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Medienrundschau:
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News vom
01. - 14. Juli 2015
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Sommerthema:
Sind Singles schuld an der Wohnungsnot in Deutschland? - Eine
Bibliografie der Debatte
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Zitat
des Monats:
Das Internet hilft Asexuellen beim Austausch über ihre sexuelle
Orientierung
"Laut einer Studie von SimiliarWeb von 2014, spielten sich 12,5
Prozent des gesamten Internettraffics in Deutschland auf
Sex-Seiten ab. Da erscheint es fast unglaublich, dass es Menschen
gibt, denen Sex egal ist, die gar kein Verlangen danach verspüren.
Wer dermaßen anders ist, als der Rest der Welt, schreit das nicht
gerade laut in sie hinein. Erst dank verschiedener Plattformen im
Internet haben
Asexuelle anfangen können, sich über ihre sexuelle
Orientierung auszutauschen und die dummen Sprüche, die damit
einher gehen."
(Katrin Gottschalk
"Liebe ohne Sex",
Frankfurter Rundschau v. 03.06.2015) |
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ÜBERALL, Frank
(2015): Sugardaddys für den Journalismus.
Die prekäre Lage freier Journalisten wird von PR-Strategen
ausgenutzt. Eine dänische Dating-Website ist besonders dreist,
in:
taz.de v.
14.07.
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WIENS, Bernhard (2015): Das Temporäre frisst seine Kinder.
Stadt ist, was auch anders gemacht werden kann. Testfall Berlin,
in:
Telepolis v.
14.07.
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BECKMANN, Klaus J.
(2015): Freiburgs Boom mit Wachstumsschmerzen war absehbar.
BZ-Serie Wohnungsmarkt (7): Kommunalforscher Klaus J. Beckmann zur
Bevölkerungsentwicklung. Zwischen Problemnegierung und
Problemhysterie,
in: Badische Zeitung v.
13.07.
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RASCHE, Uta
(2015): Warum Frauen unbedingt einen Beruf wollen,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v.
12.07.
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WAGNER, Gerald
(2015): An Zeitverträge gewöhnt man sich nicht.
Beim Thema Erwerbsarbeit kann von mangelndem Bindungswillen der
Deutschen keine Rede sein,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v.
12.07.
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SCHRÖDER, Catalina
(2015): Risiko Pendeln.
Zur Urlaubszeit bewältigen viele Menschen weite Strecken, um ans
Reiseziel zu gelangen. Für rund 17 Millionen Deutsche gehören lange
Wege aber zum Alltag: Sie pendeln zur Arbeit, täglich oder
wöchentlich, immer weitere Entfernungen. Damit gefährden sie ihre
Gesundheit,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v.
12.07.
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MUßGNUG, Tabea
(2015): Das Jetzt ist eine Wartehalle. Ich kann mir für mich alles
oder nichts vorstellen, und eigentlich will ich es gar nicht so genau
wissen.
Zuerst kam die Uni, dann die Promotion. Jetzt habe ich einen
Lebenslauf wie zu viele andere. War da was?
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v.
12.07.
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SIEDENBIEDEL, Christian (2015): Die große Umverteilung.
Die Zinsen sind niedrig wie nie. Das trifft arme und reiche Sparer.
Aber wer leidet am meisten?
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v.
12.07.
Christian
SIEDENBIEDEL nimmt eine Berechnung des Ifo-Instituts, deren
Entstehungsdatum ungenannt bleibt und die einen hohen Verlust aus
dem Zinsniveau im Vergleich zu 2007 ergibt, zum Anlass, um zu
fragen, wer verliert und wer gewinnt. Klar sei, dass Schuldner
Gewinner seinen und Sparer die Verlierer. SIEDENBIEDEL teilt die
Vermögenden in Deutschland in 4 Gruppen ein, die er weniger am
Vermögen als an der typischen Form der Anlagenstreuung festmacht.
Danach nennt er drei Studien
(DIW, Allianz, IW), die zu unterschiedlichen Aussagen zu Gewinnern
und Verlierern kommen. Das DIW, dessen Experte Markus GRABKA genannt
wird, sieht genauso wie die Allianz die Mittelschicht als Verlierer.
Das DIW weist darauf hin, dass junge Familien, die ein Haus gekauft
haben profitieren, während Ältere, die weniger Schulden haben und
mehr sparen, verloren haben.
Zuletzt wird die Entwicklung der
Mittelschicht anhand des DIW erläutert. Drei Phasen unterscheidet
GRABKA: Schrumpfung 2000 bis 2007, kurze Erholung und danach
Stagnation. SIEDENBIEDEL fasst dies so zusammen, dass für die
Mittelschicht die Einkommensentwicklung entscheidender sei als die
Zinsentwicklung.
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SEIDL, Claudius
(2015): Jahre mit Rainald Goetz.
Über einen Schriftsteller, der uns nicht in Ruhe lässt,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v.
12.07.
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TELGHEDER, M. & M. SCHRÖDER
(2015): Kinderwunsch auf Eis gelegt.
Social Freezing: Erstmals bietet eine deutsche Firma Rundum-Service
für das Einfrieren von Eizellen an,
in:
Handelsblatt v.
10.07.
WEDDELING, Britta & Astrid DÖRNER
(2015): Familienplanung à la Facebook.
Silicon Valley: Tech-Konzerne sind Vorreiter der Technik,
in:
Handelsblatt v.
10.07.
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STUTTGARTER
ZEITUNG-Tagesthema: Der Wandel wird sichtbar.
Bevölkerungsentwicklung: Eine neue Studie zeigt, dass die Deutschen
immer älter werden. Bis 2030 verdoppelt sich die Zahl der über
80-Jährigen. Das hat Konsequenzen
Die Presse veröffentlicht heute
wieder unreflektiert Zahlen der privaten, neoliberalen
Bertelsmann-Stiftung, die dem Wegweiser Kommune entnommen wurden.
Mehr zur Fragwürdigkeit dieses Wegweisers
hier.
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KÄFER, Armin
(2015): Der Südwesten wächst und wird älter.
Gesellschaft: Der demografische Wandel ist in vollem Gang. Die Kluft
zwischen Stadt und Land wird größer, die Vergreisung wächst rasant -
das zeigt eine Studie zur Bevölkerungsentwicklung. Die
Herausforderungen an die Politik sind enorm,
in: Stuttgarter Zeitung v. 09.07.
Armin KÄFER kann offenbar nicht
einmal richtig abschreiben! In der
Pressemeldung der privaten, neoliberalen Bertelsmann-Stiftung
heißt es:
"In den kommenden 15 Jahren
steigt die Zahl der Hochbetagten über 80 Jahre bundesweit um
47,2 Prozent auf über 6,3 Millionen."
Wäre dies eine Verdopplung,
dann dürften heute nur 3,15 Millionen über 80-Jährige in
Deutschland leben. Das Statistische Bundesamt meldete
jedoch zur Veröffentlichung der 13. Bevölkerungsvorausberechnung
am 28. April
diesen Jahres:
"Im Jahr 2013 lebten 4,4
Millionen 80-Jährige und Ältere in Deutschland. Ihre Anzahl wird
2060 mit insgesamt 9 Millionen etwa doppelt so hoch sein wie
heute."
Eine Verdopplung der über
80-Jährigen steht uns erst in 45 und nicht bereits in 15 Jahren
bevor - vorausgesetzt die jetzige Entwicklung würde 45 Jahre
anhalten, was jedoch an moderne Kaffeesatzleserei grenzt.
Unsere Presse leidet eindeutig
am Vergreisungssyndrom, denn wer sich Deutschland ständig als
Greisenstaat vorstellen muss, der fantasiert sich die Zahlen auch
entsprechend zurecht...
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KÄFER, Armin
(2015): Deutschland zieht um.
Prognose: Landflucht und Vergreisung, Wir erleben den demografischen
Wandel live,
in: Stuttgarter Zeitung v. 09.07.
BORSTEL, Stefan von (2015): Städte wachsen, das Land blutet aus.
Bevölkerung wird bis 2030 schrumpfen und altern. Der Niedergang
trifft nicht alle gleich. Berlin, Hamburg und München ziehen immer
mehr Junge an, andere Regionen vergreisen,
in: Welt v. 09.07.
KOSTRZEWA, Anne
(2015): Nur die Alten bleiben.
Bis 2030 wird die Landbevölkerung in Deutschland stark schrumpfen.
Berlin wird voll sein - und München jung,
in: Süddeutsche Zeitung v. 09.07.
Auch
die SZ, die gerne eine "Qualitätszeitung" wäre, meldet
fälschlicherweise eine Verdoppelung der 80-Jährigen bis 2030.
KOSTRZEWA, Anne
(2015): Provinz: Arm, und nicht sexy.
Kommentar,
in: Süddeutsche Zeitung v. 09.07.
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RIEVELER, Hans-Dieter
(2015): Paradies für Reiche - Hölle für Arme.
Firmenerben zahlen in Deutschland kaum Erbschaftsteuer. Bei kleinen
Erbschaften langt der Staat aber kräftig zu, wenn der Erblasser auch
nur kurzzeitig Sozialleistungen bezogen hat,
in:
Telepolis v. 08.07.
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SCHELLER, Henrik
(2015): Der "erschöpfte Föderalstaat".
Reformdebatte und Verfassungsrealität in Deutschland,
in: Aus Politik und
Zeitgeschichte Nr.28-30 v. 06.07.
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KNIPPHALS, Dirk
(2015): Kreativ sein wollen müssen.
Schriftsteller: Die Trapezkünstler des Kreativitätsparadigmas: Über
das Jungsein und Erwachsenwerden im Literaturbetrieb,
in:
TAZ v. 04.07.
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ZITTY-Titelgeschichte:
Können wir den Mietenwahnsinn stoppen?
Die ausverkaufte Stadt |
WURM, Philipp
(2015): Überteuert und ungerecht.
Explodierende Mietpreise belasten die Berliner und verändern die
Kieze. Jetzt wollen Aktivisten ein Bürgerbegehren starten - und der
Senat ruft das große Baufieber aus. Report aus einem Krisengebiet,
das endlich Hilfe erhalten soll,
in:
zitty v. 02.07.
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EISMANN, Sonja
(2015): Vom Technonihilismus zum Xenofeminismus?
Als vor Kurzem das xenofeministische Manifest des Kollektivs Laboria
Cuboniks im Internet erschien, sorgte es für großes Aufsehen. Nun
widmet sich der Merve-Verlag dem neuesten Theorie-Hype,
in: Jungle World
Nr.27 v. 02.07.
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SCHEDIWY, Dagmar
(2015): "Der Status quo ist unglaublich sexistisch".
Im Juni stellte die britische feministische Bloggerin und Autorin
Laurie Penny in Deutschland ihr von Anne Emmert aus dem Englischen
übersetztes Buch »Unsagbare Dinge. Sex, Lügen und Revolution« vor,
erschienen in der Edition Nautilus. Mit der Jungle World sprach Penny
über Feminismus, Geschlechterrollen, die romantische Liebe und
sexistische Kontrollmechanismen,
in: Jungle World
Nr.27 v. 02.07.
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MOHR, Christina
(2015): "Glam war ein Türöffner".
New York zwischen Glam und Punk: Der Fotograf und Musiker Paul Zone
gibt in »Playground« Einblick in seine Jugend,
in: Jungle World
Nr.27 v. 02.07.
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EMMA-Schwerpunkt:
Regretting Motherhood
GÖBEL, Esther
(2015): Regretting Motherhood.
So lautete ein Hashtag, der über Wochen die Gemüter bewegte. Doch das
Ganze war eigentlich ein Missverständnis,
in:
Emma, Juli/August
BAUM, Antonia
(2015): Die deutsche Mutter ist heilig.
Es hilft einer verzweifelten Mutter, die aus dem Fenster springen
würde, wenn sie nicht gerade ihrem Kind einen Muffin backen müsste,
wenig, wenn man sie an die kenternden Flüchtlinge erinnert,
in:
Emma, Juli/August
Nachdruck des Artikels Die
Mutterschaft ist heilig in der Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung.
SCHWARZER, Alice
(2015): Warum ich kein Kind habe.
Diesen, hier leicht gekürzten, Text veröffentlichte Alice Schwarzer
1977 in Emma (da war sie 34). Sie erzählt, wie selbstverständlich es
ihr schien, Mutter zu werden - und warum sie sich dann doch letztlich
dagegen entschieden hat. "Ich habe", sagt sie heute, "diese
Entscheidung nie eine Sekunde bereut". Und übrigens: "Hätte ich ein
Kind, gäbe es Emma nicht. Denn das ist klar: Dieser Wahnsinn - vor
allem in den ersten Jahren - das wäre unvereinbar gewesen mit der
Mutterschaft. Und da es viele Kinder gibt, aber nur eine Emma...",
in:
Emma, Juli/August
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TERKESSIDIS, Mark
(2015): Streit macht glücklich.
Das popkulturelle Umfeld, in dem Spex und Popjournalismus heute
agieren, ist ein völlig anderes als zur Zeit der Gründung der
Zeitschrift. Wie relevant kann Musik heute überhaupt noch sein, wie
relevant ist die Kritik an ihr - und wie könnte eine solche Kritik
aussehen? Eine Überlegung,
in: Spex
Nr.362, Juli/August
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MÜLLER, Wolfgang (2015): Geniale Dilletanten.
Der Geist, aus dem Spex entstand,
in: Spex
Nr.362, Juli/August
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GRETHER, Kerstin (2015): Der Vogel muss aus dem Ei.
Clara Drechsler wollte ihr Hühnersuppe kochen, Diedrich Diederichsens
Sexbeat half bei der Selbstbehauptung in der Kleinstadtschule: In
der Adoleszenz unserer Autorin nahm Spex eine ähnliche Rolle ein wie
jener
Demian aus Hermann Hesses gleichnamigem Roman. Eine literarische
Rückbesinnung,
in: Spex
Nr.362, Juli/August
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LINTZEL, Aram (2015): Die Last der Geschichte.
Erkennt Vinyl als Statussymbol grossstädtischer Neobiedermeierspiesser,
in: Spex
Nr.362, Juli/August
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SCHUMACHER, Eckhard
(2015): Selbstverhältnisse: Autobiografie und Geschichtsschreibung.
Popkolumne,
in: Merkur Nr.794, Juli
Eckhard SCHUMACHER beschäftigt
sich mit Celibrity-Autobiografien u.a. von John LYDON alias Johnny
Rotten, Maximilian LENZ alias Westbam ("Die Macht der Nacht"), Sven
MARQUARDT ("Die Nacht ist Leben"). Ganz nebenbei wird dabei die
Entwicklung von Punk zu Techno aus unterschiedlichen Blickwinkeln
beleuchtet. Und gleichzeitig ist der Artikel ein Beispiel für die
Akademisierung der Popgeschichtsschreibung.
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STEEG, Lena (2015):
Der Weg ist das
Spiel.
Entscheiden, uns selbst vermarkten,
uns neu orientieren - rund um die Uhr optimieren wir uns selbst und
hoffen, unser Leben in den Griff zubekommen. Weil wir jedoch so
fixiert darauf sind, uns große Ziele zu setzen, haben wir das Ankommen
verlernt,
in: Neon, Juli
Die Titelgeschichte von Lena STEEG, Mitte der
1980er Jahre geboren, ist ein Beispiel für die Selbstdarstellung
moderner "privileged Poor" (neudeutsch: Prekariat).
Wir nennen es Arbeit beschrieb vor fast 10 Jahren dieses neue
Selbstbewusstsein jener, die statt der unerreichbaren Festanstellung
die Selbstausbeutung wählten, mit der Hoffnung irgendwann einmal zur
Elite der kreativen Klasse zu gehören. Dabei ist zum einen die
Herkunft aus einem Mittelschichthaushalt und die Zugehörigkeit zur
Erbengeneration förderlich und zum anderen: Konformität.
Konformität heißt, dass man seine
Selbstdarstellung mit Büchern aus der Bestsellerliste garniert. Bei
Lena STEEG sind das die Romane
Soloalbum von Benjamin von STUCKRAD-BARRE und
Unentschlossen von Benjamin KUNKEL sowie das Sachbuch
Die heimlichen Revolutionäre von Klaus HURRELMANN & Erik
ALBRECHT. Die Selbstbeschreibung sollte man auf alle Fälle mit ein
bisschen Statistik garnieren, um die gesellschaftlichen
Rahmenbedingungen der eigenen Existenz aufzuzeigen:
Meine Eltern "gehören zu den
Babyboomern, die zwischen 1954 und 1964 geboren wurden. Die
Wohlstandsgeneration, sie sie auch genannt wird, erlebte die
Vollbeschäftigung in Westdeutschland und einen rasant ansteigenden
Lebensstandard. Stabilität und Kontinuität waren möglich, üblich
sogar. Die Generation X, die zwischen 1965 bis 1975 geboren wurde,
kämpfte schon heftiger mit dem Verlust traditioneller Werte: die
klassische Familienstruktur bekam Risse, Scheidungszahlen stiegen, und
auch auf dem Arbeitsmarkt wurde es enger. Wenn ich Soziologen erzähle,
dass ich dreißig Jahre alt bin, kleben sie mir das Label »Generation
Y« auf die Stirn, schauen mitleidig und sagen, dass sich für die heute
15- bis 30-Jährigen die Lage ja noch einmal verschärft habe. 2005, ein
Jahr nach meinem Abitur, lag die Arbeitslosigkeit auf dem historischen
Hoch von 11,7 Prozent, die Scheidungsquote bei 52 Prozent."
Man kann sich darüber streiten,
welchen Sinn es macht, die Babyboomer als 1954 bis 1964 Geborene zu
bezeichnen. Der westdeutsche Geburtsjahrgang 1954 umfasste lediglich
816.028 Geburten, während es beim Jahrgang 1969 sogar noch 903.456
Geburten waren. Aber wie gesagt: Konformität ist ausschlaggebender als
die Faktenlage.
Auch die Bezeichnung
"Wohlstandsgeneration" ist unsinnig, denn 1974 kam das Schlagwort von
der Jugendarbeitslosigkeit auf, d.h. 1964 Geborene waren da gerade
einmal 10 Jahre alt. 1985 erschien der Bestseller
Von der Nutzlosigkeit des erwachsen zu werden, der von der
Akademikerarbeitslosigkeit erzählte. 1964 Geborene waren damals Anfang
Zwanzig. Der Soziologe Berthold VOGEL beschreibt die
Wohlstandsgeneration dagegen als die um 1950 Geborenen, da diese vom
Ausbau des Bildungssystems und des Wohlfahrtsstaats profitierten.
Spätestens seit Katja KULLMANNs
Buch
Echtleben gehört die Lebenskrise zum festen Bestandteil von
solchen Selbstdarstellungen. Der taz-Redakteur Dirk KNIPPHALS
hat darüber gleich ein ganzes Buch geschrieben:
Die Kunst der Bruchlandung. Bilanzen von Dreißjährigen waren
bereits für die Single-Generation charakteristisch (z.B.
Der schöne Vogel Phönix von Jochen SCHIMMANG). Bei Lena STEEG
liest sich das so:
"Irgendwann bot man mir eine Stelle
bei der Lokalzeitung an, kein Superjob, aber stabil. Meine Eltern
fanden das toll. Ich nicht. Denn ich wollte ja eine Superjournalistin
in einer Superstadt werden und einen Supermann finden. Unter
Superlativ wollte ich es nicht machen. Also zog ich nach Hamburg, um
dort in einem Verlag zu arbeiten. (...). Zwei Monate nach meinem Umzug
bat ich um die Auflösung des Vertrags. Zum ersten Mal hatte ich die
Kontrolle über mein Leben verloren und wusste nicht weiter. Ich saß
alleine in einer fremden Stadt, in einer viel zu teueren Wohnung, ohne
Freund, ohne Freund, ohne Arbeit. Dabei hatte ich mich jahrelang doch
so konform verhalten, als wäre ich direkt aus einem soziologischen
Lehrbuch entsprungen".
Konformität ist keine ahistorische
Kategorie wie sie die Sozialpsychologie beschreibt, sondern jede
Generation erlernt Konformität im Laufe des Lebens neu. Wer die
Konformitätsnormen der vorangegangenen Generation(en) lediglich
übernimmt, der ist zum Scheitern verurteilt. Erwachsenwerden im
Zeitalter der Demografiepolitik erfordert andere Verhaltensweisen als
früher. Und Wir nennen es Arbeit, das 2006, also vor der
Finanz- und Bankenkrise, aber nach der Hartz-Reform geschrieben wurde,
bietet einen weniger sinnvollen Konformitätsrahmen als z.B.
Echtleben aus dem Jahr 2011.
Ist Selbstoptimierung ein
dauerhafter Prozeß, der von STEEG kritisiert wird oder eher Ausdruck
von Bilanzierungen nach kritischen Lebensereignissen? Das Fazit von
STEEG:
"Die Frage ist gar nicht, ob ich
schuld daran bin, dass ich mein Ziel noch nicht erreicht habe. Mir
bleibt nichts übrig, als die Selbständigkeit anzunehmen und erst mal
zu machen. Das tue ich nun seit seinem Jahr. Und der Treppenhausmoment
zeigt, dass es mir schwerfällt."
Gibt es wirklich keine
Alternativen? Für Neon ist diese unpolitische Haltung natürlich
optimal. Das Lifestyle-Magazin kann auf ein gut gefülltes Reservoir
von ehrgeizigen Selbstausbeuterinnen zurückgreifen und muss nicht mit
einem Aufstand der Freien gegen unwürdige Arbeitsbedingungen rechnen.
Und ist es nicht viel bequemer für einen Freien, bei einem etablierten
Magazin zu arbeiten als z.B. das Abenteuer eines neuartigen
Medienprojekts zu wagen? Und ist das Honorar gar nicht alles, wenn man
durch PR für Unternehmen sein prekäres Leben
aufbessern kann?
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KOPYTTO, Eva (2015):
Der Fremde in
meinem Bett.
Nadine und Olaf sind ein glückliches
Paar. Scheinbar. Olaf ist pädophil und wegen des Besitzes von
Kinderpornos verurteilt. Hat ihre Liebe eine Chance?
in: Neon, Juli
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BUCHHOLZ, Jenny (2015):
"Dates mit mir
sind eine Katastrophe".
Ehrliche Kontaktanzeigen. Nichts als
die Wahrheit: NEON-Singles erzählen aufrichtig von ihren Macken - und
erklären, warum es sich trotzdem lohnt, sie kennenzulernen,
in: Neon, Juli
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom 15. - 30. Juni 2015
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Bitte beachten Sie:
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