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News vom
09. - 13. April 2016
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Zitat
des Monats:
Der Geburtenrückgang in Deutschland wurde in erster Linie durch
den Rückgang von Frauen mit drei und mehr Kindern verursacht
"Deutschland
ist durch die Kombination aus
hoher Kinderlosigkeit und einem geringen Anteil
Kinderreicher charakterisiert. Der Effekt des Rückgangs
kinderreicher Familien kann jedoch mit 66,6 % den Großteil des
Geburtenrückgangs in der Bundesrepublik Deutschland erklären
(Bujard/Sulak 2015). Zeitlich unterscheiden sich die Effekte:
Während in der Anfangsphase der Rückgang der kinderreichen
Familien fast alleine den Geburtenrückgang ausgelöst hat, war
später, beim Vergleich der Kohorten von 1950 bis 1970, die
Kinderlosigkeit der dominierende Faktor".
(Martin Bujard & Detlev Lück
"Kinderlosigkeit und Kinderreichtum", 2015, S.41)
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HALSER, Marlene (2016): "Es geht immer nur um die Kinder".
Regretting Motherhood: Die
Soziologin Orna Donath beschäftigt sich mit Frauen, die es bereuen,
Mutter geworden zu sein. Ein Gespräch über gesellschaftliche Ächtung
und die Rebellion gegen Tabus,
in:
TAZ v. 13.04.
GESTERKAMP, Thomas (2016): Nachtschicht in der Kita.
Betreuung: Im Osten Deutschlands
bleiben manche Kindertagsstätten rund um die Uhr geöffnet. Ein
hilfreiches Angebot für Schichtarbeiter und Alleinerziehende loben
Eltern und Politiker. Die 24-Studen-Kita hat aber auch Kritiker,
in:
TAZ v. 13.04.
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MARKERT, Hans Christian (2016): Mit Altersgrundeinkommen gegen Armut.
Gastbeitrag: Immer mehr Menschen
reicht die Rente nicht. Das System der Vorsorge muss reformiert
werden,
in:
Frankfurter Rundschau v. 13.04.
"Laut einer Studie der
Hans-Böckler-Stiftung verzichten 68 Prozent der Berechtigten auf
die Grundsicherung im Alter - aus Scham oder Unwissenheit",
erklärt uns Hans Christian
MARKERT von den Grünen in NRW, der die dadurch erzielten
Einsparungen auf rund 11 Milliarden Euro beziffert. Anschließend
stellt er das Modell des Altersgrundeinkommens als Konkurrenz zur
Lebensleistungsrente, die er als Sockel-Rente bezeichnet, vor.
Merkwürdigerweise gibt es dazu bei den Grünen keine weiteren
Informationen. Will der Grüne mit einem "Ad-hoc-Modell" schnell auch
noch bei der derzeitigen Rentendebatte mitmischen?
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PICHLER,
Thomas (2016): Ein Wunschkonzert bei der Rente.
StZ-Tagesthema: Der CSU-Vorsitzende
Horst Seehofer stellt plötzlich frühere Rentenreformen infrage. Die
Koalition will in den nächsten Monaten prüfen, wie sich Einbußen bei
künftigen Rentnern vermeiden lassen. Wie höhere Leistungen finanziert
werden, ist offen,
in:
Stuttgarter Zeitung v. 13.04.
Als Anlass der Rentendebatte sieht Thomas PICHLER die
Profilierungswünsche der Volksparteien im Bundestagswahlkampf. Konkret
gehe es um die drohende Altersarmut:
"Die in den vergangenen Jahrzehnten
beschlossenen Kürzungen führen nach Seehofers Meinung langfristig
dazu, dass etwa die Hälfte der Bevölkerung in der Sozialhilfe landen
würde."
Erst gegen Ende des Artikel wird
dann auf den WDR-Bericht eingegangen, der ebenfalls von einer hohen
Altersarmut ausgeht ("jedem zweiten Bundesbürger"). Auch PICHLER
kritisiert diese Sicht auf Minirenten - wie ein Tag später der
Tagesspiegel - nur dass nicht Selbständige und Beamte bzw. der
Haushaltskontext, sondern Ärzte und Anwälte als Beispiel dienen:
"So haben in der Regel auch Ärzte
oder Anwälte während ihrer Ausbildung Beiträge an die Rentenkasse
gezahlt, sind mit dem Einstieg in den Beruf aber über Versorgungswerke
abgesichert. Die durchschnittliche Rente sagt nicht viel aus. Sie
berücksichtigt nicht die Vermögenssituation eines Menschen."
Trotz der diesjährigen
Rentensteigerung hält PICHLER den langfristigen Trend zum Rückgang des
Niveaus der gesetzlichen Rente als "unumkehrbar". Und zwar wegen dem
demografischen Wandel:
"Vergessen ist heute, dass in den
neunziger Jahren von vielen Wissenschaftlern und Politikern befürchtet
worden war, die gesetzliche Rente könne eines Tages nicht mehr
finanziert werden. Damals war vorhergesagt worden, dass sich der
Rentenbeitrag (...) auf bis 26 Prozent erhöhen könnte. Ein Vergleich:
heute beträgt der Beitragssatz 18,7 Prozent."
Mit Verweis auf die
Rürup-Kommission erläutert PICHLER, dass die Erhöhung der
Lebenserwartung mit einer Verlängerung der Rentenbezugsdauer einher
gehe. Als Bezugspunkt werden die 1960er Jahre angegeben. Ausgeblendet
wird dabei, dass seit dieser Expansionsphase der Rentenversicherung
viele Lasten aufgebürdet wurden, die mit dem demografischen Wandel
überhaupt nichts zu tun haben.
PICHLER geht ausgiebig auf die
Position von Martin ROSEMANN (SPD), der als Rentenexperte tituliert
wird, ein:
"Martin Rosemann (...) fordert mehr
Steuermittel. Außerdem müssten von 2020 an die Beitragssätze erhöht
werden, verlang er."
Zu den Kosten einer Stabilisierung
des Niveaus der gesetzlichen Rente äußert sich PICHLER eher kryptisch:
"Nach einer Faustformel würde die
Stabilisierung des Rentenniveaus auf dem jetzigen Stand dazu führen,
dass der Beitrag dauerhaft um rund 1,5 Prozentpunkte höher ausfallen
müsste."
Während andere Zeitungen nur die
geplante Lebensleistungsrente als Vorhaben der Koalition nennen, weist
PICHLER auch auf die Ost-West-Angleichung der Renten hin. In der
FAZ
(CREUTZBURG 14.04.16) wird diese Angleichung jedoch nur als
Vorschlag, aber nicht als geplantes Rentenvorhaben beschrieben.
PICHLER kritisiert, dass auch ohne
eine Stabilisierung des Rentenniveaus die Belastungen zu hoch seinen.
Außerdem weist er darauf hin, dass der Bundeszuschuss bereits 84
Milliarden Euro pro Jahr beträgt. Vergisst jedoch hinzuzufügen, dass
dies angesichts der gewaltigen Summen, die versicherungsfremde
Leistungen (z.B. Mütterrente, Kosten der Deutschen Einheit)
verschlingen, noch viel zu wenig ist.
WALKER, Bernhard (2016): Die Deutschen riestern zu wenig.
StZ-Tagesthema: Experten fordern
schon länger eine Reform der Eigenvorsorge. Viele Menschen legen
schlicht zu wenig Geld auf die Seite,
in:
Stuttgarter Zeitung v. 13.04.
"Der Geburtsfehler der Riester-Rente lässt sich exakt datieren. Am
17. Juni 1999 schrieb ein großes Boulevardblatt: »Auch das noch -
Riester plant Zwangsrente«",
erklärt uns Bernhard WALKER und
folgt damit der Erzählung
Die Chance als Krise des Spiegel vom 21.06.1999. Zu
deutsch: Wäre die Riester-Rente für alle verpflichtend, dann gäbe es
heute angeblich kein Problem mit der Rente. WALKER erklärt die
Riester-Rente zu einem guten Vorsorge-Produkt (die
Finanzdienstleistungsbranche wird es ihm danken).
Das Problem liegt für WALKER
lediglich an unrealistischen Annahmen der Regierung zum Ertrag der
Riester-Rente:
"Immerhin unterstellt die Regierung
nicht nur, dass jeder riestert, sondern jeder Riester-Sparer soll vier
Prozent des Bruttoeinkommens zur Seite legen und bei
Verwaltungsgebühren der Bank oder der Versicherung von zehn Prozent
einen Zins von vier Prozent im Jahr erzielen."
Als Alternative preist WALKER die
Deutschland-Rente (namentlich genannt wird in diesem Zusammenhang nur
der hessische CDU-Finanzminister Thomas SCHÄFER), weil sie mit ihrem
"sanften Zwang" (RÜRUP & WAGNER) der Verpflichtung zur "Eigenvorsorge"
näher kommt.
Fazit: Die bereits lang andauernde
Niedrigzinsphase kommt bei WALKER als Problem der privaten
Altersvorsorge nicht vor.
REINERS, Willi (2016): Rentenpolitik als Klientelpolitik.
StZ-Tagesthema: Schwarz-Rot peilt
die nächste Rentenreform an. Es wird ein teueres Projekt werden,
in:
Stuttgarter Zeitung v. 13.04.
Willi REINERS kritisiert die Rentendebatte. Die Kernklientel der SPD
seien die "kleinen Leute", die nun bedient werden sollen. Die Ausgaben
für die Flüchtlingspolitik habe dazu geführt, dass nun die
"Einheimischen" sozialpolitisch in den Blick geraten. Sein Lamento
liest sich kurz gefasst so:
"Mehr als 20 Jahre hatte es
gedauert, die Rente dem demografischen Wandel anzupassen. Das
Rentenniveau wurde abgesenkt, das Renteneintrittsalter heraufgesetzt,
eine staatlich geförderte private Zusatzvorsorge eingeführt. Es war
ein schmerzhafter Reformprozess, der Jung und Alt viel abverlangte,
doch am Ende war die Rente zukunftsfest, zumindest für die Jahre bis
2030. Dann kam Schwarz-Rot und machte all diese Anstrengungen
zunichte."
REINERS hat aber ebenfalls die
"kleinen Leute" im Blick: "kleine Selbständige" sollen besser gestellt
werden - und zwar mit einer Versicherungspflicht. Wir lernen daraus:
"kleine Leute" muss man vor sich selber beschützen!
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WORATSCHKA, Rainer (2016): Das Rententhema ist sicher.
Vor dem Bundestagswahlkampf
überbieten sich die Parteien mit neuen Konzepten zur Alterssicherung,
in:
Tagesspiegel v. 13.04.
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BERNEWASSER, Julia (2016): "Ich will nicht ins Heim".
Wenn ein Elternteil nicht mehr
allein leben kann, stehen die Kinder vor einer schwierigen
Entscheidung. Ein Umzug in eine Demenz-WG wie der Heidehof in Pankow
kann eine Lösung sein,
in:
Tagesspiegel v. 13.04.
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SZ-Tagesthema: Wohnen in
Deutschland.
In vielen
Städten steigen die Mietpreise, so geht das schon seit Jahren.
Strengere Gesetze haben daran kaum etwas ändern können. Heiko Maas
nimmt nun einen neuen Anlauf, den Trend zu stoppen, mit noch
strikteren Regeln. Vermieterverbände warnen bereits vor den Folgen.
Kann das Kalkül aufgehen?
ROSSMANN, Robert
(2016): Bis zum letzten Quadratmeter.
Wie der Justizminister Mieter
schützen will - und wie groß seine Chancen sind, die Pläne
durchzusetzen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 13.04.
MÜLLER, Benedikt (2016): Regeln und Rendite.
Unternehmen behaupten, neue
Vorschriften machten den Bau von Wohnungen unattraktiv. Plausibel
ist das nicht,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 13.04.
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ÖCHSNER, Thomas
(2016): Murks fürs Alter.
Die Lebensleistungsrente erreicht
nicht die Richtigen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 13.04.
Thomas ÖCHSNER ist gegen eine
allgemeine Anhebung des Niveaus der gesetzlichen Rente. Dies wäre zu
teuer:
"Das Rentenniveau jetzt wieder zu
stabilisieren oder gar von derzeit knapp 48 auf 50 Prozent des
Durchschnittslohns wieder anzuheben, ist extrem teuer. Der
Rentenbeitrag müsste dann bis 2030 auf mehr als 24 Prozent steigen -
das ist für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer unbezahlbar. Wer das
durchsetzen will, muss die Rentenformel ändern, den Steuerzuschuss für
die Rentenkasse erhöhen - und vielleicht einen »Renten-Soli« anstelle
des heutigen Solidaritätszuschlags einführen."
Auch gegen die geplante
Lebensleistungsrente wendet ÖCHSNER ein, dass diese nicht diejenigen
erfasst, die besonders von Altersarmut betroffen sind. Darauf hat
bereits Cornelia SCHMERGAL
Anfang März im
Spiegel mit Verweis auf die Kritik des Sozialbeirats der
Bundesregierung hingewiesen.
Mit einer Redewendung von Bert
RÜRUP & Gert G. WAGNER (Vorsitzender eben dieses Sozialbeirats), die
genau eine solche Verbesserung der privaten Altersvorsorge
vorschlagen, die ÖCHSNER stichwortartig umschreibt. Für die nächste
Legislaturperiode schlägt ÖCHSNER weitere Verbesserungen bei den
Erwerbsminderungsrenten vor.
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CREUTZBURG, Dietrich
(2016): SPD und CSU liefern sich Wettstreit um höhere Rente.
Gabriel überbietet Seehofer und
fordert Umbau der Rentenformel noch vor der Wahl. Schlecht
Umfragewerte,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.04.
Dietrich CREUTZBURG listet zuerst die Wohltaten der letzten Jahre
für Rentner auf:
"Die 20 Millionen Rentner erhalten
in diesem Jahr die kräftigste Rentenerhöhung seit 1994. Zudem erhalten
9,5 Millionen Rentnerinnen seit 2014 eine höhere Mütterrente, und
weitere 450.000 Menschen profitieren von der neuen abschlagfreien
Rente mit 63."
Vor diesem Hintergrund bewertet
CREUTZBURG die neuen Vorschläge von Sigmar GABRIEL & Horst SEEHOFER,
die nicht im Koalitionsvertrag vereinbart worden seien. Ledigleich
eine Verbesserung bei Betriebsrenten und die Lebensleistungsrente
seien vorgesehen, nicht aber eine Änderung der Rentenformel, die zu
einer Stabilisierung bzw. Anhebung des Rentenniveaus führt. Diese
Position entspräche den Forderungen des DGB. Außerdem habe SEEHOFER
seine bayerische Sozialministerin Emilia MÜLLER mit einer Erstellung
eines Konzeptes beauftragt.
CREUTZBERG beziffert die geplante
Lebensleistungsrente mit Kosten von jährlich rund 5 Milliarden Euro.
Dagegen hieß es
Anfang März in einem Spiegel-Artikel, dass dieses Projekt
höchstens 400 Millionen Euro kosten darf.
GÖBEL, Heike
(2016): Gabriels Rentenkoller,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.04.
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CREUTZBURG, Dietrich
(2016): Höheres Rentenniveau wird teuer.
Die CSU stellt die Riester-Reform
infrage und will die gesetzliche Rente wieder ausbauen. Das
Arbeitsministerium erwartet Kosten von 28 Milliarden Euro im Jahr,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 12.04.
Dietrich CREUTZBURG wertet den Anstieg der abgeschlossenen
Riesterverträge um 200.000 im Jahr 2015 gegenüber 2014 als Erfolg
des Modells - und nicht wie
die taz
als Angst vor Altersarmut und fehlende Alternativen. CREUTZBURG
unterstellt deshalb SEEHOFER, dass er ohne Kenntnis dieses "Erfolgs"
des Riester-Modells die Riester-Rente zum Auslaufmodell erklärte.
Weiter werden die Aussagen SEEHOFERs als Abkehr der Rentenreform aus
dem Jahr 2002 interpretiert.
Der großen Koalition schreibt
CREUTZBURG dagegen den Ausbau der betrieblichen Altersvorsorgung zu,
die das schaffen soll, was die Riester-Rente nicht schafft: die
Kürzungen bei der gesetzlichen Rente zu kompensieren.
Nachdem dieses Kampffeld
abgesteckt wurde, wird die Gewerkschaftskampagne zu einer
"Kehrtwende hin zu einem höheren Niveau der gesetzlichen Rente"
aufgegriffen. Es werden zuerst die hohen Kosten eines höheren
Rentenniveaus hervorgehoben, wobei diese Berechnungen aus der FAZ
wohlgesinnten Kreisen im Arbeitsministerium stammen.
CREUTZBURG kritisiert zweitens,
dass von der Anhebung des Rentenniveaus nicht nur "armutsgefährdete
Rentner" profitieren würden, wobei die FAZ nicht gerade als
Anwalt der kleinen Leute bekannt ist. Und nicht zuletzt wird die
Ansicht, dass die Altersarmut ein großes Problem werden könnte, als
umstritten hervorgehoben.
Zum Abschluss wird Peter WEIß,
der als "Rentenfachmann der CDU" charakterisiert wird, dahingehend
zitiert, dass die Prognosen zur Entwicklung des Rentenniveaus nur
bis zum Jahr 2030 reichen, also auch ein weiteres Absinken nach
diesem Zeitraum nicht auszuschließen sei, und deshalb das Thema
Rentenniveau auf die Tagesordnung gehöre.
Tenor des Artikels: das
Rentenniveau wird auf der Tagesordnung bleiben, CREUTZBURG
favorisiert jedoch keine Stabilisierung des Niveaus der gesetzlichen
Renten, sondern eine kapitalgedeckte Lösung.
GÖBEL, Heike
(2016): Die Seehofer-Rente,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 12.04.
Heike GÖBEL beschreibt Horst SEEHOFER als sprunghaften
Sozialpolitiker, der zuerst den Umstieg auf eine steuerfinanzierte
Grundrente, dann den Zwang zum Abschluss der Riester-Rente forderte
und der nun die Riester-Rente als neoliberalen Irrweg
charakterisiert.
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MIHM, Andreas
(2016): 500 syrische Ärzte nach Deutschland geflohen.
Der Krieg in Syrien treibt sie aus
dem Land. Deutschland nimmt die Ärzte gerne. Der Bedarf ist
ungebrochen. 2015 waren hier so viele Ärzte tätig wie nie zuvor,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 12.04.
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PIPER, Nikolaus
(2016): Zu billig.
Europäische Zentralbank: Niemand
sollte der AfD helfen, auch nicht beim Euro,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 12.04.
Nikolaus PIPER kritisiert die
politische Einmischung in die
Geldpolitik der EZB und nennt Oskar LAFONTAINE als mahnendes
Beispiel. PIPER stilisiert DRAGHI zum Retter der Euro-Währung, weist
aber auch darauf hin, dass in der Frage der Geldpolitik die
Finanzelite gespalten ist:
"Wenn (...) die Wirksamkeit der
EZB-Politik infrage steht, fallen auch deren unbestreitbaren
Risiken stärker ins Gewicht".
Vor diesem Hintergrund fordert
PIPER eine Symbolpolitik, die mit der Ankündigung einer "Rückkehr zu
normalen Zeiten" die Gemüter beruhigen soll.
Die FAS hat diese Art der
Strategie bereits vorexerziert. Dort prognostizierte ein Banker,
dass die Inflation in Deutschland bis Ende des Jahres bereits 0,9 %
und Ende des kommenden Jahres 1,7 % betragen werde. Dies wäre
sozusagen die Voraussetzung für einen Anstieg des Zinsniveaus.
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FR-Tagesthema:
Gesellschaftskampf Verunsicherte Mittelschicht
HEBEL, Stephan
(2016): Horror Volk.
Die Mitte geht den Rechten auf den
Leim, aus Angst vor der Konkurrenz von "unten",
in:
Frankfurter Rundschau v. 11.04.
"Nun aber, so scheint es, hat
rechtes Gedankengut die Hegemonie emanzipativer Denkweisen
gebrochen oder zumindest geschwächt. Warum aber ist das so?
Warum stärkt die Unzufriedenheit mit der herrschenden Politik
nicht fortschrittliche Bewegungen, sondern das Gegenteil?"
stellt Stephan HEBEL eine
rhetorische Frage, um sich selbst die Antwort gegen zu können:
"Ein Teil der Erklärung
dürfte im wenig erfreulichen Zustand der »Neuen Sozialen
Bewegungen« liegen. Mindestens ebenso wichtig ist aber etwas
anderes: Das Gebot, die Rechte von
Minderheiten zumindest im öffentlichen Diskurs nicht infrage
zu stellen, hat sich offensichtlich erledigt."
Das Problem dieser
kurzsichtigen Analyse von HEBEL liegt darin, dass lediglich der
Erfolg von Pegida und AfD erklärt werden soll, während jene
Unzufriedenen, die sich weder von den etablierten Parteien, noch
von den Rechtspopulisten repräsentiert sehen, außer Acht gelassen
werden.
Auch die Sicht von Kornelia
KOPPETSCH ("Die Wiederkehr der Konformität") ist zu
undifferenziert. Es wird von Protest gegen "neoliberale
Freiheitszumutungen" gesprochen und nicht von einem neoliberal
verengten Freiheitsbegriff. Dieser Protest wird dann nur in seiner
Ausprägung als Abgrenzung nach unten in den Blick genommen.
Offenbar sind die Autoren der irrigen Meinung, dass andere
Protestformen schon "links" seien.
Fazit: Wer Neoliberalismus als
FreiheitsZUMUTUNG versteht und nicht als falsches
FreiheitsVERSTÄNDNIS, der hat die ganze Tragweite der
Politikverdrossenheit nicht verstanden. Hier wird immer noch
versucht den Neoliberalismus schön zu reden.
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ALTENBOCKUM, Jasper von
(2016): Die Rente ist grün.
Die Mitte geht den Rechten auf den
Leim, aus Angst vor der Konkurrenz von "unten",
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.04.
Jasper von ALTENBOCKUM sieht nicht in der Nullzinspolitik das
Problem, sondern im demografischen Wandel. Diese Demografisierung
gesellschaftlicher Probleme wird zudem mit Hinweis auf die
skandinavischen Länder, die angeblich nicht neoliberal seien,
zusätzlich als alternativlos dargestellt. Anlässlich des Eingreifens
von Horst SEEHOFER in die Rentendebatte lässt er die SPD wissen,
dass eine Anhebung des Niveaus der gesetzlichen Rente ohne eine
Flexibilisierung des Renteneintrittsalters nicht zu haben sei. Seine
Hoffnungen setzt ALTENBOCKUM auf Schwarz-Grün und damit auf eine
Reform der kapitalgedeckten Rente (Stichwort: "Deutschland-Rente").
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BUDE, Heinz
(2016): Die neue soziale Spaltung.
Deutschland geht es sog gut wie nie.
Wie kann es dann sein, dass jeder Dritte sich abgehängt fühlt?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.04.
Der Soziologe Heinz BUDE,
Sprachrohr der Generation Berlin, beschreibt zuerst das
deutsche Wirtschaftswunder aus Sicht zweier Beschäftigungsgruppen,
die als Sieger und Verlierer etikettiert werden: die
Facharbeiterschaft in der exportorientierten Industrie und dem
Dienstleistungsproletariat.
Diese Sicht blendet sowohl die
globalen Eliten und das obere Management der Unternehmen aus, als
auch die Situation der großen Masse jener, die weder zu den
"Siegern" des deutschen Produktionsregimes, noch zu den "Verlierern"
des Dienstleistungsproletariats (12 - 14 % der Beschäftigten)
gehören. Innerhalb dieser großen Masse verortet BUDE die
Verbitterten:
"Bei Befragungen zur
Stimmungslage fällt eine Gruppe ins Auge, die höher gebildet und
nicht schlecht verdienend ist, die sich als weltoffen bezeichnet,
aber die ganze Richtung der »Willkommenskultur« gegen den Strich
geht. Es handelt sich um 10 Prozent der repräsentativ Befragten,
die bei näherem Hinsehen starke Überzeugungen von ihrer Kompetenz
haben, aber von dem Gefühl beherrscht sind, das sie aufgrund von
Bedingungen, die sie selbst nicht kontrollieren könnten, unter
ihren Möglichkeiten geblieben sind. Das sind die Verbitterten der
deutschen Wohlstandsmitte. Sie (...) pushen sich (...) mit dem
Hass auf eine Welt auf, von der sie sich abgefertigt und
missachtet fühlen. Als »unnütze Normale« (Jacques Donzelot) mit
Hochschulabschluss und Eigentumswohnung erheben sie sich gegen
»Lügenpresse« und Systempolitiker. In unbeherrschtem Ton machen
sie gegen die Quatschbuden der Nation mobil und finden Beifall von
einem missgelaunten Kleinbürgertum."
Unschwer erkennt man in dieser
zeitgeistigen Diagnose eine Diagnose wieder, die
Peter GLOTZ im Jahr 1999 in seinem Buch Die Beschleunigte
Gesellschaft aufgestellt hat. Wie GLOTZ geht es BUDE nicht um
die Verlierer, sondern um die Wortführer der Ausgegrenzten. Damals
nannte man sie "Down-Shifter" - eine Elite der Entschleuniger, die
den Ausstieg aus dem Turbokapitalismus nicht nur predigten, sondern
auch praktizierten. Diese Gegenelite, die den "Turbokapitalismus"
(heute würde man von flexiblem Kapitalismus sprechen) nicht
mittragen wollte, kehrt nun in den Verbitterten - unter anderen
gesellschaftlichen Umständen - wieder.
BUDE schätzt das
Gefahrenpotential, derjenigen, die der Siegergeschichtsschreibung
vom Wirtschaftswunderland Deutschland nichts abgewinnen können,
auf ein Drittel der deutschen
Wähler ein:
"Nimmt man (...) die
Verbitterten mit ihrem Degradierungserleben, die Selbstgerechten
mit ihrer Abwehrhaltung und die Übergangenen mit ihren
alltäglichen Überlebenskämpfen (zusammen), kommt man auf ein
Potential von einem Drittel der deutschen Wählerschaft. Sie können
die Geschichte vom ungeheuren Erfolg Deutschlands nicht mehr
hören, weil für sie klar ist, dass sie die Leidtragenden des
Erfolgs der anderen sind."
BUDE befürchtet, dass in der
derzeitigen Situation nur ein Funke genügt, dass die Situation
weiter eskaliert:
"Ein Funke wie die
Cameron-Affäre kann hier auch in Deutschland einen politischen
Flächenbrand in Gang setzen."
Der Beitrag ist Teil einer FAS-Serie,
mit der das Thema Ungleichheit elitengerecht aufgearbeitet wird.
Zuletzt schrieb der Ökonom Gert G. WAGNER über die
Mär von der
bröckelnden Mittelschicht.
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KIESERLING, André
(2016): Ganz oben ist eben nur ganz wenig Platz.
Soziale Systeme: Eine unangenehme
Wahrheit für alle, die glauben, dass Status nur mit Leistung zu tun
haben darf,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.04.
André KIESERLING erklärt unter Rückgriff auf eine alte, aber bislang
unveröffentlichte, Habilitationsschrift des inzwischen verstorbenen
Soziologen M. Rainer LEPSIUS, wie trotz des Überangebots an
Akademikern mit hohen Statusansprüchen das Enttäuschungspotenzial
dieser Akademiker begrenzt wird: durch "mehr oder minder
artifizielle Vergleichsschranken", z.B. Weiterbildungsangebote und
Prüfungen, die auf einen bestimmten Habitus zugeschnitten
sind. Nimmt man den Artikel des Soziologen Heinz BUDE hinzu, dann
zeigt sich, dass diese Strategie offenbar nicht ganz aufgeht. Heißt
das nun, dass wirksamere Vergleichsschranken aufgebaut werden
müssen? So könnte man den Artikel jedenfalls interpretieren, denn
dass Leistung mit Status belohnt wird, ist ja nach Meinung von
KIESERLING aufgrund des Leistungsüberflusses ausgeschlossen.
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LEMBKE, Judith
(2016): Der Kampf um die kleine Wohnung.
Ein Zimmer, zentral, günstig. In der
typischen Studentenbude wollen nicht nur Studenten wohnen. Deswegen
ist sie so teuer,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.04.
Judith LEMBKE geht
nochmals
auf die IW Köln-Studie ein. Demnach konkurrieren nicht nur Studenten
um Einzimmerapartments mit ca. 30 qm, sondern auch Rentner, Pendler
und junge Berufstätige.
Wohnungssuchende Auszubildende werden sowohl von der Studie als auch
von LEMBKE ignoriert. Sie sind entweder keine gewünschte Zielgruppe
der Anbieter von Wohnungen (die Studie wertet Angebote einer
Internetplattform aus) oder wohnen als Nesthocker bei den Eltern
(gewollt oder ungewollt).
Die WG wird von LEMBKE mit
Hinweis auf die Analyse eines Beratungsinstituts, das 120
Hochschulstandorte und nicht nur wie das IW Köln 11 Wohnstandorte
untersucht hat, nicht als Alternative angepriesen, obwohl es eine
kostengünstigere Wohnform ist.
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OBERHUBER, Nadine (2016): Vorsicht vor Seniorenheimen.
In einer alternden Gesellschaft sind
Seniorenresidenzen eine prima Geldanlage, könnte man meinen. Ist aber
nicht so,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.04.
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SCHERFF, Dyrk
(2016): "Die Inflation kommt zurück".
Der Chefökonom der USB, Reinhard
Cluse, sieht die Inflation bald bei 2 Prozent. Das ist gut so. Denn
dann gibt's mehr Zinsen,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.04.
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PRASCHL, Peter (2016): Brust oder Flasche?
Kaum ein Thema sorgt für so heftige
Debatten wie das Stillen. Egal wofür sich prominente oder ganz normale
Mütter entscheiden, es finden sich empörte Kritiker. Warum bloß?
in:
Welt am Sonntag kompakt v. 10.04.
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MOHR, Reinhard (2016): Richtig schön alt werden.
Für den Mann, der sich den besten
Jahren nähert, ist der Starnberger See das Paradies: Hier hat er die
höchste Lebenserwartung (aber meiden Sie bloß Pirmasens),
in:
Welt am Sonntag kompakt v. 10.04.
Reinhard MOHR, alternder Ex-Spiegel-Mitarbeiter und Autor des
Buches Generation Z, in dem er das privilegierte Altern
seiner Generationseinheit beschreibt, berichtet anlässlich einer
Studie des Robert Koch Instituts (Welt 31.03.) zu Gesundheit
und Lebenserwartung in Deutschland. Nicht die
sozioökonomischen Unterschiede in der
Lebenserwartung interessiert MOHR, sondern lediglich der
Starnberger See als Wohnort von Prominenten, die sich die Gegend
noch leisten können. Ein Artikel also, der auf die Zielgruppe der
People Magazine abzielt. In der Welt am Sonntag findet sich
der Artikel unter der Schlagzeile
Ommm am Wohlstrand.
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GREIVE, Martin/KAMANN, Matthias/SEIBEL, Karsten/VITZTHUM, Tomas/ZSCHÄPITZ,
Holger (2016): Schleichende Enteignung.
Ein Schreckgespenst geht um: Armut
im Alter. Denn die niedrigen Zinsen entwerten alles, worauf die
Deutschen traditionell ihre Vorsorge bauen: Riester, Sparbuch,
Lebensversicherung,
in:
Welt am Sonntag kompakt v. 10.04.
Martin GREIVE zitieren Berechnungen der DZ-Bank zu den Verlusten der
deutschen Sparer durch die Niedrigzinsen. Daneben haben die Autoren
Markus GRABKA (DIW) befragt, dessen Zahlen jedoch nicht genannt
werden, sondern der Experte dient nur dazu, die Berechnungen der
DZ-Bank zu bestätigen. Der Berliner Politik wird zudem ein Teil der
Schuld an dieser Misere zugeschrieben:
"Durch Steueranreize haben diverse
Koalitionen in Berlin die Bundesbürger in Lebensversicherungen oder
Riester-Renten gelockt. Auch deshalb haben die Deutschen inzwischen 16
Millionen Riester-Verträge. Und 88 Millionen Lebensversicherungen, es
gibt also mehr Lebensversicherungen als Deutsche."
Der Branchenverband der
Versicherungswirtschaft (GDV) wird dahingehend zitiert, dass die
Verzinsung weiter fallen wird, wenn die Niedrigzinspolitik andauert.
Mit Berechnungen von Olaf STOTZ,
einem Professor an der Frankfurt School of Finance & Management,
belegen die Autoren, dass Frauen aufgrund ihrer höheren
Lebenserwartung stärker betroffen seien als Männer. Am Ende wird ein
Paradoxon unserer Lage konstatiert:
"Eigentlich müssten die
Bürger mehr Geld ausgeben (...) um die Wirtschaft in Schwung zu
bringen. Um aber das Vermögen zu bilden, das ihnen ein sorgloses Alter
ermöglicht, müssten sie auch immer mehr sparen. Denn schon bald werden
die staatlichen Mini-Renten nicht mehr ausreichen."
Es wird also das Politikziel der
EZB: die Inflationsbekämpfung - was nichts mit zu niedrigen
Konsumausgaben der Bürger, sondern mit zu wenig Investitionen der
Unternehmen zu tun hat, und das neoliberale Dogma der privaten
Altersvorsorge in einen nicht existenten Zusammenhang gebracht und
gleichzeitig die Angst vor Altersarmut geschürt.
VOGELSANG, Lucas (2016): Am Ende.
Ist das unsere Zukunft? Unser Autor
ist 30 und Menschen besucht, die ihr Leben lang fleißig waren und
trotzdem kaum über die Runden kommen,
in:
Welt am Sonntag kompakt v. 10.04.
Mit Verweis auf den Armutsbericht des Paritätischen
Wohlfahrtsverbandes, der bereits
am 23. Februar vorgestellt wurde, beschreibt Lucas VOGELSANG die
Entwicklung der Altersarmut in Deutschland:
"Vor einigen Wochen hat der
Paritätische Wohlfahrtsverband seinen neuesten Armutsbericht
veröffentlicht. Das passiert einmal im Jahr, es ist eine Inventur des
Sozialstaates, die selten als Stimmungsaufheller dient, mit Zahlen,
die Sorgen machen. Dieses Mal hatte der Verband errechnet, dass sich
vor allem die Zahl der Rentner unterhalb der Armutsschwelle seit 2005
um 46 Prozent erhöht hat. Der Präsident des Verbandes nannte das:
Vorboten einer Lawine der Altersarmut. Sie ist das Schreckgespenst,
das durch den Lebensabend huscht. Und jeden kann es treffen."
VOGELSANG, Jahrgang 1985, beginnt
mit der Anekdote aus dem Jahr 1986 als Norbert BLÜM den Satz
plakatierte: Die Rente ist sicher. Er beschreibt sich als Angehöriger
der Generation Praktikum, die jetzt die Generation Prekär sei. Seine
Reportage mit zwei Fallbeispielen begründet er folgendermaßen:
"Aber wie fühlt sich das
Älterwerden an, das vielleicht auch mit einem Ärmerwerden verbunden
ist? Das ist eine Frage, auf die ich keine Antwort geben kann. Weshalb
ich zu denen fahre, die sich auskennen, die schon ein halbes Leben
voraus sind. Zu den Rentnern dieses Landes, auf dem Dorf und in der
Stadt, in eine Gegenwart, in der die Zukunft sich schon spiegelt.
Meine Zukunft, die meiner Freunde, meiner Kollegen, meiner Nachbarn."
Das erste Fallbeispiel ist ein
verheiratetes Paar um die 80 Jahre, das nach der Definition des
Paritätischen Wohlfahrtsverbandes als arm eingestuft würde:
"Denn arm ist in Deutschland, wer
nur noch 60 Prozent eines mittleren Einkommens zur Verfügung hat, dort
verläuft die Gefährdungsgrenze. Bei einem Haushalt von zweien wären
das etwa 2000 Euro. Armut ist deshalb etwas Relatives."
Der Ehemann bekommt eine Rente von
1385 Euro. Die Mini-Rente der Frau, die dazuverdient hat und zwei
Kinder bekommen hat, bleibt im Dunkeln. Es wird jedoch eine
Ausgabenrechnung aufgemacht, die sich nur auf die Rente des Ehemanns
bezieht - also den Haushaltskontext unberücksichtigt lässt.
VOGELSANG vergleicht danach seine
Situation als seit 10 Jahren meist freiberuflich arbeitender
Journalist, der nur seit ein paar Jahren in die Künstlersozialkasse
eingezahlt hat, aber nicht privat vorgesorgt hat. Aus diesem Grunde
wird ein Steuerberater befragt, der eine "Versicherungskrise"
beschwört und deshalb zu einer Investition in Immobilien rät. Einen
Bankberater lässt VOGELSANG das so genannte Cappucino-Modell
erläutern.
Das zweite Fallbeispiel ist ein
geschiedener, ehemaliger Sozialarbeiter, der mit 55 Jahren in den
Vorruhestand ging und eine Rente von ca. 1000 Euro - also knapp über
der Armutsgrenze - bekommt. Seit 11 Jahren führt er ein Café in
Berlin-Wilmersdorf - also nicht unbedingt der typische Armutsrentner,
den der paritätische Wohlfahrtsverband im Blick hat.
Am Schluss wird ein Resümee
gezogen, das den relativen Armutsbegriff des Paritätischen
Wohlfahrtsverbandes am absoluten Armutsbegriff misst:
"Solange die Gesundheit mitspielt,
sagte er, kann man das wenige Geld verschmerzen. Wir leiden ja keinen
Hunger",
zitiert VOGELSANG den chronisch
kranken Diabetiker aus Fallbeispiel 1, dessen Fußzehen bereits
amputiert werden mussten.
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YARON, Gil (2016): Für immer an den Mann gekettet.
Nur Rabbiner können Ehen jüdischer
Paare in Israel aufheben. Sie machen aber das Einverständnis des
Gatten zur Bedingung einer Scheidung. Reform-Geistliche stellen
Verweigerer an den Internet-Pranger,
in:
Welt am Sonntag kompakt v. 10.04.
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JUNG, Alexander (2016): Die neue Wohnungsnot.
Immobilien: In den Metropolen
konkurrieren Geringverdiener um ein knappes Gut: bezahlbaren Wohnraum.
Der Zustrom an Flüchtlingen verschärft den Verteilungskonflikt. Zwar
fördert die Bundesregierung Neubauten mit Milliarden Euros. Doch Geld
ist gar nicht das Problem,
in:
Spiegel Nr.15 v. 09.04.
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SCHLOEMAN, Johan (2016): Vom Wert der Freundschaft.
Aus ökonomischer Sicht ist das
Bündnis ein Tauschgeschäft, schließlich hat man etwas von der
Vertrautheit, in die man investiert. Paradox ist: Sobald man es so
sieht, setzt man die Beziehung herab,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 09.04.
Johan SCHLOEMAN bietet nichts Neues zum Thema
Freundschaft, sondern stellt eher Gelehrsamkeit zur Schau
(Philosophie- und Soziologieklassiker werden im Vorübergehen
gestreift). Kennzeichnend ist die Abneigung gegen soziale Netzwerke
und ein traditionelles Freundschaftsverständnis. Wahre Freundschaft
ist nur die Jugendfreundschaft:
"Dauerhafte Freundschaften sind
(...) solche, in die einmal eine schier unendliche Zeit des
gemeinsamen Herumhängens und Redens eingegangen ist - und zwar von
Angesicht zu Angesicht, nicht digital, und ohne
Verwertungsabsicht."
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ÖCHSNER, Thomas (2016): Irrweg Rente.
Die Lage ist dramatisch, warnen
Experten: Millionen Menschen sind von Altersarmut bedroht. Das Niveau
der Auszahlungen sinkt und die Riester-Rente hilft wenig. Reformen
sind nötig, doch das kann viele Milliarden kosten - ein Top-Thema im
nächsten Bundestagswahlkampf,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 09.04.
In der SZ hat man nun auch die
Gewerkschaftskampagne zur gesetzlichen Rente entdeckt. Die OECD,
eine internationale Organisation mit derzeit 34 Mitgliedsstaaten,
die eine neoliberale Politik vertritt, wird bei Thomas ÖCHSNER zu
einem "Staatenbund" geadelt. Die OECD hat gerade einen
Wirtschaftsbericht zu Deutschland mit
Empfehlungen zur Weiterentwicklung des Rentensystems
herausgegeben.
ÖCHSNER berichtet über die
Vorstellungen von Karl-Josef LAUMANN (CDA) und Klaus BARTHEL (AfA).
Das sind quasi die sozialpolitischen Aushängeschilder von CDU und
SPD, die in ihren jeweiligen Parteien jedoch wenig Gewicht haben.
Mehr Gewicht hat dagegen, dass Horst SEEHOFER die Riester-Rente für
gescheitert erklärt. ÖCHSNER bemängelt, dass im
Rentenversicherungsbericht noch Altverträge mit einer 4%igen
Verzinsung unterstellt werden und somit die Rentensituation
beschönigt wird.
ÖCHSNER thematisiert vor allem
die hohen Kosten einer Rentenniveaustabilisierung und greift dazu
auf Angaben der Deutschen Rentenversicherung zurück, deren
Erhebungszeitpunkt jedoch nicht erwähnt wird.
ÖCHSNER behauptet, dass "in
Berlin" Konsens darüber besteht, dass langfristig ein Beitragssatz
von 22 % als Obergrenze nicht überschritten werden soll. Solche
Versuche den Diskurs zu bestimmen, sind
in den vergangenen Rentendebatten nicht unüblich gewesen. Es
lassen sich deshalb Phasen bestimmen, in denen sowohl höhere als
auch niedrigere Obergrenzen diskutiert wurden.
Das Dogma der
Beitragssatzstabilität ist Merkmal einer Demografisierung
gesellschaftlicher Probleme die vermehrt in den 1990er Jahren
einsetzte. Oder anders gesagt: Das Schlagwort vom "demografischen
Wandel" wird missbraucht, um eine angeblich alternativlose Politik
durchzusetzen bzw. von nicht-demografischen Fehlentwicklungen
abzulenken (z.B. Massenarbeitslosigkeit, Aufbürdung
versicherungsfremder Leistungen usw.).
Angesichts des
Bevölkerungswachstums der vergangenen Jahre und der Nullzinspolitik
der EZB wächst der Druck die Beitragssatzstabilität zugunsten der
Stabilisierung des Rentenniveaus zu lockern. Gerne passiert das vor
Bundestagswahlen, nur um die Wahlversprechen nach den Wahlen wieder
einzukassieren.
Man darf jedoch davon ausgehen,
dass das Thema Rente bis zum Bundestagswahlkampf ausgiebig
diskutiert wird - vorausgesetzt es wird nicht durch unvorhergesehene
Ereignisse verdrängt...
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STRAUBHAAR, Thomas (2016): Grundeinkommen ist der Retter des
Sozialstaats.
Digitalisierung und
Individualisierung verlangen nach neuen Regeln,
in:
Welt v. 09.04.
Mit Individualisierung meint der
Ökonom Thomas STRAUBHAAR lediglich die Abkehr von
"Lebensgemeinschaften", also eine nostalgisch verklärte Sicht auf
einen kurzen Ausnahmezustand. Der Soziologe Trutz von TROTHA spricht
dagegen von der Wiederkehr der Vielfalt.
Mit Digitalisierung beschreibt
STRAUBHAAR zudem ein Sammelsurium von Entwicklungen (Roboterisierung,
Künstliche Intelligenz, Internet der Dinge), die das Ende der
Lohnarbeit und damit des herkömmlichen Sozialsystems bedeuten soll.
Man darf dies getrost als Beitrag zur laufenden Rentendebatte
betrachten, d.h. die gesetzliche Rente soll quasi in eine
Grundsicherung aufgelöst werden.
STRAUBHAAR ist es deshalb auch
egal, ob dieses Grundeinkommen nun bedingungslos oder nicht, hoch
oder niedrig ist. Das ist lediglich ein "technisches" Problem, das
der Parteienwettstreit ("Demokratie") regeln soll.
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HELGASON, Hallgrimur (2016): Wie schwierig, in Island reich zu sein!
Herr Gunnlaugsson ist gefallen, und
wir fallen mit: Acht Jahre nach der Finanzkrise entlarven die Panama
Papers Reykjavík als Hauptstadt des europäischen Postkolonialismus,
in:
Welt v. 09.04.
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SPINA, Romina
(2016): Erstmals voll bezahlter Elternurlaub in den Vereinigten
Staaten.
Wegweisender Entscheid des Stadtrats
von San Francisco,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 09.04.
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ENZ, Werner
(2016): Japan dreht sich im Kreis.
Innovative Unternehmen wie Toyota
erbringen Spitzenleistungen, was hoffen lässt. Die Einführung von
Negativzinsen durch die Bank of Japan und der lahmende Reformkurs
unter Ministerpräsident Abe verunsichern,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 09.04.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom 04. -
08.
April 2016
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