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News vom
08. - 16. August 2014
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Zitat
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Plädoyer für eine demografiekritische Offensive
"Angesichts des Anspruchs
einer expansiven und kohärenten staatlichen Demografiepolitik
kann die
postkatastrophistische Wende (...) nicht als Relativierung
oder Abmilderung analysiert werden. Vielmehr scheint es hier um
eine Phase zu gehen, innerhalb derer bestimmte diskursive
Weichen bereits gestellt sind und der Kampf um Hegemonie bereits
so erfolgreich verlaufen zu sein scheint, dass Dramatisierungen
nicht mehr nötig sind. Schließlich wird die aktuelle
Demografiepolitik derzeit kaum von einer gewerkschaftlichen und
noch weniger von einer linken oder feministischen Kritik
angegriffen. Wenn es Gegenwind gibt, dann eher von einer Szene
demografischer Experten wie etwa dem Hardliner
Herwig Birg oder
dem
Leiter des Berlin-Instituts Reiner Klingholz, die weiterhin
den
demografischen Katastrophismus bedienen. (...).
Statt auf einer
individualisierenden Ebene des besten Biographiemanagements
mitzudiskutieren, ist es zentral, in der Debatte um
Familienpolitik auf einer staatskritischen Perspektive zu
beharren, die genau diese Zuweisung der Sphäre der Reproduktion
in einen privaten, individuellen und geschlechterpolitischen
Rahmen innerhalb der biopolitischen Anordnung selbst in Frage
stellt - und somit auch die Unterordnung dieser Sphäre unter die
Maxime der Humankapitalverwaltung."
(Susanne Schultz
"Familienpolitik
und »demografische Chance«"
in der Zeitschrift Prokla, Nr.173, Dezember, S.558f.) |
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FARKAS, Christoph
(2014): Guten Morgen, Limbach-Oberfrohna!
Bleiben ist ein Abenteuer,
in:
TAZ v. 16.08.
"Für die Identität und Zukunft
ihrer Heimat sind Bleibende - und Zurückkommende - unverzichtbar.
Wer bleibt, glaubt an sein Zuhause, glaubt daran, etwas ändern oder
erhalten zu können. (...).
In den darbenden Städten des Ruhrpotts und des Ostens sind die
Bleibenden heute gefordert, die Ruinen und die Langeweile mit
Leben zu füllen. Ihren
Städten die ramponierten Visagen zu hübschen; Oberhausen,
Magdeburg, Duisburg oder Rostock auch für andere bleibenswert zu
gestalten, wo die Politik hilflos ist. (...).
Diese Bleibenden stellen sich den Umständen, die den andern oft ein
Grund sind, zu gehen, um nicht zu sagen: zu flüchten. Wer bleibt,
ist mutig. Die Bedingungen für Selbsterkenntnis, Reifung,
Menschwerdung sind für die Bleibenden wie für die Reisenden
mindestens ebenbürtig", meint Christoph FARKAS.
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SCHOON, Andi
(2014): Lob der Vereinzelung.
Subversion: Die postdramatische
Figur könnte noch einmal brauchbar werden - abseits der Bühne,
in:
TAZ v. 16.08.
"Die symbolische Spielart des
Kapitalismus erfordert Flexibilität und die Fähigkeit, sich selbst
permanent neu zu erfinden. Jede Bewerbung bedeutet den Entwurf
einer dem Anlass entsprechenden Figur. Man verkauft sich immer
wieder anders, hebt bestimmte Facetten hervor, denkt sich etwas
aus. Das ist zunächst einmal eine erzwungene Handlung. Doch gerade
in der Unechtheit des Vorgangs verbirgt sich subversives Potenzial
- umso mehr, je unüberschaubarer die Verhältnisse sind.
Die künstliche Verwandlung erscheint als probate Taktik aufgrund
der Defizite anderer Protestformen. Subversion ist ein Ding der
Unmöglichkeit geworden, denn böse Mächte haben sie in einen
produktiven Standortfaktor verzaubert. Seither läuft das klare
Bekenntnis stets Gefahr, umgehend mit einem Preisschild versehen
zu werden. Je radikaler das Zeichen, desto kraftvoller dessen
Verwertung", meint Andi SCHOON.
Sind Künstler aber das neue
revolutionäre Subjekt wie manche phantasieren oder nur die
Avantgarde des neuen flexiblen Kapitalismus? SCHOON sieht die
Radical Chics von der Wirklichkeit eingeholt:
"»Kill all artists« habe ich im
vergangenen Sommer an den Mauern von Venedig gelesen. Und als die
Guggenheim-Foundation vor zwei Jahren in Kreuzberg einen
Urbanismus-Workshop plante, wurde sie von der alteingesessenen
Kiez-Belegschaft unter Androhung roher Gewalt vertrieben. Denn die
Benachteiligten aller Länder haben inzwischen begriffen:
Wenn der künstlerisch-akademische Jet-Set einfliegt, kostet der
Kaffee danach das Doppelte."
In der "heroischen" Vereinzelung
sieht er deshalb einen Ausweg aus diesem Dilemma.
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Andreas Bernard -
Die Leihmutterschaft als fragwürdigste Variante der
Reproduktionstechnologien
MÜHL, Melanie
(2014): Das Internet als Hassgenerator.
Der kleine Gammy ist das derzeit
berühmteste Baby der Welt. Seine Geschichte verrät viel über die
Empörungsmaschinerie im Netz. Und sie zeigt einmal mehr, wie leicht
Existenzen zerstört werden können,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15.08.
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Andreas Bernard -
Die Leihmutterschaft als fragwürdigste Variante der
Reproduktionstechnologien
VOUGLOUKAS, Janis
(2014): Bestellt. Und nicht abgeholt.
Eine Leihmutter gebiert Zwillinge,
doch die Eltern nehmen nur eins der Kinder. Der Fall rührt die Welt
- und wirft verstörende Fragen auf,
in:
Stern Nr.34 v. 14.08.
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WÜLLENWEBER, Walter
(2014): Wir sind nicht so gut, wie viele glauben.
WM gewonnen, Arbeitslosigkeit fast
halbiert, Haushalt saniert. Die Welt feiert Deutschland. Soll das so
bleiben, brauchen wir eine Agenda 2030,
in:
Stern Nr.34 v. 14.08.
Vor einigen Monaten käuten die neoliberalen Streber der ersten Reihe
in
FAS
und
Wirtschaftswoche
die Optimismus-Schelte vor, nun käut der neoliberale Musterschüler
Walter WÜLLENWEBER das Ganze für die Stern-Leser wieder.
Anfang des Jahrtausends nahmen diese Streber das Credo von
Deutschland als krankem Mann Europas des neoliberalen Flagschiffs
The Economist dankbar zum Anlass die
Agenda 2010 durchzupeitschen. Nun ist man weniger glücklich
darüber, dass Deutschland im Ausland als Vorbild gilt. Die
Anhänger des neoliberalen Demographismus haben schließlich den
Abbau des Sozialstaats auf ihre Fahnen geschrieben. Solange Reste
davon noch existieren, muss jeglicher Optimismus bekämpft werden.
Das neue Zauberwort heißt Agenda 2030. Wie vergesslich ist also die
Bevölkerung? Es ist also dringend notwendig für
eine demografiekritische Offensive...
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Byung-Chul Han - Psychopolitik
BISKY, Jens (2014): Kapitalismuskritik als Betrug.
Wenn Smartphones die Folterkammer
ersetzen, wird Idiotismus zur Praxis der Freiheit: Warum Byung-Chul
Hans Essay über den Neoliberalismus ein Ärgernis ist,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 14.08.
"Was als Kritik des Neoliberalismus verkauft werden
soll, ist von der ersten bis zur letzten Seite die
pseudokritische Neuformulierung neoliberaler Propaganda",
kritisiert Jens BISKY. Ihm fehlt im Buch die
Darstellung des Ineinandergreifens von Verheißung und Versagung
bzw. von Freiheitsgewinn und neuem Zwang, was jedoch den
Wohlfühlfaktor des Buches stören würde.
Erstaunlich ist lediglich, dass
man in der SZ kaum etwas über dieses Ineinandergreifen
liest, das auf dieser Website und auf single-generation.de
z.B. als Kritik an der
Individualisierung als Integrationsmodus formuliert wurde,
während die neuen Zwänge ausgeblendet werden. Auch anhand der
Demografisierung gesellschaftlicher Probleme lassen sich die
Ausblendungen solcher Pseudokritik aufzeigen.
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Andreas Bernard -
Die Eizellspenderin und die Ausdehnung der Mutterschaft über die
Menopause hinaus
DJERASSI, Carl (2014): Unbefleckt.
Frauen werden immer älter, ehe sie
schwanger werden. Der Ausweg ist Fortpflanzung ohne
Geschlechtsverkehr, meint der Erfinder der Antibabypille,
in:
Welt v. 13.08.
"Seit den letzten Jahrzehnten
unterteilt sich die Welt in geriatrische (zum Beispiel Japan und
Europa mit etwa 20 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre und
durchschnittlich 1,5 Kinder/Familie), die sich jetzt mit
Empfängnis befassen und pädiatrische Gemeinschaften (Afrika mit
etwa 50 Prozent unter 15 Jahren und 4 6 Kinder/Familie), wo
Empfängnisverhütung das vorherrschende Problem ist.
Da zur Erhaltung des demografischen Status quo 2,1 Kinder pro
Familie erforderlich sind, lautet das allzu vereinfachende
Rezept der geriatrischen Länder, mehr Kinder zu bekommen. Wie
dramatisch sich unsere Gesellschaften verändert haben, zeigt eine
Zahl: Seit Einführung von IVF wurden ungefähr fünf Millionen
Kinder ohne vorher bedingten Geschlechtsverkehr geboren. Diese
Zahl wird noch steigen", meint Carl DJERASSI.
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GROSSARTH, Jan
(2014): Die Herkunft wird entscheidend,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.08.
Die Herkunft wird entscheidend?
Die Herkunft ist bereits länger entscheidend wie
Michael HARTMANN nachgewiesen hat. Angesichts des Buches
Someone has to fail des US-amerikanischen Bildungsforscher David
LABAREE spricht GROSSARTH von einem Trend in der (neubürgerlichen)
Mittelschicht zu "Sonderschulen" wie z.B. den Waldorfschulen. Der
Soziologe Heinz BUDE hat dies als
Bildungspanik bezeichnet.
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GERMIS, Carsten
(2014): Woran Karrieren japanischer Frauen scheitern.
Regierungschef Abe will Frauen den
Weg zu besseren Karrierechancen öffnen, doch er findet dabei nur wenig
Verbündete,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.08.
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PANTEL, Nadia (2014):
Karrierebaustein Familie.
SZ-Ranking-Serie (2) - Soziale
Firmen: Deutsche Unternehmen lassen sich einiges einfallen, damit die
Mitarbeiter möglichst viele zeitlichen Freiheiten haben. Dabei geht es
längst nicht mehr nur um Kindererziehung, sondern auch um die Pflege
von Angehörigen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 12.08.
AHLEMEIER, Melanie (2014):
"Es ändert sich wenig bis nichts".
Wenn Rollenerwartungen weibliche
Karriere verhindern,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 12.08.
EDEKA-Frauen steht im Artikel für
die Verunglimpfung von Verkäuferinnen, als "Ende der
Karriere"-Frauen, ansonsten
typischer postfeministischer Mainstream à la F-Klasse, z.B. dass
die
Partnerwahl für die (Frauen)karriere wichtig sei.
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GRÄBER, Berrit (2014):
Sparbüchse Rentenkasse.
Die staatliche Altersvorsorge als
Geldanlage erlebt eine Renaissance: Freiwillig einzahlen statt privat
absichern? Was lange verpönt war, kann sich jetzt rechnen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 12.08.
Im neoliberalen Wirtschaftsteil
der SZ, der die private Altersvorsorge mit Hilfe von
angeblicher Generationengerechtigkeit propagiert hat und hohe
Renditen versprochen hat, verkündet nun die 180-Grad-Wende:
"Vor ein paar Jahren galt es
noch völlig absurd, freiwillig Geld in die gesetzliche
Rentenversicherung zu stecken. Heute ist das anders. In Zeiten von
Minizinsen und mageren Renditen, in denen keiner mehr weiß, wohin
mit dem Ersparten, scheinen viele Bürger ihr Zutrauen in die
Rentenkassen wiederentdeckt zu haben (...).
Selbst nach Ansicht der kritischen Experten von der Stiftung
Warentest, ist die 125 Jahre alte Rentenkasse besser als ihr Ruf -
und momentan zumindest konkurrenzfähig, wenn nicht sogar oft
rentabler als private Rentenangebote."
Die Rentenkasse könnte heute
wesentlich rentabler sein, wenn die SZ bei ihrer Demontage nicht
kräftig mitgeholfen hätte!
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SPIEGEL-Titelgeschichte:
Liebe auf Rezept.
Ewig frisch verliebt: Wie neue Medikamente unsere Gefühle
steuern |
BETHGE, Philip/BREDOW, Rafaela von/HÖFLINGER, Laura (2014):
Immer jauchzend, nie betrübt.
Biologie: Wissenschaftler haben die
Biochemie der Liebe bis zum letzten Hormontröpfchen vermessen. Nun
sind jene Schaltkreise, die Lust, Eheglück oder Herzschmerz
bereiten, bestens bekannt. Was läge näher, als in sie einzugreifen?
Wollen wir sie: die Liebespille,
in:
Der Spiegel Nr.33 v. 11.08.
Der Spiegel befasst sich
mit der Biochemie der Liebe und zitiert die Forscher Larry YOUNG
und Helen FISHER. Im Mittelpunkt steht eine ethische Kontroverse,
die durch die Auswahl der Experten (Michael HAUSKELLER und Julian
SAVULESCU) bereits vorentschieden ist:
"Wie kann der Mensch besser
werden, als die Natur ihn geschaffen hat? Darf er das - oder
soll er sogar? Hat der Mensch eine moralische Pflicht, besser zu
lieben?"
Die Kontroverse wird auf die
Frage reduziert: Pille oder Therapie? Ist die Medizin also unsere
neue Religion, wie der Spiegel nahe legt, wenn es heißt:
"Früher war es die Religion,
die die ewige Liebe einforderte. Künftig wäre es die Medizin,
die verkündet: Wir kommen fehlerhaft auf die Welt. Unsere
Mängel, auch die im Gefühlsrepertoire, zu beheben ist unsere
Pflicht."
Das erinnert doch sehr an die
Debatte um die Reproduktionsmedizin in den 1980er Jahren.
Damals galt ungewollte Kinderlosigkeit noch als Schicksal,
mittlerweile gilt jegliche Kinderlosigkeit jenseits
biologisch-medizinischer Gründe als gewollt.
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FOCUS-Titelgeschichte:
So bleibt die Ehe glücklich.
Die wichtigsten Regeln für eine gute Beziehung |
GÖTTING, Markus/HARTMANN-WOLF, Elke/REINHARD,
Jennifer/RUZAS, Stefan (2014):
So hält die Liebe.
Partnerschaft ist harte Arbeit. Aber
sie lohnt sich. Experten erklären die goldenen Regeln für eine
glückliche Beziehung - die auch schwere Krisen überstehen kann,
in:
Der Focus Nr.33 v. 11.08.
"In Deutschland werden missratene
Ehen,
wie gerade erst das Statistische Bundesamt meldete, im Schnitt
nach 14 Jahren und acht Monaten geschieden",
verrät der Spiegel in
seiner aktuellen Titelgeschichte, während Focus das breiter
auswalzt:
"Unsere Lebenswelt ist komplex
geworden. Rollenmuster brechen auf, alles dreht sich schneller,
die alte Verlässlichkeit ist passé. Auch deshalb scheitert jede
dritte Ehe: weil die Partner ihre Beziehungsarbeit nicht bewältigt
bekommen. In Großstädten wird sogar jede zweite Ehe geschieden.
Jedes Jahr gibt es in Deutschland fast 200 000 Scheidungen."
Dass die Zahl um 5 Prozent sank
passt nicht so recht ins Drehbuch. Und schon gar nicht, dass die
meisten Ehen erst mit dem Tod geschieden werden, stattdessen heißt
es dem Tenor der Erzählung folgend:
"Ein Viertel aller Paare wird
nicht durch den Tod geschieden, sondern nach spätestens zehn
Jahren vom Familienrichter.
Diese Zahlen stammen nicht aus
der Pressemeldung des Statistischen Bundesamtes, denn dort hieß es
dagegen:
"Die durchschnittliche Dauer
der im Jahr 2013 geschiedenen Ehen betrug 14 Jahre und 8 Monate.
Somit setzte sich der Trend der vergangenen Jahre zu einer
längeren Ehedauer bis zur Scheidung weiter fort. Vor 20 Jahren
also im Jahr 1993 hatte die durchschnittliche Dauer der
geschiedenen Ehen noch bei 11 Jahren und 7 Monaten gelegen."
Weil Ehen länger halten, müssen
Experten her: Scheidungsanwälte und Psychotherapeuten, deren
Geschäft Scheidungen bzw. Ehekrisen sind.
Der US-amerikanische Psychologe
John GOTTMAN, dessen aktuelles Buch Die Vermessung der Liebe heißt,
wird dem Focus-Leser als Papst der Paartherapie verkauft. In
einem Kasten wird die Zweierbeziehung als gesündeste Lebensform
angepriesen:
"Generell gilt, dass Menschen,
die in einer Zweierbeziehung leben, gesünder sind als Singles,
Geschiedene und Verwitwete."
Dies ist natürlich in dieser Form
blanker Unsinn. Da viel mehr Menschen in Beziehungen leben, können
sie zwar im Durchschnitt gesünder sein, aber dieser Durchschnitt
lässt die Heterogenität der Partnerschaften außer Acht, d.h. eine
schlechte Ehe kann wesentlich ungesünder sein als das Single-Dasein.
Der Soziologe Jürgen LINK spricht in diesem Zusammenhang von
Normalismus. Eine Aneinanderreihung von Fakten, bei der nicht
einmal ansatzweise klar ist, welche Personen miteinander verglichen
wurden, ist keine Information, sondern bereits die Wertung.
Wieviel Sex braucht eine
Beziehung? Hier kann sich jeder die Antwort aussuchen, die ihm
gefällt: "So viel beide Partner mögen" (Anne-Marlene HENNING),
Umfrageergebnisse spiegeln nur die soziale Erwünschtheit wieder bis
zu: "Schlechter (...) Sex ist (...) besser als gar kein Sex" (Andrea
BRÄU). Der Sexualforscher Ulrich CLEMENT wird zu Affären und Untreu
zitiert und Peter WENDL zur Fernbeziehung. Die Familiengründung als
Problem, die in den letzten Jahren die sozialpolitische Agenda
beherrschte, darf da natürlich auch nicht fehlen.
Fazit: Nichts Überraschendes,
sondern typisches Sommerlochthema aus der Konserve.
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GEHRING, Ulrike
(2014): Der Kinderreport.
in:
Sendung der ARD v. 11.08.
Der Film rückt einige medialen
Vorurteile zum demografischen Wandel zurecht. Man reibt sich die
Augen: Die Presse von
Süddeutsche Zeitung über
Frankfurter Rundschau bis
Tagesspiegel lobt den Film, obwohl sie selber dazu
beigetragen hat, dass diese Vorurteile überhaupt in Deutschland
existieren.
Es ist gerade einmal ca. 10 Jahre her, dass Deutschlands Presse die
Apokalypse ausrief, z.B. die
Süddeutsche Zeitung.
Wie die Medien der
Zukunftsfähigkeit Deutschlands geschadet haben, das wurde bereits
2006
hier aufgezeigt. Wie die Demografisierung gesellschaftlicher
Probleme gezielt unbegründete Zukunftsangst schürte und welche
fatalen Folgen dies für die Zukunftsfähigkeit hat, ist
hier und
hier nachzulesen.
Was der Kinderreport jetzt
kritisiert, das wurde auf dieser Website seit über einem Jahrzehnt
kritisiert. Wie mit dem demografischen Wandel und
Bevölkerungsvorausberechnungen Politik betrieben wurde, das ist im
Wörterbuch des Sozialpopulismus aus dem Jahr 2004
nachzulesen.
Aber ist der Film wirklich
fortschrittlich oder werden hier nur die Kollateralschäden der
Medienkampagnen der letzten 15 Jahre verschleiert? Die Soziologin
Susanne SCHULTZ fordert eine demografiekritische Offensive, das wäre
mehr als ein Filmchen, in dem zwar einige Vorurteile zurecht gerückt
werden (Bevölkerungsvorausberechnungen sind treffsicher, die Rente
ist unbezahlbar, Schrumpfung ist gleichbedeutend mit Niedergang, der
Geburtenrückgang ist unser Hauptproblem), aber letztendlich diese
Botschaften in der Vielzahl der lediglich angerissenen Themen
untergehen. Weniger wäre auch hier mehr gewesen.
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OBERHUBER, Nadine (2014):
Wenn das Kind nicht ausziehen will.
Junge Erwachsene wohnen heute immer
länger bei ihren Eltern. Gute Gründe gibt es dafür genug. Doch kann
das gutgehen?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.08.
Der Artikel von Nadine OBERHUBER
streift die üblichen Trendvokabeln im Zusammenhang mit
Nesthockern bzw. dem Hotel Mama: von Hikikomori bis
Helikoptereltern und lässt den Entwicklungspsychologen Michael THIEL
und die Psychotherapeutin Christiane WEMPE zu Wort kommen. Im
Zusammenspiel von Geld und Zuwendung wird der Anstieg des
Auszugsalters diskutiert. Die Statistik dazu fasst OBERHUBER
folgendermaßen zusammen:
"Jeder dritte unter
Dreißigjährige wohnt noch bei den Eltern, belegen die Zahlen des
Statistischen Bundesamts. Von den unter Vierundzwanzigjährigen
sind sogar noch rund 70 Prozent Nesthocker. Deutlich nach hinten
verschoben hat sich das Durchschnittsalter, in dem der Nachwuchs
flügge wird, in den vergangenen 20 Jahren. Die heutige Generation
zieht erst drei bis vier Jahre später aus als ihre Vorgänger 1990.
Frauen verlassen traditionell früher das Elternhaus, meist mit 22
Jahren. Männer müssen erst 26 werden, bevor sie mehrheitlich nicht
mehr bei Muttern wohnen."
Beim Nesthockertum interessieren
OBERHUBER vor allem die Studenten und damit die Mietpreiserhöhungen
an den Hochschulstandorten bzw. der Engpass an Wohnungen.
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Andreas Bernard -
Die Leihmutterschaft als fragwürdigste Variante der
Reproduktionstechnologien
ALBRECHT, Jörg (2014):
Mein Bauch gehört nicht mir.
Leihmütter werden bezahlt, um
gesunde Kinder abzuliefern. Aber das Geschäft kann auch schiefgehen.
Hintergründe zu einem aktuellen Fall,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.08.
HEIN, Christoph (2014):
Die Selbstlose gegen die Herzlosen.
Eine thailändische Leihmütter bringt
für ein australisches Paar Zwillinge zur Welt. Die Eltern nehmen nur
eins der Kinder mit. Jetzt redet die ganze Welt über den Fall Gammy,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.08.
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QUINT, Nicole (2014):
Es geht ihr doch gut.
Man schaffte sich neue Schränke an,
Küchengeräte und Radios. In der deutschen Wirtschaftswunderwelt war
der Familie Wohlstand wichtiger als Geborgenheit Die Folge für die
Tochter: seelische Unterernährung. Das Porträt eines Nachkriegskindes,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.08.
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ALBRECHT, Jörg (2014):
Die neue Life-Work-Balance.
Karriere? Nein danke. Junge Menschen
in Deutschland streben immer seltener nach Geld und Macht. Stattdessen
wollen sie privates Glück finden und sich selbst verwirklichen. Wie
soll dieses Berufsleben aussehen? Und was halten die Arbeitgeber
davon?
in:
Welt am Sonntag v. 10.08.
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HEIDENREICH, Ulrike und Wolfgang JANISCH (2014):
Das Klischee vom Zahlvater.
Viele getrennt lebende Männer finden
es ungerecht, dass sie vollen Unterhalt leisten müssen, obwohl sie
sich intensiv um die Betreuung des Kindes kümmern. Doch die
Rechtsprechung hängt am traditionellen Familienbild fest,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 08.08.
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Andreas Bernard -
Die Leihmutterschaft als fragwürdigste Variante der
Reproduktionstechnologien
BUBROWSKI, Helene (2014): Kind auf Bestellung.
Das deutsche Verbot der
Leihmutterschaft wird oft umgangen. Dabei wird aber sowohl gegen die
Menschenwürde des Kindes und der Leihmutter, als auch der
biologischen Eltern verstoßen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.08.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom 01. - 07. August 2014
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