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News vom
10. - 16. November 2013
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Zitat
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Willensstarke Introvertierte als neue Helden, Schüchterne als
tragische Figuren
Die "Populärwissenschaft hat die Schüchternheit als erfolgreiches Thema
entdeckt - und zwar nicht mehr nur im
klassischen Ratgeberformat, das Schüchterne Techniken lehrt, die
nächste Party oder den Betriebsausflug zu überleben. Vielmehr findet nun
eine Neucodierung von Schüchternheit als soziale und ökonomische
Qualität statt. Ein besonders gutes Beispiel dafür ist Susan Cains (...)
Bestseller Quiet; in Deutschland mag man an
Florian Werners literarische Verteidigung der Schüchternheit denken.
(...).
Der Schüchterne ist nun nicht nur ein potentieller und leidender
Künstler, sondern er gilt in vielen Fällen sogar als der bessere
Unternehmer, Manager und Erfinder. (...). Diese Heroisierung des
Introvertierten geht allerdings mit einer recht problematischen
Aufspaltung zwischen dem Introvertierten und dem Schüchternen einher:
Der nun hochgeschätzte Introvertierte verzichtet aus eigenem Willen auf
soziale Geselligkeit, während der Schüchterne von sozialer Angst
getrieben und nicht mehr Herr seines Gemeinschaftswillen ist. Nur der
willensstarke Introvertierte taugt zum Helden; der Schüchterne dagegen
wird einmal mehr zur tragischen Figur, möchte er doch am
Gemeinschaftsleben teilhaben, wird aber von seinen Ängsten davon
abgehalten."
(Urs
Stäheli "Die Angst vor der Gemeinschaft" im Merkur, Oktober 2013,
S.937f.) |
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BILD
(2013): Weniger Rente für Kinderlose?
Wirtschafts-Experten diskutieren,
in:
Bild
v. 16.11.
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Single-Feind
Hans-Werner SINN hat sein
Pamphlet aus dem Jahre 2003 ein wenig aufgefrischt, um die
Rente nach Kinderzahl wieder ins Gespräch zu bringen.
Dabei wird
verschwiegen, dass das Niveau der Kinderlosigkeit 2003 um 40 %
höher angesetzt wurde, als sie tatsächlich ist.
Hintergrund ist der
Ausstieg der Arbeitgeber aus der Verantwortung für die
Alterssicherung, der seit dem Jahr 2001 durch die
Teilprivatisierung der Altersvorsorge forciert wird. Ziel der
Rentendebatten seit den 1990er Jahren ist es die Bevölkerung
gegeneinander auszuspielen, um davon abzulenken, dass die
Profitinteressen von Arbeitgebern und Finanzbranche gesteigert
werden.
Dabei wird mit statistischen Taschenspielertricks die Lage
schlecht geredet, wie der Statistiker Gerd BOSBACH
eindrucksvoll zeigt.
Der Vorstoß von SINN zielt
in erster Linie darauf ab, die Profite der Finanzbranche durch
die Abzocke von Kinderlosen zu steigern.
Man schreckt -
wie das Beispiel Pflegeversicherung zeigt - dabei nicht einmal
davor zurück schwer behinderte Kinderlose abzuzocken.
Die Rente nach Kinderzahl
wird keineswegs zur Sicherheit der gesetzlichen Rente
beitragen, sondern im Gegenteil die soziale Ungleichheit
weiter verschärfen. Das Problem der späteren Familiengründung
und unfreiwilliger Kinderlosigkeit fängt bereits mit der
mangelnden Vereinbarkeit von Beruf und Partnerschaft
sowie mit den
ungleichen Chancen auf dem Partnermarkt an.
Kinderlosigkeit hat also
weniger mit der gesetzlichen Rente als Versicherung gegen
Kinderlosigkeit zu tun (SINN interessiert sowieso nur die
Profite der Finanzbranche), sondern ist größtenteils ein
Resultat der Märkte (vom Arbeits- bis zum Partnermarkt) und
der
Agenda-Politik. |
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UNSLEBER, Steffi
(2013): Die Grenze des Wohlstands.
Besitz: Bei Mindestlohn oder Rente
geht es auch um die Frage, wo Armut anfängt. Aber hängt das Gefühl,
arm zu sein, wirklich nur von Geld ab? Vier Begegnungen,
in:
TAZ
v. 16.11.
Steffi UNSLEBER schreibt
angesichts zunehmender sozialer Ungleichheit
eine Liebeserklärung an ihre Oma:
"Irgendwann
habe ich an eine Frau gedacht, die ich nie in einem Artikel
über Armut vermutet hätte, schon gar nicht, dass diese Frau
das ärmste Beispiel darin werden würde: meine Oma.
Sie bekommt 539 Euro im Monat, eine kleine Landwirtschafts-
und Witwenrente. Trotzdem ist immer sie diejenige, die
anderen Geld gibt. (...).
Meine Oma wohnt in dem Haus, das sie gebaut hat. Sie zahlt
keine Miete. Sie hat einen Garten, der sie ernährt. Hühner,
die so viele Eier legen, dass sie mir jedes Mal, wenn ich
sie besuche, eine Schachtel mitgibt."
Modell Deutschland à la
taz? Oder nicht eher Sozialromantik in
Zeiten der neuen Klassengesellschaft? |
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LUIG, Judith (2013): Mein Kind lebt nur in mir.
Kinder mit der Krankheit Trisomie 18
sind nicht lebensfähig. Die Geschichte einer Mutter,
in:
Welt
v. 16.11.
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WACKWITZ, Stephan
(2013): Hass auf die Massen.
Was bleibt von Huxleys "Schöne neue
Welt"? Zum 50. Todestag des Autors gibt es eine Neuübersetzung. Eine
Wiederbegegnung,
in:
Welt
v. 16.11.
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Stephan WACKWITZ,
einst K-Gruppen-Angehöriger, danach zu Mode &
Verzweifelung konvertiert und mittlerweile Verteidiger des
"demokratischen Massenkonsums", beschäftigt sich mit Aldous
HUXLEYs Utopie bzw. Dystopie (je nach Lesart)
Schöne neue Welt. Er wirft dem Autor elitäre
Massenverachtung vor, die zwar vom kalifornischen Way of Life
profitierte, ihn zugleich aber geißelte. Es stellt sich jedoch
die Frage, inwiefern WACKWITZ nicht eine Geisteshaltung
vertritt, die lediglich ein modernes Update dessen ist, was
HUXLEY zu seiner Zeit angetrieben hat.
Ist die Gleichsetzung des
Massenkonsums mit Demokratie in Zeiten der neuen
Klassengesellschaft, in der Individualisierung für immer mehr
Menschen nicht mehr Verheißung ist, sondern eine
Klassengrenze zwischen jenen, die integriert und jenen, die
ausgeschlossen sind, markiert, noch fortschrittlich oder
schon reaktionär?
Kommt heutzutage also
elitäre Massenverachtung nicht im Gewande einer scheinbar
demokratischen Verteidigung des Konsumkapitalismus daher?
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SCHLEUTKER, Elina
(2013): Fertilität, Familienpolitik und Wohlfahrtsregime,
in:
Comparative Population Studies
Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft
v. 14.11.
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BRÜCKEN, Timo
(2013): Victorias Kampf gegen die falschen Liebhaber.
Im Internet verliebte sich Victoria
S. in einen Mann. Doch sie fand heraus: Er ist nicht echt. Sie hat
eine Website gegründet, die helfen soll, andere vor dem gleichen
Schicksal zu bewahren,
in:
Stern Online
v. 13.11.
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Gleich zwei deutsche
Artikel haben sich kürzlich mit dem "Catfish"-Phänomen,
benannt nach einem
Film aus dem Jahr 2010, befasst.
In der
Zeitschrift Neon erzählt Tin FISCHER die Geschichte
einer Frau, die sich in eine Frau verliebt, die sich als Mann
ausgibt.
Viktoria hat ihre Geschichte im Juni 2013 online gestellt,
und damit die Presseberichte über das "Catfish"-Phänomen,
z.B. von Violetta SIMON in der SZ, ins Rollen gebracht.
Im November hat Viktoria auf ihrem Blog weitere Infos zu
ihrem Fall und Hintergründe zur Neon-Story
veröffentlicht.
Malte WELDING schildert
im
SZ-Magazin einen Möchtegern-Schauspieler, der sich in
eine Sekretärin verliebt, die auf High Society macht. Während
WELDING das Phänomen mit dem populären Begriff Narzissmus
belegt, vergleicht FISCHER das Phänomen der "Catfishes" mit
dem so genannten "Love Scamming". Während es bei Letzterem um
Geld geht, wollen Erstere "Aufmerksamkeit, emotionale Energie,
das Gefühl der Kontrolle".
Das Web bietet zwar
vielfältige Möglichkeiten für ein Spiel mit Identitäten,
nichtsdestotrotz kann man relativ leicht zwischen echten und
falschen Identitäten unterscheiden. Wenn jemand andauernd
Ausreden erfindet, um ohne Bild zu chatten oder zu
skypen oder offline-Treffen mehr als einmal platzen lässt, bei
dem ist Vorsicht geboten.
Wem es ernst ist mit der Online-Liebe, der sollte
online-Beziehungen möglichst rasch offline treffen. Das
bewahrt vor mancher Enttäuschung.
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FÜSSLER, Claudia
(2013): Vater, Vater, Kind.
Beziehungsweisen (9) -
Regenbogenfamilien: Groß waren die Befürchtungen, als die ersten
lesbischen und schwulen Paare anfingen, Kinder aufzuziehen.
Mittlerweile zeigt sich: Die können das mindestens so gut wie
heterosexuelle Eltern,
in:
Süddeutsche Zeitung
v. 13.11.
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WROHLICH, Katharina u.a.
(2013): Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch eine neue
Lohnersatzleistung bei Familienarbeitszeit,
in:
DIW-Wochenbericht Nr.46
v. 13.11.
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GRABKA, Markus M. & Jan GOEBEL
(2013): Rückgang der Einkommensungleichheit stockt,
in:
DIW-Wochenbericht Nr.46
v. 13.11.
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HECKMANN, Dirk-Oliver (2013): "Es fehlt Geld für die Pflege".
SPD-Gesundheitspolitiker Lauterbach
fordert Erhöhung des Pflegebeitrags,
in:
DeutschlandRadio
v. 12.11.
"Zum einen ist es so, dass
die Zahl derjenigen, die gepflegt werden müssen, ab 2020
sprunghaft ansteigen wird. Das ist dann der Fall, wenn die
Babyboomer-Generation erstmalig auch pflegebedürftig
wird. Dann werden wir jedes Jahr mehr Pflegebedürftige
haben. Gleichzeitig sinkt natürlich die Zahl der jungen
Menschen, die pflegen können,
weil die
Kinderlosigkeit der letzten Jahrzehnte dann voll
durchschlägt. Und zum Dritten kommt dazu, dass viele
Familien, die bisher untereinander sich geholfen haben, wo
sozusagen Familienangehörige mit gepflegt haben, demnächst
das nicht mehr tun werden, weil es schlicht und ergreifend
diese Familienstruktur nicht mehr gibt. Die Menschen leben
allein und haben dann auch im Alter nicht mehr die
Familienmitglieder zur Verfügung, die helfen können",
behauptet Karl LAUTERBACH.
Es gibt jedoch zur Zeit keinerlei Daten zur
Bevölkerungsentwicklung, die auf dem aktuellen Stand der
Volkszählung wäre, weshalb LAUTERBACH auch keine konkreten
Zahlen nennt, sondern mit Angaben im Vagen bleibt.
Mitte der 1990er
veröffentlichte der Soziologe Stefan HRADIL das Buch Die "Single"-Gesellschaft.
Darin prognostizierte er einen Zuwachs an Pflegebedürftigen
aufgrund der Zunahme von Singles.
Die tatsächliche Entwicklung des Pflegebedarfs zeigt, dass die
damaligen Berechnungen überhöht waren.
Diejenigen, die Prognosen
für die Zukunft vorlegen, sollten an ihren Prognosen in der
Vergangenheit gemessen werden. Dann gäbe es viel weniger
Missbrauch in Politik und Wissenschaft. Das wäre auch Aufgabe
von Medien, die der Aufklärung verpflichtet sind. Doch
kritischer Journalismus in den Print-Medien war gestern. |
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Das Single-Dasein in Japan
MÜHLBAUER, Peter
(2013): "Zölibatssyndrom" in Japan.
Bei Unter-40-Jährigen sinkt nicht
nur das Interesse an Beziehungen, sondern auch an Casual Sex,
in:
Telepolis
v. 11.11.
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Die
Pressekonferenz
"Geburtentrends und Familiensituation in Deutschland" in den
Medien
NIENHAUS, Lisa
(2013): Der kinderlose Mann.
Das Statistische Bundesamt hat
herausgefunden, wer schuld daran ist, dass die Deutschen so wenig
Nachwuchs bekommen: die Frauen. Was da schiefgelaufen ist? Vor allem,
dass Männer in der Statistik keine Erwähnung finden,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
v. 10.11.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom 01. -
09. November 2013
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