurostat) noch davon aus, dass sich bis 2040 bundesweit der Anteil der über 65-Jährigen im Verhältnis zu den 15- bis 64-Jährigen um 75 Prozent erhöhen wird. In der aktuellen Prognose von 2017 rechnet Eurostat (...) nur noch mit einem Anteil von 55 Prozent."

Daran könnte auch bemängelt werden, dass mit 65-Jährigen statt mit 67-Jährigen gerechnet wird, denn ab 2030 gilt die Rente mit 67 Jahren als Regelaltersgrenze. Auf dieser Website wurde dagegen schon seit langem bemängelt, dass nicht der Alten- sondern der Rentnerquotient maßgeblich ist, der wie der ökonomische Abhängigkeitsquotient auch nicht-demokrafische Aspekte berücksichtigt. Für die Gegenwart kann auf das Verhältnis von Äquivalenzbeitragszahlern und Äquivalenzrentnern als Maßstab zurückgegriffen werden. Dieser zeigt, dass bereits heutzutage der Altenquotient wenig mit der Rentenlast zu tun hat.      

 
       
   

KROHN, Philipp (2018): Weniger Reserven für Versicherer.
Aktuare verlangen vom Gesetzgeber Vereinfachungen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 27.04.

Der Lobbyverband der Versicherungsmathematiker will weniger Zinszusatzreserven der Lebensversicherer und eine Beibehaltung des derzeitigen Höchstrechnungszinses. Der Verband hat nicht in erster Linie die Interessen der Kunden, sondern die Renditeinteressen der Lebensversicherer im Auge.

 
       
   

SCHRINNER, Axel (2018): Bettelreiche Kommunen.
Grafik des Tages: In Deutschland gibt es 11.042 Gemeinden. Einige sind hoch verschuldet und runfen laut um Hilfe. Doch die Mehrheit schwimmt im Geld - und schweigt geflissentlich. Alle gemeinsam fuhren im Jahr 2017 einen Rekordüberschuss von 9,7 Milliarden Euro ein,
in: Handelsblatt v. 27.04.

 
       
   

HÖPNER, Axel (2018): Der ungeliebte Retter.
Siemens-Werk Görlitz: Die Medizintechnik-Firma Euroimmun will den Standort übernehmen, doch die Beschäftigten bleiben skeptisch,
in: Handelsblatt v. 27.04.

 
       
   

Der OECD-Bericht Tax Wages 2018 in den Medien

ECKERT, Daniel (2018): Nur ein Land übertrumpft die Deutschen bei der Steuerlast.
Laut OECD-Studie müssen Alleinstehende ohne Kinder besonders viel an den Staat zahlen,
in: Welt v. 27.04.

Jedes Jahr wird in Deutschland nach Veröffentlichung des OECD-Berichts das gleiche Schauspiel inszeniert: Singles, die ansonsten die Prügelknaben der Nation sind, werden zu Leistungsträgern stilisiert (sonst sind das Familien!) und ihre Steuerlast wird herangezogen, um Deutschland zum Hochsteuerland zu stilisieren.

Schaut man sich dagegen die Welt-Grafik In Deutschland wird Arbeit mit am stärksten belastet an, dann stimmt an diesem Bild einiges nicht. Tatsächlich ist in Deutschland die Zwei-Kind-Familie mit Alleinverdiener das am weitesten verbreitete Lebensmodell. Dieses Modell jedoch wird in Deutschland viel weniger belastet als in Ländern wie Belgien, Frankreich, Österreich oder Schweden.

Bei der Steuerbelastung wird auch nicht berücksichtigt, dass große Teile der Steuern durch den Lohnsteuerjahresausgleich wieder erstattet werden. Dies gilt umso mehr, je mehr Steuern bezahlt werden.

Der OECD-Vergleich basiert darauf, dass Ungleiches miteinander verglichen wird. Als Maßstab müssten Haushaltsformen dienen, wobei die unterschiedliche Verbreitung in den einzelnen Ländern berücksichtigt werden müsste. In Ländern, in denen die Drei-Kind-Familie weiter verbreitet ist wie in Deutschland, müsste deren Belastung z.B. mit der Zwei-Kind-Familie in Deutschland verglichen werden.

Ein weiteres Problem: Die Steuerlast ist für sich allein wenig aussagekräftig. Entscheidend ist, welche Leistungen dafür auf der Gegenseite stehen.

Fazit: Jedes Jahr zur Veröffentlichung des OECD-Berichts werden wir von den Medien verdummt. Wir sollen nicht merken, dass der Markt, der von Neoliberalen zur modernen Gottheit stilisiert wird, keineswegs alle Leistungen besser als der Staat bereit stellen kann.   

 
       
   

RICHTER, Sabine (2018): Aufruhr in der Hansestadt.
Das Rechercheprojekt "Wem gehört Hamburg"? will den Wohnungsmarkt transparenter machen. Mieter sollen mitteilen, wer Eigentümer ihrer Unterkunft ist und welche Erfahrungen sie mit ihrem Vermieter gesammelt haben. Die Aktion löst heftigen Widerstand aus,
in: Süddeutsche Zeitung v. 27.04.

 
       
   

MÜLLER, Rainer (2018): "Wir wollen Stadt weiter denken".
In Heidelberg sind durch den Abzug der US-Truppen Kasernen und Wohnsiedlungen frei geworden. Nun startet das größte Konversionsprojekt: Bis 2030 soll ein neues Quartier entstehen mit Wohnungen und Arbeitsplätzen für 15.000 Menschen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 27.04.

Rainer MÜLLER berichtet über die Visionen für den geplanten neuen Heidelberger Stadtteil Patrick-Henry-Village, wobei die derzeitige Realität ausgeblendet wird.

MÜLLER, Rainer (2018): Kräne statt Pläne.
Die Internationale Bauausstellung in Heidelberg will Antworten darauf geben, wie die Wohn- und Arbeitsorte von morgen aussehen. Erste Ergebnisse gibt es bereits,
in: Süddeutsche Zeitung v. 27.04.

Rainer MÜLLER berichtet u.a. über die IBA-Projekte Campus Bergheim und den Energie- und Zukunftsspeicher im Pfaffengrund.

 
       
   

Das Single-Dasein in Finnland

STATISTICSFINLAND (2018):Total fertility rate at an all-time low,
in: Pressemitteilung Statistics Finland v. 27.04.

"According to Statistics Finland's data on population changes, the total fertility rate decreased for the seventh year in succession. At the fertility rate prevailing in 2017, a woman would give birth to an average of 1.49 children. The number is an all-time low. The number of children born in 2017 was 50,321. (...).
The total fertility rate was at an all-time low in 2017, i.e. 1.49 children per woman. The rate was second lowest in 1973, when it was 1.50 children per woman. In the previous year 2016, the total fertility rate was 1.57. Since 1969, the total fertility rate has been below the replacement level, which is 2.1 children per woman.
Compared to the year before, the total fertility rate went down for women of nearly all ages, most clearly for those aged under 30 (...). In 2017, women who gave birth to their first child were, on average, 29.2 years of age. In 2016, the average age of first-time mothers was 29.1 years and in ten years it has risen by 1.0 years. Correspondingly, the average age of all women that gave birth went up by 0.1 years from the year before, to 30.9 years. Over the past ten years, it has risen by 0.8 years (...). The number of births has now fallen for seven years in succession. The number of births was 2,493 children, i.e. 4.7 per cent fewer than in 2016.",

meldet das Statistische Bundesamt von Finnland. Außerdem werden Zahlen zur Lebenserwartung gemeldet: Men died on average 7 years younger than women. Vor 10 Tagen berichtete Telepolis über die Geburtenentwicklung in Finnland.

 
       
   

26.04.2018

 
       
   

Die MEA-Studie Die Kosten der doppelten Haltelinie in der Kritik

THELEN, Peter (2018): Nur keine Panik!
Leidartikel: In der Rentenpolitik kommen wir mit Horrorszenarien der einen oder anderen Seite keinen Schritt weiter,
in: Handelsblatt v. 26.04.

Peter THELEN kritisiert Axel BÖRSCH-SUPAN, den er als Mitglied der geplanten Rentenkommission nennt:

"Es ist (...) nicht allerbester Stil, dass der Wissenschaftler nun mit einem wahren Horrorszenario den Eindruck erweckt, eine zeitliche Verlängerung der Haltelinien wäre schlicht unbezahlbar."

THELEN ist hinsichtlich von Berechnungen zur Zukunft der Rentenversicherung ein gebranntes Kind, denn in der Vergangenheit gab es dazu grandiose Fehleinschätzungen:

"(I)m Jahr 2018 (dürfte es) nach allen verfügbaren Langfristprognosen seit der Jahrtausendwende alle (...) positiven Nachrichten eigentlich gar nicht geben (...). So kommt eine Prognos-Studie aus dem Jahr 2003, erstellt für die deutsche Rentenversicherung, selbst in der optimistischsten Variante für 2018 zu einem Rentenbeitrag von deutlich über 19 Prozent und einem Rentenniveau von um die 44 Prozent.
Tatsächlich liegt es aktuell über 48 Prozent. 2014 konnten sich Prognos und das Handelsblatt Research Institute in einer Untersuchung zur Zukunft der Altersvorsorge insbesondere wegen der teuren Rentenreform von 2014 mit Mütterrente nicht vorstellen, dass der Rentenbeitrag unter die damals erreichten 18,9 Prozent fallen würde. Und doch hat er es getan. Die Rentenversicherung fürchtete sogar, der Beitrag würde bis 2017 auf 19,4 Prozent steigen.
Mit dieser Erfahrung im Rücken scheint es angebracht, neuen Horrorszenarien über die Zukunft der Rente mit Skepsis zu begegnen."

THELEN kritisiert die Hybris des Ökonomen, der mit seinen postdemokratischen Vorstellungen sozusagen die demokratische Willensbildung aushebeln möchte, wenn er schreibt:

"Es wird am Ende keine ökonomische, sondern eine rein politische Frage sein, wie viel Umverteilung sich unsere Gesellschaft leisten will, um auch künftigen Rentnern eine Rente zu gewähren, die zu den eingezahlten Beiträgen in einem vertretbaren Verhältnis steht.
Bezahlbar oder unbezahlbar ist da keine Kategorie."

THELEN propagiert ein anderes Politikverständnis als Neoliberale, die die politische Willensbildung als Störung und uneffiziente Einmischung betrachten:

"Beim Thema Haltelinien (...) empfiehlt es sich, auf Sicht zu fahren (...). Der größte Vorzug des umlagefinanzierten Rentensystems gegenüber der ergänzenden Vorsorge über den Kapitalmarkt ist, dass die Umlageregeln jederzeit per einfaches Gesetz geändert werden können."

Ein solches Politikverständnis wird zuweilen als Regieren nach Kassenlage oder als Muddling-through angeprangert. Die Alternative der Neoliberalen, die angeblich eine "nachhaltige", "verlässliche" Politik versprechen, stellt sich oftmals als genauso unzuverlässlich heraus, weil sie unvernünftige Regelungen der politischen Gestaltbarkeit entzieht.       

 
       
   

SIEMS, Dorothea (2018): 1,4 Millionen Rentner in Deutschland haben einen Job.
Erwerbsquote der über 65-Jährigen steigt rasant und liegt weit über dem EU-Durchschnitt. Vor allem Hochqualifizierte und Selbständige schieben den Ruhestand auf. Geldmangel meist nicht der Grund,
in: Welt v. 26.04.

Dorothea SIEMS nimmt es mit Quellenangaben nicht so genau. Sie behauptet, dass ihre Zahlen auf Angaben von EUROSTAT beruhen. Tatsächlich plappert sie lediglich die Pressemitteilung Jeder Neunte zwischen 65 und 74 Jahren geht arbeiten des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung nach. Das wiederum hat die Zahlen auf Grundlage von EUROSTAT-Zahlen berechnet.

Altersarmut zählt nach Meinung von SIEMS nicht zu den hauptsächlichen Motiven der Erwerbsarbeit im Rentenalter, was eher der Sicht des Kommentars ("Arbeit im Alter tut gut") entspricht als der Realität, bei der zwischen Akademikern und Schlechtqualifizierten unterschieden werden muss.

Flaschensammler und Menschen, die aus finanziellen Gründen arbeiten möchten, aber keinen Job finden, zählen nicht zu den Erwerbstätigen, wodurch das Problem der Altersarmut in der Erwerbstätigensstatistik unterrepräsentiert ist. 

 
       
   

Die Rentenanpassung 2018 in der Debatte

SCHWENN, Kerstin (2018): Renten steigen um gut 3 Prozent.
Vor der Sommerpause soll Rentenkommission beginnen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 26.04.

BRAUCHMÜLLER, Michael & Henrike ROSSBACH (2018): Rentner bekommen deutlich mehr Geld.
Von Juli an gibt es für 21 Millionen Ruheständler einen Zuschlag von mehr als drei Prozent. Für die Rentenkasse bedeutet das Zusatzausgaben von zehn Milliarden Euro pro Jahr,
in: Süddeutsche Zeitung v. 26.04.

Die Rentenanpassungen sind in den Medien mindestens vier Mal ein Thema bevor es dann im Juli tatsächlich so weit ist. Mitte November 2017 geisterten zum ersten Mal Zahlen für 2018 durch die Medien. Das zweite Mal wurde anlässlich des Verordnungsentwurfs des Bundesarbeitsministeriums im März dieses Jahres berichtet und nun anlässlich der Beschließung der Rentenanpassung 2018 im Bundestag.

Vergleicht man die Zahlen, die im November kursierten mit den tatsächlichen Zahlen, dann fällt die Rentenanpassung im Westen um 0,13 Prozent und im Osten um 0,14 Prozent höher aus.

Während Kerstin SCHWENN in der FAZ den Bericht mit der Nennung der Vorsitzenden der Rentenkommission (Garbiele LÖSEKRUG-MÖLLER von der SPD, Karl SCHIEWERLING von der CDU) verknüpft, müssen bei der SZ wieder einmal die Babyboomer herhalten, um die zukünftige Rentenentwicklung schlechtzureden. Diesmal hilft die MEA-Studie dabei, zu der Annelie BUNTENBACH (DGB) den berechtigten Einwurf macht, dass Rentenpolitik eine politische Entscheidung und kein "mathematisches Problem" ist.

Ab welchem Jahr die Babyboomer in Rente gehen, ist keine einfache Frage. Nimmt man das Jahr 2025 und die Regelaltersgrenze, dann wären die Babyboomer ab Geburtsjahrgang 1957 definiert, denn dieser kann ab frühestens ab November 2024 in Rente gehen. Durch die Rente ab 63 können aber bereits Teile der Geburtsjahrgänge 1955 in Rente gehen. Daneben gibt es weitere Ausnahmen für einen früheren abschlagfreien Ruhestand. Man könnte aber auch das tatsächliche Renteneintrittsalter heranziehen, was jedoch nur retrospektiv möglich wäre.

Fazit: Weder wer die Babyboomer sind, noch wann sie in Rente gehen, lässt sich seriös zum jetzigen Zeitpunkt bestimmen. In Japan wurde z.B. das so genannte Jahr 2007-Problem erfunden, um den Renteneintritt der japanischen Babyboomer als Problem zu beschwören. Rückblickend gab es nicht wirklich ein solches Problem. Oder liest man heute noch etwas vom Jahr 2007-Problem und dessen verheerenden Folgen? 

Auch das globale Altersbeben, das Frank SCHIRRMACHER 2004 beschwor, erwies sich als Irrtum. Danach hätte die Welt bereits vor 10 Jahren untergehen müssen, weil in den USA der geburtenstärkste Jahrgang in Rente gehen sollte - und damit ein globales Altersbeben auslöste, das in der Folge durch die anderen Babyboomer verstärkt wurde.

Viele Probleme lösen sich rückblickend in Wohlgefallen auf, weil sie lediglich zur Durchsetzung einer angeblich alternativlosen Rentenpolitik erfunden wurden.        

 
       
   

CREUTZBURG, Dietrich (2018): Leichter Sozialbeiträge zahlen.
FDP fordert Vereinfachung der umstrittenen Vorfälligkeit,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 26.04.

 
       
   

JUNG, Markus (2018): Geringere Freibeträge für Rentner.
Urteil: Kein Fall von unzulässiger Altersdiskriminierung,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 26.04.

 
       
   

Die Doppelverbeitragung in der betrieblichen Altersvorsorge in der Debatte

CREUTZBURG, Dietrich (2018): SPD prüft neuen Freibetrag für Sozialabgaben auf Betriebsrenten.
Bundestagsanhörung zu umstrittenen "Doppelbeiträgen",
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 26.04.

 
       
   

Das Single-Dasein in Dänemark

FRÜHAUF, Markus (2018): Pensionsfonds ATP mit Verlust.
Nach Ausnahmejahr 2017 setzt Marktumfeld den Dänen zu,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 26.04.

 
       
   

Das Single-Dasein in Norwegen

BARANZ, Dorian (2018): Nicht so nette Norweger.
Reichtum: Trotz eines Ethikrats investiert der staatliche Pensionsfonds in zweifelhafte Konzerne,
in: Freitag Nr.17 v. 26.04.

"1969 stieß Phillips Petroleum Company bei Bohrungen in der Nordsee 200 Meilen südwestlich von Stavanger auf (...) 500 Millionen Kubikmeter Erdöl. (...) Norwegen ist nun eines der reichsten Länder der Welt.
Damit das auch so bleibt, (...) gibt es den staatlichen »Pensionsfonds Ausland«, in den die Öleinnahmen des Staates fließen",

berichtet Dorian BARANZ über den Statens pensjonsfond utland in Norwegen. BARANZ kritisiert, dass der Fonds zur Vergrößerung der weltweiten Ungleichheit beiträgt und es mit seinen ethischen Grundsätzen nicht so weit her ist.

 
       
   

Das Single-Dasein in Japan

VOLKMANN, Jana (2018): Nah am Fluss.
Kaffeefahrt: Ohne den Drang zum Drama erzählt die Japanerin Nanae Aoyama von den existenziellen Fragen junger Menschen,
in: Freitag Nr.17 v. 26.04.

Jana VOLKMANN stellt den Erzählband Bruchstücke von Nanae AOYAMA vor, deren 2006 in Japan erschienener Debütroman erst 2015 als Eigenwetter auf Deutsch erschien. Darin ging es um Freeter:

"Für junge Menschen, die nach der Oberschule weder auf der Uni noch im Beruf Fuß fassen können (oder wollen) und sich mit Teilzeitjobs durchschlagen, gibt es einen eigenen Begriff, man nennt sie Freeter",

erklärt uns VOLKMANN dazu.

 
       
   

25.04.2018

 
       
   

BBSR (2018): Demographische Prognosen.
Per Annahmen in die Zukunft,
in: Information zur Raumentwicklung, Heft 1 v. 25.04.

Bevölkerungsvorausberechnungen werden von Journalisten gerne als Horrorvisionen missbraucht. Je mehr Horror, desto besser, um politische Maßnahmen als alternativlos erscheinen zu lassen. In den letzten 5 Jahren sind jedoch Vorstellungen über die lineare Fortschreibung der Vergangenheit in die Zukunft massiv unter Druck geraten. Das Statistische Bundesamt sitzt das Problem seit 3 Jahren aus bzw. stellt die politische Zielsetzung in den Vordergrund: Die Annahmen sollen keine Trends mehr aufzeigen, sondern - salopp formuliert - lediglich dafür sorgen, dass die verfolgte Regierungspolitik reibungslos durchgesetzt werden kann.

Regionale Bevölkerungsvorausberechnungen sind in der Regel noch wesentlich unsicherer als deutschlandweite Vorausberechnungen. Dass nun ein Heft über die Bedeutung von "demografischen Prognosen" erscheint, zeigt, dass diese mehr denn je umstritten sind. 

 
       
   

PETER, Tobias (2018): Teure Rente.
Das Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik warnt vor zu hohen Kosten der Koalitionspläne,
in: Frankfurter Rundschau v. 25.04.

Tobias PETER plappert lediglich die PR des neoliberalen MEA-Instituts nach. Der Koalitionsvertrag führt keineswegs zu zu hohen Kosten:

"Im Koalitionsvertrag ist diese doppelte Haltelinie bis zum Jahr 2025 vereinbart. (...). Im Jahr 2025 würde (...) der Beitragssatz von 20 Prozent überschritten. Der Steuerzahler müsste Geld hinzuschießen: (...) inflationsbereinigt elf Milliarden Euro."

Dies stimmt nur bei den sehr pessimistischen Annahmen der Ökonomen zur Bevölkerungsentwicklung, wie gestern bereits nachgewiesen

 
       
   

Die Doppelverbeitragung in der betrieblichen Altersvorsorge in der Debatte

MIHM, Andreas & Dietrich CREUTZBURG (2018): Rentner rebellieren gegen Beitragszahlungen.
Millionen Deutsche zahlen im Alter auf ihre Betriebsrenten hohe Krankenkassenbeiträge. Die Koalition wollte das bislang nicht ändern - doch jetzt tut sich was,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 25.04.

MIHM & CREUTZBURG beziffern die Zahl der Betroffenen auf 6 Millionen, wobei unklar bleibt, wie diese Zahl zustande gekommen ist. Bei 21 Millionen Rentnern wären dies ca. 28 Prozent der Rentner (Relevant wäre insbesondere wie viele Haushalte betroffen sind). Diese gehören zudem zu den bessergestellten Rentnern.

"An diesem Mittwoch findet auf Betreiben der Linksfraktion (...) eine Anhörung im Gesundheitsausschuss statt. Grundlage ist ein Antrag der Linken mit dem Titel »Gerechte Krankenversicherungsbeiträge für Betriebsrenten - Doppelverbeitragung abschaffen«",

berichten MIHM & CREUTZBURG. Ein Kommentar von Stefan SELL zum Antrag der Linkspartei findet sich hier. Die Experten und Verbände, die bei der Anhörung gehört wurden, sind hier abrufbar.

MIHM & CREUTZBURG nennen Einwände aus den Stellungnahmen von DGB, BDA und Gesundheitsökonom Eberhard WILLE gegen die Abschaffung der Doppelverbeitragung.

BRÜSS, Manfred (2018): Freibetrag statt Freigrenze in der bAV – der Königsweg?,
In einer Expertenanhörung des Bundestages zur Doppelverbeitragung von Betriebsrenten kamen erstmals auch die Betroffenen zu Wort. Deren Forderungen nach einer Entlastung von Kranken- und Pflegeversicherungs-Beiträgen kam die SPD mit einem Kompromissvorschlag entgegen,
in:
versicherungsjournal.de v. 26.04.

Manfred BRÜSS berichtet u.a. über den Verein der Direktversicherungsgeschädigten, der sich als Lobbyverband versteht und erst im Oktober 2015 - also 11 Jahre nach dem Gesetz - gegründet wurde. Nicht alle Betriebsrentner, sondern in erster Linie jene mit einer Direktversicherung sind von dem Problem der Doppelverbeitragung betroffen.

 
       
   

SCHWENN, Kerstin (2018): Heils Rentenpaket belastet Scholz' Finanzplanung.
Mütterrente, hohes Rentenniveau, niedriger Beitragssatz: Der Koalitionsvertrag enthält für jeden Geschmack etwas. Der Nachteil: Die Steuerzahler müssen das mit immer mehr Milliarden bezahlen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 25.04.

Kerstin SCHWENN traktiert uns mit den unseriösen Berechnungen der MEA-Studie, wobei hier die mittelfristige Finanzplanung als Problem herbeigeschrieben wird:

"Noch vor Ende der Wahlperiode wird Finanzminister Olaf Scholz (SPD) jedes Jahr einen zweistelligen Milliardenbetrag aus Steuern für die Rente in die mittelfristige Finanzplanung einstellen müssen",

erklärt uns SCHWENN. Dass es so kommt, ist lediglich eine Fiktion oder wie es der Sprecher des Arbeitsministeriums nennt:

"Die Zahlen und Berechnungen zu Kosten einer doppelten Haltelinie fußen auf Annahmen, die ohne Fundament sind (...). Etwaige Kosten lassen sich derzeit nicht seriös bestimmen, da die Einzelheiten der angestrebten Leistungsverbesserungen in der gesetzlichen Rentenversicherung noch nicht gestehen".

Auch Markus KURTH (Grüne) kann den Zahlen nichts abgewinnen. Lediglich - wenig überraschend - der FDP passen die Zahlen zu ihrer Politik.

Fazit: Wer sich mit Planungen auskennt, der weiß: am Ende kommt es selten so wie es geplant wurde! Das gilt für mittlere Finanzplanungen erst recht. 

 
       
   

KROHN, Philipp (2018): Immer schwächere Leistungen der Lebensversicherer.
Magere Zeiten für die Verbraucher. Während Versicherer sichtbar schwächeln, tauchen neue Wettbewerber auf. Gibt es noch Anbieter mit guten Aussichten?
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 25.04.

Philipp KROHN berichtet über Ergebnisse des Map-Reports und der Anbieteranalyse der Finanzberatung Plansecur. Als einziger neuer Anbieter wird das Start-up Vantik genannt.

 
       
   

FINK, Larry (2018): Stoppt die Altersvorsorge-Krise!
Standpunkt,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 25.04.

Der Blackrock-Manager Larry FINK generiert sich als Retter der Altersvorsorge. Das Problem definiert er wie einst Frank SCHIRRMACHER global:

"Wir stehen vor einer demographischen Wende: Zwischen den Jahren 2017 und 2030 soll die weltweite Bevölkerung im Alter von mindestens 60 Jahren um 46 Prozent auf 1,4 Milliarden Menschen anwachsen. Dadurch, dass die Menschen immer länger leben, geraten die globalen Pensionssysteme immer stärker unter Druck."

Dass die demographische Zeitenwende vom nationalkonservativen Bevölkerungswissenschaftler Herwig BIRG in Deutschland bereits Anfang der Nuller Jahre ausgerufen wurde, hat FINK offensichtlich verpennt! Das globale Altersbeben liegt inzwischen ebenfalls schon 10 Jahre zurück - und niemand hat es bemerkt!

Aus Sicht des Fondsverwalters verhalten sich die Menschen natürlich völlig irrsinnig: Statt das Geld in Fonds anzulegen, geben sie es aus oder horten sogar Bargeld!

"Die staatliche Rente wird (...) nicht ausreichen. Denn selbst die solidesten öffentlichen Rentensysteme, wie zum Beispiel Australien, stehen vor Herausforderungen",

erklärt uns FINK. Warum gerade Australien das solideste staatliche Rentensystem haben soll, obwohl es wie die USA zu den Ländern mit dem größten Nachkriegs-Babyboom gehört, verschweigt uns FINK.

"Aus der Kombination von längerer Lebenserwartung, schwachen Rentensystemen und zu geringen Anlagequoten lassen sich allgemeine Handlungsempfehlungen ableiten",

meint FINK. Niedrige Geburtenraten, die in Deutschland an erster Stelle des Problems gesehen werden, kommen bei FINK überhaupt nicht vor. Das wäre dem CDU-Mopedrocker Friedrich MERZ, der für Blackrock Deutschland erobern sollte, sicherlich nicht passiert.

Finanzbildung, wohl am besten unter Anleitung der Finanzdienstleister, soll neue Kunden zuführen. Das Alterssicherungssystem für Blackrock & Co. so umgestalten, dass deren Anteile und Profite möglichst hoch sind.

Fazit: Man erfindet sich ein Problem, zu dessen Lösung man sich als allein geeignet sieht. So lässt sich der Artikel von FINK kurz zusammenfassen.   

 
       
   

24.04.2018

 
       
   

BBSR (2018): Deutschland wächst – aber nicht überall.
Die Bevölkerung in Deutschland wächst regional unterschiedlich. 282 der 401 Kreise und kreisfreien Städte haben zwischen 2010 und 2016 an Bevölkerung gewonnen. Besonders stark fällt das Wachstum in den Großstädten und deren Umland aus. Aber auch viele ländliche Räume verzeichnen mehr Einwohner. Dünn besiedelte Landkreise abseits der Ballungsräume verlieren dagegen weiter an Bevölkerung. Das zeigt eine Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR).,
in: Pressemitteilung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung v. 24.04.

 
       
   

Unsere Zukunft, unsere Rente - Der bevorstehende Kampf um die Stabilisierung des Rentenniveaus. Eine Einordnung seiner Bedeutung in der gegenwärtigen Rentendebatte

BEISE, Marc & Henrike ROßBACH (2018): Rentenpläne der Koalition "unbezahlbar".
Union und SPD haben versprochen, das Niveau der Altersbezüge zu sichern. Doch die Kosten dafür sind gigantisch. Ökonomen beziffern sie auf Dutzende Milliarden Euro jährlich,
in: Süddeutsche Zeitung v. 24.04.

Wer bezahlt eigentlich die Berechnungen, die im Tagesrhythmus erscheinen und doch nichts Neues ergeben? Die angebliche Studie ist lediglich ein Diskussionspapier der neoliberalen Ökonomen Axel BÖRSCH-SUPAN & Johannes RAUSCH mit dem Titel Die Kosten der doppelten Haltelinie. Im Feuilletonteil würde man so etwas Polemik nennen!

Der Koalitionsvertrag sieht eine Stabilisierung des Rentenniveaus nur bis 2025 vor. Das Papier sieht für diesen Zeitraum keinerlei Finanzierungsprobleme. Zudem war seit fast 15 Jahren immer nur von einer Beitragsobergrenze von 22 Prozent die Rede. Die Jahre davor rechnete man sogar mit weit höheren Beitragssätzen. Nun aber werden plötzlich nur noch 20 Prozent angenommen. Allein dies führt zu einer Kostenexplosion bei sonst konstanten Annahmen. Dies war von den Koalitionspartnern offensichtlich so gewollt, damit die Pläne auf möglichst viel Widerstand treffen können. Der Debatte haftet also eine gewisse Verlogenheit an.

Die Bevölkerungsvorausberechnung basiert auf der Annahme einer konstanten Geburtenrate von 1,5 bis 2060 (vgl. S.15), obwohl sie derzeit bereits bei 1,59 liegt und seit 5 Jahren ansteigt. Der Wanderungssaldo liegt bei 200.000 Personen (vgl. S.15), obwohl der Wanderungssaldo derzeit mindestens das Doppelte beträgt. Lediglich bei der Lebenserwartung wird eine Steigerung angenommen (vgl. S.15), obwohl diese derzeit stagniert. Die Annahmen berücksichtigen nicht die aktuellen Trends, sondern sind so gesetzt, dass eine Stabilisierung zu möglichst hohen Kosten führen muss. Das ist unseriös! 

Fazit: Allein die Annahmen zur Bevölkerungsentwicklung entsprechen nicht im Mindesten der aktuellen Entwicklung, sondern basieren auf einem sehr pessimistischen Szenario. Die ökonomische Annahmen sind in der Regel noch unsicherer, was die Entwicklung der vergangenen 10 Jahre zeigt. Das Papier sollte also ins Altpapier, denn zu einer seriösen Diskussion ist es untauglich!

BEISE, Marc (2018): Das größte Problem.
Kommentar zur Rente,
in: Süddeutsche Zeitung v. 24.04.

"Die Lösung kann nur in einem Mix liegen, bei dem das Rentenniveau sinkt, der Beitragssatz steigt - und die Menschen länger leben",

erklärt uns der Neoliberale Marc BEISE. Nur mit dem demografischen Wandel lässt sich das nicht begründen, sondern es wäre allein Ausdruck der politischen Machtverhältnisse!

 
       
   

KROHN, Philipp (2018): Kaum noch hohe Erträge mit Riester-Renten,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 24.04.

Das Altersvorsorge-Lobbyinstitut der Banken hat die Studie Die Renditechancen der (fondsgebundenen) Riester-Rente im aktuellen Marktumfeld in Auftrag gegeben. Während sich gemäß Philipp KROHN an den Kosten nichts mehr drehen lässt, sehen DROST & REZMER Möglichkeiten zur Senkung der Gebühren. Beide Zeitungen berufen sich auf dieselbe Studie! Die Attacke gilt den Beitragsgarantien, d.h. die Kunden sollen gefälligst die Risiken tragen. Dafür werden ihnen vollmundig höhere Renditen versprochen, als ob sich solche Versprechungen in der Vergangenheit nicht in Wohlgefallen aufgelöst hätten!

DROST, Frank M. & Anke REZMER (2018): Weckruf für die Politik.
Erste Vorschläge zur Verbesserung und Alternativen zur viel kritisierten Riester-Rente kommen auf den Markt. Die Politik will die Ideen zunächst nur einsammeln,
in: Handelsblatt v. 24.04.

Die Verbesserungsvorschläge sind nicht neu und auch von Alternativen kann nicht wirklich gesprochen werden. Es geht um Staatsfonds bzw. Deutschlandrente und ein Start-up-Produkt, dessen Brauchbarkeit von DROST & REZMER gar nicht erst bewertet wird. Eine baldige Reform der Riester-Rente wird nicht in Aussicht gestellt. 

 
       
   

FRITSCHE, Andreas (2018): CDU gewinnt zwei Landratswahlen.
Brandenburg: In vier Kreisen gibt es am 6. Mai Stichwahlen, die aber am Quorum zu scheitern drohen,
in: Neues Deutschland v. 24.04.

Die SPD befindet sich in ihrem einzigen ostdeutschen Stammland weiterhin auf Sinkflug!

 
       
   

23.04.2018

 
       
   

STRAUBHAAR, Thomas (2018): Prognosen von Ökonomen werden zur Spekulation.
Kolumne,
in: Welt v. 23.04.

Thomas STRAUBHAAR weiß wovon er spricht, schließlich muss er sich nur seine eigenen Fehlprognosen anschauen!

 
       
   

SCHÄFER, Kristina Antonia (2018): Rente mit 70: Überfällig oder überflüssig?
Unter Wirtschaftsexperten tobt ein Streit, wie der Kollaps der Rentensysteme abgewendet werden kann. Die einen fordern die Rente mit 70, die anderen halten das für überflüssig - und haben eine Alternative,
in: WirtschaftsWoche Online v. 23.04.

Das dröge neoliberale Wirtschaftsblatt ist von einer Studie zur Rentenversicherung überrascht worden und will nun online in die Debatte eingreifen. Kristina Antonia SCHÄFER beschwört wieder einmal den angeblichen Kollaps der Rentenversicherung aufgrund des demografischen Wandels.

Wenn die neoliberalen Wirtschaftsinstitute ihre Gemeinschaftsdiagnose abgeben, dann steht die Erhöhung des Renteneintrittsalters regelmäßig auf der Agenda. Die neoliberale Mainstreammedien greifen gerne diesen Aspekt heraus. Diesmal heißt es in der Gemeinschaftsdiagnose:

"Ein Anstieg des Beitragssatzes zur Gesetzlichen Rentenversicherung könnte zwar grundsätzlich durch eine Erhöhung des Renteneintrittsalters über 67 Jahre hinaus oder durch eine höhere Zuwanderung jüngerer Erwerbstätiger verhindert werden. Beides scheint jedoch angesichts der notwendigen Größenordnungen wenig realistisch: Um den Beitragssatz zur Gesetzlichen Rentenversicherung nach Einführung der geplanten Leistungsausweitungen langfristig auf 20 Prozent zu deckeln, müsste das Renteneintrittsalter rechnerisch auf über 70 Jahre steigen oder die Zuwanderung jüngerer Erwerbstätiger in jedem Jahr über 500 000 Personen betragen." (2018, S.61)

Das führt dann zu voraussehbaren Schlagzeilen wie Arbeiten bis 70 oder mehr Zuwanderer, Massive Zuwanderung oder Rente ab 70! und ähnlichen Parolen. Die unterstellten Entwicklungen und Annahmen, die zu solchen Forderungen führen, werden dagegen nicht in Frage gestellt. Das hat die Studie der Hans-Böckler-Stiftung zumindest teilweise getan, auch wenn sie dem nationalliberalen Demographismus weiterhin verhaftet bleibt.

Die Wirtschaftsinstitute greifen zwar - im Gegensatz zur HBS-Studie - auf die aktualisierte Variante 2-A der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung zurück (vgl. 2018, S.52), aber auch diese bleibt in ihren Annahmen weit hinter der aktuellen Geburtenrate zurück.

Dass sich die Wirtschaftsinstitute für die Erhöhung des Renteneintrittsalters aussprechen, ist kaum verwunderlich, denn schließlich möchte man an der geplanten Rentenkommission beteiligt sein. Die Aussagen des Frühjahrsgutachtens zur Rente sind sozusagen ein Bewerbungsschreiben, um an begehrte Geldtöpfe zu kommen!

 
       
   

GREIVE, Martin (2018): Die Machtzentrale der SPD.
Andrea Nahles hat nicht nur wichtige Partei- und Fraktionsämter mit Weggefährten besetzt. Auch innerhalb der Bundesregierung sitzen langjährige Vertraute in Schlüsselpositionen,
in: Handelsblatt v. 23.04.

Martin GREIVE, der gerne aus einer Mücke einen Elefanten macht, plustert die neue Parteivorsitzende Andrea NAHLES zu einem zentralen Machtfaktor auf, der mit der Realität nichts zu tun hat. Nur weil auf einigen wenigen Positionen Mitglieder der SPD-Nachwuchsorganisation sitzen, ist das keine Machtbasis, auf die NAHLES zählen kann. Außerdem könnte man meinen, dass NAHLES eine Linke sei, stattdessen steht sie dem rechten Seeheimer Kreis näher als den Linken, was die Kampfkandidatur und das miserable Ergebnis von NAHLES belegt. Für eine Erneuerung der SPD steht NAHLES gewiss nicht!

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

GAFAFER, Tobias (2018): Immer mehr Ältere arbeiten länger.
Seit die Daten erhoben werden, waren noch nie so viele über 55-Jährige erwerbstätig wie heute,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 23.04.

STALDER, Helmut (2018): Länger zu arbeiten, ist zumutbar.
Kommentar: Erwerbstätigkeit älterer Arbeitnehmer,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 23.04.

 
       
 

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Bernds@single-dasein.de Stand: 13. Mai 2018