[ News-Hauptseite ] [ Homepage ]

   

Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
News 01.-19. September 2014
News 17.-31. August 2014
News 08.-16. August 2014
News 01.-07. August 2014
News 11.-31. Juli 2014
News 01.-10. Juli 2014
News 24.-30. Juni 2014

News 16.-23. Juni 2014
News 06.-15. Juni 2014
News 03.-05. Juni 2014
News 01.-02. Juni 2014
News 21.-31. Mai 2014
News 11.-20. Mai 2014
News 08.-10. Mai 2014
News 01.-07. Mai 2014
News 18.-30. April 2014
News 08.-17. April 2014
News 01.-07. April 2014
 
News 16.- 31. März 2014
News 04.- 15. März 2014
News 01.- 03. März 2014
News 18.-28. Februar 2014
News 10.-17. Februar 2014
News 01.-09. Februar 2014
News 25.-31. Januar 2014
News 22.-24. Januar 2014
News 12.-21. Januar 2014
News 07.-11. Januar 2014
News 01.-06. Januar 2014
News 22.-31.Dezember 2013
News 13.-21.Dezember 2013
News 05.-12.Dezember 2013
News 01.-04.Dezember 2013
News 21.-30.November 2013
News 17.-20.November 2013
News 10.-16.November 2013
News 01.-09.November 2013

News 2013
News 2012
News 2011
News 2010
News 2009
News 2008
News 2007
News 2006
News 2005
News 2004
News 2003
News 2002
News 2001
News 2000

 
 
   
Medienberichte über single-dasein.de
 
 
 
   

News vom 20. - 30. September 2014

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

In der DDR gab es keinen vergleichbaren Babyboom wie in der BRD

"In der DDR (...) hat es keinen vergleichbaren Babyboom in den 1950er und 60er-Jahren gegeben: »Der Babyboom in Deutschland wurde vorwiegend durch die westdeutschen Geburtskohorten getragen« (Nowossadeck, 2010, S.5). Einerseits hängt das mit der absoluten Bevölkerungsgröße von Ost- und Westdeutschland zusammen. Die entscheidende Ursache ist jedoch in der für einen »Babyboom« ungünstigen Alters- und Geschlechterstruktur Ostdeutschlands zu suchen, die durch sehr hohe Übersiedlungszahlen bis zum Jahr 1961 verursacht wurde und auch nicht durch zeitweise erhöhte »Fertilitätsraten« ostdeutscher Frauen ausgeglichen werden konnte: »Allein zwischen 1949 und 1961 verließen etwa 2,7 Mio. Menschen die DDR. (...) Mehr als die Hälfte war jünger als 25 Jahre.« (ebd. S.10+12). Demzufolge wurden in Ostdeutschland die »jüngeren Altersgruppen ausgedünnt« (ebd. S.12), während sie in Westdeutschland als positiver Wanderungssaldo zu Buche schlugen, der dann den dortigen Babyboom »stabilisierte« (ebd., S.9)"
(Olaf Dörner & Burkhard Schäffer "Sozialisation im Babyboom - Einleitung in den Schwerpunkt" in der Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation, Heft 2, 2014, S.120)

 
       
       
   

FR-Thema: Asozialstaat: Rente, Gesundheit, Pflege: Wie wir von unten nach oben verteilen

SZENT-IVANYI, Timot (2014): Wenig Solidarisch.
Wie der Sozialstaat Reiche begünstigt und Familien übervorteilt,
in:
Frankfurter Rundschau v. 30.09.

 
   

LÜCK, Detlev (2014): Editorial zum Themenheft "Familienwerte und Familiennormen. Welchen Einfluss hat Kultur auf familiales und generatives Verhalten?"
in: Comparative Population Studies, Heft 3
v. 29.09.

 
   

BISKY, Jens (2014): Das Gefühl, im Grunde im Nichts zu stehen.
Heinz Bude, der subtile Chronist und Analytiker der modernen Gesellschaft, hat ein neues Buch geschrieben: "Gesellschaft der Angst". Es ist eine Gesellschaft, die keine Mitte mehr kennt. Ein Gespräch über Panik und Emotionsmacht, über Zurückweichen, Abwarten und Wegdenken,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 29.09.

 
   

WERNER, Jana (2014): Singles reisen anders – Marktlücke als Geschäft.
Immer mehr Deutsche fahren alleine in den Urlaub. Genau diesen Trend hat das Hamburger Unternehmen Sunwave als Marktnische entdeckt und sich auf die Reisebedürfnisse von Alleinstehenden spezialisiert.,
in:
Welt Online v. 29.09.

Jana WERNER macht PR für einen Hamburger Reiseveranstalter, wobei sie Alleinlebende (Statistisches Bundesamt) mit Partnerlosen verwechselt. Alleinreisende müssen keine Singles sein, während Singles wiederum nicht unbedingt das Alleinreisen lieben. 

 
   

PETERSEN, Jana & Luise STROTHMANN (2014): Kann Verhandeln die Liebe retten?
Gerechtigkeit: Familie und Arbeit lassen sich nicht vereinbaren. Das ist die neue Ernüchterung der Mittelschicht. Ein Mann und eine Frau aus Berlin versuchen es doch. Sie schließen einen Vertrag,
in:
TAZ v. 27.09.

 
   

TAI, Katharin (2014): Transparente Städte.
Code: Software-Entwickler machen öffentliche Daten in Deutschland zugänglich. Sie erleichtern die Suche von freien Kita- und Parkplätzen und zeigen Magnesiumgehalt des Leitungswassers,
in:
TAZ v. 27.09.

 
   

RUCH, Karl-Heinz (2014): In eigener Sache.
Untergang: Die "FAZ" steckt längst selbst tief in jener Zeitungskrise, die sie bisher nur beschrieben hat,
in:
TAZ v. 27.09.

Ist die Wirtschaft der "Freund" einer Zeitung und der Leser der "Feind" einer Zeitung? So könnte man zumindest die Krise der FAZ gemäß Karl-Heinz RUCH interpretieren:

"In fünf Jahren fiel der Anzeigenumsatz von 198,2 Millionen Euro (2007) auf 101,6 Millionen Euro (2012). Der Anteil der Anzeigenerlöse an den Gesamtumsätzen hat sich in diesem Zeitraum von 61,4 Prozent auf 39 Prozent reduziert. (...). »Nach langer Zeit ist der Journalismus wieder direkt abhängig von seinen Lesern.«"

Ist die Zeitungskrise aber nicht Symptom von gesellschaftlichen Machtverschiebungen? Sind Zeitungen überhaupt noch zeitgemäß, wenn die PR von Firmen inzwischen selber verbreitet wird, statt von Zeitungen lediglich "journalistisch" aufgehübscht zu werden? Welche Funktion haben Zeitungen noch, wenn Parteipropaganda direkt im Internet abrufbar ist?  Wenn der Bürger die Originalinformationen direkt vom Ersteller beziehen  kann, gibt es keine Zeitungskrise mehr, weil Zeitungen überflüssig sind. Welchen Mehrwert können also Zeitungen noch verbuchen, das ist die entscheidende Frage, die jedoch nicht gestellt wird. Brauchen wir Zeitungen, die nichts als Interpreten sind? Können Zeitungen noch wirkliche Skandale aufdecken? Vermitteln Zeitungen nicht längst nur noch die Illusion von Informiertheit?

 
   

BAUER, Patrick (2014): Die Kommunity.
In San Francisco schließen sich Start-up-Gründer und Computergenies zu neuen Wohngemeinschaften zusammen. Wie einst die Hippies träumen sie von einer besseren Welt. Sie meinen damit aber etwas anderes,
in:
SZ-Magazin, Heft 39 v. 26.09.

 
   

DRIBBUSCH, Barbara (2014): Fangfragen für Simulanten.
Gutachten: Forscher arbeiten an neuen Tests, um das Vortäuschen von psychischen Beschwerden zu enttarnen. Versicherer wollen damit Rentenanträge überprüfen,
in:
TAZ v. 26.09.

"Nervenkrankheiten stellen inzwischen die häufigste Diagnosegruppe bei Anträgen auf private Berufsunfähigkeitsrenten dar. Ihr Anteil liegt bei 31 Prozent dieser Anträge und hat sich seit 2005 verdoppelt.
Versicherer schicken die Antragssteller daher oftmals zu Psychiatern, die Tests anwenden, durch die Simulation und Aggravation festgestellt werden sollen",

schreibt Barbara DRIBBUSCH. Welche politischen Hintergründe zu dieser Situation geführt haben und welche Professionsinteressen dahinter stehen, bleibt dabei jedoch unthematisiert. Es geht allein um die Kontroverse, inwiefern psychologische Tests geeignet sind, Simulanten von Kranken zu unterscheiden. Dabei werden Interessenunterschiede zwischen den Eigeninteressen von Versicherung, Sozialmedizinern und Sozialrechtsanwälten als Stellvertretern von Patienteninteressen deutlich. Deutlich wird auch, dass diese Situation dem Geschäftsfeld Coaching von Patienten Aufwind verliehen hat. Es stellt sich dann jedoch auch die Frage, ob die Unterscheidung von Kranken und Simulanten, überhaupt noch eine psychologische Frage sein kann oder nicht vielmehr eine Frage von konträren Professionsinteressen in einem gewandelten gesellschaftlichen Umfeld ist.

 
   

GREINER, Ulrich (2014): Die Herstellung des Menschen.
Wir gewöhnen uns an sie, aber sie bleibt ein Skandal: Mit der Reproduktionsmedizin handeln wir uns nicht nur ein Züchtungsprojekt ein, sondern verlieren auch eine große kulturelle Errungenschaft, die Genealogie,
in: Die ZEIT Nr.40
v. 25.09.

Der 68er Ulrich GREINER hat Verständnis für die Sichtweise von Sibylle LEWITSCHAROFF und sieht im Buch Kinder machen von Andreas BERNARD lediglich einfältigen Fortschrittsoptimismus. Seine reaktionäre These mixt er aus Altem Testament, Peter SLOTERDIJK ("Die schrecklichen Kinder der Neuzeit") und Edmund BURKE zusammen:

"Allein in Deutschland entstehen auf künstlichem Weg pro Jahr etwa tausend Kinder unklarer oder verborgener Herkunft. Die genealogische Ordnung, die eine kulturelle Leistung ersten Ranges darstellt, scheint an ihr Ende gekommen."

Die "Generation Reagenzglas" wird bei GREINER auf die "Generation Neustart" reduziert:

"Die Generation, die in den Reproduktionsfabriken hergestellt wird, ist die Generation Neustart. Sie beginnt mit einer jungfräulichen Festplatte und hinterlässt nach Möglichkeit wiederum eine leere. (...).
Elternschaft, reproduktionstechnisch betrachtet, ist nur noch ein schwaches soziale Konstrukt, das mit Blutsbanden nichts mehr zu tun hat und sich von Fall zu Fall neu zusammensetzt",

jammert GREINER. Wer dabei an Frank SCHIRRMACHERs Klage Minimum denkt, der liegt nicht falsch.

Genealogie ist bei GREINER gleichbedeutend mit patriachaler Ordnung, weshalb, er das häufig zitierte, aber kaum von jemand gelesene Buch Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft von Alexander MITSCHERLICH mit lesbischen Paaren in Verbindung bringt, während homosexuelle Paare ausgeblendet werden. Und nicht zuletzt wird der Optimierungswahn von Frauen wie Nicole ABÉ gegeißelt:

"Wie bei allen Optimierungsprozessen (...) wird Abfall entstehen, wie es schon jetzt das Schicksal zahlloser per IVF befruchteter Eizellen ist. Man wird sich daran gewöhnen, doch ist und bleibt es ein krimineller Akt."

Dabei sind sich GREINER und ABÉ in ihren anderen Ansichten weit ähnlicher als die selektive Lesart von GREINER dies (nicht nur bei ABÉ) Glauben machen will.

 
   

AHR, Nadine & Christiane HAWRANEK (2014): Die gespendeten Kinder.
Dossier: Embryonen, die nach einer künstlichen Befruchtung nicht mehr gebraucht werden, lagern teils jahrzehntelang auf Eis, werden vernichtet - oder an kinderlose Paare vermittelt. In Deutschland ist die Methode neu. In den USA gibt es längst Teenager, die erzählen können, wie ein Leben mit zwei leiblichen Müttern ist,
in: Die ZEIT Nr.40
v. 25.09.

Das Dossier von AHR & HAWRANEK stellt die Geschichte zweier ungewollt kinderloser Paare in den Mittelpunkt und transportiert damit das  Gedankengut der christlichen Rechte, denn "Embryonenadoption" ist kein technologisches Verfahren der Reproduktionsmedizin, sondern ein wertender Begriff für die Embryonenspende, der eine ganz bestimmte Sicht auf Embryonen darstellt:

"»Für unsere Paare sind es nicht einfach Zellen», sagt er. »Sondern kleine Kinder.«",

zitieren die Autorinnen den Hans-Peter EIDEN, Geschäftsführer des Netzwerks Embryonenspende. Statt über diese Ideologie aufzuklären, wird das Thema Eizellspende mehr oder weniger einseitig aus der Sicht der religiösen Rechte behandelt. Wie aber stellt sich das Problem für die Embryonenspenderin dar?

"Von den Ärzten wurde sie zwar über die gesundheitlichen Risiken ihrer Behandlung aufgeklärt, aber dass nach einer künstlichen Befruchtung Embryonen übrig bleiben könnten, sagte ihr niemand. Jetzt hat sie drei Kinder und zwei mögliche auf Eis. Auf dem Küchentisch liegt die Halbjahresrechnung fürs Einfrieren: 148,75 Euro. (...). Ihr Arzt hat ihr jetzt vorgeschlagen ihre Embryonen anderen Paaren zu spenden. Geld würde (sie)(...) dafür nicht bekommen. Aber vielleicht ein gutes Gefühl?"

beschreiben die Autorinnen die "Geschäftsgrundlage", die zum Handel mit Embryonen in Deutschland führt. Während in Deutschland dieser Handel erst seit letztem Jahr betrieben wird, ist die Embryonenspende in den USA bereits seit 17 Jahren eine gängige Praxis. "Embryonenadoption" ist dort das Geschäftsfeld der religiösen Rechte.

Am Ende der Reportage steht der Reproduktionstourismus nach Tschechien:

"Die Embryonen sind in der Regel nicht bei einer künstlichen Befruchtung übrig geblieben. Sie werden aus einer Samen- und Eizellspende kreiert. Sie werden gemacht nach den Vorstellungen der Kunden (...).
Die Frauen, sie ihre Eizellen spenden, sind jung, die Männer, die ihr Sperma geben, potent. Die Chance, ein Kind zu bekommen, sei dadurch um 30 Prozent höher als bei den verwaisten Embryonen aus Deutschland, werben die Mediziner."

 
   

SPIEWAK, Martin (2014): Verbotene Liebe.
Inzest-Verbot: Der Ethikrat empfiehlt, den Inzest-Paragrafen zu liberalisieren. Gibt es keine dringlicheren Probleme?
in: Die ZEIT Nr.40
v. 25.09.

Der Ethikrat solle sich lieber mit Abtreibung und Eizellspende beschäftigten, kritisiert Martin SPIEWAK.

 
   

ROHRBECK, Felix (2014): Sie hassen die Provinz.
Wo sie hinziehen, explodieren die Mieten. Wenn sie wegziehen verrotten die Häuser: Immer mehr Deutsche wollen in den besonders angesagten Städten wohnen. Wie soll das gehen? Und was bedeutet das für die Übrigen?
in: Die ZEIT Nr.40
v. 25.09.

Deutschland schrumpft nicht - entgegen aller Prognosen. Nun stürzen sich die Ursachenforscher auf die Polarisierung zwischen wachsenden und schrumpfenden Städten. Möchte man mit altbekannten Problemen Aufmerksamkeit erregen, dann belegt man sie mit modischen Attributen. War früher der Schmetterling ein solches Symbol, so ist es jetzt der Vogelschwarm: Schwarmstädte machen angeblich den Unterschied zwischen wachsenden und schrumpfenden Städten.

Das Wanderungsverhalten junger Menschen sei entscheidend hat Harald SIMONS von der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur herausgefunden. Dabei wird jedoch nur das innerdeutsche Wanderungsverhalten betrachtet, obwohl Deutschlands Wachstum seit mehreren Jahren entscheidend von der Einwanderung dominiert wird. Von diesen Wanderungen profitieren aber nur Städte im Gegensatz zum Land. Und es profitieren vor allem jene Städte, in denen bereits eine größere ethnische Gruppe existiert. Dazu benötigt man keine Schwarmthese.

Arbeitsplätze machen keinen Unterschied? Aber sicher, doch nicht in der simplen Weise wie uns ROHRBECK erläutert.

"Überall sind junge Menschen abgewandet, vom platten Land und aus Städten wie Duisburg, Remscheid, Salzgitter und Bremerhaven".

Das ist nun wahrlich kein neuer Trend seit dem Jahr 2000, sondern die Probleme altindustrieller Städte im Westen existieren bereits seit den 1970er Jahren.

Neu ist jedoch eine Stadtpolitik, die die Starken stärkt und die Schwachen schwächt. Das ist neoliberale Standortpolitik und kein Schwarmproblem.

Hochschulen und Universitäten können Wachstum und Schrumpfung nicht erklären? Auch das ist nichts Neues, sondern wird durch Eliteuniversitäten im Gegensatz zum Rest noch verstärkt.

Halle an der Saale wird von ROHRBECK als typisch für eine Schwarmstadt vorgestellt. Nur, weil selbsternannte Prognostiker falsch lagen! Das taten sie nicht nur dort, sondern z.B. auch bei Berlin. Überhaupt liegen kleinräumige Bevölkerungsprognosen langfristig gesehen selten richtig.

Also vergesst den Schwarm! Nur weil ein paar Kreative das Privileg haben ihren Arbeitsplatz und die Stadt zu wählen, in der sie leben wollen, gilt das noch lange nicht für die Mehrheit der Bevölkerung. Zumal jene Gruppe von Menschen, die derzeit im Mittelpunkt dieser modischen Theorie steht, die 20-35jährigen, in Zukunft ihre Bedeutung als Trendsetter verlieren wird.

Monokausale Ansätze sind zum Scheitern verurteilt, weil die Situation von Städten aufgrund der vielen verschiedenen Einflussfaktoren zu unterschiedlich sind. Die Debatte um die Reurbanisierung bzw. Renaissance der Städte zeigt diese Vielfalt von Einflussfaktoren auf.        

 
   

MATZIG, Gerhard (2014): Neues Deutschland.
Jedem sein eigenes Haus: Das ist zu einer Art Ideologie geworden. Es gibt gute Gründe für Eigentum. Und dagegen. Ein Besuch in der "Landstadt Gatow", am Rande Berlins,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 22.09.

"Die »Landstadt Gatow«, mit deren Bau vor einigen Jahren auf Initiative des Bundes begonnen wurde, steht vor der Vollendung. Sie kommt gut an.
(...).
Die Landstadt Gatow, eine Neubausiedlung im Bezirk Spandau, zwischen Havel und Heide, bietet Platz für 1200 individuelle Immobilienträume zwischen Schwedenhaus, Bauhaus-Imitat oder Ökokiste",

beschreibt Gerhard MATZIG die Berliner Vorortsiedlung. Den typischen Bewohner beschreibt er als Pendler im Stress ("Stresspegel, der dem von Bomberpiloten nahekommt"). Horst W. OPASCHOWSKI wird als Trendforscher zitiert, der die Unverkäuflichkeit von Einfamilienhäusern an  die Nach-Babyboomer-Generation verkündet hat.

Nebenbei macht MATZIG Werbung für das neue Buch Wohnkomplex - Warum wir andere Häuser brauchen seines Kollegen Niklas MAAK.

Am Ende steht das Ideal von MATZIG: Als Familie mit 6 Kindern in der Innenstadt wohnen. Was aber, wenn das alle wollten? Das wäre dann ganz sicher der neue Albtraum.      

 
   

RIECHELMANN, Cord (2014): Der Körper als Angriff.
Wie der Dichter Michel Houellebecq durch seine Auftritte im Fernsehen die Zuschauer und die ganze Welt verstört,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 21.09.

 
   

SCHIPPER, Lena (2014): Das Geschäft mit den Körpersäften.
Sperma, Muttermilch und Blut sind heute Waren, die für viel Geld gehandelt werden,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 21.09.

 
   

ENKE, Julia (2014): Als Theorie die Droge war.
Der Historiker Ulrich Raulff über die wilden Siebziger und den Zeichnsturm der Gegenwart,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 21.09.

 
   
taz-Tagesthema: Familie 2014.
Wir leben in einer Gesellschaft der Angst - und machen die Familie zum Bollwerk

KEMPKENS, Sebastian & Stefan REINECKE (2014): Jetzt bloß keinen Fehler machen.
Paradies: Nie war die Gesellschaft freier. Nie gab es mehr Möglichkeiten, sich selbst zu verwirklichen. Aber das macht viele Menschen nicht glücklich. Es verängstigt sie,
in:
TAZ v. 20.09.

Du bist was Du liest! KEMPKENS & REINECKE haben die Thesen von Heinz BUDEs Buch Gesellschaft der Angst mit Namensschablonen und passenden Biographien illustriert. Die Geschichte beginnt mit Maria Roth, die dann mitten im Text Julia Roth genannt wird, weil Schablonen austauschbar sind und sich die Autoren im "Irrgarten der Möglichkeiten" eines Textes verirrt haben.

"Manche Wissenschaftler und Journalisten stört, dass er sehr elastisch Diagnosen liefert, die in den Zeitgeist passen."

Das ist fast der einzige kritische Satz zum neubürgerlichen Säulenheiligen der taz. Die andere mögliche Kritik lassen die Autoren BUDE gleich selbst verneinen:

"Könnte es sein, dass Heinz Bude seine Nachbarschaft mit dem Rest der Republik verwechselt? Nein, sagt er."

Nach den Beschreibungen der Autoren leben wir in einer Gesellschaft ohne äußere Zwänge ("Irrgarten der Möglichkeiten"), in der nur noch innere Zwänge existieren:

"Aber etwas Besonderes aus sich zu machen, kann von einer Möglichkeit zu einem inneren Zwang werden".

Es ist wohl eher die Selbststilisierung eines privilegierten Milieus. Eine elitäre Art der Selbstheiligsprechung, die Heinz BUDE und seine Jünger betreiben. Den Hintergrund der Erfolgsgesellschaft hat der Soziologe Sighard NECKEL bereits im letzten Jahrzehnt beschrieben. Erfolg ist nicht das Ergebnis von Leistung, zeigt NECKEL auf - ein Aspekt, der in dem Artikel von KEMPKENS & REINECKE ausgeblendet wird. Thesenschablonen haben eben mit der Wirklichkeit wenig zu tun. Und Irrtum ist höchstens das Problem, die falschen Bücher und Zeitungen zu lesen, die falschen Menschen zu kennen und den falschen Alltag zu haben. Unsere Elite ist - im Gegensatz zur Nicht-Elite - eine homogene Masse, hat Jürgen KAUBE deshalb in der FAZ geschrieben.

Man könnte das Buch von BUDE und den Artikel von KEMPKENS & REINECKE aber auch als selbsterfüllende Prophezeiung lesen: In den 1980er Jahren wurde das Phantom der Single-Gesellschaft erfunden, ein Konstrukt, das einerseits der Phantasie von Nicht-Singles entsprungen ist und andererseits einem Ideal der radikalen Frauenbewegung der 1970er Jahre. 20 Jahre später wird dieses Phantom nun wieder beerdigt (nicht nur von Heinz BUDE):

"»Dating«, sagt Bude, »ist die hysterische Form der Bewältigung der Angst, alleine zu bleiben.« Demnach sind Apps wie Tinder und sinkende Scheidungsraten zwei Seiten derselben Medaille."

Man ist was man liest. Die Single-Gesellschaft gab es nie. Sie ist eine Lüge aus amtlicher Statistik, Projektionen von Nicht-Singles mit ihren Ängsten und Sehnsüchten und einer "Frauenbewegung", die eine Allianz mit dem Neoliberalismus eingegangen ist. Nur in diesem Sinne leben wir in einer Gesellschaft der Angst.

Und wer wie BUDE als Sahnhäubchen auf dem Zeitgeist schwimmt, der muss muss keine Angst haben, den nächsten Zeitgeist zu verpassen. Oder mit Peter SLOTERDIJK gesprochen: er kann es sich auf den Schultern der Geistreichen alias Mr. Zeitgeist bequem machen.  

 
   

GÜRGEN, Malene (2014): "Kritik an modernen Lebensentwürfen".
Protest: Am Samstag veranstalten Abtreibungsgegner den "Marsch für das Leben". Autor Ulli Jentsch über die Sprengkraft dieser Bewegung auch jenseits der Abtreibungsfrage,
in:
TAZ Berlin v. 20.09.

 
       
 

[ zum Seitenanfang ]

Zu den News vom 01. - 19. September 2014
 

   
  • Rezensionen zum Single-Dasein finden sie hier

 
 
   

Bitte beachten Sie:
single-dasein.de ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten

 
 
  [Suche] [ Homepage ]
 
   
© 2000-2014
Bernd Kittlaus
[email protected] Stand: 20. November 2014