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Medienrundschau:
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News vom 16.
bis 30. Juni 2001
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- WI
(2001): Singles haben mehr Platz als Haushalte
mit Kindern,
in:
Berliner Zeitung v. 30.06.
- Kommentar:
Während "die
durchschnittliche Mietwohnungsgröße von
Singles und kinderlosen Paaren in
Westdeutschland zwischen 1972 und 1998 um
28 Prozent von 52 auf 66,5 Quadratmeter
zulegte, verbesserte sich die
Durchschnittsgröße bei Haushalten mit
Kindern nur um 16 Prozent von 75 auf 86,9
Quadratmeter", wird gemeldet.
Was soll der Leser
mit einer solchen Meldung anfangen?
Familien sind benachteiligt ist die
offensichtliche Behauptung! Schauen wir
uns die Nachricht deshalb genauer an.
Es geht erstens nur
um die Mietwohnungen, d.h. der
Wohnflächenzuwachs bei
Eigentumswohnungen und Eigenheimen bleibt
ausgeklammert. "Familien"
wohnen aber in höherem Masse in
Eigentumswohnungen oder Eigenheimen als
"Singles". Daraus kann
geschlossen werden, dass die
wohlhabenderen Familien und damit ein
Grossteil des Wohnflächenzuwachses von
Familien einfach weggefallen ist.
Zweitens wird nichts
über das Alter der Mieter gesagt. Es
wird also der Familienzyklus ignoriert.
Nach dem Auszug der Kinder aus der
elterlichen Wohnung bleibt ein Paar
zurück und hat dadurch mehr Wohnraum.
Stirbt der eine Partner, dann zieht eine
ältere Witwe selten gleich in eine
kleinere Wohnung. Wenn sie es sich
finanziell leisten kann, dann behält sie
die Paarwohnung sogar ihr ganzes Leben
bei. Die Wohnraumverschwendung ist also
in erster Linie die Folge des modernen
Familienzyklus.
Mit der Meldung
sollen egoistische Singles gegen
benachteiligte Familien ausgespielt
werden. Dies ist nur deshalb möglich,
weil beide Lebensformen als einander
ausschliessende Lebensformen dargestellt
werden, aber nicht als Lebensphasen im
Lebenslauf.
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- BRONFEN,
Elisabeth (2001): Von der Geschichte gelöst.
Schluss mit dem deutschen
Müttermythos,
in: Süddeutsche Zeitung v.
30.06.
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- SEEßLEN,
Georg (2001): Fremd ist der Fremde auch nicht in
der Fremde.
Wer
heute von einer Urlaubsreise zurückkommt, hat
manchmal etwas zu erzählen. Nur zuhören will
niemand. Denn entweder waren die Nachbarn selbst
schon mal da, oder sie kennen alles Sehenswerte
aus dem TV. Ein Rückblick auf die bürgerliche
Reise,
in: Tagesspiegel
v. 30.06.
- Kommentar:
Der Untergang der
bürgerlichen Familie am Beispiel des
Reisens, wird uns von SEEßLER geboten:
"Zu den Katastrophen in einem
bürgerlichen Leben gehört der
'getrennte Urlaub'. Er läutet die
große, vielleicht letzte Krise des
Paares ein, er macht schmerzhaft bewusst,
dass die Kinder das Haus verlassen
werden. Logisch, dass jede Krise der
Familie auch zu einer Krise der
Urlaubsreise führt. So wird daher von
der Anbieterseite das Zentrum, der
Familienurlaub, vom Rand her aufgerollt.
Das Angebot wird aufgefächert, ohne das
Zentrum mythisch in Frage zu stellen. Die
'Single-Reisen' versprechen die
Möglichkeit einer Paarbildung, bei der
Gruppe in der Abenteuerreise schwärmt
jeder glückliche Beteiligte davon, wie
sehr man einander, irgendwo im Busch,
'zur Familie' geworden ist. Sogar der
Individualtourist, der die
Massentouristen in den Betonburgen
verachtet, ist erst richtig glücklich,
wenn er anderen Individualtouristen
trifft. Wenn drei, vier, viele
Individualtouristen zusammenkommen (und
das tun sie immer), machen sie sich
merkwürdigerweise kaum Gedanken
darüber, dass sie nun nicht mehr ganz so
individualtouristisch, sondern nur
unerträglich sind.
Und auch für die Familie gibt es neue
Möglichkeiten. Die Familie bricht im
Urlaub nicht katastrophisch auseinander,
weil das Ferienparadies bereits eine
Inszenierung des Auseinanderbrechens
anbietet: Im Club Mediterrané und seinen
vielen Nachkömmlingen werden durch die
besonderen Angebote die Kinder den
Eltern, die Eltern einander 'abgenommen'.
Ein perfekter Mythos: die Familie, die
zugleich gemeinsam und getrennt Urlaub
macht."
Wer die Individualisierung der Familie
und das Alleinreisen nicht mit dem
Untergang des Abendlandes verwechselt,
der findet bei Single-dasein.de Infos zum
Alleinreisen.
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- PLATEN,
Heide (2001): Erste Messe für Fische ohne
Fahrrad.
Die
SingleWorld in Wiesbaden macht als weltweit erste
Messe für Single-Produkte vor allem fit für die
Partnersuche. Die Zahl der Einpersonenhaushalte
hat sich seit 1957 verdreifacht. Den größten
Anteil daran haben die über 55-Jährigen
in: TAZ
v. 30.06.
- Kommentar:
Der Präsident des
Statistischen Bundesamtes weist auf die
sehr grossen Einkommensunterschiede bei
den Alleinlebenden hin, aber im Artikel
wird nur das Durchschnittseinkommen
genannt. Ein Widerspruch, der typisch
für die Berichterstattung über Singles
ist.
Alleinerziehende
gehören statistisch gesehen nicht zu den
Alleinlebenden, denn diese werden durch
ihr Kind sozusagen geadelt.
Als Non-Plus-Ultra
wird die Einpersonenkochplatte mit
Keramikfeld und Henkeln angepriesen,
denn: "wer immer allein isst,
braucht auch nur einen Topf". Wo
steht aber geschrieben, dass
Alleinlebende auch Alleinesser sein
müssen? Die Behauptung, dass der Single
"ein der Marktforschung längst
bekanntes Wesen" ist, dürfte eher
Wunsch als Wirklichkeit sein...
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- HOHMANN,
Angela (2001): Die Revolte als Pose.
Die
bürgerliche Protestkultur ist im
postideologischen Zeitalter endlich bei sich
selbst angekommen. Als bourgeoise Boheme
kultiviert sie einen Lebensstil, der höfischen
Gepflogenheiten immer näher kommt. Aus
langhaarigen Establishmentgegnern sind
Konservative in Jeans geworden, die Mainstream
und Subkultur zu einer geschmeidigen Allianz
verbinden. Ein Auf- und Abgesang auf den modernen
Weltbürger,
in: TAZ
v. 30.06.
- Kommentar:
HOHMANN beschreibt
die bundesrepublikanische Situation
folgendermassen: "Es knistert
allerorten im Gebälk, und fröhlich
spielt man jenen Konsens, der noch gar
nicht erzielt ist. Denn wer dazugehört
und wer die Deutungskompetenz für die
neue Ordnung erhält, wird gerade
entschieden: über die Generationendebatte und die
leichtfertige Rede von Gewinnern und
Verlierern." Die Revolte ist mit den
"Bobos" (David
BROOKS) zur Pose geworden,
wer aber dazu gehört und wer nicht, das
kann sich von Tag zu Tag ändern. Die
Angst vor dem Karriereknick, gehört
deshalb genauso zur neuen Elite, wie
deren Vorstellungen vom guten Leben.
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- ADAM,
Konrad (2001): Die neue Familien-SPD.
Partei
wagt es wieder, von der "Kernfamilie"
zu sprechen,
in: Welt v. 30.06.
- Inhalt:
ADAM begrüsst die
Abkehr von einer Familienpolitik, die
sich an den Alleinerziehenden orientiert.
- BRUNS,
Tissy (2001): Die SPD erinnert sich an die
Familie - und an Frau Schmidt.
Neuorientierung
gilt "fast als Revolution",
in: Welt v. 30.06.
- Kommentar:
BRUNS beschreibt die
Familienpolitik der SPD, die sich an den
Familien der Neuen Mitte orientiert. Das
neue Feindbild der SPD ist die gewollt
kinderlose Einverdienerehe. Damit soll
der Abbau des Ehegattensplittings
gerechtfertigt werden. Die gewollt
kinderlose Einverdienerehe ist nicht
gerade ein weitverbreitetes Modell, passt
aber argumentativ zur Ausrichtung der
Familienpolitik auf die Doppelverdiener
und Doppel-Karriere-Paare der Neuen
MItte.
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- BELZ,
Christopher (2001): Kochtopf und Kontaktbörse.
"Single-World" in Wiesbaden: kurioses
Angebot für Alleinlebende,
in: Allgemeine Zeitung Wiesbaden v. 29.06.
- Inhalt:
BELZ beschreibt das
Angebot und fasst seine Eindrücke
folgendermassen zusammen: "Irgendwie
erinnert die 'Single-Word' an eine
Mischung aus 'Hafa', Fitness- und
Esoterikmesse.
Dazwischen gibt es aber auch Angebote,
die tatsächlich speziell auf Singles
zugeschnitten sind. Die meisten davon
wenden sich jedoch an die, die ihr
Single-Dasein satt haben."
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- GERMIS,
Carsten (2001): Umverteilung für die Kinder.
Die
SPD braucht Geld zur Familienförderung - und
will deshalb das Ehegatten-Splitting abschaffen,
in: Tagesspiegel
v. 29.06.
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- RAMMELT,
Renate (2001): Und was war unsere Mission?
Lebenswege
von Frauen in Ost und West. Kinder als
kalkuliertes Abenteuer oder als Vorzeigeobjekt
für die angestrebte Karriere,
in: Freitag Nr.27 v. 29.06.
- Kommentar:
Mütter der
Single-Generation und eine kinderlose
Vorzeige-Frau aus Ost und West parlieren
über Muttersein.
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- KULKE,
Uli (2001): Wer liebt , wählt aus.
Auch
Paarbildung ist Selektion - tun wir nicht so, als
wäre sie erst mit der Gentechnik in die Welt
gekommen,
in: Welt v. 29.06.
- Kommentar:
KULKE argumentiert
biologistisch: "Das Design des
Wunschnachkommens ist, zumindest
unbewusst, aber auch willentlich, das
Movens der Partnerwahl - der
Partnerauslese im evolutionären Prozess
der Menschheit." Die Gentechnik
möchte KULKE einsetzen, um den ansonsten
"Übriggebliebenen" grössere
Chancen am "Reproduktions- und
Attraktionszirkus" zu ermöglichen.
Bei KULKE existiert keine Kultur als
eigenständige Instanz zwischen
"genetischem Wert" und
Paarbildung. Der einzige Sinn des Lebens
ist für KULKE die eigene Fortpflanzung. Andreas
HEJJ hat sich dagegen
Gedanken gemacht, warum der kinderlose
Single keine evolutionäre
Fehlentwicklung ist. Auch bei HEJJ geht
es nur um die Fortpflanzung, aber es geht
dabei nicht nur um die eigene, sondern um
den Reproduktionserfolg der
Verwandtschaft.
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- SCHULTE,
Bettina (2001): Heirat nicht ausgeschlossen.
Die
Sache ist ernst geworden:
"Liebesordnungen" - das aktuelle
"Kursbuch" zu einem ewig neuen Thema,
in: BADISCHE ZEITUNG v.
28.06.
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FRANKFURTER
ALLGEMEINE ZEITUNG.Net-Spezial: Single
- JURZIG,
Katrin (2001): Auf der Single-Messe
findet jeder Fisch ein Fahrrad,
in: FAZ.Net v.
28.06.
- Kommentar:
JURZIG
beschreibt hier die Singles als
Wunschbild der Organisatoren:
"Die Organisatoren haben
eine ganz besondere Spezies im
Visier: nicht den deprimierten
Single, womöglich mit
Frust-Pölsterchen um die Hüfte,
sondern ein neues
Phantasieprodukt der
Trendforschung, den Alpha-Single.
Der ist nach Meinung der
Marketing-Gurus ehrgeizig, legt
Wert auf Attraktivität, hält
sich fit, ist kommunikativ und
auch allein glücklich. Diesen
'neuen' Typus des Partnerlosen
will man aus Umfragen
herausgefiltert haben."
Die
Industrie scheint dem Single
nicht recht über den Weg zu
trauen, während der Hauptverband
des Einzelhandels den "Yuppie"
im Auge hat.
JURZIG
selbst ist da eher skeptisch und
weist - was bei Journalisten eine
rühmliche Ausnahme ist - auf die
Spaltung bei den Einkommen bei
den Alleinlebenden hin:
"Nach Informationen des
Statistischen Landesamts
verdienen 40 Prozent der
weiblichen Singles monatlich
netto weniger als 1.800 Mark, nur
acht Prozent der männlichen
Singles verdienen mehr als 5.000
Mark."
- JURZIG,
Katrin (2001): Single-Messe bietet nichts
Neues,
in: FAZ.Net v. 28.06.
- Kommentar:
"'Wir
haben eigentlich keine bestimmte
Zielgruppe, aber dazu gehören
auf jeden Fall Singles.' Das war
die Standardantwort der
Aussteller auf die Frage, warum
sie ihre Produkte und
Dienstleistungen auf einer Messe
für Singles anbieten.
Und damit brachten sie das
Problem auf den Punkt. Auf der
ersten deutschen Messe für
Singles, die am Donnerstag in
Wiesbaden eröffnete, wird
allerlei feilgeboten, doch
vielfach lässt sich der Nutzen
für einen Single nur
einfallsreich konstruieren."
Dies deckt
sich erstaunlich gut mit meiner
Einschätzung (siehe meinen Kommentar
zum Artikel im Wiesbadener Kurier
vom 26.06.2001)
- JURZIG,
Katrin (2001): Der Single - Dichtung und
Wahrheit.
Beim Thema Single
liegen Dichtung und Wahrheit eng
zusammen,
in: FAZ.Net v.
28.06.
- Kommentar:
Für einen
Pressebericht eine erstaunlich
differenzierte Analyse des
Single-Daseins. Man könnte
denken, die Autorin hat sich
heimlich bei single-dasein.de
informiert. "Yetties"
und "Nerds"
werden als typische
Single-Klischees genannt.
JURZIG
bezieht sich wie die WIRTSCHAFTSWOCHE
(26.06.2001)
auf den Soziologen HRADIL und
seine Studie
"Die
Single-Gesellschaft".
Sie zitiert jedoch nicht dessen
weite, statistische Definition,
sondern die enge Definition, in
die auch Motive des Alleinlebens
einfliessen: "Single, der
alleine in einem
Ein-Personen-Haushalt lebt, 25
bis 55 Jahre alt ist, keinen
festen Partner haben will und das
für längere Zeit". In
dieser Definition treffen sich
das "Yuppie"- und das
"swinging
Single"-Stereotyp. Mit
geschätzten 3 % der Bevölkerung
ist diese Zielgruppe für die
Wirtschaft natürlich ziemlich
irrelevant, weswegen die
Zurückhaltung nur verständlich
ist. Kein Potenzial also für
einen Megaboom.
Die Werbung
ist deshalb auf den
weitverbreiteten Single auf Zeit
fixiert. JURZIG führt Boris
BECKER als einen solchen Prototyp
an, was aber wohl eher als eine
Art Auslaufmodell verstanden
werden muss.
"Die
statistische Erhebung -
Mikrozensus genannt - gibt
Auskunft darüber, dass es im
Jahr 2000 über 3,8 Millionen
Haushalte gab, in denen nur ein
Mensch ohne oder mit Kindern
wohnte." Hier ist zumindest
ein Druckfehler vorhanden, denn
in Deutschland gibt es ca. 13,8
Millionen Einpersonenhaushalte.
Die Haushalte der
Alleinerziehenden gehören jedoch
nicht dazu, aber Mensch mit Kind
stimmt letztlich irgendwie doch,
denn in den Einpersonenhaushalten
leben auch Menschen, deren Kinder
nicht zum gleichen Haushalt
gehören bzw. nicht permanent im
Haushalt leben, d.h. zumindest
nicht am Stichtag des
Mikrozensus. Das mag mancher
vielleicht als Haarspalterei
ansehen, ist es aber keineswegs,
wenn man bedenkt wie sehr die
Verteilungspolitiker gerade die
angebliche Kinderlosigkeit der
Alleinlebenden in den Mittelpunkt
einer Anti-Singlekampagne
stellen.
JURZIG weist
auf die heterogenen
Einkommensverhältnisse der
Singles hin, was nicht oft genug
erwähnt werden kann, da es hier
in der Bevölkerung ziemlich
absurde Vorstellungen zu geben
scheint. Single und Sozialhilfe,
das passt nicht so recht in das
Klischee vom Yuppie.
JURZIG
stellt zum Abschluss die
berechtigte Frage, ob der
"Alpha"-Single (anderer
Ausdruck für stilbildende
Leitfigur, hier speziell der
Singles) nicht eher ein
Wunschbild der Messeveranstalter
ist.
- JURZIG,
Katrin (2001): Die Single-Gesellschaft.
"Ein Single
braucht gute Freunde",
in: FAZ.Net v.
27.06.
- Kommentar:
Interview
mit der Psychologin Gisela
STEINECKE. Hier werden leider die
üblichen Vorurteile zu Singles
verbreitet.
Psychologen
haben aufgrund ihres Berufes
natürlich vor allem Einblick in
die negativen Seiten des
Single-Daseins. Aber alles was
hier den Singles zugeschrieben
wird, könnte man genauso gut bei
Vätern und Müttern finden.
Immer wieder
wird auch die Tatsache, dass
Singles zur Erwerbsarbeit quasi
verdammt sind, mit
Karrieristentum gleichgesetzt.
Tatsache ist jedoch, dass
verheiratete Männer beruflich
erfolgreicher sind als männliche
Singles. Wenn also männlichen
Singles - was nicht bewiesen ist
- Ellenbogen-Mentalität
zugeschrieben wird, dann könnte
dies auch mit der Diskriminierung
von männlichen Singles in der
Wirtschaft zusammenhängen.
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- THOLL, Gregor
(dpa)(2001): Kreditkarten, Reisen und
Tütensuppen im Angebot
in: Offenbach Post v. 28.06.
- Kommentar:
THOLL berichtet
erstaunlich differenziert über
Alleinlebende, was man in heutigen Zeiten
gar nicht hoch genug bewerten kann. Er
geht auf die typischen Klischees über
Singles ein und verweist auf die
mangelhafte Datenlage.
Die
Lebensstil-Definition des
Freizeit-Papstes Horst OPASCHOWSKI
konfrontiert er mit der statistischen
Definition
"Einpersonenhaushalt", um die
Probleme beider Definitionen sichtbar zu
machen:
"Das
Statistische Bundesamt bezeichnet
'Personen, die für sich alleine in einem
Haushalt leben und wirtschaften' seit
einigen Jahren generell als Singles. Auch
in sozialpolitischen Debatten werden alle
Alleinlebenden gerne als Singles
bezeichnet und mit einem bestimmten
Lebensstil in Verbindung gebracht. Doch
gilt Opaschowskis Definition für alle
Alleinlebenden? Eher nein: Nicht alle
Ein-Personen-Haushalte passen ins
Klischee, denn zu den Alleinlebenden
gehören auch Paare mit getrennten
Wohnungen, Geschiedene, deren Kinder im
Haushalt des ehemaligen Partners leben,
oder auch ältere Witwen und Witwer.
Umgekehrt leben viele der
"Klischee-Singles" noch bei den
Eltern oder in Wohngemeinschaften."
THOLL erwähnt sogar
die Nesthocker, die so gut wie nie mit
dem Single-Dasein in Verbindung gebracht
werden, weil Nesthocker wenigstens noch
so sozial sind, dass sie aus dem
Elternhaus das "Hotel Mama"
machen. Für Familienpolitiker ist das
immer noch besser als jeder asozial
lebende Single, auch wenn er täglich
seinen Vater pflegt, der in der gleichen
Stadt wohnt.
Ob jedoch die
Einschätzung von THOLL stimmt, dass die
Veranstalter eher auf den überzeugten
Langzeit-Single und weniger auf den
Single auf Zeit abzielen, das erscheint
fraglich. Diese Gruppe ist für die
Wirtschaft aufgrund ihres geringen
Verbreitungsgrades unattraktiv.
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- TIB
(2001): Leitantrag: SPD entdeckt die Kernfamilie.
Die
klassische Kernfamilie - erwachsenes Paar mit
leiblichen Kindern - "erweist sich
beständiger als vermutet",
in: Welt
v. 28.06.
- Kommentar:
"Es wird eine
erkennbare Spaltung der Gesellschaft in
einen Familien-
und Nichtfamiliensektor
konstatiert", mit diesem Satz ist
die Kontroverse "Familien versus
Singles" sozusagen vorprogrammiert.
Die SPD sagt damit den Singles den Kampf
an.
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- FTHENAKIS,
Wassilios E. (2001): Mehr als (nur) ein Kind.
Viele
Kinder bleiben einzeln, obwohl deren Eltern eins
Geschwister wollten. Wo Politik ansetzen muss, um
Familien das Verwirklichen von Kinderwünschen zu
erleichtern,
in: Welt
v. 28.06.
- Kommentar:
FTHENAKIS
konstruiert einen Zusammenhang, der so
nicht stimmt: "bekanntermaßen
stehen die ökonomische Situation der
Familie und die Geburtenrate in negativem
Zusammenhang zueinander: Studien belegen,
dass Familien mit niedrigerem Einkommen
mehr Kinder haben und Männer und Frauen
mit hohem Einkommen überproportional
hoch repräsentiert sind bei den
Kinderlosen." Die Oberschicht ist
weniger von der Kinderlosigkeit betroffen
als spezifische Mittelschichtmilieus.
Eine Wohlstandstheorie der
Kinderlosigkeit ist deshalb nicht
haltbar. Ausserdem wird gleichwohl eine
hohe Kinderlosigkeit und eine hohe Zahl
von Einkindfamilien behauptet. Dies ist
eine Folge des verkürzten
Familienbegriffs, der Familie mit
Haushaltsfamilie gleichsetzt. Wenn das
ältere Kind in einer Einliegerwohnung im
gleichen Haus wohnt, dann ist das
jüngere Kind statistisch geschwisterlos.
Wenn FTHENAKIS fordert, dass der
Lebenslauf und die Lebensplanung von
Familien stärker berücksichtigt werden
müssen, dann gilt das für alle
Lebensformen und nicht nur für Familien.
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- FISCHER,
Frauke (2001): Beginenhof gilt bei der UN als
vorbildhaft.
Die Finanzlage ist
ungeklärt, doch die Bremer Vision hat Zukunft in
anderen Ländern,
in: Weser Kurier
v. 28.06.
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Coverstory: Abenteuer Kind.
Spaßbremse
oder Glücksturbo? Wie die Kleinen unser Leben
umkrempeln
- SIEGERT,
Almut (2001): Abenteuer Kind.
Wie ist das
eigentlich, wenn man auf einmal zu dritt
ist? Kinder krempeln das Leben ihrer
Eltern so richtig um. Sind Spassbremse
und Glücksturbo zugleich, kosten Geld
und machen doch reich. Eine Annäherung
an das schönste Thema der Welt,
in: MAX
Nr.14
v. 28.06.
- POTTHOFF,
Antje (2001): Sechs Geschenke.
Zahnpastaspucke im
Waschbecken, Tee in der Computertastatur,
heimlicher Sex: die sechsfache Mutter und
MAX-Autorin Antje Potthoff über Lust und
Frust inmitten ihrer Kinderschar,
in: MAX
Nr.14 v. 28.06.
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- ADAM,
Konrad (2001): Mehr für mehr Kinder.
Nicht
der Mangel an Finanzkapital, sondern das
ausbleibende Humankapital könnte das
Wirtschaftswachstum zum Stillstand bringen,
in: Welt
v. 27.06.
- Kommentar:
ADAM fordert eine
"geburtenfreundliche Politik",
nicht weil ihm Kinder am Herzen liegen,
sondern weil Kinder als
"Humankapital" notwendig für
zukünftiges Wirtschaftswachstum sind.
Die Kinderzahl muss gross genug sein,
damit die Wirtschaft eine sinnvolle
Auswahl treffen kann!
"Dies nämlich
hat noch niemand gewagt: den Nachweis zu
führen, dass sich der Stolz des Landes,
seine Wirtschaftskraft, auch mit
anhaltend niedrigen Geburtenraten
verteidigen lasse."
Möglicherweise muss
ADAM seine Ansichten bald revidieren,
denn die Gentechniker und
Reproduktionsmediziner könnten ADAM beim
Wort nehmen und den Beweis antreten
wollen, dass die geforderte Bestenauslese
auch vorgeburtlich erfolgen könnte.
Ökonomisch gesehen ist die
vorgeburtliche Auslese kostengünstiger,
schliesslich fällt der
"Ausschuss" dann nicht
lebenslang der Gemeinschaft der Besten
zur Last.
Beide
Argumentationslogiken unterscheiden sich
nicht voneinander, sie reduzieren Kinder
auf ihre ökonomische Funktion. Dies mag
gut für eine effektive Volkswirtschaft
sein, aber wer möchte in solch einer
Gesellschaft leben?
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- FUCHS, Ursel
(2001): Fortpflanzung wird Chefsache.
Max-Planck-Präsident Mark
hat gesprochen - und die "Enteignung der
Mütter" schreitet voran,
in: Welt
v. 26.06.
- Kommentar:
FUCHS entwirft eine
Vision wie die Fortpflanzungsplanung
einer Frau im Jahr 2025 aussehen könnte:
"Mit 21 lässt sie Eizellen
einfrieren. Nach Ausbildung und Karriere
taut sie sie auf und lässt sie
künstlich befruchten. Die Embryonen
werden kloniert, also Kopien gemacht.
Eine davon im Acht-Zell-Stadium
untersuchen Wissenschaftler in der
Präimplantationsdiagnostik (PID)
mikroskopisch. Hat der Embryo einen
Gendefekt, werden die übrigen Embryonen
repariert mittels
Keimbahn-"Therapie",
Elternwünsche werden berücksichtigt,
Gendaten gespeichert. Einige Embryonen
werden tiefkühlkonserviert, auf Vorrat,
andere der Frau eingepflanzt. Sie werden
durch Pränataldiagnostik überwacht.
Falls doch was schief geht: Abtreibung.
Die Geburtsrate beträgt 13.9 Prozent.
Sollte ein Kind später krank werden oder
sterben - identischer Ersatz kann
jederzeit aufgetaut und eingepflanzt
werden."
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- MÄRKISCHE
ODERZEITUNG (2001): Schwedt.
Die Stadt junger Familien
wurde zur Single-Stadt,
in: Märkische Oderzeitung
v. 26.06.
- Kommentar:
Wer einen
Einpersonenhaushalt führt, der ist so
etwas wie ein Untermensch.
Berichte über die
Veränderung der Haushaltszahlen klingen
deshalb so ähnlich wie Berichte von der
Front, wenn klar ist, dass die Schlacht
verloren ist. Welche Stadtteile sind
schon in der Hand der Singles? Wann
fällt der nächste Stadtteil? Bange
Fragen. Familien sind schliesslich eine
aussterbende Gattung!
Solange Journalisten
nur Haushalte zählen und nicht die
Menschen, lässt sich dieses verzerrte
Gesellschaftsbild aufrechterhalten. Aber
da 85 % der Bevölkerung in Deutschland
nicht im Einpersonenhaushalt lebt, wäre
eine solch stumpfsinnige Auflistung
ziemlich öde und langweilig.
Kriegsberichtserstattung ist da eben
spannender!
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- EB
(2001) Ein Paradies für Singles,
in:
Wiesbadener Kurier v. 26.06.
- Kommentar:
Das Gegenteil zur
Kriegsberichtserstattung (siehe
Märkische Oderzeitung vom 26.06.2001)
ist die Zielgruppenansprache jener, die
an den Singles verdienen möchten:
"Der Frankfurter Veranstalter Demat
verspricht eine Verbrauchermesse, die
'ein neues Lebensgefühl mit Alltags-,
Freizeit- und Kontakt-Ideen' vermitteln
will."
Auch hier wird die
hohe Zahl der Ein-Personen-Haushalte
angeführt, aber nicht, um von einer
verlorenen Schlacht zu berichten, sondern
um das riesige Potenzial der anvisierten
Zielgruppe zu verdeutlichen.
Kriegsberichtserstattung und
Zielgruppenansprache haben einen
gemeinsamen Nenner: der Realität wollen
beide nicht ins Auge blicken. Was für
die einen der Schrecken par excellence
ist, das ist für die anderen pure
Freude: Der vermutete Trend zur
"Single-Gesellschaft".
In Wiesbaden gibt es
58.749 Einpersonenhaushalte wird
verkündet. Bei fast
270.000 Einwohnern sind dies
ca. 22 % der Einwohner. Da Familien vor
allem in Umlandgemeinden leben ist dies
wenig verwunderlich. Bei den
Alleinlebenden handelt es sich jedoch
mehrheitlich um ältere Witwen - kaum
jene Zielgruppe, die den
Messeveranstaltern vorschwebt.
Aber
glücklicherweise ist das Potenzial für
solch eine Messe wesentlich grösser,
denn die vielen Nesthocker und jungen
Paare sind einer Freizeitmesse gegenüber
sicher aufgeschlossen, zudem sind sie
zahlungskräftiger als die
Alleinlebenden, schliesslich müssen sie
nicht einen Großteil ihres Geldes für
teure Wohnungen ausgeben.
Es gehört zu den
Mythen unserer Gesellschaft, dass der
Einpersonenhaushalt als der Nabel der
Single-Gesellschaft angesehen wird und
dass die Single-Gesellschaft zu einer Art
Synonym für die Spassgesellschaft
geworden ist.
Solange Berichte
über Singles mit Zahlen über
Einpersonenhaushalte beginnen, ist an
eine realitätsnahe Berichterstattung
jedenfalls nicht zu denken...
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Wirtschaftswoche:
Netzwelt - Spezial Partnerbörsen
- WIRTSCHAFTSWOCHE
(2001): Singles, die keine sein wollen,
in: Wirtschaftswoche
v. 26.06.
- Kommentar:
Angesichts
der katastrophalen Desinformation
ist es ein Wunder, dass es
überhaupt noch florierende
Branchen gibt. Es gibt wohl keine
gesellschaftliche Gruppe, über
die so viele Mythen existieren
wie über Alleinlebende. Wenn
selbst eine angesehene
Wirtschaftszeitung Informationen
liefert, die man höchstens in
sozialpolitischen Debatten
vermutet, aber nicht dort, wo
seriöse Information
existenznotwendig ist, dann ist
dies ein Trauerspiel.
"Der
Trend zur Single-Gesellschaft ist
da. 13,3 Millionen Menschen in
Deutschland lebten 1998 in
Einpersonen-Haushalten. Ein
weiterer Trend ist: Die Singles
wollen meist nicht Single sein.
Deshalb versuchen sie ständig,
diesen Zustand zu ändern",
jubelt die Wirtschaftswoche.
Wer Alleinwirtschaftende
mit Partnersuchenden verwechselt
und dann noch vom Alter dieser
Gruppe absieht, der möchte
Unternehmern ein Potenzial
vorgaukeln, das nicht existiert!
Die
mangelhafte Ausstattung von
Einpersonenhaushalten mit
Internetanschlüssen wird
unbesehen den veralteten Daten,
aber nicht der Alters- und
Einkommensstruktur zur Last
gelegt. Das angeblich vorhandene
Potenzial schrumpft unter
Berücksichtigung dieser Faktoren
schnell auf unter 5 Millionen
Menschen - eine Zahl, die noch
viel zu hoch gegriffen ist, da
exakte Daten über
partnersuchende
Alleinwirtschaftende nicht
existieren.
Ignoriert
wird zudem die Tatsache, dass
viele Partnersuchende als
"Nesthocker" im
"Hotel Mama"
untergebracht sind. Wenn es ein
Potenzial für Kontaktsuchende
(dieses ist weit grösser als das
Potenzial von Partnersuchenden!)
gibt, dann ist dieses nicht auf
die Alleinlebenden zu
beschränken.
Gerade in
den sogenannten intakten Ehen
gibt es ein Bedürfnis nach
unverbindlichen Seitensprüngen.
Sogenannte "Krypto-Singles"
sind weiter verbreitet als so
mancher denkt.
- WIRTSCHAFTSWOCHE
(2001): Ein idealer Marktplatz zur
Bildung "temporärer
Allianzen",,
in: Wirtschaftswoche v. 26.06.
- Kommentar:
In dem
Artikel wird der Zeitgeist-Visionär
Matthias Horx
zitiert, der die
Individualisierung zum
Megatrend erhoben
hat:
"
Hatten noch in den 50er Jahren
Arbeitsvertrag, Heirat und
Lebensplan ihre Gültigkeit für
möglichst die gesamte Dauer des
irdischen Daseins, so sind sie
heute kündbar, austauschbar und
höchst variabel. Was dazu
führt, dass die lebenslange
Bindung, die Ehe oder
Partnerschaft, so genannten
'temporären Allianzen' weicht.
Im Klartext: Der Wechsel zwischen
Single- und Nicht-Single-Dasein.
Obwohl gerade erst ein paar Jahre
alt, hat sich das Internet
schnell als ideales Mittel zur
Bildung dieser temporären
Allianzen herausgestellt."
Der
Denkersatz "Individualisierung"
wird immer dann hervorgeholt,
wenn der angebliche
"swinging single"
gebraucht wird. Wer seine Wohnung
wechselt, der muss jedoch noch
lange nicht seine Partnerin
wechseln und wer
alleinwirtschaftet, der ist noch
lange nicht partnerlos.
Die angebliche Bindungslosigkeit
ist in erster Linie ein Artefakt
der amtlichen Statistik,
das sich mit dem Wunschdenken von
verzweifelten Existenzgründern
und den Befürchtungen von
Sozialpolitkern vereinbaren
lässt, aber nicht mit der
Wirklichkeit.
- WIRTSCHAFTSWOCHE
(2001): Liebe geht immer: Doch wie damit
Geld verdienen?
in: Wirtschaftswoche
v. 26.06.
- Kommentar:
Hier wird
der Knackpunkt zwar angesprochen,
aber zugunsten unbegründeter
Euphorie ignoriert:
"Allen demographischen Daten
zufolge müsste das Geschäft mit
den Singles das Potenzial zum
Mega-Business haben. Der Mainzer
Soziologie Professor Stefan
Hadril beschreibt in seiner Studie
'Die Single-Gesellschaft'
den Single als 'finanziell besser
gestellt, gebildet und
konsumfreudig'.
Luxusgüter gehören zu des
Singles bevorzugter
Einkaufsbeute."
Was die
Wirtschaftswoche jedoch
verschweigt: HRADIL bezieht sich
mit dieser Aussage nicht auf die
13,3 Millionen Menschen in
Einpersonenhaushalten, sondern
auf die 25-55jährigen
Alleinlebenden. Das waren im Jahr
2000 ca. 5,6 Millionen Menschen.
HRADIL zieht davon noch die
Nicht-Erwerbstätigen ab und
unterscheidet zwischen Männern
und Frauen.
Männer
dominieren im mittleren
Lebensalter, verdienen aber
weniger als gleichaltrige
Verheiratete. Zudem gehören
viele Männer zu den
Geringverdienern und nur wenige
zu den gutverdienenden
Yuppies,
die als Zielgruppe der
Geschäftemacher anvisiert
werden.
Davon ist
jedoch in diesem Artikel nichts
zu lesen, stattdessen sieht man
die Probleme woanders: "Doch
dieses Potenzial ist nur schwer
zu nutzen. 'Die Singles können
nicht sehr zielgerichtet
angesprochen werden, weil sie
verschiedenste Altersgruppen und
Interessenlagen vereinen', sagt
Henrike Fröchling,
Geschäftsführerin bei
Partnerbörsen-Newcomer
Parship.de in Hamburg".
Das Problem
der immensen
Einkommensunterschiede und der
heterogenen Altersstruktur wird
als Problem der
Zielgruppen-Ansprache gewertet,
aber nicht als Fehleinschätzung
des Potenzials selbst.
Das
zweitrangige Problem der
Zielgruppen-Ansprache ist das
Ergebnis der sozialpolitischen
Debatte, in deren Verlauf der
Single-Begriff so verwässert
worden ist, dass er für die
Beschreibung von Partnersuchenden
unbrauchbar geworden ist. Die
Sozialschmarotzer-Debatte der
letzten Zeit dürfte da noch mehr
Schaden angerichtet haben.
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- BEYER,
Susanne (2001): Liebe zum Loft.
Das Leben in umgebauten
Fabrikgebäuden ist so populär wie nie zuvor. Da
nicht mehr genug alte Gebäude zur Verfügung
stehen, bauen Architekten jetzt neue Lofts,
in: Spiegel Nr.26 v. 25.06.
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- GROLLE,
Johann & Beate LAKOTTA (2001): Heerscharen
auf Eis.
Deutsche
Reproduktionsmediziner fordern, Eizellspenden und
das Einfrieren von Embyonen zu erlauben. So
könnte es bald Zigtausende herrenlose Embryonen
geben. Auch dafür haben die Ärzte schon ein
Patentrezept: die Adoption,
in: Spiegel Nr.26 v. 25.06.
- Kommentar:
Die Berufsverbände
deutscher Gynäkologen und
Fortpflanzungsexperten verweisen in einem
Positionspapier darauf, "dass
Deutschland im internationalen Vergleich
suboptimale Schwangerschaftsraten
aufweist". Mit solchen
bevölkerungspolitischen Argumentationen
sind wir meiner Vision vom
Deutschland im Jahr 2030 bereits
heute näher als so mancher glaubt. Für
Bernd Wacker von der
Kinderhilfsorganisation "Terre des
hommes", leben wir in einer
"babysüchtigen Gesellschaft".
Adoption verkommt dadurch von einem
"Instrument der Kinder- und
Jugendhilfe (...) zur Hilfe für
unfruchtbare Menschen"
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- ALBERS,
Regina (2001): Neue Chance für Embryonen.
Fortpflanzungsärzte
in Deutschland fordern mehr Rechtssicherheit für
den Einsatz neuer Verfahren bei der künstlichen
Befruchtung,
in: Focus Nr.26 v. 25.06.
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- NOLTE,
Dorothee (2001): "Migration war der
Normalfall, Sesshaftigkeit ein Luxus".
Die
Historiker Klaus Bade und Piet Emmer über
Wanderungsbewegungen in Geschichte und Gegenwart,
in: Tagesspiegel
v. 25.06.
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- TERKESSIDIS,
Mark (2001): Rebellion in der Geschmacksdiktatur.
Pop-Kultur
ist anstrengend: Man muss die richtigen Sachen
tragen und die richtige Musik hören. Pop ist
ganz und gar Konsum geworden. Nun regt sich
zaghaft Widerstand. Aber kann man in der
Pop-Kultur gegen die Pop-Kultur arbeiten?
in: Tagesspiegel
v. 23.06.
- Inhalt:
Die zentrale These
von TERKESSIDIS lautet: "Werbung und
Marketing haben die rebellischen Gesten
der Populärkultur übernommen und deren
Protagonisten sprachlos gemacht".
Die Kulturkritik ex-linker Provenienz ist
demnach heute fester Bestandteil der
Konsumideologie geworden. "Was
ist heute cool?" gehört
zur entscheidenden Frage derjenigen, die
in der Konsumgesellschaft nicht sozial
isoliert sein wollen. Das Buch
"Generation Golf" von Florian
ILLIES ist Ausdruck einer
Sozialisation durch Massenkultur, die
Rebellion durch Konsum ersetzt hat. Das
Buch gehört zusammen mit der Popliteratur zur
neuesten "Version des bürgerlichen
Bildungsromans". TERKESSIDIS
erläutert am Beispiel der Band
"Blumfeld" sowie der Musiker
Jan Delay und Matthew Herbert die
verschiedenen Artikulationsweisen von
Kritik innerhalb der Populärkultur. Die von David
BROOKS als "Bobo" bezeichnete
Bildungselite ist das
Sinnbild einer sozialen Gruppe, die den
rebellischen Gestus mit einem
wohlhabenden und erfolgreichen Leben in
Einklang gebracht haben. Hinter der
Bobo-Fassade verbirgt sich nach Meinung
von TERKESSIDIS jedoch das
"Schwanken zwischen Angst und
Ekel", wie es auch von Jochen
Distelmeyer (Blumfeld) und Michel
HOUELLEBECQ zum
Ausdruck gebracht wird. Was für frühere
Bildungseliten die Hochkultur war, das
ist für die neue Elite die
Populärkultur: "Platten, Videos und
Stilfragen sind für die Identität der
heutigen Neobürger ebenso bedeutungsvoll
wie die Hochkultur in vergangenen
Tagen". Jegliche Totalopposition ist
für TERKESSIDIS unmöglich: "Auch
der Einspruch gegen die konsumistische
Differenzkultur ist - eine
Differenzgeste. Vor allem dann, wenn dem
'Ihr', von dem sich der Kulturschaffende
abwendet, kein soziales 'Wir' mehr
gegenübersteht, sondern zunächst bloß
ein Individuum." Einzig die
Aufklärung über die Popkultur -
"Alphabetisierung in Sachen
Pop" - weist einen Ausweg aus der
"Differenzhölle".
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- HENKEL,
Gabi (2001): Paarorientierte Gesellschaft.
Eine
Studie der Mainzer Uni zufolge gibt es keine
Vereinzelungstendenz,
in: Allgemeine Zeitung
Mainz v. 23.06.
- Kommentar:
"Auf Basis der
Amtsstatistik, die ihre Auswertung auf
Haushalte bezieht, wird laut Schneider
der Anteil von Singles und
Alleinerziehenden in der heutigen
Gesellschaft überschätzt. Auch wenn
heutzutage 38 Prozent aller Haushalte
Ein-Personen-Haushalte sind, machen
Singles im Sinne überzeugt
Alleinlebender lediglich drei bis vier
Prozent der Bevölkerung in Deutschland
aus."
Kaum ein Soziologe
wagt heute öffentlich solch deutliche
Worte. Gemäß SCHNEIDER lebt von den 25-
bis 55-Jährigen "jeder Elfte in
einer Beziehung ohne gemeinsame
Haushaltsführung". Damit sind
Partnerschaftsformen wie "Living
apart together",
"Liebe auf
Distanz" oder die
Wochenendehe bzw. die Fernliebe gemeint.
Nicht erwähnt wird
jedoch, dass viele zusammenwohnende Paare
ebenfalls zu den Einpersonenhaushalten gezählt
werden.
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- THOLL,
Gregor (2001): In der Ferne so nah.
Halb
Single, halb Paar: Immer mehr junge Paare leben
räumlich getrennt,
in: Stuttgarter Nachrichten
v. 23.06.
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- KNITTLER,
Friedrich (2001): Der programmierte Eros.
Die Liebe im Zeitalter
technischer Medien,
in: Neue Zürcher Zeitung
v. 23.06.
- Textauszug:
"Es gibt keine
Liebe im Zeitalter der Medien, solange
diese Zukunft existiert. Es gibt, von der
Mätressenwirtschaft bis zur sogenannten
Informationsgesellschaft, nur Medien, die
Liebe heischen. Nichts wäre daher
vermessener, ja trügerischer als der
Versuch, eine ursprüngliche Reinheit der
Liebe zu beanspruchen, die erst
nachträglich von der Mediengeschichte
verderbt worden wäre. Im Gegenteil
scheint jedes neue Medium neue Versionen
oder Perversionen der Liebe wahrhaft
hervorgerufen zu haben (...). Heute,
nachdem die Mediengeschichte in
universalen Turingmaschinen an ein
triumphales Ende gelangt ist, stellt sich
eher die Umkehrfrage, ob Medien diese
Liebe auch in Zukunft noch brauchen
werden. Seit Menschengedenken hat Macht
darauf beruht, die kulturelle und
technische Produktion an die biologische
Reproduktion rückzukoppeln. Der
Bildungsstaat beruhte auf Literatur, die
Massendemokratie auf Broadcast-Medien.
Neben die biologische Reproduktion auf
Kohlenstoffbasis tritt eine
technologische Reproduktion auf
Siliziumbasis, deren Wachstumsraten
zumindest bisher spielend übertreffen,
was immer Natur und Kultur an
Wachstumsraten vorgewiesen haben (...).
Was aber, wenn der herbeigefürchtete
oder herbeigesehnte Cyborg nur ein
Trostpflaster auf narzisstische Wunden
abgäbe? Wenn die altehrwürdige Kopplung
von Medientechnik und Reproduktion
zerfiele, weil die Technik von morgen -
frei nach Rilke - nicht nur unsere
Vernichtung gelassen verschmäht, sondern
auch unsere Liebe?
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- BECK, Ulrich
(2001): Zivilgesellschaft light?
Die Gefahr wächst, dass die
Reformidee verwässert wird - oder gar zu einer
Parole des Neoliberalismus verkommt,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 23.06.
- Textauszug:
"Das Faszinosum
der Zivilgesellschaft erklärt sich
daher, dass dieser Begriff alte
Grenzziehungen aufhebt und an die Stelle
der Exklusion Inklusion, Aktivierung,
neue Identitäten, Verantwortlichkeiten,
Macht- und Aufgabenteilung setzt. Wer
also von Zivilgesellschaft in einem
politisch gehaltvollen Sinne spricht,
meint damit (...) eine Reformidee, die
die gesamte Gesellschaft, also auch
Politik, Staat, Verwaltung,
Wohlfahrtsverbände,
Interessenorganisationen, politische
Parteien etc. einschließt. Meine Idee
der bezahlten, freiwilligen,
selbstorganisierten Bürgerarbeit ist in
diesem Sinne als inklusives Konzept
gedacht, das gerade auch die vermeintlich
Nicht-Aktivierbaren aktivieren will, also
den Mittelschicht-Bias des
bürgerschaftlichen Engagements
überwinden will.
Darauf zielt das Schlüsselkriterium der
Bezahlung, weil nur dann diejenigen, die
herausgefallen sind, oder herauszufallen
drohen, überhaupt eine Chance haben, an
den Aktivitäten der Zivilgesellschaft
teilzunehmen. Darauf zielt das Merkmal
der Mobilität zwischen den verschiedenen
Tätigkeitsfeldern der Gesellschaft
(Bürgerarbeit, Hausarbeit,
Erwerbsarbeit). Denn nur wenn die
Barrieren abgebaut werden, die einen
Wechsel zwischen diesen
Tätigkeitsbereichen erschweren oder
ausschließen, kann Bürgerarbeit zur
Qualifizierungschance, zum Sprungbrett
zurück in die Erwerbsarbeit werden.
(...)
Zivilgesellschaft ist also gerade kein
Kostensenkungsprogramm, nicht die
größte denkbare
Rationalisierungsmaßnahme im
öffentlichen Dienst und in der
Wirtschaft. Der Neoliberalismus
missbraucht die Lobpreisung der
Zivilgesellschaft, um Kosten
und Probleme auf den so genannten
selbstverantwortlichen
Bürger abzuwälzen, der dadurch
zum Müllschlucker
systemischer Widersprüche gemacht wird.
Die Zivilgesellschaft ist mehr als eine
Mittelschichtsveranstaltung. Sie muss
für diejenigen geöffnet werden, die von
den Gewerkschaften nicht erreicht werden
die Modernisierungsverlierer, die
sich oft gar nicht mehr als Bürger
begreifen. Die Ersetzung des Begriffs
Bürgerarbeit durch den
Begriff bürgerschaftliches
Engagement signalisiert dagegen
einen Rückzug: Bürgerarbeit meint
schöpferischer Ungehorsam.
Bürgerschaftliches
Engagement dagegen ist
Zivilgesellschaft light."
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- DUBIEL,
Helmut (2001): Warum ist das Anrufen der
Zivilgesellschaft so beliebt?
Über die bewussten und
unbewussten Unbestimmtheiten eines modernen
Begriffs,
in: Frankfurter Rundschau
v. 23.06.
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- BECKMANN,
Gerhard (2001): Die Meister des kürzesten Wegs.
Arbeiten ohne Boss, ohne
Druck und ohne Antrieb on außen: Warum die
Selbstorganisation der Ameisen so vorbildlich
ist,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 23.06.
- Kommentar:
Für alle, die wie
BECKMANN das Menschliche als Last
empfinden:
"Wir sind traumatisiert von
innenpolitischen und sozialen Konflikten,
von den Verkehrsinfarkten, von den
verstopften Verbindungen bei Telefon und
Internet, von Selbstblockaden in den
Arbeitsabläufen der Firmen, von
Blackouts unserer isolierten Denkwege
und moralisieren. Wir fluchen,
unentwegt: über 'das System'; über
unsere politischen und sozialen, unsere
technischen und wirtschaftlichen
Strukturen, über die Organigramme der
Unternehmen Probleme, die Ameisen
nicht haben." Welche Probleme
Ameisen haben, darüber lässt sich
BECKMANN leider nicht aus. Irgendeinen
Grund muss es aber gehabt haben, dass die
Evolution nicht bei den Ameisen stehen
geblieben ist...
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- WINGEN, Max
(2001):Die Gesellschaft schrumpft sich krank.
Familienpolitik und
Bevölkerungsrückgang,
in: Rheinischer Merkur
Nr.26 v.
22.06.
- Kommentar:
1968 wurden erstmals
unter 1.000.000 Kinder in Westdeutschland
geboren. 1978 wurde mit 576.000 Kindern
der Geburtentiefststand erreicht. Wenn
jetzt also - eine Generation später -
die Bevölkerung zurückgeht, ist dies
eine Folge des
Geburtenrückgangs von 1968-1978. Genauso
gut lässt sich aber deshalb der
Wendepunkt in der Geburtenentwicklung
voraussagen - vorausgesetzt es tritt kein
Verhaltenswandel ein.
Seit 1978 sind die
Kinderzahlen mehr oder weniger konstant
geblieben. Dass also gerade jetzt die
Debatte geführt wird, ist also kein
Zufall und das Ende wäre auch kein
Zufall. In den 70er Jahren wurde die
Debatte unter ähnlichen Bedingungen
geführt.
Damals konnte man
jedoch noch nicht auf die
Single-Haushalte deuten, da deren Zahl
noch nicht so bedeutend war. Dieses
Kunstprodukt ist geradezu wie geschaffen,
um Bevölkerungspolitik durchzusetzen.
Mit dem Anstieg der Single-Haushalte kann
man Handlungsdruck erzeugen, der sonst
nicht so offensichtlich zu Tage treten
würde. Die Zahl der Single-Haushalte und
überhaupt die Reduzierung des
Familienbegriffs auf Familienhaushalte,
verbergen das Problem dieser
Gesellschaft.
Sowohl die Änderung
der Wirtschaftsweise als auch die
Erhöhung der Lebenserwartung sind die
eigentlichen Ursachen für die
Veränderung der Lebensverhältnisse in
Deutschland.
Mit der Zunahme von
Doppelverdienern - vor allem bei Paaren
und Familien - ist zwangsläufig eine
Explosion der Haushaltszahlen verbunden.
Mit Singles hat das also nur wenig zu
tun. Alleinlebende haben einen geringeren
Lebensstandard als doppelverdienende
Paare und doppelverdienende Familien.
Der Geburtenausfall
in den neuen Bundesländern wird von
WINGEN totgeschwiegen. Dieses Problem
passt einfach nicht zu der Proganda, weil
es sich nicht einfach auf Hedonismus
zurückführen lässt, sondern den
Zusammenhang von Kinderlosigkeit und
politisch-ökonomischen Konjunkturen
deutlich macht.
- MERZ,
Friedrich (2001): Unser aller Zukunft.
Kinder zu bekommen ist eine
persönliche Entscheidung. Richtig ist aber auch:
Kinder haben ist keine Privatsache. Der Staat
muss den Rahmen schaffen, dass Paare sich ihren
Kinderwunsch heute erfüllen können, ohne nur
Nachteile zu haben,
in: Rheinischer Merkur
Nr.26 v.
22.06.
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- MAYER,
Susanne (2001): Wollt ihr die totale Mutter?
Beschimpfungen,
Verdächtigungen, Belehrungen: Barbara Vinken und
andere Frauen streiten über das Leben mit
Kindern,
in: Die ZEIT Nr.26
v. 21.06.
- Inhalt:
MAYER kritisiert den
ideologischen Streit zwischen
Vollzeitmütter-Ideologinnen wie Ulrike
HORN und Karrieremütter-Ideologinnen
wie Barbara VINKEN. Auf der
Strecke bleiben nach Meinung von MAYER
diejenigen Mütter, die mit einem
Teilzeitjob Geld für ein Leben mit
Kindern verdienen wollen. Einzig das Buch
von Stella BETTERMANN (siehe hierzu Focus Nr.19
v. 17.05.2001) findet
vor MAYER Gnade, da es Spaß am
Muttersein vermittelt...
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- GASCHKE,
Susanne (2001): Jenseits von Bullerbü.
In
Deutschland wird wieder über Erziehung
debattiert: Was brauchen Kinder? Ein Minimum an
Idylle. Sie bekommen Fernsehen, Freizeitpartks
und Fruchtzwerge,
in: Die ZEIT Nr.26
v. 21.06.
- Kommentar:
Vor 15 Jahren hat
man den Unzufriedenen der Republik den
guten Rat gegeben: "Geh' doch mal
rüber!". Heutzutage benötigt man
für die Unzufriedenen der Neuen Mitte
schon eine Zeitmaschine, justiert auf die
50er Jahre. Dort könnten sie sich
austoben. Aber vielleicht hat das ja
bereits jemand getan, denn wie sollte man
sonst die Entstehung des Feminismus in
den 50er Jahren erklären?
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- NIEJAHR,
Elisabeth (2001): Ein Mann für die Frauen.
Arbeitgeberchef
Braun fordert mehr Unterstützung und größere
Chancen,
in: Die ZEIT Nr.26
v. 21.06.
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- UCHATIUS,
Wolfgang (2001): Wieviel ist die Hausfrau wert?
Ein
Gerichtsurteil bringt den Markt in die Küche,
in: Die ZEIT Nr.26
v. 21.06.
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- BOGNER,
Alexander (2001): Von Riesen und Zwergen.
Das
Institut für Sozialforschung verhalf der
deutschen Soziologie zu Weltruhm. Was wurde aus
der Frankfurter Schule? Ein Hausbesuch,
in: Die ZEIT Nr.26
v. 21.06.
- Kommentar:
Der Niedergang einer
Disziplin liest sich so: "Der
Forscher von heute ernährt keine Familie
mehr, weiß Friedeburg. 'Der braucht eine
berufstätige Frau, die Lehrerin ist oder
so.'" Ansonsten bleibt
Heiligenverehrung und ein Strauß von
Klischees, die heute vor allem von Ulrich
BECK und seiner Individualiserungsthese tradiert
werden.
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- HERZINGER,
Richard (2001): Auf der Suche nach der
verbindlichen Instanz.
Moral
ist in Mode: Von Harald Schmidt bis Jenny Elvers
bekennen sich Entertainmentstars und -sternchen
zu festen Werten und Verantwortung.
Unsere Intelligenzblätter wollen da nicht
nachstehen: Moralphilosophisch rüsten sie
kräftig auf. Gelegenheit dazu findet sich in der
Bioethik
in: TAZ
v. 21.06.
- Kommentar:
Wertkonservatismus
heute und im Biedermeier: "Familie,
verbindliche Normen in der
Kindererziehung, klassische Bildung und
Hausmusik". HERZINGER setzt dagegen
auf Liberalismus und den mündigen
Bürger...
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- DRIBBUSCH,
Barbara (2001): Der Niedergang der Hausfrau.
Auch
Mütter finden vor allem im Beruf Identität und
Anerkennung,
in: TAZ
v. 21.06.
- Kommentar:
DRIBBUSCH übernimmt
unkritisch Arbeitsmarktzahlen aus
Nürnberg und schliesst aus Zwängen des
Arbeitsmarktes unvermittelt auf
Identitäten.
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- REITER,
Markus (2001): Geschlossene Gesellschaft.
Die Leistungsgesellschaft
als geschlossene Veranstaltung,
in: Frankfurter Allgemeine
Zeitung v. 20.06.
- Kommentar:
Der Darmstädter
Soziologe Michael HARTMANN hat die
Leistungsgesellschaft an ihren
Ansprüchen gemessen und festgestellt,
dass nicht allein die Leistung zählt,
sondern die Herkunft ausschlaggebend ist
(der Franzose Pierre BOURDIEU verwendet
dafür den Begriff "Habitus").
Gehobenes Bürgertum und Großbürgertum
dominieren die Führungsetagen der
Wirtschaft - auch der New Economy. Also
nichts mit Yetties! Einen
Trost gibt es dann doch noch: "Die
politischen Eliten, vor allem in den
Volksparteien, sind, was ihre soziale
Herkunft angeht, deutlich heterogener.
Dies liegt an den unterschiedlichen
Rekrutierungsmechanismen von Politik und
Wirtschaft. Schließlich muß sich ein
Minister auch im Bierzelt wohl
fühlen."
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- KOHSE, Petra
(2001): Leerlauf an den Schnittstellen.
Das sprechende Ich und die
Textbausteine: Das gesellschaftliche Reden
wandelt sich,
in: Frankfurter Rundschau
v. 20.06.
- Kommentar:
Für KOHSE ist das
"Ende der
Ironie"
gleichbedeutend mit einem Aufgehen in der
Markenwelt und dem
Sprechen in Zitaten (aus der Werbung), aber
selbst dort geht es nicht fröhlich zu:
"Von dem, was uns einander
gleichmachen könnte, gibt es letztlich
so viel, dass wir am Ende doch wieder
einsam und frierend dastehen mit unseren
- Metapher! - fünf Paar Socken, sieben
Mänteln und drei Hüten am Leibe, unter
denen wir fast selbst vergessen, ob wir
von Natur aus eher dick oder eher dünn
sind." Das sind für KOHSE die
Schrecken der Individualisierung, die den
gesellschaftlichen Konsens gefährden.
Aber dort, wo das ICH so wichtig geworden
ist, da ist Pop nicht
weit. Damit ist die neueste Mode gemeint,
mit der sich dem Abgründigen noch etwas
Erhabenes abgewinnen lässt.
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- SCHNEIDER,
Rolf (2001): Erlösung aus der Schmuddelecke.
Warum Pornografie immer
gesellschaftsfähiger und langweiliger wird,
in: Welt
v. 19.06.
- Kommentar:
Die Sexualdebatte
ist gekennzeichnet durch lautes
Schweigen! SCHNEIDER behauptet:
"Unsere
abendländische Welt erlebt, das
Liebesleben betreffend, die liberalste
Epoche ihrer Geschichte (...). Wir wären
töricht, wollten wir die Vorzüge dieses
Zustandes ignorieren, da Doppelmoral,
Verklemmungen und Geschlechtsnöte
früherer Zeitalter nunmehr beseitigt
sind".
Verwechselt der
Autor vielleicht Medienwelt ("Kulissen
des Glücks") und
Leben? Sex ist kulturell von etwas
Verbotem zu etwas Gebotenem geworden.
Dies bezieht sich jedoch zuallererst auf
das Reden über Sex und das Zeigen von
Sex. (siehe hierzu auch meinen Kommentar
zu DRIBBUSCH in der TAZ vom 21.04.2001)
Über das
Vorhandensein von Dopppelmoral,
Verklemmungen und Geschlechtsnöte IN der
Gesellschaft sagt dies jedoch nichts aus,
auch wenn SCHNEIDER schreibt: "Es
handelt sich dabei um die verbale
Entsprechung zu Vorgängen, die
nachdrücklich die Ästhetik prägen,
welche ihrerseits mindestens in unserem
Kulturraum in einem dialektischen
Rückwirkungsverhältnis zur
gesellschaftlichen Wirklichkeit
steht."
Was viel eher zu
beobachten ist, das ist die
Selbstreferenzialität von
Feuilletonschreiberlingen (hierzu gehört
vor allem Mariam LAU), die eine
Art fröhlichen Zitierclub bilden. Das
Werk des Systemtheoretikers und
Gesellschaftsanalytikers LUHMANN (siehe
hierzu auch den Tagesspiegel vom
16.06.2001) kreist
genau um diese Eigenlogiken, die
UNABHÄNGIG von anderen
gesellschaftlichen Phänomenen
existieren.
Aus dem
Verkaufserfolg der Bücher von Michel
HOUELLEBECQ könnte
man sogar folgern, dass unsere
Gesellschaft von einer sexuellen
Demokratie weit entfernt ist. Das laute
Schweigen der Sexualdebatte zu diesem
Thema würde für diese These sprechen.
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- LAU,
Mariam (2001): Madonna: Wer sie gewesen sein
wird, bleibt vorerst offen,
in:
Welt v. 19.06.
- Kommentar:
Familie ist Pop,
Madonna ist Pop, aber LAU kämpft
unverdrossen weiter gegen die Feinde der
Neuen-Mitte-Familie. Man sollte ihr Don
Quichotte zu lesen geben...
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- FLEISCHMANN,
Daniel (2001): Man ist nicht mehr jung, aber auch
noch nicht alt.
Auch zwischen 40 und 60
Jahren ist man vor Lebenskrisen nicht gefeit. Ein
Gespräch mit Soziologieprofessor François
Höpflinger,
in: Schaffhausener
Nachrichten v.
19.06.
- Inhalt:
Der
Familiensoziologe HÖPFLINGER nennt
Gründe für das neue Interesse an den
40-60jährigen: "Dafür gibt es zwei
Gründe. Zum einen steigt die Zahl der
über 40-jährigen und der über
50-jährigen Frauen und Männer aus
demografischen Gründen rasch an;
gleichzeitig handelt es sich bei den 40-
bis 60-Jährigen oft um wohlhabende
Frauen und Männer, welche auch die
Werbung entdeckt. Zum anderen erfordern
gesellschaftliche und technische
Wandlungen in dieser Lebensphase
verstärkte Neuorientierungen. Immer mehr
Frauen und Männer wechseln nach 40 ihren
Beruf, und immer mehr Personen fühlen
sich auch mit 50 und 60 Jahren durchaus
aktiv, leistungsbereit oder modisch
ausgerichtet."
Das Problem der Vierzigjährigen umreisst
HÖPFLINGER folgendermassen:
"Erstens verschiebt sich die
Lebensperspektive, weil das Leben,
welches vor einem liegt, kürzer sein
wird als das bisherige. Man ist nicht
mehr «jung», aber auch noch nicht
«alt». Die postmoderne Version einer
«midlife crisis» kann sich daraus
ergeben, dass endgültig von einer
jugendnahen Freizeitwelt Abschied
genommen werden muss. Zweitens erfahren
viele Menschen zwischen 40 und 60 Jahren
das Erwachsenwerden ihrer Kinder und das
Altern und Absterben ihrer eigenen
Eltern. Plötzlich gehört man selbst zur
«ältesten Generation». Drittens werden
in dieser Lebensphase biografische
Festlegungen erstmals in ihrer ganzen
Härte sichtbar. Die einen sehen, dass
ursprüngliche berufliche und familiäre
Ziele nicht mehr erreichbar sind. Im
Beruf wird man von Jüngeren überholt,
und man kommt an seine Karrieregrenzen.
Die anderen realisieren umgekehrt, dass
sie zwar fast alles erreicht haben, was
sie sich in der Jugend erträumt haben -
gutes Einkommen, hohes Ansehen -, aber
sie merken, dass sie damit am Sinn des
Lebens vorbeigelebt haben. Beides -
Misserfolg oder hohler Erfolg - kann zu
einer «midlife crisis» beitragen."
- Kommentar:
Möglicherweise
ist die fatalistische Sichtweise
der "Generation
Luhmann"
Ausdruck ihrer
"midlife-crisis"...
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- HEILBRUNN,
Jacob (2001): Alles Schall und Raum.
Historischer
Lichtspielpalast im Wohnzimmer: Amerikas neue
Lieblingsfreizeitbeschäftigung heißt "Home
Theater",
in: Süddeutsche Zeitung
v. 19.06.
- Kommentar:
"Früher-war-alles-besser"-Lamento
auf Feuilletonniveau und auf dem neuesten
Stand der Technik. Seit Faith POPCORN den
schillernden Begriff
"Cocooning" geprägt hat,
wandert er in allen möglichen Versionen
durch die zivilsationskritischen
Feuilletons:
"Wie auch
immer, das Kino in den eigenen vier
Wänden ist zur Zeit der große Renner.
'Das Heimtheater fördert die
Familienwerte!' behauptete der Chef der
Consumer Electronics Association, Gary
Smith, in Manhattan. Das Gegenteil ist
richtig. Das Heimtheater erlaubt es jedem
Zuschauer, sich in sein Schneckenhaus
zurückzuziehen; vor allem macht es ihn
aber zum Sklaven der Technik."
Was das Schöne
daran ist: die Technikkritiker dieser Art
von Technikkritik besitzen einen blinden
Fleck: Die Technik, mit der diese
Kritiker aus einer gealterten
Technik-Generation gross geworden ist,
ist so zur Selbstverständlichkeit
geworden, dass sie gar nicht mehr als
Technik wahrgenommen wird. Eines ist
jedoch sicher: Die nächste
Technik-Generation kommt bestimmt und
ihre Kritiker leben bereits, denn sie
richten sich gerade im Heimtheater ein!
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- THÜRINGER
ALLGMEINE (2001): Eine Liebe für den Sonntag.
Mobilität, Flexibilität,
das wünschen sich viele Firmen von ihren
Mitarbeitern. Rund 80 000 Thüringer pendeln zur
Arbeit in Nachbar-Bundesländer. Manchmal ziehen
sie der Arbeit auch weit hinterher. Dann muss die
Liebe, muss die Familie warten -meist bis zum
Wochenende,
in: Thüringer Allgemeine
v. 18.06.
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- JAHBERG,
Heike (2001): Bahnfahren,
in:
Tagesspiegel v.
18.06.
- Kommentar:
Warum Yuppies mit
Kind das Yuppie-Stereotyp noch
befördern, das wird beim Lesen klar:
"Heute sind wir genau die Eltern,
vor denen es uns früher immer gegraust
hat".
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- LSW (2001):
Weibliche Singles verdienen weniger,
in: Stuttgarter Nachrichten v. 18.06.
- Kommentar:
Wie Nachrichten
zustande kommen, das zeigt sich an der
Pressemeldung der Stuttgarter
Nachrichten, die sich auf eine Pressemeldung
des Statistischen Landesamtes
Baden-Württemberg vom 13.Juni 2001 bezieht:
demnach verdienen 28 % der allein
stehenden Männern unter 1800 DM,
während 40 Prozent der weiblichen
Singles zu den Wenigverdienern zählen.
Das Statistische
Landesamt meldet ausführlicher:
"Deutliche Einkommensunterschiede
zeigen sich auch zwischen Männern und
Frauen: Das Statistische Landesamt
verwies darauf, dass z.B. von den
weiblichen Singles nahezu 40 Prozent
mit einem monatlichen Nettoeinkommen von
weniger als 1 800 DM auskommen
mussten, von den männlichen
Einpersonenhaushalten hingegen nur
28 Prozent. Demgegenüber verfügten
mehr als 8 Prozent der
alleinlebenden Männer, jedoch nur knapp
3 Prozent der alleinlebenden Frauen
über ein Einkommen von mehr als
5 000 DM. Nicht nur zwischen
männlichen und weiblichen Singles,
sondern beispielsweise auch zwischen
erwerbstätigen Männern und Frauen sind
Einkommensunterschiede zu beobachten.
Hinter dem Einkommensgefälle zwischen
Männern und Frauen dürften verschiedene
Gründe stehen: So führen u.a. die
oftmals familienbedingte
geringere Erwerbsbeteiligung der Frauen,
der höhere Anteil an
Teilzeiterwerbstätigkeit sowie das
durchschnittlich geringere berufliche
Ausbildungsniveau zu einer insgesamt
schlechteren Einkommenslage bei
Frauen."
Was sowohl die
Zeitung als auch das Statistische
Landesamt verschweigt, ist ein Skandal
ganz anderer Art.
Die Zahlen sind
wenig aussagekräftig, weil weder das
Alter noch die Zahl der Betroffenen
genannt wird.
Nicht die gering
verdienenden Frauen sind der Skandal,
sondern die geringverdienenden Männer!
Dieses Thema wird in
der Öffentlichkeit aufgrund
familienpolitischer Interessenlagen
tabuisiert! Alleinlebende Frauen sind in
erster Linie verwitwete Rentnerinnen,
während alleinlebende (und nicht
alleinstehende, wie die Stuttgarter
Nachrichten fälschlicherweise schreibt)
Männer im mittleren Lebensalter
dominieren. Es ist ein Skandal, wenn
ältere Frauen mit Männern im mittleren
Lebensalter verglichen werden und dies so
dargestellt wird, als ob vergleichbare
Gruppen miteinander verglichen werden.
Eine solche Verfälschung mittels
statistischer Daten ist jedoch die Regel
und nicht die Ausnahme. Was möchte man
damit erreichen, dass Lohn- bzw.
Gehaltsempfänger mit Renten- bzw.
Pensionsempfängerinnen verglichen
werden, ohne dass dies aus den Zahlen
sichtbar wird? Wenn schon Zahlen, dann
bitte solche, die etwas aussagen! Wenn
ein Mann im mittleren Lebensalter zu den
Geringverdienenden gehört, dann ist das
anders zu bewerten als eine
"geringverdienende" Frau im
hohen Alter. Es zeigt, dass das Yuppie-Klischee für
alleinlebende Männer nicht stimmt, wenn
nur 8 % (vor allem im besten Alter!) zu
den Spitzenverdienern gehören, dafür
aber 28 % zu den Geringverdienenden.
Durchschnittszahlen bei den Einkommen von
Alleinlebenden verschleiern
üblicherweise die einkommensmässige
Spaltung der Alleinlebenden.
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- HONDRICH,
Karl Otto (2001): Eine globale Wirtschaft braucht
eine kulturelle Basis.
Sozialpolitische
Herausforderungen in den alten Industrieländern,
in: Neue Zürcher Zeitung
v. 16.06.
- Kommentar:
"Nicht die
grosse Zahl der Arbeitenden und des
Arbeitsnachwuchses, sondern ihre
Produktivität und Solidarität mit der
nicht arbeitenden Bevölkerung sind die
beiden Pfeiler, auf denen der Sozialstaat
materiell ruht", heisst das Credo
des Frankfurter Soziologen. In Gefahr
sieht er die Solidarität, einerseits
durch Private Versicherungen und
andererseits durch die Grundrente.
Wie lange müssen
wir auf den «Krieg der Generationen»
warten? "Die Antwort lautet:
unendlich lange. Zumindest so lange, wie
die Wirtschaft produktiv ist, die
politischen Institutionen zur Regelung
von Verteilungskonflikten funktionieren
und die Generationen durch persönliche
Zuneigung, durch die Liebe zwischen
Eltern und Kindern, einander verbunden
sind.
Destabilisierung droht dem Gesamtsystem
vielmehr aus einer ganz anderen Richtung,
nämlich aus dem Zusammenhang zwischen
steigender Produktivität und sinkender
Reproduktivität (...). Die Befürchtung,
dass dadurch die Wirtschaftskraft mangels
Arbeitskräften und die sozialen
Sicherungssysteme mangels Beitragszahlern
erlahmen würden, ist aber unbegründet:
Produktivitätssteigerungen ersetzen die
fehlenden Arbeitskräfte, sie stellen
sozusagen die künstliche Jugend der
alten Gesellschaften dar."
Es wäre nicht
HONDRICH, wenn diese schizoide
Argumentation (HONDRICH argumentiert mit
makrosoziologischem Pessimismus gegen
seinen mikrosoziologischen Optimismus)
nicht am Schluss doch noch den Einsatz
der Moralkeule erforderlich machen
würde:
"Zu den
tiefsten moralischen Voraussetzungen
aller Sozialität gehört das
Gegenseitigkeitsprinzip «Wie du mir, so
ich dir». Es gebietet uns, uns auch
tätig zurückzuwenden zu den Eltern, um
ihnen das zu vergelten, was sie für uns
getan haben. Gerade in der Beziehung zu
den eigenen Eltern kann aber
Reziprozität nicht nur ein Zurückgeben
sein. Denn das Wichtigste, was uns die
Eltern gegeben haben, ist das Leben. Das
Leben können wir den Eltern nicht
zurückgeben. Wir können es nur
weitergeben, indem wir selbst Eltern
werden. Die fortgeschrittenen
Industriegesellschaften, die von
Generation zu Generation immer mehr
Elternschaft und Jugend empfangen, als
sie zurück- und weitergeben, geraten
damit in ein Ungleichgewicht, das sie
vielleicht in ihrem moralischen Innersten
erschüttert."
Der Krieg der
Generationen, den HONDRICH oben noch
abstreitet, kommt also durch die
moralische Hintertür!
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- NASSEHI, Armin (2001): Die
melancholische Theorie.
Niklas
Luhmann hat Adorno als soziologische Leitfigur
abgelöst. Denn die Systemtheorie beschreibt die
Gesellschaft in Paradoxien - und passt damit zu
unserem skeptischen Lebensgefühl,
in: Tagesspiegel
v. 16.06.
- Kommentar:
NASSEHI bekennt sich
zur "Generation Luhmann" (siehe
hierzu Diedrich
DIEDERICHSEN), die
Gesellschaft fatalistisch als
Kommunikationszusammenhang auffasst.
Anscheinend hat diese Generation ihre
Erfahrungen wie Matthias
HORX oder Reinhard
MOHR in der zerfallenden
Wohngemeinschaftskultur unter
Über-ICH-Einfluss der 68er
"Generation Kritik" gewonnen
und neigt deshalb zum gegenteiligen
Affekt:
"Die
Kritik-Generation hatte noch ein
unbändiges Vertrauen in Kommunikation,
in die Kraft der kommunikativen
Verflüssigung, wie man sagte. Ehen und
Partnerschaften, Erziehung und Kunst,
Politik und Religion wurden radikalen
Verständigungsprozessen ausgesetzt. Doch
vielleicht lässt sich Gemeinsamkeit,
Übereinstimmung, vielleicht sogar:
Versöhnung, nur schweigend erreichen,
durch bloße wechselseitige Wahrnehmung,
vielleicht nur als Mimesis. Das Problem
ist nur, dass man zuvor durch das
Fegefeuer der Kommunikation muss. Und das
trennt eher. Auch das Schweigen wird
wieder Kommunikationsanlässe bieten. Es
gibt kein Entrinnen. Exakt das ist
vielleicht die neue generationstypische
Denkfigur, an die die systemtheoretische
Soziologie andockt: die Denkfigur einer
Dynamik der Geschlossenheit, die noch die
Ausbruchsversuche aus der Geschlossenheit
in sie hineinsaugt."
NASSEHIs Sicht vom
"Fluch der Kommunikation" ist
wohl genauso irrwitzig wie die naive
Vorstellung vom "Segen der
Kommunikation". Aus dem gleichen
Missverständnis heraus ist
möglicherweise aber heute Familie wieder
Pop! Aber wie man Familie nicht
herbeireden und das Single-Dasein nicht
wegreden kann, ist der Gesellschaft
vielleicht die ganze Kommunikation total
egal...
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- BOHRER, Karl
Heinz (2001): Erinnerungslosigkeit.
Ein Defizit der
gesellschaftskritischen Intelligenz,
in: Frankfurter Rundschau
v. 16.06.
- Kommentar:
BOHRER steht für
den Frontalangriff auf die in die Jahre
gekommene "Nouvelle Vague der
Geschichtswissenschaft". Darunter
versteht er die
Versozialwissenschaftlichung der
Geschichtswissenschaft. BOHRER möchte
der nationalen Identitätsbildung
nachhelfen, damit in Deutschland endlich
eine "nationale Zivilisation"
entstehen kann.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom 1. bis 15. Juni 2001
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[ Homepage ] |
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©
2000-2002
Bernd Kittlaus |
[email protected] |
Stand:
08. April 2002 |
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Zugriffe
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dem 14.Juni 2000 |
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