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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
       
   
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News 1-8/2017
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Medienberichte über single-dasein.de
 
 
 
   

News vom 17. - 28. Februar 2018: [17.02.] [19.02.] [20.02.] [21.02.] [22.02.] [23.02.] [24.02.] [25.02.] [26.02.] [28.02.]

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Der Rückgang der Umverteilungseffekte von Renten und Sozialleistungen hat zwischen 2006 und 2016 zu einem Anstieg der Armutsgefährdungsquote unter "Alleinstehenden" beigetragen 

"Die Armutsgefährdungsquote Alleinstehender stieg seit 2006 um 11,4 Prozentpunkte von 21,5 Prozent auf 32,9 Prozent. Über diesen Anstieg wurde am 12.-14. Februar 2018 in diversen Medien (Online und Print) berichtet. Die Differenz zwischen den Armutsgefährdungsquoten vor und nach Sozialleistungen einschließlich Renten (...) - die positive Verteilungswirkung der Sozialleistungen und Renten - sank von 42,0 Prozentpunkte in 2006 auf 30,7 Prozentpunkte in 2016. Diese EUROSTAT-Ergebnisse sollten nicht unbeachtet bleiben."
(aus: Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe (BIAJ) "Armutsgefährdungsquote Alleinstehender 2006 bis 2016 - vor und nach Sozialleistungen (EUROSTAT)" v. 15.02.2018)

 
       
       
   

28.02.2018

 
       
   

KROHN, Philipp (2018): Marktwirtschaftlich und lernwillig.
Menschen & Wirtschaft: Dass Anja Karliczek Forschungsministerin werden soll, ist eine Überraschung. Die Münsterländerin hat allerdings bewiesen, dass sie dicke Bretter bohren kann,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 28.02.

Philipp KROHN singt ein Loblied auf die neue Bildungsministerin, wobei die Bildung für KROHN unerheblich ist und stattdessen die Forschungsministerin hervorgekehrt wird. KARLICZEK wird als stramme Marktwirtschaftlerin mit Präferenz für Familienunternehmen (sie stammt aus einer Hotelierfamilie) beschrieben. KROHN gelten Verbraucherschutz und Industriefreundlichkeit als Feindbilder. Da passt es gut, dass die Katholikin auf dem Gebiet der Altersvorsorge tätig war. KROHN stilisiert sie zur Gegenspielerin von Andrea NAHLES beim Ringen um das Betriebsrentenstärkungsgesetz. Es erstaunt jedoch, dass KARLICZEK in keinem der unzähligen Berichte von KROHN zum Thema auch nur erwähnt wurde. Die Rolle kann also nicht so bedeutungsvoll gewesen sein, wie sie nun dargestellt wird. Lobend erwähnt wird, dass sie sich dafür einsetzte, dass Arbeitgeber Betriebsrenten noch stärker steuerlich geltend machen dürfen.

Fazit: Man darf davon ausgehen, dass KARLICZEK als Bildungsministerin eher Privatschulen fördern wird als öffentliche Schulen. Die neoliberale Privatstiftung Bertelsmann dürfte das freuen.   

 
       
   

LASCH, Hendrik (2018): Im Berg der Batterien.
Sachsen: Das Erzgebirge könnte bald Lithium liefern,
in:
Neues Deutschland v. 28.02.

Hendrik LASCH berichtet über ein Projekt, das dem Erzgebirge Jobs für eine Generation von Arbeitern in Zinnwald, Altenberg und Schwarzheide sichern soll. Sachsen steht politisch am Abgrund und da wird jeder Hoffnungsschimmer publizistisch wertvoll:

"Zinnwaldit (...) enthält (...) 1,4 Prozent Lithium. Und das ist ein Metall, das bald so gegehrt werden dürfte wie das Silber aus dem Erzgebirge, auf dem Sachsens Wohlstand einst gründete. (...).
Lithium ist für die künftige Mobilität das, was Erdöl für das Fahren im 20. Jahrhundert war",

erklärt uns LASCH. Die Firma Deutsche Lithium GmbH aus Freiburg ist der Hoffnungsträger. Die Firma Solarworld - ein anderes gescheiterter Hoffnungsträger - hält noch 50 Prozent. Doch wird die Firma ein kanadisches Unternehmen übernehmen, sollte sich die Förderung überhaupt rentieren. Frühestens ab 2021 soll es dann so weit sein, d.h. für die sächsischen Landtagswahlen, bei der die CDU als bislang stärkste Kraft von der AfD abgelöst werden könnte, kommt das Erzgebirgswunder - wenn es denn überhaupt eines ist - zu spät!  

 
       
   

26.02.2018

 
       
   

DELHAES, Daniel & Peter THELEN (2018): Das vierte Kabinett Merkel.
CDU: Kanzlerin Angela Merkel kommt ihren Kritikern entgegen und erneuert ihre Ministerriege - ohne dabei aber gänzlich auf Vertraute und Erfahrung zu verzichten. Das neue Durchschnittsalter: 48,8 Jahre,
in: Handelsblatt
v. 26.02.

Nachdem die Mainstreammedien Jens SPAHN zur Pflichtaufgabe der Kanzlerin gemacht hatten, blieb MERKEL gar keine andere Wahl als den strammen Neoliberalen zu berufen. Leider macht sie mit SPAHN als Gesundheitsminister lediglich den Bock zum Gärtner. Besser wäre es gewesen, ihn zum Bildungsminister zu machen, denn dann hätte er zeigen müssen wie ernst es ihm um Generationengerechtigkeit ist. Stattdessen zeigt sich wieder einmal, dass Konservativen das Bildungsministerium nicht wirklich am Herzen liegt, denn für Bildung ist nach deren Verständnis nicht die Schule, sondern das Elternhaus zuständig. Das sieht das Handelsblatt genauso, denn dem zweiseitigen Artikel ist die Bildungsministerin lediglich zwei Zeilen wert! Jens SPAHN wird dagegen von DELHAES & GREIVE mit einem eigenen Artikel geadelt ("Auf dem Weg nach oben"). Über die neoliberalen Netzwerke, die Jens SPAHN zum Aufstieg verhelfen, lesen wir in den Mainstreammedien nichts. Aufschlussreich ist hier ein Telepolis-Artikel.   

 
       
   

ROSSBACH, Henrike (2018): Beliebt und teuer.
Rente mit 63: Mehr als 600.000 Arbeitnehmer haben die Möglichkeit seit 2014 genutzt,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 26.02.

"Im ersten Jahr gab es demnach gut 151.000 Rentenzugänge in der Kategorie »Besonders langjährige Versicherte«, 2015 waren es gut 274.000 und 2016 noch einmal mehr als 225.000. Zwar fallen in diese Statistik auch abschlagfreie Rentenzugänge nach früherem Recht, so dass die Zahlen nicht alleine der Rente mit 63 zuzurechnen sind. Das Gewicht der Neuregelung aber wird anhand der Zahlen aus dem Jahr ihrer Einführung deutlich: Während bis zum Stichtag 1. Juli 2014 nur knapp 15.000 langjährig Versicherte abschlagsfrei in Rente gingen, waren es in der zweiten Jahreshälfte und damit zu den Bedingungen der neuen Rente mit 63 gut 136.000",

berichtet Henrike ROSSBACH über die Rente ab 63, denn das Renteneintrittsalter steigt von Geburtsjahrgang zu Geburtsjahrgang an, sodass 1964 Geborene erst mit 65 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen können. Dies zeigt sich auch am faktischen Renteneintrittsalters, das durch die Rente ab 63 nur zeitweise einen geringen Einbruch erlebt hat:

"Demnach stieg das faktische Renteneintrittsalter (viele Arbeitnehmer scheiden vor der Regelaltersgrenze aus dem Beruf aus, auch wenn damit Renteneinbußen verbunden sind) bei Männern zwischen 2000 und 2013 kontinuierlich von 62,2 auf 64,1 Jahre. 2014 aber, dem Einführungsjahr für die Rente mit 63, gab es einen ersten leichten Rückgang auf 64 Jahre, 2015 einen weiteren auf 63,9 Jahre. 2016 blieb es dabei, für 2017 werden die Zahlen erst im Sommer veröffentlicht. Bei den Frauen ist die Entwicklung ähnlich",

behauptet ROSSBACH. Betrachtet man die Zahlen der Deutschen Rentenversicherung (vgl. Rentenversicherung in Zeitreihen, Stand: Oktober 2017, S.137), dann stagnierte 2014 das faktische Renteneintrittsalter von Männern und Frauen bei Herausrechnung des Einflusses der neuen Mütterrente bei 64,1 Jahren. Nur 2015 sank es auf 64,0 Jahre, um 2016 wieder auf 64,1 Jahre zu steigen.

Dass Fachkräfte verloren gehen, ist kein Argument gegen die Rente ab 63, sondern dafür, weil dadurch für jüngere Menschen die Chancen auf eine bessere Bezahlung steigen. Bei der Kritik an der Rente ab 63 ist eine große Portion Heuchelei dabei.

Die Kosten der Rente ab 63 sind zudem wesentlich geringer als z.B. die Mütterrente. Die SZ droht für Herbst einen Bericht über die Auswirkungen der Rente ab 63 an. Dabei lassen sich die Auswirkungen aufgrund fehlender statistischer Datenerhebungen gar nicht beziffern, sondern nur schätzen, was je nach ideologischer Präferenz durchaus verschieden gesehen werden kann.

Die DRV Rheinland und Westfalen haben bereits erste Antragszahlen für das Jahr 2017 veröffentlicht. Immerhin fast ein Viertel der abschlagsfreien Rente wurde von Frauen beantragt. Dieser Anteil dürfte sich bei den jüngeren Frauenjahrgängen weiter erhöhen. Zudem profitieren die älteren Frauen von der Mütterrente.

Letzte Woche hat bereits das neoliberale DIW die Rente ab 63 mit fragwürdigen Argumenten (prognostizierter Anstieg des Altenquotienten) ins Visier genommen.

 
       
   

25.02.2018

 
       
   

KLEMM, Thomas (2018): Der Spion flirtet mit.
Auf Dating-Portalen im Netz sammeln Programme massenhaft Daten. Die Verliebten erfahren davon nichts,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 25.02.

 
       
   

KLOEPFER, Inge & Ralph BOLLMANN (2018): Das geteilte Land.
In Deutschland driften die Regionen wirtschaftlich auseinander: Die einen profitieren von der Globalisierung, die anderen hängen ab,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 25.02.

 
       
   

BOLLMANN, Ralph (2018): Die Saarland-Connection.
Wirtschaftlich ist das Saarland ziemlich erfolglos. Und gerade deshalb sind seine Politiker in Berlin so einflussreich,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 25.02.

 
       
   

SIEMONS, Mark (2018): Der Aufstand der Atome.
Wie kann man eine Sprache für die verstörende Polarisierung der Gesellschaft finden? Ein viel diskutiertes Buch in Amerika behauptet: Der Liberalismus unterschätze die Bedeutung von Gemeinschaft und Kulturen und liefere den Einzelnen schutzlos dem Markt und dem Staat aus,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 25.02.

Mark SIEMONS stellt das Buch Why Liberalism Failed des Politikwissenschaftler Patrick DENEEN vor, das altbekannte Versatzstücke der Reaktion updatet. Die Familie als letztes Bollwerk gegen den Kapitalismus zu beschwören, hat bereits Michel HOUELLEBECQ Bestsellererfolge beschert. Auch die These vom gescheiterten Liberalismus ist nicht neu, wobei mit Liberalismus dessen Idealbild aber nicht der praktizierte politische Liberalismus beschrieben wird, denn dieser ist weiterhin dominant.

SIEMONS stellt zudem Verbindungen zum Buch Die Gesellschaft der Singularitäten von Andreas RECKWITZ her, der in den Feuilletons derzeit gehypt wird. SIEMONS kritisiert zu Recht, dass RECKWITZ mit seiner kulturalistischen Theorie den Selbststilisierungen des Akademikermilieus aufsitzt. Alternativen bietet SIEMONS jedoch nicht an, sodass sein Artikel eher belanglos ist.

 
       
   

24.02.2018

 
       
   

HÜLSEN, Isabell (2018): Die Wut der klugen Köpfe.
Journalismus: Auch unter Gebildeten gedeiht der Hass auf die sogenannten Mainstream-Medien. Diese Entfremdung trifft viele Redaktionen härter als das tumbe "Lügenpresse"-Gebrüll. Lässt sich die Beziehung zum Leser kitten?
in: Spiegel Nr.9
v. 24.02.

Der Artikel zeigt, dass unsere Mainstreammedien erst auf Kritik regieren, wenn eine neue politische Partei den Medienkonsens aushebelt. Ohne den Erfolg der AfD gäbe es diesen Artikel nicht, das ist die beschämende Moral dieser Geschichte. Dass die AfD inzwischen im bürgerlichen Lager erfolgreich ist, hat Konsequenzen für unsere Mainstreammedien, denn sie verlieren hier einst treue Leser bzw. Zuschauer.

Die Konsequenz dieses Artikels ist, dass es in Deutschland endlich einer neuen Sozialstaatspartei bedarf, um das Medienspektrum auch auf der linken Seite zu erneuern. Ohne eine solche neue Partei geht es nicht, da im linken Spektrum die staatsferne Kulturlinke das Sagen hat, während die Position eines starken Sozialstaats seit den 1990er Jahren immer mehr verwaist ist.

"Kein Medium nimmt heute noch für sich in Anspruch, die Wahrheit gepachtet zu haben, nicht einmal der SPIEGEL",

behauptet HÜLSEN, um dann von "objektiven Maßstäben" zu schwadronieren.

"Die Unübersichtlichkeit und die Unordnung, die Zeitungen und Fernsehsender jeden Tag in die Wohnzimmer ihrer Nutzer tragen, überfordern offenbar nicht bloß die »Abgehängten« in dieser Gesellschaft",

meint HÜLSEN. Überforderte Journalisten? Das existiert im Denken der Medienakteure nicht. Selbstkritik? Fehlanzeige! Stattdessen werden wir mit Heinz BUDE verspottet: "postkompetitive Verbitterungsstörung" heißt das Zauberwort, hinter dem sich Journalisten nun verbarrikadieren können. Der unbelehrbare Spiegel-Leser ist das Problem, der Journalismus die Lösung - so schlicht ist dieses selbstgerechte Weltbild.

Fazit: Die Mainstreammedien haben offenbar immer noch zu viel Publikum, weshalb sie es sich leisten können, berechtigte Kritik zu ignorieren und sich stattdessen wohlfeile Argumente für ein Weiter-So zurechtzulegen. Mit Pro-und-Contra-Formaten will man Meinungsvielfalt suggerieren. Man darf bezweifeln, dass dies gelingen wird.      

 
       
   

23.02.2018

 
       
   

MICHLER, Inga (2018): Arm, sexy und ganz vorne bei Bildungsausgaben.
Die Investitionen pro Schüler steigen seit Jahren stark an. An erster Stelle liegt Berlin,
in:
Welt v. 23.02.

Inga MICHLER berichtet über die gestrige Pressemitteilung Ausgaben je Schülerin und Schüler auf 6 900 Euro im Jahr 2015 gestiegen des Statistischen Bundesamtes.

Die Gründe für die "Kostensteigerung" - wie es im neoliberalen Jargon heißt - schreibt MICHLER der Zunahme der Ganztagsbetreuung insbesondere in den Stadtstaaten und dem demografischen Wandel in Ostdeutschland zu. Kleinere Klassen gelten in dieser neoliberalen Sicht nicht etwa als geeigneter für den Schulunterricht, sondern lediglich als Kostenfaktor. Dass die Anzahl der Lehrer je Schüler keine Funktion des demografischen Wandels, sondern Ausdruck eines unterschiedlichen Bildungsverhältnisses ist, kommt im Zeitalter des Neoliberalismus nicht mehr vor. In der Publikation Bildungsausgaben. Ausgaben je Schülerin und Schüler 2015 heißt es dagegen:

"Ein Teil der Unterschiede ist auf Veränderungen in der Schulstruktur und auf Veränderungen in der Altersstruktur der Schülerinnen und Schüler zurückzuführen. Auch haben sich in den Ländern die Schüler-Lehrer-Relationen unterschiedlich entwickelt. Zu betonen ist, dass die Länder- und Gemeindeebene in den Ländern auch in einem unterschiedlichen Umfang in Schulgebäude und andere Sachgüter investiert haben."

Angaben zur Klassengröße im Jahr 2015 befinden sich in der Publikation Internationale Bildungsindikatoren im Ländervergleich aus dem Jahr 2017. Dort werden die Klassenstärken differenzierter aufgelistet als bei MICHLER (vgl. 2017, S.110f.).

"In allen Ländern gab es im Sekundarbereich I höhere Klassenstärken als im Primarbereich. Allerdings waren die Klassengrößen in den Ländern sehr unterschiedlich: Die Spanne reichte im Primarbereich von 18 Schülern je Klasse in Rheinland-Pfalz bis zu 23 in Nordrhein-Westfalen und Berlin sowie im Sekundarbereich I von 21 in Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen bis zu 27 in Nordrhein-Westfalen. Die kleinsten Klassenstärken wiesen im Sekundarbereich I vier ostdeutsche Flächenländer und Bremen auf. Im Primarbereich gab es sowohl in ost- (Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen) als auch in westdeutschen (Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Hessen) Flächenländern niedrige Klassengrößen (unter 20 Schüler je Klasse). Die geringe Klassenstärke in diesen Ländern dürfte darauf zurückzuführen sein, dass die Reduzierung der Lehrkräfte nicht mit dem Rückgang der Schülerzahlen aufgrund des demografischen Wandels Schritt hielt. Darüber hinaus hat die Beibehaltung eines wohnortnahen Bildungsangebots insbesondere im ländlichen Raum »kleine« Klassen zur Folge" (2017,S.110),

heißt es in der Publikation, wobei auch hier keine pädagogischen Aspekte bei der Bewertung der Klassenstärke berücksichtigt werden.

MICHLER stellt auch die Sicht neoliberaler Institute wie IW und Ifo-Institut vor. Der Anstieg der Geburtenzahlen in Deutschland wird nur nebenbei erwähnt. Neoliberalen gilt Wettbewerb als Königsweg zu besserer Bildung. Beispielhaft wird die Niederlande genannt. Der Begriff "Wettbewerb" ist jedoch lediglich eine Leerformel für die Vorstellung, dass private Schulen mehr subventioniert werden sollen. Inwiefern dadurch die Benachteiligung von Schülern aufgrund der sozialen Herkunft verbessert werden kann, wird bezeichnenderweise gar nicht erst diskutiert. 

 
       
   

ECKERT, Daniel (2018): Achthundert Euro für jeden Bundesbürger?
Ein Staatsfonds könnte die Lösung sein für Altersarmut, steigende Einkommens- und Vermögensunterschiede. Alaska macht vor, wie es geht,
in:
Welt v. 23.02.

Timm BÖNKE tourt bereits seit Jahren mit seiner Idee eines Staatsfonds durch die Republik. Die neoliberale Privatstiftung Bertelsmann sponsert ihn dabei kräftig. Bereits im März 2017 publizierte sie sie Broschüre Ein Staatsfonds für Deutschland? Grundüberlegungen und internationale Vorbilder. Nun wird in der Broschüre Soziale Dividende. Utopie oder realistische Politikoption Alaska zum Vorbild stilisiert, obwohl die Bedingungen in Alaska in keiner Weise mit jenen in Deutschland zu vergleichen sind. Darauf wird von ECKERT erst im letzten Drittel hingewiesen:

"Alaska hat, ebenso wie andere ölreiche Staaten den Vorteil, dass sich die Gewinne aus dem Verkauf von Rohstoffen leicht abschöpfen und reinvestieren lassen. (...). Diese einfache Option (...) hat Deutschland nicht".

Hinzu kommt, dass Alaska lediglich 700.000 Einwohner hat, d.h. ein Staatsfonds müsste mit Summen operieren, die Begehrlichkeiten wecken. Für BÖNKE ist das auch nicht wirklich ein Modell zur Bekämpfung der Altersarmut, ihm geht es um "zukünftige Generationen", wer immer das sein soll. Wie üblich werden uns von Neoliberalen traumhafte Renditen versprochen, das war bei der Teilprivatisierung des Rentensystems Anfang des Jahrtausends nicht anders!

 
       
   

22.02.2018

 
       
   

BAUREITHEL, Ulrike (2018): Frauenleihe und Fremdsperma.
Familie: Zu Besuch bei der umstrittenen Kinderwunschmesse in Berlin - mit einem schwulen und einem lesbischen Paar,
in: Freitag Nr.8
v. 22.02.

Ulrike BAUREITHEL berichtet über zwei gleichgeschlechtliche Paare, die auf die zweite Berliner Kinderwunschmesse gereist sind. Während über die erste Berliner Kinderwunschmesse noch breit berichtet wurde, doch nun hat sich zumindest die mediale Aufregung gelegt.

Deutschland gehört zu den Ländern mit den restriktivsten Gesetzen, was die Attraktivität ausländischer Firmen für jene soziale Gruppen erhöht, die hierzulande von der Familiengründung ausgeschlossen bzw. durch Fördermaßnahmen diskriminiert werden sollen. Beispielhaft für diese Position ist ein Artikel der Ex-Familienministerin Kristina SCHRÖDER, die die Maßnahmen der Reproduktionsmedizin als Mittel zur Steigerung der Geburtenrate von verheirateten, heterosexuellen Paaren betrachtet und der eine Berichterstattung wie jene von BAUREITHEL ein Dorn im Auge ist.   

 
       
   

GIESELMANN, Dirk (2018): Beim heiligen Hans.
ZEIT-Titelgeschichte Nachbarn: Kommt alle! In einem anonymen Berliner Hochhaus lädt ein alter Herr die Einsamen zum Essen ein,
in: Die ZEIT Nr.
9 v. 22.02.

In der Wohlfühlzeitung gibt es heute einen Artikel, den man eher in einem Boulevardblatt vermutet. Ob Essenseinladungen geeignet sind, um Einsamkeit zu bekämpfen, ist fraglich. Es zeigt aber eine Tendenz, seit von einem angeblichen Einsamkeitsministerium in Großbritannien berichtet wird, dass der Begriff schnell bei der Hand ist und damit Einsamkeit verharmlost wird.

 
       
   

RECKWITZ, Andreas (2018): Das Band zerreißt.
Die Mittelschicht driftet auseinander. Und die Sozialdemokratische Partei Deutschlands ist Opfer dieses epochalen gesellschaftlichen Umbruchs. Den europäischen Schwesterparteien ergeht es kaum besser. Eine Erklärung,
in: Die ZEIT Nr.9
v. 22.02.

Die Schlagzeile ist ein Euphemismus, denn das Band ist längst zerrissen. RECKWITZ' These von der Drei-Drittel-Gesellschaft ist ein beliebtes Sujet in der politischen Deutungsgeschichte. Vor mehr als 10 Jahren erfand Gero NEUGEBAUER diesen Begriff neu, um den Niedergang der SPD nach der Agenda 2010 zu erklären. RECKWITZ übernimmt dieses Erklärungsmuster und zentriert es um die Selbststilisierungen des Akademikermilieus, die Teil sozialer Schließungsprozesse sind.

Geht man fast 20 Jahre zurück, dann ist man bei Peter GLOTZ, der zwar von Zwei-Drittel-Gesellschaft sprach, aber das selbe Problem meinte. Der Untertitel seines Buchs Die beschleunigte Gesellschaft hieß damals Kulturkämpfe im digitalen Kapitalismus. Auch dieses Buch gehört in die Ideengeschichte des Buchs von RECKWITZ.

"Das politische Paradigma des neuen Liberalismus hat seit 2010 selbst an Überzeugungskraft eingebüßt. (...).
Wenn die SPD umstandslos die Politik der Neuen Mitte fortzusetzen versucht und weiter mit ihr identifiziert wird, scheitert sie",

meint RECKWETZ und adelt damit die verspätete Nachhut als Avantgarde. RECKWITZ fordert eine "Revision des neuen Liberalismus", wobei er möglichst unkonkret bleibt, wenn er eine "Balance zwischen liberaler Öffnung und normativer Regulierung" fordert. Die Sicht von RECKWITZ adelt den Erfolg der AfD und macht eine Momentaufnahme zum Ausgangspunkt von Politik, denn keine Partei wandelt sich schneller als die AfD. Dies erinnert an die Entstehungsgeschichte der Grünen und zwar an die Zeit bevor die Realos unter Joschka FISCHER die Partei auf Kurs brachte. Wer jedoch einer solchen AfD hinterher rennt, der hat schon verloren.

Die Proklamation einer Konfliktlinie zwischen Kosmopoliten und Kommunitariern, die das Rechts-Links-Schema außer Kraft setzt, ist zudem ziemlich gewagt. Viel eher ist von einem Nebeneinander vieler Konfliktlinien auszugehen, wobei der Klassenkonflikt keineswegs vernachlässigt werden kann. Die Kulturalisierung von Konflikten muss als politische Strategie betrachtet werden, die der Mobilisierung von Wählerschichten dient. Man muss das als Identitätspolitik bezeichnen. Der Versuch Identitätspolitik auf kulturlinke Politikstrategien zu verengen, ist selber eine politische Strategie, bei der die Identitätspolitik der neuen Mitte ausblendet wird. Anhand einer Rezension eines 1999 erschienenen französischen Buchs aus dem Jahr 2002 wurde bereits auf dieser Website dieses Problem beschrieben.

Fazit: Die heutige Situation war bereits vor 20 Jahren erkennbar. Spätestens mit der Agenda 2010 war der Niedergang der SPD vorprogrammiert. Die CDU mag noch davon profitieren, doch ihre Zeit ist ebenfalls abgelaufen.   

 
       
   

HENNING, Ulrike (2018): Gewonnene Jahre.
Gute Nachrichten aus der Geriatrie: Die gesunde Lebensphase lässt sich ausdehnen,
in:
Neues Deutschland v. 22.02.

Ulrike HENNING verficht in ihrem Artikel die These von der Kompression der Morbidität, d.h.

"Die Phase schwerer Krankheiten wird dabei verkürzt, im Gegenzug bleibt Autonomie bis ins hohe Alter erhalten, es werden gesunde und behinderungsfrei Lebensjahre gewonnen."

Dabei beruft sie sich u.a. auf den Barmer Pflegereport 2017 von Heinz ROTHGANG u.a. (vgl. 2017, S. 122ff.), der die altersbedingte Pflegewahrscheinlichkeit positiver einschätzen soll als frühere Pflegereports. Angesichts der Stagnation bei der ferneren Lebenserwartung in Deutschland erscheint die optimistische Sicht eher weniger begründet.

 
       
   

21.02.2018

 
       
   

BÖNKE, Timm/KEMPTNER, Daniel/LÜTHEN, Holger (2018): Wege zur Stabilisierung des Rentensystems: Abschläge auf die Frührente sind besser als Nullrunden,
in:
DIW-Wochenbericht Nr.8 v. 21.02.

Unter Marcel FRATSCHER ist das DIW wieder stärker zum Hort des Neoliberalismus geworden. Insbesondere auf dem Feld der Rentenpolitik nimmt die Demografisierung gesellschaftlicher Probleme und die Dramatisierung der kommenden Entwicklung ideologische Züge an.

"Eine Maßzahl für diese Entwicklung ist der Altenquotient, der den Bevölkerungsanteil der über 65-Jährigen ins Verhältnis zu den erwerbsfähigen 20- bis 64-Jährigen setzt (...). Für Deutschland dokumentiert die OECD eine Verdopplung von 16,2 Prozent im Jahr 1950 auf 34,8 Prozent im Jahr 2015 und prognostiziert einen weiteren Anstieg auf circa 60 Prozent bis zum Jahr 2050"
(2018, S.126),

erklären uns BÖNKE/KEMPTNER/LÜTHEN. Das mag auf den ersten Blick erschreckend sein, weil ein Maßstab zur Einordnung dieser Zahlen fehlt. Die Autoren verweisen bei ihren Zahlen auf den OECD-Bericht Pensions at a glance 2017. Auf Seite 123 befinden sich Zahlen für andere OECD-Länder und deren Anstieg des Altenquotienten, der aus der folgenden Tabelle ersichtlich ist:

Land 1950 2015 2050
Deutschland 16,2 % 34,8 % 59,2 %
Italien 14,3 % 37,8 % 72,4 %
Griechenland 12,3 % 33,0 % 73,4 %
Spanien 12,8 % 30,6 % 77,5 %
Japan 9,9 % 46,2 % 77,8 %

Es zeigt sich, dass andere europäische Länder und Japan viel schneller altern als Deutschland, wobei die Zahlen für 2050 sowieso Kaffeesatzleserei sind. Während sich die Alterung in Japan gegenüber 1950 bis 2050 fast verachtfachen soll, sind es in Deutschland noch nicht einmal vier mal so viel. In Japan vollzog sich dieser Anstieg um das Vierfache bereits zwischen 1950 und 2015. In Japan müssten sich die Rentenprobleme also längst gezeigt haben, die Deutschland erst 2050 drohen sollen. Neoliberale blicken dagegen auf Japan und wollen uns erzählen, dass erst das Japan der Zukunft mit unseren heutigen Problemen identisch sei. Das aber entspricht nicht der Faktenlage.   

Außer dem Hinweis auf den Anstieg des Altenquotienten bleibt der Artikel jeden Beleg für ein Finanzierungsproblem schuldig. Der Hinweis auf die "Babyboomer-Generation" genügt mittlerweile, um ein Finanzierungsproblem zu behaupten. Auf dieser Webseite wird dies als Demografisierung gesellschaftlicher Probleme kritisiert. Dahinter steht die Ideologie, dass die Frage der Problematik gar nicht mehr erörtert werden muss, weil die zukünftige demografische Entwicklung angeblich vorprogrammiert ist. Weder die These von der Vorprogrammierung, noch die Tatsache, dass die weitere Finanzierung der Renten von nicht-demografischen Faktoren wesentlich stärker beeinflusst wird, wird noch breit diskutiert. Dies wird auf dieser Website als das eigentliche Problem betrachtet.

 
       
   

THELEN, Peter (2018): Verarmt im Alter? Das war gestern.
Selbständige: Die Große Koalition hat ihre Rentenpläne auch mit Verweis auf angeblich arme IT-Experten begründet. Doch die meisten sorgen längst vor, belegt eine Studie,
in: Handelsblatt
v. 21.02.

Der Lobbyverband Allianz für selbständige Wissensarbeit (ADESW), der erst seit dem letzten Jahr eine eigene Website betreibt und offensichtlich vom Geschäftsfeld Soloselbständigkeit (Eigenwerbung: "Die Allianz für selbständige Wissensarbeit vereint führende Dienstleister für den projektbasierten Einsatz hochqualifizierter selbständiger Wissensarbeiter sowie hierzu assoziierte Partner") profitiert, hat die Allensbach-Umfrage Solo-Selbständige IT-Spezialisten. Einkommenssituation und Altersvorsorge in Auftrag gegeben, mit dem die Rentenversicherungspflicht für Soloselbständige verhindert werden soll. Dass Firmen, die von dem Einsatz Soloselbständiger profitieren, an möglichst billigen Soloselbständigen interessiert sind, darf kaum verwundern.

Am Artikel von Peter THELEN stößt insbesondere auf, dass nicht erwähnt wird, dass die Umfrage keineswegs repräsentativ für den IT-Bereich in Deutschland ist. In der Studie heißt es:

"Die Stichprobe der Teilnehmer wurde aus den Adressbeständen der 8 Unternehmen gezogen, in der ADESW zusammengeschlossen sind. Diese Unternehmen sind Personaldienstleister, welche selbständige Wissensarbeiter bei Unternehmen einsetzen. Ihre Adressbestände umfassen mindestens rund drei Viertel der rund 100.000 solo-selbständigen IT-Spezialisten in Deutschland insgesamt". (2018, S.7)

Die Nicht-Repräsentativität der Umfrage wird mit hohen Kosten gerechtfertigt, die eine repräsentative Studie verlangt hätte:

"Die Zahl der solo-selbständigen IT-Spezialisten in Deutschland wird für 2016 auf rund 100.000 geschätzt. Damit schied nicht nur eine telefonische Rekrutierung von Befragungsteilnehmern, sondern auch eine Rekrutierung über das bundesweite Interviewernetz des Allensbacher Instituts aus, da beides nur mit einem unvertretbar hohen Aufwand möglich gewesen wäre.
Stattdessen wurden die Kontaktdaten von IT-Selbständigen genutzt, die den 8 Mitgliedsunternehmen des ADESW vorliegen." (2018, S.10)

Anders als THELEN behauptet ist nicht das DIW an der Studie beteiligt, sondern deren profitorientiertes Tochterunternehmen DIW Econ. Entsprechend werden wissenschaftliche Standards auch eklatant verletzt. So fehlt z.B. eine Definition von "solo-selbständigen IT-Spezialisten". THELEN spricht ausdrücklich von Clickworkern (auch als plattformbasierte Erwerbsarbeit bezeichnet). Ob diese jedoch überhaupt Teil der Umfrage sind, ist zweifelhaft, denn sowohl Frauen als auch Ostdeutsche sind in der Umfrage unterrepräsentiert. Dazu heißt es:

"Die Unterrepräsentation im Osten dürft en mit der Wirtschaft sstruktur dort (kleinteilige Unternehmensstruktur und Mangel an Zentralen größerer, überregional tätiger Firmen als potentielle Auftraggeber) sowie mit der Raumstruktur (relativ stark ländlich geprägt und wenige große Ballungszentren, die oft als Sitz von IT-Unternehmen gewählt werden) zusammenhängen." (2018, S.43)

Daraus lässt sich im Umkehrschluss schließen, dass IT-Spezialisten, die nicht am Sitz von IT-Unternehmen tätig sind, in der Umfrage fehlen. Es kann also davon ausgegangen werden, dass die Problemfälle der Digitalisierung weitgehend fehlen und deshalb die Altersarmut von Clickworkern, die ja nicht am Sitz der Unternehmen arbeiten, gar nicht angemessen erfasst werden kann.

Bereits in der Vergangenheit haben sich die Lobbyverbände der Selbständigen - oder wie im Fall der ADESW deren Profiteure - erfolgreich gegen eine Pflicht zur Altersvorsorge gewehrt. Nicht die Alten haben eine starke Lobby, sondern die neue Mittelschicht.

Fazit: Mit einer Umfrage, die Solo-Selbständigkeit auf ein Segment beschränkt, das das Problemfeld der potenziell von Altersarmut bedrohten Clickworkern sozusagen implizit ausblendet, soll Stimmung gegen die Rentenversicherungspflicht von Soloselbständigen gemacht werden. Solo-Selbständige IT-Spezialisten sind zudem nur eine Untergruppe der Solo-Selbständigen (vgl. DIW 2013, Tabelle 5, S.9), deren Situation keineswegs gegen die Rentenversicherungspflicht spricht.

 
       
   

KERSTING, Silke (2018): Das Ende der Preisspirale naht.
Wohnraumkosten: Der "Rat der Immobilienweisen" erwartet ein Ende der Preisrally auf dem Wohnungsmarkt,
in: Handelsblatt
v. 21.02.

Silke KERSTING stellt das Frühjahrsgutachten Immobilienwirtschaft 2017 vor. Die Autoren stilisieren sich zu "Immobilienweisen", was Anklänge zu den "Wirtschaftsweisen" nahe legen soll, aber ein Etikettenschwindel ist. Das Gutachten stellt lediglich die Position eines Lobbyverbandes der Immobilienwirtschaft dar.

RASCH, Michael (2018): Der deutsche Immobilienmarkt läuft hochtourig.
Der Wohnungs- und Häusermarkt entkoppelt sich immer stärker von den Fundamentalkräften, insbesondere in den Top-7-Metropolen,
in: Neue Zürcher Zeitung
v. 21.02.

Michael RASCH berichtet über den Monatsbericht Februar der Bundesbank, der sich auf den Seiten 52-54 mit dem Preisanstieg auf dem Immobilienmarkt in Deutschland beschäftigt.

 
       
   

20.02.2018

 
       
   

Die Broschüre Aktionärszahlen 2017 des Deutschen Aktieninstituts in den Medien

SEIBEL, Carsten (2018): Selbst die Vorsichtigen trauen sich jetzt an die Börse.
Erstmals seit der Finanzkrise gibt es mehr als zehn Millionen Aktionäre. Sie haben seit dem Platzen der New Economy-Blase dazugelernt,
in: Welt
v. 20.02.

"Der typische deutsche Aktionär lebt in den westlichen Bundesländern, ist über 50 Jahre alt, hat ein überdurchschnittliches Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 4.000 Euro und ein hohes Bildungsniveau",

behauptet Carsten SEIBEL. In Wirklichkeit ist das keineswegs der typische deutsche Aktionär, denn die einzelnen Dimensionen Alter, Gebiet, Einkommen und Bildung stehen jede für sich. Über den Zusammenhang der Dimensionen sagt die Studie lediglich aus:

"Die soziodemographischen Merkmale sind nicht unabhängig voneinander, sondern überlappen sich zum Teil." (2018, S.7)

Daraus kann keinesfalls geschlossen werden, dass reiche Rentner die typischen Aktionäre sind.

Dem neoliberalen DAI geht es darum Geringverdiener zum Aktiensparen zu verleiten, obwohl diese davon kaum profitieren können. Deshalb fordert das DAI staatliche Subventionen, von denen in erster Linie die Finanzdienstleister und die Gutverdiener profitieren würden.

MOHR, Daniel (2018): So viele Aktionäre wie seit 2003 nicht mehr.
Die neuesten Zahlen des Deutschen Aktieninstituts zeigen eine wieder stärkere Hinwendung zur Aktie. Doch das große Geld fließt woanders hin,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 20.02.

Daniel MOHR ergänzt die Zahlen des DIA durch Zahlen der Finanzdienstleister Lobbyverbände GDV und BVI sowie der Bundesbank. Obwohl er davon ausgeht, dass die Zahlen des DIA die Verbreitung aufgrund mangelnden Wissens der Privatanleger unterschätzt wird, ist ihm das in Aktien angelegte Vermögen entschieden zu wenig. Im Kommentar Die Profis enttäuschen, beklagt er die Zurückhaltung der Lebensversicherer. Diesen wirft er Fehlentscheidungen vor. Das kann man so interpretieren, dass die Lebensversicherer endlich von Garantien Abschied nehmen sollen. Abwicklungsgesellschaften sind eine Möglichkeit um diese unprofitablen Policen abzustoßen, deren Image Philipp KROHN gerade aufpoliert. An der FAZ liegt es also nicht, dass die Deutschen Aktienmuffel sind, denn diese rührt unermüdlich die Werbetrommel für den Finanzkapitalismus. Dabei gibt es durchaus Gründe für die Aktienabstinenz. Das gilt insbesondere für Geringverdiener, die ihr Geld nicht einfach zum Fenster hinauswerfen können.

LEISINGER, Christof (2018): Ein starker Kursrückschlag kommt selten allein.
Wie die Erfahrung zeigt, kann Übermut zum Crash führen - übersehen die Anleger einmal mehr die Zeichen der Zeit?
in: Neue Zürcher Zeitung
v. 20.02.

Im Gegensatz zu den deutschen Aktieneuphorikern, warnt die NZZ davor, dass es sich bei dem Kurseinbruch vor kurzem nur um eine Art von kleinem Vorbeben gehandelt haben könnte. Von daher könnte sich das Trauma der deutschen Aktiensparer, immer wieder zum falschen Zeitpunkt eingestiegen zu sein, erneut wieder holen - allen Aktieneuphorikern, die den Höchststand an deutschen Aktienbesitzern jetzt bejubeln. 

 
       
   

ZSCHÄPITZ, Holger (2018): Rente mit 70? Das wird nicht reichen.
Neue Studie offenbart, dass die Lücke trotz längerer Arbeitszeit immer noch besteht,
in: Welt
v. 20.02.

Holger ZSCHÄPITZ verbreitet willig die PR der Fondsgesellschaft Fidelity, die bei Martin WERDING eine Werbebroschüre für mehr Fondssparen in Auftrag gegeben hat. Der Artikel zielt auf die Gutverdiener, weshalb das Fallbeispiel einer Versicherungskauffrau nur erwähnt, aber nicht näher ausgeführt wird. Im Mittelpunkt steht ein Ingenieur und ein Geschäftsführer, von deren "Rentenlücke" die Fondsgesellschaft besonders profitieren kann.

Die Rentenlücke ist ein Konstrukt der Finanzdienstleister, die sich aus zwei Quellen speist: zum einen Annahmen zur weiteren Entwicklung der gesetzlichen Rente und zum anderen Annahmen zur Höhe des Alterseinkommen. Das wird mit dem dehnbaren Begriff der "Lebensstandardsicherung" bezeichnet, ein Steilpass, den die rot-grüne Bundesregierung im Jahr 2001 mit der Teilprivatisierung der Lebensstandardsicherung ermöglicht hat. Seitdem verbreiten die Helfer der Finanzdienstleister Horrorszenarien zur Rentenlücke, wobei ihnen die Gewerkschaften und Sozialverbände mit der Debatte um Altersarmut auch noch Hilfestellung leisten.

Berechnet wird die Rentenlücke für einen 1975 Geborenen, der heute 43 Jahre alt ist.

"Als lebensstandardsichernd setzen die Autoren 85 Prozent des letzten, in der Erwerbsphase erzielten Nettoeinkommens".

Das soll angeblich ein Optimum an Lebenszufriedenheit versprechen. Angesichts der Gesellschaft der Singularitäten, die gegenwärtig gerne beschworen wird, erscheint eine solche allgemeingültige Annahme eher absurd. Ein Vergleich mit einer PR des gleichen Autors für dieselbe Fondsgesellschaft aus dem Jahr 2013 zeigt eine gewisse Willkür der Annahmen:

"Nach einer aktuellen Untersuchung der Ruhr-Universität Bochum droht den Deutschen im Rentenalter eine markant größere Vorsorgelücke. Danach fehlen einem Standardrentner im Alter monatlich rund 650 Euro, um den eigenen Lebensstandard zu sichern. Das sind 350 Euro mehr als bisher angenommen. Bisher galt es in der Politik aber auch in der Versicherungsbranche als ausgemacht, dass zur Alterssicherung rund 70 Prozent des letzten Nettoeinkommens ausreichen. In der Praxis sei der Bedarf aber deutlich größer, erklärt Martin Werding, Professor für Sozialpolitik an der Ruhr-Universität und Autor der Studie. Im Schnitt müssen Bürger bei Eintritt ins Rentenalter rund 87 Prozent vom letzten Netto erzielen."

Obwohl sich die Lage der Rentenversicherung seit dem Jahr 2013 verbessert hat, wächst die Rentenlücke von PR zu PR weiter!

"Bei der privaten Vorsorge unterstellen die Autoren eine jährliche Anlagerendite von real drei Prozent, also einer Verzinsung des Sparkapitals nach Abzug der Inflation."

Sollte diese Rendite nicht erreicht werden, dann geht das zu Lasten des Sparers, der dann eben noch mehr sparen muss.

Als weitere Annahme, die den Finanzdienstleistern geradezu in die Arme spielt, wird angenommen, dass für die 1975 Geborenen das gesetzliche Renteneintrittsalter weiter angehoben wird, wobei jedoch die Annahmen verschwiegen werden.

Fazit: "rein mathematisch" mögen die Ergebnisse nicht zu beanstanden sein, dagegen sind die Annahmen, die entscheidend die Höhe der Rentenlücke definieren, keineswegs frei von Interessen. Martin WERDING ist als Epigone von Hans-Werner SINN kein Freund des derzeitigen Rentensystems, von daher kommt die gesetzliche Rente schlecht weg, wodurch zwangsweise die Kapitaldeckung profitiert. Das steht im Einklang mit dem derzeit herrschenden Neoliberalismus. Da die Zukunft keine lineare Fortschreibung der Vergangenheit bzw. Gegenwart ist, könnten die Berechnungen bis zum Renteneintritt der 1975 Geborenen schnell Makulatur werden. Einzig die Finanzdienstleister profitieren von der PR, alles andere ist unsicher.

 
       
   

KROHN, Philipp (2018): Gib meine Police nicht weiter!
Lebensversicherer wollen sich von ihren Beständen trennen. Doch ihnen weht scharfer Wind entgegen. Die Finanzaufsicht versucht zu vermitteln. Was bedeutet die Abwicklung für Kunden?
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 20.02.

Philipp KROHN arbeitet daran, das schlechte Image der Abwicklungsplattformen zu beseitigen. Als Sprachrohr dieser Branche lässt er lediglich deren Vertreter zu Wort kommen, weshalb Kritik außen vor bleibt. Das schlechte Image wird als Ausdruck von Wahlkampfrhetorik hingestellt:

"Durch den unglücklichen Zeitpunkt, an dem mit der Generali und der Ergo zwei der größten Anbieter auf dem Markt über einen Verkauf nachdachten, vermischten sich der innerbetriebliche Widerstand mit Wahlkampfargumenten und wurde unsachlich."

Das zielt auf die Neue Assekuranz Gewerkschaft, während die Kritik von Verbraucherschützern einfach ignoriert wird. Nebenbei wird berichtet, dass der Axa-Konzern seine Pensionskasse bAV bereits Ende Januar an die Abwicklungsgesellschaft Frankfurter Leben verscherbelt hat:

"Die Pensionskasse wurde erst im Jahr 2001 gegründet, schon seit 2012 wurde kein Neugeschäft in der Gesellschaft mehr schrieben."

Der Tenor des Artikel läuft darauf hinaus, dass das schlechte Image der Abwicklungsgesellschaften als Kommunikationsproblem aufgefasst wird, d.h. den Bürgern steht eine Imagekampagne bevor, die das Image verbessern soll. Der Artikel von KROHN kann als Teil dieser Kampagne aufgefasst werden.   

 
       
   

LÖHR, Julia (2018): Berlins neue Landliebe.
Mit einem Heimatministerium will die Politik den Menschen auf dem Land schmeicheln. Die fühlen sich zunehmend abgehängt - woran sie selbst aber nicht ganz unschuldig sind,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 20.02.

"»Deutschland spaltet sich demographisch«, heißt es in einer kürzlich erschienenen Studie von Empirica. 193 der 402 Landkreise und kreisfreien Städte haben demnach in den Jahren 2010 bis 2014 junge Menschen durch Abwanderung verloren. 131 Landkreisen kamen sogar mehr als 10 Prozent der Jungen abhanden",

zitiert Julia LÖHR aus einem Hintergrundpapier von Harald SIMONS zu einer Auftragsstudie vom Oktober 2017. Außerdem zitiert sie aus dem Raumordnungsbericht 2017 über das Nebeneinander von Schrumpfung und Wachstum (BT-Drucksache 18/13700 v. 23.10.17, S.27ff.).

Unvermeidlich bei solchen Themen - wird Reiner KLINGHOLZ zitiert, der entsprechend der neoliberalen Ideologie, die die Schuld bei Missständen  den Menschen zuschreibt, im mangelnden bürgerschaftlichen Engagement der Menschen für ihre Gemeinde. Darauf spielt wohl auch die Schlagzeile ab.

 
       
   

19.02.2018

 
       
   

BARTSCH, Michael (2018): "Ein Plan für den Osten".
Linkspartei-Spitzen präsentieren in Erfurt einen Aktionsplan für Ostdeutschland. Ihre Analyse ist gut. Doch in einem Kernbereich bleibt die Partei weiter Antworten schuldig,
in:
TAZ v. 17.02.

Michael BARTSCH berichtet über den Aktionsplan Ost der Linksparteifraktionen von Bund und Ländern. Er spricht von einer "elfseitigen Agenda".  Eine Version vom 15. Dezember 2017 findet sich hier. Die Version vom 17. Februar 2018 findet sich auf oxiblog.de.

"Entwickelt sich die Linke (...) zu einer elitären Intellektuellenpartei der Großstädte, während sie auf dem Land in die Diaspora gedrängt wird? Die Hochburg Leipzig mit dem Landtags-Direktmandat für Juliane Nagel scheint diese These zu rechtfertigen",

wirft BARTSCH ein, da ihm das "wachsende Stadt-Land-Gefälle" im Aktionsplan nicht ausreichend berücksichtigt erscheint. Dies ist jedoch eher kurzsichtig gedacht, denn auch das Gefälle innerhalb ostdeutscher Großstädte nimmt zu. Die Reportage von Birk MEINHARDT aus der Plattenbausiedlung Dresden-Pohlis zeigt, dass die Linkspartei auch die problembeladenen Randlagen der Großstädte längst aufgegeben hat.

 
       
   

17.02.2018

 
       
   

ZIMMERMANN, Felix (2018): "Der war weg".
Ein Mann wird ermordet, zersägt und in eine Kühltruhe gelegt. Lange fällt sein Fehlen nur einem Nachbarn auf, dem keiner zuhören will. Erst zehn Jahre später werden die Leichteile gefunden. Vor Gericht wird nun auch die Frage verhandelt: Wie kann ein Mann einfach so verschwinden?
in:
TAZ v. 17.02.

 
       
   

MAIER, Anja (2018): Guter Hoffnung.
Jens Spahn gibt sich als CDU-Rebell mit Hang zu Rechtsauslegern. Er könnte Minister werden. Dann wäre er Merkels Mann - und ihr Mentekel,
in:
TAZ v. 17.02.

 
       
   

NEZIK, Ann-Kathrin (2018): Politik der Falschen.
Kommentar: Der Koalitionsvertrag ist für junge Wähler eine Zumutung,
in: Spiegel Nr.8
v. 17.02.

Ann-Kathrin NEZIK, Jahrgang 1986, stilisiert die "Jungen" zu den Verlierern, wobei sie Generationen- und Klassenproblem durcheinander bringt:

"Wer sorgenfrei leben kann und wer sich vor dem Abstieg fürchten muss, ist mehr denn je eine Frage der Herkunft. Das liegt nicht nur an der Politik. Niedrige Zinsen und horrende Immobilienpreise benachteiligen diejenigen, die kein Vermögen erben werden."

Als Spiegel-Redakteurin gehört NEZIK zu den Privilegierten ihrer Generation und ist deshalb völlig ungeeignet, sich zum Sprachrohr der Benachteiligten zu machen. Wenn sie von Generation spricht, dann meint sie schlichtweg nur die neue Mittelschicht des Akademikermilieus. Das Stereotyp der "verlorenen Generation" bringt seit den 1980er Jahren jede Generation ins Spiel. Anhand der Generation Golf wurde auf dieser Website gezeigt, dass dieses Stereotyp nicht weiterhilft, um die soziale Ungleichheit in dieser Gesellschaft zu beschreiben. Diese Generation sitzt mittlerweile an den Schalthebeln der Macht. Die verlorene Generation ist mittlerweile die tonangebende, zumindest was deren besserverdienende Generationeneinheit betrifft.

 
       
   

KROHN, Philipp (2018): Unternehmen fahren Betriebsrentenlast zurück.
Über die Jahre haben die Arbeitgeber die Zusagen an die Zinslage angepasst. Für Beschäftigte werden sie immer wichtiger. Ein wichtiges Ziel aber verfehlen die Betriebsrenten,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 17.02.

In der neoliberalen Märchenerzählung sollten die Kürzungen bei der gesetzlichen Rente durch die Kapitaldeckung ausgeglichen werden. Bei KROHN sind das wahlweise entweder zwischen "10 und 15 Prozent für beide Säulen" oder ein Drittel der Rentenansprüche, wie der Kommentar Vom Zins vernichtet erklärt. Das aber kann die Kapitaldeckung nicht annähernd leisten. KROHN stellt Berechnungen der Unternehmensberatung Willis Towers Watson vor, deren Geschäftsfeld die betriebliche Altersvorsorge ist, weshalb der Artikel nicht die Probleme der Arbeitnehmerschaft thematisiert, sondern die Interessen der Arbeitgeber im Blick hat. Diese wollen die Lasten auf die Arbeitnehmer abwälzen, was durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz weiter erleichtert wurde. Die Renditelücke, also die Kluft zwischen Rentenniveausenkung und realer Rendite von Altersvorsorgeprodukte soll im vollem Umfang durch erhöhte Beiträge der Arbeitnehmer geschlossen werden, so jedenfalls der Wunsch der Arbeitgeber. Was bei KROHN natürlich nur verklausuliert geschrieben steht:

"»Die Lücke können aber nicht die Arbeitgeber finanzieren. Deshalb bemühen sie sich um eine höhere Arbeitnehmerbeteiligung.«
Tatsächlich fragten viele Unternehmen bei der Beratungsgesellschaft an, wie sie ihre Beteiligungsquoten an der freiwilligen arbeitnehmerfinanzierten Entgeltumwandlung erhöhen könnten",

zitiert KROHN einen Unternehmensberater. Die Entgeltumwandlung geht jedoch sowohl zu Lasten derjenigen Arbeitnehmer, die eine Betriebsrente erhalten, als auch zu Lasten aller gesetzlichen Rentner. Was natürlich unerwähnt bleibt. Das Beratungsunternehmen und mit ihm die Finanzdienstleisterbranche hofft auf das neue Betriebsrentenstärkungsgesetz, dass einen Schub für die Kapitaldeckung bringen soll, schließlich hat die Regierung diese Art der Altersvorsorge noch stärker subventioniert als vorher.    

 
       
   

HUBER, Julia (2018): Viechtach forever.
Rückständig und provinziell, so lautet das Klischee vom Bayerischen Wald. In einer Kleinstadt arbeiten ein paar junge Leute am Gegenteil, gründen Unternehmen und eröffnen Clubs. Aus Liebe zur Heimat,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 17.02.

Die Landtagswahl in Bayern wirft längst ihre Schatten voraus. Die SZ begreift sich inzwischen als PR-Agentur des bayerischen Heimatministeriums, so jedenfalls liest sich dieser Artikel, der mit Fakten über Viechtach geizt, aber dafür viel Folklore liefert:

"Die 8200-Einwohner-Stadt liegt mitten im Bayerischen Wald. Nach Prag ist es genauso weit, wie nach München. Die meisten kennen Viechtach nur vom Strafzettel - hier sitzt die zentrale Bußgeldstelle."

Die Hinterwäldler werden uns als Provinz-Hipster vorgestellt. Eine Handvoll Männer um die 30 sollen den neuen Lokalpatriotismus verkörpern - gemessen an der Einwohnerschaft irgendwo bei 0,irgendwas Prozent. Brauchen wir solchen Heimat-Journalismus, der sich in seichter PR erschöpft? 

 
       
   

KLUTE, Hilmar (2018): Alter weiser Mann.
Harald Martenstein ist ein Star-Kolumnist - aber mittlerweile hat er viele Feinde,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 17.02.

Hilmar KLUTE himmelt die Edelfeder Harald MARTEINSTEIN an, der so herrlich politisch unkorrekt gegen vieles pöbelt was auch Rechtspopulisten stört. Als "pragmatische Mitte" versteht sich diese Man-dürfte-doch-mal-sagen-dürfen-Attitüde, die Thilo SARRAZIN in Deutschland bestsellertauglich gemacht hat.

Gemäß KLUTE wurde Harald MARTENSTEIN erst im Jahr 2007 populär, eher könnte man sagen, dass er damals seinen Zenit erreicht hatte. Es war das Jahr, in dem er als Romanautor debütierte, weil das für Edelfedern zum Standardrepertoire geworden war. 2011 (also kurz  nach SARRAZINs Bucherfolg) entdeckte MARTENSTEIN, dass mit politisch korrekter Mainstreamschreibe keine Aufmerksamkeit mehr zu erzielen ist.

KLUTE beschreibt MARTEINSTEIN als sozialen Aufsteiger ("Anfang der Fünfzigerjahre geboren, Arbeiterhaushalt, Dosenravioli und keine Bücher im elterlichen Wohnzimmer") und "vom Grünsein schwer enttäuscht". Nicht erwähnt wird seine späte Elternschaft (wäre wohl nur bei einer Frau erwähnenswert gewesen!). Die Ich-Form, in der MARTENSTEIN seine Kolumnen verfasst, werden von KLUTE als Gegenmittel gegen eine "Gesellschaft von Puritanern, Abmahnern und Korrekturfetischisten" geadelt. Meinungen haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber der Faktenfraktion: Sie beanspruchen keine lange Haltbarkeit und können von heute auf morgen über Bord geworfen werden. Vorgestern DKP, gestern Grüne, morgen vielleicht AfD. Warum nicht?       

 
       
 

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Zu den News vom 09. - 16. Februar 2018
 

       
   
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Bernds@single-dasein.de Stand: 03. März 2018