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News vom
09. - 31. März 2015
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Zitat
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Schweden ist kein Vorbild mehr
"Schweden hat seit den frühen 90er Jahren eine
Transformation durchlebt, die im westlichen Europa ihresgleichen
sucht. Der Kern der Transformation liegt noch nicht einmal in
den Kürzungen auf sämtlichen Feldern des Sozialstaats, obwohl
diese teilweise erheblich sind. Wesentlicher ist, dass sich die
Grundphilosphie neoliberalisiert hat. Risiken wurden - viel
massiver als im Post-Agenda-2010-Deutschland - im Sinne der
Eigenverantwortung auf das Individuum verlagert, und auch
sozialdemokratische Regierungen haben dazu beigetragen. (...).
Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei knapp 8 Prozent - für
ein Land, das bis in die frühen 90en Jahre an Arbeitslosenraten
von unter 3 Prozent gewöhnt war, ist dies eine beunruhigend hohe
Zahl. Die Jugendarbeitslosigkeit beträgt sogar über 20 Prozent."
(2015, S.23)
"Die Krise des Landes gibt Anlass das deutsche Schwedenbild
kritisch zu hinterfragen. Schweden wird seit Jahrzehnten zu
einem Vorbild, gar zu einem Sehnsuchtsort überhöht, während die
imer deutlicher auftretenden Probleme und Widersprüche ignoriert
werden. Paradoxerweise stammen die Schwedenbewunderer aus
politisch völlig unterschiedlichen Lagern. Für die Linke ist
Schweden seit der Nachkriegszeit das idealtypische
sozialdemokratische Land, und auch die tiefgreifenden
Veränderungen der letzten Jahre konnten diesem Bild wenig
anhaben.
Neoliberale loben das Land für die Reformen der letzten
Jahre, die den richtigen Weg aufzeigen würden." (2015,
S.24)
(Gunnar Hinck
"Schweden: Der Traum ist aus", in: Blätter für deutsche und
internationale Politik, Heft 2, Februar) |
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PINL, Claudia
(2015): Ehrenamt statt Sozialstaat?
Eine Kritik der Engagementpolitik,
in: Aus Politik und
Zeitgeschichte Nr.14-15 v. 30.03.
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BÄCKER, Gerhard u.a. (2015): Rückblick auf die Entwicklung der
Sozialpolitik im Jahr 2014,
in: Zeitschrift für Sozialreform,
Heft 1
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BACKES, Laura u.a. (2015): Die Schrumpfkur.
Zukunft-Serie (Teil 3): Die Städte
boomen, aber viele Dörfer veröden. Sechs Ideen gegen die große Leere
auf dem Land,
in:
Spiegel Nr.14
v. 28.03.
DEGGERICH, Markus (2015): Herzflimmern.
Demografie: Über den schwierigen
Kampf seines Heimatdorfs Elte im Münsterland gegen den schleichenden
Tod,
in:
Spiegel Nr.14
v. 28.03.
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FROMM, Anne (2015): Geboren wird nimmer.
Leben: Kliniken auf dem Land
schließen ihre Geburtsstationen. Weil es zu wenig neue Babys gibt,
weil Ärzte fehlen. Und weil Entbindungen teuer sind. Kann man Kinder
bald nur noch in Großstädten bekommen?
in:
TAZ
v. 28.03.
"Jede
dritte Geburtsstation musste in den vergangenen 13 Jahren in
Deutschland schließen. Gab es im Jahr 2000 noch 670 Stationen,
waren es 2013 nur noch 411. Als die einzige Entbindungsstation auf
der Insel Sylt Anfang 2014 verschwand, machte das bundesweit
Schlagzeilen. Es geht um die Frage, wie sich Krankenhäuser darauf
einstellen, dass die Leute immer älter und viele Regionen immer
leerer werden. Es geht darum, ob Menschen auf dem Land das gleiche
Recht auf Versorgung haben, wie Menschen in der Stadt. Und darum,
wie viel das kosten darf.
Man könnte auch sagen: In Bad Belzig wird um die Zukunft des
ländlichen Deutschlands gerungen. Wie soll sie aussehen?
Geburtshilfe müsse zentralisiert werden, sagen die Kliniken. Die
Bad Belziger sagen: Geburtshilfe gehört zur Grundversorgung",
berichtet Anne FROMM. Was daran
ist jedoch eine angeblich alternativlose Konsequenz des
"demografischen Wandels"? Dies ist die entscheidende Frage, wenn
man die aktuellen Entwicklungen aus der
Perspektive einer Demografisierung gesellschaftlicher Probleme
betrachtet. Früher sprach man von "strukturschwachen Gebieten" statt
von "demografischem Wandel" obwohl die Probleme ähnlich waren, aber
die Lösungsansätze sind andere. Bei strukturschwachen Gebieten ist
klar, dass es um fehlende zukunftsträchtige Arbeitsplätze in einer
Region geht, die zur Abwanderung junger Menschen führt. Dann ist
Strukturpolitik angesagt. Aber welche Strukturpolitik erfordert der
"demografische Wandel"? Darüber dürfte sich in den nächsten Jahren
ein politischer Konflikt entzünden, dessen Vorboten Bücher wie
Demografie und Demokratie sind. Die derzeit übliche
politische Praxis der Demografisierung gesellschaftlicher Probleme
könnte zur zunehmenden Ununterscheidbarkeit von Demokratie und
Diktatur führen.
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LAUX, Johann (2015): Am Ende bekommt dann alles der Staat.
Erbrecht: Wer ohne Erben stirbt,
vermacht seinen Nachlass dem Staat. Lange wurde die Bedeutung solcher
Fiskalerbschaften stark unterschätzt,
in:
TAZ Nord
v. 28.03.
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RÖTZER, Florian (2015):
Die reichsten Engländer können 19 Jahre länger gesund leben als die
ärmsten.
Nach Zahlen des Statistikamts
gleichen manche Gegenden Englands diesbezüglich der Lebenserwartung
von Entwicklungsländern,
in: Telepolis
v. 27.03.
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ANGELE, Michael (2015): Ich mach euch den Tod kaputt.
Pop: Oskar Roehler lässt in seinem
neuen Film "Tod den Hippies. Es lebe der Punk" das Westberlin um 1980
aufleben. Das ist nicht nur nostalgisch,
in: Freitag Nr.13
v. 26.03.
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RÖTZER, Florian (2015): Saudi-Arabien: 60 Prozent der geplanten Ehen
werden aufgrund "genetischer Inkompatibilität" abgebrochen.
Seit 2004 ist ein vorehelicher Gen-
und Gesundheitstest in der fundamentalistischen Monarchie
verpflichtend,
in: Telepolis
v. 26.03.
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DESTATIS (2015):
Rund 80 % der Väter in Elternzeit beziehen Elterngeld für 2 Monate,
in: Pressemitteilung des
Statistischen Bundesamtes
v. 25.03.
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WIDMANN, Arno (2015): Liebling, wir schrumpfen.
Die demographische Entwicklung in
Deutschland ist dramatisch. Aber was bedeutet das für Stadt und Land?,
in:
Frankfurter Rundschau
v. 24.03.
Der vergreisende 68er Arno
WIDMANN hat zu viel Spiegel
gelesen. Es steht zu befürchten, dass nun alle anderen
Greisenblätter dieser Republik wieder ihre Leser mit demografischen
Horrorszenarien drangsalieren, die sich aus Szenarien speisen, die
bereits bei der Erstellung von veralteten Entwicklungen ausgehen.
Welche Kampagne erwartet uns also? Üblicherweise flankieren die
Medien nur das Agenda-Setting der Politik. Das war in den Jahren vor
2005 so als die Agenda 2010 durchgesetzt werden sollte und das war
vor 2007 so als das Elterngeld auf der Agenda stand.
Weil die gegenwärtige
Wachstumsphase keinen Ansatzpunkt für die Demografisierung
gesellschaftlicher Probleme bietet, muss das Jahr 2050 als
Projektionsfläche für Horrorszenarien dienen. Der Statistiker Gerd
BOSBACH bezeichnet dies zu Recht als Kaffeesatzleserei, zumal die
Bevölkerungsvorausberechnungen seit der Wiedervereinigung
durchschnittlich alle 6 Jahre korrigiert werden mussten. Die
Vorausberechnung, mit der die Agenda 2010 gerechtfertigt wurde,
hatte sogar nur 3 Jahre Bestand!
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HUMMEL, Katrin
(2015): Als sei ich verkauft worden.
Sind Kinder von Leihmüttern
"synthetische Babys", wie der Modemacher Domenico Dolce gerade
behauptet hat? Oder sind sie die ganz normalen Kinder glücklicher
Eltern?
in: Frankfurter
Allgemeine Sonntagszeitung
v. 22.03.
ALBRECHT, Jörg & Sonja KASTILAN (2015): Können wir es besser?
Dem unvollkommenen Menschen auf die
Sprünge zu helfen ist ein alter Traum. Vor allem für Genetiker. Jetzt
sind sie ihrem Ziel wieder ein Stück näher gekommen,
in: Frankfurter
Allgemeine Sonntagszeitung
v. 22.03.
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HEGEMANN, Helene
(2015): Wir sind alle Felix Krull.
In Zeiten sozialer Netzwerke ist uns
Hochstapelei zur zweiten Natur geworden. Nur ein neuer Autismus kann
uns retten. Ein Plädoyer,
in: Frankfurter
Allgemeine Sonntagszeitung
v. 22.03.
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LUZ, Christine (2015): Einfacher wäre, ihn zu vergessen.
Familie: Sie wollen ein Kind. Er
kann es nicht zeugen. Irgendwann bestellen Sonja und Mathias das
Sperma eines Fremden,
in: TAZ
v. 21.03.
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BIB (2015): LEIDbild Elternschaft?
Zerrissen zwischen Anspruch und
Wirklichkeit,
in:
Pressemitteilung des Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung
v. 19.03.
"Schlagwörter wie
»Helikoptereltern« in der öffentlichen Debatte verdeutlichen, dass
Elternsein eine (vermeintlich) große, schwer zu bewältigende
(Lebens-) Aufgabe ist, sie gilt als verantwortungsvoll und
voraussetzungsreich",
will uns das Bundesinstitut
für Bevölkerungswissenschaft (BIB) glauben machen anlässlich
einer Publikation zu
Familienleitbildern in Deutschland.
Der Begriff "Helikoptereltern" ist jedoch ein Begriff, mit dem in
erster Linie Pädagogen bzw. Erziehungsinstanzen Eltern diffamieren,
weil sie Einmischungen in ihrem angestammten Kompetenzbereich
unterbinden möchten. Mit der Zunahme von Akademikereltern in
Deutschland erlebt eine noch in den 1950er Jahren geradezu
selbstherrlich agierende Profession die Folgen der Bildungsexpansion
der 1970er Jahren. Die Schule ist auch unter veränderten
Arbeitsmarktbedingungen und neuen Bildungsanforderungen unter Druck
geraten.
Wenn das BIB nun den
Begriff verwendet, dann ist dies ausschließlich der Ökonomie der
Aufmerksamkeit geschuldet, um eine Publikation zu lancieren, die im
Grunde nichts Neues zu bieten hat. Wenn der nationalen Politik der
naive Ratschlag erteilt wird, den Druck von den Eltern zu nehmen,
dann verkennt das, dass der Druck in erster Linie von globalen
Eliten und Institutionen ausgeübt wird. Der Wissenszuwachs, den
AkademikerInneneltern verköpern, lässt sich nicht durch Leugnung aus
der Welt schaffen. "Verantwortete Elternschaft" ist auch keine
Erfindung der letzten Jahre, sondern des Bürgertums. Wenn
Eigenverantwortung höchste Priorität zugemessen wird und Sozialabbau
auf allen Ebenen betrieben wird, dann zeugen solche Ratschläge von
Weltfremdheit.
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KNIPPHALS,
Dirk
(2015): Auf der Suche nach dem Hype.
Fazit: Romane, Gedichte,
Mischformen. Was wird das nächste große literarische Ding?
Vermeintlich Hippes wirkt oft besonders altbacken. Ein letzter
Buchmessenrundgang,
in: TAZ
v. 16.03.
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GASCHKE, Susanne
(2015): Wir Selbstverbesserer.
Wir haben alle Möglichkeiten, das
Beste aus unserem Leben zu machen. In Beruf und Freizeit, in der
Partnerschaft und Familie, bei Aussehen und Fitness. Aber mit dem
Können kommt auch der Zwang, es zu schaffen. Verantwortlich für unser
Glück sind nur wir selbst. Kann das gut gehen?
in:
Welt am Sonntag
v. 15.03.
Die ehemalige ZEIT-Redakteurin
und gescheiterte Politikerin
Susanne GASCHKE ist nun wieder nahtlos ins Oberlehrerfach
zurückgewechselt, diesmal jedoch bei der Welt. Mehr als
Worthülsen und Altbekanntes aus dem medialen Satzbaukasten der neuen
Mitte bietet GASCHKE nicht. Die Stichwortgeber von GASCHKE sind
immer noch Heinz BUDE, Richard SENNETT und Arlie HOCHSCHILD.
"Es wäre nun ein Leichtes, all
die Nutzenmaximierer, die Mehrfachpraktikanten, die
Supernetzwerker, die späten Mütter mit geplantem
Kaiserschnitt-Termin, die Helikoptereltern, die Fitness-Freaks,
Apple-Watch-Träger, die sich selbst elektronisch bei Schrittzahl
und Kalorienverbrauch überwachen, die Botox-Spritzer (dritter
Platz hinter Brustvergrößerungen und Lidstraffung), die
Fernbeziehungsopfer und Nutzer von Single-Apps fürs Handy zu
denunzieren, die dieser Hürdenlauf hervorbringt. Viele von ihnen
übertreiben es ganz gewiss; andere sind Opfer kommerzieller
Angebote, die Probleme zu lösen vorgeben, die gar nicht
existieren",
beschreibt GASCHKE das Spektrum
an angeblichen Selbstoptimierern. Dass z.B. "Fernbeziehungsopfer"
Selbstoptimierer sind, das wäre zu diskutieren, denn Fernbeziehungen
sind nicht nur Ausdruck der Vereinbarkeit zweier Karrieren, sondern
auch Konsequenz der Hartz-Gesellschaft, die GASCHKE schließlich als
Meinungsführerin mitzuverantworten hat. Auch die Verachtung der
späten Mütter durch die frühe Mutter GASCHKE lässt die Tatsache
außer acht, dass eine Gesellschaft, die einerseits lange
Unselbständigkeit erzwingt und gleichzeitig Selbstverantwortung
predigt, nicht ganz unschuldig ist an diesem Phänomen.
Statt dieser Sonntagspredigt von
der elitären Mitte-Kanzel, wäre wohl Selbstkritik an der eigenen
ZEIT-Position angebrachter gewesen...
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SPIEGEL-Serie:
2030.
Deutschland,
deine Zukunft |
BARTSCH, Matthias/FICHTNER, Ullrich/JUNG, Alexander/MINGELS,
Guido/MÜLLER, Ann-Kathrin
(2015): 2030 - Es kommen härtere Jahre.
Zukunft: Nach Jahrzehnten
chronischer Geburtenschwäche steht Deutschland vor dem Umbruch: Die
Babyboomer erreichen die Rente - und ein ganzes Land muss zittern,
ob das wirklich gut gehen kann. Spiegel-Serie über das Megathema
Demografie (Teil 1),
in:
Spiegel Nr.12 v. 14.03.
"Unumstößliche Fakten sind rar"
schreiben die Autoren,
weshalb sie vor allem Schwammiges darbieten:
"Es geht um Demografie, um
das Auf und Ab von Sterben und Geborenwerden, um das Hin und Her
von Ein- und Auswanderung."
Aus diesem Grunde beklagen
Empiriker auch das
Fehlen einer Definition des Begriffs "demografischer Wandel".
Denn dann müssten unsere Apokalyptiker Farbe bekennen, was sie
aufgrund des Nichtwissenkönnens möglichst vermeiden wollen.
Man darf sich schon mal die
Augen reiben, wenn da steht:
"Spätestens von 2030 an
wird die deutsche Bevölkerung schrumpfen, leicht oder stark".
Wie das? Noch zu Zeiten der
Durchsetzung der Agenda 2010 galt es als unumstößliche Wahrheit,
dass Deutschland bereits nach dem Jahr 2010 schrumpfen wird.
Nachdem dies nun als Fehlprognose sichtbar geworden ist, steht
nurmehr die baldige Alterung der Bevölkerung im Mittelpunkt:
"Fünf Millionen Deutsche
mehr als heute werden im Jahr 2030 über 65 Jahre alt sein, sie
werden gut ein Drittel der Bevölkerung ausmachen, das scheint
gewiss",
formulieren die AutorInnen
vorsichtig, denn sonst hätten sie statt von "scheint" von "ist"
gesprochen. Denn auch das ist keineswegs so sicher wie das Mantra
der Demografen ("Die Alten sind uns gewiss") glauben machen will,
sondern ist von mindestens 6 Faktoren abhängig, die sich durchaus
unterschiedlich entwickeln können: von der Entwicklung der Zu- und
Abwanderung, von der Entwicklung der Geburtenrate bzw. der
Entwicklung des Erstgeburtsalters und nicht zuletzt von der
Entwicklung der Sterblichkeit und Lebenserwartung.
Prognostiker gehen davon
aus, dass die Zukunft nichts anderes als die Fortschreibung der
jüngsten Vergangenheit ist. Sie kennen keine Brüche und
Verhaltensänderungen werden allenfalls als unbedeutend erachtet.
Die Zukunft ist aber alles andere als eine lineare Entwicklung,
sondern gekennzeichnet von unvorhersehbaren Ereignissen. Um die
Agenda 2010 durchzusetzen, wurde
im Jahr 2003 die 10. kooridinierte Bevölkerungsvorausberechnung
veröffentlicht, die in der mittleren Variante eine konstante
Geburtenrate von 1,4 bis 2050 (!), einen Zuwanderungsüberschuss
von 200.000 und einen Anstieg der Lebenserwartung Neugeborener bis
2050 auf 81,1 Jahre (Männer) bzw. 86,6 Jahre (Frauen) annahm.
Der Zuwanderungsüberschuss
lag im Jahr 2013 mit ca. 430.000 mehr als doppelt so hoch wie in
dieser Agenda 2010-Prognose. Selbst die höchste angenommene
Zuwanderung von 300.000 wurde weit übertroffen. Und auch dieses
Jahr wird mit einem weiteren Anstieg der Zuwanderung gerechnet.
Dies hat Auswirkungen auf die nächste, die 13.
Bevölkerungsvorausberechnung, die entsprechend korrigiert werden
muss. Eine Vorahnung dessen, was diese
Bevölkerungsvorausberechnung ergeben wird, bietet die bereits
im Juni 2014 veröffentlichte
Bevölkerungsvorausberechnung für Baden-Württemberg, die der
Spiegel verschweigt.
Anlässlich der Agenda
2010-Prognose hatte der
Spiegel 2004 den letzten Deutschen auf dem Titelbild.
Jetzt wiegelt man ab, ohne die eigene Propaganda zu nennen. Lieber
deutet man auf andere:
"Statt zur Kenntnis zu
nehmen, dass Bevölkerungswandel keine schlagartig einsetzende
Katastrophe, sondern der sich schleichend entwickelnde
Dauerzustand aller Gesellschaften ist, versteigen sich selbst
als seriös geltende Experten zu alarmistischen Thesen, die die
Wirklichkeit weit verfehlen. Deutschland wird kein
»Land ohne Kinder« sein, wie es der Münchner Ifo-Chef
Hans-Werner Sinn in einer langen, düsteren Untergangspredigt
beschrieben hat. Und auch der
vom einstiegen »Frankfurter Allgemeine«-Herausgeber Frank
Schirrmacher bereits 2004 mit drastischen Worten beschworene
Krieg zwischen Alten und Jungen findet nicht statt, obwohl
er laut Schirrmacher längst begonnen haben müsste. Zweifellos
aber kommen jetzt härtere Jahre."
Handelt es sich hier nicht
eher um Nebelkerzen, die verschleiern sollen, dass der Spiegel
keineswegs den Horrorszenarien untreu wird, sondern sie nur -
aufgrund gewisser Unhaltbarkeiten - verfeinert? Darauf deutet die
Tatsache hin, dass zwar Hans-Werner SINN angegriffen wird (was
das Handelsblatt bereits vor Wochen vorexzerziert hat),
nur um seinen gelehrigen Schüler
Martin WERDING hervorzuzaubern, der dem
neoliberalen Demographismus genauso huldigt wie sein Lehrer
SINN.
Die vierteilige Serie widmet
sich lediglich im letzten Teil der
Demografisierung gesellschaftlicher Probleme:
"Ist der demografische
Wandel wirklich ein Problem, oder werden womöglich - umgekehrt -
viele Probleme einfach »demografisiert«? Eine ganze Schule
seriöser Wissenschaftler glaubt genau dafür gute Argumente zu
haben und versucht nachzuweisen, dass der aktuelle
Bevölkerungswandel keineswegs eine Katastrophe ist, sondern
Normalzustand eines wohlhabenden, hoch entwickelten Landes."
Der Spiegel hätte die
Chance gehabt, seine Serie aus der Sicht der Demografisierung
gesellschaftlicher Probleme zu entwerfen. Dies ist offensichtlich
nicht der Fall. Stattdessen wird im ersten Teil nur der
Apokalyptiker Martin WERDING ausgiebig zu Wort kommen lassen.
Alternative Szenarien, die nicht einmal genannt werden.
Es wird z.B. lediglich der
Altenquotient genannt, aber kein Rentnerquotient, der die
tatsächlichen Rentenlast aufzeigen würde. Welche Folgen die
politische Fehlentscheidung der Finanzierung der Mütterrente durch
Beiträge statt durch Steuern bzw. die Finanzpolitik von SCHÄUBLE
(also nicht-demografische Faktoren) für die weitere Entwicklung
der Rentenversicherung hat, das erfuhr man bereits
letzte Woche im Handelsblatt.
Man erfährt im Spiegel-Artikel
zudem nicht auf welcher Bevölkerungsvorausberechnung mit welchen
Annahmen die Szenarien, die uns der Spiegel präsentiert,
gerechnet wurden. Das ist kein seriöser Journalismus, sondern
BILDZEITUNGSNIVEAU. Wer die Jahreszahlen der Basiszahlen
verschweigt, der will lediglich verbergen, dass er mit völlig
veralteten Daten hantiert. Sonst gibt es keinen Grund dafür sie
nicht zu nennen. Nicht Transparenz der Informationen, sondern
Verhinderung der Nachvollziehbarkeit ist die Strategie des
Spiegels.
Typisch sind hypothetische
Satzkonstruktionen wie "könnte" "müsste" usw. Schließlich ist
nicht die Demografie entscheidend, sondern was die Gesellschaft
aus den Rahmenbedingungen macht. Nicht die Demografie bestimmt
über Wohl oder Wehe, sondern nicht-demografische Faktoren wie
Produktivitätsentwicklung, technologischer Fortschritt usw.
Darüber schweigt aber der Spiegel wohlweislich. Der zweite
Teil der Serie soll sich den ökonomischen Konsequenzen des
Bevölkerungswandels widmen - was bereits eine verengte Sicht der
Betrachtung voraussetzt. Teil 3 gilt der
Entvölkerung im Osten und in entlegenen Dörfern. Was uns da
erwarten wird, das lässt sich im aktuellen Geo-Heft nachlesen.
Was die Familienpolitik
betrifft, so trudelt der Spiegel zwischen Elterngeld-Hype
bzw. -Verdammung und Kinderbetreuungs-Hype bzw. Verdammung hin und
her, weshalb der Artikel über wenig erhellende,
oberflächliche Formulierungen nicht hinauskommt:
"Die wissenschaftliche
Literatur ist sich weitgehend darüber einig, dass es zwei
erfolgreiche Modelle zur Verbesserung der Geburtenziffern gibt:
das französische, das umfassende Kinderbetreuung mit starken
steuerlichen Anreizen für Familien kombiniert, und das ähnlich
funktionierende schwedisch-skandinavische, das überdies die
Gleichberechtigung von Mann und Frau betont."
Weder an
Frankreich noch an
Schweden sind die Krisen der letzten Jahre spurlos
vorbeigegangen. Was bei uns über die beiden Länder bekannt ist,
ist eher mediales Wunschdenken, statt realitätsnahe
Berichterstattung. Den Deutschen wird ein Sozialstaatsregime
vorgegaukelt, das es Anfang der 1990er Jahre gab, aber längst
gravierenden Korrekturen unterzogen wurde. Davon schweigt der
Artikel jedoch.
Fazit: Faktenarmer Artikel,
der keine Vielfalt an Expertenmeinungen präsentiert, sondern ganz
einseitig auf ein Horrorszenarium setzt. Viele bunte Bildchen und
Grafiken sollen diese Faktenarmut übertünchen.
Stellt sich also die Frage,
warum man nicht die nächste Bevölkerungsvorausberechnung
abgewartet hat. Und warum werden alternative Entwicklungsszenarien
nicht vorgestellt, sondern nur diffamiert. Möchte man politische
Fakten schaffen nach Gutsherrenart? Diese Form der
Demografisierung gesellschaftlicher Probleme zeigt, dass wir
bereits im postdemokratischen Zeitalter leben. Die Demokratie soll
ausgehebelt werden zugunsten angeblicher demografischer
Sachzwänge...
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HERZOG, Dagmar (2015):
Die sogenannte Liebesdoktrin.
Essay: Weil es weder Homosexualität
noch weibliche Lust geben durfte, erfanden die US-Psychoanalytiker die
Liebe. Und hinterließen eine Spur der Verwüstung,
in:
TAZ v. 14.03.
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BECKER, Kim Björn
(2015): "Für die Pflegenden ein täglicher Kraftakt".
Fast drei Viertel der Menschen, die
ihren Alltag nicht mehr allein bewältigen können, werden zu Hause
betreut - meist von Angehörigen Um den drohenden Notstand von Personal
in den Heimen zu bewältigen, fordern Experten eine schnelle Aufwertung
des Sozialberufs,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 13.03.
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APIN, Nina (2015):
Kulturgeschichte der Übergriffigkeit.
Sexuelle Gewalt: Revolutionäre
Bewegungen wie die Wandervögel und die 1968er begünstigten Missbrauch,
schreibt der Journalist Christian Füller in seinem neuen Buch,
in:
TAZ v. 13.03.
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APIN, Nina (2015): Donnerstags ist Jakob-Tag.
Engagement: Der 8-jährige Jakob und
der 35-jährige Stefan sind nicht Vater und Sohn, sie sind ein Tandem.
Die beiden haben sich über "biffy" kennengelernt. Das
Patenschaftsprojekt vermittelt seit 15 Jahren Paten an Kinder zur
gemeinsamen Freizeitgestaltung,
in:
TAZ v. 12.03.
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ZEIT-Thema:
Die Erbenrepublik.
Fünfzig Prozent der Deutschen
werden in den kommenden Jahren etwas erben, die anderen nichts.
Julia Friedrichs fragt, was das wohl mit uns allen macht |
FRIEDRICHS, Julia (2015): Eine Klasse für sich.
Noch nie wurde in Deutschland so
viel Vermögen vererbt. Ist es gerecht, dass manche, ohne zu arbeiten,
viel Geld kriegen und dafür kaum Steuern zahlen? Zeit für ein paar
Fragen,
in:
ZEITmagazin Nr.11 v. 12.03.
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KULLMANN, Katja (2015): "Gedanken wie Dynamit!"
Interview: David Harvey ist einer
der wichtigsten Neomarxisten, aber keineswegs ein Mann der Dogmen. In
seinem Buch erklärt er "Siebzehn Widersprüche und das Ende des
Kapitalismus",
in:
Freitag Nr.11 v. 12.03.
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Oskar Roehler - Mein Leben als Affenarsch
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DESTATIS (2015): 3,0 % weniger Schwangerschaftsabbrüche im Jahr 2014,
in: Pressemitteilung des
Statistischen Bundesamtes
v. 10.03.
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GÜNTNER, Joachim
(2015): Ich mag mich.
Die paradoxe Befreiung vom Ego,
in:
Neue Zürcher Zeitung Online v. 10.03.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom 01. - 08. März 2015
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