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Medienrundschau:
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News vom
01. - 06. September 2016
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Zitate
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"Kinder bekommen die Leute immer" - ein Bonmot, das Konrad
Adenauer zugeschrieben wird, eine Erfindung der neoliberalen
Propagandamaschine?
"Meines Wissens gibt es bislang keinen Beleg für den immer
wieder von Wissenschaftlern wie Politikern Adenauer in den Mund
gelegten Ausspruch. So konnte auch der Wissenschaftliche Dienst
des Bundestages keine Quellenangabe finden. Vielmehr ging er
davon aus, dass die Aussage gar nicht von Adenauer stamme, ihm
aber zugeschrieben werde, so die schriftliche Mitteilungen
darüber an
Gregor Amann, MdB"
(Winfried
Schmähl "»Bismarcks
Rentenversicherung« und der dadurch mitausgelöste
Geburtenrückgang in Deutschland - kritische Prüfung hierzu
vorgelegter Begründungen" in: Deutsche Rentenversicherung,
Heft 2, 2016, Fn S.75)
Konrad Adenauer im Herbst 1953: Das deutsche Volk überaltert,
weil die Geburtenzahl abnimmt
"Die wachsende Überalterung des deutschen Volkes steigt
andauernd, die Verluste der beiden Kriege sind nur einer der
Gründe dieser erschreckenden Erscheinung. Heute stehen 67 % der
Bevölkerung im produktiven Alter, 9 % zählen zu den Alten, 24 %
stehen im jugendlichen Alter und sind noch nicht arbeitsfähig.
Diese Zusammensetzung der Bevölkerung ändert sich stets
zuungunsten des Prozentsatzes der im produktiven Alter
Stehenden, weil die Langlebigkeit wächst und die Geburtenzahl
abnimmt."
(Konrad
Adenauer in seiner Regierungserklärung vom 20.10.1953)
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MANZ, Eva-Maria (2016): Die Normalo-Frau kehrt zurück.
Tagesthema: Die beliebte Chaotin Bridget Jones kommt wieder in die
Kinos. Vor 15 Jahren hat der erste Teil der Reihe die Massen
begeistert. Die Filme mit Renée Zellweger sind nicht nur seichte
Frauenkost, sie haben ein ganzes Genre revolutioniert,
in:
Stuttgarter
Zeitung v. 06.09.
Eva-Maria MANZ stilisiert die Singlefrau Bridet Jones zum
Vorbild von Fernsehserien wie New Girl und Girls zum zum
Gegenbild zu den Sex and the City-Frauen. Eher steht Bridget
Jones jedoch für den
Wandel des Singlefrauen-Klischees von der Leitfigur zur Leidfigur der
Moderne.
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PEITSMEIER, Henning (2016): Partnervermittlung jetzt bei Pro Sieben
Sat 1.
Der Fernsehkonzern übernimmt die Singlebörse Parship,
in:
Frankfurter Allgemeine
Zeitung v. 06.09.
WENZEL, Frank-Thomas (2016): Feste Beziehung.
Pro Sieben-Sat 1 übernimmt Mehrheit am Dating-Portal Parship,
in: Frankfurter
Rundschau
v. 06.09.
BUSSE, Caspar
(2016): Auf Partnersuche.
Immer mehr Singles suchen ihr Glück im Internet. Online-Dating ist zu
einem einträglichen Geschäft geworden. Jetzt kauft das
Fernsehunternehmen Pro Sieben Sat 1 die Mehrheit an Parship, dem
größten deutschen Anbieter,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 06.09.
KUTSCHE, Katharina (2016): So verliebt man sich im Netz.
Einige Angebote setzen auf den schnellen Flirt, andere errechnen per
Algorithmus, wer langfristig zusammen passt,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 06.09.
Katharina KUTSCHE präsentiert uns den Soziologen Andreas SCHMITZ von
der Universität Bonn und die Münchener Paartherapeutin Andrea BRÄU als
Experten zum Thema Online-Dating.
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Start der DGB-Rentenkampagne
Kurswechsel: Die gesetzliche Rente stärken!
DGB (2016): DGB startet Rentenkampagne.
Kurswechsel: Die gesetzliche Rente stärken! Unter diesem Motto starten
die DGB-Gewerkschaften ihre Rentenkampagne mit Blick auf die
Bundestagswahl 2017,
in:
Pressemitteilung Deutscher Gewerkschaftsbund v. 06.09.
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SÜDDEUTSCHE ZEITUNG-Serie (Teil 22):
Job trotz Rente.
Warum viele ältere
Menschen weiterarbeiten - und wie das geht
BERGER,
Georg & Nils WISCHMEYER
(2016): Sie sind alt und brauchen das Geld.
SZ-Serie Unsere
Zukunft, unsere Rente (22): Endlich Rente, endlich Nichtstun? Von
wegen. Immer mehr Menschen in Deutschland arbeiten, obwohl sie schon
im Ruhestand sind. Viele sind sehr gefragt, Internetportale vermitteln
sie für Jobs in allen Lebenslagen,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 06.09.
BERGER
& WISCHMEYER nehmen Ende August veröffentlichte Zahlen zur Zunahme von
Minijobs bei 65-Jährigen und Älteren zum Anlass, um uns das als Erfolg
zu verkaufen. Dass dies ein Zeichen für die Zunahme von Altersarmut
ist, interessiert die SZ-Journalisten wenig. Das seien kaum mehr als
ein Drittel der minijobbenden Rentner. Ihr neoliberaler Blick richtet
sich stattdessen auf diejenigen, deren Jobs so toll sind, dass sie die
Erwerbsarbeit nicht aufgeben wollen. Uns werden Internetportale wie
Rent a Rentner, das Deutsche Seniorenportal und die
Senioren-Börse als zukunftsträchtige Vermittlungsplattformen
beschrieben.
BERGER
& WISCHMEYER sehen in der zunehmenden Altersarmut kein Problem,
sondern eine Chance für Vermittlungsplattformen wie Rent a Rentner.
Die Journalisten zitieren Holger SCHÄFER von der Unternehmenslobby IW
Köln, der darauf hinweist, dass hochqualifizierte Freiberufler in der
Minijob-Statistik gar nicht berücksichtigt werden. Als Beispiel wird
uns ein fitter ehemaliger Klinikleiter präsentiert.
BERGER
& WISCHMEYER erklären uns, dass händeringend Fachkräfte gesucht
würden, die iedealerweise nicht etwa bei den teueren Jungen, sondern
bei den billigen Älteren gesucht werden würden. Dazu zitieren sie den
Unternehmenslobbyisten Stefan HARDEGE ("Arbeitsmarktexperte des
Deutschen Industrie- und
Handelskammertags").
WILKE, Felicitas
(2016): Mit 66 Jahren...
SZ-Serie Unsere
Zukunft, unsere Rente (22): Tipps für alle, die im Seniorenalter
hinzuverdienen oder im Job bleiben wollen,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 06.09.
Felicitas WILKE erklärt uns, dass vor allem Frauen auf einen
Hinzuverdienst angewiesen seien. WILKE erklärt uns danach was beim
Hinzuverdienst zu beachten ist.
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LEMBKE, Judith (2016): "Mümmelsmannberg? Da leben doch nur
Asoziale".
Wer in einem verrufenen Quartier wohnt, ist stigmatisiert: Er hat es
schwerer bei der Suche nach Arbeit und der Kreditvergabe. Das muss
nicht so bleiben,
in:
Frankfurter Allgemeine
Zeitung v. 06.09.
Judith LEMBKE erklärt uns am Beispiel Hamburg-Mümmelsmannberg und
Lindau-Zech wie soziale Brenntpunkte gentrifiziert werden sollen.
Oberstes Gebot: Imagewandel durch Medienberichterstattung und
Förderprogramme à la Soziale Stadt. Das neoliberale
Beratungsunternehmen Empirica unterstützt solche
Gentrifizierungsmaßnahmen, bei denen Quartiere, in denen Ältere und
Migranten mit niedrigen Einkommen dominieren durch
Mittelschichtfamilien "durchmischt" werden sollen, wie das
heutzutage schönfärberisch heißt. Inwiefern sich jedoch
Vororthochhaussiedlungen im Umkreis von Großstädten nach dem
gleichen Schema wie traditionelle Arbeiterwohngebiete wie
Lindau-Zech aufwerten lassen, das dürfte wohl die entscheidende
Frage sein, die hier außer Acht bleibt.
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HAUSER, Jan (2016): In der Stadt ohne Kohle.
Die Stadt Essen ringt mit alten Schulden. Nun kommen noch
Flüchtlingskosten hinzu. Doch im Wandel des Ruhrgebiets entstehen
auch neue Ideen,
in:
Frankfurter Allgemeine
Zeitung v. 06.09.
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LOOMAN, Volker
(2016): Der richtige Sparplan macht den Unterschied,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.09.
Volker LOOMAN stellt uns heute
wieder zwei Glücksinder vor: ein 31-jähriger Sohn und eine 29-jährige
Tochter, die jeweils 5.000 Euro im Monat verdienen, von denen netto
2.900 Euro übrig bleiben, was eine Sparrate von 900 Euro ermöglicht.
LOOMAN wendet sich an deren Eltern:
"Mir scheint allein wichtig, das
Tabu zu brechen, über Geld nicht zu reden. Die finanzielle Bildung in
Deutschland ist eine Katastrophe, und ich habe wenig Hoffnung, dass
Schulen und Lehrer dieses Defizit beheben werden."
LOOMANN stilisiert sich zum
unabhängigen Berater, der jedoch nichtsdestotrotz die Interessen der
Finanzdienstleistungsbranche zu eigen macht - auch wenn er sich gegen
jene Unternehmen abgrenzt.
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Die
Pensions & Investments/Willis Towers Watson 300 analysis in
den Medien
FRÜHAUF, Markus (2016): Das Vermögen der Pensionseinrichtungen
schrumpft.
Die deutschen Vorsorgekassen stehen wegen der niedrigen Zinsen vor
großen Herausforderungen,
in:
Frankfurter Allgemeine
Zeitung v. 06.09.
Markus FRÜHAUF macht sich zum Sprachrohr von Nigel CRESSWELL von
der neoliberalen Unternehmensberatung Towers Willis Watson. Die
zahnlose Bafin wird der zu starken Regulierung des deutschen
Marktes beschuldigt. Mit Verweis auf die Niederlande wird die
Gefahr von Betriebsrentenkürzungen beschworen:
"In den Niederlanden, wo mit
ABP, der Einrichtung für den öffentlichen Dienst, der
fünftgrößte Pensionsfonds der Welt sitzt, mussten schon
Betriebsrenten gekürzt werden."
Die geringe Größe deutscher
Pensionseinrichtungen wird uns neben dem "geringen Spektrum an
Anlagemöglichkeiten" und mangelnder Kosteneinsparung als Problem
beschrieben.
Aber Größe ist offenbar nicht ausschlaggebend, denn sonst müsste
ja der japanische Pensionsfonds als Nr.1 hervorragend dastehen.
KÖHLER, Peter (2016): Niedrigzins trifft Pensionskassen.
Die globalen Top-Adressen für die Altersvorsorge haben erstmals seit
der Finanzkrise wieder Wertverluste ihrer Vermögen hinnehmen müssen,
in:
Handelsblatt v. 06.09.
"Die untersuchten 300 Einrichtungen wie etwa Versorgungswerke,
Pensionsfonds oder Unterstützungskassen repräsentieren 42
Prozent aller Vermögen für die Altersversorgung",
erklärt uns
Peter KÖHLER das Spektrum der untersuchten
Altersvorsorgeeinrichtungen. Weder die FAZ noch das Handelsblatt
listen die deutschen Pensionseinrichtungen unter den Top 300 auf,
sondern greifen sich nur die größte Einrichtung (Bayerische
Versorgungskammer) heraus. Folgende deutsche Einrichtungen listet
dagegen das Ranking auf:
Tabelle:
Die 9 größten deutschen
Altersvorsorgeeinrichtungen unter
den weltweit Top 300 Einrichtungen Ende 2015 |
| Nr. |
Rang |
Altersvorsorgeeinrichtung |
Vermögen
(in Millionen US-Dollar) |
| 1 |
37 |
Bayerische Versorgungskammer |
71.281
|
| 2 |
138 |
BVV |
28.063
|
| 3 |
170 |
VBL |
23.185 (2)
|
| 4 |
194 |
BASF |
20.299 (6)
|
| 5 |
210 |
Daimler |
18.805
|
| 6 |
248 |
Siemens |
15.798 (8)
|
| 7 |
270 |
Allianz |
14.488 (6)
|
| 8 |
280 |
Baden-Württembergische |
13.788
|
| 9 |
284 |
RWE |
13.542
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Quelle:
Pensions & Investments/Willis Towers Watson 300 analysis
2016, S.39ff.
Anmerkungen: (2) = geschätzter Wert; (6) = weltweiter Wert;
(8) = Vermögen
am 30. September 2015 |
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FERBER, Michael
(2016): "Es ist die Demografie, Dummkopf!".
Märkte und Meinungen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 06.09.
Michael FERBER berichtet über die ökonomische Modeströmung, die sich
um den Begriff der "säkularer Stagnation" dreht, und in der
demografischen Entwicklung den idealen Sündenbock gefunden hat. FERBER
nennt als Vertreter Uwe SUNDE, der zusammen mit Matteo CERVELLATI und
Klaus ZIMMERMANN den Artikel Demographic Dynamics and Long-Run
Development: Insights for the Secular Stagnation Debate in der
Zeitschrift Journal of Population Economics veröffentlicht hat.
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Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte
SCHÖCHLI, Hansueli
(2016): Einseitige Solidarität in der AHV.
Die Generationengerechtigkeit ist
schon heute nicht mehr gegeben - mit der AHV-Initiative würden die
Jungen noch schlechter gestellt,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 06.09.
Hansueli SCHÖCHLI wiederholt
nochmals seine Argumente vom August und verweist dazu auf die
Finanzdienstleistungslobby und deren Berechnungen.
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WOLFF, Sebastian (2016): Der Herdentrieb der Analysten.
Wenn viele Experten eine bestimmte Aktie empfehlen, kann das auch ein
Warnsignal sein,
in: Frankfurter
Rundschau
v. 05.09.
Daniel MOHR wollte uns kürzlich in der FAS
mit dem - angeblich wahllos herausgegriffenen Beispiel der
Henkel-Aktie, zum Spekulieren an der Börse verleiten. Bei WOLFF heißt
es zu dieser Aktie:
"Besonders häufig empfehlen
Analysten unter den Dax-30-Werten zur Zeit die Titel des
Konsumgüterherstellers Henkel. Der Aktienkurs kennt seit Jahren auch
praktisch nur eine Richtung: nach oben. Seit dem Jahr 2006 hat der
Kurs um mehr als 250 Prozent zulegt."
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HÄRING, Norbert
(2016): "Den Diskurs anschieben".
Der Ökonomenverband Verein für
Socialpolitik tagt in Augsburg. Der künftige Vorsitzende Achim Wambach
spricht im Interview über Lehrpläne, Reformen und den Ethik-Kodex,
in: Handelsblatt
v. 05.09.
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PLICKERT, Philip (2016): Ökonomen diskutieren über die
Flüchtlingskrise.
Erstmals rücken Migration und Alterung in den Fokus der wichtigsten
Tagung der Wirtschaftswissenschaftler,
in:
Frankfurter Allgemeine
Zeitung v. 05.09.
Philip PLICKERT berichtet über Tagungsbeiträge von Uwe SUNDE (Die
Demographie spielt eine zu geringe Rolle bei Ökonomen) , Monika
SCHNITZER (Eine Erhöhung des Renteneintrittsalter sei unumgänglich),
David BLOOM ( Normalerweise wird nicht von "demographischer
Rendite", sondern von "demographischer Dividende" gesprochen), Oded
GALOR und Christian DUSTMANN auf der Tagung des Vereins für
Socialpolitik.
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MÜLLER, Jürg
(2016): Diese Ökonomen prägen die Debatte.
Das "Ökonomen-Einfluss-Ranking" der
NZZ misst neben der akademischen Leistung auch die öffentliche
Wahrnehmung,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 05.09.
"Wenn ein Journalist einmal einen Experten für ein Thema gefunden hat,
greift er gerne wieder auf ihn zurück",
erklärt uns
Jürg MÜLLER das Trägheitsgesetz der Medien, das dazu führt, dass
neue Sichten auf ein Thema
unterbelichtet bleiben.
In der Schweiz rangiert der Ökonom
Heiner FLASSBECK auf Rang 8, während er
in Deutschland lediglich
auf Platz 76 liegt. Thomas STRAUBHAAR (Rang 15 Schweiz) liegt in
Deutschland auf Platz 33.
Der in Deutschland mit
Hans-Werner-Sinn (Platz 2) stark vertretene Neoliberalismus mit
seiner Nähe zum Nationalkonservativismus liegt in der Schweiz auf Rang
5 und in Österreich auf Rang 8.
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WAGNER, Gert G.
(2016): Lasst doch die Milliardäre in Ruhe.
Die Zahl der Superreichen sagt
nichts darüber aus, wie gerecht es in der Welt zugeht. Entscheidend
ist etwas ganz anderes,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 04.09.
Die amtlichen Statistiken erfassen den Reichtum
der Oberschicht nicht, weil diese ihre Vermögen nicht preisgibt. Die
Statistiken befassen sich vorrangig mit den gefährlichen Klassen.
Gert G. WAGNER findet das ganz in Ordnung. Sein Argument:
Datenschutz! Dies ist scheinheilig, denn offenbar gilt Datenschutz
vor allem für die Oberschicht und ihre Verbündete in der oberen
Mittelschicht, die das Machtmittel Statistik beaufsichtigen. Die
Superreichen werden angeblich durch "Demokratie, Betriebsräte,
Gewerkschaften und Wettbewerbskontrollen" gebändigt, weshalb ihr
Vermögen für WAGNER irrelevant ist. Die steuerpolitischen Vorschläge
bleiben so vage, dass sich jeder das ihm Genehme heraussuchen kann.
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KREMER, Dennis (2016): Der Absturz der Promi-Fonds.
"Mr. Dax" Dirk Müller und
"Börsenprofessor" Max Otte haben ihre Prominenz genutzt, um mit
Aktienfonds Millionen einzusammeln. Das Nachsehen hat der Anleger,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 04.09.
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BARON, Christian (2016): Willkommen in der Welt der
Drohungen.
Das Versprechen vom Aufstieg durch
Bildung gilt längst nicht mehr. Darin liegt nicht nur eine Gefahr,
sondern auch eine Chance,
in:
Neues Deutschland v. 03.09.
"Ich bin fast 18 und habe keine
Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann 'ne
Gedichtanalyse schreiben. In vier Sprachen",
hat gemäß Christian BARON einem
Hype um Bildung ausgelöst. Der Tweet könnte genauso gut von der
Finanzdienstleistungsbranche lanciert worden sein, denn diese
fordert spätestens seit Einführung der Riester-Rente, dass
Vorsorgewissen in der Schule gelehrt werden sollte. Darum geht es
BARON jedoch nicht, sondern er hängt typisch linken Träumen von
einer Revolution nach. Akademiker und Arbeiter marschieren erheben
sich gemeinsam gegen die prekären Zustände. Das Ziel ist jedoch ein
typisches Akademikerphantasma: das bedingungslose Grundeinkommen.
Wahrscheinlicher ist dagegen, dass unter neoliberalen Vorzeichen
daraus eine Armenfürsorge wird, die nur den Akademikern nützt, aber
dem Rest der Nicht-Akademiker nur schadet, weil alle anderen
Sicherungssysteme wegfallen würden.
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HENSEL, Jana (2016): Weil ich ein Mädchen bin.
Der Feminismus, eine Erfolgsstory:
Margarete Stokowski, eine der wichtigsten Stimmen ihrer Generation,
erklärt in "untenrum frei", was es bedeutet, heute eine junge Frau zu
sein,
in:
Neues Deutschland v. 03.09.
Die wichtigste Stimme ihrer Generation ist ein
gerne verwendetet Marketingklischee.
Jana HENSEL wurde selber einmal mit diesem Klischee bedacht. Wer
soziale Ungleichheit wegdiskutieren will, der verwendet gerne den
Begriff "Generation", der die Unterschiede innerhalb von
Altersgruppen leugnet. Das gilt nicht nur für Klassen- sondern auch
für Geschlechterfragen.
"Eine junge Frau zu sein (...)
bedeutete (...) bis vor ein paar Jahren noch nichts, man war
wertlos, niemand hatte außer Sex eine wirkliche Verwendung für
einen. Gerhard Schröder war Bundeskanzler,
»Tristesse Royale« eines der meistdiskutierten Bücher, die
Denk- und Lebenswirklichkeit von Frauen hatte doch in
Frauenzeitschriften ausreichend Platz. Nur Carrie Bradshaw dachte
in
»Sex and the City« darüber nach, wie und ob man als Frau
erfolgreich und glücklich sein konnte. Aber das tat sie
bekanntlich als Kolumnistin in einer New Yorker Zeitschrift, die
es gar nicht gab.
Heute ist das zum Glück ein bisschen anders. Das Jahrhundert ist
bereits ein paar Tage alt, und man kann, siehe Frau Stokowski,
nicht nur mit 30 Jahren bereits eine einflussreiche Journalistin
sein, sondern auch noch über Feminismus schreiben. Der folgende
Satz wäre damals undenkbar gewesen, heute aber ist er Realität:
Margarete Stokowski gehört zur ersten Generation junger Frauen,
die an allerprominentester Stelle eingeladen werden, an unser
aller Gegenwart mitzuschreiben. Und die das, wer hätte das für
möglich gehalten, im Moment sehr eindrucksvoll tun. Klug,
kraftvoll, eigensinnig und markant.
Stokowski ist dabei die Politischste und auf eine Art die deutsche
Lena Dunham,
Antonia Baum die Virtuoseste und
Ronja von Rönne die Schillerndste. Und es gibt natürlich noch
mehr. Aber diese drei verfügen über unglaubliches Talent und
erreichen mit ihren Texten hohe Aufmerksamkeit; eine Resonanz, die
so hoch ist, wie sie kein gleichaltriger Journalist momentan
erreicht",
erklärt uns HENSEL ihr Universum,
in dem diese jungen Damen Einfluss haben. Wenn man von denen noch
nicht viel gelesen hat, dann hat man vielleicht nicht die FAS
gelesen, für die Antonia BAUM schreibt, oder die Welt, die
Ronja von RÖNNE gehypt hat oder die taz, wo Margarete
STOKOWSKI Politik auf Identitätspolitik reduziert. Aber das ist gar
nicht das Kriterium:
"Mir jedenfalls fällt keiner
ein, dessen Texte in den sozialen Netzwerken so gelikt, geteilt
oder diskutiert werden wie die dieser drei Frauen. In meiner
Generation, in der Zeit vor Social Media, haben eigentlich nur
männliche Kollegen wie
Benjamin von Stuckrad-Barre,
Florian Illies oder Moritz von Uslar eine vergleichbare
Wirkung gehabt."
Die männlichen Kollegen galten
damals als Verkörperung der Popliteratur. Ihr Einfluss beruhte
darauf, dass die Feuilleton diese Gattung damals hypte. Aber wer
spricht heute noch von dieser Generation Golf? Und worauf
beruht der Einfluss dieser drei Frauen?
"Baum ist 32 Jahre alt und von
Rönne sogar erst zarte 24. Man kann also mit einigem Recht
konstatieren: Es hat eine gewaltige Veränderung stattgefunden.
Während Antonia Baum und Ronja von Rönne neben ihrer
journalistischen Arbeit auch Romane schreiben, hat Margarete
Stokowski nun ihr erstes Sachbuch vorgelegt. Es heißt wie gesagt
»Untenrum frei« und erzählt unter anderem davon, wie es ist, eine
junge Frau zu sein. Ein feministisches Coming-of-Age-Buch also.
Das ist nicht neu, das haben vorher auch schon andere getan.
Katja Kullmann war mit ihrem Bestseller
»Generation Ally« damals
die Erste jener neueren Welle und ist bis heute die Erfolgreichste
geblieben, aber gerade in den vergangenen Jahren häufen sich
solche Bücher",
erklärt uns Jana HENSEL. Dumm
nur, dass das Feuilleton nicht mehr der Ort ist, an dem heutzutage
gesellschaftliche Debatten ausgetragen werden. Diese Zeit ist
endgültig vorbei. Der Literaturbetrieb ist längst eine geschlossene
Veranstaltung geworden und die zentralen gesellschaftspolitischen
Debatten werden inzwischen fast ausschließlich in den
Wirtschaftsteilen der Printmedien geführt. Dort spielen Mädchen
jedoch so gut wie gar keine Rolle. Ihr Spielplatz ist das
Feuilleton, eine Art Abstellkammer für Mädchen, die sich einreden,
sie hätten Einfluss!
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DETTMER, Markus u.a. (2016): Mensch gegen Maschine
Arbeit: Der Angriff der Roboter
gefährdet die Existenz der Mittelschicht: Bedroht sind nicht mehr nur
Tätigkeiten in der Werkhalle, jetzt trifft die Digitalisierung auch
qualifizierte Kräfte in Büros, Kanzleien und Praxen. Welche Jobs
werden überleben?
in:
Spiegel Nr.36 v. 03.09.
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MOHR, Daniel
(2016): Richtig in Aktien anlegen.
Die Vermögensfrage: Für die
Altersvorsorge sind Aktien die ideale Anlageform. Doch die Vorbehalte
sind groß. Dabei muss eigentlich nur ein Grundsatz beachtet werden,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.09.
Daniel MOHR hat sich zum Ziel gesetzt unsere Vorbehalte restlos zu
zerstreuen:
"Von den 100 Werten des
F.A.Z.-Index aus dem Jahr 1986, die auch heute noch börsennotiert
sind, haben nur die Deutsche Bank und die Commerzbank den Anlegern
Verluste beschert."
Da stellt sich uns bei dieser
uneindeutigen Formulierung gleich die Frage: Gibt es keine Firmen,
die zwischen 1986 und heute pleite gegangen sind, bzw. die von
anderen Unternehmen aufgekauft wurden und deren Aktien deshalb nicht
mehr an der Börse gehandelt werden? Und wenn es solche gäbe, warum
wird das dann unterschlagen? Um uns Misstrauische nicht zu
beunruhigen?
MOHR vergleich den Aktienkauf mit
einem Autokauf. Wir würden durch auch nicht auf einen solchen Kauf
verzichten, nur weil es einen Motorschaden bekommen könnte. Jene,
die kein Auto besitzen, werden also gar nicht erst als ernsthafte
Zielgruppe in Betracht gezogen. Und müsste man jene Firmen, die an
der Börse im Laufe der Jahrzehnte verschwunden sind, nicht mit einem
Unfall mit Totalschaden vergleichen, nachdem der Autofahrer
möglicherweise für immer traumatisiert ist und deshalb nicht einmal
mehr bei anderen im Auto mitfahren möchte? Diese Fälle sind zwar
selten, aber sie gehören schließlich auch zumindest als
Randbedingung hinzu. Sie auszuklammern bedeutet letztendlich uns nur
noch misstrauischer zu machen!
Beispielhaft stellt uns MOHR die
Henkel-Aktie mit folgenden Worten vor:
"Das Beispiel ist wahllos
gegriffen."
Es wird uns die sagenhafte
Rendite dieser Erfolgsaktie angepriesen. So wahllos kann das aber
nicht sein, denn viel später im Beitrag eröffnet uns MOHR, dass
diese Henkel-Aktie gerade auf ein Rekordhoch gestiegen sei. Es darf
also vermutet werden, dass die Henkel-Aktie uns aus didaktischen
Gründen vorgestellt wurde und keinesfalls wahllos. Wer unser
Misstrauen also zerstreuen will, der soll uns nicht blenden wollen.
Das führt dann zum Gegenteil. Unser Misstrauen steigt weiter an!
Nachdem uns die
Henkel-Erfolgsgeschichte als typisches Beispiel einer Aktienanlage
vorgestellt wurde, sind wir aus Sicht von MOHR reif dafür, auch die
Risiken in Augenschein zu nehmen: Die Deutsche Bank, die Commerzbank
und die Telekom (erst nach dem Jahr 2000) werden uns als
Wertvernichter vorgestellt. Totalschäden existieren wie gesagt nicht
in diesem Universum von MOHR.
"Rückblicke in die
Vergangenheit sind am Kapitalmarkt nur bedingt hilfreich sonst
müssten - frei nach der Investorenlegende Warren Buffett -
Historiker die besten Anleger sein. (...).
Der wichtigste Grundsatz für die Aktienanlage ist daher die
Streuung über mehrere Titel",
erklärt uns MOHR. Um streuen zu
können, bedarf es überflüssigen Geldes, das wir notfalls auch
verbrennen könnten. Wer das nicht hat, der ist außen vor, wenn er
sich nicht verschulden will und wie ein Spieler an der Börse zockt.
Die richtige Auswahl von Aktien ist vergleichbar mit einem
Glücksspiel:
"Manche raten zu Dartpfeilen,
die auf die Kursseite einer Zeitung geworfen werden sollten (...).
Indexfonds sind eine beliebte und günstige Möglichkeit, dem
Streuungsgebot der Aktienanlage Rechnung zu tragen",
erklärt uns MOHR den Erfolg von
Indexfonds, denen heute in der FAZ Norbert KULS zum
40jährigen Geburtstag gratuliert ("Indexfonds feiern Geburtstag").
Dort heißt es:
"nur einer Minderheit von
Fondsmanagern gelingt es, den Index zu schlagen. Die Geschichte
der Wall Street ist voller Stars, denen das ein paar Jahre,
manchmal auch länger als ein Jahrzehnt geglückt ist, deren
Erfolgssträhne danach aber jäh riss."
Selbst Börsenprofis wissen also
meist nicht wie die Börse wirklich tickt und wenn, dann nur für eine
kurze Zeit, weil sich die Gesetze der Börse offenbar im Laufe der
Zeit auch ändern. Der Erfolg von Indexfonds beruht also lediglich
auf dem Scheitern jener, die es eigentlich besser wissen müssten,
aber es nicht tun. Auf alle Fälle gewinnen die Fondsgesellschaften:
"Wer in Aktien- oder
Aktienindexfonds investiert (...) wird nicht zu den
Hauptversammlungen eingeladen, kann sich entsprechend dort nicht
zu Wort melden, nicht mit abstimmen und erhält auch die Dividende
nur indirekt über die Fondsgesellschaft."
Da stellt sich die Frage, ob wir
hier nicht in jedem Fall über den Tisch gezogen werden. Statt unser
Geld den Fondsgesellschaften in den Rachen zu werfen, könnten wir
uns also genauso gut selbst einen Indexfonds zusammenbasteln. MOHR
nennt als weitere Aktienanlagestrategie einen monatlichen Sparplan
bei einer Bank:
"Lediglich überschaubare
Gebühren bei Kauf und Verkauf können fällig werden und je nach
Bank auch eine Gebühr für die Verwahrung im Depot - mehr nicht."
Mehr nicht? Auch hier macht die
Bank also Profite, die wir erwirtschaften müssen. Und wie sieht es
mit den 8 Prozent Rendite aus, die uns FAS/FAZ gerne versprechen?
Darin sind bereits die Dividenden eingerechnet, während die Steuern
noch abgezogen werden müssen. Also auch hier wird Schönrechnerei
betrieben, um die Lukrativität von Aktien zu erhöhen.
Ist aber die
steuerliche Benachteiligung (?) von Aktien so schlimm, dass die
FDP deshalb auf Verbesserungen drängt?
Zum Schluss wird uns die
Attraktivität von Aktien als Altersvorsorge noch mit Verweis auf das
Ausland nahe gelegt:
"Denn schon jetzt profitieren
vom Erfolg deutscher Unternehmen vor allem britische und
amerikanische Pensionsfonds."
Aber offenbar nicht deren Kunden!
Alles in allem sind die Argumente von MOHR wenig überzeugend. In
erster Linie profitieren Finanzdienstleistungsbranche und Wirtschaft
von unserem Engagement. Uns potenzielle Kleinanleger will man
dagegen eher mit einem Almosen abspeisen. Wer kein Geld übrig hat,
das er notfalls auch verbrennen könnte, für den sind Aktien eher
unlukrativ, denn alle Strategien, die uns MOHR vorschlägt laufen nur
auf eines hinaus: Minimierung von Risiken und auf diesen bleiben wir
ganz allein sitzen! Kollektiver Ausgleich von Risiken wäre dagegen
eine alternative Strategie, die jedoch vom Neoliberalismus bekämpft
wird.
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BERNAU, Patrick(2016): Mehr Einfluss für die Ökonomen.
Politiker ignorieren den Rat von
Experten. Das ist ein Problem. Das müssen die Experten lösen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.09.
Die FAZ stellt uns ihre
aktuelle Rangliste der Ökonomen vor:
Ernst Fehr an der Spitze der Ökonomen. Die Rangliste wird
nach Kriterien zusammengestellt, die intransparent sind und eher
Konformität messen als Erkenntnisfortschritt. So werden lediglich 89
Politiker befragt, aus deren Antworten dann die Bedeutung des
Ökonomeneinflusses in der Politik herausgelesen wird. Wie
repräsentativ sind jedoch diese Politiker. Wurden hier nur
Haushalts- und Finanzpolitiker befragt? Die Bedeutung für die
Wissenschaft beruht in erster Linie auf sogenannten Zitierkatellen
und der Bevorzugung von begutachteten Publikationen, d.h. in erster
Linie auf Konformität. Bezeichnend ist, dass z.B. der längst
verstorbene
Max WEBER, also ein Klassiker des Fachs, im
Rankingbereich Forschung aufgeführt wird
Ernst FEHR steht für die
derzeitige wissenschaftliche Modeströmung der Verhaltensökonomie.
Das ist derzeit der Strohhalm an den sich die Rechtfertigungslehre
klammert, die die Ökonomie in erster Linie ist, wenn so sehr auf
Politikberatung (ehrlicher: Lobbyismus) abgestellt wird. BERNAU
trauert der Durchsetzungsphase der Agenda 2010 nach:
"Nur in einer kurzen Phase
drangen die Experten mit ihren Lehren tatsächlich bis an die
Stammtische durch: Es war die Zeit der Massenarbeitslosigkeit in
Deutschland, die Jahre kurz nach der Jahrtausendwende. Damals
überschnitten sich ausnahmsweise die Ziele von Ökonomen und
Bevölkerung."
Man kann das auch ganz anders
sehen: Damals wurde der Grundstein für das heutige Misstrauen
gegenüber den Experten gelegt. Der Ökonom
"muss auch Argumente liefern,
mit denen Politiker die Wähler auf ihre Seite ziehen können -
idealerweise sogar Argumente gegen die Politiker überhaupt nicht
mehr ankommen."
Solche Argumente soll nun die
Verhaltensökonomie liefern. Man darf bezweifeln, dass die
Verhaltensökonomie diese liefern wird. Den Homo oeconomicus bloß
durch einen irrationalen Menschen zu ersetzen, reicht nicht aus,
wenn dadurch die ökonomische Rechtfertigungslehre namens
Neoliberalismus nicht auch gleich über Bord geworfen wird. Die
Interessengegensätze in der Bevölkerung schafft man nicht aus der
Welt, indem man das Menschenbild kosmetischen Korrekturen
unterzieht.
Die Rangliste der Ökonomen ist
mehr oder weniger eine Rangliste der Lieblings-FAZ-Experten,
sieht man z.B. von Marcel FRATZSCHER (den man aber zumindest noch
neoliberal vereinnahmen kann) und Peter BOFINGER ab. Axel
BÖRSCH-SUPAN, der Hausexperte in Sachen Renten, ist dank
Rentendebatte von Platz 31 auf Platz 20 vorgerückt.
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KROHN, Philipp (2016): Garantien gibt es immer weniger.
Aufsicht fordert von
Lebensversicherern Reserve ein,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.09.
Philipp KROHNs Artikel zielt darauf ab, bei uns Kunden von
Lebensversicherern Verständnis für die Profitinteressen der
Versicherungswirtschaft zu wecken und den Schuldigen beim Staat zu
suchen, der keine andere Wahl lässt, als die Risiken auf uns Kunden
abzuwälzen:
"Wegen der Niedrigzinsphase hat
die Bafin (...) eine Zinszusatzreserve eingeführt, die das
Potential für Überschussbeteiligungen erheblich einschränkt.
Versicherer müssen viele Eigenmittel vorhalten, um Garantien zu
stellen. Um sich zu entlasten, haben sie in den vergangenen Jahren
Mischformen aus klassischen Policen mit Sicherungsvermögen und
fondsgebundenen Policen etabliert."
Damit wird das Ursprungsproblem
verdrängt: die vollmundigen Renditeversprechen, mit denen vor der
Riester-Reform die Kapitaldeckung als Königsweg der Altersvorsorge
schmackhaft gemacht werden sollte. Die Finanzdienstleister sind
Opfer ihrer eigenen Marketingstrategien geworden und nun sollen die
Kunden dafür zahlen. Zur Zeit wird uns die Aktie als Königsweg
gepriesen. Man darf also gespannt sein wie lange dies gut gehen
wird.
SIEDENBIEDEL, Christian (2016): Investieren in den Deckungsstock der
Allianz.
Wer dieser Tage in einer
Commerzbank-Filiale Geld anlegen will, bekommt oft ein eher
ungewöhnliches Produkt empfohlen. Es nennt sich Index Select. Was
verbirgt sich dahinter?
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.09.
Muss man den Artikel in
Verbindung mit dem heutigen Artikel von Philipp KROHN lesen?
Zumindest deuten die gleich- oder ähnlich lautenden
Begrifflichkeiten sowie die Herangehensweisen an das Anlageprodukt
Versicherung darauf hin, denn Christian SIEDENBIEDEL meint mit den
Investitionen keine Aktien oder Unternehmensanleihen der Allianz,
sondern den "Einkauf in das Vermögen eines großen Vorsorgekolletivs"
(KROHN), also das "Sicherungsvermögen. Früher war der Begriff
Deckungsstock üblich" (KROHN). SIEDENBIEDEL erklärt uns - eher wenig
verständlich - das umstrittene Produkt "Schatzbrief Index Select",
was eine "Rentenversicherung der dritten Schicht" sein soll und
dennoch akzeptabel für den Kunden?
"Während das
Institut für Vorsorge
und Finanzplanung (IVFP) das Konzept in einem Vergleich mit
der Note 1,1 lobt, gab es Kritik von Verbraucherschützern, dem
Bund der Versicherten und der Zeitschrift »Ökotest«."
Sich einfach an den Erfolg
anderer anhängen, heißt das Motto, das uns SIEDENBIEDEL schmackhaft
machen will. Man könnte es auch anders sehen: Wer am Erfolg anderer
nur partizipieren will, der muss das teuer bezahlen. Und wenn der
Erfolg plötzlich ganz ausbleibt?
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SCHARNIGG, Max
(2016): Das beste Jahr des Lebens.
Er sieht unscheinbar aus und doch ist der 37. Geburtstag ein wichtiger
Geburtstag, sagen die Forscher. Höchste Zeit also für unseren direkt
betroffenen Autor, diesen Wendepunkt zu besichten,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 03.09.
Max SCHNARNIGG präsentiert uns
gerne
unnütze Forschungsartefakte, um sich in Szene zu setzen. Das
trendige Marktforschungsinstitut YouGov, das mit Online-Befragungen
hip umgeht, wird uns von SCHARNIGG als Prophet der 37 gepriesen. Das
einzig wirklich Greifbare:
"Und eine Studie errechnete die
37 als das Jahr, in dem die Briten durchschnittlich ihre
Lebensziele erfüllt haben wollen. Handelsübliche Ziele sind das:
Ehepartner gefunden, Eigenheim bezogen, gutes Einkommen und
Familiengründung bewerkstelligt. Da ist die 37 also der Punkt, an
dem alle Zwischenlösungen überwunden sein sollen, das Ende des
Konjunktiv-Lebens."
Die 37 ist also eher Wunschdenken
als brauchbarer Anhaltspunkt für die Lebensplanung, die zwischen
Angehörigen unterschiedlicher Milieus stark differiert, weshalb die
37 für die einen zu hoch für die anderen zu niedrig gegriffen ist.
Und nicht wenige werden die Ziele nicht einmal alle anstreben
wollen.
Der Artikel gehört letztlich in
die Kategorie von Versuchen, Altersnormen jahrgangsspezifisch
zu etablieren, wobei das Gefühl der prinzipiellen Offenheit des
weiteren Lebens (andere würden eher von Unsicherheit sprechen)
angesichts der bereits getroffenen Weichenstellungen und
Festlegungen besonders wichtig wird:
"Heute 37 zu werden bedeutet
aber auch Jung war erst gestern. (...) Und es besteht die vage
Hoffnung, dass es auch mit 50 nicht viel anders sein wird."
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SÜDDEUTSCHE ZEITUNG-Serie (Teil 21):
Wirtschaftsreport
KLIMM, Leo
(2016): Unter uns.
SZ-Serie Unsere
Zukunft, unsere Rente (21): Sie ziehen in umzäunte Rentnerdörfer
mit Klubhaus und Pool, in eine Parallelwelt hinter Zäunen und Mauern:
Während das Land an Terror und Wirtschaftsflaute leidet, schotten sich
immer mehr ältere Franzosen ab - in exklusiven Anlagen nach
US-Vorbild, die nicht für Reiche gedacht sind, sondern für eine
goldene Generation der Mittelschicht,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 03.09.
Die Überschrift führt völlig in die Irre. Mit der goldenen Generation
werden in Frankreich die 68er bezeichnet, während uns Leo KLIMM einen
untypischen Babyboomer vorstellt: einen 56-Jährigen Frührentner, der
als Selbständiger zu Reichtum kam und sich deshalb in ein Rentnerdorf
der französischen Kette Les Senioriales in Vias in der
südfranzösischen Provinz Languedoc einkaufen konnte.
Die Kette besitzt in Frankreich
gerade einmal 42 Wohnanlagen, Vias ist die neueste Siedlung mit ca. 60
Wohneinheiten. Rechnet man dies hoch, dann kommt man nicht einmal auf
1000 Rentner, die in solchen Anlagen nach dem US-amerikanischen
Vorbild der Sun Citys wohnen. Dass dies ein Mittelschichtrend sei ist
also mehr als übertrieben. Eher wird uns die Ausnahme als Regel
suggeriert. Die Franzosen werden uns als Volk der Frührentner
präsentiert:
"die Franzosen haben angesichts
eines frühen tatsächlichen Austritts aus dem Berufsleben (59 Jahre)
und hoher Lebenserwertung den längsten Lebensabend: Der
Industrieländerorganisation OECD zufolge beziehen die Französinnen
durchschnittlich 27,2 Jahre Rente, die Franzosen 23 Jahre. In
Deutschland sind es vier, respektive drei Jahre weniger."
Dyrk SCHERFF hat uns dagegen die
Franzosen vor ein
paar Wochen in der FAS als vorbildlich angepriesen, weil
deren Renteneintrittsalter - im Gegensatz zu Deutschland - bereits an
die Lebenserwartung gekoppelt sei. Helmut STALDER in der
NZZ Online v. 21.08. diesen Jahres erklärt uns:
"Auch für die Franzosen, die
traditionell früh in Pension gingen, wurde das Rentenalter erhöht. Für
die nach 1955 Geborenen gilt Rentenalter 62, für nach 1950 Geborene
bestehen Übergangsregeln."
Der aktuelle
OECD-Rentenbericht
2015 erklärt uns dagegen, dass die Franzosen im Jahr 2057 mit 63
Jahren in Rente gehen werden. Die jeweiligen Interpretationen passen
zwar haargenau zur Intention des jeweiligen Autors, aber wie sieht die
Realität in Frankreich tatsächlich aus? Das kann sich nun der Leser
selber zusammenreimen.
"Les Senioriales zielt auf Rentner,
die - allein oder zu zweit - über ein Bruttoeinkommen von 1.500 bis
3.000 Euro monatlich verfügen.
Die Durchschnittsrente aus öffentlichen und berufständigen Kassen
liegt bei gut 1.300 Euro. Hinzu kommen oft Einkünfte aus
Lebensversicherungen. Das ist vergleichbar mit der Lage deutscher
Rentner",
erklärt uns KLIMM. Heißt das, dass
in Frankreich die Besteuerung genauso ist wie in Deutschland? Oder ist
die Kaufkraft höher bzw. niedriger? Bruttoeinkommen sind bei
internationalen Vergleichen eher wenig aussagekräftig. Und offenbar
sieht es mit diesen Wohnanlagen nicht gerade rosig aus:
"Der Umsatz sank binnen vier Jahren
von 75 auf 55 Millionen Euro."
Trends sehen für gewöhnlich anders
aus! Alles in allem lässt dieser Report mehr Fragen offen als er
beantwortet. Er bedient eher typische Franzosenklischees vom Savoir
vivre!
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Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte
HEHLI, Simon (2016): Alain Berset massregelt
Bürgerliche.
Der SP-Bundesrat warnt vor einem
Absturz der Vorlage zur Altersvorsorge,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 03.09.
STALDER, Helmut (2016): Länger arbeiten für eine sichere AHV.
Leidartikel: Die Altersvorsorge darf
kein Spielplatz für Ideologen sein. Wer rechnet, kommt zum Schluss:
Eine sichere und ausreichende Finanzierung ist nur zu haben, wenn
wir später in Pension gehen - und die Selbstvorsorge stärken,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 03.09.
Helmut STALDER kritisiert die Alterssicherung in
der Schweiz aus neoliberaler Sicht. Die Konstellation ist
identisch mit der Rentendebatte in Deutschland. Auch in der
Schweiz wird Altersarmut mit Verweis auf die Gegenwart
verharmlost, während andererseits mit dem Kampfbegriff
Generationengerechtigkeit
die Altersarmut der Zukunft zur
Finanzierungsfrage umgedeutet wird. Dadurch wird die zukünftige
Altersarmut in der Debatte ausgeblendet. Dies führt zum Kuriosum,
dass Armut keine Klassenfrage mehr ist, sondern eine Frage von
Jung und Alt:
"Diese Umverteilung von
ärmeren Jungen zu reicheren Senioren sollte nicht noch verstärkt
werden."
Die reichen Jungen und die
armen Alten werden dadurch einfach ignoriert. Die Jungen werden
dann zusätzlich noch verstärkt auf die private Altersvorsorge
verwiesen, indem Freibeträge, die nur den reichen Jungen nützen,
massiv erhöht werden sollen. Dies würde faktisch die Umverteilung
von arm zu reich massiv erhöhen, was wohl der eigentliche Zweck
solcher neoliberaler Argumentation ist.
Auch in der Schweiz wird mit
dem Anstieg der Rentenbezugsdauer die Notwendigkeit einer Erhöhung
des Renteneintrittsalters begründet. Den Schweizern wird
Deutschland -
mit Blick auf die OECD-Statistik - als vorbildlich
beschrieben, während man hierzulande uns Deutsche als rückständig
kritisiert! Es zeigt sich, dass genauso wie in Deutschland auch in
der Schweiz immer jene Statistik für internationale Vergleiche
herangezogen wird, die der eigenen Argumentation am bestehen
dient. So schreibt STALDER in einem früheren Aritkel:
"Auffällig ist hingegen, dass
sich Männer wie Frauen in den meisten Ländern tatsächlich meist
vor dem gesetzlichen Rentenalter aus dem Erwerbsleben
zurückziehen, sei es freiwillig oder unfreiwillig. In der
Schweiz hingegen arbeiten die Männer gemäss der OECD-Statistik
gut ein Jahr länger und die Frauen ein halbes Jahr länger, als
es das gesetzliche Rentenalter zulässt. Die Statistiken haben
jedoch in dieser Frage methodische Unschärfen, wie es beim
Bundesamt für Statistik heisst. Systematisch erfasst werden in
der Schweiz nur jene, die einen Rentenvorbezug in Anspruch
nehmen. Bei den übrigen sind die Statistiker auf Befragungen
angewiesen. Abhängig von den Arbeitsstunden pro Woche tauchen
Rentnerinnen und Rentner je nach Methode noch als Arbeitende in
der Statistik auf oder nicht. Der Bund verwendete deshalb in der
Botschaft zur Rentenreform die in der EU gebräuchliche
Eurostat-Statistik. Gemäss dieser Erhebung gingen Schweizer
Männer 2015 im Schnitt mit 64,1 Jahren in Rente und Schweizer
Frauen mit 62,6 Jahren." (NZZ Online v. 21.08.2016)
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KÖNIG, Jochen
(2016): Drei sind keiner zu viel.
Familienpolitik: In Deutschland
können bisher höchstens zwei Menschen rechtlich anerkannte Eltern
eines Kindes sein. Warum nicht auch drei?
in:
TAZ v. 02.09.
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SÜDDEUTSCHE ZEITUNG-Serie (Teil 20): Reden wir über Geld
REXER, Andrea & Vivien TIMMLER
(2016): "Das lässt mich nicht mehr los".
SZ-Serie Unsere
Zukunft, unsere Rente (20): Daniela Späth sammelt Erbschaften für
die SOS Kinderdörfer. In den Wohnungen von Verstorbenen macht sie
Dinge, die ihre Eltern immer verboten haben. Und manchmal muss sie
sich um eine Schafherde kümmern,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 02.09.
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HERWIG, Oliver
(2016): Das heiße Herz des Hauses.
Wie wir wohnen: Die Küche ist zum
Lieblingsort der Deutschen aufgestiegen, auch bei den Männern. Dort
spielt sich das wahre Leben ab,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 02.09.
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HOYER, Niklas
(2016): Bsirskes böse Panikmache.
Rente,
in:
Wirtschaftswoche N.36 v. 02.09.
Niklas HOYER, lässt ein
B.Z.-Zitat von Frank BSIRSKE "aus Kreisen der
Rentenversicherung" dementieren. Man liegt sicher nicht falsch, wenn
man das als "aus Kreisen der Arbeitgebervertreter in der
Rentenversicherung" übersetzt.
"Wer 1964 geboren wurde, 2500
Euro brutto verdient und 40 Jahre arbeitet, wird knapp 800 Euro
Rente bekommen. Und ein Drittel der Arbeitnehmer verdient weniger
als 2500 Euro im Monat. Diese Menschen erwartet eine Rente auf
Hartz-IV-Niveau",
erklärt uns BSIRSKE. HOYER
dementiert jedoch nur den ersten Satz, während die anderen beiden
Sätze der Aussage ignoriert werden. Es lässt sich zudem nicht
nachvollziehen welche Annahmen Werner SIEPE bei seiner Rechnung
unterstellt hat, der von HOYER ebenfalls angeführt wird. In der
Regel werden 45 Beitragsjahre, also der so genannte Eckrentner
unterstellt, während BSIRSKE auf jene anspielt, die so viele
Beitragsjahre gar nicht erreichen.
Fazit: Für den Leser sind weder
die Berechnung von BSIRSKE noch jene von HOYER zitierten
nachvollziehbar. Er wird deshalb auf seine eigene Einstellung zum
Thema zurückgeworfen. Aufklärung sieht anders aus!
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LAMBECK, Fabian
(2016): Die Zukunft verbaut.
Demografiekongress zu den Themen
Alterung und Flüchtlinge,
in:
Neues Deutschland v. 02.09.
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SCHMELZER, Thomas
(2016): Schöne neue Arbeitswelt.
Präziser, schneller, günstiger:
Roboter und intelligente Maschinen erledigen viele Aufgaben besser als
der Mensch. Nun dringen sei in akademische Berufe vor. Wie das unseren
Arbeitsalltag verändert, zeigen drei Beispiele aus dem Krankenhaus,
der Anlageberatung und einer Wirtschaftskanzlei,
in:
Handelsblatt v. 02.09.
Thomas SCHMELZER liefert uns eine Beruhigspille für Journalisten,
die im Vergleich zu anderen Berufsgruppen kaum vor einer
Roboterisierung betroffen seien, wenngleich die Nachfrage generell
zurückgehe.
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KAUBE, Jürgen
(2016): Ware Freundschaft.
Ein Buch wird publiziert, doch wie
kommt es an den Mann? Der Umgang mit Christian Krachts neuen Roman
führt es vor: als Lehrstück über die Auflösung literaturkritischer
Kriterien,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 02.09.
Frank SCHIRRMACHERs Nachfolger ist beleidigt, weil Christian KRACHTs
neuer Roman nicht zuerst in FAS/FAZ vorgestellt wurde,
sondern das Privileg nun andere haben. Nach dem Fortgang der
Plaudertasche Volker WEIDERMANN, der ja genau jene Art der
Buchvorstellung bei der FAS eingeführt hatte, die jetzt
Jürgen KAUBE bei den anderen beklagt, wird nun der Bedeutungsverlust
des Feuilletons der FAS/FAZ auch dem Letzten klar. Die
gesellschaftliche Bedeutung von Literatur ist bereits seit Längerem
gesunken. Nicht einmal mehr für Debatten, die über den Tellerrand
hinausreichen, reicht es mehr. Längst hat der Wirtschaftsteil das
Feuilleton in seiner Bedeutsamkeit für gesellschaftliche Debatten
abgelöst. KAUBE sitzt nun einsam auf seiner Bildungsbürgerinsel und
schmollt.
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KROHN, Philipp
(2016): Fazzi und die Sterbetafeln.
Finanzplanung mit Mitte fünfzig (5):
Wie kommt man mit dem Vermögen bis zum Lebensende aus?
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.09.
Philipp KROHN erklärt uns nicht etwa die Sterbetafeln, sondern macht
lediglich Werbung für Honorarberater.
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MOHR, Daniel
(2016): Gefährlicher Eingriff,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 02.09.
Die eher zahnlose Bafin möchte
ein Anlageprodukt verbieten. Dies führt bei Daniel MOHR bereits zu
einem hysterischen Aufschrei:
"Mit dem Maßstab müssten die
Lebensversicherungen sofort komplett vom Markt genommen werden und
die Riester-Rente gleich mit. Die Verbraucherschützer und die
Grünen stehen schon voller Vorfreude mit weiteren
Verbotsvorschlägen parat".
Die Finanzdienstleistungsbranche
wird es anerkennen, dass MOHR sich derart für ihre Profitinteressen
ins Zeug legt.
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ACKERET, Markus
(2016): Politik im luftleeren Raum.
In Mecklenburg-Vorpommern dreht sich
der Wahlkampf um die Flüchtlingspolitik und den Vertrauensverlust der
Bürger,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 02.09.
"Kurz vor dem Wahltag an diesem
Sonntag zeigen neueste Umfragen die AfD mit 23 Prozent an zweiter
Stelle, hinter der SPD (28 Prozent) und vor der CDU (20 Prozent). Für
Caffier, aber auch für die gesamte Bundespartei und Merkel wäre das
ein Desaster. Die Linkspartei würde ebenfalls verlieren. Sollte es
nicht mehr zur grossen Koalition reichen, käme sie aber vielleicht
doch zum Zug",
erklärt uns Markus ACKERET die
Verhältnisse in Mecklenburg-Vorpommern, wo gerade einmal rund 1,6
Millionen Bürger leben.
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Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte
FORSTER, Christof (2016): Die Profiteure der
Rentenreform.
Bund präsentiert aktualisierte
Berechnungen zu den provisorischen Entscheiden,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 02.09.
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KERNER, Regina
(2016): Eieruhr und nationaler Fruchtbarkeitstag.
Italiens Gesundheitsministerin
empört das Land mit einem Aufruf, mehr Kinder zu bekommen,
in:
Frankfurter Rundschau v. 02.09.
Gemäß Regina KERNER hat Italien derzeit die Rote Laterne in Sachen
europäischer Geburtenraten, wobei uns jegliche Zahl vorenthalten
wird, sodass wir das glauben können oder auch nicht, denn in Sachen
Geburtenraten herrscht in unseren Qualitätszeitungen ein laxer
Umgang. Die Argumente, die uns KERNER präsentiert sind uns Deutschen
bereits bis zum Erbrechen zu den Ohren hingestopft worden. Nun haben
uns die Italiener abgelöst, so scheint es jedenfalls. Die
Gesundheitsministerin Beate LORENZIN, eine späte Mutter, die mit 43
Jahren noch Zwillingen gebar, will nun ihre Landsmänninnen
missionieren mit Plakataktionen, die uns Deutschen sehr bekannt
vorkommen. Wenig Fakten, dafür umso mehr Emotionen liefert uns
KERNER in ihrem Artikel. Bei diesem Thema werden Fakten von
Journalisten sowieso eher als störend empfunden: Die Emotionen
ersetzen die Nachricht!
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WELT-Schwerpunkthema:
Zukunft
GRASS, Julia Maria (2016): "Die Generation Y verhält sich fahrlässig".
Die 20- bis 30-Jährigen leben im
Hier und Jetzt und sorgen nicht für die Rente vor. Das ist fatal, sagt
der Soziologe Klaus Hurrelmann,
in:
Welt
v.
01.09.
Vorwiegend belangloses Plaudern über den
privilegierten Teil der 1985 - 2000 geborenen Alterskohorte, die von
Klaus HURRELMANN u.a. als Generation Y bezeichnet werden. Zum
Schluss kommt das Gespräch auf die MetallRente-Studie zu sprechen,
die bereits Anfang
April von der Welt kompakt groß aufgebauscht wurde.
MAASS, Stephan (2016): Opa Kevin lernt wieder laufen.
In der Zukunft kümmern sich Roboter
darum, dass pflegebedürftige Menschen zu Hause alt werden können,
in:
Welt
v.
01.09.
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CZIMMER-GAUß, Barbara
(2016): Stuttgart zieht junge Leute an.
Bevölkerung: Die demografische
Entwicklung hat lange die Angst vor Überalterung geschürt. Doch mehr
und mehr Menschen zwischen 18 und 30 Jahren finden Gefallen an der
Stadt,
in:
Stuttgarter Zeitung v. 01.09.
Barbara CZIMMER-GAUß berichtet
aus einem
Artikel von Attina MÄDING u.a. im Statistikheft der Stadt Stuttgart
vom Februar über die Entwicklung der Einwohnerentwicklung der
Stadt. Der Begriff "Überalterung" wird nicht definiert, sondern
jeder Leser muss sich dazu seinen Teil denken. Die Überalterung
kommt auf uns als eine Art Überalterungswalze in Form der Babyboomer
(1960 bis 1970 Geborene) zu, die 2015 zwischen 45 und 55 Jahre alt
waren. Dieser Babyboomer-Kohorte werden uns die 18- bis 30-Jährigen
als Gegengift gegenübergestellt. In dieser Sicht sind die
56-Jährigen und Älteren bereits abgeschrieben - quasi als Tote von
Übermorgen. Während die Babyboomer noch über uns hinwegrollen.
Ein Grafik stellt uns die
Haushaltsentwicklung in Stuttgart zwischen 2010 und 2015 dar, wobei
die Darstellungsweise nicht nachvollziehbar ist, weil die Kategorien
wie Äpfel und Birnen durcheinander geworfen werden. Wir sollen also
lediglich der Argumentation der Autorin folgen dürfen ohne eigene
Gedanken zu entwickeln:
"Knapp 51 Prozent der
Stuttgarter Haushalte, zum Stichtag 30. Juni 2016 insgesamt
166 893, sind Single-Haushalte. Ihre Zahl stieg zwischen 2010 und
2015 um 9,4 Prozent. Etwa ein Viertel aller Haushalte sind
Zwei-Personen-Haushalte.
Der Trend zu kleinen Haushaltsgrößen ist bei jungen Menschen unter
30 Jahren ungebrochen. Innerhalb von zehn Jahren haben weitere
6000 junge Menschen einen Single-Haushalt gegründet, 2000 weitere
Zwei-Personen-Haushalte kamen hinzu. Der Anteil der Ein- bis
Zwei-Personen-Haushalte liegt in der Stadt inzwischen bei mehr als
17 Prozent. An zweiter Stelle der Zuwachsskala liegen
Ein-Personen-Haushalte, in denen 45- bis 60-Jährige leben: Im Jahr
2006 waren es noch 28 500, zum Ende des ersten Halbjahrs 2016 rund
34 250. »Sie fallen nach Auszug ihrer Kinder zum Teil auch in die
Gruppe der kleinen Haushalte zurück«, erklärt Attina Mäding,
»während junge Familien angesichts des dauerhaft angespannten
Wohnungsmarktes zunehmend ins Umland abwandern.«"
Blickt bei dieser konfusen
Darstellung noch ein Leser durch? Während die Grafik bei den
Zuwächsen immer Ein- und Zweipersonenhaushalte zusammenfasst,
schreibt die Journalistin auf einmal nur noch über Single- bzw.
Einpersonenhaushalte. Offenbar hat sich CZIMMER-GAUß in ihrem
Zahlenlabyrinth verirrt.
Die Grafik wiederum differenziert
drei Haushaltstypen: Ein- und Zweipersonenhaushalte, die in 3
Altersgruppen untergliedert werden, Größere Haushalte, die nur in 2
Altersgruppen unterteilt werden und zuletzt die Haushalte der
Älteren ab 65 Jahren bei denen keinerlei Differenzierung nach
Haushaltstypen vorgenommen werden. Leben diese also alle im gleichen
Haushaltstyp? Das ist doch eher unwahrscheinlich. Warum werden also
in dieser Grafik zwei Typisierungsschemen miteinander vermischt,
statt ein Schema für alle Altersgruppen zu verwenden? Ist die
Datenlage so schlecht in Stuttgart?
Im letzten Drittel des Artikels
stellt CZIMMER-GAUß eine Studie vor, die sich mit der Altersgruppe
der 25- bis 30-Jährigen hinsichtlich Standortwahl und Wohnform
beschäftigt. Inwiefern diese Altersgruppe Wohngemeinschaften im
Gegensatz zum Alleinleben bevorzugt, bleibt im Vagen. Die
Journalistin interessiert lediglich die Standortwahl, d.h. welche
Stadtteile bzw. Wohngebiete beliebt sind.
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GASSER, Florian/HAMANN, Götz/PAUSACKL, Christina/ROHRBECK,
Felix/SCHULZ, Bettina
(2016): Rettet die Provinz!
Die klassische Lebensversicherung
gerät ins Abseits. Viele Topmanager sehen auf einem Handelsblatt-Strategiemeeting
in Köln die Branche vor schwierigen Zeiten,
in:
Die ZEIT Nr.37 v. 01.09.
Die Wochenzeitung für die
großstädtische Mittelschicht entdeckt nun im Wahlkampfmodus die
Provinz! Bislang sorgte sie sich nur um die Renaissance der
Großstädte und forderte die Abschaffung der Gleichwertigkeit der
Lebensverhältnisse. Das Berlin-Institut forderte gar unverfroren
die Aufgabe von Dörfern, weil sich diese aus neoliberaler Sicht
nicht mehr rentieren würde. Man solle die Bewohner lieber
deportieren. Natürlich wurde das schönfärberisch dargestellt.
Die AfD hat nun das geschafft,
was ohne sie nie möglich gewesen wäre. Die ZEIT entdeckt
die Provinz, zumindest bis der Landtagswahlkampf am Sonntag
überstanden ist.
"Die Geschichte vom
schrumpfenden Osten ist oft erzählt worden, als Folge der Wende
und des Zusammenbruchs der alten DDR-Industrie, als historischer
Sonderfall eben. Aber inzwischen stellt sich heraus: Es ist kein
Sonderfall.
Landflucht ist ein europäisches Phänomen",
verharmlosen GASSER u.a. das
Problem, indem sie es relativieren und verzerren:
"Ganze Landstriche entleeren
sich. Junge ziehen fort - und sogar Rentner wandern in die Stadt
ab: Ein Bevölkerungsminus von bis zu 20 Prozent muss die Gegend
rund um den Harz aushalten, dei Pfalz, die Rhön, das
Fichtelgebirge und den Hundsrück, in Mittel- und Nordhessen -
und natürlich in Ostdeutschland. Aber selbst in
Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, den
bevölkerungsreichsten Bundesländern, schrumpfen mehrere Kreise.
Im Kleinen ist dort zu erkennen, was sich im Großen
zusammenballt."
Das Ruhrgebiet galt bereits im
Westdeutschland der 1980er Jahre als schrumpfende Region und
die westdeutsche Stadtforschung entdeckte schrumpfende Städte als
Problem. Nur wurde das damals nicht als demografischer Wandel,
sondern als struktureller Wandel und seine verheerenden Folgen
beschrieben. Die Demografisierung gesellschaftlicher Probleme
führt nun dazu, dass Schrumpfen auf Demografie reduziert wird,
obwohl es weiterhin in erster Linie auf verfehlte
Wirtschaftspolitik zurückzuführen ist. Nicht mehr Gegensteuern zu
Fehlentwicklungen, sondern Beschleunigen der Fehlentwicklung in
strukturschwachen Gebieten heißt heute das Motto des
Neoliberalismus.
Die Rentner sollen gefälligst
die Provinz retten, statt sich in die Stadt abzusetzen (was die
Autoren nicht einmal belegen!). Rentner wird inzwischen
unverhohlen empfohlen sich ihren Wohnsitz in Gegenden mit
niedrigen Lebenshaltungskosten zu suchen. Die gegenwärtige
Rentendebatte befördert solche Lösungsvorschläge durch die
neoliberale Preisgabe des Ziels einer lebensstandardsichernden
gesetzliche Rente seit der Riester-Reform im Jahr 2001.
"Die politischen Folgen wird
man bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern sehen - und
einen Monat später in Österreich. Die abgehängten Regionen
driften nach rechts",
belehren uns die Autoren. Wo
bitte war die ZEIT zur Jahrtausendwende, als diese
Entwicklungen bereits eingeleitet wurden? Jetzt nachdem die
neoliberale Demografisierung gesellschaftlicher Probleme ihre
sichtbaren Ergebnisse zeitigt, ist das Heulen nur noch verlogen!
Jetzt werden uns die Schuldenböcke dieser Misere folgendermaßen
präsentiert:
"22 Milliarden Euro, die Zahl
hat das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft in
Köln in die Welt gesetzt als Antwort auf die Frage, wie viel der
Staat 2016 für Flüchtlinge ausgeben muss. Es war eine Schätzung.
Aber seither entfaltet die Zahl ihre Wirkung, weil Menschen,
auch in Adamshoffnung, sie mit den Beobachtungen aus ihrem
Alltag vergleichen. (...).
Adamshoffnung liegt in Mecklenburg-Vorpommern, einem der ärmsten
Bundesländer, seit Jahren wird an öffentlichen Leistungen im
Landkreis gespart. Der Bus? Fährt nur noch für Schüler. Die
Südbahn? Teilweise stillgelegt. Die Reparatur am Dach der
Kindertagsstätte frisst den Jahresetat der Gemeinde. In
Adamshoffnung hatte sie sich arrangiert - bis diese 22
Milliarden Euro auftauchten."
Die Steigerung von
Mecklenburg-Vorpommern heißt Österreich, erklären uns die Autoren.
Österreich nicht der Neoliberalismus und seine Kollateralschäden
wird uns als Horrorszenario präsentiert:
"die heutige Abwanderung ist
folgenreicher, sie ist fatal, weil es die jungen Frauen sind,
die aufbrechen. Landflucht in Österreich ist weiblich, und
zurück bleiben die Dörfer, in denen bis zu 40 Prozent mehr
Männer als Frauen im Alter zwischen 20 bis 29 Prozent leben.
Männer, die nur schwer eine Partnerin finden."
Man könnte das als Variante der
seit Jahren bei neoliberalen Journalisten zunehmend beliebteren
youth bulge-These betrachten, die in Deutschland mit dem Namen
Gunnar HEINSOHN verknüpft ist. Es mag eine Ironie des Schicksals
sein, dass HEINSOHN damit an seine - mittlerweile als falsch
erwiesene, aber äußerst populären Hexenverfolgungs-These anknüpfen
kann. In gewisser Weise erfüllt die youth bulge-These geradezu die
gleiche Funktion wie die Hexenverfolgungs-These. Nur dass die
Opferrolle von den Frauen zu den Männern übergegangen ist, genauso
wie der Zeitgeist nicht mehr auf Emanzipation, sondern auf
Antifeminismus gedreht ist. HEINSOHN ist eine Art Trüffelschwein,
wenn es um solche Zeitgeistmoden geht.
Leider bleibt der Artikel
folgenlos. Er ist Wohlfühlpalaver für unsere Elite, die sich im
Selbstmitleid suhlen darf. Jedes Phänomen, das ihre Ruhe stört und
sie aus ihren bequemen Schreibtischstühlen aufschreckt, kann
entweder den Alten oder den Rechten zugeschrieben werden. Damit
kann ruhigen Gewissen der Neoliberalismus weiter bis zum Exzess
praktiziert werden. Umdenken? Wir doch nicht! Oder doch?
"Doch ein Grund wurde
hartnäckig übersehen, vielleicht weil diejenigen, die öffentlich
darüber reden, ihn nicht sehen wollen, nicht sehen können - denn
sie leben in der Stadt.
Die Menschen in der Provinz abzuhängen ist demografiegefährdent.
Wer diesen Prozess beschleunigt, für den wird es
brandgefährlich",
erklären uns die Autoren, als
ob eine solche Erkenntnis plötzlich vom Himmel gefallen wäre!
Tatsächlich diskutiert die Demokratiegefährdung durch die
Stadt-Landunterschiede bereits im Jahr 2012 das Buch
Demografie und Demokratie - und zwar auf ganz fatale
Weise. Die Autoren wollen nun vorschlagen Provinzpolitik als
Rhetorikwechsel zu veranstalten:
"Stünde die Provinz (...)
weniger fürs Abgehängtsein als für Freiheit, das wäre etwas".
Die Umdefinition von
Abgehängtsein in Freiheit! Darauf muss man erst einmal kommen.
Dass der Staat die Haushaltsmehreinnahmen für Investitionen in als
aussterbende Dörfer bezeichnete Gegenden steckt, das ist wohl mehr
als unwahrscheinlich. Mehr als Sonntagsreden wie dieser Artikel
wird es nicht geben. Oder würden die Hamburger dafür auf ihren
Wohlstand verzichten, um ihn mit schrumpfenden Dörfern zu teilen?
Wie wäre es, wenn die ZEIT ihre Redaktion nach
Mecklenburg-Vorpommern verlegen würde? Sie könnte sich dann als
Vorbild der "Landlust-Elite" präsentieren. Ab nach
Adamshoffnung.
BUCHTER, Heike
(2016): Auferstehung eines Dorfes.
Water Valley im Bundesstaat
Mississippi war ziemlich heruntergekommen. Dann ließ sich ein
Ehepaar dort nieder, das eigentlich nur auf der Durchreise war. Mit
ihren Ideen kam die Wende,
in:
Die ZEIT Nr.37 v. 01.09.
BLUME
(2016): Ein Käse verschwindet.
Lokale Spezialitäten prägen die
französische Identität. Im bretonischen Fourgères gehen sie
verloren,
in:
Die ZEIT Nr.37 v. 01.09.
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HERZ, Carsten
(2016): Ein teurer Bund fürs Leben.
Die klassische Lebensversicherung
gerät ins Abseits. Viele Topmanager sehen auf einem Handelsblatt-Strategiemeeting
in Köln die Branche vor schwierigen Zeiten,
in:
Handelsblatt v. 01.09.
Carsten HERZ betätigt sich als
Sprachrohr der Versicherungswirtschaft, die ihre Probleme zum einen
als zu hohe staatliche Auflagen (Stichwort Zinszusatzreserve) und zum
anderen als Verlagerung der Risiken auf die Versicherten beschreibt
(Übertragung der Altverträge auf Abwicklungsgesellschaften, z.B. Arag
und Ergo sowie Umstellung von Zins- auf reine Beitragsgarantien, z.B.
Allianz als Vorreiter).
HERZ, Carsten
(2016): "Die alte Lebenspolice ist ein Auslaufmodell".
Guido Bader: Der Vorstand der
Stuttgarter Lebensversicherung über teure Garantien, sinkende Renditen
und Sicherheitsnetze,
in:
Handelsblatt v. 01.09.
Guido BADER hält sich an die
gängige Argumentation der Versicherungslobby, die auf eine Verlagerung
der Risiken auf die Versicherten hinausläuft.
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SCHWENN, Kerstin
(2016): Scheinheilige Rentenwelt.
Leidartikel: Wer den späteren
Rentenbeginn als "Maloche bis zum Tod" diffamiert, hat seine eigenen
Interessen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.09.
Wer wie Kerstin SCHWENN ein Zitat
aus seinem Kontext herausreißt, hat eigene Interessen, denn die
"Maloche bis zum Tod" stammt von Matthias W. BIRKWALD, der den Zwang
für Rentner zum Hinzuverdienst kritisiert:
"Die Grenze zwischen
Erwerbsarbeit und wohlverdientem Ruhestand dürfe nicht weiter
aufgelöst werden. »Wir sind gegen die Maloche bis zum Tode.«
Notwendig sei eine armutsfeste, den Lebensstandard sichernde Rente -
also ein deutlich höheres Rentenniveau und eine Mindestrente, die
ihren Namen verdiene",
wird der Linkspartei-Abgeordnete
in der gestrigen FR von Thorsten KNUF zitiert. SCHWENN
dagegen bezieht die Aussage auf die Erhöhung des
Renteneintrittsalters und verfälscht damit absichtlich die Intention
der Aussage. Oder ist etwa SCHWENN eine Analphabetin?
Ansonsten
wiederholt SCHWENN lediglich nochmals ihre Argumentation zur
Situation im europäischen Ausland, wobei sie die auf dieser
Website kritisierte Darstellung der Situation in Dänemark, um das
entscheidende Wörtchen "voraussichtlich" korrigiert, denn zuerst hat
sie so getan als wäre das bereits ein unumstößlicher Fakt. Diese
Methode von Journalisten der angeblichen Qualitätszeitungen einst
Falsches einfach stillschweigend zu korrigieren, statt den Leser auf
frühere Falschaussagen hinzuweisen, ist leider die Regel und nicht
die Ausnahme.
SCHWENN gibt zu, dass eine
Erhöhung des Renteneintrittsalter angesichts der gegenwärtigen Lage
auf dem Arbeitsmarkt im Grund nur eine Rentenkürzung darstellen
würde, weshalb sie argumentiert, dass ja das höhere
Renteneintrittsalter sowieso erst für die Zukunft gelte und bis
dahin der Fachkräftemangel die Situation verbessere. Dies ist eine
scheinheilige Argumentation, denn dann wäre es doch sinnvoll,
Änderungen erst dann umzusetzen, wenn sie erforderlich sind. Dies
würde jedoch eine politische Debatte erfordern, die SCHWENN einfach
durch einen Automatismus aushebeln möchte, was sie auch am Ende als
eigentliches Ziel angibt. Es geht also um die Schaffung von
antidemokratischen Strukturen, um von bestimmten Interessengruppen
nicht gewünschte Debatten zu unterbinden. Genau deshalb ist
jeglicher Automatismus abzulehnen, denn Rentenpolitik ist keine
Frage der Demografie, sondern vieler verschiedener
nicht-demografischer Faktoren, die durch einen Automatismus einfach
ignoriert werden würden.
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REUTER, Timo (2016): "Die Unsicherheit wächst".
Serie: Statt gegen die Armut
vorzugehen, wird sie hierzulande verschleiert. Der Sozialforscher
Stefan Sell weiß, wie man Ungleichheit bekämpft,
in:
Freitag Nr.35 v. 01.09.
Stefan SELL ("Arbeitsmarkt- und Armutsforscher") beschreibt die
untersten 10 % der Bevölkerung als Einkommensarme. Die 40 % darüber
bezeichnet er als "untere Mittelschicht". SELL kritisiert, dass durch
die Haushaltsstatistik sowohl Obdachlose als auch Heimbewohner
ausgeblendet werden und in Armutsstatistiken gar nicht erscheinen. Die
FAZ bezichtigt er der Wegdefinition der Armut.
Bereits nach der Wiedervereinigung setzen für SELL die Probleme ein:
"Die Wiedervereinigung war vor
allem über Sozialversicherungsbeiträge finanziert worden. Das hat die
Kapitalseite schnell als Problem explodierender Lohnnebenkosten
thematisiert."
Die Agenda 2010 hat diese Situation
dann nur noch verschärft. Die Lösung liegt für SELL nicht in erster
Linie bei der Steuerpolitik, sondern bei der zunehmenden Verbreitung
nicht-sozialversicherungspflichtiger Arbeit.
Dabei fehlt jedoch der Hinweis,
dass die Gewerkschaften durch die Nicht-Bekämpfung der
Entgeltumwandlung in ihrer jetzigen Form Teil dieses Problems sind.
Zugunsten der Vergrößerung ihres Einflusses durch die betriebliche
Altersvorsorge haben sie sozusagen Verrat an der Arbeitnehmerschaft
unterhalb der oberen Mittelschicht geübt. Inwiefern die Gewerkschaften
diesen Fehler im Rahmen des geplanten Gesetzesentwurfs zu den
Betriebsrenten korrigieren werden, muss sich zeigen. Die Gefahr
besteht, dass die Gewerkschaften lieber ihre Macht zementieren als die
Interessen des großen Teils der Arbeitnehmerschaft zu vertreten.
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ZOLL, Patrick
(2016): Australiens rastlose Rentner.
Nach der Pensionierung tauschen
viele Australier ihren festen Wohnsitz gegen einen Wohnwagen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 01.09.
Die Reportage über graue Nomaden in Australien von Patrick ZOLL
berichtet über eine kleine Minderheit von privilegierten Rentnern, die
längere Zeit im Land unterwegs sind.
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SCHMÄHL, Winfried (2016):
"Bismarcks Rentenversicherung" und der dadurch mitausgelöste
Geburtenrückgang in Deutschland.
Kritische Prüfung hierzu vorgelegter
Begründungen,
in:
Deutsche Rentenversicherung, Heft 2, S.74-92
Winfried SCHMÄHL kritisiert in
dem Beitrag die Dissertation
Bismarck's Institutions. A Historical
Perspective on the Social Security Hypothesis aus dem Jahr 2013,
in der ein Zusammenhang zwischen der Einführung des Rentensystems und
dem Geburtenrückgang in Deutschland lediglich behauptet, aber nicht
belegt werden kann. Diese Sichtweise wird seit längerer Zeit von der
Münchener Schule des Neoliberalismus gepredigt. Vertreter dieser
Richtung um Hans-Werner SINN sind u.a. Martin WERDING (Bochum), Robert
FENGE (Rostock) und Beatrice SCHEUBEL (EZB).
Die zentrale Annahme ist, dass die
kapitalgedeckte Altersvorsorge im Gegensatz zum Umlagesystem weniger
schädliche Auswirkungen auf die Geburtenentwicklung hätte. Wir haben
es hier also um eine Rechtfertigungslehre der Befürworter von
Kapitaldeckungsverfahren zu tun, die mit den Profitinteressen der
Finanzdienstleistungsbranche übereinstimmen. Die Alterssicherung soll
nach dieser Ansicht so umgebaut werden, dass die Leistungen
entsprechend der Kinderzahl differenziert werden. Es wird angenommen,
dass dies zu einer Erhöhung der Geburtenrate führt - Belege bleiben
diese Autoren jedoch schuldig.
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BRETTSCHNEIDER, Antonio & Ute KLAMMER (2016):
Lebenswege in die Altersarmut.
Ergebnisse einer Studie zu den
biografischen Determinanten der Grundsicherungsbedürftigkeit,
in:
Deutsche Rentenversicherung, Heft 2, S.110-125
BRETTSCHNEIDER & KLAMMER haben in den
Rentnerjahrgängen 1938 - 1947 nach Risikogruppen gesucht. Als
Ergebnis haben sie 5 Risikoprofile der Altersjahrgänge erstellt.
Aufschlussreicher sind jedoch die potenziellen Risikofaktoren, die
in einer Übersicht folgendermaßen aufgelistet werden:
| Übersicht:
Risikodimensionen und potenzielle Risikofaktoren im
Lebensverlauf |
| Erwerbsbiografie |
Familienbiografie |
Gesundheitsbiografie |
-
Langzeitarbeitslosigkeit
- langjähriger Niedrigverdienst
- langjährige geringfügige Beschäftigung
- (Solo-)Selbständigkeit
- Schwarzarbeit
- "stille Reserve" |
- ehe-
und familienbedingte Erwerbsunterbrechungen
- Angehörigenpflege
- Verwitwung
- Alleinerziehung |
-
Erwerbsminderung
- Behinderung
- Unfall/Berufskrankheit
- psychische Probleme
- chronische Erkrankungen |
|
Bildungsbiografie |
Vorsorgebiografie |
Migrationsbiografie |
-
fehlender Schulabschluss
- fehlender Berufsabschluss
- mangelnde Teilnahme an Weiterbildung
- Dequalifikationsprozesse |
-
mangelnde Vorsorgefähigkeit
- mangelnde Vorsorgebereitschaft
- mangelndes Vorsorgewissen
- gescheiterte Vorsorgestrategie |
-
Sprachprobleme
- später Zuzug
- aufenthaltsrechtliche Probleme
- allgemeine Integrationsprobleme |
|
sonstige biografische Risikoelemente |
- soziale Devianz,
Kriminalität
- Sucht, Obdachlosigkeit
- (Selbst-)Exklusionsprozesse, "Schicksalsschläge"
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Quelle:
Brettschneider & Klammer, 2016, S.112 |
In der gegenwärtigen
Rentendebatte werden die Risikofaktoren meist auf die Risiken der
Erwerbsbiografie (Interessen der Sozialpartner) oder der
Vorsorgebiografie (Interessen der Finanzleistungsbranche) verkürzt,
während alle anderen Dimensionen unterbelichtet bleiben.
Die Untersuchung ist jedoch wenig
hilfreich, was die Folgen der Änderungen des Alterssicherungssystems
seit der Wiedervereinigung betrifft:
"Die jetzigen »jungen Alten« in
der Grundsicherung im Alter sind (...) größtenteils noch nicht
»Opfer« der Rentenreformen der 1990er- und insbesondere der 2000er
Jahre, sondern in erster Linie Opfer ihrer (...) »gescheiterten«
Biografie."
In der obigen Übersicht fehlt
also der entscheidende Punkt: Änderungen der Rahmenbedingungen der
Alterssicherung. Die jetzige Rentendebatte dreht sich zwar sehr viel
um Generationengerechtigkeit. Sie wird aber nur beschworen, statt
empirisch belegt. Es werden Ressentiments gegen die Älteren geschürt
und die Jüngeren generell zu Verlierern stilisiert - wer immer das
auch sein mag. Vor allem werden die Folgen der Ergänzung der
gesetzlichen Rentenversicherung durch die Kapitaldeckung
verharmlost, denn hier sind mächtige Interessen der
Finanzdienstleistungsbranche betroffen, die insbesondere vom
Finanzministerium geschützt werden. Die Rentendebatte wird meist auf
eine reine Kostendebatte reduziert, während der Nutzen des
Alterssicherungssystems nur selten überhaupt zur Sprache kommt.
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SCHÖNBERGER, Birgit (2016): Große Freiheit oder
großes Loch?
Der Gedanke an die Rente weckt
Hoffnung auf ein freies Leben ohne Leistungsdiktat. Doch wenn es dann
so weit ist, kommt für viele ein böses Erwachen,
in:
Psychologie Heute, September
Neoliberale reden uns ein, dass
der Ruhestand für uns schädlich sei. Für sie sind Rentner ein
unnötiger Kostenfaktor.
"Interessanterweise sind die
Fantasien besonders farbig, wenn die Rente noch in sicherer
Entfernung ist. Rückt der Tag X näher, trüben graue Töne die
Pracht des inneren Gemäldes",
erklärt SCHÖNBERGER den
ahnungslosen Lesern. Wer dagegen nicht nur solche
Fremdzuschreibungen kennt, sondern auch die Realität, der weiß, dass
die Realität vielerorts ganz anders aussieht. Wir bräuchten eine
Vision für die nächsten 20 Jahre, was bereits darauf hindeutet, dass
damit in erster Linie die obere Mittelschicht gemeint ist, während
die anderen froh sind, wenn sie den Ruhestand einigermaßen gesund
überhaupt erleben.
Der Durchschnitt, der uns
präsentiert wird, ist im Alter noch weniger aussagekräftig als in
allen anderen Lebensphasen. Er ist ein politisches
Verblendungsinstrument, das über die krassen Gegensätze in der
Altersgruppe der Älteren hinwegtäuschen soll. Der
Durchschnittsdeutsche ist eine Fiktion von Politik, Medien und
Wissenschaft. Mit der Realität hat das immer weniger zu tun.
Man muss sich nur die
Widersprüche zwischen den Altersbildern der einzelnen Teilsegmente
dieser Gesellschaft betrachten, um zu erkennen, dass der
Durchschnittsalte, dann in viele kleine Zielgruppen zerfällt, deren
Bild Projektionen der Interessen dieser Teilsegmente sind. Für die
Tourismusbranche sind die Alten in erster Linie Kreuzschifffahrer.
Für die Kommunen sind sie in erster Linie Empfänger von
Grundsicherung im Alter. Für den Finanzminister sind sie in
zunehmendem Maße Steuerzahler, statt Transferempfänger (wobei gerne
das Gegenteil behauptet wird). Für die Finanzdienstleistungsbranche
sind sie Vermögende. Für die Pflegebranche sind sie
Pflegebedürftige. Für die Krankenkasse sind sie Kranke. Für die
Psychologen sind sie therapiebedürftig. So könnte
man das bis zum Sankt Nimmerleinstag weiter betreiben.
Das Bild vom "jungen Alten" ist
die Vision einer oberen Mittelschicht, die Medien, Politik und
Wissenschaft dominiert. SCHÖNBERGER definiert diese Gruppe als
60-75-Jährige und bleibt damit weit unterhalb jenen Neoliberalen,
die diese Gruppe eigentlich bis zum Tode ausdehnen möchte. Dass sie
keinen Widerspruch zwischen dieser Definition und der Tatsache sieht, dass
sie die Lebenserwartung von 65-Jährigen nennt, liegt wohl
daran, dass die Lebenserwartung von 60-Jährigen nicht publiziert
wird. Erst recht nicht die Lebenserwartung von 50-Jährigen. Die
Frage ist nämlich, inwieweit die so genannte Restlebenserwartung
durch positive Selektion verzerrt ist. Solche Fragen passen jedoch
nicht zur Fiktion des Durchschnittsalten.
Der Renteneintritt soll ein
kritisches Lebensereignis sein. Dazu wird uns eine allgemeine
Taxonomie von 40 "belastenden Lebensereignissen" genannt, deren
genaue Zusammensetzung uns vorenthalten wird, sodass sie für den
Leser nicht nachvollziehbar ist. Uns soll genügen, dass der
Renteneintritt Platz 10 belegt, um uns zu ängstigen. Danach werden
uns zwei Studien von Ursula STAUDINGER genannt, die auf den Slogan:
"Frühe Rente schadet der
Gesundheit und reduziert die Lebensfreude"
verkürzt wird. Dies dürfte jedoch
in erster Linie den Typus "Menschen, die beruflich sehr eingespannt
waren" betreffen. Man muss den Artikel bis zur letzten Seite lesen,
um ein differenzierteres Bild vom Ruhestand zu erhalten. Uns werden
vier Typen der nachberuflichen Phase erläutert:
1) Die Befreiten
2) Die Weitermacher
3) Die Anknüpfer
4) Die Nachholer
Dazu werden uns typische Problemkonstellationen geboten, die mit
diesen Typen verbunden sind. Aber auch diese Schablonen werden der
Vielfalt nicht gerecht. Jene die nichts anderes als die
Krisenhaftigkeit der Arbeitsgesellschaft kennen, waren bereits
vielfach während des Arbeitslebens zu Neuorientierungen gezwungen.
Das gilt nicht nur für Frauen, wie die Autorin uns einzureden
versucht, sondern auch für immer mehr Männer.
Wesentlich aufschlussreicher sind
die
Ausführungen von Stephan LESSENICH u.a. zu den jungen Alten,
weil dort die gesellschaftlichen Hintergründe des neuen Altersbildes
nicht ausgeblendet werden.
PH
(2016): "Irgendwann sind alle Fotos geordnet".
Ohne ein grundlegendes Gefühl von
Lebenssinn kann die Zeit nach der Berufstätigkeit nicht gut gestaltet
werden, meint der Psychoanalytiker Meinolf Peters,
in:
Psychologie Heute, September
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SAUM-ALDEHOFF, Thomas (2016): Voller Leidenschaft.
Ob Tanzen, Gärtnern oder
Gitarrespielen: Was gibt es Schöneres im Leben, als sich einer
Tätigkeit hinzugeben, in der wir voll und ganz aufgehen? Leidenschaft
ist ein großer Motivator und eine ergiebige Quelle von Lebensfreude.
Doch Vorsicht: Sie hat eine dunkle Kehrseite,
in:
Psychologie Heute, September
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LANG, Susanne (2016): Wie love Stadt.
Doch 2016 fällt es vielen Familien
schwer, sich den Wunsch vom Wohnen in der Stadt zu erfüllen. Die
Mietpreise explodieren, die Kaufpreise erst recht. Der Kampf um
Wohnraum ist hart wie nie zuvor. Es stellt sich die Frage: Wie schafft
man es als Familie, in der Stadt zu bleiben? Wir haben vier Familien
besucht,
in:
Psychologie Heute, September
"Familien konkurrieren mit
Kinderlosen und Studenten um größere Wohnungen und haben aufgrund
der Einkommensverhältnisse oftmals schlechte Karten",
stellt uns Susanne LANG in der
Titelgeschichte die verzerrte Sicht auf den Wohnungsmarkt dar.
Familien konkurrieren mit schwangeren Frauen und ihren Partnern
(noch Kinderlose) sowie Wohngemeinschaften und Eltern, deren Kinder
ausgezogen, bzw. deren Partner/in verstorben ist. Noch verzerrter
ist die Darstellung zur Wohnungsgröße:
"Laut Statistischem Bundesamt
sieht die Lage bei Paaren mit mindestens einem minderjährigen Kind
in Miethaushalten jedoch nicht ganz so üppig aus: Sie verfügen
über durchschnittlich 24,2 Quadratmeter pro Person, Paare ohne
Kinder über 38,6 Quadratmeter. Singlehaushalte zur Miete haben im
Durchschnitt 59,3 Quadratmeter."
Die erste Verzerrung liegt bereits daran, dass fast 60 % der
Familien in den eigenen vier Wänden leben, wodurch die
großzügigen Wohnraumverhältnisse wegdefiniert werden. Kinderlose,
die zwangsweise flexibel sein müssen sind dagegen fast
ausschließlich auf den Mietwohnungsmarkt verwiesen. Die zweite
Verzerrung bezieht sich auf das Alter und den Familienstand. Witwen
bzw. Witwer leben mit über 80 Quadratmetern auf der größten
Wohnfläche. Aber wer will schon die alten Eltern aus ihren
überdimensionierten Wohnungen vertreiben? Besser klingt da schon
Kinderlose oder Singles, wobei beide Kategorien das Vorhandensein
von Kindern keineswegs ausschließen, besonders wenn sie geschieden
sind. Aber so viel Differenzierung darf sich eine schicke
Zielgruppenzeitschrift nicht erlauben. Mittels Feindbilder lebt es
sich angenehmer!
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NEON (2016): Ehrliche Kontaktanzeigen,
in: Neon,
September
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom 27. -
31.
August 2016
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