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News vom 15. - 20. Oktober 2016

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Die Fehleinschätzung der wahren Ursachen des Geburtenrückgangs führt dazu, dass der Anstieg der Geburtenrate zu spät und zu gering ausfällt     

"Für eine zukünftige leichte Erhöhung der TFR spricht (...) die Entwicklung der Kohortenfertilität (die endgültige Kinderzahl pro Frauenjahrgang), bei der die Trendwende inzwischen relativ deutlich absehbar ist. (...). Auch die Reformen der Familienpolitik könnten zu einer Reduzierung von Kinderlosigkeit und einem leichten Anstieg der Geburtenrate beitragen. Allerdings wäre für einen Anstieg deutlich über 1,6 auch eine Zunahme kinderreicher Frauen notwendig, da ihr Rückgang der stärkste Treiber des Geburtenrückgangs war".
(Martin Bujard & Kai Dreschmitt "Szenarien der Bevölkerungsentwicklung bis 2060" in: Gesellschaft · Wirtschaft · Politik, Heft 3, S.340)

 
       
       
   

DESTATIS (2016): Regionale Unterschiede in der Lebenserwartung haben in den letzten 20 Jahren abgenommenu,
in: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts v. 20.10.

Pressemeldungen lenken gerne von politisch unkorrekten Sachverhalten ab und stellen gerne politisch korrekte Sachverhalte in den Mittelpunkt. So auch diesmal. Der entscheidende Satz befindet sich ganz am Ende der Pressemitteilung:

"Im Vergleich zur vorangegangenen Sterbetafel 2012/2014 ist die Höhe der Lebenserwartung bei Geburt im aktuellen Berechnungszeitraum 2013/2015 nahezu unverändert."

In der Rentenversicherung wird die Erhöhung des Renteneintrittsalters als Königsweg zur Kosteneinsparung betrachtet und vom Medienchor mit Berichten über sagenhafte Steigerungsmöglichkeiten begleitet. Politisch korrekt wird uns die Methusalemgesellschaft als Leitbild verkündet. Dass diese - wenn überhaupt - lediglich die Verhältnisse in der oberen Mittelschicht und der Oberschicht - wiederspiegelt, das wird uns verschwiegen.

Was aber, wenn längst eine Gegenbewegung eingesetzt hat, die nur noch nicht in den Massendaten deutlich erkennbar ist? Die Stagnation könnte bedeuten, dass die gestiegene soziale Ungleichheit und die Einkommensungleichheit bald auch bei der Entwicklung der Lebenserwartung sichtbar wird.

Warum aber betont das Statistische Bundesamt besonders die regionale Angleichung? Seit einiger Zeit haben die Medien ihre Rhetorik in Sachen regionale Unterschiede geändert.  Aufgrund der Wahlerfolge der AfD und wohl auch aufgrund des Brexit - gelten nun regionale Unterschiede als brisant, die bislang ignoriert oder gar begrüßt wurden. Meldungen, die scheinbare Angleichungen verkünden, sind deshalb hochwillkommen.   

 
       
   

Der Film Bridget Jones' Baby in den Medien

SCHMIDT, Marie (2016): Bis ans Lebensende?
Alle anarchischen Beziehungskomödien münden in brave Ehen. "Bridget Jones's Baby" macht da leider keine Ausnahme,
in:
Die ZEIT Nr.44  v. 20.10.

VAHABZADEH, Susan (2016): Nicht die Spur erwachsen.
"Bridget Jones' Baby" bringt ein Wiedersehen mit der tollpatschigen Heldin aller Frauen, die das Gefühl bekämpfen, nicht gut genug zu sein. Sie ist nun aber zu ewigen Niedlichkeit verdammt,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 20.10.

KHAN, Sarah (2016): Nach der Romantik.
Kino: Helen Fieldings beliebte Romanfigur ist zurück auf der Leinwand. In "Bridget Jones' Baby" regiert statt der Fantasie von großer Liebe die Nüchternheit der neuen Zeit,
in:
Freitag Nr.42 v. 20.10.

 
       
   

Die Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts zur zusammengefassten Geburtenziffer (TFR) in Deutschland 2015 in den Medien

THEILE, Merlind (2016): In diese Welt ein Kind setzen? Oh ja!
Die Geburtenrate in der Bundesrepublik ist so hoch wie seit über 30 Jahren nicht mehr. Das spricht für einen Mentalitätswandel der Deutschen - und für ihre Zuversicht,
in:
Die ZEIT Nr.44  v. 20.10.

Merlind THEILE übt sich im Spagat zwischen "langfristig nach unten zeigender Geburtenkurve" und Mentalitätswandel bei der oberen Mittelschicht:

"Standen Frauen bis in die neunziger Jahre hinein noch häufig vor der Wahl, sich zwischen Beruf und Elternschaft entscheiden zu müssen, ist die Kombination von beidem heute immer selbstverständlicher."

Bei Susanne GASCHKE klang das noch Mitte der Nuller Jahre ganz anders: Akademikerinnen drohten zu 50 Prozent kinderlos zu bleiben. Der Pessimismus dauerte bis zur Durchsetzung des Elterngelds. Danach folgte die 180-Grad-Kehrtwende: Optimismus ist seitdem Pflicht! Das Wohlfühlmilieu ist nun mit sich zufrieden!  

 
       
   

LOBENSTEIN, Caterina (2016): Der Zug ist abgefahren.
Deutschlands teuerste Bahnstrecke wird nach 25 Jahren fertig. Sie sollte das Land einen - und hat es geteilt,
in:
Die ZEIT Nr.44  v. 20.10.

Caterina LOBENSTEIN, Jahrgang 1983, klagt uns, dass Deutschland durch die Deutsche Bahn zweigeteilt ist in Großstadtmenschen, die immer schneller vorankommen und "große Teile der Provinz", die sich völlig abgehängt fühlen. Wer diese Entwicklung jetzt erst kritisiert, der muss wohl die letzten 20 Jahre im Tiefschlaf verbracht haben. Diese Zweiteilung ist keine Neuigkeit, sondern Folge der missglückten Bahnprivatisierung.

"Um München und Berlin in Rekordzeit zu verbinden, werden etwa die thüringischen Städte Weimar und Jena vom Fernverkehr abgeknapst. Keine schrumpfenden Käffer, sondern wichtige Zentren des Ostens, in denen Bevölkerung und Wirtschaft wachsen. Sie gehören demnächst zu jenen mittelgroßen Städten, in denen fast nur Bummelzüge halten. So wie Chemnitz (250.000 Einwohner), Krefeld (220.000) oder Zwickau (100.000)",

jammert uns LOBENSTEIN vor, die offenbar nicht weiß, wovon sie redet, denn Großstädte sind Städte über 100.000 Einwohner, während in Mittelstädten zwischen 20.000 und 100.000 Einwohner leben. Nach dieser Klassifikation wäre lediglich Weimar eine Mittelstadt und damit Provinz. Dass die Bahn dagegen Millionenstädte bevorzugt, hat auch mit dem Neoliberalismus und dessen Standortideologie zu tun.

Gäbe es die AfD nicht, der ZEIT wäre das offenbar völlig egal, so muss man den Artikel interpretieren. Die AfD darf sich also für die Hilfe dieses Blattes bedanken, das sie derart hofiert und noch zu mehr Aufmerksamkeit verhilft. Es ist noch nicht lange her, da tönte es ganz anders. Reiner KLINGHOLZ und sein Privatinstitut forderten die Dörfer aktiv beim Veröden zu unterstützen. Claudia NEU, die uns als Erfinderin des Begriffs "territoriale Ungleichheit" präsentiert werden, gehört zu jenen, die diese Ungleichheit mittels Demografisierung gesellschaftlicher Probleme noch weiter befördern wollen.

Jeden Bahnfahrer wird es grausen, wenn uns die Autorin erklärt, dass die Bahn mit "besser getakteten Anschlüssen" die Strecken beschleunigen will. Kürzere Umsteigezeiten führen bei den krassen Bahnverspätungen dazu, dass noch mehr Bahnreisende jenseits der Großstädte, die durch Direktverbindungen verknüpft sind, länger unterwegs sein werden.

Fazit: Ohne AfD - und das ist das wahre Problem dieser Art von Neuorientierung der politischen Rhetorik - gäbe es diesen Artikel nicht. Und das sollte zu denken geben!    

 
       
   

SCHWARZENBECK, Martin & Sandra KNEER (2016): Im Betongoldrausch.
Kleine Bude, hohe Rendite: Bei Investoren gelten Mini-Apartments als ideale Anlageform. Doch die Folgen sind gravierend. Die Stadt verändert sich - und auch für Anleger gibt es Risiken,
in:
zitty Nr.42 v. 20.10.

Seit geraumer Zeit wurden in den Feuilletons und auf den Immobilienseiten der Mainstreamzeitungen Mikro-Apartments als Problemlösung für die Wohnungsnot in Deutschland und die Flüchtlingskrise gepriesen. Offenbar ist dieser Trend aber nur den Interessen der Investoren und Immobilienvermarkter geschuldet:

"Seit dem 1. Juni 2015 gilt in Deutschland die Mietpreisbremse. Der Kauf von gewöhnlichen Wohnungen als Spekulationsobjekt ist seitdem nicht mehr ganz so interessant. Viel spannender sind für die Investoren aus aller Welt Wohneinheiten, die von der Mietpreisbremse ausgenommen sind, so wie die vollmöbilierten Mikro-Apartments, die gerade in immer größerer Zahl in der Stadt entstehen. Der Trend steht für höchstmögliche Einnahmen auf kleinstmöglichem Raum, die wirtschaftlichste Verwertung der erlaubten Baufläche und Geschosszahl".

Die Zielgruppen dieser Mikro-Apartments werden folgendermaßen beschrieben:

"Die Investoren vermieten an Pendler, Teilzeitberliner und Singles: 54 Prozent der Berliner Haushalte bestehen nur noch aus einer Person. Familien haben in dieser Wohnform keinen Platz."

Man erinnert sich vielleicht nicht mehr so gerne daran, aber Anfang der 1990er Jahre prophezeite der Individualisierungsguru Ulrich BECK, dass es nicht mehr lange dauern würde, dass in deutschen Großstädten 70 Prozent der Haushalte Singlehaushalte sein würden. 25 Jahre später dümpeln wir immer noch bei mageren 54 Prozent herum - und das in der angeblichen Hauptstadt der Singles!

Mit "Teilzeitberliner" werden jene beschimpft, die eine Fernbeziehung führen (müssen), denn die Auflösung des Paars, die uns Ulrich BECK prophezeite blieb ebenfalls aus, stattdessen werden die innenstadtnahen Wohnbezirke der Großstädte durch Paare ohne gemeinsamen Haushalt und anderen multilokalen Paaren bzw. Familien bevölkert.

Die Antimodernisten SCHWARZENBECK & KNEER drohen uns mit folgenden Szenario:

"Das Wohnen im Schuhkarton verändert das Leben in der Stadt. WGs sind ein Auslaufmodell, die Hausgemeinschaft nur noch eine abstrakte Größe. Das soziale Leben ist in Gefahr, so wie die legendäre Berliner Mischung. (...). Berlin ist nicht mehr die Easy-Living-Stadt für Studenten und andere Geringverdiener. Wer jetzt noch keine Wohnung hat, aber günstig wohnen muss, der landet in Marzahn oder Spandau."

Man darf daran erinnern, dass WGs von 68ern einstmals angesichts von Kommunen als asozial betrachtet wurden. Erst die Nach-68er-Generationen haben die WG verklärt, obwohl sie längst die Hausgemeinschaft bevorzugten. Allen gemeinsam ist ihnen die Kritik am "isolierten Alleinwohnen", wobei die Ironie ist, dass sie Wohngemeinschaften zwar idealisieren, aber die Amtsstatistik diesen Wohntypus den Alleinlebenden zuschlägt.

Sollten privilegierte Studenten zukünftig nicht mehr in WGs wohnen, sondern in "Schuhkartons", könnten sich junge Familien über freiwerdende WG-Wohnungen freuen. Aber Weitblick ist keine Sache von Antimodernisten. Für Studenten, die keine Mittelschichteltern haben, die ihnen Eigentumswohnungen finanzieren, sollte es wieder vermehrt öffentliche Wohnheime geben.      

 
       
   

SELIGER, Nicole Nadine & Maximilian GERTEN (2016): Wundertüte Gallus.
Dreckig, trostlos, multi-kriminell - die Assoziationen zum Gallus spiegeln den schlechten Ruf des Viertels wider. Ein Trugschluss,
in:
Journal Frankfurt Nr.23 v. 20.10.

Das andere Extrem eines einstmals alternativen Stadtmagazin ist das Journal Frankfurt, das aus dem Pflasterstrand hervorgegangen ist. Porträts von Stadtvierteln, die genauso gut eine Werbebroschüre des Stadtmarketing sein könnten. 

 
       
   

SCHMITZ, Katharina (2016): Eckrentner am Ende.
Ruhestand: Die Rente ist gerade für Frauen oft nicht mehr sicher. Und doch machen wir uns viel zu wenig Sorgen um unsere Altersvorsorge. Kristina Vaillant will das ändern,
in:
Freitag Nr.42 v. 20.10.

Katharina SCHMITZ versucht dem Eindruck entgegenzuwirken, dass das Buch Die verratenen Mütter von Kristina VAILLANT Männer und Frauen gegeneinander ausspielen wolle. Deren Interview in der FR spricht jedoch eine andere Sprache. Und auch die Rezension kann diesen Eindruck nicht zerstreuen. Ausgerechnet die umstrittenen WDR-Berechnungen werden uns als Beispiel für das "gut informierte" Buch präsentiert. Am Ende muss man sich fragen, welchen Gewinn das Lesen dieses Buchs bringt, denn offenbar richtet es sich nur an eine Leserschaft, die keinen blassen Schimmer von der gegenwärtigen Rentendebatte hat. Oder liegt dies an der Selektivität der Rezensentin und deren Vermutungen hinsichtlich der Leserschaft der Wochenzeitung?

 
       
   

NACHTWEY, Oliver (2016): Einkommensverluste.
Ökonomie: Branko Milanovic erklärt die globale Ungleichheit so, dass man darüber auch wirklich lesen will,
in:
Freitag Nr.42 v. 20.10.

Oliver NACHWEY, Autor des Buches Die Abstiegsgesellschaft, lobt das Buch Die ungleiche Welt des ehemaligen Chefökonom der Weltbank, was nicht unbedingt dafür spricht, dieses Buch zu lesen. Und es wird auch nicht besser, wenn das Werk mit Thomas PIKETTY beworben wird, nur weil dieser Name populär ist. Ganz übel wird es, wenn der demografische Wandel ausgerechnet mit dem apokalyptischen Titel "Der perfekte Sturm" in Verbindung gebracht wird. Und nicht zuletzt kommt hinzu, dass MILANOVIC fordert die Diskrimierung der Migranten auch noch sozialstaatlich festzuschreiben. Das wird dann von NACHTWEY als "Alternativen (...) jenseits von Hyperglobalisierung und Renationalisierung" gepriesen. Geht's noch dümmer? 

 
       
   

SPECHT, Frank (2016): Die Angst vor dem digitalen Prekariat.
Selbständige sollten nicht in eine Versicherung gezwungen werden,
in:
Handelsblatt v. 20.10.

Frank SPECHT wendet sich gegen jegliche Neuregelung der Altersvorsorge von Selbständigen. Weder eine verpflichtende Altersvorsorge im Rahmen der gesetzlichen Rentenversicherung, noch Wahlfreiheit bei der Altersvorsorge sind ihm Recht. Stattdessen soll man sich um Scheinselbständige kümmern, als ob es nur diese wären, denen Altersarmut drohe. Nicht in der Rentenpolitik, sondern bei Verbesserungen in Sachen Erwerbsarbeit sei anzusetzen. Wie das konkret aussehen soll, darüber schweigt SPECHT jedoch.

 
       
   

STURM, Daniel Friedrich (2016): SPD rückt von Freibetrag bei Rente ab.
Finanzielle Erleichterungen soll es dennoch geben,
in:
Welt v. 20.10.

 
       
   

Der DIW-Wochenbericht Hochvermögende in Deutschland in den Medien

PLICKERT, Philip (2016): Woher die Reichen ihr Vermögen haben.
40 Prozent nennen als Hauptgrund eine unternehmerische Tätigkeit, für 35 Prozent war es eine Erbschaft,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 20.10.

Philip PLICKERT und auch Kommentator Holger STELTZNER verteidigen die Hochvermögenden (mehr als 1 Million verfügbares Vermögen Ende 2014), die ihr Vermögen  nicht nur, aber zu großen Teilen Erbschaften zu verdanken haben.

"Etwa drei Viertel der befragten Hochvermögenden über 40 kamen bereits in den Genuss einer Schenkung oder einer Erbschaft, 18 Prozent sogar zweier oder mehr. In der Bevölkerung insgesamt haben lediglich knapp über ein Drittel der über 40-Jährigen einen solchen Transfer erhalten",

heißt es in der dazugehörigen Pressemeldung, die unsere FAZ-Autoren besonders erregt hat, weshalb sie besonders die "unternehmerische Tätigkeit" von Hochvermögenden hervorheben. 

 
       
   

Gebietsreformen in der Debatte

MORGENSTERN, Tomas (2016): Unmut über Fusionspläne im Speckgürtel.
Im Streit um die Kreisgebietsreform verteidigt der Landkreis Dahme-Spreewald den Wunsch nach Eigenständigkeit,
in:
Neues Deutschland v. 20.10.

Tomas MORGENSTERN berichtet über Streitigkeiten bei der geplanten Gebietsreform in Brandenburg, bei dem der gut dastehende Speckgürtel-Kreis Dahme-Spreewald mit dem hochverschuldeten Teltow-Fläming-Kreis fusioniert werden soll. 

 
       
   

NEUE ZÜRCHER ZEITUNG-Titelgeschichte: Auf Gebärfreude trimmen.
Frauen ohne Kinder werden in Japan nicht für voll genommen. Doch der stressige Berufsalltag drückt empfindlich auf die Fruchtbarkeitsrate und hat ausserdem zur Folge, dass immer später geheiratet wird. Entsprechend grosse Anstrengungen unternehmen denn  auch viele Japanerinnen, um schwanger zu werden. Eine wachsende Industrie hilft ihnen dabei

BLASCHKE, Sonja (2016): Von halben und ganzen Frauen.
Kinder sind für viele Japanerinnen das Lebensziel - manche geben dafür ihren Beruf auf, bevor sie schwanger sind,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 20.10.

Sonja BLASCHKE verknüpft die übliche 0815-Darstellung zum Geburtenrückgang in Japan mit dem Bemühen von Kinderlosen schwanger zu werden.

"Japan gehört seit Jahren zu den Industrienationen mit den niedrigsten Fertilitätsraten. Kinder sind eng mit Heiraten verknüpft: Nur zwei Prozent der japanischen Kinder werden ausserhalb der Ehe geboren. (...). 2015 wurden nur rund 635.000 Ehen geschlossen - so wenig wie noch nie in der Nachkriegszeit. (...). 2015 waren Japaner bei der Heirat durchschnittlich 31,1 Jahre alt. Japanerinnen 29,4. Entsprechend steigt das Alter bei der Geburten des ersten Kindes: Waren Japanerinnen 1970 durchschnittlich 25,6 Jahre alt, als sie erstmals Mutter wurden, stieg der Wert bis 2015 auf 30,7 Jahre. 1975 fiel die Geburtenziffer erstmals auf unter 2 Kinder pro Frau. Der tiefste Stand war 2005 mit durchschnittlich 1,26 Kindern erreicht. Seither ist die Rate auf 1,46 im vergangenen Jahr gestiegen."

Die Gründe, die uns genannt werden, sind identisch mit jenen, die in den Nuller Jahren bezüglich der mangelhaften Vereinbarkeit von Beruf und Familie und dem Anstieg der Spätgebärenden genannt wurden.

"»Es wäre schön, wenn in der Gesellschaft beides akzeptiert würde, also Mutter zu werden oder kinderlos zu sein«. Doch sie beobachte, dass der Druck auf Frauen auch vonseiten der Regierung gestiegen sei. Das Gebären sei eine Angelegenheit der Politik geworden. Frauen sollen sich nicht nur stärker in die Arbeitswelt einbringen, sondern auch noch am besten zwei Kinder bekommen, damit die überalterte japanische Bevölkerung nicht noch schneller schrumpft",

erzählt uns BLASCHKE. Auch das ist keine spezifische Eigenart von Japan, sondern auch in Deutschland standen Frauen politisch mächtig unter Druck.     

 
       
   

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG-Tagesthema: Kinder aus dem Labor.
Noch ist es nur ein Experiment mit Mäusen, doch es dürfte auch beim Menschen die Möglichkeiten zur Fortpflanzung revolutionieren. Japanischen Forschern ist es gelungen, aus einfachen Hautzellen Eizellen herzustellen - auch von männlichen Tieren. Väter könnten zu Müttern, künstliche Befruchtung könnte einfacher werden. Was bedeutet dies für Partnerschaft und Familie?

BERNDT, Christina (2016): Aus der Haut gezeugt.
Was die neue Fortpflanzungsmedizin alles möglich macht - zumindest theoretisch,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 19.10.

WEISS, Marlene (2016): Schöne neue Familienwelt.
Nachwuchs bis ins Alter, Vater und Mutter in einer Person - die Rolle von Eltern könnte sich grundlegend ändern,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 19.10.

 
       
   

ÖCHSNER, Thomas (2016): Selbständig und arm.
Millionen Deutsche, die in ihrem Ein-Mann-Betrieb arbeiten, haben kaum für den Ruhestand gespart. Sie sollen künftig verpflichtend fürs Alter vorsorgen, fordert die Arbeitsministerin. Klingt gut, ist aber kompliziert,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 19.10.

Thomas ÖCHSNER berichtet anlässlich einer Veranstaltung, bei der Andreas NAHLES vor Selbständigen über eine geplante Vorsorgepflicht für Selbständige sprach, über die strittigen Fragen bei der Ausgestaltung

"Es gebe drei Millionen Selbständig, die nicht über irgendein verpflichtendes Vorsorgesystem wie ein berufliches Versorgungswerk abgesichert seien",

wird NAHLES zitiert. Diese Zahl geht über jene der Solo-Selbständigen hinaus:

"In Deutschland gibt es 2,34 Millionen Selbständige, die keine Angestellten haben. Das sind eine Million mehr als 1991",

erklärt ÖCHSNER. Welche Schnittmengen es zu den Zahlen von NAHLES gibt, wird uns nicht verraten, stattdessen werden uns Zahlen zur Grundsicherung im Alter genannt, die wiederum keinen Rückschluss auf die oben genannten absoluten Zahlen zulassen:

"17 Prozent der Menschen, die aufgrund ihrer geringen Alterseinkünfte die staatliche Grundsicherung im Alter beziehen, sind als selbständig eingestuft. In den kommenden Jahren könnte diese Quote weiter steigen."

Altersarmut, so suggeriert dieser Beitrag, sei identisch mit dem Bezug einer Grundsicherung im Alter. Wer also dem Staat keine Kosten verursacht, so diese Sicht, der muss bei der Alterssicherung nicht berücksichtigt werden.

ÖCHSNER beschreibt anschließend die Positionen von SPD und DRV, die für eine verpflichtende Altersvorsorge im Rahmen der gesetzlichen Rentenversicherung votieren. Dagegen sträuben sich die CDU und die BDA. Besonders großen Raum gewährt ÖCHSNER einem Zögling des Finanzministers: Jens SPAHN (CDU).

"Wenn seine Altersrente mindestens über dem Grundsicherungsniveau liegen soll, damit dann nicht der Steuerzahler einspringen muss, müsste er schon einen Beitrag von 200, 300 Euro im Monat zahlen",

wird SPAHN zitiert, der damit droht, dass dann ein Dönerbudenbetreiber seine Bude zumachen würde und stattdessen Hartz IV beantragen würde. Dieses Beispiel ist schon deshalb unsinnig, weil dieser Solo-Selbständige dem Steuerzahler sowieso auf der Tasche liegen würde. Jede Einzahlung und wäre sie auch geringer, würde eine Entlastung der Steuerzahler bedeuten.

Zum Schluss erzählt uns ÖCHSNER noch, dass die Einführung einer Vorsorgepflicht schon einmal an der Selbständigen-Lobby gescheitert sei, und deshalb eine solche Einführung in dieser Legislaturperiode eher unwahrscheinlich sei. Damit schließt er sich der Meinung von Kerstin SCHWENN in der FAZ an.       

 
       
   

MAGENHEIM, Thomas (2016): Versicherer will Kunden loswerden.
Verbraucherschützer warnen, Lebenspolice vorzeitig zu kündigen,
in:
Frankfurter Rundschau v. 19.10.

Thomas MAGENHEIM beschreibt an einem Fallbeispiel die Praxis der Talanx-Lebensversicherungstochter Neue Leben, überwiegend Versicherte mit lukrativen Altverträgen über die Kündigung zu informieren. MAGENHEIM stellt diese Praxis in einen Zusammenhang mit dem Verkauf solcher Verträge an Abwicklungsgesellschaft ("Run off-Plattformen").

Dagegen stellt Nina NÖTHLING in der SZ das Vorgehen der Marktwächter Finanzen in den Mittelpunkt.

"Verbraucherschützer (kritisieren), dass die Talanx-Tochter die Kunden nicht auf Nachteile einer vorzeitigen Beendigung ihres Vertrages hinweise, zum Beispiel den Verlust des Risikoschutzes",

wird Sandra KLUG vom Marktwächter Finanzen zitiert. Ob es jedoch zu einer Abmahnung kommt, ist noch offen. Die Leser werden um Zusendung von Schreiben gebeten. 

NÖTHLING, Nina (2016): Tipps zur Kündigung.
Versicherer wollen Kunden mit Altverträgen loswerden,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 19.10.

 
       
   

Der IVD-Preisspiegel in den Medien

MÜLLER, Benedikt & Felicitas WILKE (2016): Wer hat, dem wird gegeben.
Immobilien werden in Deutschland immer teurer. Die Preise steigen so schnell wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Menschen, die wenig verdienen oder nicht schon Eigentümer sind, können sich den Kauf kaum noch leisten,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 19.10.

Der Preisspiegel vergleicht gemäß Handelsblatt lediglich 370 deutsche Städte. In Deutschland gab es 2015 allein 79 Großstädte (über 100.000 Einwohner) und 691 Mittelstädte (20.000 - 100.000 Einwohner).

Die Berichte über hohe Preissteigerungen drehen sich sogar nur um Großstädte über 500.000 Einwohner und sind deshalb kaum repräsentativ für Deutschland. Sie spiegeln aber das Interesse von Investoren und anderen Akteuren am Immobilienmarkt.

REICHEL, Reiner (2016): Weniger Haus für mehr Geld.
Die Preise für Wohnraum steigen 2016 besonders stark. Sinkende Zinsen machten den Immobilienkauf lange erschwinglich. Doch diese Ära geht nun zu Ende,
in:
Handelsblatt v. 19.10.

"Einfamilienhäuser (sind) in diesem Jahr so erschwinglich wie nie zuvor, hat der IVD auf Basis von Haushaltseinkommen, Hauspreisen und Zinsen errechnet",

erklärt uns Reiner REICHEL, denn das Handelsblatt hat gerade eine Serie zur Baufinanzierung gestartet, um den Immobilienmarkt weiter anzukurbeln.

 
       
   

NARAT, Ingo (2016): Deutsche sind Meister im Pessimismus.
Großanleger suchen verzweifelt nach Rendite. Sie müssen sich neu orientieren,
in:
Handelsblatt v. 19.10.

Ingo NARAT erklärt uns Deutsche zu Pessimisten, wobei jedoch diesmal keine Privatanleger, sondern institutionelle Großanleger gemeint sind. Er stützt sich dabei auf eine Untersuchung, die lediglich 8 europäische Staaten vergleicht, was ihn nicht daran hindert uns das Etikett "Europameister in Sachen Risikoscheu" zu verpassen. Er macht sich damit zum Sprachrohr der Profitinteressen von Fondsgesellschaften wie Blackrock.  

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

SDA (2016): Gegen staatliche Aufsicht für Versicherer.
Beschluss der Ständeratskommission,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 19.10.

Die Schweizerische Depeschenagentur berichtet, dass sich die Finanzdienstleister mit ihren Forderungen bei der Ständeratskommission durchgesetzt haben, sodass nun die Versicherer vor weitreichenderen EU-Gesetzen zur Finanzaufsicht geschützt wurden. Die Schweizer Regelungen müssen jedoch von der EU als "gleichwertig anerkannt" werden, um die Marktzugang zu sichern.  

 
       
   

Die Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts zur zusammengefassten Geburtenziffer (TFR) in Deutschland 2015 in den Medien

CREUTZBURG, Dietrich (2016): Einwanderer treiben Geburtenrate hoch.
Erstmals seit 1982 steigt die Geburtenziffer auf 1,5 Kinder je Frau. Ist das die Wende in der deutschen Bevölkerungsentwicklung? Grund zur Entwarnung gibt es nicht,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.10.

"(E)in Vergleich verschiedener amtlicher Modellrechnungen bis 2060 (zeigt:)(...) Die Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte bis dahin wird selbst bei einer deutlich erhöhten Geburtenrate um mehrere Millionen Personen sinken",

lügt uns Dietrich CREUTZBURG an, denn er präsentiert uns lediglich zwei Varianten einer einer einzigen Bevölkerungsvorausberechnung aus dem letzten Jahr. Würde man stattdessen verschiedene Bevölkerungsvorausberechnungen vergleichen, dann würden krasse Fehleinschätzungen zur Bevölkerungsentwicklung offenbar werden. Schließlich sollte Deutschland bereits seit 10 Jahren dauerhaft schrumpfen. Das große Schrumpfen prophezeite uns z.B. Cordula TUTT noch im Jahr 2007.

CREUTZBURG wählt die Varianten 2 und 5, die sich durch einen niedrigen Anstieg der Lebenserwartung und einen Zuwanderungssaldo von 200.000 auszeichnen. Lediglich bei den Geburten wird eine konstante Geburtenrate von 1,4 angenommen - die bereits seit 2012 überschritten wurde. Die angeblich "deutlich höhere Geburtenrate" - das Statistische Bundesamt spricht dagegen bei dieser Variante von "leichtem Anstieg" (2015, S.31) - zeichnet sich durch folgende Annahmen aus:

"Bis zum Jahr 2028 erreicht die zusammengefasste Geburtenziffer 1,6 Kinder je Frau bei gleichzeitigem Anstieg des durchschnittlichen Gebäralters um ein Dreivierteljahr und bleibt danach konstant. Die endgültige Kinderzahl entwickelt sich anfangs ähnlich wie in der Basisannahme. Bei den späten 1980er Jahrgängen nimmt sie allmählich zu auf gut 1,6 Kinder je Frau und bleibt danach annähernd konstant. Bei dieser Hypothese wird angenommen, dass die Kinderlosigkeit von derzeit 22 % auf 20 % sinken und die Struktur der Mütter nach der Zahl der geborenen Kinder auf dem Niveau der 1960er Kohorten mit durchschnittlich 2,0 Kindern je Mutter bleiben wird."

Hinter der Geburtenrate von 1,6 stecken also zahlreiche Annahmen, die jede einzeln falsch sein kann. Erst recht auf den langen Zeitraum bis 2060. CREUTZBURG tut dagegen so, als ob es eine Art Naturgesetz sei, dass im Jahr 2040 nur 200.000 Personen in einer nicht näher bestimmten "Altersgruppe" gäbe.

Ganz davon abgesehen, geht CREUTZBURG von der Annahme aus, dass auch 2060 noch genauso viele Arbeitskräfte gebraucht würden wie heutzutage - was sich aufgrund von Digitalisierung und Roboterisierung als Trugschluss erweisen könnte.

KNOP, Carsten (2016): Die Angst der Deutschen.
Kommentar,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.10.

Carsten KNOP nimmt den Steilpass der DESTATIS-Pressemeldung auf, und erklärt die Bevölkerungspolitik für gescheitert:

"Wer jetzt aber jubelt, dass gerade die staatlichen Maßnahmen rund um Elterngeld und bessere Kinderbetreuungsmöglichkeiten die Bereitschaft gesteigert hätten, eine Familie zu gründen, trifft damit die Wahrheit nur zu einem kleinen Teil."

Dies ist natürlich hanebüchener Unsinn, denn die Geburtenziffer bezieht sich keineswegs nur auf die Familiengründung, sondern vor allem auf die Familienerweiterung. Die niedrige Geburtenrate in Deutschland beruht jedoch vor allem auf dem Fehlen kinderreicher Familien. Welchen Anteil das Elterngeld und die Kinderbetreuung hat, das bedürfte einer genaueren Analyse, die jedoch unterbleibt.

Der Versuch deutsche Mütter gegen ausländische Mütter auszuspielen, ist allein schon deshalb falsch, weil gerade in jenen Bundesländern, in denen der Ausländeranteil am niedrigsten ist, die Geburtenrate am höchsten ist.

DRIBBUSCH, Barbara (2016): Importierte Geburtshilfe.
Demografie: Die deutsche Geburtenrate pro Frau ist auf dem höchsten Stand seit 30 Jahren. Das liegt auch an Frauen aus Südosteuropa sowie Kriegs- und Krisenländern,
in: TAZ
v. 18.10.

Barbara DRIBBUSCH zitiert die Amtsstatistikerin Olga PÖTZSCH, die nicht gerade für fortschrittliche Beurteilungen der Geburtenentwicklung bekannt ist. Ihre Devise lautet: Zugegeben wird nur, was sich nicht mehr verleugnen lässt. Mit dieser Defensivstrategie wurde der Anstieg der Geburtenrate bei den in den 1970er Jahren geborenen Frauen immerhin 10 Jahre lang dementiert.

"»Bei Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit war es im Jahr 2014 zu einem Anstieg der Geburtenrate gekommen, der sich so im Jahre 2015 nicht weiter fortgesetzt hat», berichtet Demografieexpertin Olga Pötzsch vom Statistischen Bundesamt. Besonders bei den jungen Frauen im Alter zwischen 25 bis 29 Jahren hatte die Geburtenhäufigkeit 2014 leicht zugelegt. Doch dieser Trend hat sich nicht weiter fortgesetzt",

wird uns erklärt. Dies zeigt jedoch nur, dass Spätgebärende in Deutschland weiterhin als unerwünscht gelten, möglicherweise ein Grund, warum Kinderreiche, die ja bekanntlich ihr letzten Kinder im höheren Alter bekommen, von Amtsstatistikern immer noch nicht gebührend berücksichtigt werden.

Die zusammengesetzte Geburtenziffer (TFR) ist jedoch keineswegs eine ausreichende Analysegrundlage, sondern es fehlen noch Zahlen zur biologischen Rangfolge der Geburten in Deutschland. Auch die Ergebnisse zur Entwicklung der Kinderlosigkeit, die mit dem Mikrozensus 2016 erhoben werden, fehlen. Erst wenn alle diese Daten vorliegen, ist eine genaue Analyse möglich.

DRIBBUSCH, Barbara (2016): Botschaft an das Schulwesen.
Kommentar zu den hohen Geburtenraten der Geflüchteten,
in: TAZ
v. 18.10.

Barbara DRIBBUSCH fokussiert auf die hohen Zahlen von Geburten bei Geflüchteten, während die SZ den Politikwissenschaftler Martin BUJARD abwiegeln lässt:

"Die Frauen unter den knapp 900.000 Flüchtlingen, die im Vorjahr nach Deutschland kamen, können in den Berechnungen aus Wiesbaden aber noch keine große Rolle spielen. »Sie hätten schon bei ihrer Einreise schwanger sein müssen«, sagte Forschungsdirektor Martin Bujard vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung dem Evangelischen Pressedienst."

WELT (2016): Weniger Mütter bekommen mehr Kinder.
Dank Zuwanderung: Geburtenziffer erreicht erstmals seit 33 Jahren den Wert 1,5,
in:
Welt v. 18.10.

GERSEMANN, Olaf (2016): Kein Gedöns.
Kommentar,
in:
Welt v. 18.10.

Olaf GERSEMANN behauptet, das Elterngeld wäre unnötig, denn der damit induzierte Bewusstseinwandel sei nun vollzogen:

"Forscher beobachten, dass Kinder gerade auch beim urbanen Akademikermilieu wieder fest zur Lebensplanung gehören."

GERSEMANN fordert deshalb - im Einklang mit lange zurückgehaltenen Erkenntnissen über die wahren Gründe des Geburtenrückgangs - ein Kindergeld ab dem dritten Kind. Die Welt gehörte zu denen Zeitungen, die eine Erhöhung des Kindergelds mit Verweis auf die kinderreichen Sozialhilfemütter - strikt ablehnte.

SCHIERMAYER, Matthias (2016): Ein kleiner Babyboom.
Geburten: Frauen in Deutschland bringen mehr Kinder zur Welt,
in: Stuttgarter
Zeitung v. 18.10.

Matthias SCHIERMAYER grenzt die geburtenstarken Jahrgänge auf die Kohorten 1981 - 1991 ein. Dies ist insofern falsch, weil das Jahr 1984 neben 1978 einen Tiefstpunkt markiert. In Westdeutschland wurden damals gerade einmal 584.157 Kinder geboren. Auch auf Gesamtdeutschland gesehen trifft das zu.

Die Sache ist also wesentlich komplexer, denn wer nur die "natürliche Bevölkerungsbewegung" betrachtet, übersieht den Einfluss der Zuwanderung. Der Einfluss des "Echoeffekts", den die Kinder der Babyboomer verursachen, muss im Zusammenhang mit der Zuwanderung gesehen werden, die das Reservoir der potenziellen Mütter erhöht.

ÖCHSNER, Thomas (2016): Adenauers Irrtum.
Der Kanzler war einest der festen Meinung: Kinder kriegen die Leute immer - doch die Realität sah anders aus. Nun ist zum ersten Mal seit 1982 die Geburtenziffer wieder auf den Wert von 1,5 Kindern je Frau gestiegen. Doch der positive Trend könnte bald wieder vorbei sein,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 18.10.

Thomas ÖCHSNER wiederholt die neoliberale ADENAUER-Phraseologie. Der Satz, der Adenauer zugeschrieben wird - aber von keinem einzigen Historiker bislang belegt wurde - wurde im Laufe des Aufstiegs der Neoliberalen erfunden. Er gehört zu den neoliberalen Mythen wie das Amen zur Kirche.

ÖCHSNER erzählt uns ebenfalls hanebüchenen Unsinn:

"Was den Kinderzuwachs ausgelöst hat, ist noch nicht ganz klar: Es gibt jedoch einen sehr naheliegenden Grund: Die Töchter der Babyboomer sind heute diejenigen, die Kinder bekommen können. Es gibt einfach mehr Frauen im Alter zwischen 26 und 36. Deshalb könnte es schon 2020 mit dem positiven Trend vorbei sein".

Dies ist Blödsinn, weil hier die Entwicklung der absoluten Geburtenzahlen mit der Entwicklung der Geburtenrate vermischt wird. Beides ist klar zu unterscheiden: Die Geburtenrate kann steigen, auch wenn die Zahl der absoluten Geburten stagniert oder sogar zurück geht, denn die zusammengesetzte Geburtenziffer hat mit der Anzahl der Mütter wenig zu tun. Auch wenige Mütter können mehr Kinder bekommen.

In den Berichten zur Geburtenentwicklung vermisst man generell einen Blick auf die Kohortenfertilität (CFR), die endgültige durchschnittliche Kinderzahl eines Frauenjahrgangs. Gemäß Martin BUJARD markiert erst der Geburtsjahrgang 1968 den Tiefstpunkt.

"Die Frage nach Zahl der Kinder, die Frauen im Laufe ihres Lebens tatsächlich bekommen haben, kann für Frauenjahrgänge beantwortet werden, die das Ende des gebärfähigen Alters erreicht haben, das statistisch mit 49 Jahren angesetzt wird. Im Jahr 2015 waren es die Frauen des Jahrgangs 1966. Ihre endgültige durchschnittliche Kinderzahl betrug 1,53 Kinder je Frau",

meldet nun das Statistische Bundesamt. Der Jahrgang 1965 lag dagegen bei 1,55 Kinder pro Frau.

"Es gibt zunehmend Frauen, die ihre Kinder später zur Welt bringen. (...). Laut Statistischem Bundesamt sind Mütter von Erstgeborenen Mittlerweile im Durchschnitt bereits 29 Jahre und sieben Monate alt",

berichtet uns ÖCHSNER. Es ist noch nicht lange her, da wurde lediglich das Erstgebäralter von Frauen in bestehenden Ehen richtig erfasst. Erstmals im Herbst 2006 wurden Zahlen zum Erstgebäralter aller Frauen erhoben, die im Dezember 2012 veröffentlicht wurden.

SCHROEDER, Vera (2016): Die Kinderlein kommen.
Kommentar zur Geburtenrate: Ist es das Elterngeld? Sind es die Zuwanderer?
in: Süddeutsche
Zeitung v. 18.10.

Vera SCHROEDER erzählt uns den komplementären neoliberalen Mythos zur ADENAUER-Praseologie:

"Sobald Menschen eine Altersvorsorge haben, brauche sie nicht mehr so viele Kinder. Türkische Frauen haben in Deutschland 2015 erneut weniger Kinder bekommen als in den Jahren zuvor. Und bevor deutsche Frauen in ein Rentensystem einzahlen konnte, war die Geburtenrate aus heutiger Perspektive ebenfalls extrem hoch",

phantasiert SCHROEDER. Diese neoliberale Mär wurde von Verfechtern der Kapitaldeckung erfunden und ist gegen die gesetzliche Rentenversicherung, die auf dem Umlageverfahren basiert, gerichtet. Das ehemalige Sozialbeiratsmitglied Winfried SCHMÄHL hat erst kürzlich diesen Mythos entkräftet.

SCHROEDER verkündet uns einen Bewussteinswandel bei den 30-Jährigen, wobei wohl nur das Akademikermilieu gemeint ist, denn der Rest der Gesellschaft interessiert unsere Elite sowieso nicht:

"Mit dem Argument, keine Kinder zu wollen, weil das individuelle Freiheiten einschränken könnte, dürfte man heute bei einer Abendessenseinladung von um die 30-Jährigen zumindest einen mittleren Shitstorm auslösen."

 
       
   

BARTENS, Werner (2016): Vorteil für Ü-40-Eltern.
Kindliche Fehlbildungen nach künstlicher Befruchtung seltener,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 18.10.

Werner BARTENS berichtet über eine Untersuchung in Australien:

"Während der Anteil von Kindern mit Fehlbildungen bei 9,4 Prozent lag, wenn junge Frauen unter 30 künstlich befruchtet wurden, betrug er bei Frauen jenseits der 40, die mittels ICSI schwanger geworden waren, nur 3,6 Prozent - und war damit auch weniger als halb so hoch wie für Frauen, die in diesem Alter auf natürliche Weise gezeugte Kinder bekommen."

Die Ursachen wurden jedoch nicht ermittelt. Hierzu zitiert BARTENS einen deutschen Reproduktionsmediziner der dazu seine Spekulationen ausplaudert.

 
       
   

POLLMER, Cornelius (2016): In Schieflage.
Stephan Lessenich beschreibt globale Ursachen von Reichtum und Elend,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 18.10.

 
       
   

ENGELEN-KEFER, Ursula (2016): Rente im Verteilungskampf.
Altersversorgung: Nach den Wahlerfolgen der AfD hat die Große Koalition die Themen Rente und Altersarmut neu entdeckt. Ihre Politik ändert sie aber nicht,
in: TAZ
v. 18.10.

Während Kerstin SCHWENN gestern in der FAZ die Rentenpolitik aus Arbeitgebersicht beurteilte, tut Ursula ENGELEN-KEFER dies in der taz nun aus Gewerkschaftssicht. Sie beklagt den geplanten weiteren Entzug der finanziellen Mittel der gesetzlichen Rentenversicherung zugunsten des Ausbaus der Kapitaldeckung.

Interessant ist ein Vergleich hinsichtlich der unterschiedlichen Sprachregelungen bei der Entgeltumwandlung: Während SCHWENN die "Steuer- und Sozialabgabenfreiheit" betont, sprich ENGELEN-KEFER von "Beitrags- und Steuerfreiheit", denn Sozialabgabenfeiheit würde ein Gesichtsverlust für die Gewerkschaften bedeuten, denn der Ausbau der betrieblichen Altersversorgung sollte ja nicht zu Lasten der gesetzlichen Rente gehen. Genau dies würde jedoch Sozialabgabenfreiheit bedeuten.

Man darf also gespannt sein, was bei den Betriebsrentenstärkungsgesetz am Ende tatsächlich drinsteht.

ENGELEN-KEFER geht davon aus, dass die Rente Wahlkampfthema sein wird, wenn sie schreibt:

"Die Bekämpfung der weiter wachsenden Altersarmut als unerledigte Forderung aus der Koalitionsvereinbarung wird ebenso wie die angekündigte umfassende Rentenreform in den Wahlkampf gezogen und auf die nächste Legislaturperiode verschoben."         

 
       
   

LAURIN, Stefan (2016): "No-go-Area" in Dortmund?
Die Nordstadt gilt unter vielen problematischen Stadtteilen in Nordrhein-Westfalen als besonders hartes Pflaster. Die Polizei habe die Kontrolle verloren. Ein Besuch,
in:
Welt v. 18.10.

Stefan LAURIN arbeitet wie die FAS an der Gentrifizierung von Problemstadtteilen, denn ein schlechtes Image ist aus Investorensicht Gift. Die Dortmunder Nordstadt ist innenstadtnah und besitzt die richtige Bausubstanz, weshalb dort längst die typischen Pioniere leben:

"Die billigen Mieten zeihen Lebenskünstler, Aussteiger und Kreative an. Sie wohnen in liebevoll renovierten Altbauwohnungen. Die Gründerzeithäuser prägen den Charakter des Quartiers, das nur durch eine Bahnlinie von der Dortmunder Innenstadt getrennt ist. Läge die Nordstadt in Frankfurt, München oder Köln, die Mieten wären hier hoch, der Stadtteil würde als Musterbeispiel für Gentrifizierung durchgehen. Aber weil die Mieten immer noch günstig sind (...) sammeln sich hier viele, die eines nicht haben: Geld. Das sind Zuwanderer, Familien mit Kindern, aber eben auch Studenten und Künstler.
Einer von ihnen ist der Schriftsteller und Filmemacher Sascha Bisley (...). Er schwärmt von dem preiswerten Loft (...). Die Kulturszene hält ihn hier."
In der Kneipe »Subrosa« spielen Bands aus der ganzen Welt".

Das könnte direkt aus einem Büro für Stadtmarketing stammen und ist neben eingestreuten  Geschichten eines traditionellen, heroischen Stadtteils typisch für "Symbolische Gentrifizierung", also positive Imageaufpolierung, um die Gentrifizierung voranzutreiben. Negative Schlagzeilen können solche Anstrengungen der Imageaufpolierung natürlich schnell zunichte machen, weshalb auch die Welt, die gerne Stadtteile durch Berichte über die Kriminalität abwertet, im Interesse von Investoren jedoch auch Ausnahmen macht - falls es der oberen Mittelschicht und der Oberschicht dient!

 
       
   

SCHARRENBROCH, Christine (2016): Aufstrebende Viertel sind im Handel heiß begehrt.
Während viele Anbieter in zentrale Lagen drängen, leiden die Mittelzentren unter abnehmender Kundenfrequenz,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.10.

Wer meint, in dem Artikel geht es um benachteiligte Viertel, der ist bei Christine SCHARRENBROCH an der falschen Adresse. Die Journalistin ist der irrigen Meinung, dass Gentrifizierung nur die Verdrängung einheimischer durch Neuzuziehende statushöhere Bewohner meint, der hat die Sache falsch verstanden. Natürlich ist diese Aufwertung des Viertels auch durch einen Wandel der Infrastruktur gekennzeichnet. Die Zunahme von "Schicki-Micki-Läden" und der Rückgang des traditionell ansässigen Gewerbes ist ein Indikator solcher Aufwertungsprozesse. SCHARRBENBROCH widmet sich diesem Aspekt und betreibt mit diesem Artikel zugleich konkrete "symbolische Gentrifizierung" in Sachen Köln-Ehrenfeld.

Erst im letzten Viertel kommt SCHARRENBROCH auf die Probleme von Mittelstädten zu sprechen. Sie beklagt, dass sich die Gentrifizierung der gewerblichen Infrastruktur nur auf attraktive Großstädte beschränkt. Nicht jeder wird das Fehlen von großen Filialgeschäften - Zeichen einer Supergentrifizierung - als Manko eines Stadtteils empfinden.     

 
       
   

SCHWENN, Kerstin (2016): Kritik am Flexirentengesetz.
Nachteile für Bezieher höherer Altersrenten,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.10.

Kerstin SCHWENN berichtet über die Kritik anlässlich einer Anhörung zum Flexi-Rentengesetzentwurf im Rahmen des Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales. Die SZ hatte bereits gestern vorab darüber berichtet. SCHWENN betont vor allem die Position des Zentralverbands des Handwerks.

 
       
   

LOOMAN, Volker (2016): Licht und Schatten der Direktversicherung,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.10.

Volker LOOMAN erklärt den Spitzenverdienern, welche Vorteile eine Direktversicherung als Baustein der betrieblichen Altersvorsorge für Privilegierte hat. Dabei unterscheidet er drei Varianten von Arbeitgebern:

"Die »großzügigen« Arbeitgeber bezahlen sämtliche Beiträge. Die »sparsamen« Unternehmen bezahlen die eine Hälfte, und der Mitarbeiter die trägt die andere Hälfte. Bei den »geizigen« Unternehmen muss der Angestellte die Zeche allein begleichen."

Für Spitzenverdiener, LOOMANs Beispiel ist ein Angestellter mit monatlichem Bruttolohn von 10.000 Euro und damit oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung, ist der Geiz der Unternehmer - im Gegensatz zu Nichtprivilegierten - kein Problem, weil die "Vergünstigungen bei den Sozialabgaben und Steuern" dies aufwiegen.

Die Gewerkschaften haben diesem Modell der Direktversicherung den Kampf angesagt, weil es am Sozialpartnermodell vorbei geht und zudem der gesetzlichen Rentenversicherung Mittel entzieht. Spitzenverdiener der oberen Mittelschicht jenseits der Beitragsbemessungsgrenze interessiert das nicht, alle anderen haben das Nachsehen von dieser unsozialen Praxis!

 
       
   

FISCHER, Stephan (2016): Deutschland schafft sich wieder mal nicht ab.
Der Ökonom Thomas Straubhaar streitet engagiert gegen demografische Katastrophenszenarien,
in:
Neues Deutschland v. 18.10.

"Straubhaar leugnet (...) keinesfalls den demografischen Wandel",

lautet das Urteil von Stephan FISCHER, das selbst ein großes Missverständnis ist, denn kein vernünftiger Mensch leugnet den demografischen Wandel, was ein gern gepflegtes Dogma von jenen ist, die sich als Gestalter ausgeben. Wenn auf dieser Website von einer Demografisierung gesellschaftlicher Probleme gesprochen wird, dann wird damit nicht der demografische Wandel geleugnet, sondern lediglich bestritten, dass dieser ganz bestimmte - möglichst sogar als unabwendbar charakterisierten Konsequenzen führen muss. Der demografische Wandel ist nichts als ein gesellschaftlicher Kontext, der JEDE Bevölkerung kennzeichnet. JEDE Bevölkerung WANDELT sich IMMER und nicht nur dann, wenn dieser Wandel den Ökonomen und Politikern nicht passt - aus welchen Gründen auch immer.

Es ist bezeichnend, dass FISCHER ausgerechnet den Aspekt der Alterung herausgreift, der ja Anfang des Jahrtausends noch als weniger dramatisch als die Schrumpfung der Bevölkerung angesehen wurde.

"Die Vergreisung der Bevölkerung ließe sich nicht aufhalten, so Straubhaar. Aber gerade deshalb müsse jetzt über Renten, andere Arbeitszeitmodelle nachgedacht werden",

wird uns politisch korrekt erklärt. Bereits der Begriff "Vergreisung" ist abwertend und zeigt, warum in Deutschland eine sachliche Debatte kaum möglich ist. Der Begriff steht zudem im krassen Gegensatz zur Propagierung der neuen, produktiven Alten, mit denen die Erhöhung des Renteneintrittsalters gerechtfertigt wird.

Das Buch von STRAUBHAAR schafft lediglich neue Mythen des demografischen Wandels. Nachdem das große Schrumpfen ständig vertagt werden musste, drehen sich die neuen Mythen um die Alterung, die als Vergreisung gegeißelt wird.

 
       
   

Christian Baron - Proleten Pöbel Parasiten

FRIEDRICH, Sebastian (2016): Wer sind "die da unten"?
Christian Baron ist entsetzt über linke Vorurteile gegenüber Arbeitern,
in:
Neues Deutschland v. 18.10.

Sebastian FRIEDRICH bespricht das Buch Proleten, Pöbel, Parasiten des ND-Feuilletonredakteurs Christian BARON, der im westdeutschen Kaiserslautern aufgewachsen ist und nun in Berlin lebt:

"Am Ende fragt er sich, warum ausgerechnet er »es« geschafft habe, im Gegensatz zu seinen Geschwistern. Seine ehrliche, bemerkenswerte Antwort »Weil ich meine soziale Herkunft zu einem großen Teil verleugnet habe, konnte ich zu dem werden, der ich heute bin.«"

Es erstaunt höchstens, warum dieses Bekenntnis erst jetzt möglich ist, obwohl spätestens seit Anfang des Jahrtausends das Thema in der Luft liegt. Offensichtlich musste erst die AfD so stark werden, dass die Linken nun gezwungen sind ihr Manko offenzulegen. Die Identitätspolitik der Linken ist jedoch nur die eine Seite des Problems, das seine Ursachen in den 1980er und 1990er Jahren hat, als nämlich der Aufstieg der Individualisierungsthese begann und die Lifestyle-Soziologie sich der angeblichen Single-Gesellschaft widmete, um neoliberalen Sozialstaatsabbau betreiben zu können. Die Demografisierung gesellschaftlicher Probleme seit Anfang des Jahrtausends verstärkte diese Tendenz noch. Die Linke wird mit diesem Versagen leben müssen. Die AfD ist ein Kollateralschaden der uneingelösten Individualisierungsversprechen.      

 
       
   

DESTATIS (2016): Geburtenziffer 2015: Erstmals seit 33 Jahren bei 1,50 Kindern je Frau,
in: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts v. 17.10.

Das Statistische Bundesamt, das dem Innenminister untersteht, spielt Einheimische und Migrantenmütter gegeneinander aus. Dabei fällt ein erstaunliches Ergebnis unter den Tisch: Ausgerechnet die ostdeutschen Sachsen (1,59), Thüringen (1,56), Mecklenburg-Vorpommern (1,55)  und Sachsen-Anhalt (1,54), während Bayern (1,48) zu den Schlusslichtern gehört.

Wie passt das damit zusammen, dass angeblich deutsche Frauen weniger Kinder als Ausländerinnen bekommen? Die ostdeutschen Bundesländer sind nicht dafür bekannt, dass es dort eine kräftige Zuwanderung gegeben hätte, während Bayern, das sich seiner vielen Zuwanderer brüstet, zu den Schlusslichtern gehört.

Fazit: Analysen, die die quer liegenden Fakten ignorieren, malen ein falsches Bild von der Geburtensituation in Deutschland. Man muss sich deshalb schon fragen, ob diese Pressemitteilung nicht ausgesprochen interessengeleitet ist und wichtige Aspekte unter den Teppich kehrt.    

 
       
   

SCHWENN, Kerstin (2016): Nahles schlägt Pflöcke in die Rentepolitik ein.
Bis November will die Sozialministerin ihr Konzept fertigschreiben. Nicht alles, was im Koalitionsvertrag steht, wird am Ende auch Gesetz werden,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 17.10.

Kerstin SCHWENN revidiert den Zeitplan für die Rentenpolitik, den sie im Juni verkündet hat: Der Rentendialog wird vom 21. auf den 31. Oktober vertagt. SCHWENN vermutet dahinter, dass NAHLES dann bereits ihr Rentenkonzept vorstellt.

SCHWENN bleibt weiterhin - im Gegensatz zum Handelsblatt - dabei, dass eine Ausklammerung des Rentenniveaus möglich sei und dennoch die Rente aus dem Bundestagswahlkampf heraus gehalten werden könnte:

"Einig sind sich die Fachleute in den Koalitionsfraktionen, dass die Ministerin die »verlässliche Haltelinie« für das Rentenniveau (...) kaum noch bis Mitte 2017 ins Gesetzblatt bringen wird. Technisch wäre es leicht möglich, die bisher für 2030 geltende Untergrenze von 43 Prozent bis 2040 fortzuschreiben. Selbst die Arbeitgeber signalisieren Zustimmung für einen solchen Schritt."

Dass die Arbeitgeber zustimmen, ist wohl nicht das Problem, sondern dass dies weit entfernt von den Gewerkschaftsforderungen und der SPD-Linken ist.

Hinsichtlich des Betriebsrentenstärkungsgesetzes gibt es gemäß SCHWENN keine Hürden mehr. Die Punkte, über die man sich geeinigt habe, sind jedoch vor allem Herzensangelegenheiten der Finanzdienstleistungslobby und der Arbeitgeber, jedoch nicht der Gewerkschaften.

"Arbeitnehmer sollen künftig 7 statt 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung steuer- und sozialabgabenfrei in Form der Entgeltumwandlung für ihre Betriebsrente einzahlen können. Dies soll auch für Abfindungen bis zu 40.000 Euro gelten."

Eine solche Regelung hätte gravierende Auswirkungen auf die gesetzliche Rente, nicht nur für die Betriebsrentner selbst, sondern auch für diejenigen, die allein auf die gesetzliche Rente angewiesen sind. Sollte dies tatsächlich so im Gesetz wiederzufinden sein, dann wären die Gewerkschaften eingeknickt.

Im Gegensatz zu Karl DOEMENS sieht SCHWENN Chancen auf eine Einigung bei der Ostrentenangleichung. Keine Chancen sieht sie dagegen für die solidarische Lebensleistungsrente, gegen die sich sogar die CSU-Landesregierung in einem Kabinettsbeschluss gewendet habe. Stattdessen solle es als Kompensation Maßnahmen für Risikogruppen geben, die von Altersarmut bedroht sind. Die Selbständigen sieht SCHWENN außen vor. Geringverdiener sollten dagegen mit einer "Rente nach Mindestentgeltpunkten" besser gestellt werden, was eine Forderung der Gewerkschaften ist - oder lediglich einen "Zuschlag auf die Grundsicherung von 50 Euro" erhalten.

Zuletzt kommt SCHWENN auf Verbesserungen bei der Erwerbsminderungsrente zu sprechen, die bereits am Samstag der Spiegel in einer Meldung präsentiert hat.

"Nahles erwägt nun eine Erhöhung (der Zurechnungszeit) auf 65 Jahre. Sie selbst beziffert die Kosten auf 3 Milliarden Euro im Jahr."

Sollte dies nicht durchkommen - so würde die Forderung im Wahlprogramm landen. Also doch noch Rentenwahlkampf - aber auf einem wenig heiklem Gebiet im Vergleich zur Stabilisierung des Rentenniveaus...

 
       
   

CREUTZBURG, Dietrich (2016): Bundesregierung kapituliert vor Niedrigzinsen.
Beamtenpensionen sind teuer. Daher baut die Regierung seit 2007 einen Vorsorgefonds auf. Ein wichtiges Ziel gibt sie nun jedoch auf,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 17.10.

Dietrich CREUTZBURG interessiert sich nicht wirklich für die Probleme des Pensionsfonds, sondern er will einen Gesetzesentwurf zur Änderung des Deckungsverfahrens lediglich nutzen, um die Interessen der "mittelständischen" Unternehmen, die sich ihrer Pensionsrückstellungen entledigen wollen, in den Mittelpunkt zu rücken. Dabei geht es nicht nur um steuerrechtliche Entlastungen, sondern auch um die Abwälzung der Risiken allein auf die Arbeitnehmer wie es die geplante Neuregelung der betrieblichen Altersvorsorge offensichtlich plant.

PLICKERT, Philip (2016): Die schlechte Botschaft der Generationenbilanzen.
Wie hoch ist die heimliche Staatsschuld durch ungedeckte Versprechen aus dem Renten- und Gesundheitssystem,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 17.10.

Philipp PLICKERT singt ein Loblied auf den neoliberalen Ökonomen Laurence KOTLIKOFF, der zusammen mit Alan AUERBACH das Kampfmittel "Generationenbilanz" erfand. 2005 erschien das Buch The Coming Generational Storm des Apokalyptikers, das vom Wirtschaftsnobelpreisträger Paul KRUGMAN scharf attackiert wurde. Bernd RAFFELHÜSCHEN ist ein gelehriger Schüler von KOTLIKOFF.

Generationenbilanzen kranken nicht nur daran, dass sie nur einen Ausschnitt der Staatsausgaben beleuchten und damit den Gewinn für zukünftige Generationen außer Acht lassen, sie sind zudem abhängig von der aktuellen Konjunktur und den unterstellten Zinsen.

Generationenbilanzen fokussieren einseitig auf angebliche Nachteile des Umlagesystems, während sie die Risiken der Kapitaldeckung unterschlagen.   

 
       
   

ÖCHSNER, Thomas (2016): Dazuverdienen lohnt sich nicht immer.
Die Flexi-Rente kommt vielen entgegen, aber manche Arbeitnehmer zahlen bei ihr drauf. Das zeigen Musterrechnungen der Stiftung Warentest. Die Verbraucherorganisation kritisiert die neuen Regeln,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 17.10.

Thomas ÖCHSNER berichtet über eine Stellungnahme der Stiftung Warentest zur heutigen Anhörung in Sachen Flexi-Rente. Wer eine Altersrente in Höhe von ca. 1.300 Euro erhält und zudem noch mehr als 2.150 Euro hinzuverdienen kann, würde sich nach den Berechnungen der Stiftung durch die neuen Regelungen schlechter stellen.  ÖCHSNER zitiert Markus KURTH von den Grünen, die BDA und die DRV als Kritiker der Regelung.

Radikaler ist da Norbert FRÖHLER, der Teilrenten geringe Aussichten auf Erfolg bescheinigt, weil der vorzeitige Ausstieg aus dem Erwerbsleben weiterhin wesentlich beliebter ist als alle Maßnahmen, die Anreize für ein Weiterarbeiten schaffen wollen.

 
       
   

DPA (2016): Hohe Hürden.
Nur wenige Versicherer verkaufen Lebenspolicen an Konkurrenten,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 17.10.

DpA-Meldung, die sich gegen ein Handelsblatt-Interviews wendet. Frank GRUND von der Finanzaufsicht Bafin geht nicht von einem sich rasant entwickelnden neuen Geschäftsfeld für Abwicklungsgesellschaften aus.

 
       
   

FREIBERGER, Harald (2016): Der Königsweg.
Geldwerkstatt: Bei einem Sparplan fließt jeden Monat ein fester Betrag vom Konto in einen Investmentfonds. Das hat eine Reihe von Vorteilen: Es fördert die Spardisziplin, ist flexibel und nutzt die Renditechancen aus, die Aktien und Anleihen nach wie vor bieten,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 17.10.

Auch Harald FREIBERGER setzt auf ETF-Fonds, die dank Medienhype erstaunlichen Zuwachs erhalten haben:

"Die zwölf größten Fondshäuser meldeten bis Ende Juni Zuwachsraten von 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Insgesamt betreuen sie 3,8 Millionen Sparpläne mit einem monatlichen Volumen von 470 Millionen Euro: jeder Kunde zahlt also gut 100 Euro im Durchschnitt ein. Ein großer Trend sind Sparpläne in Indexfonds (ETF)".

 
       
   

FISCHER, Manfred (2016): Rürup dank Rüstungsgeschäften.
Anlage: Ein Tischler fühlt sich von seiner Rentenversicherung getäuscht. Jetzt schafft er vor Gericht einen Präzedenzfall,
in:
TAZ v. 17.10.

 
       
   

MITTERNACHT, Kerstin (2016): Plan B fürs Baby.
Wenn sich ein Kind ankündigt, geraten Eltern nicht selten in Panik. Entscheidungen müssen getroffen und viele Dinge organisiert werden. Seit neuestem gibt es "Baby-Planner", die alles erledigen,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.10.

 
       
   

LEMBKE, Judith (2016): Spiel nicht mit den Schmuddelkindern.
Der Wohnort bestimmt das Image eines Menschen. Für manchen wird die Adresse zur Falle, aus der er nur schwer entkommt,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.10.

Ob jemand in Blankenese oder in Mümmelmannsberg wohnt, das führt zu unterschiedlichen Fremdzuschreibungen - nicht nur bei den Bewohnern Hamburgs, sondern dank neoliberaler Städterankings, Immobilienrankings oder skandalisierenden Medienberichten in Mainstreamzeitungen wie der FAS/FAZ auch deutschlandweit.

"Die Pluralisierung unserer Gesellschaft hat dazu geführt, dass es deutlich schwieriger ist als früher, jemanden einer Gruppe zuzuordnen. Dadurch bekommt der Wohnort und das, was man mit ihm verbindet, ein größeres Gewicht",

glaubt dagegen die Wohnpsychologin Antje FLADE. Problematisch wird ein schlechtes Image vor allem dann, wenn ein solches Wohngebiet gentrifiziert werden soll, weshalb sich die FAS/FAZ nun auf diesem Gebiet stärker engagiert.

"Gerade Plattenbausiedlungen wie Hamburg-Mümmelmannsberg, Berlin-Marzahn oder Dortmund-Clarenberg werden gerne genutzt, um Hochhaus-Tristesse zu inszenieren, unabhängig davon, wie es in den vermeintlich heruntergekommenen Vierteln wirklich aussieht. Denn in vielen von ihnen haben sich die Lebensverhältnisse aufgrund städtebaulicher Förderprogramme wie »Soziale Stadt« von Bund, Ländern und Kommunen in den vergangenen 15 Jahren deutlich verbessert. Wohnhäuser und Schulen wurde saniert, neue Spielplätze angelegt und »Quartiersmanager« installiert, die sich um die Belange der Bewohner kümmern. »Aber dann kommt ein Dortmund-'Tatort', der Clarenberg deutlich schäbiger zeigt, als es in Wirklichkeit dort aussieht, und die Arbeit von Jahren ist zunichte gemacht«, stöhnt Frauke Burgdorff, im Vorstand der Montag-Stiftung »Urbane Räume«, die sich dafür einsetzt, schwierige Quartiere wieder ins Gleichgewicht zu bringen."

Ein schwieriges Quartier war auch einmal Berlin-Kreuzberg oder andere Arbeiterquartiere, die heute weitgehend gentrifiziert sind. Der Unterschied ist die Lage und die Bausubstanz, aber mit zunehmendem Wachstum der Städte werden auch Quartiere attraktiv, für die sich vor Jahrzehnten niemand interessiert hätte.

Entmischung und Segregation sind Gegenbilder zur gewünschten Gentrifizierung. Dazu werden traditionelle Nachbarschaften konstruiert, die es je kaum gegeben hat, denn auch früher wohnten Arme und Reiche an anderen Orten. Zufallsvorbilder waren früher genauso selten wie heutzutage die Heirat einer Karrierefrau mit einem arbeitslosen Schulabbrecher. 

Während die einen das Problem in der Segregation sehen, d.h. in größeren Ungleichheiten innerhalb von Städten, sehen andere wie Christine HANNEMANN die Benachteiligung der strukturschwachen, ländlichen Regionen gegenüber den urbanen Zentren.   

 
       
   

WIETERSHEIM, Stefanie von,  (2016): Das Schwein, der Mercedes und die Kultur.
Das Landleben hat mit der Landlust der Städter nichts zu tun. Ein Besuch im Vorharz,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.10.

Stefanie von WIETERSHEIM macht PR für ihren Wohnort: das niedersächsische Liebenburg:

"Ein 2000-Einwohner-Dorf am Rande des Nordharzes, Landkreis Goslar. Der hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich an Einwohnern verloren. Die Statistiker rechnen mit einem Minus von 8,8 Prozent in den Jahren 2007 bis 2020. Allein Liebenburg wird bis zum Jahr 2017 sogar 12 Prozent seiner Einwohner einbüßen. Auch hier stimmt, was Forscher vom Bundsinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung unlängst feststellten: Überall auf dem Land fallen die Hauspreise, die Kluft zur Stadt wird immer größer. Große oder sanierungsbedürftige Häuser finden nur scher Käufer, auch wenn das lange so reiche Wolfsburg nur 65 Kilometer, Braunschweig 35 Kilometer und Wolfenbüttel nur 25 Kilometer entfernt liegen.
Dabei hat Liebenburg im Vergleich zu anderen Dörfern einiges zu bieten: Kindergarten, Grundschule, Oberschule, Freibad, Sportverein."

Liebenburg ist jedoch nicht nur ein 2000-Einwohner-Dorf, sondern Teil der Gemeinde Liebenburg mit ca. 8.000 Einwohnern, was uns WIETERSHEIM jedoch verschweigt.

 
       
   

KREMER, Dennis (2016): Das Wunder-Portfolio.
Eine Kombination aus zwei ETF reicht aus, um die besten Fondsmanager zu schlagen. Das Ganze ist kinderleicht,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.10.

Im Rückblick ist die Sache immer kinderleicht, was aber hat uns Dennis KREMER vor fünf Jahren als Renditewunder verkauft? Das wäre die entscheidendere Frage. Beim Wunderportfolio von KREMER  gewinnt vor allem einer: der Finanzgigant Blackrock. Und KREMER baut vor, falls sein Wunderportfolie zukünftig keine 10,7 Prozent Rendite mehr bringt:

"Niemand kann wissen, ob sich die Renditen der Vergangenheit so in die Zukunft fortschreiben lassen."

Bert FLOSSBACH, der als als einer von zwei Fondsmanagern von KREMER gelobt wurde, sieht das mit ETF-Fonds dagegen ganz anders

 
       
   

KREMER, Dennis (2016): Es geht ums Geld!.
FAS-Serie Geldirrtümer (1):Geld zu haben, findet jeder gut. Richtig mit Geld umzugehen ist aber gar nicht so einfach. Höchste Zeit für eine neue F.A.S.-Serie,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.10.

Dennis KREMER erklärt uns, dass wir in Sachen Finanzbildung doch nicht die Deppen sind. Ein Vergleich von 140 Nationen unter Leitung von Annamaria LUSARDI erbrachte:

"Die Deutschen haben in diesem internationalen Vergleich sehr gut abgeschnitten. Gemeinsam mit Norwegern, Schweden, Finnen, Kanadiern und Briten teilen sie sich die vordersten Plätze. 66 Prozent der Deutschen verfügten über eine gute Finanzbildung".

Aber vielleicht ist ein solch simpler "finanzmathematischer PISA-Test" gar nicht in der Lage richtiges Verhalten in Finanzfragen zu erfassen. Die Vergleichbarkeit von Konditionen steht der Intransparenz auf Märkten gegenüber. Mit Fragen auf PISA-Test-Niveau kommt man deshalb nicht weiter, wenn es z.B. um die Altersvorsorge geht. Und wenn uns Finanzdienstleister mit Untersuchungen kommen, die uns unser Analphabetentum in Sachen Finanzbildung bescheinigen, dann handeln sie nicht in unserem, sondern in ihrem eigenen Interesse. Aber darüber informiert uns auch Dennis KREMER nicht. Seine Serie bewegt sich auf PISA-Test-Niveau, während die gesellschaftlichen Kollateralschäden des Finanzkapitalismus außen vor bleiben. 

 
       
   

HANK, Rainer (2016): Gut leben ohne Wachstum?
De-Growth heißt eine Protestbewegung, die Wachstumskritiker aller Länder eint: TTIP-Gegner ebenso wie grüne Romantiker. Der Fortschritt hat kaum noch Freunde,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.10.

Rainer HANK macht mit hanebüchenen Argumenten Front gegen Wachstumskritiker:

"Wachstum hat eben doch etwas mit besserem Leben zu tun: Die Lebenserwartung korreliert mit wachsendem BIP pro Kopf."

Wirtschaftswachstum und BIP pro Kopf sind etwas gänzlich Unterschiedliches. Für ein wachsendes BIP ist nämlich kein Wirtschaftswachstum notwendig. Bei schrumpfender Bevölkerung wächst das BIP pro Kopf auch, wenn das Wirtschaftswachstum stagniert oder gar schrumpfen würde. Nur bei wachsender Bevölkerung ist Wirtschaftswachstum notwendig, damit das BIP pro Kopf wächst. "Viel BIP, langes Leben" - diese Überschrift der FAS-Grafik ist also eindeutig verdummend. Auf dieser Art von Verdummung baut die Demografisierung gesellschaftlicher Probleme auf.

Fazit: Die Beziehung zwischen Wirtschaftswachstum und Wohlstand einer Bevölkerung ist wesentlich komplexer als dieser dämliche Artikel des Neoliberalen HANK das darstellt.

 
       
   

WAGNER, Gerald (2016): Die Bühnen der Theorie.
Soziale Systeme: Machtsoziologie und Liegestühle auf hoher See: Bildlichkeit ist oft der erste Schritt der Abstraktion,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.10.

 
       
   

FELSCH, Philipp (2016): Hillary und die Interessen des Finanzkapitals.
Der Journalist Thomas Frank rechnet mit den Demokraten ab und seziert in "Listen, Liberal" die Verfehlungen der Clinton-Ära,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.10.

Philipp FELSCH stellt das Buch Listen, Liberal von Thomas FRANK auf eine Stufe mit Didier ERIBONs Buch Die Rückkehr nach Reims. Was Gerhard SCHRÖDER und die Agenda 2010 für Deutschland war, das War Bill CLINTON für Amerika:

"Als Präsident des Freihandels, der Sozialstaatskürzungen und der Deregulierung des Bankenwesens stand Bill Clinton für eine Politik, wie sie in England Tony Blair und in Deutschland der Agenda-Kanzler Gerhard Schröder vertraten. Getragen von der Euphorie die die New Economy auslöste, vollendete er das neoliberale Abbruchwerk, das sein Vorgänger Reagan begonnen hatte. Das konnte nur ein Exponent der Linken tun",

meint FELSCH. Von links zu reden, ist hier verfehlt, denn CLINTON war genauso wie SCHRÖDER mehr rechts als links: oder genauer: Neue Mitte. Darunter ist ein Bündnis zwischen oberer Mittelschicht und Oberschicht zu Lasten der restlichen Gesellschaft zu verstehen. 

 
       
   

BALSER, Markus & Cerstin GAMMELIN (2016): Bund darf künftig Schulneubau fördern.
Bund und Länder vereinfachen ihre Finanzbeziehungen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 15.10.

 
       
   

RONZHEIMER, Manfred (2016): Wende? Welche Wende?
Nach der Finanzkrise von 2008 ist die neoliberale Ökonomie in die Kritik geraten. Alternativen haben es in den Wirtschaftswissenschaften aber schwer,
in:
Neues Deutschland v. 15.10.

Manfred RONZHEIMER beklagt zwar den neoliberalen Mainstream. Die Alternative, die er anzubieten hat, ist jedoch keine. Nachhaltigkeit ist gerade durch die Neoklassik zur Phrase verkommen. Eine Ökologisierung gesellschaftlicher Probleme als Alternative zur Demografisierung gesellschaftlicher Probleme ist wenig hilfreich, wenn unser Hauptproblem die sozioökonomische Ungleichheit ist.

Nachhaltigkeit ist ein schwammiger Begriff, der zudem zum Kampfbegriff verkommen ist. Seine Verwendbarkeit sowohl im Demogafie- als auch im Ökologiekontext täuscht darüber hinweg, dass die Zukunft nicht durch die Gegenwart determiniert ist, sondern offen. Wer mit Nachhaltigkeit oder Generationengerechtigkeit argumentiert, der reduziert die Zukunft auf eine deterministische Vergangenheit und übersieht Phänomene, die noch gar nicht als Problem oder Lösung erkannt wurden.

Nachhaltigkeit würde voraussetzen, dass unser Bild von der Welt vollständig ist, was nicht der Fall ist. Wer angebliche Probleme, die in 20 oder 30 Jahren auftreten könnten, zur Richtschnur aktuellen Handels macht, der verbraut sich womöglich viel mehr Chancen als nötig. Nachhaltigkeit ist verknüpft mit einem postdemokratischem, technokratischem Politikverständnis.

 
       
   

COS (2016): Nahles will höhere Rente für Invalide.
Soziales,
in:
Spiegel Nr.42 v. 15.10.

Die Spiegel-Meldung sieht die Verbesserungen bei der Erwerbsminderungsrente in Konkurrenz zur Ostrentenangleichung und der Ausdehnung der Mütterrente.

 
       
 

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Bernds@single-dasein.de Stand: 27. November 2016