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Medienberichte über single-dasein.de
 
 
 
   

News vom 08. - 30. September 2015

 
 
   
  • Sommerthema: Sind Singles schuld an der Wohnungsnot in Deutschland? - Eine Bibliografie der Debatte
 
 
   

Zitat des Monats:

Warum sammeln Menschen in Deutschland Flaschen?

"Man kann immer mehr Menschen in Deutschland dabei beobachten, wie sie Flaschen sammeln. Sie sind gar nicht mehr von der Straße wegzudenken. Doch warum machen diese Menschen das? Warum sammeln sie gerade Flaschen und gehen keiner lukrativeren Tätigkeit nach? Das Klischee, Flaschensammler wären die armen Leute, die das Geld benötigen, um überhaupt leben zu können, um einigermaßen über die Runden zu kommen, ist in vielen unserer Köpfe verankert. Doch ist dies der einzige Grund, warum Flaschensammler ihre Tätigkeit ausführen, oder gibt es noch andere Motive? Kann es sein, dass das geringe Flaschenpfand Menschen dazu motiviert, tagtäglich nach Flaschen Ausschau zu halten und diese dann mühsam und mit viel Anstrengung zu Supermärkten zu schleppen, um dann im Endeffekt mit vielleicht drei Euro aus der Ladentür zu kommen?"
(Carolin Baderschneider "Die »armen« Flaschensammler. Motive und Glaubwürdigkeit" in "Flaschensammeln. Überleben in der Stadt", herausgegeben von Philipp Catterfeld & Alban Knecht, 2015, S.85)

 
       
       
   
Das BSG-Verfahren zur Berücksichtigung von Unterhaltskosten und Erziehungs- und Betreuungsleistungen für Kinder bei der Bemessung der Beiträge zur Sozialversicherung in der Debatte

ÖCHSNER, Thomas (2015): Darum verdienen Eltern keinen Rentenbonus.
Rente: Es ist notwendig, Familien besser zu unterstützen. Das über die Rentenversicherung zu tun, ist aber der falsche Weg. Er führt sogar zu noch mehr Ungerechtigkeiten,
in: Süddeutsche Zeitung v. 30.09.

SADIGH, Parvin (2015): Keine Strafabgaben für Kinderlose.
Kommentar: Sollten Kinderlose mehr Sozialabgaben zahlen als Eltern? Das Bundessozialgericht sagt Nein. Die Entlastung von ärmeren Familien wäre dennoch angemessen,
in: ZEIT online v. 30.09.

 
   
DESTATIS (2015): Neue Veröffentlichung "25 Jahre Deutsche Einheit",
in: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes v. 29.09.

Um die Publikation 25 Jahre Deutsche Einheit zu lancieren, lud das Statistische Bundesamt heute zur Pressekonferenz. Das Datenmaterial bietet jedoch nur einen Überblick über 22 Jahre Deutsche Einheit, wobei überwiegend nur die Jahre 1991 und 2013 gegenübergestellt werden.

In der Pressemitteilung heißt es zur unterschiedlichen Bevölkerungsentwicklung in Ost und West:

"In den ostdeutschen Flächenländern hatten 2013 rund 12,5 Millionen Menschen ihre Heimat (15 %). Ende 1991 war auf die neuen Länder mit 14,5 Millionen Menschen noch ein Anteil von 18 % der Bevölkerung entfallen.
Der Verlust von etwa 2 Millionen Menschen in den neuen Ländern (ohne Berlin) lag in der Abwanderung nach Westdeutschland und im Geburtendefizit begründet: Bis 2013 zogen mehr Menschen aus dem Osten weg als zuzogen. In den Jahren 2012 (– 14 900 Personen) und 2013 (– 10 500) hat sich der negative Wanderungssaldo jedoch stark verringert und ist 2014 auf den bisher niedrigsten Stand gesunken (– 3 300). Die Zahl der Geburten sank in den neuen Ländern zwischen 1990 und 1994 um mehr als die Hälfte von 163 000 auf 71 000. Danach nahm die Zahl der Neugeborenen jedoch wieder leicht zu und lag seit 2000 bei rund 100 000 Kindern pro Jahr. Diese Entwicklungen führten in Ostdeutschland zu einer schnelleren Alterung der Gesellschaft: 63 % der dortigen Bevölkerung waren 2013 älter als 40 Jahre (1991: 46 %).
In den westlichen Flächenländern nahm die Bevölkerung hingegen um gut 4 % zu – dazu trug die Zuwanderung aus den neuen Ländern und vor allem aus dem Ausland bei."

Weiter wird über das Wohnbauprogramm "Aufbau Ost" berichtet:

"Das Programm »Aufbau Ost«sorgte in den Jahren nach der Vereinigung für einen Boom im Wohnungsbau. Auf dem Höhepunkt des Baubooms in den neuen Bundesländern im Jahr 1997 befand sich mehr als ein Viertel aller in Deutschland fertiggestellten Wohnungen in den ostdeutschen Flächenländern. Insgesamt wurden seit 1991 knapp 8 Millionen neue Wohnungen in Deutschland gebaut – fast zwei Drittel davon in den bevölkerungsreichen Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen."

Dass ab dem Jahr 2001 mit dem Abrissprogramm Ost, euphemistisch "Stadtumbau Ost" genannt, zwischen 2001 und 2011 ca. 300.000 Wohnungen abgerissen wurden, darüber schweigt die Pressemeldung. Annett STEINFÜHRER schreibt dazu in ihrem Artikel "Landflucht" und "sterbende Städte" in der aktuellen Ausgabe der Geographischen Rundschau:

"In Ostdeutschland und im Ostteil Berlins wurden zwischen 2001 und 2011 ca. 300000 Wohnungen abgerissen, davon 92 % mit Stadtumbau-Förderung. Der Rückbau betraf vor allem kommunale und genossenschaftliche Wohnungsbestände. Private Immobilien blieben (...) weitgehend unangetastet". 

 
   

SOJITRAWALLA, Shirin (2015): Heilige Familie, Homo-Ehe.
Ist die Familie als Lebensform passé? In Frankfurt am Main diskutierte man sie als sinnstiftenden Ort und als Terrain, auf dem Seelen Schaden nehmen können,
in: TAZ v. 29.09.

 
   

Das BSG-Verfahren zur Berücksichtigung von Unterhaltskosten und Erziehungs- und Betreuungsleistungen für Kinder bei der Bemessung der Beiträge zur Sozialversicherung in der Debatte

SIEMS, Dorothea (2015): Der Kampf gegen die "doppelte Kinderarmut".
In der Sozialversicherung werden Eltern stark benachteiligt. Jetzt entscheidet das Bundessozialgericht über Entlastungen,
in: Welt kompakt v. 29.09.

Wie absurd die Vorstellungen von Jürgen BOCHERT sind, zeigt das Zitat:

"die Babyjahre bei der Rente werden den Müttern von den eigenen Kindern finanziert und nicht von den Kinderlosen"

Damit soll bestritten werden, dass Kinderlose für die Kindererziehungszeiten in der Rentenversicherung aufkommen. Im Umlagesystem zahlen jedoch immer die gerade Erwerbstätigen für die Rentner - egal ob Eltern oder Kinderlose. Kinder, die z.B. Beamte werden zahlen ebenfalls keine Rentenbeiträge für etwaige Eltern. Seriosität ist eben nicht die Sache von Sozialpopulisten wie BORCHERT.

Man darf davon ausgehen, dass das Rentensystem von heute auf morgen zahlungsunfähig wäre, wenn plötzlich die Kinderlosen nicht mehr einzahlen würden. Da würden BORCHERTs imaginäre Kinder ihren Eltern kein bisschen helfen...

Mit der "Rente nach Kinderzahl" werden Arbeitnehmer gegeneinander ausgespielt, während Arbeitgeber und Nicht-Sozialversicherungspflichtige  bei der "Nachwuchssicherung" außen vor bleiben.

Ein Blick nach China oder andere Staaten mit rigider Geburtenkontrolle zeigt, dass sich Bevölkerungspolitik ganz schnell auch gegen Eltern richten könnte, falls die Staatsraison das für notwendig hält!

 
   
STUTTGARTER ZEITUNG-Tagesthema: Süß. aber teuer.

PICHLER, Roland (2015): Musterklagen mit Sprengkraft.
Familienförderung: Das Bundessozialgericht entscheidet am Mittwoch, ob Familien in den Sozialversicherungen bessergestellt werden. Bislang zahlen Eltern in die meisten Sozialkassen genauso viel ein wie Kinderlose. Die Debatte gewinnt an Fahrt,
in: Stuttgarter Zeitung v. 29.09.

PICHLER, Roland (2015): "Die Leistungen für Familien sind ein Mythos.
Interview: Der frühere Sozialrichter Jürgen Borchert plädiert - wie bei der Steuer - für Kinderfreibeträge in den Sozialkassen,
in: Stuttgarter Zeitung v. 29.09.

 
   

CREUTZBURG, Dietrich (2015): Beitragsrabatte für Arbeitnehmer mit Kindern?
Jetzt entscheidet das Bundessozialgericht über eine Klage einer Familie. Laut einer Studie entlastet ein Kind den Steuer- und Sozialstaat um 50.000 Euro. Dafür wollen die Eltern geringere Sozialbeiträge zahlen. Doch es gibt auch Widerspruch,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.09.

Dietrich CREUTZBURG berichtet - im Gegensatz zu vielen anderen Medien - nicht nur über Position der Kläger und deren Lobby, sondern auch über die Sichtweise von Franz RULAND, dem ehemaligen Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Rentenversicherungsträger:

"Ruland weist (...) darauf hin, dass allein durch die bestehende Mütterrente inzwischen Kindererziehungszeiten mit bis zu 150 Euro Rente im Monat honoriert würden - wofür sonst 33.000 Euro an Beiträgen zu zahlen wären. Es spreche nichts dafür, diese Regelung nun auf der anderen Seite um Beitragsnachlässe zu ergänzen."

RULAND betont die "Nachwuchssicherung" als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, weswegen die Mütterrente auf Kosten der Beitragszahler statt durch Steuerfinanzierung der falsche Weg ist.  

BUTEWEG, Jörg (2015): Drei Freiburger Familien verlangen, dass Sozialkassen umgebaut werden.
Rechtsstreit: Ist es in Ordnung, dass Arbeitnehmer, die Kinder erziehen, genauso viel Beitrag in die Renten- und Krankenversicherung einzahlen wie Kinderlose? Das Bundessozialgericht entscheidet am Mittwoch,
in: Badische Zeitung v. 28.09.

Die Familienförderung in der Debatte

 
   

DESTATIS (2015): In fast jedem dritten Haushalt in Deutschland leben Senioren,
in: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes v. 28.09.

"Im Jahr 2014 lebte in 31 % der 40,2 Millionen Privathaushalte in Deutschland mindestens eine Person ab 65 Jahre. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) zum Internationalen Tag der älteren Menschen am 1. Oktober weiter mitteilt, ist der Anteil der Seniorenhaushalte damit seit der Wiedervereinigung gestiegen: 1991 hatten in lediglich 26 % der Haushalte Menschen ab 65 Jahre gelebt. Das zeigen die Ergebnisse des Mikrozensus, der größten jährlichen Haushaltsbefragung in Deutschland.
Im Bundesländervergleich gibt es bei der Häufigkeit von Seniorenhaushalten erhebliche Unterschiede: Im Saarland war der Anteil im Jahr 2014 mit 35 % am höchsten; in den Stadtstaaten Berlin und Hamburg lag der Anteil dagegen am niedrigsten (jeweils 25 %).
In 9,9 Millionen der insgesamt 12,3 Millionen Seniorenhaushalte (81 %) wohnten 2014 ausschließlich Personen ab 65 Jahre. In weiteren 2,4 Millionen Haushalten (rund 19 %) lebten sowohl Personen im Seniorenalter als auch Jüngere unter einem Dach zusammen.
Die Haushalte mit älteren Menschen sind im Durchschnitt deutlich kleiner als die Haushalte, in denen es keine Seniorinnen und Senioren gibt. So lebten 2014 in reinen Seniorenhaushalten durchschnittlich 1,43 Personen, dagegen wohnten in den Haushalten ohne ältere Menschen im Schnitt 2,17 Personen. Die durchschnittliche Haushaltsgröße aller 40,2 Millionen Privathaushalte in Deutschland betrug 2,01 Personen", meldet das Statistische Bundesamt.

 
   

SCHLOEMER, Hans (2015): Das Albtraumschiff.
Katzentische, Doppelkabinen und Preisaufschläge sorgen dafür, dass sich Alleinreisende mit Kreuzfahrten immer noch schwertun,
in: Welt v. 26.09.

 
   

SCHLAFFER, Hannelore (2015): Brandzeichen auf Mädchenhaut.
Seit Coco Chanel nach 1910 den Minimalismus in die Damenmode eingeführt hat, ist die Entwicklung zu Unisex unaufhaltsam. Auch der jüngste Trend zum weiblichen Tattoo ist der Männerwelt entliehen,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 25.09.

"Die Herkunft des weiblichen Stils aus der Männermode wird unübersehbar im 20. Jahrhundert. Was anderes wären Hose, Hosenanzug, Turnschuh, ja selbst der flache Bauch als ein Zitat. Die Revolution leitete Coco Chanel nach 1910 ein. Sie ist (nach ein paar am Hof beschäftigten Schneiderinnen) die erste Frau, die Mode kreiert. Mit Hemdbluse, Hose, Bubikragen und Bubikopf machte sie die Frau zur Knäbin. Seitdem war die Entwicklung zu Unisex, zur Nivellierung der geschlechtlichen Markierung unaufhaltsam",

schreibt Hannelore SCHLAFFER und übernimmt damit eine typisch männliche Sicht auf die "Neue Frau". Im Kapitel Vom Bubikopf zum Gretchenzopf: Ledig gebliebene Frauen in der Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus beschreibt Katrin BAUMGARTEN in ihrem Buch Hagestolz und Alte Jungfer wie die "Neue Frau" aus männlicher Sicht zum Gespött wurde:

"Die spitzen Bleistifte der männlichen Spötter, die auch in der Weimarer Republik in diesem Metier dominierten, verwandelten durch einfache Überzeichnung das »Leitbild« der »Neuen Frau« zu einem »Schreckensbild«. Die revolutionäre Kleider- und Frisurenmode, die den Frauen ein maskulineres Erscheinungsbild verlieh, ließ sich leicht als Aufhänger nutzen, um das altbekannte Vorurteil von der »Vermännlichung« der emanzipierten Frau fortzuschreiben. (...). Schon um 1910 finden sich erste Ansätze für den Typus der »Neuen Frau«, der durch Kopplung mit dem Altjungfern-Stereotyp ins Lächerliche gezogen wird". (1997, S.211)

Es dürfte auch keineswegs ein Zufall sein, dass um 1910 das Aussterben der Deutschen infolge des Geburtenrückgangs zum Thema wurde. Während bis dahin die Alterspyramide scheinbar noch heil war, trug sie in dieser Sicht bereits den Keim des Untergangs namens Geburtenrückgang in sich. Inzwischen hat die Debatte um den demografischen Wandel eine derartige Hysterie entwickelt, dass selbst eine in den letzten Jahren ständig wachsende Bevölkerung und ein Anstieg der Geburtenzahlen als nicht ausreichend angesehen wird, um den Niedergang Deutschlands aufzuhalten. So titelte die Zeitschrift Cicero gerade: Die große Illusion.

Wird es angesichts dieses "Pathos der Verschlechterung" nicht Zeit, die Illusionen der Rede vom demografischen Wandel genauer unter die Lupe zu nehmen? Das Thema der Stunde müsste die Demografisierung gesellschaftlicher Probleme sein, aber hier herrscht lediglich Schweigen!

 
   

NIEJAHR, Elisabeth (2015): Fünf Ideen gegen Sozialneid.
Wie Deutschland Verteilungskämpfe zwischen Flüchtlinge und Einheimischen vermeiden kann,
in: Die ZEIT Nr.39 v. 24.09.

"Sozialleistungen sollten darauf überprüft werden, ob sie der Verhetzung dienen könnten",

fordert Elisabeth NIEJAHR. Als Beispiel nennt sie das Kindergeld. Oder anders ausgedrückt: Das Elterngeld, das Erfolg statt Leistung belohnt, und die Ungleichheit vergrößert gilt als unproblematisch.

Was NIEJAHR verschweigt: Verhetzung richtet sich nicht gegen Einwanderer, sondern kann sich gegen jedweden Bürger richten, je nach geplanter politischer Reform. Letztlich würde nur der völlige Wegfall des Sozialstaats im Sinne eines  "Umverteilungsstaates" vor Verhetzung schützen! Die entscheidende Frage jedoch, wer die Macht besitzt zu bestimmen, was "ungerechte" Verteilung ist, bleibt bei dieser sozialpopulistischen Forderung von NIEJAHR außen vor.

 
   

DESTATIS (2015): 81,2 Millionen Einwohner am Jahresende 2014 – Bevölkerungszunahme durch hohe Zuwanderung,
in: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes v. 24.09.

"Im Jahr 2014 nahm nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) die Bevölkerungszahl Deutschlands im Vergleich zum Vorjahr um 430 000 Personen (+ 0,5 %) zu und lag am Jahresende bei 81,2 Millionen Einwohnern. Dies ist der höchste Bevölkerungszuwachs seit 1992, der damals mit + 700 000 Personen deutlich höher gewesen war. 2013 hatte es einen Anstieg von 244 000 Personen (+ 0,3 %) gegeben", meldet das Statistische Bundesamt.

 
   

KULLMANN, Katja (2015): Diese jungen Dinger.
Stilbildend: Die Altersgruppe der 35- bis 50-Jährigen verbindet ein gemeinsames popkulturelles Wissen. Es prägt die Art, wie sie die Welt sehen – und hat damit die Republik verändert,
in: Freitag Nr.39 v. 24.09.

 
   

CHARIM, Isolde (2015): Pathos der Verschlechterung.
Die linke Kritik hat sich in einem Dilemma verrannt: Entweder Hyperkritik oder Miserabilismus, lautet heute die Alternative,
in: TAZ v. 22.09.

Isolde CHARIM bemüht das Buch Der wunde Punkt von Thomas EDLINGER, um die linke Identitätspolitik zu kritisieren. Das ist so sinnvoll wie einen Toten zu verprügeln. Vor 15 Jahren wäre so etwas noch sensationell gewesen. Spätestens seit dem Buch Tyrannei der Lust von Jean-Claude GUILLEBAUD ist diese Art von Kritik Mainstream. In der taz wurde das Unbehagen an der Differenz spätestens mit dem Artikel Eine harte Lehre für metropolitane Kulturlinke: Gleichheit, nicht Differenz ist das Problemfeld der Stunde des Lifestyle-Linken Robert MISIK salonfähig.

Das Pathos der Verschlechterung ist längst eine Domäne der Neuen Mitte. Das Politikfeld dieser Identitätspolitik par Excellence ist der demografische Wandel. Nur über die Demografisierung gesellschaftlicher Probleme schweigt die Linke. Etwa wegen Miserabilismus oder Hyperkritik? Wohl kaum! Solange die Linke mit dem Verprügeln von Toten beschäftigt ist, wird man aus dieser Ecke kaum neue Impulse erwarten dürfen.

 
   

ZAHN, Mathilde von (2015): Warum du als Single ein besserer Mensch bist,
in: vice.com v. 21.09.

 
   

VOELPEL, Sven (2015): Im Wettlauf: Digitalisierung versus Demografie.
Manche können den Ruhestand gar nicht erwarten, wieder andere wollen auf keinen Fall schon mit 67 Jahren aus dem Arbeitsleben ausscheiden. Das zeigt: Es ist mehr Flexibilität für den Ruhestand gefragt. Doch schade - bei dem Thema wird momentan nur nach oben geschaut,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 20.09.

Angeblich gibt es zukünftig einen Fachkräftemangel. Der Ökonom Sven VOELPEL prognostiziert in der PR-Beilage Demografie im Dialog der FAS aufgrund von Produktivitätszuwächsen durch die Digitalisierung einen wesentlich geringeren Arbeitskräftebedarf für die Zukunft:

"2040 (werden) nur 20 Millionen erwerbstätige Menschen benötigt, um die gleiche Anzahl an Produkten herzustellen oder Dienstleistungen anzubieten wie heute. Von 30 Millionen Erwerbstätigen, die prognostiziert sind, hätten 10 Millionen demnach keinen Arbeitsplatz."

 
   

MAAK, Niklas (2015): Wie wir leben werden.
Nicht nur für Flüchtlinge müssen Hunderttausende von Wohnungen gebaut werden - was die Städte verändern wird. Wie werden die neuen Häuser, die neuen Familien, die neue Gesellschaft aussehen?
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 20.09.

"Die Aufteilung einer Gesellschaft in »Singles« und »Kleinfamilien« und die entsprechende Förderung von nur zwei Wohntypologien ist eine normative Setzung, die ihren Ursprung in den Anforderungen der modernen Industriegesellschaft hat. Wie könnte man Häuser so bauen, dass wieder sowohl Klein- als auch Großfamilien, Singles in großfamilienartigen Verbänden, die Oma, die geschiedene Freundin mit Kind, in ihnen wohnen können?" fragt Niklas MAAK, dem das vormoderne "Ganze Haus" (erweiterte Familie) als Normalfall des zukünftigen Wohnens (wohl ohne die Implikationen dieses Wohntyps in der Vergangenheit) vorschwebt. Angesichts zunehmender Mobilitätszwänge erscheint das Wohnmodell der erweiterten Familie eher ein Lebensmodell für die kreative Elite als für Otto Normalverbraucher zu sein. Dazu passt auch MAAKs "Vision" der zukünftigen Gesellschaft viel besser, denn:

"Die Mehrheit der Deutschen wird in Zukunft in finanziell eher ungesicherten Verhältnissen leben und sich ein Einfamilienhaus in der Vorstadt oder auch nur eine große Eigentumswohnung in der Stadt schlicht nicht mehr leisten können."

 
   

LEGGEWIE, Claus (2015): Von der Bedeutung politischer Kategorien.
Politik: Der Soziologe Armin Nassehi möchte in seinem jüngsten Werk "Die letzte Stunde der Wahrheit" erklären, "warum rechts und links keine Alternativen mehr sind". Ein empfehlenswertes Buch, gerade weil es sich erfolgreich selbst widerlegt,
in: Frankfurter Rundschau v. 17.09.

 
   

GESTERKAMP, Thomas (2015): "Papa-Bashing sorgt für Lacher".
Interview: Viele Väter werden von gluckenden Müttern oder sturen Chefs ausgebremst, sagt die Autorin Barbara Streidl,
in: Freitag Nr.38 v. 17.09.

 
   

LEINKAUF, Maxi (2015): Öfter mal abgeben.
Familie: Wenn Oma in der Nähe ist, hält die Beziehung länger, sagt eine neue Studie aus den USA,
in: Freitag Nr.38 v. 17.09.

"Kann auch eine Erzieherin die Rolle der Oma übernehmen? Vor allem sollte das Kind eine konstante Bindung zu einer dritten Person entwickeln. Das kann auch eine Leihoma sein. Ältere, die ehrenamtlich Familienhilfe anbieten, gibt es mittlerweile in vielen Städten", berichtet Maxi LEINKAUF.

 
   

KULLMANN, Katja (2015): Bringdienste bringen’s nicht.
Die Konsumentin: Lebensmittel liefern lassen, statt selbst einzukaufen? Danke, nein. So viel Zeit hat doch kein Mensch. Umweltfreundlich ist es auch nicht gerade,
in: Freitag Nr.38 v. 17.09.

Passend zur gerade von der Zeitschrift Neon entdeckten Generation Butler, kritisiert Katja KULLMANN Bringdienste.

 
   

PANY, Thomas (2015): Versäumnisse beim sozialen Wohnungsbau.
Die Politik hat jahrzehntelang die Einkommensstärkeren begünstigt. Mit der Flüchtlingskrise zeigen sich die Konsequenzen aus dieser Gewichtung,
in: Telepolis v. 16.09.

 
   

SPECHT, Jule (2015): Psychologie des hohen Lebensalters.
Der aktuelle Forschungsstand,
in: Aus Politik und Zeitgeschichte Nr.38-39 v. 14.09.

Jule SPECHT hält sich erst gar nicht mit der Frage auf, ob 80-Jährige im Jahr 2060 überhaupt noch als Hochbetagte anzusehen sind. Wenn die Lebenserwartung bis dahin tatsächlich um 6-7 Jahre steigen würde, dann müsste sich auch die Altersgrenze für Hochbetagte z.B. Richtung 85-Jährige verschieben. Der Statistiker Gerd BOSBACH hat das als Vermischung von statischer und dynamischer Sichtweise kritisiert.

GREBE, Heinrich (2015): "Ein gewisser Zustand des Glücks".
Wie Hochbetagte um sich selbst Sorge tragen,
in: Aus Politik und Zeitgeschichte Nr.38-39 v. 14.09.

SHIMADA, Shingo (2015): Das vierte Lebensalter in Japan.
Kulturelle und gesellschaftliche Rahmenbedingungen,
in: Aus Politik und Zeitgeschichte Nr.38-39 v. 14.09.

Mittlerweile ist "allgemein bekannt, dass die japanische Gesellschaft mit demselben Problem konfrontiert ist, ja, dass ihr Problem angesichts der rasanten Entwicklung sogar wesentlich verschärft ist. Japan wird als »Testfeld für eine neue, bislang völlig unbekannte Gesellschaft« bezeichnet. Und es stellt sich die pragmatische Frage, was man von den Versuchen auf diesem experimentellen Feld lernen kann. Die Autoren Rainer Klingholz und Gabriele Vogt beantworten sie negativ, was mir etwas leichtfertig und einfach erscheint. Zwar mag diese Einschätzung auf den ersten Blick nachvollziehbar sein, weil die japanische Gesellschaft, wie später gezeigt wird, auf der sozialpolitisch-institutionellen Ebene auf diese tief greifende Veränderung nicht gut vorbereitet ist. Doch wenn man den Blick auf die grundsätzlichen theoretischen Probleme der gesellschaftlichen Fürsorge allgemein richtet, gibt es eine Fülle von Anregungen, die man den japanischen Erfahrungen entnehmen kann. Zumal Deutschland und Japan mit derselben Herausforderung konfrontiert sind: Wie kann man die steigende Zahl pflegebedürftiger alter Menschen so lange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung leben lassen, und wie kann man ein menschenwürdiges Sterben ermöglichen?", meint Shingo SHIMADA.

"Der Anstieg der Alterslasten ist in Deutschland - was so manchen überraschen dürfte - weitaus geringer als in Industrieländern, die noch in den 1940er und 1950er Jahren hohe Geburtenraten aufwiesen und deren Baby-Boom nun gewaltige Probleme aufwirft. Ausgerechnet die USA, bekanntlich mit einer bestandserhaltenden Geburtenrate gesegnet, und - weniger überraschend - Japan, werden bereits weitaus früher und wesentlich heftiger vom Altersbeben betroffen sein. Wie diese beiden Länder den demografischen Wandel bewältigen werden, das wird auch die deutsche Debatte in den nächsten Jahren stark beeinflussen",

hieß es dazu bereits vor 8 Jahren auf der Website single-generation.de.

 
   

Rabenmütter in der Debatte

MAYER, Susanne (2015): Armes Mutti.
Das Elend der Alleinerziehenden wird beklagt – das habe der Feminismus nicht gewollt. Na: Ein bisschen doch!
in: Die ZEIT Nr.37 v. 10.09.

"Rabenmutter! Das Wort meiner Jugend, es waren die fünfziger Jahre (...). Kümmert sich nicht um ihre Kinder. Arbeitet die? Hat sie womöglich »Fremdbetreuer?« Dann hatte »Rabenmutter« plötzlich einen neuen Sound, (...). Es waren die wilden achtziger Jahre. (...). Rabenmutter sein wurde ein Lifestyle. Alleinerziehend wurde später die Steigerung von Rabenmutter – Geburtstag ohne Kinder, und sogar ohne Mann!
Daran musste ich denken, als ich letzte Woche in der Süddeutschen Zeitung den wütenden Artikel von Susan Vahabzadeh las", meint Susanne MAYER.

 
   

DESTATIS (2015): 30 % der Bevölkerung mit Migrationshintergrund haben Abitur,
in: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes v. 08.09.

 
       
 

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