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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
     
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Medienberichte über single-dasein.de
 
 
 
   

News vom 19. - 24. Januar 2017: [19.01.] [20.01.] [21.01.] [22.01.] [23.01.] [24.01.]

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Während in den 1990er Jahren Soziologen aufgrund der Alterung der Bevölkerung die Single-Gesellschaft prophezeiten, besagt die Empirie nun: Immer mehr ältere Menschen leben mit einem Partner zusammen

"Der Anteil älterer Menschen, die mit ihrem Partner einen gemeinsamen Haushalt bewohnen, ist zuletzt stark angestiegen. Während 1996 nur etwas mehr als die Hälfte der 70- bis 79-Jährigen in einer Partnerschaft lebte, so sind es gegenwärtig bereits zwei Drittel. Ein ähnlicher Trend zeigt sich bei Menschen im Alter von 80 und mehr Jahren: Hier wuchs der Anteil von 26% auf nunmehr 41%. Dies hat das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) auf Basis des Mikrozensus berechnet, bei dem Partnerschaften in einem gemeinsamen Haushalt erfasst werden. Die wichtigste Ursache für den Anstieg liegt in der Verschiebung der Geschlechterproportion. So gab es noch vor zwei Jahrzehnten bei älteren Menschen einen starken Frauenüberschuss, da Männer in dieser Altersgruppe durch den Zweiten Weltkrieg dezimiert waren. Mittlerweile ist die Altersstruktur bei älteren Männern und Frauen wieder etwas ausgeglichener. Hinzu kommt, dass heute Partnerschaften ohne Trauschein weitgehend akzeptiert sind, weshalb auch ältere Menschen häufiger zusammenleben, ohne verheiratet zu sein."
(Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes v. 21.12.2016)

 
       
       
   

24.01.2017

 
       
   

DESTATIS (2017): 2 268 Babys von Frauen ab 45 Jahre im Jahr 2015 geboren,
in: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts v. 24.01.

"Im Jahr 2015 wurden 2.268 Kinder von Frauen geboren, die 45 Jahre oder älter waren. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, waren das 0,3 % aller lebend geborenen Babys dieses Jahres. Ähnlich viele Geburten hatten Mütter ab 45 Jahre bereits vor 50 Jahren gehabt. Im Jahr 1965 hatten sie 2.491 Babys zur Welt gebracht, was 0,2 % aller Geborenen entsprochen hatte. Danach hat nicht nur die Zahl der Geburten insgesamt, sondern auch die Zahl der Geburten von älteren Müttern abgenommen. Im Jahr 2000 hatten 706 Neugeborene eine Mutter, die 45 Jahre oder älter war (0,1 % aller Geburten). Seitdem stiegen die Geburten in dieser Altersgruppe kontinuierlich und haben sich bis 2015 mehr als verdreifacht",

heißt es zur Zahl der Woche des Statistischen Bundesamtes. Nicht mitgeteilt wird uns jedoch die Anzahl der Mütter, die 1965 Kinder geboren haben. Diese ist um einiges größer als heutzutage gewesen, d.h. heutzutage gibt es relativ mehr späte Mütter über 45 Jahre als 1965, auch wenn das Statistische Bundesamt eher das Gegenteil suggeriert.

Zieht man die altersspezifischen Geburtenziffern der Frauen von 45 und mehr Jahren zur Rate, dann stieg die Geburtenziffer dieser Frauen von 2,5 im Jahr 2011 auf 3,4 im Jahr 2015. Damit ist die Geburtenzahl dieser Frauen inzwischen genauso hoch wie jene der 15 und 16-jährigen Frauen

Viel interessanter ist dagegen der Anstieg der Geburtenzahlen bei den über 40-jährigen Frauen. Diese Frauen wurden noch Mitte der Nuller Jahre zu den lebenslang Kinderlosen gezählt. Diese Geburtenziffer lag im Jahr 2011 bei 59,3 und ist seitdem auf 75,7 gestiegen. Würden die über 40-jährigen Frauen  heutzutage bei der Geburtenrate nicht mitberücksichtigt, dann würde sie für das Jahr 2015 nicht bei 1,50 Geburten pro Frau liegen, sondern nur bei 1,42.

 
       
   

AFP/ND (2017): Streit über Altersbezüge.
Laut Rentenversicherung würden viele sehr arme ältere Menschen nicht von einer Anhebung des Rentenniveaus profitieren,
in:
Neues Deutschland v. 24.01.

Gestern verbreiteten Nachrichtenagenturen eine einseitige Interpretation der Stellungnahme der Deutschen Rentenversicherung (DRV) zum Rentenniveau, die von unseren neoliberalen Mainstreammedien (z.B. Spiegel Online) gerne weiterverbreitet wurde. Die DRV begrüßt jedoch ein Mindestrentenniveau, das nicht unterschritten werden soll. Sie verweist dazu darauf, dass die Kapitaldeckung ihre in sie gesteckten Hoffnungen nicht erfüllt hat und deshalb ein höherer Beitragssatz erforderlich ist, um weiterhin die Lebensstandardsicherung im Alter gewährleisten zu können:

"Grundsätzlich ist bezüglich der Entwicklung von Beitragssatz und Rentenniveau zu bedenken, dass diese Größen in einem gewissen Zusammenhang zueinander stehen. Als »Faustregel« kann dabei gelten: Unter sonst gleichen Bedingungen erfordert die Finanzierung eines im Vergleich zum Status-Quo-Szenario im Jahr 2030 um einen Prozentpunkt höheren Rentenniveaus eine Beitragssatzerhöhung um etwa einen halben Prozentpunkt.
● Zum anderen ist darauf zu verweisen, dass sich bereits im geltenden Recht im § 154 Abs. 4 SGB VI der Hinweis findet, die Bundesregierung solle »zur Beibehaltung eines Sicherungsziels vor Steuern von 46 vom Hundert über das Jahr 2020 hinaus« Maßnahmen »unter Wahrung der Beitragssatzstabilität« vorschlagen. Diese Regelung hat der Gesetzgeber 2004 im Rahmen des Rentenversicherungs-Nachhaltigkeitsgesetzes in das Sozialgesetzbuch eingefügt. Zur Zeit der Formulierung dieser Regelung konnte man allerdings – aufgrund der Situation an den Kapitalmärkten – davon ausgehen, dass im Rahmen der kapitalgedeckten Zusatzvorsorge deutlich höhere Erträge für die eingezahlten Beiträge zu erwarten wären, als dies nun der Fall zu sein scheint. Damit die Lebensstandardsicherung im Alter auch unter den veränderten Kapitalmarktbedingungen realisierbar bleibt, ist aus heutiger Sicht abzusehen, dass ein insgesamt höherer Beitrag aufgewendet werden muss."
(Ausschussdrucksache 18[11]903 vom 20.01.2016, S.12)

Bereits im Jahr 2004 hat also die Bundesregierung ein Rentenniveau von 46 Prozent angestrebt. Damals setzte sie jedoch in Verkennung der Entwicklung der Kapitaldeckung darauf, dass dieses Sicherungsniveau durch die sagenhaften Renditen, die uns die Versicherungswirtschaft in Aussicht gestellt hat, erreichbar sei. Der Riester-Faktor hat nun zwar das Rentenniveau entsprechend den damaligen Vorstellungen abgesenkt, die Renditen haben sich jedoch anders entwickelt, sodass das Ziel der Lebensstandardsicherung verfehlt wurde.

Die Befürworter der Kapitaldeckung, also die Finanzdienstleister und ihre Journalistenfreunde in den Mainstreamzeitungen, haben deshalb die Parole ausgegeben, dass wir dann eben einfach noch viel mehr sparen müssten, um das gleiche Ergebnis zu erreichen. Aber kann es sein, dass die Finanzmarktakteure die Profite mitgenommen haben und die Risiken immer mehr den Versicherten aufbürden? Die Regierungen seit der Jahrtausendwende haben uns in die Hände dieser Kapitalmärkte getrieben. Es wird Zeit ihnen bei der nächsten Wahl zu zeigen, dass wir davon nichts halten!

Die DRV kritisiert genauso wie der Sozialbereirat die allzu naiven Annahmen der Bundesregierung zur Rendite der Kapitaldeckung. Die Annahmen sind offenbar dem einzigen politischen Kalkül geschuldet, einen Rentenwahlkampf zu vermeiden. Davon abgesehen verteidigt die DRV jedoch die neoliberale Sicht der Regierung. Dies steht im Einklang mit dem Motto ihrer neuen Präsidentin:

"Wir sind nicht politische Entscheider, setzen Beschlüsse des Gesetzgebers aber um."

CREUTZBURG, Dietrich (2017): Warnung vor Rentenwahlkampf.
Rentenversicherung befürchtet falsche Versprechungen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 24.01.

Dietrich CREUTZBURG berichtet über die Stellungnahme der Deutschen Rentenversicherung zur gestrigen Anhörung. Dabei wird in neoliberaler Perspektive Altersarmut auf den Bezug von Grundsicherung reduziert, um das Argument einer Rentenniveauerhöhung generell als ungeeignet abwehren zu können. Für 64 Prozent der Grundleistungsbezieher würde ein Erhöhung nichts bringen, was im Umkehrschluss bedeutet, dass sogar 36 Prozent dieser Bezieher profitieren würden. Dabei liegt die Armutsrisikoschwelle weit über diesem Niveau der Grundsicherung im Alter. Nicht berücksichtigt wird zudem die verdeckte Armut, d.h. Rentner, die z.B. aufgrund von Scham keine Grundsicherung beziehen, obwohl sie ihnen zustehen würde.

Wenn die gesetzliche Rente nicht auf ein Fürsorgesystem zurückgestutzt werden soll, dann ist eine Mindestuntergrenze beim Rentenniveau notwendig, die für Normalverdiener nicht in die Altersarmut führt. Wer das die Rente zum Fürsorgesystem verkommen lassen will, der soll das auch offen vertreten, statt gegen eine Erhöhung des Rentenniveaus zu polemisieren.

 
       
   

MOHR, Daniel (2017): Mehr Altersvorsorge in Fonds.
Privatanleger jedoch zurückhaltend. Mischfonds gefragt,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 24.01.

Neoliberale berichten lieber über Erfolgsmeldungen in Sachen Kapitaldeckung. Statt die gesetzliche Rente zu fördern, sollen die Profite der Finanzmarktakteure durch Subventionen gesichert werden. Die Propaganda der Lobbyisten war erfolgreich: Garantien sind kein Thema mehr. Die Risiken werden inzwischen voll auf die Kunden abgewälzt. Diese hoffen jedoch, dass nur die dummen Anderen Fehlinvestitionen tätigen:

"Garantiefonds (...) schließen reihenweise und verzeichneten 2016 Abflüsse von mehr als 4,5 Milliarden Euro."

 
       
   

WORATSCHKA, Rainer (2017): Die Renten-Wächterin.
Erstmals steht eine Frau an der Spitze der Rentenversicherung. Gundula Roßbach hat in ihrem Amt viel vor,
in:
Tagesspiegel v. 24.01.

Rainer WORATSCHKA porträtiert Gundula ROßBACH, die seit Januar Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung ist. Sie steht für ein Weiter-So. WORTASCHKA stellt das Äquivalenzprinzip als Richtschnur der DRV da, die sowohl gegen Falschfinanzierungen von gesamtgesellschaftlichen Aufgaben (z.B. Mütterrente und Ostrentenangleichung) als auch von Solidarrenten (Grund- Mindest- oder Lebensleistungsrente) in Anschlag gebracht wird.

"Selten zuvor ging es der gesetzlichen Rentenversicherung so gut wie momentan. Die Reformen vom Anfang des Jahrtausends greifen (...) und mit der scheinbaren Überlegenheit der privaten Absicherung über das Umlageverfahren ist es in Zeiten der Nullzinspolitik auch vorbei",

erklärt uns WORATSCHKA. Nicht jeder wird das als positive Entwicklung verbuchen wollen, denn diese Entwicklung geht zulasten derjenigen, die am meisten auf die gesetzliche Rentenversicherung angewiesen sind. Wie absurd diese neoliberale Sicht ist, zeigt sich an der Stellungnahme der DRV zur gestrigen Anhörung zur Alterssicherung:

"Die Entwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten stellt sich grundsätzlich positiv dar. Der Beitragssatz liegt mit 18,7 Prozent unter dem Niveau Mitte der 80er Jahre – also niedriger als in der Zeit vor der Wiedervereinigung – obwohl sich die demografische Entwicklung der Bevölkerung seither deutlich verändert hat. 1986 kamen auf einen Menschen im Alter von 65- und mehr Jahren noch vier 20- bis 64-Jährige, heute sind es nur noch drei – der Beitragssatz liegt heute dennoch einen halben Prozentpunkt niedriger als damals."
(Ausschussdrucksache 18[11]903 vom 20.01.2016, S.11)

Oder anders formuliert: Nicht die demografische Entwicklung ist schuld an der zunehmenden Altersarmut, sondern die neoliberale Politik. Dies zeigt sich bei auch bei der Bewertung der Kapitaldeckung:

"Auch die Entwicklungen auf den Finanz- und Kapitalmärkten, die für die Produkte der privaten Alters-vorsorge und der Betrieblichen Altersversorgung gegenwärtig erhebliche Probleme mit sich bringen, konnten die gesetzliche Rentenversicherung nicht nennenswert beeinträchtigen. Im Gegenteil: Im Oktober 2008, unmittelbar vor Ausbruch der Finanzkrise, wurden für das Jahr 2016 ein Beitragssatz von 19,1 Prozent und ein Rentenniveau von 47,6 Prozent vorausberechnet. Tatsächlich stand die gesetzliche Rentenversicherung aber trotz der zwischenzeitlichen Turbulenzen auf den Kapitalmärkten 2016 hinsichtlich beider Parameter besser da als damals erwartet: Der Beitragssatz lag bei 18,7 Prozent und das Rentenniveau bei 48,0 Prozent. Die Nachhaltigkeitsrücklage war zudem beinahe doppelt so hoch wie seinerzeit vorausberechnet."

Auch das ist Augenwischerei, denn gemäß Rentenversicherungsbericht 2001 sollte die monatliche Standardrente im Jahr 2015 bei 1.601 Euro liegen, tatsächlich war sie 2015 mit 1.314 Euro um 287 Euro niedriger. Dies ist nicht in etwa der demografischen Entwicklung geschuldet, sondern dem Riester-Faktor in der Rentenformel. Dieser sorgte in der Vergangenheit dafür, dass das Rentenniveau gemäß Rentenversicherungsbericht 2001 von den damals geplanten 70,8 % auf 47,7 % abgesenkt werden konnte. Obwohl - wie die DRV selber zugibt - die Kapitaldeckung für schlechterverdienende Arbeitnehmer völlig unlukrativ ist, wurde die gesetzliche Rentenversicherung ohne Not immer mehr auf ein Fürsorgesystem heruntergefahren. Sollte diese Entwicklung so weiter gehen - und sie wird so weiter gehen, wenn nicht eingeschritten wird, dann wird die gesetzliche Rentenversicherung für viele Menschen Altersarmut bedeuten.

 
       
   

RENNEFANZ, Sabine (2017): Die Superfrauen.
Die Ost-Frau ist eine Ikone der Gleichberechtigung. Sie gilt als emanzipiert und selbstbewusst. Ein Myhtos, sagt die Forscherin Anna Kaminsky. Auch die Frauen in der DDR hätten sich aufgerieben zwischen Familie und Job,
in:
Frankfurter Rundschau v. 24.01.

 
       
   

SCHEFCZYK, Michael (2017): "Gutmensch" sagt man nicht!
Oder doch? Überlegungen zu Moral und Moralismus in der öffentlichen Diskussion,
in: Neue Zürcher Zeitung
v. 24.01.

Michael SCHEFCZYK plädiert aus kommunikationstheoretischer Sicht für eine argumentative Auseinandersetzung mit Andersdenkenden. Das Problem eines solchen Ansatzes ist jedoch, dass dabei die Machtasymmetrie von Herrschenden und Beherrschten vernachlässigt wird. Nicht jeder hat die gleichen Möglichkeiten seine Meinung zu Gehör zu bringen, weshalb zuallererst eine Interessenanalyse vonnöten ist. Ohne Einbindung in einen politischen Konfliktansatz bleiben kommunikationstheoretische Analysen banal und beschränken sich auf psychologische Gemeinplätze:

"Das Zusammenspiel von Gruppenzwang und primärer Abwehr von Gegenmeinungen macht erklärlich, warum Meinungsfreiheit und vernünftiges Debattieren einen so schweren Stand hat. (...). Einen erregten Gleichgesinnten aufzufordern, er solle sich mässigen und der Gegenseite besser zuhören, wird nicht selten von der Bezugsgruppe als moralisch verdächtig angesehen. Die eigene politische Erregungsgemeinschaft zu stören, ist unerwünscht."

Solche sozialpsychologischen Befunde beziehen sich wohl nur auf Eliten und Gegeneliten, die jedoch ein Publikum brauchen, das sie überzeugen können. Dieses Publikum jedoch ist nicht Gegenstand, denn sie gehören nicht zu den "Freien und Gleichen" wie es schönfärberisch heißt. Der Artikel muss als Teil der Selbstverständigung unserer Eliten über den Umgang mit Gegeneliten interpretiert werden. Das Publikum kann da nur staunend zuschauen.

 
       
   

23.01.2017

 
       
   

EHRENTRAUT, Oliver & Stefan MOOG (2017): Zukunft der gesetzlichen Rentenversicherung.
Möglichkeiten und Grenzen ausgewählter Reformvorschläge, Study der Hans-Böckler-Stiftung, Bd. 345. Düsseldorf,
in:
www.boekler.de v. 23.01.

 
       
   

BIRKWALD, Matthias W. (2017): Die Anhebung des Rentenniveaus ist unumgänglich,
in: Pressemitteilung des rentenpolitischen Sprechers der Linke
v. 23.01.

Pressemitteilung zur heutigen Anhörung des Ausschusses für Arbeit und Soziales, in der es u.a. um das Rentenniveau geht.

 
       
   

Die Ostrentenangleichung und die Verbesserungen für Erwerbsminderungsrentner in den Medien

SCHWENN, Kerstin (2017): Arbeitgeber fordern Änderungen an Rentenplänen.
Ob Ost-West-Angleichung oder Erwerbsminderung - die Finanzierung der Vorhaben von Ministerin Nahles stößt in der Wirtschaft auf Widerstand,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 23.01.

Im Vorfeld einer Anhörung zur Ostrentenangleichung und den Verbesserungen für Erwerbsminderungsrentnern berichtet Kerstin SCHWENN lediglich über die Einwände der BDA, die nur die Interessen von Arbeitgebern und Spitzenverdienern jenseits der Beitragsbemessungsgrenze im Blick hat.

Die Arbeitgeberlobby fordert, dass nicht Spitzenverdiener und Arbeitgeber, sondern die Schlechterverdiener unter den westdeutschen Rentner weitere Kosten der Ostrentenangleichung tragen sollen. So zumindest muss SCHWENNs Darstellung interpretiert werden, wenn sie schreibt:

"Statt die Beitragsbemessungsgrenze Ost außerordentlich anzuheben, sollte die Bemessungsgrenze West so lange »eingefroren« werden, bis die Beitragsbemessungsgrenze Ost das gleiche Niveau erreicht hat."

Eine Beibehaltung der Bemessungsgrenze West würde zu Einnahmenverlusten der Rentenversicherung führen, die über die Rentenformel auf das Rentenniveau zurückwirken würde. Dies ginge zulasten der westdeutschen Rentner. Das Handelsblatt hat bereits letzte Woche ebenfalls über die Vorstellungen der BDA berichtet. Auch die dortige Darstellung - die jedoch einen anderen Aspekt betont - sieht für die westdeutschen Rentner Einbussen vor.

Auch die Erwerbsminderungsrentner will die BDA nicht wie geplant besser stellen. Dazu spielt sie die Arbeitnehmer gegeneinander aus:

"Es müsse vermieden werden, dass Erwerbsminderungsrentner höhere Altersrenten beziehen als Versicherte ohne Erwerbsminderung.
Durch die weitere Erhöhung der Zurechnungszeit um drei Jahre würden Erwerbsgeminderte so gestellt, als ob sie mit ihrem bisherigen durchschnittlichen Einkommen bis zum Alter von 65 Jahren weitergearbeitet hätten. Der durchschnittliche Altersrentenbezug beginne jedoch derzeit bei weniger als 63 Jahren. Erwerbsgeminderten würde damit ein längeres Erwerbsleben unterstellt, als es bei Versicherten üblich sei."

Diese Argumentation ist fadenscheinig, behauptet doch die Lobbyorganisation der Arbeitgeber, das IW Köln in der Debatte um eine Erhöhung des Rentenniveaus, dass eine Verbesserung der Erwerbsminderungsrenten zielführender sei.

Die wahren Gründe werden uns dagegen am Schluss präsentiert:

"Angesichts des ohnehin im Zuge der demographischen Entwicklung drohenden Beitragssatzanstiegs müssten die Leistungsverbesserungen, die mehr als 3 Milliarden Euro zusätzlich kosten sollten, durch Einsparungen an anderer Stelle gegenfinanziert werden, zum Beispiel durch ein Ende der abschlagsfreien Rente mit 63."

Anders formuliert: Die Arbeitgeber möchten, dass zuerst die Erwerbstätigen länger arbeiten müssen bzw. ihren früheren Ruhestand mit hohen Abschlägen selber bezahlen, sodass die Arbeitnehmer dann jene Kosten erwirtschaften, die wiederum den Erwerbsgeminderten zugute kommen sollen. In dieser Logik sollen also allein die Arbeitnehmer für die Kosten der Erwerbsgeminderten aufkommen, während die Arbeitgeber sich weiter entsolidarisieren wollen.

 
       
   

Das bedingungslose Grundeinkommen in der Debatte

HÄRING, Norbert (2017): Fragwürdige Allzweckwaffe.
Bedingungsloses Grundeinkommen: Geld für jeden soll Ungleichheit und technischen Wandel bewältigen helfen - ein umstrittenes Konzept,
in:
Handelsblatt v. 23.01.

Im Gegensatz zu den oberflächlichen Artikel über das Bedingungslose Grundeinkommen, stellt Norbert HÄRING die Nachteile der Konzepte einzelner Befürworter klar heraus. Der Ökonom Thomas STRAUBHAAR wird gerne auch von linken Träumern und linksliberalen Mainstreamblättern hofiert, eine eklatante Verkennung seiner neoliberalen Absichten:

"Der wirtschaftsliberale Hamburger Ökonom Thomas Straubhaar hat einen anderen Schwerpunkt. Ihm geht es darum, die negativen Arbeitsanreize der Hilfeempfänger zu beseitigen, die damit verbunden sind, dass Hilfszahlungen ganz oder überwiegend wegfallen, wenn Geld hinzuverdient wird. Sein solidarisches Bürgergeld wird auch vom ehemaligen Ministerpräsidenten und heutigen Autolobbyisten Dieter Althaus (CDU) vertreten. Es ähnelt dem Konzept der negativen Einkommenssteuer des Wirtschaftsnobelpreisträgers Milton Friedman. (...). Andere Sozialleistungen sollen gestrichen werden. (...). Im finnischen Feldversuch gibt es wenig zu finanzieren, ebenso wie im wenig großzügigen Straubhaar-Althaus-Konzept."

In seinen eigenen Darstellungen des bedingungslosen Grundeinkommens lässt STRAUBHAAR die wenig erfreulichen Intentionen seiner Vorstellungen einfach weg, wenn er sie im linken Spektrum präsentiert. STRAUBHAAR ist da ganz der Wolf, der auch mal Kreide frisst, wenn es um die Durchsetzung knallharter neoliberaler Interessen geht.

 
       
   

DELHAES, Daniel & Martin GREIVE  (2017): Unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Abgeordnete, Gewerkschaften und Verbände werden in Gesetzgebungsverfahren kaum noch gehört. Jetzt mobilisieren sie. Der DGB droht gar, vor das Verfassungsgericht zu ziehen,
in:
Handelsblatt v. 23.01.

 
       
   

HAGELÜKEN, Alexander (2017): Anreiz zum Abkassieren.
Wenn Bundesländer Hauskäufer besonders hoch besteuern, belohnt sie auch noch der Finanzausgleich,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 21.01.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

SCHÖCHLI, Hansueli (2017): Bundesrat nimmt Schuldenbremse ins Visier.
Die Mehrheit in der Regierung liebäugelt mit einer Aufweichung der Bundesregeln zur Finanzpolitik,
in: Neue Zürcher Zeitung
v. 23.01.

SCHÖCHLI, Hansueli (2017): Kompromiss aus dem Märchenbuch.
Kommentar: Schuldenbremse und AHV,
in: Neue Zürcher Zeitung
v. 23.01.

Die Schuldenbremse in der Schweiz und in Deutschland hat nur einen einzigen Zweck: Die Alterssicherung zum Profitcenter der Finanzmarktakteure zu machen und damit die gesetzliche Rentenversicherung zu zerschlagen. In Deutschland z.B. soll die Schuldenbremse nur für die Umlagefinanzierung gelten, während die Kapitaldeckung diese umgehen kann. Fondsgesellschaften wie Blackrock stehen bereits in Wartestellung, um den Milliardenmarkt abschöpfen zu können.

 
       
   

22.01.2017

 
       
   

BROCKER, Felix & Dyrk SCHERFF (2017): Deutschland, deine Babys.
Immer mehr Paare in Deutschland entscheiden sich für Kinder. Heiraten wollen sie trotzdem nicht. Vor allem im Osten,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
v. 22.01.

Während sich die meisten präsentierten Statistiken auf das Jahr 2015 beziehen, werden uns bei den Daten zur Familienförderung 4 Jahre alte Förderbeträge aufgelistet, wobei diese auch noch unvollständig sind. Zu den Scheidungskindern werden uns erst gar keine Angaben zum Erhebungszeitpunkt mitgeteilt. Und das soll Qualitätsjournalismus sein? 

 
       
   

FEUERBACH, Leonie (2017): Für immer und mich.
Junge Menschen zwischen 18 und 35 haben heute oft ein sehr enges Verhältnis zu ihren Eltern. Warum eigentlich, und: Ist das gut?
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
v. 22.01.

Leonie FEUERBACH demonstriert mit ihrem Artikel wie Blasenjournalismus heutzutage vonstatten geht: Am Anfang der Recherche steht die eigene Befindlichkeit und die Selbstbestätigung durch den eigenen Bekanntenkreis:

"Auf der Suche nach einer Antwort höre ich mich erst einmal im Bekanntenkreis um. Ich bin erleichtert, denn ich bin keine Ausnahme."

Das Schlimmste was einer Journalistin passieren könnte: Dass ihr Bekanntenkreis ihre Befindlichkeiten nicht teilt. Konformität (ein anderes Wort für Mainstream) nennt sich diese Strategie.

Im zweiten Schritt wird nach Fakten recherchiert, die die eigene Weltsicht bestätigen:

"Ich mache mich auf die Suche nach Zahlen und Fakten."

Im dritten Schritt wird eine öffentliche Person hinzugezogen:

"Ich habe Martin angerufen, weil sie einen Text geschrieben hat, der das Lebensgefühl meiner Generation ziemlich gut auf den Punkt bringt."

Woran wird dies festgemacht? Natürlich an einem Medium des Mainstreamjournalismus:

"Im Netz wurde der ursprünglich im »Zeit-Magazin« erschienene Artikel viel kommentiert und geteilt."

Wer also nicht in einer solchen Publikation schreiben darf, der existiert nicht im Kosmos des Blasenjournalismus. Und vor allem sollte man von anderen Journalisten abschreiben, die bereits für solche Mainstreamzeitungen schreiben:

"Über das Lebensgefühl einer Generation, die schnelle Entscheidungen trifft und bei Mama zu Abend isst, wenn ihr das Geld ausgeht",

heißt es im Zeitmagazin über einem Text von Rebecca MARTIN, der von gerade einmal 44 Lesern des Magazin kommentiert wurde. Wahrlich berauschend viel! Warum also eine eigene Meinung haben, wenn andere schon die passende Meinung parat haben? Zum Schluss werden die üblichen Experten befragt: ein Soziologe und eine Psychologin

"So zeige eines seiner Daten-Projekte etwa, dass trotz gewachsener Mobilität, Praktika, Studium und Arbeit im Ausland 80 Prozent der älteren Eltern (also 50 Jahre plus) mindestens ein Kind haben, das nicht weiter als 20 Kilometer von ihnen entfernt wohnt.
In meiner Familie ist das meine Schwester. Sie ist 24, wohnt im Gegensatz zu mir noch in Berlin und braucht mit dem Fahrrad fünfzehn Minuten zu meinen Eltern."

Es wäre offenbar ziemlich schlimm für die Journalistin gewesen, hätte ihre Familie nicht zu den 80 Prozent Mainstream-Familien dieser Republik gehört.

Fazit: Blasenjournalismus möchte dazugehören. Abweichung wird mit Nichtbeachtung bestraft. Ein solches Klima kann nur noch durch Wahlergebnisse erschüttert werden, die niemand vorausgesehen hat, weil sie außerhalb dieser Blase zustande gekommen sind!

 
       
   

LEMBKE, Judith & Birgit OCHS (2017): Aufschwung in der Vorstadt.
Wohnen in Berlin? Och, nö! Die ganz großen Städte verlieren an Anziehungskraft. Die Familien ziehen wieder in den Speckgürtel, die Jungen lieber nach Leipzig, und mit den wahren Gewinnern hat kaum jemand gerechnet,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
v. 22.01.

"Viele Familien können sich eine Wohnung in der Bankenstadt nicht mehr leisten und wanderten ab. Zurück bleiben die Reichen (...) und die Armen, die Anrecht auf eine Sozialwohnung haben. Die Mittelschicht wird jedoch herausgedrängt",

jammern LEMBKE & OCHS. Die Family-Gentrifier als Opfer der Supergentrifizierung? Leisten konnten sich die schicken innenstadtnahen Wohnungen auch in den Nuller Jahren in erster Linie  nur Doppel-Karriere-Familien mit einem oder höchstens zwei Kindern. Diese Family-Gentrifier hatten zuvor die Schlechterverdiener aus ihren Quartieren verdrängt, was von der Mainstreampresse jedoch bejubelt wurde. Gentrifizierung galt als Lösung und nicht als Problem. Nun plötzlich wird Gentrifizierung wieder zum Problem, das es für andere schon immer war.

Zuletzt wird uns wieder die Schwarmstadt-These von Empirica präsentiert, wonach Universitätsstädte und kleinere Großstädte von jungen Erwachsenen (darf man getrost mit Studenten gleichsetzen) profitieren. Und auch die Rentner sollen mobil sein:

"Genau wie die Jungen rotten auch sie sich zusammen - in touristisch attraktiven Orten wie der Nord- und Ostseeküste, dem Alpenvorland oder auch Görlitz."

So jedenfalls die Vorstellung, die auf den kaufkraftstarken Älteren abzielt. Dass Görlitz genannt wird, ist jedoch in erster Linie Wunschdenken des Stadtmarketings. 

 
       
   

HOLZER, Boris (2017): Eine Überdosis Vitamin B.
Soziale Systeme: Große Unternehmen vernetzten sich über Aufsichtsräte. Doch dieses System hat seine besten Zeiten hinter sich,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
v. 22.01.

 
       
   

KREMER, Dennis (2017): Dividende für alle.
Anleger können sich in diesem Jahr auf Ausschüttungen in Rekordhöhe freuen. Das ist in Zeiten niedriger Zinsen ein großes Glück,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
v. 22.01.

KREMER, Dennis (2017): Der Urvater aller Indexfonds.
John Bogle hat die Geldanlage revolutioniert: Vor 40 Jahren erfand er den ersten Indexfonds (ETF). Heute kopieren alle seine Idee,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
v. 22.01.

 
       
   

21.01.2017

 
       
   

BURFEIND, Sophie (2017): Liebe im Angebot.
Im Januar suchen besonders viele Singles nach dem großen Glück im Internet. Das ist nicht nur ein lukratives Geschäft für Unternehmer - Online-Dating verändert auch die Gesellschaft,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 21.01.

Sophie BURFEIND bedient mit ihrem Artikel das typische Meinungsspektrum zum Online-Dating. Dafür stehen Hugo SCHMALE (Testpsychologe für Parship), Christian THIEL (Singleberater), Eva ILLOUZ und Andreas SCHMITZ (Soziologen) und Lisa FISCHBACH (Psychologin bei Elite-Partner). Neue Fakten zum Thema gibt es dagegen nur in homöopathischen Dosen.

"11,9 Millionen Deutsche nutzen laut einer Marktstudie des Unternehmens »Singlebörsen-Vergleich.de« jeden Monat Online-Dienste für die Partnersuche. (...).
Knapp 200 Millionen Euro gaben die Deutschen im vergangen Jahr für Online-Dating aus, so viel wie noch nie."

Offenbar scheint das Geschäft zu stagnieren, denn zwischen 2005 und 2010 stieg nach Angaben von Single-Börsenvergleich der Umsatz von 82,6 Millionen auf 188,9 Millionen. In den letzten 5 Jahren erhöhte sich dagegen der Umsatz nur um 11,9 Millionen. Dafür spricht auch, dass die beiden großen Partnervermittlungen fusioniert haben. Die Konkurrenz durch Dating-Apps macht jenen zu schaffen, die mittels Matching-Verfahren die großen Liebe versprechen. Die Erfolgsquote ist auch sehr bescheiden:

"Seit 2001 haben sich 550.000 Singles dank seiner Algorithmen verliebt - behauptet jedenfalls Parship. Das habe dem Land 83.787 Kinder beschert."

Angesichts von monatlich 11,9 Millionen Deutschen, die auf der Suche sind, sollte man lieber nicht mit solchen Zahlen werben. Das wären gerade einmal 36.700 pro Jahr oder etwas mehr als 3000 Singles pro Monat. Und angesichts der wenigen Kinder würde Deutschland aussterben, wären die Deutschen auf Partnervermittlungen als einzigen Weg der Partnerfindung angewiesen.

"16,9 Millionen Singlehaushalte gibt es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland. Das sind 41 Prozent aller Haushalte. Ein verlockender Markt für Heiratsvermittler aller Art",

behauptet eine fette Schlagzeile. Nur sind das nicht unbedingt Partnerlose und keineswegs Heiratswillige. Die meisten dieser Singlehaushalte werden von Jungen und Alten bewohnt.

"Januar ist (...) Flirt-Saison. Mehr als doppelt so viele Singles wie sonst melden sich bei Partnerbörsen an, mit dem Valentinstag endet die Euphorie",

berichtet BURFEIND.     

 
       
   

HENSCHEL, Gerhard (2017): Kurz vor knapp.
Zur deutschen Mittelschicht gehört neben einem gewissen Lebensstandard und etwas Bildung auch die Angst vor dem Statusverlust. Das war schon immer so, doch heute sind die Klagen besonders laut. Unser Autor hat sich umgehört - bei gut ausgebildeten Menschen, die zu kämpfen haben,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 21.01.

Der Schriftsteller Gerhard HENSCHEL plaudert im Vorfeld seiner neuen Romanveröffentlichung aus seinem Verwandten- und Bekanntenkreis: dem analogen Prekariat:

"Das freiberuflich kulturschaffende Prekariat (...) vom Bühnenmaler über den Modeschneider bis zur Tanzpädagogin, mag zwar bitterwenig Geld verdienen, aber es bildet eine tragende soziale Säule und wäre deshalb eher weit oberhalb der Unterschicht anzusiedeln als eine neureiche »Bumsmusikkanaille« (Max Goldt)",

kritisiert HENSCHEL das Einkommensschichtenmodell des IW Köln, bei dem Dieter BOHLEN als Angehöriger der Oberschicht zählen würde, während seine Leidensgenossen und -genossinnen zu wenig Aufmerksamkeit erhalten. Bei HENSCHEL tummeln sich
- eine 58-jährige Lektorin, die eigene Rentenanwartschaften von 492 Euro erworben hat, aber dank der Liaison mit feinem festangestellten Verlagsmitarbeiter ein angenehmes Leben führen kann:

"Sie schäme sich, sagt sie, weil sie es nicht »geschafft« habe, sich aus eigener Kraft zu ernähren und sich eine Alterssicherung aufzubauen. Zumal in München, wo sie das Dreifache dessen erwirtschaften müsste, was ihr in Berlin immerhin noch das schiere Überleben sichern würde. Und sie schäme sich für ihre Ängste: »(...) Ich befürchte (...) den Verlust meiner Selbstbestimmung. Und die ist stärker ans Ökonomische gekoppelt, als ich mir das vorher je überlegt und eingestanden häbe.«

- ein 57-jähriger freier Übersetzer, dessen festangestellte und vollzeiterwerbstätige Frau mehr verdient als er,
- eine 35-jährige Journalistin, die keine Festanstellung erhielt und sich selbständig machte.

Dieses analogen Prekariat, das nur eine "Scheidung/Trennung von der Armut" entfernt ist, blickt nun neidvoll auf die Erben und die Eltern- bzw. Großelterngeneration:

"Außerdem habe sich die Schere zwischen den Erben und denen geöffnet, die sich auch als Doppelverdiener kein eigenes Haus leisten können, »so wie das meine Eltern konnten (mit dem Erbe) und ihre Eltern (mit sogar mit einem Gehalt)« (...).
Und dann gibt es das Millionenheer der in die Jahre gekommenen Eltern, die auf dem platten Land in einem schuldenfreien, fürs Familienleben gebauten und für zwei alternde Menschen viel zu großen Haus wohnen".

Ein 62-jähriger Forstamtsrat wird uns als typischer Beamter dem flexiblen und mobilen Prekariat gegenübergestellt:

"Von uns Beamten mal abgesehen, übt ja jeder Arbeitnehmer im Schnitt mehrere Berufe im Laufe seines Lebens aus."

Da dürfte sich so mancher Beamte ganz schön ärgern, insbesondere jene, die sich als Beamte in den 1990er Jahre zu Tausenden in Aktiengesellschaften wiederfanden und dort eine Vielzahl von Tätigkeiten ausübten.

Und nicht zuletzt muss ein 55-jähriger Maurersohn für die angeblich offenere Mittelsicht herhalten. Karrieren bis in die obere Mittelschicht  sind jedoch immer noch die große Ausnahme.

 
       
   

BRINKMANN, Bastian/BUSSE, Caspar/SCHÄFER, Ulrich (2017): Sieben Lehren aus Davos.
"Wir sind an einem Punkt, wo die Globalisierung enden könnte": Die globale Elite ist verunsichert wie lange nicht mehr. Denn politische und technische Umbrüche bringen eine geordnet geglaubte Welt durcheinander. Die wichtigsten Erkenntnisse vom Treffen der 3000 Mächtigen,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 21.01.

 
       
   

HÖLL, Susanne (2017): Stadt, Land, Fluss.
Offenbach gilt als arme und hässliche Schwester Frankfurts - doch es tut sich was am Main. Für den hessischen Wirtschaftsminister Al-Wazir ist seine Heimat ein Beispiel, wie Strukturwandel gelingt,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 21.01.

 
       
   

POLLMER, Cornelius (2017): Ferner Osten.
Leipzigs Eisenbahnstraße ist eine Topadresse - für solche, allerdings auch für solche. Zu Besuch auf einer einzigartigen Meile in den neuen Bundesländern,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 21.01.

"Der Leipziger Ost ist nun »außerhalb Berlins das einzige migrantisch geprägte Viertel in den neuen Bundesländern«",

zitiert Cornelius POLLMER den Leipziger Stadtforscher Dieter RINK. Nach der taz berichtet nun auch die SZ über den Wohnungsmangel in Leipzig und die ansteigende Gentrifizierung:

"Gentrifizierung (...) gab es (...) im Zentrum und im Süden, dann wanderte sie für zwei, drei Jahre in den Leipziger Westen, und jetzt reden wir hier über sie im Pionierstadium"

wird RINK zum Leipziger Osten zitiert, in der die Eisenbahnstraße liegt.

 
       
   

WAGNER, Gerald (2017): Von Wachstumsmenschen und Sinnverlierern.
Deutschland in der Erfolgskrise: An der Berliner Humboldt-Universität entwerfen Soziologen ein Bild der kommenden Gesellschaft,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 21.01.

Der Artikel von Gerald WAGNER ist aufschlussreich, zeigt er doch, dass die AfD längst schon in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. WAGNER zieht eine Verbindung vom Begriff des "Volksverräters" zur gängigen Floskel der "Aufkündung des Gesellschaftsvertrags". Setzt man für den Begriff "Volk" den Begriff "Gesellschaft", dann wird deutlich, dass die Vorstellungen von Mitte und AfD sich im Grunde nicht unterscheiden.

Die nationalkonservative Regierung in Polen ist im Grund das heimliche Vorbild unserer rechten Eliten, die sich inzwischen auch um den Soziologen Heinz BUDE scharen:

"Heinz Bude (...) plädiert für eine Erneuerung der demokratischen Solidarität durch die Zurückdrängung individueller Rechtsansprüche im Geiste einer Renaissance der katholischen Soziallehre."

Die rechte katholische Soziallehre steht bekanntlich für Familienwahlrecht, Rente nach Kinderzahl und Abtreibungsverbot. Polen ist kein Ausrutscher, sondern Leitbild eines Rechtsrutsches in Deutschland, der bereits in diesem Jahr stattfinden könnte. Neoliberalismus und Nationalkonservatismus sind keine Gegensätze, sondern Verbündete im Kampf gegen die von den Eliten verhasste Arbeitnehmergesellschaft, die der Bonner Republik zugeschrieben wird und durch die Berliner Republik der Unternehmergesellschaft überwunden werden soll.

"Wer als Arbeitsunternehmer am unterem Ende der Einkommen mit gleich zwei oder drei Jobs gegen den Abstieg in Hartz IV kämpft, rationalisiert seine Lebensführung kaum anders als die akademische Mittelschicht, die ihre freien Ressourcen in die zukunftssichernde Ausstattung der Kinder mit »transnationalem Humankapital« (...) steckt",

beschreibt WAGNER jenes Ethos der Berliner Republik deren Schicksalsgemeinschaft auf der Abgrenzung gegen die Sozialschmarotzer gründet:

"Lebensführung derjenigen (...), die ihren Lebenssinn aus der Inklusion in den Arbeitsmarkt ziehen, also diesseits der Schwelle des Fürsorgestaates bleiben".

Thilo SARRAZIN und Gunnar HEINSOHN hätten das nicht anders formuliert. Dieser elitäre Zynismus gipfelt in einer Grenzziehung zwischen Akademikern und Nicht-Akademikern:

"Die obere Mittelschicht optimiert ihre Kinder für die Globalisierung der akademischen Arbeitsmärkte, während die untere Mittelschicht und die obere Unterschicht die ihren im Fatalismus optimieren."

Ulf POSCHARDT hat diese Verachtung bereits früher kundgetan als der Rest unserer ressentimentgeladenen Eliten. Ob das auf eine weitere Annäherung zwischen FAZ/FAS und Springer-Presse hindeutet? Seit letztem Jahr ist jedenfalls ein Dammbruch erfolgt. Der Hass unserer Eliten auf jene, die im Neoliberalismus, dem fälschlicherweise die Segnungen der Globalisierung angedichtet werden, kein Ideal sehen, kennt nun keine Grenzen mehr. Man kann den Artikel auch als weitere Abschottung und Besitzstandswahrung derjenigen sehen, die sich vor einem Machtverlust fürchten, denn scheinbar ist nun alles möglich.   

 
       
   

Der Sechste Versorgungsbericht der Bundesregierung in den Medien

CREUTZBURG, Dietrich (2017): Pensionäre erhalten durchschnittlich 3.000 Euro Ruhegeld.
Versorgungsbericht der Regierung liefert neue Zahlen. Innenministerium gegen direkte Vergleiche mit Rentnern,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 21.01.

Der Versorgungsbericht (S.13) bildet die Systematik des Alterssicherungssystems in Deutschland folgendermaßen ab:

Sicherungsfunktion

Arbeitnehmer/in

Beamte / Richter / Berufssoldaten
Privatwirtschaft Öffentlicher Dienst
Regelsicherung
(1. Säule)
Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung Beamten- und Soldatenversorgung
Zusatzversicherung
(2. Säule)
Betriebsrente Zusatzversorgung/
Betriebsrente
(VBL / kommunale Zusatzversogrungskassen
Private Altersvorsorge
(3. Säule

Eigenverantwortliche Altersvorsorge

Ein Vergleich von gesetzlicher Rente mit der Beamtenversorgung ist nach dieser Sicht unzulässig, denn die Beamtenversorgung entspricht nach dieser Systematik der erste und zweiten Säule der Alterssicherung. Hinzu kommt, dass sich die Sozialstruktur von Beamten und Nicht-Beamten dahingehend unterscheidet, dass sie gebildeter sind als jene in der gesetzlichen Rentenversicherung.

"Beamte (haben) im Durchschnitt eine höhere Berufsqualifikation (...) als der durchschnittliche Arbeitnehmer. So kommen 70 Prozent der Pensionäre des Bundes aus dem gehobenen oder höheren Dienst, wofür in der Regel eine akademische Bildung erforderlich ist. Unter den mehr als 30 Millionen Arbeitnehmern haben dagegen weniger als 40 Prozent Abitur oder Fachhochschulreife erreicht, hätten also die Voraussetzungen für eine solche Laufbahn",

berichtet Dietrich CREUTZBURG. Nicht berichtet wird dagegen, dass Bundesbeamte im Vergleich zu Arbeitnehmern eine sehr kleine Gruppe sind:

"Die Zahl der Beamtinnen und Beamten, Richterinnen und Richter, Berufssoldatinnen Berufssoldaten im unmittelbaren Bundesbereich (nachfolgend Bundesbedienstete) belief sich im Jahr 2014 auf rund 177.900. Das ist der niedrigste Stand seit 1992."

Landes- und Kommunalbeamte fehlen im Versorgungsbericht, sodass der Bericht keinen Gesamtüberblick über die Beamtenversorgung in Deutschland ermöglicht.

CREUTZBURG, Dietrich (2017): Alterslasten.
Kommentar,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 21.01.

 
       
   

NEUSCHELER, Till (2017): Tellerwäscher unter Top-Managern.
Oft bestimmt in Deutschland das Elternhaus über große Karrieren. Herkunft zählt. Aber Vorstandsetagen sind auch offen für soziale Aufsteiger - das zeigen einige bemerkenswerte Beispiele,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 21.01.

Till NEUSCHELER versucht die Thesen einer geschlossenen Gesellschaft zu widerlegen.

"Die Personalberatung Odgers Berndstson hat für die F.A.Z. Die Väterberufe der Dax-Vorstandsvorsitzenden in einer Tabelle zusammengestellt."

In der Tabelle werden jedoch nur 19 der 30 Vorstandsvorsitzenden aufgelistet. Deren Berufsbezeichnungen sind wenig aussagekräftig, weil keineswegs deutlich wird, welcher Klasse sie entstammen. Außerdem werden die Berufe der Mütter bzw. deren Herkunft verschwiegen. Und nicht zuletzt ist keine einzige Frau dabei.

NEUSCHELER beruft sich auf eine Studie von Utz SCHÄFFER, die nur die Eliten in der Wirtschaft, aber nicht in Verwaltung, Wissenschaft und Politik berücksichtigt. Dessen Ergebnisse bestätigten jedoch genauso wie jene von HARTMANN, dass Herkunft entscheidend ist. Dass Bildungsaufsteiger in gewissen Bereichen eher Chancen haben, z.B. als knallharte Sanierer, ist kein Gegenargument.  

Fazit: Der Artikel widerlegt nicht die empirische Untersuchung von Michael HARTMANN, die wesentlich breiter angelegt ist. Es zeigt höchstens, dass wir verdummt werden sollen.

NEUSCHELER, Till (2017): "Aufsteiger fallen oft mit überkorrektem Verhalten auf".
Im Gespräch: Klaus Hansen, Personalberater von Odgers Berndtson,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 21.01.

Personalberater sehen im Habitus den entscheidenden Faktor. Aufsteiger haben nur eine Chance, wenn sie wesentlich besser sind als ihre Konkurrenten aus der oberen Mittelschicht.

 
       
   

HARDINGHAUS, Barbara (2017): Elefantenlied.
Homestory: Über Alleinerziehende, allein Erziehende und Teilzeit-Alleinerziehende,
in:
Spiegel Nr.4 v. 21.01.

Redakteurin Barbara HARDINGHAUS, Jahrgang 1975, plaudert aus ihrem privilegierten Mutterleben.

 
       
   

BLECH, Jörg (2017): Kleiner wohnen.
Stadtentwicklung: Eine deutsche Soziologin entdeckt in London eine Parallelwelt: Menschen, die zur Miete in Schuppen, Garagen oder Lauben hausen,
in:
Spiegel Nr.4 v. 21.01.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

FONTANA, Katharina (2017): Unzufriedener Witwer klagt gegen die Schweiz.
Die umstrittene Bevorzugung der Frauen bei den Hinterlassenenrenten wird zum Justizfall,
in: Neue Zürcher Zeitung
v. 21.01.

"Verwitwete Frauen sind heute gegenüber verwitweten Männern deutlich bevorteilt. Witwer erhalten nur dann eine Hinterlassenenrente, wenn sie Kinder unter 18 Jahren haben, Witwen mit Kindern sind demgegenüber stets rentenberechtigt, unabhängig von deren Alter. Zudem bekommen auch kinderlose Frauen eine Weitenrente, wenn sie über 45 sind und die Ehe mindestens fünf Jahre gedauert hat",

 erklärt uns Katharina FONTANA die gegenwärtig gültige Gesetzgebung. Mit der Altersvorsorgereform 2020 soll die Witwenrente für kinderlose Frauen ganz gestrichen werden, was jedoch umstritten ist.

Beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte hat nun ein Schweizer Witwer gegen die Ungleichbehandlung geklagt, weil er 2012 vor dem Schweizer Bundesgericht mit seiner Forderung gescheitert ist, dass er auch für sein über 18-jähriges Kind weiterhin eine Witwerrente erhält.

FONTANA, Katharina (2017): Keine Sache europäischer Richter.
Kommentar: Schweizer Witwerrenten vor dem Strassburger Gerichtshof,
in: Neue Zürcher Zeitung
v. 21.01.

"Das Sozialversicherungsrecht unterscheidet mehrfach nach Geschlecht oder Nationalität, was mit der Strassburger Sichtweise kaum vereinbar ist. Neben Witwern könnten etwa auch Ausländer gegen die Schweiz klagen, weil sie bei den Ergänzungsleistungen oder in der Invalidenversicherung teilweise zusätzliche erfüllen müssen",

befürchtet Katharina FONTANA, die deshalb eine Einmischung verhindern möchte, zumal die Schweiz neben Monaco die Ratifizierung eines Zusatzprotokolls zur Menschenrechtskonvention nicht ratifiziert hat. 

MENGIS, Andrea (2017): Arbeitsfähig auf dem Papier - aber chancenlos.
Gastkommentar: Invalidenversicherung,
in: Neue Zürcher Zeitung
v. 21.01.

Die Rechtsanwältin Andrea MENGIS kritisiert die Sichtweise von Katharina FONTANA und anderen Journalisten, die den Missbrauch der Invalidenversicherung durch "Scheininvalide" vorschieben, um Verbesserungen in diesem Bereich zu unterbinden.

 
       
   

20.01.2017

 
       
   

Die Ostrentenangleichung und die Verbesserungen für Erwerbsminderungsrentner in den Medien

BDA (2017): Einheitliches Rentenrecht und Verbesserungen bei Erwerbsminderungsrenten kostenneutral erreichen.
Stellungnahme zum Referentenentwurf eines Gesetzes über den Abschluss der Rentenüberleitung (Rentenüberleitungs-Abschlussgesetz) sowie zum Referentenentwurf eines Gesetzes zur Verbesserung der Leistungen bei Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit und zur Änderung anderer Gesetze (EM-Leistungsverbesserungsgesetz),
in:
arbeitgeber.de v. 20.01.

 
       
   

RAMTHUN, Christian (2017): Nahles contra Union.
Rente: Die SPD-Ministerin möchte ihre Pläne zur Aufstockung geringer Alterseinkommen noch umsetzen - trotz starken Widerstands des Koalitionspartners,
in:
Wirtschaftswoche Nr.4 v. 20.01.

Andrea NAHLES Bilanz in der Rentenpolitik ist miserabel. Zuletzt musste sie eine Niederlage gegen Wolfgang SCHÄUBLE einstecken, der die gesamtgesellschaftliche Aufgabe der Ostrentenangleichung erfolgreich den Beitragszahlern aufbürdete. Ein Bundeszuschuss ist erst dann geplant, wenn die Ostrentenangleichung mehr oder weniger überflüssig ist.

Im Koalitionsvertrag war eine solidarische Lebensleistungsrente geplant, die von der Koalition still beerdigt wurde. Den Ersatz, den NAHLES in ihrem Gesamtkonzept vorsah, brachte sie nicht beim Spitzengespräch durch. Den Versuch, das Ersatzkonzept doch noch durchzubringen, ist eher als Wahlkampfmanöver zu betrachten, denn auch hier sperrt sich SCHÄUBLE vehement:

"Vor allem das Bundesfinanzministerium bemängelt, dass das Geld dafür komplett aus Steuermitteln stammen müsste. Überdies zweifelt das Ressort die Dringlichkeit an: Altersarmut sei kein Massenphänomen."

Angesichts der sozialpolitischen Pleite der SPD, dürfte die Frage wer ihr Kanzlerkandidat sein wird, irrelevant sein. Keiner der drei Kandidaten, den unsere Eliten bevorzugen, steht für eine Abkehr von der Agenda 2010, sondern für ein Weiter-so. Wenn nun auch ver.di den Einstieg in ein eigenes Versorgungswerk bei der Betriebsrente plant, dann bröckelt auch innerhalb der Gewerkschaften der Widerstand in Sachen Rentenniveau. Ver.di trieb zusammen mit dem DGB diese Debatte bislang voran. Unsere Eliten sind lernunfähig, was allein der AfD helfen wird! 

 
       
   

Das bedingungslose Grundeinkommen in der Debatte

HAGELÜKEN, Alexander (2017): Der Absturz lässt sich stoppen.
SZ-Serie Die neue soziale Frage (10): Falls Computer und Maschinen die Jobs fressen, stehen Arbeitnehmer vor dem Nichts. War's das dann? Nein. Fünf Antworten, mit denen die Gesellschaft reagieren kann,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 20.01.

Alexander HAGELÜKEN präsentiert uns 5 Antworten auf eine drohende Arbeitslosengesellschaft:
1) Arbeitszeitverkürzung
2) Bedingungsloses Grundeinkommen
3) Mehr Umverteilung
4) Aktien für alle
5) Soziale Tätigkeiten aufwerten
HAGELÜKEN tendiert zu Placebos, d.h. Punkt 4 und 5

"Wenn alle haben, kann die Digitalisierung so viel menschliche Arbeit vernichten, wie sie will - es verdienen trotzdem alle genug. Und anders als ein Grundeinkommen oder Sozialleistungen ist Aktienbesitz Eigentum. Niemand kann es einem wegnehmen, staatliche Almosen dagegen schon",

heißt das naive Motto von HAGELÜKEN. Aktien sind nichts wert, wenn die Firma bankrott geht. Warum sollte das zukünftig nicht vermehrt der Fall sein? Kleinaktionäre tragen das volle Risiko, haben andererseits keinen Einfluss auf das Unternehmen. Streuung setzt wiederum große Kapitalkraft voraus. Will also HAGELÜKEN jedem Bürger in einer Einmalaktion Aktien erwerben lassen? Und wer falsch spekuliert ist selber schuld? Das ist wohl eher wenig durchdacht!

HAMPEL, Lea (2017): Fragliches Vorbild Finnland.
Versuche zum Grundeinkommen wären auch in Deutschland möglich,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 20.01.

 
       
   

GÖBEL, Heike (2017): Führungskräfte halten Merkel für unschlagbar.
Nur mit wem soll sie regieren? Was die Spitzen aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung hoffen und was sie befürchten. Das neue F.A.Z-Elite-Panel,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 20.01.

Ginge es nach unseren Eliten, dann könnten wir uns die nächste Bundestagswahl sparen, denn ihr Ausgang ist bereits vorprogrammiert:

"Eine überwältigende Mehrheit von 65 Prozent rechnet fest mit der Fortsetzung der großen Koalition, auch wenn das überwiegend nicht ihr Wunsch ist."

Wunsch ist eine neoliberale CDU/CSU/FDP-Regierung. Damit die FDP wieder in den Bundestag einzieht, überlassen die neoliberalen Eliten nichts den Zufall, sondern die Propagandamaschine ist längst angeworfen. Sollte das nicht klappen, gelten die Grünen als Wunschpartner:

"2012 hielt die Mehrheit der Entscheider die Unterschiede zwischen den Parteien für zu groß, um gemeinsam im Bund zu regieren. Den Schwenk führt Köcher darauf zurück, dass mit Hessen und Baden-Württemberg zwei wichtige Länder von Union und Grünen relativ reibungslos reigert werden."

Bei der SPD gilt der wirtschaftsfreundliche Europapolitiker Martin SCHULZ als Wunschkandidat.

Wer meint, die Bundestagswahl wäre bereits gelaufen, der könnte ein böses Erwachen erleben!

 
       
   

HOCHGESCHWENDER, Michael (2017): Verraten und verkauft.
Arlie Russell Hochschild ist dort hingegangen, wo die Trump-Wähler leben. In Louisiana entdeckte sie deren wahren Feind und ein großes Paradox,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 20.01.

Michael HOCHGESCHWENDER stellt das Buch Strangers in Their Own Land von Arlie R. HOCHSCHILD vor. Die Soziologin gehört zum Kreis der US-amerikanischen Elitefeministinnen, die sich vor allem für die Interessen der Doppel-Karriere-Familie und die bessere Vereinbarkeit von Karriere und Mutterschaft einsetzte. Dazu gehört auch eine Verachtung konsumistischer Lebensstile, die kennzeichnend für die Verlierer der Globalisierung sind.

Vor diesem Hintergrund ist es kaum verwunderlich, dass das Buch sich nicht wirklich um die Belange der Armen kümmert, sondern es geht darum jenes Klientel wiederzugewinnen, das eigentlich den Demokraten zugeneigt ist und sich nun abgewendet hat, weil es den Demokraten keine Erneuerung des Landes mehr zutraut.

"Für die Menschen im südlichen Louisiana sichert allein ihr Arbeitsplatz Freiheit und Individualität. Sie haben, anders als Harvard-Absolventen, nicht die Wahl, ob sie in Silicon Valley, New York, London, Berlin oder Singapur arbeiten. Mehrheitlich wollen sie nirgendwo anders sein",

erklärt uns HOCHGESCHWENDER, als ob jeder Akademiker ein Harvard-Absolvent ist und jeder Arbeiter ein Homeland-Patriot. Der Artikel versucht das Klientel auf jene einzugrenzen, die entweder lieber Bernie SANDERS oder Ted CRUZ als Präsidenten gehabt hätten. Donald TRUMP war für diese Klientel angesichts von Hillary CLINTON das kleinere Übel, aber nicht erste Wahl.

Norwegen gilt HOCHSCHILD als gelobtes Land wo Milch und Honig fließt. Das mag daran liegen, weil es weit genug weg ist, sodass kaum ein Amerikaner etwas über das Land weiß.

"Einst ein armer Küstenstaat wie Louisiana, abhängig vom Erdöl und der petrochemischen Industrie, aber mit einer komplett anderen Entwicklung. Wo im deregulierten Louisiana Resignation und Hoffnungslosigkeit vorherrschen, setzten die Norweger aktiv politische Teilhabe durch und erstritten sich ihren gerechten Anteil an den Profiten der Konzerne."   

 
       
   

19.01.2017

 
       
   

HARTWIG, Sonja (2017): "Zu mir sagen Leute: Keine Kinder? Dann wolltest du es nicht wirklich".
Wie geht es Frauen, die unbedingt ein Kind wollen, aber keinen Partner haben? Ein Gespräch über eine große Sehnsucht, Massenspender aus Onlineforen und die unsensiblen Fragen von Freunden,
in:
Die ZEIT Nr.4 v. 19.01.

Gesprächsrunde mit drei partnerlosen Frauen, die sich ein Kind wünschen und dafür auf der Plattform Co-Eltern.de einen Gleichgesinnten suchen:

Frau J., 39, leitende Angestellte im öffentlichen Dienst:

"Noch vor ein paar Jahren sagten Kollegen zu mir: Höchste Eisenbahn! Seit Kurzem sind sie verstummt, sie denken wohl: Eh vorbei."

Frau T., 35, arbeitete in einem ausländischen Hotel, studierte danach und ist jetzt auf Jobsuche:

"Wir Singlefrauen werden nicht unterstützt. Für ein Land mit so niedriger Geburtenrate sind wir doch unausgeschöpftes Potenzial. Ich tue doch dem Staat was Gutes und ziehe zukünftige Rentenzahler groß."

Frau G, 41, arbeitete nach dem Studium als Köchin und schult gerade um:

"Bei Gesprächen unter Kollegen geht es nur um diese Themen: Kinder, Urlaub, Eigenheim, Partner, darum dreht sich alles und ich sitze da und denke, ich bin nicht normal. Wo sind die, die kein Kind haben? Ich fühle mich mit meinem unerfüllten Kinderwunsch so unsichtbar, ich bin in der Gesellschaft nicht vorhanden. Wo ist ein Role-Model, das aus sozialen oder biologischen Gründen durch diesen Schmerz gehen musste, von dem ich lernen kann?"

Im Jahr 2003 erschien der Artikel Kinderland in Sicht von Detlef GÜRTLER. Darin prognostizierte er: Die Generation der Kinderlosen wird demnächst erfahren, wie verdammt hart es ist, allein alt zu werden. So hart, daß keine der folgenden Generationen diesen Fehler wiederholen wird. Seit der Durchsetzung des Elterngeldes ist nicht mehr die gewollte bzw. überzeugte, sondern die ungewollte Kinderlosigkeit das Megathema. Heere von ungewollt Kinderlosen sollen das Elend der Kinderlosigkeit demonstrieren. Der Artikel von HARTWIG gehört zu dieser Form von Berichterstattung, die der Demografisierung gesellschaftlicher Probleme geschuldet ist.

Von der angesehenen Soziologin Elisabeth BECK-GERNSHEIM ist vor kurzem ein Buch erschienen, in denen partnerlosen Frauen mit Kinderwunsch Egoismus vorgeworfen wurde. Partnerlose ohne Kinderwunsch werden im Zeichen der Demografiepolitik genauso ausgegrenzt wie überzeugte Kinderlose. Aber das ist nur die eine Seite der Idealisierung der Zwei-Kind-Familie, denn auch Kinderreichen gilt die gesellschaftliche Verachtung. Nicht erst in der Debatte um das Buch Deutschland schafft sich ab ist klar geworden, dass Kinderreichtum mit Sozialhilfemüttern gleich gesetzt wird. Die nationalkonservative Bevölkerungswissenschaft in Deutschland und deren Protagonisten in den Medien hat viel dazu beigetragen, dass das gesellschaftliche Klima in Deutschland vergiftet ist: Polarisierung statt Toleranz war und ist immer noch zu oft das Motto. Wie weit der demografische Diskurs bereits das Denken jedes Einzelnen bestimmt, zeigt die Tatsache, dass eine kinderlose Frau ihren Kinderwunsch mit dem Gebären von Rentenzahlern begründet.

 
       
   

BDA (2017): Rentenniveau: Künftige Generationen nicht überfordern.
Stellungnahme zur öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Arbeit und Soziales am 23. Januar 2017 zum Thema "Rentenniveau",
in:
arbeitgeber.de v. 20.01.

 
       
   

Das Betriebsrentenstärkungsgesetz in der Debatte

HERZ, Carsten (2017): Strich durch die Rechnung.
Die Reform der betrieblichen Altersvorsorge könnte einen Verlierer kennen: die Versicherer,
in:
Handelsblatt v. 19.01.

Carsten HERZ verbreitet unkritisch die PR der Unternehmensberatung OliverWyman, die mit Mercer zum selben multinationalen Konzern gehört. Diese hat bereits zum Referentenentwurf vom Oktober ihre Position in einer Broschüre zusammengestellt.

Keineswegs gehört die Versicherungswirtschaft zu den Verlierern. Der Unternehmensberatung geht es lediglich um das eigene Geschäft, denn sie will Versicherer für die Zukunft fit machen und bietet dafür ihre Dienste an. Der Artikel ist also kostenlose Werbung. Ansonsten geht der Artikel von HERZ kaum über das hinaus, was bereits bekannt ist. Nur dass nun auch die Gewerkschaft ver.di ins Geschäft einsteigen will, wurde bisher nicht publik gemacht:

"Metallrente, das von IG Metall und dem Arbeitgeberverband Gesamtmodell betrieben wird und 650.000 Betriebsrentenzusagen verwaltet, macht Schule: Auch die Gewerkschaft Verdi plant nunmehr ein Versorgungswerk für Betriebsrenten im Dienstleistungssektor - und schafft damit neue Konkurrenz für die private Altersvorsorge."

Wie in England und Holland erwartet die Unternehmensberatung, dass die private Altersvorsorge gegenüber der betrieblichen Altersvorsorge noch stärker an Bedeutung verliert.

 
       
   

Das bedingungslose Grundeinkommen in der Debatte

HAGELÜKEN, Alexander (2017): Die Globalisierung auf der Anklagebank.
Die Öffnung der Welt ist ein Erfolgsmodell, sie bringt den meisten Menschen große Vorteile. Doch weil der Frust der Verlierer noch mehr Populisten wie Donald Trump an die Macht spülen könnte, wird fiebrig eine neue Politik gesucht,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 19.01.

Alexander HAGELÜKEN stellt uns Thomas STRAUBHAAR als Gegner des Neoliberalismus vor:

"»Jetzt ist die letzte Chance für eine linksliberale Wende«. Der Professor greift Kollegen an, die am Neoliberalismus festhalten. »Die neoklassische Theorie braucht keine Verteilungspolitik, weil sich die Einkommen von alleine annähern. Doch sie nähern sich gar nicht an, oder nur langsamer als gedacht. Jetzt müssen wir eine neue Theorie suchen, weil sich die Realität geändert hat«".

STRAUBHAAR gehört zu jenen Neoliberalen, die den Sozialabbau mittels Grundeinkommen vorantreiben wollen. Die Höhe ist für ihn deshalb kein Thema, denn mehr als ein Almosen ist sowieso nicht drin. STRAUBHAAR kommt uns deshalb auch nicht mit Fachkräftemangel, sondern mit Massenarbeitslosigkeit aufgrund von Digitalisierung und Roboterisierung.

Fazit: Linksliberal oder neoliberal - Der Unterschied ist marginal.

 
       
   

HAGELÜKEN, Alexander (2017): Arbeitslos von Amts wegen.
Wohin sie von den Behörden geschickt werden, entscheidet für viele Flüchtlinge auch darüber, ob sie einen Job finden. Das aber wird bei der Verteilung auf Ländern und Kommunen ignoriert,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 19.01.

 
       
   

Der Forschungsbericht Altersvorsorge 2015 in den Medien

MJJ (2017): Betriebsrente dominiert private Altersvorsorge.
Finanzen: Nur 20 Prozent verfügen über eine Betriebs- und Riester-Rente,
in:
ihre-vorsorge.de v. 19.01.

 
       
   

HIEBER, Jochen (2017): Vom Einsturz des Establishments.
Die Wahl Donald Trumps und das Votum für den Brexit waren nicht zuletzt ein Protest gegen "die da oben". Doch viele der Abgehängten würden am liebsten die Hierarchie einfach umkehren,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 19.01.

Eine seichte Abhandlung über die Karriere des Begriffs "Establishment":

"Ungeachtet ihrer betagten Vordenker (...) war die Achtundsechziger-Revolte eine Jugendbewegung. Sie hatte die Energie, die etablierte Gesellschaft zu provozieren, doch nicht die Kraft, sie zu spalten. Diese Kraft besitzt das neue Anti-Establishment. Womit es dem liberalen Zeitalter der westlichen Demokratien ein Ende bereiten könnte."

Diese Gegenüberstellung von Jugendbewegung und der Bewegung alter Männer ist schon deshalb irreführend, weil der Rückhalt nationalkonservativen Denkens in der Bevölkerung schon immer weiter verbreitet war als jenes Denken aus dem sich die 68er-Revolte speiste. Dass die Hauptakteure dieser Bewegung eine Nähe zu FAZ und CDU aufweisen, zeigt im Grunde, dass diese nationalkonservative Bewegung keineswegs aus dem Nichts kommt, sondern weit in die Vergangenheit zurückreicht.

 
       
 

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Zu den News vom 08. - 18. Januar 2017
 

   
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Bernds@single-dasein.de Stand: 08. Februar 2017