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News vom
01. - 06. Dezember 2014
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Zitat
des Monats:
Späte Mutterschaft liegt im Trend
"Ich
habe der Statistik ein Schnäppchen geschlagen, hurra! Im
jüngsten Fachbericht der Bundesregierung, dem »Familienreport
2011«, zählte ich noch zu den
22 Prozent meines Jahrgangs (1968), die im Jahr 2009 41
Jahre alt und kinderlos waren.
Mit mir haben die deutschen Demografen nicht mehr gerechnet.
Und meine Familie auch nicht. Wie sagte so charmant meine
80-jährige (kinderlose) Tante, als ich ihr von meiner
Schwangerschaft erzählte? »Ich dachte ja eher, du kommst jetzt
in die Wechseljahre«.
Mutter mit 43 - darf frau das? (...).
Zu meiner Beruhigung kann ich sagen: Ich bin nicht allein.
(...). Die Zahl der Frauen, die mit über 35 Jahren (noch) ein
Kind bekommen, steigt von Jahr zu Jahr, vor allem in
Westdeutschland und da vor allem in den Städten und unter den
Akademikerinnen. Jede vierte Frau in Deutschland bringt
inzwischen mit über 35 Jahren ihr erstes Kind zur Welt. Schaue
ich mich unter meinen Freundinnen um, kommt es mir sogar vor,
als müssten es noch viel mehr sein.
Und auch die Zahl der (Erst-)-Mütter über 40 wächst. 2008
lag der Anteil der verheirateten Frauen, die bei der Geburt
ihres ersten Kindes 40 Jahre oder älter waren, bei 3,4 Prozent,
Tendenz steigend. In München machen die Mütter über 40 sogar
schon fünf Prozent aus, in anderen Großstädten sieht es ähnlich
aus."
(Susanne
Fischer "Ansichten einer späten Mutter 2013, 22f.) |
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Judith Luig - Und jetzt alle noch mal
aufs Klo
BECKER, Claudia
(2014): Der kleine Friedrich wird mal ein ganz Großer.
Mütter nerven! Warum eigentlich? Judith Luig hat einen
unterhaltsamen Führer für Kinderlose geschrieben,
in:
Welt v. 06.12.
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UNFRIED, Peter
(2014): Jungs, die auf Titten starren.
Freiheit:
Das kalifornische Silicon Valley ist die Heimat von Konzernen wie
Google, Apple und Facebook. Ein Hort des Bösen? Nein, ein Ort an dem
die Unschuldigen die Welt verändern,
in:
TAZ v. 06.12.
Peter UNFRIED arbeitet am
Nerd-Mythos. Dazu hat er sich zwei gehypte Geistesarbeiter,
Hans-Ulrich GUMBRECHT und Georg PACKER dazugeholt, um dem Mythos
einen Autoritätsanstrich zu verpassen. Wobei Autorität heutzutage
folgendermaßen kreiert wird:
"Der Literaturprofessor
kokettiert damit, dass er sich mit Computern nicht richtig
auskenne. Seine Mails schreibt er gern komplett in die
Betreff-Zeile. Aber er ist von den wichtigen deutschen
Intellektuellen der einzige, der die digitalen Erschütterungen aus
deren Zentrum beobachtet. Genauer gesagt: aus seinem
Erdgeschossbüro im Herzen des Campus."
Das
klassische Storytelling hinsichtlich der Nerds darf natürlich
nicht fehlen:
"Einige seiner Klassenkameraden
gingen zu Apple, Sun und Microsoft. Die, mit denen die hübschen
Mädchen nicht tanzen wollten. Die, die man früher Nerds nannte.
Sie wurden Millionäre."
Das wäre keine Problem, wenn der
nächste Satz nicht wäre:
"Und regieren heute die Welt."
Dahinter steckt die Panik einer
Geburtselite, die ihren Führungsanspruch durch Aufsteiger
(Emporkömmlinge) in Gefahr sieht. Das beste Gegenmittel ist der
Aufbau von Drohkulissen:
"In Deutschland sind womöglich
50 Prozent der Arbeitsplätze in den nächsten Jahrzehnten durch
Computer, Roboter, Algorithmen bedroht."
Angesichts dieser
Drohkulisse erscheint jedoch der demografische Wandel gar als
Glücksfall.
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FEHLING, Maya
(2014): Will es. Muss es. Muss ich?
Körper:
Wie geht es einer Frau, deren Fruchtbarkeit stetig sinkt, während Kind
und passender Vater bislang fehlen? Ein Brief an die eigenen, noch
nicht eingefrorenen Eizellen,
in:
TAZ v. 06.12.
Zeitungen suchen derzeit händeringend nach 34jährigen Frauen,
denn diesen kommt im
Zeitalter der Demografiepolitik geradezu magische Bedeutsamkeit
zu. Die Magie der Zahl 34 ergibt sich aus der Biologie, d.h. dem
scheinbaren Naturzustand von Gesellschaft - vor ihrer Korrumpierung
durch technologischen Fortschritt. Kurz vor der gesellschaftlich
konstruierten Grenze zur potenziellen Spätgebärenden, hat
insbesondere in Westdeutschland, eine normale Frau ihre biologische
Uhr zu ticken hören. Die
gesellschaftliche Konstruktion der tickenden Uhr wird derzeit
von der Reproduktionsmedizin angetrieben. Die Verfallskurve der
Eizellen einer normalen Frau wird heutzutage von jeder
Zeitungskanzel gepredigt. Und kann von den Lesern entsprechend fast
deckungsgleich wiedergegeben werden, so auch von Maya FEHLING, deren
Doktortitel dem sogar noch Nachdruck verleihen soll:
"Ihr fault - langsam, aber
sicher. Eure Fruchtbarkeit - F e r t i- l i t ä t - steigt bis 25.
Danach geht es abwärts. Ab 30 rapide. Ab 40 freier Fall bis zur
Rente mit durchschnittlich 52. M e n o p a u- s e."
Und weil heute geborenen Frauen
von Demografen eingeredet wird, dass sie alle Methusalems werden,
muss das Gegenargument schon entsprechend krass formuliert werden:
"Maria del Carmen Bousada hat
mit 67 Jahren Zwillinge zur Welt gebracht. (...). Sie hoffte, so
alt wie ihre Mutter, nämlich 101 Jahre alt zu werden und so
vielleicht noch Enkel zu erleben. Als die Zwillinge zwei waren,
starb Maria an Krebs."
Seit die Reproduktionsmedizin den
Verfall der Eizellen durch Einfrieren aufzuhalten verspricht (Gegner
sprechen von social freezing) herrscht in Deutschland Panik. Ganze
Wälder müssen nun sterben, damit auch die letzte westdeutsche Frau
über den Verfall von Eizellen aufgeklärt ist.
Dazu hat die Gelehrtenrepublik angesichts der Bedrohung der
tickenden Uhr durch sozial freezing frühzeitig aufgerufen. Denn,
so offenbar die Befürchtung, wenn westdeutsche Frauen ihre
biologischen Uhren nicht mehr hören, dann könnte der freie Fall der
Geburtenrate einsetzen - zumindest bei erfolgreichen
Akademikerinnen.
Und wer ist schuld an dieser
Misere? Die Nerds aus dem kalifornischen
Silicon Valley?
Die Später-Vielleicht-Männer? Die
partnerverschmähenden Frauen? Oder führt die Schuldfrage gar
nicht weiter, weil es die gesellschaftlichen Institutionen sind, die
keine angemessenen Antworten mehr auf die Fragen des postmodernen
Lebens bieten?
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Sarah Diehl - Die Uhr, die nicht tickt
FISCHER DE SANTI, Katja
(2014): Ohne Kind - und glücklich damit.
Frausein ist bis heute eng mit Mutterschaft verbunden. Kinderlose
Frauen gelten als Fehler im System, sie werden bemitleidet und
müssen sich dauernd rechtfertigen. Trotzdem wächst die Zahl der
gewollt Kinderlosen stetig,
in:
St. Galler Tagblatt v. 05.12.
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Wenn Eltern Pflege brauchen. Wie der
demografische Wandel den Alltag verändert und was das den Individuen
abverlangt - Ratgeber- und Sachbuchliteratur zum Thema
DRIBBUSCH,
Barbara
(2014): Nach der Arbeit bei Mami nach dem Rechten schauen.
Elternpflege: Arrangements mit den
gebrechlichen Eltern sind eine Frage von Geld, Zeit und Wohnort der
erwachsenen Kinder. Eine Typologie,
in:
TAZ v. 05.12.
Barbara DRIBBUSCH stellt anlässlich der Reform des
Familienpflegezeitgesetzes 5 Pflegearrangements vor. Über die
Reform
informiert Simone SCHMOLLACK. Zusätzlich gibt es einen
Kommentar von Heide OESTREICH
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ZEIT-Thema:
Wer hat Angst vor solchen Frauen?
Sie sind jung, gut im Beruf und
behaupten sich im Leben. Viele von ihnen bleiben ohne Partner -
und werden ständig gefragt - warum |
Im FAZ-Blog macht sich Don Alphonso seine Gedanken über
das aktuelle ZEIT-Thema. Aufschlussreicher wäre jedoch die
Frage, warum der Artikel von Tanja DÜCKERS nicht in der
Print-Ausgabe abgedruckt, sondern nur Online verbreitet wird. Sind
das nicht die zwei Seiten der ZEIT- Bürgerlichkeit? Ist die
Diskriminierung kinderloser Frauen nicht lediglich die Rückseite der
Aufmerksamkeit die potenziellen Akademikermüttern zukommt, deren zu
hohe Partnerlosigkeit nur deshalb thematisiert wird, weil deren
gewünschtes Fortpflanzungspotenzial nicht ungenutzt bleiben soll?
Ist die Reproduktion der ZEIT gefährdet, wenn deren
Zielgruppe ausstirbt? Ist Verängstigung der Partnerschaft von
ZEIT und PARSHIP förderlich? Und ist es nicht
verwunderlich, dass das
viel größere Problem unfreiwillig partnerloser Männer nur dann
thematisiert wird, wenn dies mit Gewalt und Rechtsextremismus
verbunden werden kann? Ist solcher Scheuklappenjournalismus nicht
Ausdruck einer konformen
postdemokratischen Gesellschaft?
PAUER, Nina
(2014): Unheimlich unabhängig.
Sie ist der beliebteste
Leistungsträger unserer Gesellschaft: Die junge Frau, erfolgreich,
attraktiv und sozial vernetzt. Trotzdem findet sie keinen Mann. Ist
das schlimm?
in: ZEIT Nr.50 v.
04.12.
Nina PAUER schwadroniert über Alleinleben und Einsamkeit. Sie
ist damit Teil des Problems, das sie angeblich beschreibt, aber
vielmehr erst miterzeugt. Man erfährt viel über neubürgerliche
Spießigkeit, aber nichts über die Wirklichkeit derjenigen, die
amtsstatistisch als alleinlebend definiert werden. Bereits die
Formulierung "Menschen im heiratsfähigen Alter zwischen Ende 20 und
Ende 30" setzt im Grunde Partnerschaft mit Ehe gleich, ergo sind
Unverheiratete einsam und partnerlos. Während jedoch
nicht-alleinlebende Unverheiratete als "partnerlose Unterschicht"
nicht einmal erwähnenswert erscheinen, ist das Alleinleben der
Karrierefrau inzwischen zum neubürgerlichen Symbol einer
fehlgeleiteten Moderne geworden.
Wer das 1990 erschienene Buch
Das ganz normale Chaos der Liebe gelesen hat, der kennt dieses
Gitterstäbe-der-Einsamkeit-Gerede bereits zur Genüge, das Nina PAUER
da über die Leserschaft ergießt, als ob es der allerneueste Schrei
wäre, obwohl es lediglich die Sicht der 68er-Generation
unreflektiert nachplappert und ein geringfügiges Update verpasst:
"Eigens auf sie abgestimmte
Identifikationsangebote wie die Fernsehserie Girls (...)
porträtieren liebenswert neurotische und sehr einsame
Großstadtfrauen (...). Anders als die pummelige Kalorien zählende"
Figur der Bridget Jones (...), haben die neuen Protagonistinnen der
Einsamkeit sich aber in ihrem Zustand eingerichtet."
Erst zum Schluss des Artikels
kommt PAUER zu den Motiven dieser Vorstellungen über das
Single-Dasein:
"Unsere Zeit, in der
Fortpflanzung als demografische Bürgerpflicht angesehen wird, fasst
die einsame junge Frau als biologische Beleidigung auf. (...).
Offenbar mutwillig fördert sie die unheimlich-futuristisch anmutende
Vision einer kommenden Normalität in selbstbestimmter Fortpflanzung,
die social freezing, das Einfrieren von Eizellen, als
praktische Lösung entdeckt hat, um die Lebensplanung komplett frei
gestaltbar werden zu lassen und damit auch die letzte Abhängigkeit
an eine alte, verstaubte Zeit zu kappen, in der Faktoren wie Mann,
Zeit, Biologie eine Rolle spielen."
Kurzgefasst: Die erfolgreiche
Singlefrau symbolisiert die immerwährende Angst vor dem Aussterben
und bietet sich damit hervorragend als Projektionsfläche
neubürgerlicher Werte an.
PAUER beschäftigt sich lediglich
mit den typischen Single-Bildern, was fehlt: die Realität des
Single-Lebens. Das liegt nicht nur daran, dass wir hier im
Feuilleton sind, sondern auch daran, dass sich die empirische
Forschung für das Single-Dasein nicht mehr interessiert - höchstens
als Negativfolie zur heiligen Familie. Längst vorbei sind die Zeiten
als der Feminismus die Singlefrau in den 1980er Jahren als Pionierin
der Moderne entdeckte. In den 1990er Jahren wurde sie dann noch von
der Lifestyle-Industrie getragen, während der neubürgerliche
Wertewandel, dessen erster Bestseller Das ganz normale Chaos der
Liebe hieß, bereits seinen langen Schatten vorauswarf.
Bridget Jones gehört dagegen bereits jener Ära an, die im Single
nur noch das Leidbild, aber nicht mehr das Leitbild sieht.
RADISCH, Iris
(2014): Sie hatte viele beste Freundinnen.
Gar nicht einsam: Tuğçe A. starb,
weil sie junge Frauen verteidigte,
in: ZEIT Nr.50 v.
04.12.
KÜMMEL, Peter
(2014): Mädchen im Sturz.
Von Unsichtbarkeit bedroht, zu
Rollenklischees verdammt: Die einsame Frau in den populären
Erzählungen von heute,
in: ZEIT Nr.50 v.
04.12.
Peter KÜMMEL kennt nur vier Frauenrollen: die Mutter ("Boyhood" von
Richard LINKLATER), die lüsterne Frau ("Nymphomaniac" von Lars von
TRIER), die Heilige ("Groß und Klein" von Botho STRAUß) und die
Rächerin ("Carrie" von Stephen KING).
Die Artikelüberschrift verweist
auf die Erzählung
Mädchen im Sturz von Dino BUZZATI, die in der ZEIT vom 16.
September 1960. Dort heißt es:
"Solche Flüge – besonders von
Mädchen – waren keine Seltenheit im Hochhaus und bedeuteten eine
interessante Zerstreuung für die Mieter; deswegen war auch der Preis
für die Wohnungen besonders hoch."
SCHMIDT, Marie
(2014): Gleichheit tötet die Erotik.
Die feministische
Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken über klassische Drohungen
gegen unabhängige Frauen, allzu perfekte Mütter und die
inspirierende Seite des Liebeskummer,
in: ZEIT Nr.50 v.
04.12.
Das Gespräch mit
Barbara VINKEN arbeitet sich ebenfalls an der Ehe und seinen
Klischees ab, d.h. dem Ehepaar und seiner Kontrastfolie, des
Unverheirateten ergo unvollständigen Paares, dem zum vollkommenen
Glück (besser: Status) nur sein neubürgerlicher Heiligenschein
fehlt:
"Ich kenne viele Frauen,
erfolgreich, schön und charmant, die nicht verheiratet sind, sich
aber nicht bewusst gegen eine Ehe entschieden haben und auch nicht
sagen: Ich will keinen Mann mehr treffen. Sie führen oft ein sehr
glückliches und erfülltes Leben. Vielleicht artikulieren sie das als
Mangel, aber ich wage jetzt einmal zu behaupteten, das sie es nicht
als Mangel erfahren",
meint die glücklich verheiratete
Literaturwissenschaftlerin gönnerhaft. Singlefrauen sind in diesem
Gespräch bestenfalls Objekte des Mitleids. Warum lässt man
eigentlich keine Singlefrauen für sich selber sprechen? Hat man etwa
Angst davor, dass dann die neubürgerlichen Werte zu sehr in Frage
gestellt werden könnten?
Typisch ist, dass die Artikel mit
amtsstatistischen Daten unterfüttert werden, die
nicht
problematisiert werden, weil sie Partnerlosigkeit nicht erfassen
können, sondern lediglich Alleinwirtschaften und Unverheiratetsein,
d.h. das Gegenteil des neubürgerlichen Ideals. Eine Debatte aber,
die sich an nichts als an Klischeebildern abarbeitet, verstärkt die
Wirkung dieser Klischees zusätzlich, statt sie zu entkräften.
Eine echte Debatte hätte den
neubürgerlicher Rahmen zu sprengen und eine andere Sicht auf die
Klischees bieten müssen. Das aber wäre von dieser Wohlfühlpostille
jedoch zu viel verlangt.
DÜCKERS,
Tanja
(2014): Die kinderlose Frau ist an allem schuld.
Familie: Kinder haben ist hip
geworden. Frauen, die keine Kinder wollen, werden hingegen für
neurotisch erklärt oder bemitleidet. Ein Plädoyer für mehr Toleranz?
in: ZEIT Online v.
04.12.
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LOSSE, Bert u.a.
(2014): Glanz und Elend der Städte.
Grosser Test: Wo brummt die
Wirtschaft - und wo gehen langsam die Lichter aus? Der große
Kommunen-Check der Wirtschaftswoche zeigt, dass die Schere zwischen
starken und schwachen Kommunen weiter auseinandergeht. Ostdeutsche
Metropolen und Universitätsstädte holen kräftig auf - und Autostädte
sind kaum zu schlagen. Lesen Sie, wo es sich am besten arbeiten,
wohnen und investieren lässt,
in: Wirtschaftswoche
Nr. v. 01.12.
Städteranking der IW Consult der 69 kreisfreien Städte mit
mehr als 100.000 Einwohnern inklusive der
Städteregionen Hannover, Saarbrücken und Aachen. Im Vergleich
zu 2013 fielen Salzgitter und Cottbus heraus, die durch den Zensus
2011 unter die 100.000-Einwohner-Grenze fielen.
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KOPPETSCH, Cornelia
(2014): Die Wiederkehr der Konformität?
Wandel der Mentalitäten – Wandel der Generationen.
in:
Aus Politik und
Zeitgeschichte Nr.49 v.
01.12.
"Globalisierung entlässt den
Einzelnen nicht in größere Freiheit, sondern verweist ihn
paradoxerweise verstärkt an seine Herkunftsbindungen und damit in
die Abhängigkeit von Klasse und Stand zurück. Denn die Ressourcen
der Herkunftsfamilie werden in Zukunft voraussichtlich noch
wichtiger für die Zuteilung von Lebenschancen. Dies gilt
insbesondere auch in finanzieller Hinsicht. Vermögende Eltern können
ihre Kinder ein Leben lang – auch in Krisenzeiten – unterstützen.
Dadurch wird der Abstand zwischen den Privilegierten und
Unterprivilegierten größer: Meist konzentrieren sich Vermögen in den
ohnehin schon privilegierten Schichten, was soziale Ungleichheiten
in der Kindergeneration vergrößert.
Hier zeigt sich in aller Deutlichkeit: Beschleunigung und
Flexibilisierung sind Übergangs- und Durchgangsphänomene. Die
globale Netzwerkgesellschaft führt nicht zur Aufhebung,
sondern zur Privatisierung von Abhängigkeit und damit auch
zur Vergrößerung der Kluft zwischen Arm und Reich", meint die
Soziologin
Cornelia KOPPETSCH.
BUDE, Heinz
(2014): Das Unbehagen in der bürgerlichen Mitte,
in:
Aus Politik und
Zeitgeschichte Nr.49 v.
01.12.
MÜNKLER, Herfried
(2014): Die Entstehung des Mitte-Paradigmas in Politik und
Gesellschaft,
in:
Aus Politik und
Zeitgeschichte Nr.49 v.
01.12.
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MAIER, Anja
(2014): Die unerklärte Kampfkandidatur.
CDU: Der Kanzlerinnenwahlverein
regelt Konflikte am liebsten geräuschlos. Doch vor dem Bundesparteitag
rumpelt es in der Partei: Gesundheitsminister Hermann Gröhe muss mit
dem 34-jährigen Jens Spahn um einen freien Posten im CDU-Präsidium
konkurrieren,
in:
TAZ v. 01.12.
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Das Single-Dasein in Japan
POSSEMEYER, Ines (2014):
Die Rettung Japans
ist weiblich.
Falls es nicht schon zu spät ist.
Die drittgrößte Wirtschaftsmacht der Erde kämpft gegen den
Bevölkerungsschwund. Mit teils merkwürdigen Methoden,
in:
Geo Nr.12, Dezember
"Ich bin nach Japan gefahren,
weil uns dieses Land ein Stück voraus ist. Schon seit zwei
Jahrzehnten lebt es vor, was Europa gerade kennenlernt:
Nullwachstum, Deflation, die mit Abstand höchste Staatsschuldenquote
der Welt. Die Krise wird befeuert durch die Bevölkerungsentwicklung:
Japan ist der »Ground
Zero der Demografie«, so der Demografie-Experte Richard Jackson:
Nirgendwo ist die Bevölkerung älter und schrumpft sie schneller.
Setzt sich dieses »demografische Endspiel« ungebremst fort, wird
Japan in den nächsten 50 Jahren fast ein Drittel seiner
Einwohnerschaft verlieren. Auf jedes Baby kommt dann ein
Hundertjähriger - die schon heute am schnellsten wachsende
Altersgruppe",
beschreibt Ines POSSEMEYER ihre
Motivation. Man könnte das auch als ekelhaften Katastrophentourismus
bezeichnen. Richard JACKSONs markige Rhetorik entspricht derjenigen
von Herwig BIRG. Die zitierten Begriffe stammen aus dem Newsletter
Japan’s Demographic End Game des Center for
Strategic & International Studies (CSIS) vom 21. November 2013.
Dort heißt es:
"Thanks to its chronically low
fertility rate, world-record life expectancy, and aversion to
migrants, Japan is ground zero for global aging. The youngest of the
developed countries as recently as the mid-1970s, Japan is now the
oldest—and its age wave will continue to roll in for decades to
come. By 2050, the proportion of Japanese who are 65 or older is on
track to reach 39 percent, up from 23 percent in 2010 and only 9
percent in 1980, when Japan Inc. seemed poised to conquer the global
economy. Meanwhile, Japan’s population, which is already contracting,
will enter a precipitous decline, shrinking by over a half by the
end of the century."
Demografen überschätzen
gewöhnlich den Einfluss von Bevölkerungsentwicklungen, während sie
den gesellschaftlichen Wandel, der damit einhergeht unterschätzen.
Im Jahr 2003 erschien der Report
The Demographic Dilemma: Japan’s Aging Society. Darin
spielte Paul S. HEWITT den JACKSON-Part, während, während John C.
CAMPBELL und Chikako USUI den Einfluss der Politik und des sozialen
Wandels hervorhoben.
Für Deutschland hat
Christian RADEMACHER gezeigt, dass es durchaus sinnvoll ist,
nicht irgendwelchen weithergeholten Vorbildern nachzueifern, sondern
jene Ressourcen zu nutzen, die von Gemeinde zu Gemeinde, von
Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich sind. Stattdessen
werden Strategien verfolgt, die solche Unterschiede leugnen. Können
wir von Japan lernen? Wenn überhaupt, dann nur, indem wir die
Verschiedenheit von Deutschland und Japan berücksichtigen.
POSSEMEYER entführt uns jedoch nicht in ein Land, das wir
kennenlernen könnten, sondern man fühlt sich eher wie in einem
zweiten Deutschland, das sich lediglich durch ein paar fremde
Begriffe unterscheidet.
"Für eigenständige Frauen wie die
Praktikumsvermittlerin Atsuko Horie gibt es zu wenige potenzielle
ikumen; anderen fehlt schlicht die Zeit fürs Dating. So
geschieht das, was wir aus Europa kennen: Männer und Frauen heiraten
immer später oder gar nicht mehr. Mit einem fundamentalen
Unterschied: Bei uns funktionieren Familien längst auch ohne
Trauschein, in Nordeuropa wird jedes zweite Kind
»unehelich« geboren. Aber nicht in Japan. Keine Heirat heißt: keine
Kinder.
»In Europa sind veränderte Heiratszahlen Ausdruck einer veränderten
Intimität, in Japan Zeichen eines kompletten Mangels«, so die
Soziologin Emiko Ochiai. Die Hälfte aller Unverheirateten bis Mitte
30 sind Singles.
Und ein Viertel hatte noch nie Sex",
erklärt uns POSSEMEYER. Man
wundert sich höchstens über die Naivität solcher Beschreibungen.
Kennen wir nicht aus Deutschland die Debatte über die Akademikerin,
die keinen Mann abbekommt? Hatte man nicht noch Anfang des
Jahrtausends hierzulande die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen
überschätzt, weil die Statistik aufgrund der Eheorientierung und dem
Trend zur späten Elternschaft einem Fehlschluss unterlag?
In der Debatte zum Aussterben
der Deutschen gab es in den 1970er Jahren das Argument, dass es an
zuviel Sex lag, während inzwischen zu wenig Sex schuld sein soll.
In der Reportage werden zudem
unterschiedliche Single-Begriffe verwendet. Singles sind demnach
entweder Ledige oder Alleinlebende.
"Japan hat heute eine der
höchsten Single-Raten weltweit. In jedem dritten Haushalt lebt nur
noch eine Person, in Tokio sogar in jedem zweiten. Die Zahl der
allein lebenden Senioren hat sich hier in den letzten 30 Jahren
versechsfacht, nirgendwo altert derzeit die Bevölkerung schneller
als in der Metropole.
In der Provinz ist dieser Prozess schon fast abgeschlossen",
erläutert POSSEMEYER. Diese
Single-Raten entsprechen den deutschen, während die von POSSEMEYER
hochgelobten skandinavischen Staaten noch höhere Raten zu
verzeichnen haben. Aufgrund der sog. Kriegerwitwen war die Zahl der
alleinlebenden Frauen in Deutschland schon immer hoch und die
deutschen Metropolen verjüngen sich derzeit eher als dass sie
altern.
Der
Soziologe
Akira
OHNO
hat
gemäß
POSSEMEYER
für
Japan
den
Begriff
der "marginalen Dörfer" geprägt, die er folgendermaßen definiert:
"Mehr als die Hälfte der
Einwohner sind mindestens 65 Jahre alt, das Gemeinschaftsleben ist
fast erloschen."
2010 sollen 10.000 Orte in Japan
dieser Definition entsprechen, wobei der Begriff des erloschenen
Gemeinschaftsleben äußerst schwammig ist. Außerdem wird zwischen
"alter" und "ultra-alter Gesellschaft" unterschieden:
"Ein Viertel der Bevölkerung
Japans ist heute schon älter als 65 Jahre.
Damit ist diese Gesellschaft keine
»alte« mehr, sondern weltweit die
erste »ultra-alte«.
Deutschland wird - an zweiter Stelle - im Jahr 2025 folgen, das
kinderreichere Frankreich erst 2053."
Warum gerade bei 25 % der
Übergang stattfinden soll, das wird nicht erläutert. Solche
Unterscheidungen haben wohl eher aufmerksamkeitsökonomische
Bedeutung als dass sie etwas Substantielles über eine Gesellschaft
aussagen. Geht man z.B. wie der Demograf
Sergei SCHERBOV von einem dynamischen, statt von einem
statischen Altersbegriff aus, dann sind solche
Unterscheidungen noch fragwürdiger.
"Die Pflege der Alten, das war
für die Regierung eine Aufgabe der
»professionellen Hausfrau«. Jetzt bleibt dem Land kaum mehr als ein
Jahrzehnt, sich auf das »2025-Problem« vorzubereiten: Dann werden
die Babyboomer der Nachkriegsjahre 75 Jahre alt sein, jeder Vierte
pflegebedürftig.
Eine Lösung ist auch hier nicht in Sicht. Eine Million Pflegekräfte
werden 2025 fehlen, mehr als in jedem anderen Industrieland."
In Japan fand der Babyboom
früher statt als in Deutschland und er war im Gegensatz zu
Deutschland weit umfangreicher. Allein von daher ist ein einfacher
Vergleich der Länder nicht sehr weiter führend.
Während Deutschland zumindest
in den alten Bundesländern von der Zuwanderung profitiert,
entspricht der Ausländeranteil im Osten eher demjenigen von Japan.
"Knapp die Hälfte aller Männer
arbeitet bereits heute über das 65. Lebensjahr hinaus, Bauern sind
im Schnitt 70. Und im Dorf Tokonabe packen in einem alten Lagerhaus
Frauen an großen tischen frische Paprika ab, die jüngst ist 80, die
älteste 89",
beschreibt POSSEMEYER die
Situation in Japan, die die Forderungen nach "lebenslanger Arbeit"
schmackhaft machen sollen. Zum Schluss wird es dann noch
nostalgisch: In den "ländlichen Ruinen" soll das neue Japan
entstehen:
"»Immer mehr Japaner sorgen
sich um den Verlust ihrer Kultur«, beobachtet der britische
Japanologe Peter Matanle. Er hofft, dass gerade die Rückbesinnung
auf Traditionen und Natur möglich wird, ein besseres Leben jenseits
von Leistungs- und Karrieredenken. Dafür hat er ein neues Wort
erfunden: die Entvölkerungsdividende."
Man wird sehen wie sich Japan
tatsächlich weiterentwickelt.
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BRODMERKEL, Anke
(2014): Ein Paar, zwei Wohnungen.
Zusammensein in einer festen
Partnerschaft, aber getrennt wohnen: Immer mehr Paare sehen darin
keinen Widerspruch. Vor allem im mittleren Alter wächst die Zahl
derer, die zwar ihr Leben, nicht aber Küche und Schlafzimmer mit dem
Partner teilen. Was sind die Vorteile dieser Beziehungsform – und was
die Stolpersteine?
in: Psychologie
Heute,
Dezember
Paare ohne gemeinsame Wohnung
gelten amtsstatistisch als zwei Alleinlebende. Die Forschung versucht
in diesem Sinne nachzuweisen, dass dies berechtigt ist und solche
Paare gar keine richtigen Paare sind. Der französische Soziologe
Jean-Claude KAUFMANN spricht z.B. in seinem Buch
Schmutzige Wäsche von "Quasi-Paaren". In dieser Tradition
steht auch der Artikel von Anke BRODMERKEL, der Untersuchungen von
Jens ASENDORPF, Robert NADERI und Alexander NOYON & Tanja KOCK in
diesem Sinne interpretiert.
Paare mit zwei Wohnungen werden
danach unterschieden, ob sie das freiwillig tun oder gezwungenermaßen.
Als Indikator dient dazu die Entfernung der beiden Wohnungen.
Fernbeziehungen gelten demnach als unfreiwillig, während Wohnungen
in der gleichen Stadt bzw. im gleichen Haus als freiwillig gelten. Der
Begriff
Living apart together wird inzwischen häufiger nur noch für die
freiwillig gewählte Form verwendet.
Der Artikel widmet sich den
freiwilligen Paaren mit zwei Wohnungen. Diese finden sich vorwiegend
im mittleren Lebensalter. Dabei werden auch Alleinerziehende
betrachtet, die amtsstatistisch nicht zu den Alleinlebenden zählen. Im
Artikel wird hinsichtlich des Living apart together auch von "bilokaler
Partnerschaft" gesprochen.
Leider beziehen sich die im Artikel
präsentierten Daten zu solchen Partnerschaften nur auf den Zeitraum
zwischen 1992 und 2006, obwohl sich die gesellschaftlichen
Rahmenbedingungen seitdem offenbar entscheidend geändert haben. Die
Autorin zitiert aus einer noch unveröffentlichten Studie von Jens
ASENDORPF über deren Repräsentativität nichts gesagt wird.
"Häufig sehen die Menschen, die
eine LAT-Beziehung führen, in dem dem anderen einfach nicht den
Partner fürs Leben",
wird der Psychologe zitiert. Kann
man jedoch solche Beziehungen über einen Kamm scheren oder müsste
nicht zwischen verschiedenen Typen unterschieden werden? Und warum
sollen sich Paare mit zwei Wohnungen von zusammenwohnenden Paaren
unterscheiden. Was, wenn einfach die Lebensumstände unterschiedliche
Formen des Zusammenlebens erforderlich machen bzw. eine
unterschiedliche Lebensphase wiederspiegeln? Statt irgendwelche
Persönlichkeitsunterschiede zu suchen, wäre dann eine Unterscheidung
der Lebensumstände notwendig.
Paare mit zwei Wohnungen werden
offenbar weniger empirisch als ideologisch betrachtet. Da es sich
quantitativ betrachtet um ein relativ neues Phänomen handelt, das den
veränderten Bildungs- bzw. Ausbildungsbedingungen,
Arbeitsmarktbedingungen (Globalisierung), technologischen
Entwicklungen (Skype, Hochgeschwindigkeitszügen, Veralltäglichung von
Flügen usw.) und der Zunahme berufstätiger Frauen geschuldet ist,
dürften sich Persönlichkeitsunterschiede mit der weiteren Verbreitung
multilokaler Lebensformen als wenig ergiebig zeigen.
Dass solche bilokale
Partnerschaften häufig kinderlos sind, ist auch wenig verwunderlich,
da bilokale Familien gewöhnlich durch eine gemeinsame Haupt- und eine
Nebenwohnung gekennzeichnet sind. Zudem müssen Kinderlose
gezwungenermaßen flexibler sein als Eltern.
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LOETZNER, Michèle (2014):
Und jetzt?
Den Gedanken, dass Mutter und Vater
irgendwann sterben müssen, verdrängen wir gern. Ist ja noch Zeit. Doch
was ist zu tun, wenn es plötzlich doch passiert?
in: Neon,
Dezember
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STEEG, Lena (2014):
Alles auf Rosarot.
Du hast Angst, dass du die große
Liebe niemals finden wirst? Das ist nicht deine Schuld. Aber du musst
dein Leben ändern,
in: Neon,
Dezember
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BUCHHOLZ, Jenny (2014):
"Keine Angst, ich
bin mittlerweile in Therapie".
Ehrliche Kontaktanzeigen. Nichts als
die Wahrheit: NEON-Singles erzählen aufrichtig von ihren Macken - und
erklären, warum es sich trotzdem lohnt, sie kennenzulernen,
in: Neon,
Dezember
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Zu den News vom 14. - 30. November 2014
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