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News vom
07. - 14. Dezember 2014
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Zitat
des Monats:
Späte Mutterschaft liegt im Trend
"Ich
habe der Statistik ein Schnäppchen geschlagen, hurra! Im
jüngsten Fachbericht der Bundesregierung, dem »Familienreport
2011«, zählte ich noch zu den
22 Prozent meines Jahrgangs (1968), die im Jahr 2009 41
Jahre alt und kinderlos waren.
Mit mir haben die deutschen Demografen nicht mehr gerechnet.
Und meine Familie auch nicht. Wie sagte so charmant meine
80-jährige (kinderlose) Tante, als ich ihr von meiner
Schwangerschaft erzählte? »Ich dachte ja eher, du kommst jetzt
in die Wechseljahre«.
Mutter mit 43 - darf frau das? (...).
Zu meiner Beruhigung kann ich sagen: Ich bin nicht allein.
(...). Die Zahl der Frauen, die mit über 35 Jahren (noch) ein
Kind bekommen, steigt von Jahr zu Jahr, vor allem in
Westdeutschland und da vor allem in den Städten und unter den
Akademikerinnen. Jede vierte Frau in Deutschland bringt
inzwischen mit über 35 Jahren ihr erstes Kind zur Welt. Schaue
ich mich unter meinen Freundinnen um, kommt es mir sogar vor,
als müssten es noch viel mehr sein.
Und auch die Zahl der (Erst-)-Mütter über 40 wächst. 2008
lag der Anteil der verheirateten Frauen, die bei der Geburt
ihres ersten Kindes 40 Jahre oder älter waren, bei 3,4 Prozent,
Tendenz steigend. In München machen die Mütter über 40 sogar
schon fünf Prozent aus, in anderen Großstädten sieht es ähnlich
aus."
(Susanne
Fischer "Ansichten einer späten Mutter 2013, 22f.) |
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KAUBE, Jürgen (2014): Liebe ist eine Frage der Strategie.
Der Sonntagsökonom: Die romantischen Verwicklungen bei Jane Austen
lassen sich spieltheoretisch erklären,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 14.12.
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KAUBE, Jürgen (2014): Bildungsgleich gesellt sich gern.
Ist Emanzipation daran schuld, dass Menschen unterschiedlich viel
verdienen?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 14.12.
Jürgen KAUBE referiert den Artikel
Ist der Anstieg der westdeutschen Einkommensungleichheit auf die
Zunahme bildungshomogener Partnerschaften zurückführbar? von
Martin SPITZENPFEIL & Hans-Jürgen ANDREß in der Kölner
Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie Heft 4/2014.
Die
These, dass die Partnerwahl von Akademikerinnen zu größeren sozialen
Ungleichheiten führt, wurde von einer Forschungsgruppe um
Hans-Peter BLOSSFELD vertreten. Gleichfalls wurde jedoch die These
popularisiert, dass
Karrierefrauen gerade aufgrund ihres Partnerwahlverhaltens Probleme
haben, überhaupt einen bildungshomogenen Partner zu finden.
Aufgrund der Tatsache, dass
weniger bildungshomogame Paare zustande kommen als dies von
Akademikerinnen gewünscht wird, ergibt sich das Problem, dass die
empirische Widerlegung der These zum Einfluss des
Partnerwahlverhaltens auf die Einkommensungleichheit gar nicht so
einfach zu leisten ist. Denn dann müssten in Szenarien auch die
nicht zustande gekommenen Partnerschaften miteinbezogen werden.
Hinzu kommt das Problem, dass
Bildung nur eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für
hohes Einkommen ist. Von daher wäre die Frage interessanter,
inwiefern das Elternhaus eine entscheidende Rolle spielt, denn die
These von Hans-Peter BLOSSFELD bezieht sich nicht einfach auf die
Höhe des Einkommens von bildungshomogenen Paaren, sondern auf die
Vererbung von Generation zu Generation:
"Da Bildung in
nachindustriellen Gesellschaften ein zentraler Faktor für den
Berufserfolg (den sozialen Status, das Einkommen, die Klassenlage
und die Mobilitätschancen) ist, bedeutet steigende
Bildungshomogamie über die Generationen, dass es im Prozess der
Paarbildung zu einer wachsenden Kumulation sozialer
Ungleichheiten, zur Schließung sozialer Kreise und indirekt zu
einer Vergrößerung der sozialen und ökonomischen Unterschiede
kommt, unter denen dann die jeweils nächste Generation der Kinder
aufwächst. Mit anderen Worten, in den meisten Industrieländern hat
sich im Zuge der Bildungsexpansion und der Abnahme
geschlechtsspezifischer Bildungsungleichheiten - gleichsam hinter
dem Rücken der Individuen und völlig ungeplant - die soziale
Ungleichheit verstärkt." (BLOSSFELD
& TIMM 2003)
Inwiefern SPITZENPFEIL & ANDREß
diese Aspekte in ihrer Untersuchung berücksichtigt haben, wird hier
zu einem späteren Zeitpunkt überprüft werden.
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STRAUß, Simon (2014): Ich sehne mich nach Streit.
Jung zu sein, das bedeutet den Autopiloten des Lebens endlich
abzuschalten. Die großen Fragen noch einmal zu stellen. Und keine
Angst zu haben vor dem Spott all derer, die alles besser zu wissen
glauben! Eine Art Manifest,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 14.12.
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BAUM, Antonia (2014): Die Frau, die allen gehört.
Dem Feminismus fehlen das Programm und eine Anführerin. Aber es gibt
doch Lena Dunham,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 14.12.
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REINSCH, Michael (2014): Stadt, Sex und Strom.
Für ein paar Jahre war Düsseldorf die Weltmetropole der Popmusik. Was
bis heute wichtig ist an Sounds, von Techno bis HipHop, das haben sich
in den Siebzigern ein paar Typen vom Rhein ausgedacht. Erinnerungen an
eine fast vergessene Heldengeschichte,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 14.12.
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MARON, Monika (2014): Die radikale Realistin.
Keiner schreibt so kühl, genau und zärtlich über Sehnsucht und die
Angst unserer Zeit wie Judith Hermann,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 14.12.
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WARNER, Ansgar (2014): Länger lieben.
Come Together: Schwellschwund und Lustlücken sind nur ein Problem der
"Generation Silver Sex". Zuerst einmal geht es darum, überhaupt einen
Partner zu finden,
in:
TAZ v. 13.12.
Der Begriff "Generation Silver
Sex" stammt aus der
Trendforschung, einer Art Unterabteilung der Werbebranche.
"Doch was man beim Thema Silver
Sex gerne vergisst: Oft müssen sich die passenden Partner auch
überhaupt erst mal finden. In der Generation 50 plus nimmt gerade
die Zahl der weiblichen Singles von Jahr zu Jahr überproportional
zu. Nicht ganz zufällig ist die »Generation Silver Sex« deswegen
auch die der »Silver Surfer« und tummelt sich auf
Online-Partnerbörsen",
reimt sich Ansgar WARNER aus dem
gesammelten Nichtwissen zusammen. Wenn man ältere, alleinlebende
Witwen mit
"Singles" bezeichnen will, dann stimmt das tendenziell, lässt
aber zum einen die zunehmende Heterogenität der Lebensformen von
älteren Menschen außer Acht und zum anderen die Tatsache, dass
erstens die so genannte
Generation der Kriegerwitwen wegstirbt und zweitens sich das
Partnerwahlverhalten und das
Wohnverhalten verändert. Das könnte zur Abnahme des Alleinlebens
bzw. zur Zunahme multilokaler Partnerschaften zumindest bei den
jungen Alten führen, die ja die eigentliche Zielgruppe der
Silver Sex-Propaganda ist. Auf alle Fälle ist die heutige
Amtstatistik hoffnungslos veraltet und kann die Heterogenität der
Lebensformen in Deutschland längst nicht mehr abbilden. Die Folge:
Forschungsartefakte und gesammeltes Nichtwissen.
Einen Überblick über die
amtsstatistische Entwicklung der älteren Alleinlebenden von 1972 bis
2003 in Westdeutschland gibt es
hier. Die Alleinlebenden in Westdeutschland nach Alter und
Geschlecht im Jahr 2011 werden
hier betrachtet.
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KATZENBERG, Gregor (2014): Wie wir leben müssen.
Hartz IV und die Linke in Zeiten der
Selbstoptimierung,
in: Jungle World
Nr.50 v.
11.12.
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Sarah Diehl - Die Uhr, die nicht tickt
MAYR, Lisa
(2014): "Die Frauen wollen nicht so leben wie ihre Mütter".
Sarah Diehl hat ein Buch über
freiwillige Kinderlosigkeit geschrieben und berichtet über die
Motive der Frauen: Um die Karriere geht es den wenigsten,
in: Der Standard
Online v.
11.12.
HAUSBICHLER, Beate
(2014): Das Ende der Erklärungsnot.
Kinderlose Frauen: Warum müssen sich
Frauen laufend erklären, wenn sie keine Kinder wollen? Sarah Diehl
gibt in ihrem Buch "Die Uhr, die nicht tickt" Antworten,
in: Der Standard
Online v.
11.12.
Das Ende der Erklärungsnot?
Davon kann keine Rede sein! Die nationalkonservative
Bevölkerungspolitik, repräsentiert z.B. von
Jürgen DORBRITZ, behauptet, dass
Kinderlosigkeit breite Akzeptanz in Deutschland findet. Davon kann
jedoch keine Rede sein, solange ernsthafte Debatten um
Kinderlosigkeit, die nicht lediglich bevölkerungspolitisch
verkürzt sind, lediglich im Internet stattfinden, statt in den
Mainstreammedien, d.h. auf den Printseiten der Zeitungen zu Wort
kommen.
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HAAF, Meredith
(2014): Junge Frauen.
Wie der Fall Tuğçe in der
Feminismusdebatte instrumentalisiert wird,
in: Süddeutsche
Zeitung v.
10.12.
Meredith HAAF kritisiert das
ZEIT-Thema
der letzten Woche über partnerlose Frauen als skurril und
geschmacklos:
"Als Kronzeugin dafür wird in
einem beispiellosen Fall von überdrehtem Deutungsopportunismus die
Lehramtsstudentin Tuğçe A. ins Feld geführt, die Ende November auf
einem Parkplatz in Offenbach von einem betrunkenen, sexuell
aggressiven jungen Mann erschlagen wurde. Auch sie sei eine der
»weiblich selbstbewussten Premiumsingles«, um die es gehen müsse,
heißt es da, »jung, schön«, mit einem großen Freundeskreis
ausgestattet, aber trotzdem ein Beispiel für »gebildete, frauenvernetzte Einsamkeit« - schließlich habe sie die ganze Nacht
nur mit ihren Freundinnen verbracht, was die Autorin offenbar für
sehr modern und bemerkenswert hält. (Laut Presseberichten stand A.
tatsächlich kurz vor der Verlobung mit ihrem Freund.) Und das
alles steht dann irgendwie in einem Zusammenhang mit der
Fernsehserie »Girls«,
dem Sado-Maso-Film
»Nymphomaniac« und der hohen Aktivität junger Frauen in
sozialen Netzwerken."
Wie bereits
letzte Woche auf dieser Website kritisiert, wird unverheirateten
Frauen oftmals Partnerlosigkeit angedichtet und mit
soziodemografischen Daten untermauert, die dafür ungeeignet sind.
Auch
Medienberichten über Paare mit zwei Wohnungen liegt oftmals
diese unterschwellige neubürgerliche Ideologie zugrunde, die
lediglich der Ehe (trotz hoher Scheidungsquoten) den "Willen zu
lebenslanger Partnerschaft" zuschreibt.
Man hat es hier oftmals mit
Projektionen zu tun, die der Tatsache geschuldet ist, dass dem
Neubürgerlichen die materielle Grundlage für ein selbstbewusstes
Bürgertum fehlt und deshalb Abwertungen als Kompensation nötig sind.
Der Soziologe Heinz BUDE spricht deshalb von einer Bürgerlichkeit
ohne Bürgertum.
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ETTE, Andreas/DORBRITZ, Jürgen/SULAK, Harun
(2014): Zunehmende ethnische Diversität: Die Babyboomer-Kohorte 1964
im sozialen Wandel der Bundesrepublik Deutschland.
Das Elterngeld wirkt sich vor allem auf das Einkommen und die
Fertilität hoch qualifizierter Frauen,
in:
Bevölkerungsforschung Aktuell, Nr.6 v. 10.12.
Auch das
Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung hat die
Veröffentlichung des Statistischen
Bundesamtes zur Geburtenrate abgewartet, um ihre demografische
Konstruktion des Babyboomer-Jahrgangs 1964 in Szene zu setzen.
Aufgrund der mangelhaften Datenlage bleiben die speziellen
Unterschiede zwischen BRD und DDR unberücksichtigt. Auch ist der
Mikrozensus 2012 ungeeignet, um die Unterschiede von Ostdeutschen
und Westdeutschen herauszuarbeiten, weswegen eine gesamtdeutsche
Kohorte konstruiert wird, die es so nie gab. Nicht die Herkunft,
also ob in der DDR geboren oder in der BRD, sondern lediglich der
Wohnort im Jahr 2012 ist in dieser Betrachtung entscheidend für die
Bezeichnung "Ostdeutscher" bzw. "Westdeutscher". Wir erfahren also
nichts über wirkliche deutsche Lebensläufe, sondern werden mit
künstlichen Datenartefakten abgespeist. Selbst mit
Längsschnittstudien, wie z.B. derjenigen über die
Wendegeneration der 1971 Geborenen, bleibt vieles im Dunkeln.
DORBRITZ, Jürgen (2014):
Deutschland und Japan: Ein demografischer Vergleich,
in:
Bevölkerungsforschung Aktuell, Nr.6 v. 10.12.
Gerne werden die Unterschiede
zwischen Japan und Deutschland verschwiegen. Typisch sind Bücher wie
das Pamphlet
Das Methusalem-Komplott von Frank SCHIRRMACHER,
in denen das "Altersbeben" undifferenziert dargestellt wird.
Dagegen macht
Jürgen DORBRITZ auf die Unterschiede aufmerksam, die
regelmäßigen Lesern von single-dasein.de und
single-generation.de bereits seit Jahren bekannt sind:
"Der Alterungsprozess in
Japan ist aber weiter vorangeschritten, da die Lebenserwartung
höher ist und
der Babyboom in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg früher
begonnen hatte und eine höhere Dimension erreichte. Daher
werden die Babyboomer früher und zahlreicher in das Rentenalter
eintreten. Hinzu kommt, dass Japan kaum Zuwanderung zulässt und
damit zunächst die Alterung abfedernden Effekte entfallen."
Missverständlich erscheinen
jedoch die Passagen zu Heirat und Kinderlosigkeit:
"Darüber hinaus bestehen
weitere Unterschiede insbesondere beim generativen Verhalten. Der
auffälligste von ihnen ist die starke Verknüpfung von Ehe und
Geburt der Kinder. Während sich in Deutschland dieser Zusammenhang
lockert, sind in Japan nur ca. 2 % der Frauen bei der Geburt ihrer
Kinder nicht verheiratet. Die Erstheiratshäufigkeit ist in Japan
höher als in Deutschland. Wer aber nicht heiratet, bleibt auch
kinderlos. Ehe- und Kinderlosigkeit ist in Japan negativ besetzt,
während dies in Deutschland eine breite soziale Akzeptanz findet."
Es gibt keinen direkten
Zusammenhang zwischen Ehe- und Kinderlosigkeit. Die niedrige
Geburtenrate in Deutschland ist in erster Linie durch den starken
Rückgang der kinderreichen Familien verursacht - und dieser fand
bereits in den 1960er Jahren statt.
In Japan lag die Geburtenrate im Jahr 2012 bei 1,41 Kindern pro
gebärfähiger Frau, also auf dem gleichen Niveau wie in
Deutschland. Dies zeigt, dass die Zeiten vorbei sind, in denen
Heiratshäufigkeiten einen Rückschluss auf die Geburtenrate zulassen.
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BUJARD, Martin
(2014): Mehr Kinder von Akademikerinnen.
Das Elterngeld wirkt sich vor allem auf das Einkommen und die
Fertilität hoch qualifizierter Frauen,
in:
Demografische Forschung Aus Erster Hand v. 10.12.
Demografische Forschung Aus Erster Hand? Aktuell ist nur die
Veröffentlichung der Geburtenrate am Montag durch das Statistische
Bundesamt. Der Newsletter nutzt dagegen nur diese Aufmerksamkeit, um
längst Bekanntes nochmals aufzuwärmen! Aktuelle Analyse?
Fehlanzeige! Denn die Entwicklung der Geburtenrate der Jahre 2012
und 2013 bleibt unberücksichtigt. Von Demografischer Forschung aus
erster Hand müsste man mehr erwarten können als Pseudoaktualität.
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Sarah Diehl - Die Uhr, die nicht tickt
GOTTSCHALK, Katrin
(2014): "Die Frau als Wärmequell der Gesellschaft".
Sie sind liebevoll, fürsorglich und von Natur aus gebärfreudig: Das
Frauenbild könnte im 21. Jahrhundert nicht klassischer sein.
Besonders deutlich ist das derzeit in dem Buch "Die Uhr, die nicht
tickt" der Berliner Autorin Sarah Diehl nachzulesen. Ein Gespräch
über kinderlose Frauen,
in:
Frankfurter Rundschau v. 10.12.
Sarah DIEHL kritisiert einerseits
"Natürlichkeit", wenn es um die Biologie der Frau geht, andererseits
beruft sie sich dann selber auf "Natürlichkeit", wenn sie einen
Ökologischen Demographismus verficht.
Bedenkenswert ist jedoch die
Forderung von DIEHL nach Aufwertung der sozialen Elternschaft, indem
sie Kinderbetreuung nicht als kleinfamiliale, sondern als
gesamtgesellschaftliche Aufgabe betrachtet. In Deutschland haben wir
nicht nur ein Problem negativer Mütterstereotypen à la Rabenmütter
versus Heimchen am Herd, wie uns die nationalkonservative
Bevölkerungspolitik gerne erzählt, sondern das viel größere Problem,
dass Kinderlose und Eltern gegeneinander ausgespielt werden, statt
ihre unterschiedlichen Potenziale zu würdigen. Sozialfiguren wie
Onkel und Tante könnten dann wieder eine größere gesellschaftliche
Rolle spielen, bzw. neuartige Organisationen wie die Berliner
Initiative
Big Friends for Youngsters e.V.
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DESTATIS (2014):
41 % aller Haushalte sind Einpersonenhaushalte,
in: Pressemitteilung des
Statistischen Bundesamtes
v. 09.12.
Das Statistische Bundesamt
zeichnet gerne das
Bild von der Single-Gesellschaft. Dabei gibt es nicht einmal 20
% Alleinlebende in Deutschland (siehe
Bevölkerung und Erwerbstätigkeit 2013 Fachserie 1 Reihe 3,
S.113f). Davon leben mehr Alleinlebende in Ostdeutschland (23 %) als
in Westdeutschland (19 %).
Es gibt also nicht einmal einen
Zusammenhang zwischen der Zunahme der Alleinlebenden und der
Geburtenrate, denn dann müssten in Ostdeutschland weniger
Alleinlebende wohnen, da bekanntlich die
Geburtenrate im Osten (1,49) höher ist als im Westen (1,41).
Das Statistische Bundesamt klärt
nicht auf in seiner Pressemeldung, sondern verdummt uns.
Denn nun verwechseln die Zeitungen wieder Einpersonenhaushalte und
Alleinlebende (fälschlicherweise mit gut verdienenden
Singles gleichgesetzt), obwohl es hier eine Differenz von 3 %
gibt, denn als Alleinlebende gelten nur Menschen, die einen
Einpersonenhaushalt am Sitz der Hauptwohnung führen. Seit Städte
vermehrt eine Zweitwohnungssteuer eingeführt haben ist die Differenz
zwischen Einpersonenhaushalten und Alleinlebenden geringer geworden,
was auf den Einfluss der Politik auf die Lebensformstatistik
hinweist.
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BERNDT, Christina & Ulrike
HEIDENREICH
(2014): Es geht aufwärts, Baby.
Das Statistische Bundesamt meldet
für 2013 ein leichtes Plus bei den Geburten: 682000 Kinder kamen in
Deutschland zur Welt. Aber was bedeutet das schon, wenn man die ganze
Gesellschaft im Blick hat? Informationen aus den Kreissälen der
Nation,
in: Süddeutsche
Zeitung v.
09.12.
Christina BERNDT & Ulrike HEIDENREICH können leider nicht einmal
richtig abschreiben:
"Aber auch wenn die Mütter
immer älter werden, sind Entbindungen nach dem 40. Lebensjahr
nicht sehr häufig: Nur drei Prozent waren es im Jahr 2013."
Das Statistische Bundesamt
schreibt aber nur von 3 % ERSTEN Geburten. Dazu müssen zweite,
dritte, vierte usw. Geburten hinzu gezählt werden. Leider klärt uns
das Statistische Bundesamt darüber nicht auf, weil es
bevölkerungspolitische Interessen vertreten muss.
"1934 brachten Frauen in
Gesamtdeutschland noch 2,2 Kinder zur Welt. Dann waren es
jahrzehntelang, nämlich für die Frauen-Jahrgänge 1948 bis 1972,
jeweils 2,0 Kinder pro Frau",
erzählen uns BERNDT &
HEIDENREICH. Zum einen wird sich auf ein Jahr bezogen, d.h. es geht
um die zusammengefasste Geburtenziffer (TFR). Zum anderen wird sich
auf Frauenjahrgänge bezogen, sodass es eigentlich um die
kohortenspezifische Geburtenrate (CFR) gehen müsste. Die Zahlen sind
also absurd, weil nicht vergleichbar und zudem liegt die
Geburtenrate des Frauenjahrgangs 1948 bei 1,75, während sie beim
Jahrgang 1972 noch gar nicht endgültig ist.
Das Statistische Bundesamt weist sie nur bis zum Frauenjahrgang 1963
aus und gibt sie mit 1,588 an.
Selbst wenn man statt der
Frauenjahrgänge die
Jahre 1948 bis 1972 betrachtet, d.h. die zusammengefasste
Geburtsziffer, ergeben die Zahlen keinen Sinn.
Ansonsten geben die Autorinnen
lediglich ein Sammelsurium von Fakten wieder, die sich aus
unterschiedlichen Studien des Bundesinstituts für
Bevölkerungswissenschaft zusammengebastelt haben. Da stehen dann
Zahlen aus dem Jahr 2003 neben aktuellen Daten. So wird zum einen
ausführlich die Ansicht von Jürgen DORBRITZ referiert, dass die
Kinderlosigkeit schuld an der niedrigen Geburtenrate sei, obwohl an
anderer Stelle nur im Nebensatz darauf hingewiesen wird, dass der
niedrige Anteil von kinderreichen Familien ein entscheidender Faktor
ist. Neuerdings wird dem kulturellen Faktor, d.h. dem negativen
Mütterbild viel Aufmerksamkeit zuteil, während dem Geld seine
Wirkung abgesprochen wird. Vom Faktor Kinderbetreuung wird erst gar
nicht gesprochen, obwohl das gerade für Kinderlose ein wesentlicher
Faktor ist.
Betrachtet man die
Medienberichterstattung der letzten 15 Jahre, dann wechseln sich die
Moden der Ursachenzuschreibungen hinsichtlich der niedrigen
Geburtenrate in Deutschland sozusagen von Jahr zu Jahr, je nachdem
welche bevölkerungspolitischen Projekte gerade auf der politischen
Agenda stehen. Kennt heutzutage z.B. noch jemand die ehemalige
ZEIT-Journalistin Susanne GASCHKE? Noch 2005 sah sie die
Kinderlosigkeit der Akademikerinnen ihrer Generation bei 40 %, um
das Elterngeld durchzusetzen. Dabei wusste man damals schon, dass
dies falsch war. Es war der Tatsache geschuldet, dass 40jährige und
ältere Akademikerinnen als lebenslang Kinderlose galten - eine
Vorstellung, die die deutschen Statistiker immer noch - wider
besseres Wissen - aufrecht zu halten versuchen. Inzwischen macht man
dies jedoch durch Herabspielen des Beitrags dieser Altersgruppe zum
Geburtenaufkommen. Z.B. dadurch, dass man die Zahlen einfach
verschweigt.
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DESTATIS (2014): 682 000 Kinder kamen im Jahr 2013 zur Welt,
in: Pressemitteilung des
Statistischen Bundesamtes
v. 08.12.
Trotz Zunahme der späten Mütter
ist die Geburtenrate leicht gestiegen.
Ohne die über 39jährigen Mütter, die selbst noch Mitte der Nuller
Jahre als lebenslang Kinderlose galten, würde die Geburtenrate
sinken. Das Statistische Bundesamt würdigt dies nicht, da späte
Mütter bevölkerungspolitisch unerwünscht sind.
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NIENHAUS, Lisa
(2014): Die Stadt ist jetzt für alle da.
Spätestens, wenn die Kinder kamen,
zogen die Städter früher aufs Land. Heute ist alles anders: Die
Familien bleiben und fühlen sich wohl wie nie,
in: Frankfurter
Allgemeine Sonntagszeitung v.
07.12.
Nichts wirklich Überraschendes hat
Lisa NIENHAUS zu berichten. Die
Renaissance der Großstädte wird bereits seit einem Jahrzehnt
diskutiert. Auf den
Trend, dass Paare in den Städten verbleiben, statt im Zuge der
Familiengründung ins Umland zu ziehen, wurde auf dieser Website
bereits im Jahr 2002 hingewiesen. Paare, die Beruf und Familie
besser vereinbaren wollen, wurden als Family-Gentrifier bezeichnet.
Spätestens mit den Müttern vom Prenzlauer Berg wird dieses Phänomen
auch in den Medien breitgetreten. Aufgrund bevölkerungspolitischer
Interessen wurde das Phänomen lange Zeit heruntergespielt. Solange
Elterngeld und Kinderbetreuung noch nicht politisch durchgesetzt
waren, dienten die Latte-Macchiato-Mütter als Phänomen für die
Kinderarmut der Städter. Massenstatistiker sind gewöhnlich
keine Trendsetter, sondern beschreiben Trends lediglich
retrospektiv. Erst mit der Gentrifizierungskritik der letzten Jahren
wurde deutlich, dass sich zumindest die angesagten
Akademikerstadtteile von den einstigen Single-Hochburgen in den
1980er Jahren zu Hochburgen der Family-Gentrifier weiterentwickelt
haben.
Die Stadt ist für alle da? Gerade
nicht, sondern nur noch für jene, die sie sich leisten können.
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HANK, Rainer & Ralph BOLLMANN
(2014): Leben heißt Scheitern.
Der Schriftsteller Michael Kleeberg
beschreibt in seinem neuen Roman den Werdegang eines deutschen
Angestellten samt Konkurrenzkampf, Karrieresprung und Burnout. Und
erklärt, wie wichtig Scheitern dabei ist,
in: Frankfurter
Allgemeine Sonntagszeitung v.
07.12.
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Zu den News vom 01. - 06. Dezember 2014
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