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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
       
   
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Medienberichte über single-dasein.de
 
 
 
   

News vom 19. - 24. Mai 2018: [19.05.] [20.05.] [22.05.] [23.05.] [24.05.]

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Urban Birding als coole Beschäftigung der Stadtmenschen

Rotkehlchen in der Großstadt, Foto: Bernd Kittlaus 2018

"Lindo sagt: »Urban Birding ist der neue Rock'n'Roll.«
Es gab auch schon vor ihm Menschen, die wussten, dass es in Städten Rotkehlchen und Amseln gibt (...).
Braucht Natur diesen neuen Anstrich?
»Ja, unbedingt«, sagt Derk Ehlert. Er ist seit 18 Jahren Wildtierreferent der Stadt Berlin (...). Wer nur Tauben und vermooste Wegplatten vor Augen hat, wenn er an Natur in der Stadt denkt, wird auch nur diese sehen, wenn er auf die Straße tritt. Dabei gibt es in Berlin 20.000 nachgewiesene Tier- und Pflanzenarten, mehr als auf gleicher Fläche im ländlichen Brandenburg."
(Claudia Fromme "Wild in der City", Süddeutsche Zeitung v. 05.05.2018)

 
       
       
   

24.05.2018

 
       
   
ZITTY-Titelgeschichte: Kitaplatz verzweifelt gesucht.
Berlins eskalierende Kitakrise und der Aufstand der Eltern

EHRENHAUSER, Astrid (2018): Kitaplatz verzweifelt gesucht.
In Berlin beginnt die Jagd nach einem Kita-Platz häufig schon in der Schwangerschaft. Und sie bleibt trotzdem immer öfter erfolglos. Denn in der Stadt fehlen schätzungsweise 3.000 Plätze. Von der Politik fühlen sich die Eltern im Stich gelassen. Nun gehen sie auf die Straße, am 26. Mai, mit der Kitakrise-Großdemo. Wie Berliner Mütter und Väter am Kitasystem verzweifeln,
in: zitty H.21 v. 24.05.

"Nach Auskunft der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie können rund 10.000 genehmigte Plätze in Kitas und bei Tageseltern derzeit nicht angeboten werden. Das liegt vor allem am Fachkräftemangel, heißt es dort. Bis 2020 brauche man 5.500 Vollzeit-Stellen mehr, aktuell sind es 24.000",

berichtet Astrid EHRENHAUSER. Wie diese Zahlen zustande kommen, das ist der Journalistin keine Frage wert, obwohl bekannt ist, dass alle Bevölkerungsvorausberechnungen und damit auch die Zahlen für Kitas oder Schulen zu niedrig angesetzt sind.

"Eigentlich gilt ihr Kitagutschein berlinweit, doch jetzt haben erste Bezirke begonnen sich abzuschotten. Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg etwa wollen vorrangig Kinder aufnehmen, die dort gemeldet sind.
Andere Bezirke, etwa Neukölln, kritisieren das. Die Senatsverwaltung unterstützt dagegen das Vorgehen grundsätzlich",

berichtet EHRENHAUSER, deren Zielgruppe Akademikerfamilien sind, deren Probleme ausführlich dargestellt werden, während Nicht-Akademikerfamilien keine Rolle spielen. Es gibt lediglich den Hinweis, dass es Kinder mit mangelnden Deutschkenntnissen  eigentlich gesetzlich zum Kita-Besuch verpflichtet wären. Wie aber sollten deren Interessen durchsetzbar sein, wenn lediglich die Probleme der Akademikerfamilien im medialen Brennpunkt stehen?

Beim Gute-Kita-Gesetz der neuen Bundesfamilienministerin wird lediglich bemängelt, dass statt der 3,5 Mrd. zwei Milliarden Euro mehr nötig wären. Dass nicht einmal die Grundversorgung sicher gestellt ist, das wird nicht als Problem gesehen.

 
       
   

FRIEDRICHS, Julia/HURST, Fabienne/SPINRATH, Andreas (2018): Unten ist näher als oben.
"Der gemeine Sachse kann da nicht mithalten": Familie Clauß gehört zur Mittelschicht. Aber wie lange noch? In Sachsen fürchten sich viele vor dem sozialen Abstieg,
in: Die ZEIT Nr.22 v. 24.05.

FRIEDRICHS/HURST/SPNRATH porträtieren eine privilegierte ostdeutsche Akademikerfamilie in Leipzig, das ostdeutsche Pendant zur Generation Scharnigg, nur ohne westdeutsche Erbschaftsoption. Die Akademikerfamilie entspricht dem westdeutschen Ideal der Zweikindfamilie.

Zwei Ursachen der Abstiegsangst dieser privilegierten Akademikerfamilie werden benannt: Zum einen das finanzielle Unvermögen sich eine familiengerechte Eigentumswohnung im Leipziger Trendviertel zu leisten. Was nebenbei gesagt, nur die Segregation in ostdeutschen Großstädten weiter verschärfen würde:

"Was ist, wenn sie in eine günstigere Gegen umziehen müssten? Was wird dann aus Gustavs Schulplatz, Luises Kita?
Laut einer Studie des Berliner Bildungsforschers Marcel Helbig hat die Segregation, also die Teilung in arme und reiche Gegenden (...) zugenommen, besonders im Osten. Boomende Zentren würden dort von Großwohnsiedlungen umschlossen, in denen vor allem arme Menschen leben. Im Viertel der Familie Clauß liegt die Arbeitslosenquote bei zwei Prozent, in anderen Teilen der Stadt bei zwölf. Vor diesen sozialen Brennpunkten (...) würde er seine Kinder gerne bewahren."

Zum zweiten arbeitet der Ehemann in einem Leipziger Siemens-Werk, das zur Disposition steht. Sowohl das Normalarbeitsverhältnis als auch die Arbeitsstätte sind dadurch unsicher geworden.

Der Artikel weist einige Unstimmigkeiten auf, denn einerseits sieht sich die Leipziger Akademikerfamilie als Teil der mittleren Mittelschicht:

"Man bekommt Angst, dass die Perspektive nach unten, in die untere Mittelschicht, wesentlich näher ist als der Schritt nach oben, in die höhere Mittelschicht."

Zum anderen wird der umstrittene ehemalige Weltbankökonom Branko MILANOVIC zitiert, der jedoch die

"unteren Mittelschichten der Industriestaaten in den USA und Europa"

zu den Globalisierungsverlierern zählt und nicht die mittlere Mittelschicht. MILANOVIC gehöhrt zu jenen Neoliberalen, die Umverteilung nur dann gerechtfertigt sehen, wenn innerstaatliche Ungleichheit das Wohlstandsniveau eines Landes gefährdet. Inwiefern das der Fall ist, darüber geht der Meinungsstreit mittels jeweiliger Fakteninterpretation.

Fazit: Leipzig lag beim Segregationsindex 2014 (vgl. HELBIG/JÄHNEN 2018, S.30) auf Rang 28 von 74 Großstädten in Deutschland. Beim Anstieg der Segregation zwischen 2005 und 2014 lag Leipzig unter 71 Großstädten sogar auf Rang 9. Akademikerfamilien wie jene, die im Artikel porträtiert wurden, sind Motoren dieser Segregation und verschlimmern dadurch die Spaltung der Stadtgesellschaft, weil segregierte Nachbarschaften die Bildungserfolge von Armen negativ beeinflussen. Leipzig lag hier 2014 auf Rang 15 von 73 Großstädten (S.53). Dort lebten rund 10 Prozent aller Kinder in Gebieten mit über 50 Prozent armen Kindern. Rostock lag mit über 30 Prozent an der Spitze.    

 
       
   

DETTLING, Daniel (2018): Stadt, Land, Flucht?
Städte werden wieder unattraktiver, die Zukunft gehört den ländlichen Regionen. Der Zukunftsforscher Daniel Dettling findet das progressiv und spricht von "Glokalisierung",
in: Die ZEIT Nr.22 v. 24.05.

Der skandalträchtige Neoliberale Daniel DETTLING wird nun als "Zukunftsforscher" tituliert. Der Begriff "Glokalisierung" wurde in Deutschland bereits vor 20 Jahren mit dem Sammelband Perspektiven der Weltgesellschaft, herausgegeben von dem deutschen Popsoziologen Ulrich BECK, popularisiert. Dass dieser Begriff eine Schöpfung der Zukunftsforschung ist, ist daher ein typischer Fake.

 
       
   

LAU, Mariam (2018): Im Feindesland.
Er ist überzeugt, das Volk werde belogen, nun leitet er den Haushaltsausschuss des Bundestages: Der AfD-Politiker Peter Boehringer,
in: Die ZEIT Nr.22 v. 24.05.

Mariam LAU porträtiert den AfD-Finanzpolitiker Peter BOEHRINGER:

"Was Boehringers Ausschusskollegen seine »Verschwörungstheorie« nennen, entstand 2002 mit einer Art Erweckungserlebnis. (...). In dieser Zeit seien ihm die Bücher des Öknomen Roland Baader in die Hände gefallen. (...).
Baader, ein Schüler des liberalen österreichischen Ökonomen Friedrich A. Hayek, beschreibt in seinen Büchern mit Titeln wie Geldsozialismus, Die Euro-Katastrophe oder Wider die Wohlfahrtsdiktatur, wie der Staat (...) Papiergeld als Herrschaftsinstrument einsetze. (...). Damit sollten die Bürger über Wohlfahrtsleistungen gefügig gehalten werden. Nur Gold als Geld sei kein Betrug. (...).
Boehringer, der 2002 selbständiger Vermögensberater wurde, blieb auf Kurs - und sah sich durch die Finanzkrise 2008 bestätigt. Seit damals sagt er den Untergang des Euros voraus. Zusammen mit seiner Frau, der Wirtschaftsjournalistin Simone Boehringer von der Süddeutschen Zeitung, schrieb er 2012 das Buch Der private Rettungsschirm - Weil Ihnen der Staat und Banken im Krisenfall nicht helfen werden. Es ist geschrieben in der Erwartung eines  »Systemzusammenbruchs«.

In dem Buch schreibt die SZ-Wirtschaftsredakteurin Simone BOEHRINGER:

"Machen Sie es wie die Profis. Behalten Sie vorläufig Ihren angestammten Job und verfolgen Sie Ihre Karriere weiter, wenn es sinnvoll ist - aber erarbeiten Sie daneben einen »Plan B« für sich und Ihre Familie. Sie können sich vorbereiten auf die Zeit, nach der der Kaiser als nackt beziehungsweise die Euro-Rettung als Farce entlarvt wird - persönlich, beruflich, monetär und vor allem auch geistig."

Kann eigentlich jemand, der wie Simone BOEHRINGER den Systemzusammenbruch befürchtet, noch glaubhaft die kapitalgedeckte Altersvorsorge propagieren?

 
       
   

Das WZB-Diskussionspapier Wie brüchig ist die soziale Architektur unserer Städte? in den Medien

BEENEN, Janis (2018): Reiche hier, Arme dort.
Die Stadtbevölkerung spaltet sich - vor allem im Osten,
in: Süddeutsche Zeitung v. 24.05.

Janis BEENEN berichtet über das WZB-Diskussionspapier von Marcel HELBIG und Stefanie JÄHNEN. Dort heißt es zu den Ursachen der Segregation in Ostdeutschland:

"Es fällt auf, dass Magdeburg und Dresden im Unterschied zu den anderen ostdeutschen Städten eine relativ geringe soziale Segregation aufweisen. Wir argumentieren, dass der Grund für die Sonderstellung der beiden Städte ihre großflächige Zerstörung während des Zweiten Weltkrieges ist. Dadurch beschritten Dresden und Magdeburg andere städtebauliche Pfade als viele andere Städte in Ostdeutschland. In Rostock, Erfurt, Potsdam, Weimar oder Halle ergab sich durch die sozialistischen Plattenbauten am Rande der Städte und die nach der Wende »blühenden Landschaften« in Form von Innenstadtsanierung und Suburbanisierung eine enorme architektonische Schere. Entsprechend groß ist die soziale Schere: In den Plattenbaugebieten leben vergleichsweise viele SGB-II-Bezieher." (S:II)

 
       
   

BIAJ (2018): Äquivalenzbeitragszahler, Äquivalenzrentner, Rentnerquotient 2005-2017 – vorausberechnet und Ist,
in: Materialien des Bremer Instituts für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe v. 24.05.

Gemäß der Rentenwertbestimmungsverordnung 2018 kamen im Jahr 2017 auf einen Äquivalenzrentner 1,93 Äquivalenzbeitragszahler. Seit 2003 war dieses Verhältnis nur im Jahr 2011 mit 1 :1,97 besser.

 
       
   

KROHN, Philipp (2018): Deutschland-Rente macht Versicherern Beine.
Die Altersvorsorge soll einfacher werden. Das zwingt die Branche zum schnellen Handeln. Denn liefert sie nicht, steht ein Modell bereit, das Politiker mögen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 24.05.

Die Deutschland-Rente mögen Politiker? Warum ist sie dann vor kurzem im Bundesrat durchgefallen? Die Lebensversicherer wollen sich auch keine Beine machen lassen, wie KROHN verspricht. Oder weshalb waren sie so empört, weil durch ein Bericht des VersichderungsJournal bekannt wurde wer den Vorsitz eines GDV-Arbeitskreises innehat, der ein standardisiertes Riester-Versicherungsprodukt erarbeiten soll?

"Hinter vorgehaltener Hand kritisieren Politiker, dass sich ausgerechnet ein Versicherer an vorderster Front in die Debatte um ein reformiertes Riester-Produkt einbringt, der auch schon vor der ursprünglichen Riester-Reform 2001 Empfehlungen abgegeben hat und nun bereit war, solche Verträge an einen Investor weiterzureichen."

KROHN präsentiert die Meinung der Ökonomen Joachim WEIMANN und Andreas KNABE, die die Vorzüge der Deutschland-Rente preisen.  Darunter befindet sich auch die Herzensangelegenheit von KROHN, nämlich den Verzicht auf Garantien. Die Risiken können dadurch sozialisiert (also auf die Versicherten abgewälzt werden) und die Profite können privatisiert werden - zumindest wenn die Lebensversicherer das in die Hand nehmen. Der Lebensversicherer Allianz ist Vorreiter dieses Trends.    

 
       
   

KOCH, Martin (2018): Der Osten holt weiter auf.
Warum sich die durchschnittliche Lebenserwartung von Menschen nur ungenau prognostizieren lässt,
in: Neues Deutschland v. 24.05.

Martin KOCH skizziert die Entwicklung der Lebenserwartung von der Steinzeit an! Mit sage und schreibe 3 Prominenten will uns KOCH belegen, dass es im Mittelalter bereits viele Hochaltrige gab. Belege hat er jedoch für seine These nicht. Anlass des Berichts ist jedoch die Pressemitteilung Sterblichkeit verbesserte sich schon in der DDR es Max-Planck-Instituts für Demografische Forschung über eine Studie von Pavel GRIGORIEV. 

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

ENZ, Werner (2018): Vollversicherung - besser als leere Kassen.
Die Axa nimmt ihren Kunden in der beruflichen Vorsorge in Zukunft das Anlagerisiko nicht mehr ab. Voller Versicherungsschutz hat seinen Preis, nimmt KMU aber die Sorgen. Es ist an der Zeit, die Rahmenbedingungen für die Privatversicherer zu verbessern,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 24.05.

Werner ENZ fordert Erleichterungen für die Lebensversicherer bei der beruflichen Vorsorge (BVG) und erklärt, was es für die Versicherten bedeutet, dass die Axa aus der Vollversicherung der BVG ausgestiegen ist:

"Der Axa-Konzern hat allen Firmen mit ihren insgesamt 260.000 Versicherten eine Offerte zum Wechsel von der Vollversicherung zu einer teilautonomen Sammelstiftung unterbreitet.

Den damit verbundenen Renditechancen stehen jedoch enorme Risiken gegenüber, die dann die Sammelstiftung statt der Lebensversicherer tragen muss. Der Lebensversicherer verfügt durch diesen Coup nun über rund 2,5 Mrd. Franken Risikokapital. ENZ bringt dies mit dem Kauf der Versicherungsgruppe XL in Zusammenhang. 

 
       
   

Das Single-Dasein in Norwegen

LAVIK, Maria (2018): Die Lösung: Staatsfeminismus.
taz-Serie Abtreibung in Europa (3): Seit 40 Jahren gibt es in Norwegen das Recht auf selbstbestimmten Schwangerschaftsabbruch. Das Gesetz ist das Ergebnis eines feministischen Marsches durch die Institutionen - und wird selbst von Konservativen verteidigt,
in: TAZ v. 24.05.

 
       
   

Die Ära Macron in Frankreich

SCHMIDT, Robert (2018): Die Wasserschlacht.
Die Bewohner der französischen Gemeinde Vittel sollen Wasser sparen, aber der Konzern Nestlé darf es weiterhin in Flaschen füllen,
in: Die ZEIT Nr.22 v. 24.05.

MEISTER, Martina (2018): Macron und seine Jungs.
Der Präsident regiert mit zwei Männern, die selbst in Frankreich kaum jemand kennt. Diese Konzentration der Macht kommt nicht gut an,
in: Die ZEIT Nr.22 v. 24.05.

 
       
   

23.05.2018

 
       
   

LENZEN-SCHULTE, Martina (2018): Da hab ich was Eigenes.
Lebenslüge der Fünfzigjährigen: So vorbildlich, wie sie tun, sind Karrierefrauen oft gar nicht. Warum haben sie es sonst nötig, ihren Lebenslauf zu glätten?
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.05.

Martina LENZEN-SCHULTE prangert die Vereinbarkeitslüge an und fordert: Zuerst Mutter werden und dann Karriere machen, denn dann wäre auch der Mangel an Kinderbetreuungsplätzen kein Problem mehr. Das schreibt LENZEN-SCHULTE natürlich nicht so, sondern begründet dies mit der Erhöhung der Lebenserwartung und der Zunahme der Erwerbsarbeit bei den Älteren:

"Von 2014 ist die Lebenserwartung weltweit um sechs Jahre gestiegen, lange genug, um ein Kind bis zur Grundschulzeit komplett zu Hause zu betreuen und immer noch genauso lange zu arbeiten wie alle anderen - nur eben später."

Die kinderlosen Frauen werden angesichts dieser Argumentationslogik nun allesamt zu "ungewollt Kinderlosen", so wie sie vor zehn, fünfzehn Jahren allesamt "Kinderfreie" bzw. "gewollt Kinderlose" waren, denn:

"Sie wagen erst an Nachwuchs zu denken, wenn der Hauptkarrieresprung gemeistert ist. Nur (...) immer öfter verlieren sie diesen Wettlauf mit der Zeit; die Reproduktionsmedizin rettet die Sache meistens nicht. Mentoring-Angebote, Förderprogramme, Eizell-Konservierung und andere Versprechen machen mit manchen Frauen, was Taser im Schlachthof tun: Das Vieh ist eigentlich erschöpft, aber der Elektroschocker zwingt es die Rampe hoch.

Ähnlich diffamierend hat sich über die Reproduktionsmedizin nur die reaktionäre Schriftstellerin Sibylle LEWITSCHAROFF geäußert. Sie diffamierte jedoch nicht wie LENZEN-SCHULTE die berufstätigen "Rabenmütter", sondern die "Retortenkinder" selber.

Fazit: Es dürfte kein Zufall sein, dass der Artikel gerade jetzt erscheint, denn die Krise der Kinderbetreuung verschärft sich zusehens, auch aufgrund des geplanten Kita-Qualitätsgesetzes.

 
       
   

REITZER, Hannah (2018): Aufstand der Excel-Mamas.
Berlin war mal Kinderbetreuungsparadies, kostenlos und sogar rund um die Uhr. Jetzt fehlen auch hier die Kita-Plätze. Und die Mütter gehen demonstrieren,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.05.

"Einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft zufolge fehlten in ganz Deutschland etwa 300.000 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren. Berlin, wo sich die Situation gerade so zuspitzt, lag in der Studie mit einer Lücke von 11,9 Prozent noch im Mittelfeld. In fast allen westdeutschen Bundesländern ist die Lücke größer, am größten ist sie mit 20 Prozent in Bremen",

berichtet Hannah REITZER, die sich dabei auf einen IW-Kurzbericht vom Februar stützt. Da Deutschland den Geburtenanstieg der letzten Jahre verschlafen hat, wird sich dieses Problem noch verschärfen.

 
       
   

FABRICIUS, Michael (2018): Preis des Pendelns.
Die Mieten sind so hoch, dass sich Zweitwohnungen weniger und weitere Arbeitswege mehr lohnen,
in: Welt v. 23.05.

 
       
   

NUTT, Harry (2018): Der Spaß an der Macht.
Michael Angeles fahrige Biografie des FAZ-Herausgebers Frank Schirrmacher,
in: Frankfurter Rundschau v. 23.05.

Harry NUTT hält sich bei seiner Rezension der SCHIRRMACHER-Biografie an die Vorgaben seines Münchner Kollegen. NUTT stilisiert den 27. Juni 2000 zum programmatischen Ende

"des politischen Feuilletons, für das Schirrmacher überhaupt erst die publizistische Deutungshoheit beansprucht und durchgesetzt hatte. Dessen Stelle schien fortan ein von den modernen Wissenschaften angetriebenes Feuilleton einzunehmen, zu dem Schirrmacher mit seinem Buch »Das Methuslem-Komplott« über das dramatische Altern der Gesellschaft bald auch einen Sachbuch-Bestseller beisteuerte."

Solch verquere Argumentation ist typisch für das realitätsabgewandte Feuilleton. Die nationalkonservative Bevölkerungswissenschaft eines Herwig BIRG als moderne Wissenschaft zu bezeichnen, kann nur jemand behaupten, der den demografischen Wandel höchstens aus dem SCHIRRMACHER-Feuilleton kennt. BIRG konnte mit seinen antiquierten Methoden nur bei jenen punkten, die moderne Ansätze ignorierten, weil sie politisch nicht zum damaligen Zeitgeist passten. SCHIRRMACHER war nicht erfolgreich, weil er fortschrittliche wissenschaftliche Ansätze propagierte, sondern im Gegenteil: Er bediente lediglich den damaligen Zeitgeist seiner Kollegen.   

 
       
   

SPECHT, Frank/THELEN, Peter/WASCHINSKI, G. (2018): Geben und Nehmen bei den Sozialbeiträgen.
Arbeitslosenversicherung, Krankenkassen, Pflege: Union und SPD streiten über die Höhe der Entlastung für Bürger und Unternehmen - und planen derweil schon wieder neue Belastungen,
in: Handelsblatt v. 23.05.

Die Situation bei der Rentenversicherung wird nur knapp geschildert:

"Zum 1. Januar konnte der Beitragssatz um 0,1 Punkte auf 18,6 Prozent gesenkt werden - und dürfte auf diesem Niveau laut Prognosen der Deutschen Rentenversicherung bis 2022 verharren. Im darauffolgenden Jahr soll der Beitrag dann wieder auf 18,7 Prozent steigen, 2024 auf 19,8 Prozent. (...). Den Prognosen zufolge wird der Beitragssatz bis 2030 schrittweise auf 21,6 Prozent, bis 2040 auf 22,9 Prozent steigen."

Man sollte daran erinnern, dass noch im Rentenversicherungsbericht 2010 für 2022 ein Beitragssatz von 20,5 Prozent - also ein um 1,9 Prozent höherer Beitragssatz prognostiziert wurde. Für 2024 wurde gar ein um 2 Prozent höherer Beitragssatz angenommen.

Im Jahr 1978 - also vor 40 Jahren - wurde für das Jahr 2030 aufgrund des demografischen Wandels ein Beitragssatz von 28 Prozent - statt der jetzigen 21,6 Prozent - befürchtet. Und das, obwohl der damals berechnete Altenquotient für das Jahr 2030 bereits Anfang des Jahrtausends erreicht wurde!

 
       
   

MAIER, Anja (2018): Übelstände.
taz-Serie Abtreibung in Europa (2): Abtreibungen sind in Deutschland verboten, aber in der Regel straffrei. Grund dafür ist ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 28. Mai 1993. Schon in den Siebzigern forderte Willy Brandt ein Ende der Illegalität. 2018 hat sich diese Forderung noch immer nicht erfüllt,
in: TAZ v. 23.05.

 
       
   

Das Single-Dasein in Italien

FRANKFURTER RUNDSCHAU-Tagesthema: Botschaft aus Rom.
In Italien formiert sich eine Regierung, deren Protagonisten Europa in seiner jetzigen Form ablehnen. Stürzt das rechtspopulistische Bündnis den Kontinent in eine neue Krise?

KNUF, Thorsten (2018): Krise aus dem Süden.
Kommentar: Italien,
in: Frankfurter Rundschau v. 23.05.

 
       
   

22.05.2018

 
       
   

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG-Wirtschaftsthema: Tüfteln in Thüringen.
Wie Hochschulen und Forschungseinrichtungen die Start-up-Szene antreiben

WILKE, Felicitas (2018): Sturm und Drang zwischen Fachwerk.
SZ-Serie Gipfelstürmer (2): In Erfurt strömen nicht nur Touristen auf die Krämerbrücke - es entstehen auch innovative Unternehmen. Standortnachteile für die Gründerszene? Von wegen! Das Arbeiten in der Provinz hat einiges für sich,
in: Süddeutsche Zeitung v. 22.05.

Erfurter Skyline, Foto: Bernd Kittlaus 2018

"Die Landeshauptstadt Thüringens hat mehr als 200.000 Einwohner, doch die großen Unternehmen der Region sind woanders zu Hause: Jena macht sich als Optik- und Glasstandort weltweit einen Namen, in und um die kleine Stadt Sömmerda sitzen viele mittelständische Automobilzulieferer. Erfurt hingegen ist eher für seinen Dom oder das Fachwerkidyll auf der Krämerbrücke bekannt als für wirtschaftliche Innovationen",

behauptet Felicitas WILKE, natürlich nur, um das gleich zu widerlegen:

"Allein Erfurt hat eine Universität und eine Fachhochschule mit IT-Schwerpunkt, die Universitätsstädte Ilmenau, Weimar und Jena liegen weniger als eine Autostunde entfernt. Wert dort studiert, gründet später oft in Erfurt, der nächstgelegen Großstadt."

Und natürlich soll die neue ICE-Strecke Berlin - München der Großstadt einen Schub geben.

WILKE, Felicitas (2018): Auf der Suche nach Investoren.
SZ-Serie Gipfelstürmer (
2): Gründer brauchen Geldgeber - die aber haben eher Berlin im Blick,
in: Süddeutsche Zeitung v. 22.05.

 
       
   

KOPPETSCH, Cornelia (2018): Ordnung und Struktur.
Aussenansicht: Die AfD bündelt vielerlei Unmut. Sie ist keine vorübergehende Erscheindung, sondern ein Ausdruck des Zeitgeists,
in: Süddeutsche Zeitung v. 22.05.

Cornelia KOPPETSCH wirft soziale Bewegungen und Protestparteien in einen Topf, um dann die "rechtspopulistischen Protestbewegungen" zur Gegenbewegung zu 1968 zu stilisieren. Das aber übersieht, dass Unmut über die neoliberale Politik, die von KOPPETSCH mit dem Adjektiv "progressiv" geadelt wird, auch unter Linken existiert, die deswegen noch lange nicht zu den Rechtspopulisten überlaufen. Die Sogwirkung der AfD ist auch dem Versagen einer Linken zuzuschreiben, die zu einer grundlegenden Alternative nicht mehr in der Lage ist.   

 
       
   

PRZYBILLA, Steve (2018): Eine Maklerin für Obdachlose.
Eine Stadt in Norddeutschland hat eine Wohnungsvermittlerin eingestellt, die Menschen in schwierigen Lagen zu einer neuen Bleibe verhilft,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 22.05.

 
       
   

DPA (2018): Frisches Steuergeld für die Rente.
Heil: Erstes Paket noch vor dem Sommer,
in: Frankfurter Rundschau v. 22.05.

 
       
   

Das Single-Dasein in Norwegen

BOMSDORF, Clemens (2018): Reich wie die Norweger.
Was Privatanleger von der Strategie des staatlichen Ölfonds lernen können,
in: Frankfurter Rundschau v. 22.05.

Werbung für das Buch So werden Sie reich wie Norwegen des Autors, der behauptet, dass Privatanleger die gleichen Möglichkeiten wie Großinvestoren, z.B. der norwegische Staatsfonds hätten:

"was Norwegen das »schwarze Gold«, ist jedem die eigene Arbeitskraft: eine Möglichkeit, Geld zu verdienen und monatlich ein bisschen davon zu investieren."

Mehr als die üblichen banalen Tipps und Versprechungen hat der Artikel nicht zu bieten. Dass der hochgelobte norwegische Staatsfonds, der eigentlich zwei verschiedene Fonds umfasst, letztes Jahr seine Aktienquote erhöht hat und in letzter Zeit hohe Verluste einfuhr, das verrät uns Clemens BOMSDORF natürlich nicht

 
       
   

Das Single-Dasein in der Schweiz

SCHMID, Birgit (2018): Sind Männer die besseren Freunde?
NZZ-Serie Beste Freund: Einst beneideten Männer Frauen um deren beste Freundinnen. Seit auch Männer gerne über Gefühle reden, zeigen sie sich oft freundschaftsbegabter als Frauen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 22.05.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

ASCHWANDEN, Erich (2018): Streit um Ergänzungsleistungen für Vermögende.
National- und Ständerat sehen zwar beide Handlungsbedarf - sie verfolgen aber unterschiedliche Lösungsansätze,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 22.05.

Während Neoliberale ansonsten gerne die Umverteilung von oben nach unten anprangern, sehen sie im umgekehrten Fall das eher als Kavaliersdelikt an.

"Zwar springt die Sozialversicherung dort ein, wo AHV und IV-Renten zusammen mit dem Einkommen die minimalen Lebenskosten nicht decken. Doch anders als etwa bei der Sozialhilfe spielt es keine Rolle, wie viel Vermögen ein EL-Bezüger hat",

erklärt uns Erich ASCHWANDEN das Problem  Andreas DUMMERMUTH, Präsident der kantonalen Ausgleichkassen fordert deshalb eine Beschränkung der Ergänzungsleistungen (EL) auf Vermögende unter 100.000 Franken, wobei selbstgenutzte Immobilien außen vor bleiben. Joachim EDER, FDP-Mitglied und Präsident der Ständeratskommission ist dagegen. Nur falls in der Erbmasse des EL-Bezüger noch etwas vorhanden wäre, soll die Rückforderung von Steuergeldern beschränkt möglich sein.

FORSTER, Christof (2018): Keine Altersgrenze bei der IV.
Nach anfänglicher Offenheit spricht sich die Sozialkommission des Nationalrats nun gegen einen Paradigmenwechsel bei der IV aus. Psychisch kranke Menschen unter 30 Jahren sollen weiterhin eine IV-Rente erhalten,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 22.05.

 
       
   

Das Single-Dasein in Italien

BRAUN, Michael (2018): "Die Frauen müssen sich um vier Uhr früh anstellen".
taz-Serie Abtreibung in Europa (1): Seit 40 Jahren sind Schwangerschaftsabbrüche in Italien legal. Doch in manchen Gegenden verweigern bis zu 90 Prozent der Ärzte den Eingriff. Die Gynäkologin Silvana Agatone aus Rom erzählt, wie liberales Gesetzt und katholische Wirklichkeit aufeinanderprallen,
in:
TAZ v. 22.05.

BERSCHENS, Ruth u.a. (2018): Der italienische Patient.
Titelthema Die Italien-Krise: Die Pläne der neuen Regierung in Rom kosten Milliarden. Der Vizepräsident der Europäischen Kommission, Valdis Dombrovskis, mahnt Italien zur Haushaltsdisziplin,
in:
Handelsblatt v. 22.05.

KRIEGER, Regina & Jens MÜNRATH (2018): Angst vor dem Absturz.
Titelthema Die Italien-Krise: Hohe Verschuldung, schwaches Wachstum, politische Instabilität - die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone wird zur großen Gefahr für Europa. Die Pläne der möglichen neuen Koalition machen alles noch schlimmer,
in:
Handelsblatt v. 22.05.

"Das gerade erhöhte Renteneintrittsalter soll gesenkt werden, obwohl das Land die niedrigste Geburtenrate in Europa aufweist",

klagen KRIEGER & MÜNCHRATH. Die Geburtenrate in Italien lag 2016 und 2017 bei 1,34 Kindern pro Frau. 2016 war Italien zusammen mit Spanien EU-Schlusslicht bei der zusammengefassten Geburtenziffer.

MEILER, Oliver (2018): Die Populisten und der Technokrat.
SZ-Tagesthema Regierungsbildung in Italien: Die harte Rechte und die Protestbewegung wollen sich zusammentun - ein Experiment mit höchst ungewissem Ausgang. Schon auf einen Premier aus den eigenen Reihen konnten sie sich nicht verständigen, stattdessen soll es offenbar ein Kandidat von außen richten,
in: Süddeutsche Zeitung v. 22.05.

Oliver MEILER verteilt bereits die Regierungsämter: Premier wird der Rechtsprofessor Giuseppe CONTE, Matteo SALVINI Innenminister und Di MAIO Arbeits- und Industrieminister. 

 
       
   

20.05.2018

 
       
   

MÜLLER, Rainer (2018): Große Namen, große Bauten.
Hoffen auf den Bilbao-Effekt: Immer mehr Städte versprechen sich eine Aufwertung durch spektakuläre Gebäude bekannter Architekten. Funktioniert das, oder ist es nur teuer?
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 20.05.

"Seit der amerikanische Architekt Frank O. Gehry vor zwanzig Jahren in der nordspanischen Industriestadt Bilbao sein avantgardistisches Guggenheim-Museum errichtet hatte und die vom Niedergang gezeichnet Stadt wie Phönix aus der Asche stieg, wird oft vom Bilbao-Effekt gesprochen",

erklärt uns Reiner MÜLLER den Mythos, den Stadtmarketing und Medien in die Welt gesetzt haben. Nun sollte eine Studie der Uni München, Berlin und Hamburg klären, welchen Effekt eine solche Leuchtturmarchitektur überhaupt hat. Dazu wurden die Städte Wolfsburg (Phaeno), Graz (Kunsthaus) und Luzern (Kultur- und Kongresshaus) untersucht.

"Geht es um mediale Aufmerksamkeit? Das kann klappen - mit Abstrichen. (...). Laut Studie hat dieser mediale Effekt in allen drei untersuchten Fällen allerdings schnell wieder nachgelassen. Der Imageeffekt war nicht nachhaltig.
»Geht es den Kommunalpolitikern um Strukturwandel? Dann muss man sich klarmachen, dass Strukturkrisen kommen und gehen. Gebäude bleiben.«",

zitiert MÜLLER Studienergebnisse, die eher wenig ermutigend sind. Einen Effekt können solche Leuchtturmprojekte jedoch auf das jeweilige Viertel haben: es nützt den Gentrifizierungsbemühungen, wie am Beispiel Graz erläutert wird, führte das 2003 gebaute Kunsthaus (oder war es nicht eher die Ernennung zur europäischen Kulturhauptstadt mitsamt dem medialen Aufmerksamkeitsschub?) dazu, dass aus dem verrufenen Viertel Lend ein Trendviertel wurde.

MÜLLER glaubt nicht, dass die wenig ermutigenden Ergebnisse den Trend zur "Stararchitektur" stoppen kann. Inzwischen erreicht dieser Trend sogar schon die Dörfer - gefördert von profilierungssüchtigen Politikern in Bayern - und der FAZ!        

 
       
   

BUDRAS, Corinna (2018): Volles Rohr.
Sarna Röser hat ihre Kindheit zwischen Betonrohren verbracht. Jetzt ist sie Verbandschefin der Jungunternehmer. Und hat noch viel vor,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 20.05.

Corinna BUDRAS stellt die 30jährige Unternehmertochter Sarna RÖSER vor, die - salopp gesagt - derzeit den "FDP-Talentschuppen" der Jungen Unternehmer leitet:

"Lencke Steiner, zum Beispiel, Rösers Vorvorgängerin, hat sich damit für Höheres empfohlen: Sie hat es in den Vorstand der FDP geschafft und ist Vorsitzende der Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft."

 
       
   

19.05.2018

 
       
   

HOFFMANN, Catherine (2018): Dumm und nichts gelernt.
Samstagsessay: In Deutschland entscheidet noch immer die Herkunft über den Bildungserfolg. Kinder ohne ehrgeizige Eltern haben es schwer. Das ließe sich leicht ändern, wenn Politiker endlich auf die Wissenschaft hören würde,
in: Süddeutsche Zeitung v. 19.05.

Catherine HOFFMANN erzählt uns wie schon zuvor die ZEIT und ND Mythen zum Bildungsaufstieg in Deutschland, wobei HOFFMANN - im Gegensatz zu den vorgenannten Artikeln - zumindest auch die Zusammenhänge zwischen Bildungsniveau und Berufserfolg herstellt:

"Mit einem besseren Bildungsabschluss sinkt die Arbeitslosigkeit und steigt das Einkommen. Von hundert Menschen ohne Berufsabschluss sind hierzulande 20 arbeitslos, von hundert Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung dagegen nur fünf, mit Hochschulabschluss sogar nur zwei."

Was dabei auffällt: Im Gegensatz zu den Bildungschancen, wird bei den Berufsaussichten nicht zwischen Akademiker-Kindern und Nichtakademiker-Kindern getrennt. Warum aber sollten die Chancen im Arbeitsleben weniger ungleich verteilt sein als im Bildungswesen? Das Grundproblem liegt wohl auch an der Wissenschaft, bei der jede Disziplin ihre eigenen Forschungstraditionen pflegt, statt gesellschaftlich relevante Fakten zu produzieren.

"Von hundert Kindern mit mindestens einem studierten Elternteil beginnen 74 ein Studium, von denen wiederum 63 einen Bachelor machen, 45 noch einen Master dranhängen und schließlich zehn promovieren. Von hundert Kindern, deren Eltern keine Hochschule besucht haben, beginnen nur 21 ein Studium, schaffen nur 15 einen Bachelor, machen nur acht bis zum Master weiter - und nur eine einzige Person erlangt einen Doktortitel",

erzählt uns HOFFMANN ihre Version des Bildungstrichters.HOFFMANN plädiert für frühkindliche Bildung, weshalb ihr Bildungstrichter also auch die Selektionsstufen von Kita- und Kindergarten umfassen müsste. Der Bildungstrichter, den HOFFMANN zitiert, beginnt jedoch erst mit der Grundschule!

Bildungspolitik sei die bessere Sozialpolitik, zitiert HOFFMANN den neoliberalen Bildungsökonom Ludger WÖßMANN. Damit werden jenen Generationen, die bereits das Bildungssystem hinter sich gelassen haben und auf Transferzahlungen aufgrund des Politikversagens der Vergangenheit angewiesen sind, gegen die Generationen ausgespielt, die noch die Bildungskarriere vor sich haben bzw. durchlaufen.

Am Ende kommt es dann doch noch zum Einbruch der Realität in die ideale Bildungswelt der Neoliberalen:

"Wenn die Mittel (...) gezielt für Kinder von Hartz-IV-Empfängern oder Flüchtlingsfamilien genutzt werden, damit auch sie Anschluss finden, dann ist das Bildungsbürgertum womöglich nicht mehr so begeistert",

erklärt HOFFMANN im Hinblick auf die Interessen ihres eigenen Milieus. Am Schluss soll diese "Bildungspanik" (Heinz BUDE) mit der These von einer Win-Win-Situation entkräftigt werden:

"Von einer besseren Bildung jedes Einzelnen profitiert die gesamte Gesellschaft nicht zuletzt durch geringere Ausgaben für Sozialleistungen und zusätzliche Steuereinnahmen."

Doch dieses neoliberale Mantra hat längst an Glaubwürdigkeit verloren. Beim konservativen Bildungsbürgertum heißt die Devise schon immer: Das Elternhaus ist für die Erziehung zuständig und nicht die staatliche Schule, weshalb Inklusion vehement bekämpft wird. Eine Strategie ist es deshalb, die eigenen Kinder auf Privatschulen zu schicken und die staatlichen Schulen auszutrocknen.     

 
       
   

SCHARNIGG, Max (2018): Am Ende der Leiter.
Kinder, ihr sollt es mal besser haben! Dieses Versprechen konnte früher jede Generation an die nächste geben. Heute tut sich die Mittelschicht damit schwer,
in: Süddeutsche Zeitung v. 19.05.

Max SCHARNIGG, Jahrgang 1980, jammert uns die Ohren voll mit seiner angeblich verlorenen Generation, die keineswegs so verloren ist:

"Nein, die Generation der von 1975 an Geborenen wird (...) nicht gleich aus der Mittelschicht absteigen. Sie kann sich ernähren und in Urlaub fahren. Aber was den Aufstieg in die nächste Klasse angeht, ist sie kollektiv versetzungsgefährdet. (...). Das heißt (...) (sie) werden (...) nicht unbedingt (...) den Übertritt ins gehobene Bürgertum schaffen."

Tatsächlich ist SCHARNIGGs Generation keineswegs die erste verlorene Generation, sondern reiht sich nach den Babyboomern bzw. der 78er-Generation ein:

"Man kann (...) zur Kenntnis nehmen, dass sich die Arbeitswelt (...) komplett gewandelt hat. Es gibt sogar Termine dafür, den 26. April 1985 zum Beispiel. Damals unterschrieben Helmut Kohl und Norbert Blüm das Beschäftigungsförderungsgesetz."

1985, da waren 1975 Geborene gerade einmal 10 Jahre alt, denn das Gesetz richtete sich gegen die Babyboomer, die den damaligen Arbeitsmarkt überschwemmten und Bücher über die Nutzlosigkeit des Erwachsenenwerdens verfassten. Danach kamen die Babybuster der Generation Golf, die erst davon träumten alle Millionäre zu werden, bevor die Dotcomblase platzte und ihre medial gut vernetzte Elite zu Wutbürger wurden und sich zur verlorenen Generation stilisierte.

Nun also kommen die Millennials daher und wollen auch wieder eine verlorene Generation sein. Aber dieses Klischee hat sich längst verbraucht, weshalb SCHARNIGG am Ende auch vom Generationenkonflikt gar nichts wissen will, vielmehr bettelt er darum, dass die Alten die Milliennials mit einem stattlichen Erbe bedenken.

Fazit: Erbengeneration statt Generationenkonflikt ist das Anliegen der privilegierten Generation Scharnigg.

 
       
   

ROTHHAAS, Julia (2018): Land in Sicht.
Viele Orte in Deutschland kämpfen gegen Abwanderung. Ein Bürgermeister im Westerwald will nicht zusehen, wie seine Heimat verödet. Deshalb holt er die Menschen ins Dorf zurück,
in: Süddeutsche Zeitung v. 19.05.

Julia ROTHHAAS berichtet über die Verbandsgemeinde Wallmerod im Westerwald und ihren umtriebigen CDU-Bürgermeister:

"Vor 14 Jahren zählt er mit seinen Kollegen alle leer stehenden Häuser, unbebaute Grundstücke, aber auch Gebäude, in denen Menschen über 70 wohnen. Potenzieller Leerstand also. (...).
Er ist bereits in zweiter Amtszeit Verbandsbürgermeister von Wallmerod, einem Zusammenschluss von 21 Orten mit insgesamt knapp 15.000 Menschen. (...). Der kleinste Ort hier hat 120 Einwohner, der größte 2.100, alle mit eigenem Haushalt, Zuständigkeiten und Bürgermeister.
Wallmerod, Sitz der Verwaltungsgemeinde, war in den Sechszigerjahren ein begehrter Kurort, die Zechen im Ruhrgebiet schickten ihre Arbeiter wochenweise zum Luftschnappen. Es gab drei Bäcker, zwei Metzger, sieben Gaststätten, drei Schuhgeschäfte und zwei Schuster (...). Davon ist fast nichts mehr übrig. (...).
300 Projekte haben sie im Rahmen der Initiative »Leben im Dorf« gefördert, sprich: 300 Grundstücke in den Ortskernen wiederbelebt. Etwa 80 Familien sind dafür von außen in die Gemeinden gezogen, ansonsten ist der Bevölkerungsstand etwa gleich geblieben."

Wallmerod wird als Vorzeigegemeinde gepriesen, die junge Familien fördert. Doch die Schattenseiten dieser Einöde bleiben:

"Der Leerstand mag weniger geworden sein, öde ist es trotzdem. (...). Die Orte haben weder Kern noch Marktplatz, deswegen trifft man sich nicht einfach zufällig. (...). Die Heimat ist überschaubar, sie umspannt den Karnevalsverein, die Kirche, den Sportplatz - und das Eigenheim. Muss reichen."

Die Eigenheimbaugebiete der 1970er Jahre gelten inzwischen als Problem vieler wachstumsschwacher Gemeinden. Der CDU-Bürgermeister setzt nicht auf Kindergärten, sondern auf altersgerechtes Wohnen, obwohl die ICE-Bahnhöfe in Limburg an der Lahn und Montabaur nicht weit weg sind.

Fazit: In Deutschland herrscht immer noch die Fixierung aufs Aussterben vor, weshalb der Geburtenanstieg und seine Herausforderungen verschlafen werden. 

 
       
   

TREPSDORF, Daniel K. W. (2018): Das Gold einer demokratischen Gesellschaft.
Weshalb wir Mecklenburg-Vorpommern als Modellregion des völkischen Rechtsextremismus wie auch als überidealisiertes Urlaubsland missverstehen,
in: Neues Deutschland v. 19.05.

"Dort, wo der demokratische Rechts- und Sozialstaat sich zurückzieht, wo Investitionen in Infrastruktur und Daseinsvorsorge von der öffentlichen Hand nicht mehr in ausreichendem Maße getätigt werden, wo Menschen lediglich als »Kostenfaktoren« und »Humankapital« gemäß ihrer Nützlichkeit klassifiziert werden, da wittern seit geraumer Zeit alte und neue Rechtsextremisten Morgenluft",

erklärt uns Daniel K. W. TREPSDORF. Als Lösung wird "Democracy Mainstreaming" propagiert. Eine typisch linksliberale Wortschöpfung, die durch Anklänge an neoliberale Politiken wie "Gender Mainstreaming" nicht gerade zur Vertrauensbildung in der Bevölkerung beiträgt, sondern das Problem der Linken und generell der Mitte auf den Punkt bringt: Man möchte die Demografisierung gesellschaftlicher Probleme nicht grundlegend angehen, sondern betreibt reaktive Politikrhetorik. Das fatale Signal einer solchen Argumentation: Wir tun nur etwas, weil die AfD uns dazu nötigt, nicht weil die neoliberale Politik falsch ist. Eine solch dämliche Politikrhetorik stärkt nur die AfD!       

 
       
   

SMOLKA, Klaus Max (2018): Pflege und Kliniken als Goldgrube.
Wieder steht ein Pflegedienstleister zum Verkauf. Die Preise für solche Unternehmen sind enorm, wie eine gerade vereinbarte Transaktion zeigt. Das erregt Aufsehen unter Investoren,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.05.

 
       
   

NARAT, Ingo & Daniel SCHÄFER (2018): "Das ist hier kein Kai-Diekmann-Fonds".
Martha Böckenfeld und Katharina Schüller: Die Ex-Bankerin und die Expetin für künstliche Intelligenz sprechen darüber, wie sie mit dem vom einstigen "Bild"-Chef mitinitiierten Zukunftsfonds die deutschen Sparer locken wollen, welche Rolle Big Data spielt und warum prominente Namen kein Erfolgsgarant sind,
in: Handelsblatt v. 19.05.

Ein neuer Promi-Fonds, der mit geballter Medienmacht lanciert wird, soll sicherheitsorientierte Sparer in einen Fonds locken. Wiederholt sich hier, was mit der Volksaktie und einem prominenten Schauspieler als Fiasko für die Aktienkultur in Deutschland endete?

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

HEHLI, Simon (2018): Die FDP ist das Zünglein an der Waage.
Die Verknüpfung von Steuerreform und AHV wird von links und rechts kritisiert, hat aber intakte Chancen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 19.05.

SCHOECHLI, Hansueli (2018): Kuhhandel bringt Stimmbürger in Zwangslage.
Das Paket, das die Steuervorlage mit der AHV-Reform verkuppelt, ist verfassungsrechtlich fragwürdig,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 19.05.

FORSTER, Christof (2018): Sanierung der 2. Säule wird noch schwieriger.
Nach der gescheiterten Rentenreform versuchen die Sozialpartner die zweite Säule an die Realitäten anzupassen. Der AHV-Vorschlag der Ständeratskommission verkleinert den Spielraum dafür,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 19.05.

 
       
 

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Zu den News vom 15. - 18. Mai 2018
 

       
   
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Bernds@single-dasein.de Stand: 31. Mai 2018