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Medienrundschau:
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Zitat
des Monats:
Die Annahme einer sich ausbreitenden
Kultur der Kinderlosigkeit muss revidiert werden
"Entgegen der Annahme der sich ausbreitenden »Kultur der
Kinderlosigkeit« zeigen die Daten, dass Kinderlosigkeit nicht
ganz so oft als gesellschaftlich »normal« bewertet wird. Die
Trennlinie verläuft offenbar direkt unter der Zweikindnorm. Die
Abweichung nach unten, sei es durch Kinderlosigkeit oder durch
die Einkindfamilie charakterisiert, werden auch von der
Gesellschaft, so wird es individuell wahrgenommen, als
Normabweichung sanktioniert"
(aus: Sabine Diabaté & Kerstin Ruckdeschel
"Gegen den Mainstream", Zeitschrift für Familienforschung,
Heft 3, S.350)
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17.02.2017
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ESCHBACH, Hans u.a.
(2017): Das geteilte Land.
Rund die Hälfte der Deutschen
blickt sorgenvoll in die Zukunft - obwohl es den meisten materiell
gut geht. Doch die Ängste um Job, Altersvorsorge und persönliche
Sicherheit sind groß. Es hat sich herumgesprochen: Die Mitte ist
kein sicherer Ort mehr,
in:
Handelsblatt
v. 17.02.
"Die Fahrzeug- und Waffenindustrie hatte bis in die 1980er-Jahre
viele Arbeiter in die Stadt gezogen. Mit der Wende gingen die
Hersteller pleite. Ihr Ende leitete den Exodus aus Suhl ein, der bis
heute andauert. 1995 lebten noch rund 50.000 Menschen in Suhl, 2015
waren es nur noch rund 36.000. Laut Prognosen sinkt die
Einwohnerzahl weiter. Vor allem junge Leute haben Suhl verlassen.
Nirgendwo sonst in Deutschland ist die Bevölkerung seit 1995 so
stark gealtert",
schildern die
Autoren, nur um diese Situation auf die letzte Landtagswahl im
Thüringer Wahlkreis Suhl/Schmalkalden-Meiningen IV zu beziehen,
deren Ergebnis sie folgendermaßen beschreiben:
"Bei der letzten Landtagswahl in
Thüringen entfielen im Wahlkreis Suhl/Schmalkalden-Meiningen IV
exakt 50 Prozent der Stimmen auf Linkspartei, AfD und NPD. Auf
Parteien also, die dem bundesrepublikanischen System aus
Marktwirtschaft und liberaler Demokratie in mehr oder weniger
ausgeprägter Fundamentalopposition gegenüberstehen."
Schaut man das
Ergebnis des Wahlkreises genauer an, dann errang in diesem
Wahlkreis die Linkspartei 35,7 % der Landesstimmen, die AfD kam
dagegen nur auf 10,7 % und die NPD auf 3,6 %.
Mit Fundamentalopposition ist also nicht in erster Linie diejenige
gegen die liberale Demokratie gemeint, denn die rechten Parteien AfD
und NPD kamen zusammen "nur" auf 14,3 %, sondern gegen die
Marktwirtschaft. Das Attribut "sozial" zur Marktwirtschaft haben die
Autoren erst gar hinzugefügt.
Vergleicht man den Wahlkreis mit
dem Landtagergebnis, dann zeigt sich zudem, dass der Wahlkreis
hinsichtlich AfD (Wahlkreis: 10,7 %/Landtag: 10,6 %) und NPD
(Wahlkreis: 3,6 % /Landtag: 3,6 %) repräsentativ ist, lediglich die
Linkspartei fällt aus dem Rahmen: 35,7 % gegenüber 28,2 % für ganz
Thüringen.
Und nicht zuletzt wird das Ergebnis im Wahlkreis von den Autoren in
die Nähe des Wahlsiegs von Donald TRUMP in den USA gerückt. Dies ist
umso absurder als TRUMP mit dem Programm der Linkspartei nichts
gemein hat.
Was also wollen die Autoren
eigentlich mit dem Beispiel Suhl belegen? Dass der Niedergang einer
Arbeiterstadt dem Rechtspopulismus in die Hände spielt? Das wäre
naheliegend, denn die Autoren gehen danach auf die Gefahr des
Rechtspopulismus in den Niederlanden und Frankreich ein. Suhl wäre
vor diesem Hintergrund eher ein Beleg für die abweichende Situation
in Deutschland.
Der Populismusbegriff der Autoren
bezeichnet im Grund nichts anders als den Gegenbegriff zum
FDP/CDU/CSU/SPD/Grünen-Mainstream und ist dadurch kein analytischer
Begriff, sondern ein ideologischer Begriff. Das Establishment igelt
sich in seiner Mainstreamfestung ein und hofft, dass es doch nicht
so schlimm werden wird.
Hervorgehoben wird von den
Autoren das Buch Sleeping Giant von Tamara DRAUT, in dem die
Front zwischen Akademikern und Nicht-Akademikern gezogen wird. Aber
ist eine solche Frontstellung überhaupt typisch für die
aufbrechenden Konflikte in den Industrieländern? Die Beschreibung
entspringt eher den Abgrenzungsbedürfnissen unserer Eliten und
weniger der gesellschaftlichen Realität.
Die Autoren wollen uns Lesern
klarmachen, dass unsere gefühlte Ungleichheit postfaktisch ist. Dazu
präsentieren sie uns eine Studie, in denen die ungleichen
Markteinkommen den weit gleicheren Nettoeinkommen gegenüber gestellt
werden. Anders formuliert: Der Sozialstaat ist in Deutschland eine
große Umverteilungsmaschine. Die Studie hat jedoch einen gewaltigen
Haken, denn er berücksichtigt nur die unter-60-Jährigen, denn bei
den über-60-Jährigen kehrt sich die Sachlage um, denn in keinem
EU-Land wurden die Renten derart drastisch gekürzt wie in
Deutschland, weshalb das IW Köln vor einiger Zeit die Erhöhung des
Renteneintrittsalters damit begründet hat, dass der Sozialstaat an
den geringen Alterseinkommen schuld sei. Es kommt eben immer darauf
an, was man mit Studien beweisen will!
Fazit: Der Artikel ist eine
Beruhigungspille. Soziale Ungleichheit oder zunehmende Altersarmut?
Alles nur unsere Einbildung. Der soziale Aufstieg ist ein Problem?
Keineswegs, denn bei uns gibt es keinen sozialen Abstieg auf breiter
Front! Lediglich die Steuern sind unserer Elite ein Dorn im Auge.
Davon profitiert die privilegierte
obere Mittelschicht und die Einkommensoberschicht wenigstens am
meisten, dafür wird dann bei den Sozialleistungen gespart, die
Gering- und Schlechterverdienern mehr entgegenkommen würden.
RICKENS, Christian & Thomas TUMA
(2017): "Die Politik hat zu lange zu vieles schleifen lassen".
Die Allensbach-Chefin über die
Folgen der Kölner Silvesternacht, Unsicherheiten und Zukunftsängste
der Deutschen sowie die Prognosekraft der Zunft,
in:
Handelsblatt
v. 17.02.
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Der
IAB-Kurzbericht
Arbeitskräfteangebot sinkt auch bei hoher Zuwanderung in den
Medien
SPECHT,
Frank
(2017): Die Arbeitskräfte verschwinden.
Demografie: Nur mit 400.000
Zuwanderern pro Jahr könnte Deutschland die Zahl der Erwerbspersonen
bis 2060 stabil halten - doch das erscheint unrealistisch,
in:
Handelsblatt
v. 17.02.
Frank SPECHT gibt den IAB-Kurzbericht von Johann FUCHS, Doris SÖHNLEIN
und Brigitte WEBER wieder, ohne dessen überholten Grundannahmen zu
kritisieren. So wird in der Projektion eine konstante Geburtenrate von
1,427 angenommen, obwohl diese inzwischen schon bei 1,5 liegt. Der
aktuelle Demografiebericht geht von einem Geburtenanstieg auf 1,6 aus.
Allein ein solcher Anstieg würde zu rund 1 Million Erwerbspersonen
mehr führen. Bereits bei einem Wanderungssaldo von 300.000 wäre die
Anzahl der Erwerbspersonen nahezu konstant.
Fazit: Von einem
demografiebedingten Arbeitskräftemangel kann keine Rede sein.
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SOLDT, Rüdiger
(2017): Vertrauensspeck aufgebraucht.
Das Scheitern der Neuregelung der
Altersversorgung im Südwesten schadet auch der Koalition,
in: Frankfurter
Allgemeine
Zeitung
v. 17.02.
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RITZER, Uwe
(2017): "Man hat permanent Existenzängste".
Monika Baumgartner kennt den Gang
zum Arbeitsamt - obwohl sie eine feste Serienrolle im Fernsehen hat.
Ein Gespräch über Sparsamkeit, Älterwerden und die Frage, warum unklar
ist, wie viel Rente sie bekommt,
in: Süddeutsche
Zeitung
v. 17.02.
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Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte
FORSTER, Christof
(2017): IV vor
neuer Sparrunde.
Bürgerliche Parteien geht die
Reform der Invalidenversicherung zu wenig weit,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 17.02.
"Laut den Prognosen des Bundes wird die IV bis 2030 ihre
Schulden beim AHV-Fonds getilgt haben. Ab 2026 sollen die
Überschüsse die Milliardengrenze erreichen. Und dies, obwohl ab
2018 die Zusatzfinanzierung mit 0,4 Prozent Mehrwertsteuer (rund
1,1 Milliarden Franken) und die Übernahme der Schuldzinsen durch
den Bund entfallen",
erklärt uns Christof FORSTER,
der jedoch die Perspektive des Schweizer Arbeitgeberbandes
vertritt, der die Prognose kritisiert. Wir kennen diese Strategie
aus Deutschland, wo
das IW Köln die Interessen der Arbeitgeber wissenschaftlich
unterfüttert und dann je nach Gusto sich jene Zahlen herausgreift,
die gerade die Argumentation stärken. Da spielt es dann
keinerlei Rolle, ob heute das genaue Gegenteil von gestern
angenommen wird und morgen schon wieder andere Zahlen
herausgekramt werden, die - welch ein Wunder - ganz glänzend zu
den eigenen Interessen passen.
Den Schweizer Neoliberalen geht
es wie den deutschen Neoliberalen primär um Kostensenkung zu
Lasten derjenigen, die auf die Leistungen der
Alterssicherungssystem angewiesen sind.
FORSTER, Christof
(2017):
Bundesrat sieht IV auf Sanierungskurs.
Die neue Reform der
Invalidenversicherung kommt ohne Sparziel daher,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 17.02.
Christof FORSTER nennt nur
wenige Zahlen zur Entwicklung der IV-Rentner:
"Bei den 18- bis 24-Jährigen
sind die Neurenten konstant geblieben. Und nur leicht rückläufig
ist die Zahl der Neurenten bei Menschen mit psychischen Leiden.
Die Reform fokussiert deshalb auf diese Gruppen."
Einleuchten tut dieser Fokus
nur vor dem Hintergrund, dass offenbar eine Halbierung der Zahlen
bei den Neurentnern die Richtschnur der Neoliberalen für weitere
Maßnahmen darstellt:
"Dank den früheren Revisionen
der Invalidenversicherung hat sich die Zahl der Neurenten seit
dem Höchststand von 2003 halbiert. Allerdings betrifft diese
positive Entwicklung nicht alle."
FORSTER rückt die Aktivierung
potenzieller IV-Rentner in den Mittelpunkt der Reform. Der
Arbeitgeberverband stört sich jedoch daran, dass die Unternehmer
zu einem Integrationsbeitrag gezwungen werden sollen.
"Auf Widerstand der SP stösst
die Einführung des stufenlosen Rentensystems.
Behindertenverbände (...) haben (...) gefordert, dass wie heute
ab einem IV-Grad von 70 Prozent eine ganze Rente zugesprochen
wird. Der Bundesrat ist dem Wunsch nachgekommen",
erklärt uns FORSTER. Die
Arbeitgeber und ihr langer Parteiarm die FDP fordern eine Erhöhung
des Schwellwertes von 70 auf 80 Prozent, um Kosten zu sparen.
STALDER, Helmut
(2017):
Optimismus allein reicht nicht.
Kommentar: Invalidenversicherung,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 17.02.
Helmut STALDER macht sich wie
FORSTER zum Durchlauferhitzer der Schweizer Arbeitgeberverbände.
Dabei hebt seine Darstellung der Entwicklung der Problemgruppe
einen anderen Aspekt hervor wie jene von FORSTER:
"Während die Zahl der
Neurentner insgesamt sinkt, ist jene der 18- bis 24-Jährigen
unvermindert hoch. Rund 2000 junge Menschen werden jedes Jahr
mit einer IV-Rente bedacht, meist wegen psychischer Gründe."
STALDERs Menschenbild
unterstellt den IV-Rentnern Mitnahmementalität, d.h. sie sind
arbeitsunwillig und kassieren lieber die üppige Staatsknete:
"Frühverrentung gilt es
möglichst zu verhindern, denn sie (...) bettet (Junge)(...) in
ein System, aus dem sie fast nicht mehr herauskommen - und oft
auch nicht wollen, wenn die Rente über dem Lohn liegt, den
Gleichaltrige verdienen."
Dass vielleicht die Löhne der
Gleichaltrigen zu niedrig sind, kommt Neoliberalen nicht in den
Sinn. Ihr Ziel gilt der Absenkung der Sozialstandards, um die
Löhne der Arbeitnehmer weiter drücken und die Profite der
Arbeitgeber weiter erhöhen zu können. Anreize schaffen wird das
verharmlosend genannt. STALDER nennt es jedoch beim richtigen
Namen:
"Aber es gilt auch, einen
gewissen Druck aufrechtzuerhalten."
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16.02.2017
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THADDEN, Elisabeth von
(2017): Müttermacht.
Rechts oder links: Der neue Bauch
ist politisch,
in:
Die ZEIT Nr.8
v. 16.02.
"Schwangerschaft ist das unweigerlich Sichtbare des sexuellen
Menschen, in alternden Gesellschaften ist sie der verkörperte Verweis
auf die Zukunft, und sie offensiv zu zeigen ist heute ein politischer
Akt",
erklärt uns die Adlige Elisabeth von THADEN anlässlich eines
öffentlichen Auftritts von Frauke PETRY (AfD), die ihr fünftes Kind
erwartet.
Mit der Politikwissenschaftlerin
Elisabeth WEHLING könnte man dies als politisches Framing beschreiben.
Man kann die Darstellung der Gouvernantenadligen in eine Reihe von
Feuilletondiskursen der letzten 15 Jahre stellen, der sich von der
Rückkehr des Patriarchats (Philip LONGMAN) bis zum
"Oversexed, Underfucked"-Diskurs entspannt hat und damit die
Konvergenz von Neuer Mitte und Neuer Rechte im Zeichen einer
Demografisierung gesellschaftlicher Probleme vorangetrieben hat. Der
Rechtspopulismus ist kein Unfall der Geschichte, sondern das Ergebnis
eines politischen Framing, mit dem unsere obere Mittelschicht und die
Oberschicht ihre Besitzstände gegen den Rest der Gesellschaft zu
verteidigen versucht.
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KRAMER, Bernd (2017): Kaputter Fahrstuhl.
Zukunft: Die Eltern hatten sichere
Jobs und einen sorgenden Sozialstaat. Und die Jüngeren? Werden diesen
Wohlstand wohl nicht mehr erreichen, heißt es immer häufiger ein
Szenario,
in:
Freitag Nr.7
v. 16.02.
Bernd KRAMER, Jahrgang 1984, beschreibt ein Zukunftsszenario des
Jahres 2057, das genauso gut aus den 1980er Jahren hätte stammen
können, wenn man von dem technologischen Schnickschnack absieht.
KRAMER versucht uns das Konzept der Generationengerechtigkeit
schmackhaft zu machen - das Gegenteil erreicht er jedoch, denn
offenbar ist nicht Generationengerechtigkeit, sondern die
Klassengesellschaft das Problem, d.h. die großen Unterschiede
innerhalb einer Generation. Deshalb schlängelt sich das Wochenthema
auch immer wieder von einem Pol zum anderen Pol des Problems, ohne
dass dadurch das Konzept der Generationengerechtigkeit einleuchten
will.
Angeblich war früher die Zukunft
gewiss. Dabei entsteht Gewissheit immer nur im Rückblick, während
jede Zukunft ungewiss ist. Betrachtet man die Prognosen, die uns im
Nachkriegsdeutschland um die Ohren gehauen wurden, dann sah unsere
Zukunft spätestens seit den 1970er Jahren ziemlich schwarz aus. Dumm
nur, dass kaum etwas davon eingetroffen ist. Heute ist das nicht
anders!
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CREUTZBURG, Dietrich
(2017): Mehr Geld für Rentner.
Die Bundesregierung bringt zwei
Rentengesetzte auf den Weg. Vor allem für Ruheständler im Ost und
Erwerbsgeminderte gibt es höhere Leistungen,
in: Frankfurter
Allgemeine
Zeitung
v. 16.02.
SIEVERS, Markus
(2017): Rentengrenze fällt im Jahr 2025.
Bundesregierung schafft Einheit.
Junge Leute im Osten werden schlechtergestellt,
in: Frankfurter
Rundschau
v. 16.02.
LAMBECK, Fabian (2017): Kabinett beschließt Rentenangleichung.
Der Rentenwert Ost soll auf
Westniveau steigen, die Hochwertung der Löhne im Gegenzug wegfallen,
in: Frankfurter
Rundschau
v. 16.02.
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FROMME, Herbert
(2017): Versicherer Ergo kürzt in Nürnberg.
Eigene Angebote einer Tochter
werden eingestellt. Der Standort soll ein digitales Betreuungszentrum
werden,
in: Süddeutsche
Zeitung
v. 16.02.
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MODLER, Isabelle
(2017): Für wen sich Rürup lohnt.
Besonders Gutverdiener, die hohe
Steuern zahlen, können bei der Altersvorsorge sparen,
in:
Welt
v. 16.02.
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Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte
SAUTER, Regine
(2017): Chancen
zur Modernisierung nutzen.
Gastkommentar: Altersvorsorge
2020,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 16.02.
Die Schweizer FDP-Politikerin
Regine SAUTER preist das aktuelle Modell der
Nationalratskommission an, wobei sie die Kompensationsproblematik
außen vor lässt, die in der NZZ in letzter Zeit im
Vordergrund der Debatte stand. Insbesondere der Wegfall des
Koordinationsabzugs. Der Koordinationsabzug ist aus ihrer Sicht
ungerecht (was nur im Hinblick auf den breiten Parteinkonsens als
wichtig erachtet wird), aber vor allem eine flexiblere
Beschäftigung von Arbeitnehmern einschränkt, was ihr Hauptmotiv
ist:
"Die Abschaffung des
Koordinationsabzugs trägt (...) dem wachsenden Trend in Richtung
Mehrfachbeschäftigung Rechnung.
Heute wird der Koordinationsabzug pro Arbeitsstelle und damit
mehrfach abgezogen. So ergeben sich für Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmer mit mehreren Jobs deutlich tiefere Renten als für
Arbeitnehmer mit gleichem Lohn, aber nur einem Arbeitgeber."
Auch alle anderen Maßnahmen
dienen in erster Linie einem Abbau von Beschränkungen beim
Arbeitseinsatz.
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15.02.2017
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ÖCHSNER, Thomas
(2017): 50 Euro plus im Monat.
Für manche steigt die
Erwerbsminderungsrente,
in: Süddeutsche
Zeitung
v. 15.02.
Thomas ÖCHSNER berichtet über den
Kabinettsbeschluss zur Erwerbsminderungsrente, von dem nur die
Neurentner unter den Erwerbsminderungsrentnern profitieren. Lediglich
die Kritik des Sozialverband VdK wird von ÖCHSNER bei seiner
Darstellung berücksichtigt. Einen Wegfall der Abschläge, die der VdK
fordert, lehnt die Bundesregierung ab, denn sie unterstellt den
Arbeitnehmern, dass sie dann statt der Frührente lieber
Erwerbsminderungsrente beziehen würden. Dieses Argument ist
fadenscheinig und soll lediglich verschleiern, dass es hier lediglich
um Kosteneinsparungen geht.
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GENTRUP, Anna
(2017): Die große Abwicklung.
Der Verkauf von
Versicherungsbeständen wird immer beliebter,
in: Süddeutsche
Zeitung
v. 15.02.
Anna GENTRUP macht Werbung für Abwicklungsplattformen, mit denen
sollen sich Lebensversicherer zu Lasten der Kunden sanieren:
"Bei der Digitalisierung, die
Versicherern hohe Millionensummen kostet, setzt die Abspaltung von
unrentablem Altgeschäft dringend benötigtes Kapital frei",
heißt es dazu verschleiern bei
GENTRUP. Anders formuliert: Um die Riesterreform Anfang der Nuller
Jahre durchzusetzen, haben uns die Lebensversicherer mit hohen
Renditen geködert. Nun wollen sie davon nichts mehr wissen. Vielmehr
wollen sie die damaligen Versprechen mittels Verkauf an spezielle
Run-off-Plattformen entsorgen. Warum aber sollen die Kunden die Kosten
der Digitalisierung tragen und nicht z.B. die Investoren? Diese
naheliegende Frage wird von GENTRUP als Lobbyistin der
Versicherungswirtschaft ausgeblendet. Sie geht stattdessen noch
weiter, um die Risiken der Kunden zu verharmlosen:
"Geht ein Versicherer an seinen
Altlasten zugrunde, sind es in erster Linie die Kunden, die darunter
leiden. Die europäische Aufsicht Eiopa hat nichts gegen den
Bestandsverkauf einzuwenden - sofern die Kunden dadurch nicht
schlechter gestellt werden."
Wer bitte entscheidet, wann Kunden
nicht schlechter gestellt werden? Die Versicherer und auch nicht die
Aufsicht sind Interessenorganisationen der Kunden. Wer also sorgt dann
dafür, dass Kunden nicht schlechter gestellt werden? Offensichtlich
fehlt hier eine starke Instanz der Verbraucher. Die Lobbyisten der
Versicherungswirtschaft, die über die EU den Verbraucherschutz
auszuhebeln versuchen, wollen die Kunden den Abwicklungsgesellschaften
in die Arme treiben:
"Beispielsweise soll geklärt
werden, ob die Aufsicht das Recht bekommen soll, bei schwächelnden
Versicherern einzugreifen und sie zur Bestandsabgabe zu verpflichten."
Der Begriff "schwächelnd" ist ein
sehr dehnbarer Begriff, der zu Lasten der Kunden ausgelegt werden kann
und sicher auch wird. Geht es um die Profite der Lebensversicherer,
dann stehen die Kundeninteressen ganz am Ende!
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CREUTZBURG, Dietrich
(2017): Betriebsrenten sollen noch stärker gefördert werden.
Die Bundesregierung will die
betriebliche Altersversorgung stärken. Den Abgeordneten geht ihr
Gesetzentwurf aber nicht weit genug. Die CDU erwägt neue Regeln für
Sozialbeiträge und "sanften Druck",
in: Frankfurter
Allgemeine
Zeitung
v. 15.02.
Anlässlich der bevorstehenden Lesung des
Betriebsrentenstärkungsgesetzes im Bundestag, berichtet Dietrich
CREUTZBURG über Änderungswünsche von CDU-Abgeordneten, die sich gegen
die Bevorzugung des Sozialpartnermodell richten und den Arbeitgebern
mehr Profitmöglichkeiten eröffnen
sollen. So will Peter WEIß den Arbeitgeberzuschuss von 15 Prozent
allen Wegen der betrieblichen Altersvorsorge zukommen lassen und nicht
nur dem Sozialpartnermodell. Dies soll die Doppelverbeitragung bei den
Krankenkassenbeiträgen kompensieren, was es natürlich nicht tut.
Entscheidender ist dagegen, dass
nicht nur Geringverdiener (Einkommen von bis zu 2.000 Euro im Monat),
sondern auch Verdiener mit höheren Einkommen (eine Grenze wird nicht
genannt) bei der Anrechnung auf die Grundsicherung profitieren sollen.
Dies ist in erster Linie ein Steuersparmodell für die Arbeitgeber:
"der Arbeitgeber soll sich von
Beiträgen bis 480 Euro im Jahr dann 30 Prozent durch eine Verrechnung
mit der Steuer wiederholen können."
Man könnte das als
Kompensationsmodell für die Arbeitgeber betrachten: Der
Arbeitgeberzuschuss würde also letztlich zu Ausfällen bei den
Steuereinnahmen führen.
Zum Schluss berichtet CREUTZBURG
noch über eine Herzensangelegenheit des hessischen CDU-Finanzministers
Thomas SCHÄFER, der den sanften Zwang für alle Wege der Betriebsrente
einführen möchte:
"Wer neu in einem Unternehmen
anfängt, müsste dann künftig in jedem Fall einen Vorsorgevertrag
angeboten bekommen; wer nicht vorsorgen und lieber den vollen Lohn auf
dem Konto haben will, müsste künftig ausdrücklich widersprechen.
Bisher ist eine solche Regelung nur im Rahmen des Sozialpartnermodells
als Variante vorgesehen."
Fazit: Mit dem
Betriebsrentenstärkungsgesetz soll die gesetzliche Rentenversicherung
weiter geschwächt und die Kapitaldeckung gestärkt werden, denn nicht
nur die Betriebsrente, sondern auch die Riester-Rente soll viel
stärker als bisher gefördert werden, obwohl sie für Gering- und
Schlechterverdiener völlig unlukrativ ist. Letztlich ist das eine
Umverteilung von unten nach oben, von der die Besser- und
Spitzenverdiener überproportional profitieren. Dabei geschieht diese
Umverteilung in erster Linie über die unterschiedliche
Lebenserwartung.
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MOHR, Daniel
(2017): Mehr Jüngere kaufen Aktien,
in: Frankfurter
Allgemeine
Zeitung
v. 15.02.
Daniel MOHR füttert uns mit der
am Dienstag veröffentlichten PR des Deutschen Aktieninstituts -
ohne uns jedoch die ganze Wahrheit zu den geschönten Zahlen zur
"Zusatzrente" zu präsentieren, denn dazu müsste man die
12seitige Broschüre zu den Aktionärszahlen 2016 lesen:
"Annahmen: Ansparphase über 30
Jahre mit 50 Euro Anlage pro Monat, Anlage jeweils zum Stand des DAX
oder REXP am Monatsende, keine Berücksichtigung von Steuern und
Transaktionskosten: Zeitraum der Berechnung, 1967-2016" (S.9)
In der Printausgabe wird uns sogar
nur der höchstmögliche Durchschnittswert präsentiert:
"Wer in der Vergangenheit 30 Jahre
lang monatlich einen Sparbetrag von 50 Euro in Aktien investiert habe,
konnte damit im Durchschnitt eine Zusatzrente von 870 Euro im Monat
erzielen, die 20 Jahre lang gezahlt wird."
Online wird dagegen zumindest darauf hingewiesen, dass man auch
Pech haben konnte:
"Selbst im Falle einer
ungünstigeren Entwicklung der Aktienmärkte waren es immer noch 360
Euro."
Nur bezieht sich das eben nicht auf
Aktien, sondern nur auf einen Indexfonds und ohne die Kosten zu
berücksichtigen. Uns wird also ein nicht erreichbares Ideal
präsentiert. Aufklärung sieht anders aus! Und ob in Zukunft solch hohe
Renditen wie in der Vergangenheit noch möglich sind, weiß niemand.
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Gebietsreformen in der
Debatte
NEIßE, Wilfried
(2017): Von Reformgegnern eingekreist.
Brandenburg: Volksinitiative
übergab 129.464 Unterschriften gegen die geplante
Kreisneugliederung,
in:
Neues Deutschland v. 15.02.
Anlässlich der Übergabe von mehr als genügend Unterschriften, die
eine Volksinitiative aus CDU, FDP, Freien Wählern und regionalen
Gruppen gesammelt hat (von der AfD distanziert man sich),
berichtet Wilfried NEIßE über das Prozedere und dessen
Auswirkungen auf die Durchführung der Gebietsreform. NEIßE führt
nochmals die Gründe auf, die für die Gebietsreform sprechen und
betont, dass die CDU einst selber den Reformbedarf festgestellt
hatte als sie noch an der Regierung war.
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MÜLLER, Hans Christian & Imran AHMAD (2017):
Leergefegt.
Grafik des Tages: Nie seit der
Wiedervereinigung war das Angebot an guten Jobs so hoch und die
Nachfrage danach so gering wie heute. Immer mehr Unternehmen suchen
den Arbeitsmarkt vergeblich ab - und sehen ihre Geschäfte bedroht. Der
Fachkräftemangel ist längst zum Wachstumshemmnis geworden und die
größte Sorge der Firmenchefs,
in: Handelsblatt
v. 15.02.
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SLODCZYK, Katharina
(2017):
Mehr Schulaufgaben wie aus dem Leben.
HB-Serie Ökonomische Bildung.
Finanzbildung: Großbritannien hat den Unterricht über Geld und Zinsen,
Kredite und Altersvorsorge zur Pflicht gemacht. Doch das reicht noch
lange nicht, um das ökonomische Wissen der Schüler auf breiter Front
zu verbessern,
in: Handelsblatt
v. 15.02.
"Finanzbildung gehört zum Pflichtprogramm an staatlichen Schulden
in Großbritannien, auf die etwa jeder zweite Schüler auf der Insel
geht. Nordirland hat damit bereits vor zehn Jahren angefangen, dann
folgten Schottland, Wales und 2014 schließlich England",
berichtet uns Katharina SLODCZYK
über die Erfolge bei der Verankerung der Finanzbildung in
Großbritannien. Die Bankenkrise wird uns als Anlass des verstärkten
Bemühens der Politik um die Finanzbildung genannt:
"Damals hat die hohe Verschuldung
der Privathaushalte das Königreich zusätzlich in die Tiefe gerissen.
Mit insgesamt 1,4 Billionen Pfund (1,64 Billionen Euro) waren die
Briten Spitzenreiter in Europa",
erklärt uns SLODCZYK. Die Schuld
für die Bankenkrise wird also den Verbrauchern zugeschrieben und nicht
der Falschberatung durch die Banken. Die Finanzbranche ärgert es
jedoch, dass es keine einheitlichen Vorgaben gibt, sodass
Finanzbildung teilweise auch im Fach politische Bildung gelehrt wird,
was die Finanzbranche gewaltig ärgert, denn mit einer kritischen
Einstellung zum herrschenden Finanzkapitalismus ist ihren
Profitinteressen nicht gedient. Zur Durchsetzung Finanzmarktgenehmer
Lehrinhalte wurde im Jahr 2000 die Pesononal Finance Education Group (PFEG)
gegründet, die Teil einer größeren und älter gemeinnützigen
Organisation ist und für Großbritannien das ist, was in die
Deutschland die neoliberale Bertelsmann-Stiftung ist.
Teilweise unterrichten in
Großbritannien auch Bankmitarbeiter direkt an den Schulen:
"Inzwischen springen teilweise
Mitarbeiter britischer Banken als Geldlehrer ein und füllen Lücken.
Doch das sei problematisch, kritisieren Verbraucherschützer, waren
doch gerade die Geldhäuser für Falschberatung und andere Skandale auf
der Insel verantwortlich."
Den Bock zum Gärtner zu machen, das
würde also dem Image schaden, weshalb die Finanzbranche die Fäden im
Hintergrund zieht. Manche wollen einen "Finanzführerschein" einführen,
um das Kreditgeschäft für die Geldleiher sicherer zu machen, denn was
nützt die beste Melkkuh, wenn sie übermolken wird?
"Zuletzt hat die Verschuldung
britischer Privathaushalte das Vorkrisenniveau überstiegen."
Das aber auf fehlende Finanzbildung
zu schieben wäre naiv. Zwar stilisiert das Handelsblatt, das
die Interessen der Besser- und Spitzenverdiener vertritt, Studenten
aufgrund der Verschuldungsquelle Studiengebühren zu den Opfern. Am
System des herrschenden Finanzkapitalismus kratzt dies nicht, denn
Kreditwirtschaft und Altersvorsorgebranchen sind lukrative Märkte und
die Bürger sollen durch die Finanzbildung zu prächtigen Melkkühen
erzogen werden.
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14.02.2017
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KEGEL, Sandra
(2017): Küsse, Bisse, Risse.
Anatomie einer Geste: Geküsst wird
immer und zu allen Zeiten. Doch nicht jeder Kuss steht für den Beginn
einer großen Liebe. In seinem neuen Buch untersucht der Schweizer
Germanist Peter von Matt den Kuss in der Literatur. Ein Gespräch zum
Valentinstag,
in: Frankfurter
Allgemeine
Zeitung
v. 14.02.
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KEIL, Gitta/DPA
(2017): Wenig Liebe für Liebesschlösser.
Auch in Sachsen-Anhalt wird die
zusätzliche metallene Last an Brücken ein Problem,
in:
Neues Deutschland
v. 14.02.
Gitta KEIL berichtet über den Umgang mit Liebesschlössern in
Magdeburg, Halle und Weißenfels sowie über den Liebesschloss-Markt,
der inzwischen auch "Baby-Schlösser" anbietet, die in
Liebesschlösser eingeklinkt werden können.
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NEUES
DEUTSCHLAND-Tagesthema: Fusionen von Landkreisen.
Gebietsreform - das mag in
manchen Ohren dröge klingen. Derlei Vorhaben sorgen aber häufig für
mächtig Zoff. In Brandenburg übergibt eine Volksinitiative heute
Unterschriften gegen die geplante Kreisreform an die
Landtagspräsidentin. In Thüringen lieben mehrere Klagen vor
LASCH, Hendrik (2017): Längere Wege und nichts gespart.
Studie warnt vor unerwünschten
politischen Folgen von Gebietsreformen,
in:
Neues Deutschland
v. 14.02.
"Zwei Forscher vom Ifo-Institut in Dresden und dem Leibnitz-Institut
für Wirtschaftsforschung der Uni München legten jetzt eine Analyse
vor, für die 30 Studien zu Gebietsreformen etwa in den Niederlanden,
Dänemark, der Schweiz und Baden-Württemberg ausgewertet wurden. In
aller Regel schreiben die Autoren Sebastian Blesse und Felix Rösel,
wiesen die Untersuchungen »nicht darauf hin«, dass Fusionen zur
»Erhöhung der Qualität und Effektivität im Verwaltungshandeln
geführt haben«",
schreibt Hendrik LASCH über die
Ergebnisse einer
Studie, die die Kritiker von Gebietsreformen stärkt. Velten
SCHÄFER versucht deshalb in seinem Artikel die Bedeutung der Studie
herunterzuspielen, indem er Frank KUSCHEL (Linkspartei) zitiert. Der
spricht von einem "»Aufsatz«
eines Doktorranden, der für die FDP zur Landtagswahl 2009 in Thüringen
kandidiert habe".
Als weiteren Kritiker von
Gebietsreformen nennt LASCH den Greifswalder Wirtschaftsgeograf Helmut
KLÜTER, der angesichts der Gebietsreform in Mecklenburg-Vorpommern von
einer "Überzentralisierung" spricht
SCHÄFER, Velten (2017): Acht plus zwei gleich
Zukunft?
Die für das kommende Jahr geplante
Thüringer Gebietsreform ist heftig umstritten,
in:
Neues Deutschland
v. 14.02.
Velten SCHÄFER versucht die Gebietsreform in Thüringen
herunterzuspielen und bezeichnet sie als "Mittelweg zwischen
Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt". Zudem sei Thüringen bei
den ostdeutschen Gebietsreform im Rückstand.
FRITZSCHE, Andreas (2017): Landrätin
widerspricht.
Linkspartei-Politikerin lehnt
Fusion ab,
in:
Neues Deutschland
v. 14.02.
Andreas FRITZSCHE berichtet über die Landrätin Kornelia WEHLAN
(Linkspartei), die gegen eine Fusion ihres Landkreises Teltow-Fläming
mit Dahme-Spreewald ist.
"Teltow-Fläming hat im Moment
167.000 Einwohner. Nach der Bevölkerungsprognose, auf die sich das
Innenministerium bezieht, sinkt diese Zahl in den kommenden 23 Jahren
auf 153.000.
Das jedoch zweifelt Wehlan an. Nach neueren Berechnungen werde
Teltow-Fläming durch Zuwanderung und Siedlungstätigkeit sogar Bewohner
hinzugewinnen, sagt sie. (...)
»Wir gehen davon aus, dass
wir 2030 mindestens 175.000 Einwohner haben werden. Der Landkreis ist
knapp 2100 Quadratkilometer groß und reicht schon jetzt von Berlin bis
Sachsen-Anhalt (...)«",
fasst FRITZSCHE die Position der
Landrätin zusammen, die gegen eine Fusion sprechen. Er weist außerdem
darauf hin, dass die Politikerin bereits 2003 gegen eine Gebietsreform
war, was von anderen Gegnern nicht behauptet werden kann.
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CREUTZBURG, Dietrich
(2017): Die Mittelschicht ist sehr stabil - und unzufrieden.
Der Anteil der Bezieher mittlerer
Einkommen sinkt seit 2005 nicht mehr, doch es herrschen
Abstiegsängste,
in: Frankfurter
Allgemeine
Zeitung
v. 14.02.
Die Mittelschicht ist stabil? Selbst die Daten des IW Köln geben diese
Interpretation nicht her, wenn man die Entwicklung der vier Schichten
vergleicht, die aus der folgenden Tabelle ersichtlich sind:
| Schicht |
1991 |
2014 |
Differenz |
| Obere
Mitte und Relativ Reiche |
18 % |
20 % |
+ 2 % |
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Mittlere Mitte |
50 % |
48 % |
- 2 % |
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Untere Mitte |
18 % |
16 % |
- 2 % |
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Relativ Arme |
13 % |
16 % |
+ 3 % |
Sowohl die relativ Armen (+ 3 %)
als auch die Oberschicht und die obere Mittelschicht (+ 2 %) hat zu
Lasten der Mitte (- 4%) zugenommen. Während sich die obere Mitte mit
der Oberschicht abgesetzt hat, kämpft die Mitte gegen den Abstieg, wie
die Zunahme der relativ Armen belegt.
CREUTZBURG, Dietrich
(2017): Vergessene Mitte.
Kommentar,
in: Frankfurter
Allgemeine
Zeitung
v. 14.02.
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STIEBER, Benno
(2017): Unverblümte parlamentarische Selbstbedienung.
Baden-Württemberg: Der Landtag
genehmigt sich eine üppige Altersvorsorge. Doch das könnte gekippt
werden - durch einen Volksbeteiligung, die das Parlament 2016
beschlossen hatte,
in:
TAZ
v. 14.02.
Benno STIEBER berichtet über die
Selbstbedienungsmentalität der
Baden-Württembergischen Landtagsabgeordneten, denen ein
Volksantrag droht. Dazu wären nur 40.000 Unterschriften nötig (O,5
Prozent der Wahlberechtigten):
"Allein die Drohung, dass die
Bevölkerung die Abgeordneten via Volksantrag zum Rapport zwingen
könnte, zeigt erste Wirkung".
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VOTSMEIER, Volker (2017): Versprochen - gebrochen.
Der Versicherer Generali kappte bei
Tausenden Ruheständlern die Betriebsrente. Das Resultat: eine
Klagewelle,
in: Handelsblatt
v. 14.02.
Vollmundig erklären uns die
Befürworter der Kapitaldeckung, dass bei diesem Verfahren
Generationengerechtigkeit kein Problem sei. Der Fall Generali zeigt,
dass die Altersvorsorge (ob betrieblich oder privat) der Willkür der
Unternehmen ausgeliefert ist. Obwohl der italienische
Versicherungskonzern Milliardengewinne macht, will er bei den
Betriebsrentnern Kosten einsparen. Dagegen helfen zwar Klagen, aber
die können sich in die Länge ziehen.
Volker VOTSMEIER berichtet über
Rentenkürzungen bei ehemaligen Mitarbeitern der Volksfürsorge, die
bereits 1988 von der Aachener und Münchener Versicherung übernommen
wurde und 2009 im italienischen Generali-Konzern aufgegangen ist.
Versuche Altlasten zu entsorgen und dadurch die Profite zu steigern
gehören zum Alltag jedes Lebensversicherers, ob es sich nun um
Betriebsrentner oder Kunden handelt.
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NARAT, Ingo
(2017): Nicht im Interesse der Anleger.
Investmentfonds: Eine Anlegerlobby
wehrt sich gegen zu hohe Gebühren bei Fonds, die ihrer Meinung nach
viel billiger sein könnten,
in: Handelsblatt
v. 14.02.
Ingo NARAT präsentiert uns anlässlich einer Kritik der "Anlegerlobby"
Better Finance an überhöhten Gebühren die Stellungnahmen der
beschuldigten Firmen. Der Lobbyismusbegriff wird im Handelsblatt
lediglich für Interessengruppen verwendet, die nicht die Wirtschaft
vertreten und wird damit zu einem wertenden Begriff.
NARAT verweist darauf, dass die
Fondsgesellschaften zu mehr Transparenz verpflichtet werden sollen.
Man muss darin wohl eher eine Beruhigungspille für Verbraucher sehen.
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13.02.2017
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HERZ, Carsten & Christian SCHNELL
(2017): Gute Police, schlechte Police.
Versicherer prüfen die Auslagerung
von zu teuer gewordenen Verträgen. Der Kauf des Basler-Bestandes durch
die Frankfurter Leben könnte nur der Anfang sein. Spezialplattformen
hoffen auf das große Geschäft,
in:
Handelsblatt
v. 13.02.
Anlässlich der Genehmigung der
Bestandsabwicklung durch die Bafin hofft nun die
Versicherungswirtschaft auf profitable weitere Geschäfte. HERZ &
SCHNELL berichten über Pläne der Frankfurter Leben zur Übernahme von
Beständen der Düsseldorfer Arag. Auch die Viridium Gruppe plant
weitere Übernahmen. Ausländische Investoren sehen in Deutschland einen
großen, profitablen Markt. Das einzige Argument der
Abwicklungsgesellschaften ist deren Behauptung, dass sie effizienter
seien als die traditionellen Lebensversicherer. Den Kunden, die von
der Übernahme betroffen sind, wird eingeredet, dass sie dadurch nicht
schlechter gestellt würden. Aber wer soll das prüfen? Und wer bestimmt
die Kriterien? Kein Artikel geht auf diese Problematik bisher ein,
sondern die Artikel dienen primär der Generierung eines positiven
Images.
HERZ, Carsten
(2017): "Die Plattformen arbeiten effizienter".
Michael Klüttgens: Der
Branchenexperte über die Abwicklung von Lebensversicherungen und
Kundeninteressen,
in:
Handelsblatt
v. 13.02.
Carsten HERZ gibt dem
Versicherungswirtschaftslobbyisten Michael KLÜTTGENS von Willis Towers
Watson Deutschland Raum für PR. Zum Konzern gehört u.a. der britische
Versicherungsmakler Willis Re, sodass von objektivem Expertentum in
Sachen Run-Off-Plattformen keine Rede sein kann.
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RÜRUP, Bert
(2017): Vorwärts in die Vergangenheit.
Der Chefökonom: Subventionierte
Mitarbeiterbeteiligungen sind kein Rezept gegen Altersarmut,
in:
Handelsblatt
v. 13.02.
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Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte
ENZ, Werner
(2017):
Abschied nehmen von den Pfründen.
Rentenalter 64 bei der Zürcher
Kantonalbank,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 13.02.
Werner ENZ betätigt sich als Durchlauferhitzer für den
Schweizerischen Arbeitgeberverband. In dieser Perspektive würde
der Neoliberale am liebsten das Renteneintrittsalter ganz
abschaffen. Das geplante Renteneintrittsalter von 65 Jahren
diffamiert er deshalb als "Altersguillotine 65". Ein Ärgernis ist
ihm deshalb, dass die Zürcher Kantonalbank (ZKB) für ihre
Mitarbeiter bessere Konditionen bietet. Obwohl Neoliberale im
Grunde Gleichmacherei verabscheuen, interessiert es sie wenig,
wenn es ihnen um ihre Interessen geht. Dann sollen sich plötzlich
alle nach ihrer Pfeife richten. So hält ENZ der ZKB vor, dass
sowohl die Angestellten des Kantons Zürich als auch die Swiss Re
eine Rente erst ab 65 Jahren zahlen.
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12.02.2107
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HUMMEL, Katrin
(2017): Das hässlichste Gefühl.
Der Neid hat keinen guten Ruf.
Dabei ist er eigentlich normal, sehr menschlich - und richtig
genommen, kann er sogar anfeuern. Eine Charakterkunde,
in: Frankfurter
Allgemeine
Sonntagszeitung
v. 12.02.
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KREMER, Dennis
(2017): Häuser lohnen sich mehr als Aktien.
Immobilien sind die beste
Geldanlage, sagt Wirtschaftshistoriker Moritz Schularick. Er hat die
Hauspreise seit dem Jahr 1870 erforscht,
in: Frankfurter
Allgemeine
Sonntagszeitung
v. 12.02.
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SIEVERS, Anne-Christin
(2017): Ehe kaputt, Haus futsch?
Wenn verheiratete Paare sich
trennen, trifft sie eine Frage oft unvorbereitet: Was soll mit der
gemeinsamen Immobilie nach der Scheidung geschehen?
in: Frankfurter
Allgemeine
Sonntagszeitung
v. 12.02.
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11.02.2017
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CREUTZBURG, Dietrich
(2017): Schäuble vergleicht Martin Schulz mit Trump.
Finanzminister wirft
SPD-Kanzlerkandidat "postfaktische" Methoden vor,
in: Frankfurter
Allgemeine
Zeitung
v. 11.02.
"Die gesetzlichen Renten (...) sind
bis etwa 2011 eher langsam gestiegen, in jüngster Zeit eilten die
Rentenanpassungen aber sogar der Lohnentwicklung voraus",
lügt uns Dietrich CREUTZBURG dreist
an, denn Rentenanpassungen bleiben aufgrund der Rentenformel IMMER
hinter der Lohnentwicklung zurück - ein Mantra, das uns Neoliberale
beim jährlichen Ritual der Veröffentlichung der neuen Rentenwerte
immer wieder verkünden.
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SMITH, Zadie
(2017): Meine Zeit als junge Frau ist vorbei.
Zadie Smith beschäftigt wisch mit
Balthasar Denners Gemälde "Alte Frau". Ihren Blick schärft der
britische Kunstkritiker John Berger. Doch zu ihren überraschenden
Erkenntnissen findet sie ganz allein,
in: Frankfurter
Allgemeine
Zeitung
v. 11.02.
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BRANKOVIC, Maja & Christian SIEDENBIEDEL
(2017): Kein Land der Abgehängten.
Lounge: Die Globalisierung hat die
Exportnation Deutschland reich gemacht. Aber auch hier gibt es
Regionen, in denen viele arbeitslos geworden sind. Die Autoren haben
sich unter Profiteuren und Verlierern umgehört,
in: Frankfurter
Allgemeine
Zeitung
v. 11.02.
"Die »Abgehängten« (...) sind nicht
wirklich arm, aber haben (...) ihren Status als Rückgrat der
Wirtschaft eingebüßt. Ihr Verdruss gilt als eine der Ursachen dafür,
dass Donald Trump (...) gewinnen konnte. (...).
Müssen auch wir (...) mit einer Revolte der »Abgehängten« gegen das
»Establishment« rechnen? (...).
Wer diese Fragen beantworten will, muss sich erst einmal mit den
Ökonomen Jens Südekum, Wolfgang Dauth und Sebastian Findeisen
unterhalten. Sie haben untersucht, welche Regionen hierzulande
gewonnen haben und welche verloren. Sie haben das vor allem daran
gemessen, wie sich die Beschäftigung in den verschiedenen Teilen des
Landes seit 1978 verändert hat",
beschreiben BRANKOVIC &
SIEDENBIEDEL die Herangehensweise ans Thema. Sie unterschlagen dabei
aber, dass die Untersuchung
Verlierer(-regionen) der Globalisierung in Deutschland: Wer? Warum?
Was tun? von SÜDEKUM/DAUTH/FINDEISEN vom Dezember 2016
lediglich die Situation in Westdeutschland berücksichtigt hat und die
neuen Bundesländer außen vor lässt. Die wirklich Abgehängten kommen
also gar nicht zur Sprache.
BRANKOVIC & SIEDENBIEDEL stellen
uns zuerst die Gewinnerregion Vechta vor (148 % Beschäftigungszuwachs)
und stellen dem Landkreis dann die Verliererregion Südwestpfalz
gegenüber:
"Inmitten der so idyllischen
Hügellandschaft zwischen Kaiserlautern und der französischen Grenze
ist seit 1978 mehr als jeder dritte Arbeitsplatz weggefallen - das ist
der stärkste Rückgang in ganz Westdeutschland. Selbst das Ruhrgebiet
(...) blutete laut der zitierten Studie weniger aus.
Bis in die sechziger Jahre gehörte Pirmasens zu den bedeutendsten
Industriezentren des Landes, voll ausgerichtet auf die Schuhproduktion
(...). Umso stärker war die Südpfalz betroffen, als die günstigeren
Schuhe aus Osteuropa und China den Niedergang der heimischen Industrie
einläuteten."
BRANKOVIC & SIEDENBIEDEL malen
ein düsteres Bild von der City in Pirmasens, das einer Geisterstadt
nicht unähnlich ist, um dann die wirtschaftliche Situation mit einigen
Indikatoren zu beschreiben:
"Liegt das Bruttoinlandsprodukt je
Einwohner in Pirmasens mit 35.000 Euro weit unter dem
Bundesdurchschnitt der kreisfreien Städte von rund 50.000 Euro, kommt
das Umland nicht einmal auf 15.000 Euro. Kein Kreis in Deutschland
erwirtschaftet weniger.
Hinzu kommt das geringe Bildungsniveau der Bevölkerung, das die
Vermittlung der Arbeitssuchenden erschwert. Die Arbeitslosenquote in
der Stadt Pirmasens beträgt 13 Prozent. Auf dem Land herrscht zwar
nahezu Vollbeschäftigung, doch das hat vor allem einen Grund: Mehr als
zwei Drittel der Erwerbstätigen pendeln zu ihrem Arbeitsplatz (...)
über die Grenzen des Landkreises hinaus. (...). Von den ehemals 60.000
Einwohnern sind der Stadt nur noch 40.000 geblieben. Wer bleibt,
findet heute Beschäftigung im schlechter bezahlten
Dienstleistungssektor. Oder geht auf direktem Weg in die
Arbeitslosigkeit. Hartz IV gehört ohnehin zur Realität vieler Kinder.
Jedes dritte unter 15 Jahren lebt von staatlichen Transferleistungen."
BRANKOVIC & SIEDENBIEDEL
bezeichnen die Südwestpfalz als "Osten des Westens", was sich auch im
Wahlverhalten ausdrücken würde:
"Seit Jahren sitzen NPD und
Republikaner im Stadtrat von Pirmasens, bei der Landtagswahl im März
2016 stimmten mehr als 15 Prozent für die AfD."
Dennoch wollen sie keinen
"eindeutigen" Zusammenhang zwischen Globalisierungsfolgen und dem
Wahlverhalten der "Abgehängten" erkennen. Dafür steht ein Gymnasiast
und ein Marketingexperte der Stadt Pirmasens ("Leiter der
Wirtschaftsförderung"). Letzterer darf die frohe Botschaft für die
Region verkünden:
"Der Abwärtstrend in den
Bevölkerungszahlen sei mittlerweile gestoppt. Auch wirtschaftlich gehe
es langsam wieder bergauf. Und schließlich zögen auch die
spottbilligen Immobilienpreise immer mehr Familien an, denen die
Städte schlicht zu teuer würden."
Alles bestens? Nicht die
Journalisten und auch nicht die Ökonomen sind es, die uns sagen
können, was die Zukunft bringt, sondern allein die Geschichte wird uns
zeigen wie es weitergeht.
In der Studie von SÜDEKUM/DAUTH/FINDEISEN,
die im Mittelpunkt der Story von BRANKOVIC & SIEDENBIEDEL steht,
wird uns folgende Rangliste der Regionen präsentiert, deren einziger
Indikator die Beschäftigungsgewinne und -verluste zwischen 1978 und
2014 in Westdeutschland sind:
Tabelle: Entwicklung
der regionalen Beschäftigung
1978-2014 |
| Rang |
Kreisfreie Städte
bzw.Kreise |
Beschäftigungsentwicklung
(in Vollzeitäquivalenten) |
| 1 |
Vechta |
149,1 % |
| 2 |
Freising |
143,2 % |
| 3 |
München-Land |
139,6 % |
| 4 |
Landshut |
128,6 % |
| 5 |
Eichstätt |
118,2 % |
| ... |
... |
... |
| 198 |
Hamburg |
9,7 % |
| ... |
... |
... |
| 210 |
Frankfurt a.M. |
8,4 % |
| ... |
... |
... |
| 219 |
Köln |
6,5 % |
| ... |
... |
... |
| 319 |
Pirmasens |
-
29,4 % |
| 320 |
Leverkusen |
-
31,1 % |
| 321 |
Wuppertal |
-
31,1 % |
| 322 |
Herne |
-
33,3 % |
| 323 |
Gelsenkirchen |
-
36,1 % |
| 324 |
Duisburg |
-
36,3 % |
| 325 |
Südwestpfalz |
-
37,6 % |
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Quelle:
SÜDEKUM/DAUTH/FINDEISEN
2016, Tabelle 1, S.4 |
SÜDEKUM/DAUTH/FINDEISEN sehen einen
direkten Einfluss der Globalisierung auf die regionale
Beschäftigungssituation:
"Die Regionen im unteren Bereich
der Liste (neben dem Ruhrgebiet etwa die Pfalz und Oberfranken) wiesen
in den 1970er Jahren deutlich andere sektorale
Beschäftigungsstrukturen auf als etwa Niederbayern oder der
Stuttgarter Raum. Die Wirtschaft im Ruhrgebiet war traditionell
fokussiert auf Kohlebergbau, Roheisenund Stahlerzeugung sowie auf
verwandte Bereiche wie Gießereien oder Kesselbau. In der Pfalz war die
Textil- und Schuhindustrie stark, in Oberfranken der Bereich der
einfachen Haushalts- und Elektrogeräte und der Spielwaren. Diese
Spezialisierungsmuster waren nicht zufällig. Sie spiegeln lokale
Gegebenheiten und Kompetenzen wider und haben sich über Jahrzehnte
entwickelt. Sie haben diesen Regionen über einen langen Zeitraum
hinweg Wohlstand beschert. So gehörte Duisburg einmal zu den deutschen
Städten mit dem höchsten Pro-Kopf Einkommen!
Aber im Zuge der Globalisierung entwickelten Osteuropa und Asien,
allen voran China, einen komparativen Vorteil in eben jenen Branchen
des einfachen verarbeitenden Gewerbes. Das bedeutet, dass sie Güter
wie Rohstahl, einfache Elektroartikel, T-Shirts, Spielzeug usw. zu
geringeren Lohnstückkosten als andere Produzenten herstellen konnten.
Oftmals zwar in geringerer Qualität, aber dafür zu einem deutlich
geringeren Preis." (2016, S.4)
Die Autoren unterscheiden jedoch
zwischen Globalisierungsgewinnern/-verlierern und allgemeinen
Gewinnern/Verlierern. Inwiefern eine solche Unterscheidung Sinn macht
angesichts der komplexen Wechselwirkungen, ist eine andere Frage. Den
Abgehängten ist es egal, aufgrund welcher Effekte sie abgehängt sind.
Was die FAZ unterschlägt:
Die Ökonomen gehen davon aus, dass die Polarisierung nur durch
verteilungspolitische Maßnahmen entschärft werden kann. Zur
Umverteilungspolitik zählen die Autoren jedoch nicht nur
Sozialtransfers, sondern insbesondere Maßnahmen des aktivierenden
Sozialstaats.
Die Wahlanalyse der Ökonomen ist
nicht wirklich eine Wahlanalyse, sondern rein spekulativ, d.h. auch
der FAZ-Artikel steht damit auf tönernen Füßen.
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WAGSTAFF, Chris
(2017): Behavioral Finance für die Altersvorsorge.
Standpunkt,
in: Frankfurter
Allgemeine
Zeitung
v. 11.02.
Chris WAGSTAFF will statt Belehrung den Nachahmungseffekt ausnutzen,
um die Bevölkerung in die Arme der Finanzwirtschaft zu treiben:
"Menschen (...) neigen (dazu), sich
der sozialen Norm anzupassen. Solange die öffentliche Debatte den
Eindruck vermittelt, unzureichende Altersvorsorge sei die soziale
Norm, dürften Menschen wenig Anlass sehen, ihre Einstellung zu ändern.
Positivbeispiele können mehr bewirken als Negativbeispiele, die
bislang die Debatte bestimmen.
Die Finanzindustrie solle zudem
Spielfilme und Talkshows mit dem Altersvorsorgegedankengut
infiltrieren, als ob das nicht bereits der Fall wäre!
Die Altersvorsorge ist eine Wette
auf die Zukunft. Pikanterweise will WAGSTAFF dieses Glücksspiel
zusätzlich noch durch Gewinnspiele attraktiver machen. Je mehr gespart
wird, desto höher sollen die Gewinnchancen sein.
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HEBEL, Stephan
(2017): Steinmeiers Hillary-Problem.
Leidartikel: Kann man den Aufstieg
der neuen Rechten Einhalt gebieten, indem man ihnen einen führenden
Repräsentanten des "Weiter so" als Bundespräsidenten entgegenstellt?
in: Frankfurter
Rundschau
v. 11.02.
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Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte
JÖRG, Aurel
(2017):
AHV-Fonds mit solider Anlagerendite.
Banges Warten auf die Umsetzung
der "Altersvorsorge 2020",
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 11.02.
Aurel JÖRG berichtet darüber, dass nach dem Minus beim Schweizer
Ausgleichsfonds AHV/IV/EO von 0,92 % im Jahr 2015, im letzten Jahr
eine Rendite von 3,93 % erreicht wurde.
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10.02.2017
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SCHNEIDER, Susanne & Josef
WIRNSHOFER
(2017): Building a Bridge to your Heart.
Woran machen wir unsere Liebe fest?
Millionen Paare auf der Welt finden: an einem Brückengeländer. Die
Liebesschlösser beschäftigen inzwischen eine ganze Industrie, die
Bürokratie - und die Theologie. Stimmen zum Eisernen Steg in
Frankfurt,
in: SZ-Magazin Nr.6
v. 10.02.
WAGNER, Lorenz
(2017): Halt mich.
Manchmal schläft Beth monatelang -
sie leidet am seltenen Dornröschen-Syndrom. Ihr Freund Dan setzt
sich dann trotzdem jeden Tag an ihr Bett. Die Geschichte einer
Liebe, in der die Zeit relativ ist,
in: SZ-Magazin Nr.6
v. 10.02.
HERPELL, Gabriela
(2017): Liebe schwärmt auf allen Wegen.
Die Maler Rosa Loy und Neo Rauch
sind schon lange ein Paar. Hier erzählen sie, wie sie der
Ungerechtigkeit der Welt trotzen. Und sich beim Einräumen der
Spülmaschine ergänzen,
in: SZ-Magazin Nr.6
v. 10.02.
KOCH, Christoph (2017): Für immer und Dich.
Adele schrieb an die falsche
Mail-Adresse. Tausende Kilometer weiter wunderte sich Phil über die
Post der unbekannten Frau. Und da soll noch jemand sagen, Liebe sei
kein Schicksal,
in: SZ-Magazin Nr.6
v. 10.02.
MATTHEIS, Philipp (2017): Crazy litte Thing called Love.
Kaum war er ihr begegnet, war er
ihr verfallen. Die Frau ließ ihn nie ganz nahe kommen, hielt ihn
aber auch nicht wirklich auf Abstand. Unser Autor verzweifelte an
dieser Liebe, doch er lernte eine Menge - über sich,
in: SZ-Magazin Nr.6
v. 10.02.
MÜNCH, Peter (2017): Weil es Liebe ist.
Ein Mann liebt einen Mann, hat aber
zwei Kinder mit einer Frau, die Frauen liebt. Sie bilden zusammen
eine sehr spezielle Familie - und finden sich selbst allen Ernstes
spießig,
in: SZ-Magazin Nr.6
v. 10.02.
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ÖFINGER, Hans-Gerd
(2017): Rettung für die Bau-Sozialkassen.
Ein neues Gesetz hilft, soziale
Errungenschaften im Baugewerbe zu erhalten,
in: Neues
Deutschland
v. 10.02.
Hans-Gerd ÖFINGER berichtet
anlässlich der heute geplanten Verabschiedung des
umstrittenen
Gesetzes zur Sicherung der Sozialkassenverfahren im Baugewerbe
über die Geschichte der Sozialkassen der Bauwirtschaft (SOKA-BAU)
und deren Notwendigkeit.
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DRIBBUSCH, Barbara (2017): Zu arm für die Krankenkasse.
Gesundheit: Viele Kleinselbständige
können ihre Krankenversicherung nicht zahlen, weil die Mindestbeiträge
zu hoch sind. SPD-Politiker fordern Flexibilität bei der Bemessung,
in:
TAZ
v. 10.02.
Barbara DRIBBUSCH berichtet über die Position von Hilde MATTHEIS,
der gesundheitspolitischen Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion,
die es für wünschenswert hält
"die
Krankenversicherungsbeiträge entsprechend des realen Einkommens
der Selbständigen zu berechnen und nicht mehr entsprechend der
Mindestbemessungsgrenze für hauptberuflich Selbständige von der
zeit 2.231 Euro im Monat".
In Wirklichkeit geht es jedoch um
etwas anderes, denn Selbständige könnten eine Härtefallregelung
in Anspruch nehmen. Dies aber würde die Aufdeckung der
Vermögensverhältnisse bedeuten:
"Für Existenzgründer in der
Anfangsphase kann die Mindestbemessungsgrenze auf 1.487 Euro
monatlich abgesenkt werden. (...).
Auch Solo-Selbständige mit geringen Einnahmen können dies als
»Härtefall« beantragen. Dann muss das Partnereinkommen aber auch
sehr niedrig sein und beim Vermögen gelten geringe Freigrenzen für
die »Härtefall«."
Die Ideologie der
Solo-Selbständigen liegt aber gerade in der Abgrenzung zu jenen, die
auf eine Grundsicherung angewiesen sind. Der Selbstunternehmer will
mit Arbeitnehmern nichts zu tun haben, so will es das
Distinktionsgebaren der neuen Bürgerlichkeit oder der digitalen
Bohème. Der Solo-Selbständige wird von Seinesgleichen gern zum Helden der Selbstausbeutung,
weshalb Neoliberale (dazu gehört auch die AfD) den Sozialstaat
weiter demontieren können und höchstens kleine Privilegien für die
Helden der Selbstausbeutung schaffen, während diejenigen, die
manchmal auch als Arbeitskraftunternehmer tituliert werden,
weiterhin ausgegrenzt werden.
Fazit: (Solo-)Selbständige
sollten sich in der gesetzlichen Rentenversicherung versichern
müssen, statt Ausnahmeregelungen zu erhalten. Das würde die
Solidarität aller mit einem Niedrigeinkommen erhöhen. In diesem
Zusammenhang könnten dann auch die Krankenversicherungsbeiträge
anders behandelt werden. Die Sozialversicherungen müssen als
Gesamtheit gesehen werden, stattdessen herrscht eine isolierte
Betrachtung vor.
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NIEBURG, Heiko (2017): Ausgehen ist so banal.
Convenience Ecnomy: Dank Start-ups
wie Foodora, Helpling und Marley Spoon bleiben uns Kochen, Putzen und
Einkaufen erspart. Haben wir nun mehr Zeit für die wichtigen Dinge?
Oder optimieren wir nur das Private?
in:
TAZ
v. 10.02.
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PAPON, Kerstin
(2017): Viele Senioren brauchen das Ersparte für sich selbst.
Sorge über eigenen Lebensabend. Die
meisten fühlen sich nicht verpflichtet, den Erben etwas zu
hinterlassen,
in: Frankfurter
Allgemeine
Zeitung
v. 10.02.
Kerstin PAPON plappert die PR der
Deutschen Leibrenten Grundbesitz AG nach, deren Repräsentativität sich
nicht auf die Haushalte in Deutschland bezieht, sondern nur auf Mieter
und Eigentümer auf dem Land bzw. der Stadt. Die Aussagekraft der
Umfrage ist deshalb sehr beschränkt und verzerrt.
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MENKENS, Sabine (2017): Alte entscheiden die Wahlen.
Deutschland ist längst eine
Rentnerdemokratie. Doch ganz so egoistisch wie vermutet sind die
Senioren gar nicht,
in: Welt
v. 10.02.
Deutschland eine
Rentnerdemokratie? Welch ein Unsinn. Der Medianwähler ist 52 Jahre
alt, d.h. 50 Prozent der Wähler sind jünger als 52 Jahre.
Bekanntlich steigt das Rentenalter bis 2031 auf 67 Jahre. Nicht
einmal 2060 würde das - auch nur ansatzweise - erreicht werden.
Wir haben es hier also mit
Altersdiskriminierung zu tun, denn einer heterogenen Gruppe von
Älteren, die sich im Gegensatz zu den Jüngeren auch noch durch
krasse Unterschiede zwischen Arm und Reich auszeichnen, wird ein
gemeinsames Interesse unterstellt.
Die Welt hat ein - im
Gegensatz zum Politbarometer - unbekanntes Umfrageinstitut
beauftragt, die These von der Rentnerdemokratie zu bestätigen. Das
ist gründlich schief gegangen. Während nämlich die Altersgruppen 18
- 64 in 4 Altersgruppen unterteilt wurden (3 x 10 und 1 x 15
Jahrgänge), wurden über 65-Jährige als Rentner zu einer einzigen
Gruppe zusammengefasst, d.h. Unterschiede zwischen 65-Jährigen,
75-Jährigen oder 85-Jährigen konnten gar nicht differenziert werden.
Oder anders formuliert: Was zu beweisen gewesen wäre, wurde bei
dieser Befragung bereits durch die Gruppenbildung vorausgesetzt.
Geht es eigentlich noch dümmer?
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09.02.2017
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Massenflucht
aus der privaten Altersvorsorge:
Baden-Württembergs Landestagsabgeordnete kehren reumütig zur
Pension zurück
KELNBERGER, Josef (2017): Sparsam ist relativ.
Die Abgeordneten in
Baden-Württemberg sollen wieder staatlich fürs Alter vorsorgen
können,
in: Süddeutsche
Zeitung
v. 09.02.
Erst 2008 setzten Baden-Württembergs Landtagsabgeordnete mit einer
Reform auf die private Altersvorsorge. Nun haben sie ihren kurzen
Ausflug in die raue Welt der privaten Altersvorsorge wieder
beendet. Wir können dagegen nicht wählen, ob wir der privaten
Altersvorsorge den Rücken kehren wollen. Wir werden von der
Bundesregierung zur Subvention der Finanzdienstleister gezwungen,
weil die gesetzliche Rentenversicherung nicht mehr
lebensstandardsichernd ist.
SOLDT, Rüdiger
(2017): Zurück zum alten System.
Die Parlamentsreform in Südwesten
war mit heißer Nadel genäht und hat sich wenig bewährt,
in: Frankfurter
Allgemeine
Zeitung
v. 09.02.
Rüdiger SOLDT ist der Meinung,
dass die "Selbstbedienungsmentalität" der Abgeordneten der AfD in
die Hände spielt.
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Der
Jahresbericht 2015 des Ombudsmann für Versicherungen in den
Medien
TAUBER, Jonas (2017): "Erfolgsaussichten gering".
Warum Kunden Ablaufleistungen von
Lebensversicherern kaum überprüfen können,
in: Süddeutsche
Zeitung
v. 09.02.
"Von den 20.827 (Vorjahr:
19.897) im Berichtsjahr eingegangenen Beschwerden betrafen
18.943 (17.965) die Kategorie Unternehmensbeschwerden, was einem
Zuwachs von 5,4 Prozent entspricht. Damit setzte sich im
langjährigen Vergleich der Anstieg dieser Beschwerden fort (nach
einem Plus von 8,9 Prozent im Jahr 2013 und 0,2 Prozent im
Vorjahr). (...).
19.100 (17.588) Beschwerden gegen Versicherungsunternehmen
wurden im Berichtsjahr beendet. In 635 (654) Fällen haben die
Beschwerdeführer ihr Anliegen nicht weiterverfolgt. (...).
13.922 Verfahren (12.429) wurden als zulässig beendet. Davon
konnten 384 (278) nicht in der Sache entschieden werden, da die
endgültige Bewertung von Fragen abhing, für deren Klärung sich
das vereinfachte Ombudsmannverfahren nicht eignet (§ 8 VomVO).
(...).
Von den übrigen 13.538 (12.151) Verfahren beendete der
Ombudsmann 8.637 (7.940) Fälle mit einer Entscheidung oder
Empfehlung. In 3.256 (2.704) Verfahren half das
Versicherungsunternehmen ab. Das bedeutet, der Versicherer
rückte von der vom Beschwerdeführer beanstandeten Entscheidung
ganz oder teilweise ab. Bezogen auf den Anteil der Abhilfen an
allen zulässigen beendeten Beschwerden stellt das eine
Steigerung von 1,6 Prozent dar. Ein beiderseitiges
Entgegenkommen, also ein Vergleich, kam in 748 (702) Fällen
zustande. In 897 (805) Verfahren zog der Beschwerdeführer seine
Beschwerde zurück.
In 4.543 (4.505) Fällen musste der Ombudsmann die Befassung mit
der Beschwerde ablehnen. Die Zulässigkeitsfrage ist nach der
hierfür geltenden Verfahrensordnung (VomVO) zu entscheiden.
(...).
Im Berichtsjahr hatten 44,3 (42,1) Prozent der Beschwerden
Erfolg, sofern sie nicht die Lebensversicherung betrafen"
heißt es in dem
Jahresbericht 2015, der bereits im Mai letzten Jahres
veröffentlicht wurde. In Sachen Lebensversicherungen haben Kunden
wesentlich schlechtere Karten als in anderen Versicherungssparten:
"Beschwerden aus der
Lebensversicherung haben zwangsläufig vergleichsweise geringere
Erfolgsaussichten. Sie richten sich oft gegen Standmitteilungen,
die Höhe der Überschüsse oder gegen die Ablaufleistungen. Der
Ombudsmann kann diesbezügliche Anliegen der Beschwerdeführer
durchaus nachvollziehen, denn die Darstellungen sind für
Verbraucher oft unklar oder missverständlich. Auch können die
mitgeteilten Werte enttäuschen, wenn sie unter den Erwartungen
liegen. Sie sind jedoch in der Regel weder hinsichtlich der
Berechnung noch unter rechtlichen Gesichtspunkten zu
beanstanden. Die Erfolgsquote in der Lebensversicherung bewegte
sich bis einschließlich 2011 unter 20 Prozent. 2012 lag sie mit
23,3 Prozent erstmals darüber und erreichte 2013 den Höchststand
von 34,0 Prozent. Dieser Anstieg beruht maßgeblich auf der
Entwicklung der Rechtsprechung sowie deren Umsetzung durch die
Unternehmen und wurde im Bericht 2013 an gleicher Stelle
kommentiert. Nachdem sie im Vorjahr bereits wieder auf 28,3
Prozent gesunken war, ist im Berichtsjahr mit 24,1 Prozent eine
weitere Reduzierung zu verzeichnen" (S.103f.),
heißt es dazu. Der Bericht geht
von einem weiten Begriff der Lebensversicherungen aus, der
folgendermaßen beschrieben wird:
"Im Jahr 2015 erhielt der
Ombudsmann 3.640 (Vorjahr: 3.738) zulässige Beschwerden zur
Lebensversicherung, das entspricht 26,3 (29,2) Prozent am
Gesamteingang aller zulässigen Eingaben. Unter dem Begriff
»Lebensversicherung« wird eine Vielzahl von Vertragsarten
zusammengefasst. Die aus Beschwerdesicht häufigsten sind
konventionelle kapitalbildende Lebens- bzw.
Rentenversicherungen, danach kommen fondsgebundene
Versicherungen sowie Riesterrentenversicherungen und Verträge
zur betrieblichen Altersversorgung (bAV), gefolgt von
Sterbegeld-, Basisrenten- und Restschuldversicherungen." (S.26)
Aus der folgenden Tabelle lässt
sich die Entwicklung der zulässigen Beschwerden für die
Gesamtsparte und die Teilsparte Lebensversicherung ersehen:
| Jahr |
Versicherungswirtschaft |
Lebensversicherung |
| |
Anzahl zulässiger
Beschwerden |
Anzahl zulässiger
Beschwerden |
Prozentanteil an
Beschwerden |
| 2014 |
12.815 |
3.738 |
29,2 % |
| 2015 |
13.805 |
3.640 |
26,4 % |
Eine Bewertung dieser
Entwicklung wäre nur in Verbindung mit der Situation bei der
Lebensversicherung im Vergleich mit der Versicherungswirtschaft
möglich, was in dem Bericht unterlassen wird.
Ob der Rückgang der zulässigen
Beschwerden bzw. der Erfolgsquote eine positive Entwicklung
darstellt, ist aus diesen Zahlen nicht zu erschließen. Eine
niedrige Erfolgsquote könnte genauso auf eine Verschlechterung der
Lage für Versicherte gegenüber der Lebensversicherung hindeuten.
Ein Hinweis darauf ist die Tatsache, dass die Darstellungen der
Versicherungswirtschaft für Kunden "oft unklar oder
missverständlich" sind wie es im Bericht heißt.
Hinzu kommt, dass eine Vielzahl
von Beschwerden einfach mit Hinweis auf Absichtsbekundungen eines
Versicherers durch den Ombudsmann unterschlagen werden konnten,
sodass ein Vergleich der Anzahl zulässiger Beschwerden durch
solche Sondereffekte ein verzerrtes Bild hinterlässt. So führt der
Bericht den Fall eines Computerfehlers bei einem großen
Versicherer an, der abseits der Beschwerdenstatistik behandelt
wurde:
"Im Juli 2015 berichteten die
Medien, dass ein großer Versicherer aufgrund fehlerhafter
Computerprogramme über Jahre hinweg in hunderttausenden von
Fällen sowohl zum Nachteil als auch zum Vorteil der Kunden die
Erträge und Gutschriften von Lebensversicherungen falsch
berechnet hat. Der Versicherer hatte dies selbst eingeräumt und
eine Nachzahlung bei zu geringen Leistungen angekündigt; zu viel
ausgezahlte Beträge wurden nicht zurückgefordert. Teilweise
wurde die Vermutung geäußert, dass es auch bei anderen
Versicherern derartige systemische Fehler gebe.
Die Veröffentlichung löste Beschwerden gegen diesen, aber auch
gegen andere Versicherer aus. Die Beschwerdeführer wollten
Gewissheit, ob ihre Verträge Berechnungsfehler enthielten. Der
Ombudsmann erwartete zunächst von dem betreffenden Versicherer,
dass er sich zur Richtigkeit der jeweiligen Berechnungen äußert.
Es waren zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht alle Prüfungen
abgeschlossen, so dass nicht immer feststand, ob der Vertrag vom
Computerfehler betroffen gewesen sein konnte oder nicht. Da das
Unternehmen jedoch zusagte, auf die Einrede der Verjährung zu
verzichten und eine etwaige Nachzahlung ab Fälligkeit zu
verzinsen, konnte der Ombudsmann diese Beschwerden abschließen.
Schließlich war der Versicherer auch damit einverstanden, die
Beschwerdeführer zu informieren, sobald die Überprüfung des
Vertrages abgeschlossen war." (S.21f.)
Unter Punkt 2.7 wird ab Seite
21 ausführlich auf die Probleme im Bereich der
Lebensversicherungen eingegangen. Sowohl Gerichtsurteile als auch
Gesetzesänderungen führen immer wieder zur Konkretisierung oder
gar Verschlechterungen zu Lasten der Kunden. Ein Beispiel für
Gesetzesänderungen, die im Berichtszeitraum zu Beschwerden führte,
wird folgendermaßen erörtert:
"Nicht wenige Beschwerden zu
den Bewertungsreserven waren auf das zum 7. August 2014 in Kraft
getretene Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) zurückzuführen.
Durch die Neuregelung wurden festverzinsliche Wertpapiere des
Versicherers von der Beteiligung an den Bewertungsreserven
teilweise ausgenommen. Der Gesetzgeber hat mit dieser Regelung
entschieden, dass im Grundsatz die Erfüllung der garantierten
Leistungen aller Versicherten Vorrang hat." (S.30f.)
Fehlinformationen von Medien zu
Gesetzesänderungen führen nicht selten zu unberechtigten
Beschwerden. Der Bericht gibt zumindest einen Überblick über die
erfolgten Beschwerden und zeigt die Defizite im Bereich der
Lebensversicherungen auf..
Der Bericht von Jonas TAUBER
weckt außerdem Zweifel an der Stärke des Verbraucherschutzes im
System der Unternehmensinteressen:
"Ob die ausgezahlten Summen -
die sogenannten Ablaufleistungen - wirklich korrekt sind, können
die Marktwächter ebenso wenig überprüfen wie die
Verbraucherzentralen oder der Bund der Versicherten. Der Grund:
Sie haben keinen Zugriff auf die dafür nötigen Informationen,
die Versicherer müssen sie nicht an die Kunden und deren Berater
herausrücken."
Lediglich der Ombudsmann für
Versicherungen besitzt die nötigen Informationen, aber nicht den
dafür erforderlichen Sachverstand. Der Ombudsmann prüft nur die
Rechtmäßigkeit, d.h. die juristische Einwandfreiheit, nicht aber
ob die Berechnungen der Versicherungsunternehmen ökonomisch bzw.
sozial gerechtfertigt sind.
"Das Problem sind die
nicht-garantierten Überschüsse, die vom Geschäftserfolg des
Unternehmens abhängig sind und zum Teil jährlich gutgeschrieben
werden, zum Teil zum Ablauf des Vertrags. Wie die Versicherer
diese Beiträge kalkulieren, bleibt ihr Geheimnis",
erklärt uns TAUBER. Oder anders
formuliert: Die Versicherungsunternehmen besitzen einen großen
Spielraum, um sich Profite auf Kosten der Versicherten zu
generieren.
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KESSLER, Wolfgang (2017): Mehr Kontrolle!
Gastwirtschaft: Megafonds können
tun, was sie wollen,
in: Frankfurter
Rundschau
v. 09.02.
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STUTTGARTER ZEITUNG-Titelgeschichte:
Raus aus dem Speckgürtel.
Bevölkerungsentwicklung: Tausende Stuttgarter ziehen jedes Jahr ins
Umland. Die meisten finden in der Landshauptstadt selbst keine
Wohnung, wollen aber weiter großstadtnah leben
BURY, Mathias
(2017): Stuttgart verliert Bürger ans Umland.
Einwohnerwanderung: Die Zahl der
Haushalte, die in die Region ziehen, wächst seit einigen Jahren. Die
Gründe sind offenbar die hohen Preise und das mangelnde
Wohnungsangebot der Stadt,
in: Stuttgarter
Zeitung
v. 09.02.
Mathias BURY beschreibt die
Surburbanisierung der 1980er und 1990er Jahre, die nach 2000 durch
die Renaissance der Großstädte abgelöst wurde, von der auch
Stuttgart profitiert hat. Nun aber gäbe es eine neuartige
Gegenentwicklung, von der in erster Linie die gut mit öffentlichen
Verkehrsmitteln erreichbaren Städte um Stuttgart zugute kommt. Dazu
gehören Ostfildern, Leinfelden-Echterdingen, Fellbach und Remseck.
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LAMBECK, Fabian (2017): Die prophezeite Massenarmut.
Warnungen gab es zuhauf - trotzdem
steigt die Zahl der Älteren ohne ausreichendes Einkommen,
in: Neues
Deutschland
v. 09.02.
GERNHARDT, Grit (2017): Arm und egal.
Kommentar: Die steigende
Altersarmut ist bedenklich,
in: Neues
Deutschland
v. 09.02.
BEEGER, Britta & Dietrich CREUTZBURG (2017): Das Armutsrisiko von
Senioren ist besonders niedrig.
Laut Statistikamt leben 2,4 Prozent
der deutschen Ruheständler in armen Verhältnissen - mit sinkender
Tendenz,
in: Frankfurter
Allgemeine
Zeitung
v. 09.02.
BEEGER & CREUTZBURG sind der Auffassung, dass sie der Propaganda der
Linksparteiabgeordneten Sabine ZIMMERMANN mit ebensolcher Propaganda
entgegentreten müssen. Dabei bleibt die Wahrheit auf der Strecke, denn
die EUROSTAT-Daten sind gar nicht in der Lage das zu belegen, was uns
die FAZ-Journalisten weismachen wollen.
Als Haushaltsstatistik bleiben
gerade jene außen vor, die von Armut am stärksten betroffen sind:
Obdachlose und Heimbewohner. Hinzu kommt, dass
BEEGER & CREUTZBURG die Alten zur Gruppe der 65-Jährigen
zusammenfassen. Mit Durchschnittszahlen kann jedoch weder ein Anstieg
noch ein Rückgang von Altersarmut belegt werden, denn dazu müsste
zwischen Neurentnern und Bestandsrentnern unterschiedlicher
Geburtsjahrgänge differenziert werden. Dies aber wird unterlassen.
Aufklärung sieht anders aus!
Kritisiert wird stattdessen nur,
dass ZIMMERMANN auch 55- bis 65-Jährige in ihre Betrachtung einbezogen
hat. Damit kommen auch Erwerbsminderungsrentner, ältere Arbeitslose
und Niedriglöhner in den Blick.
Fazit: Wer meint Propaganda mit
eigener Propaganda begegnen zu müssen, der erhöht nicht die
Glaubwürdigkeit, sondern bestätigt lediglich das Misstrauen gegenüber
der Mainstreampresse.
CREUTZBURG, Dietrich (2017): Armutszeugnis.
Kommentar,
in: Frankfurter
Allgemeine
Zeitung
v. 09.02.
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SCHICKENTANZ, Chris-Oliver (2017): Mehr Rendite im Alter.
Profi-Anlageempfehlung,
in: Handelsblatt
v. 09.02.
Der Artikel zeigt, dass
beim Handelsblatt PR und Journalismus vermischt werden: Ein
Commerzbank-Mitarbeiter kann hier kostenlos Werbung für einen
Themen-ETF machen. Dass diese Werbung, die als "Anlageempfehlung"
geadelt wird, im Gewande eines "informativen Artikels" präsentiert
wird, wirft ein schlechtes Licht auf den Journalismus.
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GREIVE, Martin & Jan HILDEBRAND (2017): Teures Team.
Viele Minister melden neue treure
Budgetwünsche an. Kassenwart Wolfgang Schäuble wehrt sich und warnt:
Die Finanzlage ist angespannter als gedacht,
in: Handelsblatt
v. 09.02.
GREIVE & HILDEBRAND produzieren in ihrer Titelgeschichte Das
Milliarden-Loch viel heiße Luft. Um "Wahlgeschenke" zu
verhindern, wird vom Handelsblatt immer wieder einmal der
Bundeshaushalt arm gerechnet. Und auch die Politiker kennen dieses
Spielchen zur Genüge:
"Ständig rechne sich Schäuble
arm - um dann am Ende wieder mehrere Milliarden aus dem Hut zu
zaubern, wenn es ihm gerade passt".
Auf die Fadenscheinigkeit des
Berichts weisen die Autoren deshalb auch zum Ende hin:
"Natürlich wissen auch
Schäubles Beamte, dass die Diskussion um das Haushaltsloch 2018 in
Wahrheit eine Luxusdebatte ist. Die Lücke könnte ohne weitres
(...) geschlossen werden. Schäubles Leuten geht es um etwas
anderes: Sie wollen verhindern, dass im Wahljahr Geld zum Fenster
rausgeworfen wird."
Fazit: Die Titelgeschichte hätte
man sich sparen können.
Wenn es um Steuererleichterungen für Spitzenverdiener und Reiche
geht, ist plötzlich jede Menge Geld übrig!
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom 01. -
08.
Februar 2017
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Bitte beachten Sie:
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[ Homepage ] |
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