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Medienrundschau:
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News vom
15. - 30. Juni 2015
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Zitat
des Monats:
In Deutschland werden doppelt so viele Paare vom Tod geschieden
wie vom Scheidungsrichter
"Doppelt
so viele Paare werden in Deutschland vom Tod geschieden wie vom
Scheidungsrichter. Im Jahr 2012 zählte das Statistische Bundesamt
179.147 Scheidungen und 349.352 neu Verwitwete. Insgesamt sind in
Deutschland knapp sechs Millionen Menschen verwitwet.
Witwen, vor allem junge, kommen in unserer Gesellschaft öffentlich
fast gar nicht vor. Es sei denn, sie sind prominent. Die
Wahrnehmung endet nach der Beerdigung. Danach verschwinden sie in
der Versenkung.
Witwen orten wir bewusst sowieso nur ab dem Alter 50 plus. Wenn es
halt Zeit für den Opa ist, zu gehen."
(aus: Regine Schneider
"Paul ist tot", 2014, S.11) |
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FINKENWIRTH, Angelika (2015): Coach für ein Tabuthema.
Kinderlosigkeit: Franziska Ferber fand durch ihr persönliches
Schicksal einen neuen Beruf: Die ehemalige CSU-Frau berät Menschen mit
unerfülltem Kinderwunsch. Die Resonanz ist groß,
in:
ZEIT Online v. 26.06.
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BERTELSMANN-STIFTUNG (2015):
Die Löhne in Deutschland steigen weiter aber auch die Ungleichheit
wächst,
in:
Pressemitteilung der Bertelsmann-Stiftung v. 25.06.
Die Simulationsstudie der
neoliberalen Bertelsmann-Stiftung wird in vielen Medien
unreflektiert aufgegriffen und auf verzerrende Schlagzeilen
reduziert wie Gutverdienende, Singles und Kinderlose profitieren
stärker vom Lohnplus als Geringverdiener und Alleinerziehende (Berliner
Zeitung Online v. 25.06.2015). In der Pressemitteilung heißt es
dagegen:
"Benachteiligt sind
Geringverdiener, Sozial- und Dienstleistungsberufe und Haushalte
mit Kindern".
Singles und Kinderlose können mit
der Studie keineswegs adäquat erfasst werden, weil die Studie nur
Haushalte ohne Kinder zu einem Stichtag erfasst statt Lebensläufe.
Wer heute Single bzw. Kinderloser ist, der kann morgen bereits
Mutter oder Familienvater sein. Den Studienautoren war dieser
Umstand zwar bewusst, sie entschieden sich jedoch für ein
anspruchloseres Studiendesign. Da nicht nach Alter und Geschlecht
der Singles/Kinderlosen unterschieden wird, bleibt die Heterogenität
der Haushalte unberücksichtigt, denn Singles/Kinderlose befinden
sich auch unter den Geringverdienern und bei Beschäftigten in
Sozial- und Dienstleistungsberufen.
Die Studie
Lohneinkommensentwicklungen 2020 benutzt zudem eine
Fortschreibung der Haushalte (2015, S.24), statt eine Fortschreibung
der Haushalte der Arbeitnehmer wie es eine Studie zu
Lohneinkommensentwicklungen verlangen würde. Zudem wird lediglich
nach der Haushaltsgröße differenziert, aber nicht nach Alter und
Geschlecht. Eine solche undifferenzierte Fortschreibung
vernachlässigt die gravierenden Unterschiede bei den
Einpersonenhaushalten, die im Gegensatz zu Familienhaushalten nicht
vorwiegend Arbeitnehmer-, sondern vielfach Rentnerhaushalte sind.
Die Außerachtlassung des Geschlechts vergrößert die Fehler, da das
Alter im Einpersonenhaushalt weiblich ist.
Die Studienautoren berufen sich
auf die
Vorausberechnung der Privathaushalte des Statistischen Bundesamtes
aus dem Jahr 2010. Dort wird die Veränderung der
Einpersonenhaushalte beispielsweise in den alten Flächenländern von
2012 (11.991 Einpersonenhaushalte) auf 12.728 Einpersonenhaushalte
im Jahr 2020 angegeben (2011, S.10). Dies entspricht einer Zunahme
von 6,1 % wie sie in der Studie der Bertelsmann-Stiftung in der
Tabelle 2 ausgewiesen wird (2015, S.24).
Bei der Untergliederung nach dem
Alter werden vom Statistischen Bundesamt für die Vorausberechnung
leider nur Zahlen für 60Jährige und Ältere angegeben (2011, S.25).
In den 11.991 Einpersonenhaushalten der alten Flächenländer leben im
Jahr 2012 immerhin 4.782 Ältere (ca. 39,9 %), die überwiegend
Rentner sind und nicht mitgezählt werden dürften. Bis 2020 steigt
dieser Anteil der Älteren immerhin um 4 %.
Allein durch diese verzerrte
Fortschreibung der Haushalte können sich gravierende
Fehleinschätzungen zur Lohnentwicklung der einzelnen
Haushaltsgruppen ergeben. Wir haben es hier also in erster Linie mit
einer Stimmungsmache gegen Kinderlose/Singles zu tun.
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BIB (2015): Rund ein Drittel mehr Pflegebedürftige bis 2030.
Grafik des Monats,
in:
Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung v. 24.06.
Die Pressemitteilung des
Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BIB) ist in sich
nicht schlüssig, denn es werden uns einerseits Zahlen präsentiert,
die "unter der Annahme konstanter alters- und
geschlechtsspezifischer Pflegequoten errechnet" wurden, während uns
andererseits erklärt wird, dass die "Menschen im Alter immer länger
gesund sind". Ergo hätte mit abnehmenden alters- und
geschlechtsspezifischen Pflegequoten gerechnet werden müssen. Vom
BIB sollte man eigentlich Seriöseres erwarten können. Man kann
sicher sein, dass dieser Unsinn nun auch in den so genannten
Qualitätsmedien unbedarft weiter verbreitet wird.
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DUDEL, Christian (2015): Demografischer Wandel und Vertikalisierung
von Verwandtschaftsbeziehungen,
in:
Wirtschaft und Statistik
Nr.3
Der Aufsatz hält nicht was er
verspricht. Es geht nicht um das Zusammenleben von mehreren
Generationen, denn dazu wären Netzwerkforschungen notwendig, sondern
der Autor versucht sich über altersspezifische Geburtenraten dem
Phänomen zu nähern. Eine Vorausschätzung der Entwicklung ist jedoch
höchst spekulativ, weswegen das Fazit des Autors sehr vage ist:
"Es lässt sich festhalten, dass
die Ergebnisse der Vorausberechnung nicht darauf hindeuten, dass
es zu einer weitergehenden Vertikalisierung kommt. Die
exemplarisch vorgestellten Resultate zeigen, dass die geteilte
Lebenszeit von Generationen in Zukunft nicht oder nur geringfügig
zunehmen wird, während die Zahl der Nachfahren mittelfristig keine
klare Entwicklungstendenz erkennen lässt, langfristig mit großer
Unsicherheit behaftet ist und kaum abgeschätzt werden kann. Der in
der Literatur vermutete Bedeutungszuwachs von Beziehungen zwischen
den Generationen kann hierdurch zwar nicht ausgeschlossen werden,
allerdings kann die demografische Entwicklung kaum als Begründung
angeführt werden."
Inwiefern sich die Trends der
Vergangenheit zu Erstgebäralter und Lebenserwartung fortsetzen und
welchen Einfluss die gesellschaftliche Entwicklung (Arbeitsmarkt,
räumliche Mobilität, Partnerwahlverhalten, Einkommensentwicklung
usw.) auf das Zusammenleben der Generationen hat, das bestimmt die
weitere Entwicklung entscheidend. Statt hochgradig spekulative
Vorausberechnungen in vage Zukünfte zu unternehmen, wäre eine
Untersuchung der Veränderung von Verwandtschaftsnetzwerken in den
letzten 3 Jahrzehnten wesentlich aufschlussreicher gewesen.
Entscheidendes Manko des Ansatzes
von DUDEL ist, dass die Betrachtung altersspezifische Geburtenziffer
keinerlei Aufschluss über differentielle Entwicklungen innerhalb
verschiedener sozialer Gruppen gibt. Bei gleichen altersspezifischer
Geburtenziffern könnte es sein, dass einzelne sozialen Gruppen durch
ganz unterschiedliche Kombinationen von Erstgebäralter und
Lebenserwartung gekennzeichnet sein könnten. Eine Gruppe könnte
durch die Abnahme des Erstgebäralters bei gleichzeitiger Erhöhung
der Lebenserwartung gekennzeichnet sein, während eine andere Gruppe
wiederum durch steigendes Erstgebäralter und abnehmende
Lebenserwartung charakterisiert sein könnte. Warum sollte nur die
Kombination steigendes Erstgebäralter und steigende Lebenserwartung
für unsere Gesellschaft charakteristisch sein? Was wenn die soziale
Ungleichheit weiter zunimmt und sich dadurch die Verteilung der
Merkmale ändert? Der Ansatz von DUDEL ist keineswegs in der Lage
Aussagen über den zukünftigen demografischen Wandel zu machen. Er
greift lediglich zwei Aspekte aus dem möglichen Spektrums des
demografischen Wandels heraus, die heutzutage gerade in Mode sind.
Wissenschaft sollte jedoch über den gegenwärtigen Zeitgeist hinaus
denken. Das scheint aber nicht preiswürdig zu sein!
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SCHWAHN, Florian & Norbert SCHWARZ (2015): Einkommenskonzepte zur
Wohlfahrtsmessung: Soziale Sachleistungen - ein Einkommensbestandteil?
in:
Wirtschaft und Statistik
Nr.3
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NIEJAHR, Elisabeth (2015): Rabäääh.
Eine Extrasteuer für Kinderlose macht unser Leben nicht besser,
in:
Die ZEIT Nr.26 v. 25.06.
Robert ROßMANN hat in
der
SZ vom 20.06.2015
die Forderungen der Jungen Union nach einer Extrasteuer für
Kinderlose in Umlauf gebracht, um der Umverteilung von unten nach
oben, d.h. dem Familiensplitting, mehr Gehör zu
verschaffen, denn eine Forderung
nach einem Familiensplitting wäre kaum zur Kenntnis genommen worden.
So aber kann man wie Elisabeth NIEJAHR sein Herz für Kinderlose
entdecken und seinen eigenen politischen Standpunkt zur
Familienpolitik ganz nebenbei auch noch einfließen lassen.
"Eine kinderfreundliche
Gesellschaft, und eine solche wünsche ich uns allen, ist keine,
die Kinderlose ausgrenzt. Ich sage laut und deutlich: Wenn wir
ausgrenzen statt das Gewünschte zu fördern, stehen wir am Rande
des Abgrunds unserer Gesellschaft",
heißt es vom
Kinderwunsch-Coach Franziska FERBER zu diesem Thema und mehr ist
dazu auch nicht mehr zu sagen.
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DAVIES, William
(2015): In deinem Freundeskreis geht doch noch was!
Optimierung: Politik und Konzerne definieren soziale Kontakte neu.
Freundschaften sollen nun bestimmten Zwecken dienen,
in:
Freitag Nr.26 v. 25.06.
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LIPPHARDT, Anna
(2015): Der Nomade als Theoriefigur, empirische Anrufung und
Lifestyle-Emblem,
Auf Spurensuche im Globalen Norden,
in: Aus Politik und
Zeitgeschichte Nr.26/27 v. 22.06.
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KALTENBRUNNER,
Robert (2015): Im Lichte des Verborgenen.
Urbanes Wohnen: Widersprüche, vermeintliche Patentrezepte und reale
Erfordernisse,
in:
Telepolis v. 21.06.
Gibt es überhaupt eine
Renaissance der Städte bzw. Reurbanisierung? Das hängt offenbar
davon ab, was man darunter versteht:
"Erst aus der längerfristigen
Analyse werden vollständige Bewertungen möglich. So konnten die
deutschen Großstädte, vermeintlich Träger der Reurbanisierung,
unlängst erst ihre Verluste an Bevölkerung und Beschäftigung
ausgleichen, die sie seit 1980 erfahren haben. Trendwende ist
etwas anderes. Die räumliche Ausdehnung der Kernstädte erweist
sich als ein die Stadtentwicklung in Deutschland seit Jahrzehnten
dominierender Trend, der auch in der jüngeren Vergangenheit
ungebrochen anhält. Hingegen stellen die publizistisch gefeierten
Stadtrückkehrer - einkommensstärkere Haushalte mit der
Bereitschaft zur Eigentumsbildung - nach wie vor keine feste
statistische Größe dar.
Eine Renaissance des innerstädtischen Wohnens auf breiter Front zu
sehen, wäre wohl verfrüht. Zutreffender könnte man davon sprechen,
dass der Trend zur Suburbanisierung schwächer geworden ist. Auch
die räumlich differenzierte Betrachtung zeigt, dass eine neue
Konjunktur des Stadtwohnens sich bislang nur an ausgewiesenen
Orten zeigt. Insbesondere die Universitätsstädte und Städte in
erfolgreichen Wirtschaftsregionen weisen ein deutliches
Bevölkerungswachstum auf, vor allem bei der jungen Bevölkerung,
die einen Wohnstandort nach ihrer jeweiligen
Ausbildungsperspektive wählt. Aber auch eine Rückkehr mancher
Suburbaniten in die Städte und eine mit der zunehmenden
»Überalterung« der Wohnungsnachfrager verbundene Stadtaffinität
von Senioren lässt sich ausmachen",
meint Robert KALTENBRUNNER. Nicht
immer lässt sich dabei unterscheiden, was dabei Ideologie und was
Empirie ist, wenn es z.B. heißt:
"Hingegen stellen die
publizistisch gefeierten Stadtrückkehrer - einkommensstärkere
Haushalte mit der Bereitschaft zur Eigentumsbildung - nach wie vor
keine feste statistische Größe dar".
Auf dieser Website wird für diese
Gruppe der Begriff
"Family-Gentrifier" benutzt. Dass diese angeblich keine "feste
statistische Größe" sind, könnte am falschen Maßstab liegen, denn
war etwa der Yuppie in den 1980er Jahre eine "feste statistische
Größe" oder eher ein wissenschaftliches Vorurteil der 68er?
Zeigen sich Veränderungen nicht zuerst kleinräumig? Wer
massenstatistische Belege einfordert, der gehört letztlich zur
Arrieregarde,
so wie z.B. Stefan HRADIL, der noch vom Single als Leitbild
sprach als der Single bereits das Leidbild der Moderne war.
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Die Bild am Sonntag fragt,
warum deutsche Frauen keine Kinder wollen und gibt 3 Antworten vor:
Zu emanzipiert, zu feige. Oder sind die Männer schuld? Passend
dazu titelt die Welt am Sonntag kompakt zu Deutschland:
Schwulstes Land der Welt. Damit sind die beiden Feindbilder der
Springer-Presse genannt: Feminismus und Homo-Ehe.
Angeblich hat Deutschland die
niedrigste Geburtenrate der Welt. Angegeben werden jedoch keine Zahlen
zur Geburtenrate, sondern ein Vergleich roher Geburtenziffern, bei
denen auch z.B. 65jährige Großmütter mitgezählt werden. Zwar wurde vor
kurzem eine 65Jährige Deutsche Mutter von Vierlingen - was jedoch auf
breite Ablehnung stieß. Wenn man also schon Geburtenzahlen vergleicht,
bei denen auch 100 jährige Frauen mitgezählt werden, dann sollte man
endlich auch dafür plädieren, dass 100 jährige Frauen noch Kinder in
die Welt setzen sollen. Alles andere wäre scheinheilig!
Im Interview der Bild am Sonntag
findet die Familienministerin SCHWESIG einen ganz anderen Schuldigen:
die deutsche Wirtschaft. Diese jammert uns zwar die Ohren voll, dass
uns in 50 Jahren die Fachkräfte fehlen, während die Vereinbarkeit von
Beruf und Familie lediglich in Sonntagsreden gefordert wird, dagegen
wird in der betrieblichen Praxis das Gegenteil praktiziert.
Die Meldung zur angeblich weltweit
niedrigsten Geburtenrate kam bereits
Ende Mai von einem Wirtschaftsinstitut, das Probleme hat sich
mediales Gehör zu verschaffen. Man kennt das von Hunden: je kleiner
sie sind, desto lauter müssen sie kläffen. Und die Sensationspresse
liebt schlechte Nachrichten zur Geburtenentwicklung. Auf
Spiegel Online wird dagegen genauer erklärt wie die deutsche
"Geburtenrate" so schlecht gerechnet wurde, dass wir auf dem letzten
Platz landeten, den wir übrigens bereits Mitte der Nuller Jahre
innehatten (was natürlich fast in der gesamten Presse verschwiegen
wurde):
"Die
überraschend schlechte Platzierung kommt zustande, weil die Forscher
nicht die Zahl der Geburten pro Frau betrachten (auch in dieser
Disziplin liegt Deutschland hinten, aber eben nicht ganz hinten),
sondern die Zahl der Geburten pro 1000 Einwohner. (...).
In Deutschland, so die Studie, betrug in den Jahren 2009 bis 2013
die sogenannte Bruttogeburtenziffer 8,28 Geburten je 1000 Einwohner.
Damit hat Deutschland die niedrigste Geburtenrate weltweit, noch
hinter Japan mit einem Vergleichswert von 8,36. Auch in den
Vorjahren 2004 bis 2008 belegte Deutschland den letzten Platz der
Tabelle.
Nimmt man allerdings das Jahr 2013 allein als Grundlage, haben
immerhin zwei Staaten niedrigere Bruttogeburtenziffern als
Deutschland, nämlich Portugal und Japan, ferner auch die chinesische
Sonderverwaltungszone Hongkong."
KRAUSE, Tilman (2015): Im Schwulsein sind wir Weltmeister.
Die Deutschen haben die Homosexualität nicht nur erfunden. Sie haben
sie in alle Länder exportiert. Sogar Goethe und Schiller waren
irgendwie schwul. Eine queere Erfolgsgeschichte,
in:
Welt am Sonntag v. 21.06.
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FR-Serie:
Loslassen... Liebe.
Letzter Teil
der
Serie in der FR |
TIEDEMANN, Markus
(2015): "Die Königsdisziplin der Liebe".
FR-Serie: Warum es
sich lohnt, sich selbst, den Partner oder die Idee einer
romantischen Liebe loszulassen,
in:
Frankfurter Rundschau v. 20.06.
WIDMANN, Arno
(2015): "Wir trennen uns, hipp, hipp, hurra!"
FR-Serie: Zurückgelassen,
entwertet, verächtlich gemacht: Die Soziologin Elisabeth
Beck-Gernsheim über die Wunden am Ende der Liebe,
in:
Frankfurter Rundschau v. 20.06.
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VILLA, Paula-Irene (2015): Geburt ohne Spuren.
These: Geburt findet heutzutage in einer spätmodernen Kultur der Angst
statt. Deshalb soll auch das Unwägbare abgesichert sein: Überlegungen
zum Zur-Welt-Bringen in der Gegenwart,
in:
TAZ v. 20.06.
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MAIER, Anja (2015): Wir sehen uns wieder.
Aufbruch: Eine Familie flieht 1945 aus dem Sudetenland. Zwei Brüder
landen in der DDR, einer in der BRD. Einer empfindet sein Schicksal
als gerechte Strafe. Der andere spürt bis heute den Verlust. Der
dritte stirbt,
in:
TAZ v. 20.06.
Am Weltflüchtlingstag ist in der
taz heute Vertriebenentag. Seit Günter GRASS' Novelle
Im Krebsgang wird auch in ex-linken bzw. neubürgerlichen
Kreisen die Integration von Vertriebenen betrieben. In
kosmopolitischer Sicht à la Ulrich BECK war Deutschland in den
1950er Jahren eine homogene Gesellschaft. Nach dieser Sicht
zerbricht die Homogenität erst mit den Gastarbeitern. Dies übersieht
jedoch die Konflikte dieser angeblich homogenen Gesellschaft, in der
Flüchtlinge, Heimatvertriebene und
Spätheimkehrer, durchaus für immensen Konfliktstoff sorgten, der
lediglich durch die damalige autoritäre Gesellschaftsordnung nicht
die heute übliche Schärfe erreichte. Es wird Zeit diese
kosmopolitischen Mythen zu zerstören.
Das angeblich goldene Zeitalter der Ehe war nur an der Oberfläche
golden, im Kern jedoch gärte es bereits. Die 1960er Jahre und
die 68er waren keine Zäsur, sondern die Kehrseite der 1950er Jahre.
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JURT, Pascal (2015): "Es geht um die vielen Zwischenräume".
Gemeinsames: Kein Protest und überall Kollaborateure? Der Publizist
und Migrationsforscher Mark Terkessidis entwirft eine positive
Philosophie der Kollaboration,
in:
TAZ v. 20.06.
"Das Problem mit dem
Neoliberalismus ist, dass er seine Versprechen nicht einlöst. Seit
20 Jahren mindestens predigen uns die Politiker
»Eigenverantwortung«, und die meisten Leute haben sich daran
gehalten: Bildung, Karriere, Gesundheit, Altersvorsorge - da
kümmern wir uns weitgehend allein drum. Aber während der Staat die
Bürger zur Veränderung aufgefordert hat, durfte er selbst
autoritär weitermachen."
schreibt der Poplinke
Mark TERKESSIDES. Autoritärer Staat und Markt sind kein
Gegensatz, sondern Neoliberalismus ist das Ergebnis des
Zusammenwirkens von autoritärem Staat und Markt.
Zwangsindividualisierung ist der Preis, den viele dafür zahlen
müssen.
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AUGUSTIN, Kersten (2015): "Migranten sind nicht teurer als Deutsche".
Migration: Wirtschaftsforscher Thomas Bauer über vermeintliche
Belastungen, echte Chancen und realistische Zukunftsszenarien,
in:
TAZ v. 19.06.
Bei der taz ist heute
Weltflüchtlingstag, weshalb uns
typische neoliberale Schlagzeilen à la Hans-Werner SINN
präsentiert werden, nur dass es dort heißen würde: Migranten sind
teurer als Deutsche.
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JUNGLE
WORLD-Thema:
Wettlauf für Deutschland.
Mutterschaft und Demographie |
SCHRUPP, Antje (2015): Hurra wir sterben aus.
Immer mehr Menschen geht es immer besser. Sie bleiben länger gesund
und leben länger. Doch anstatt sich darüber zu freuen, lamentieren
Politiker und Publizisten über das Aussterben der Deutschen. Schuld
an der Misere seien verantwortungslose und spaßgeile Frauen, die dem
Land kein Kind schenken wollen,
in:
Jungle World Nr.25 v. 18.06.
"Den Anfang der Debatte
machte
2003 eine Prognose des Statistischen Bundesamtes, die für
das Jahr 2050 vorhersagte, dass die Anzahl der alten Menschen
deutlich größer und die der jungen deutliche niedriger sein
werde als bisher angenommen und dass die bestehenden
Sozialsysteme für diesen Wandel nicht ausgerichtet seien. Es
folgte auf dem Fuße der Journalist Frank Schirrmacher mit seinem
Bestseller
»Das Methusalem-Komplott«, der die Richtung des nun
folgenden Diskurses vorgab: Der demographische Wandel, so
lernten wir, ist eine Katastrophe, es wird alles ganz, ganz
schlimm kommen.
Und wer ist schuld? Der medizinische Fortschritt, der dafür
sorgt, dass die Lebenserwartung der Menschen seit Jahrzehnten
stetig ansteigt? Nein, schuld sind die Frauen, die nicht
ausreichend viele Kinder kriegen, um den Überschuss an Alten am
unteren Ende der Skala wieder auszugleichen. »Deutschland hat zu
wenige Kinder« ist seither das Mantra, das in den entsprechenden
Debatten immer wiederkehrt",
behauptet historisch
kurzsichtig
Antje SCHRUPP.
Deutschland stirbt bereits seit über hundert Jahren ständig aus.
Das Rentensystem der Nachkriegszeit wird bereits
seit Ende der 1970er Jahre ständig als vom demografischen Wandel
bedroht beschrieben. Seit 40 Jahren warten wir bereits
vergeblich auf den endgültigen Zusammenbruch der Sozialsysteme
aufgrund des demografischen Wandels.
2003 markierte nicht den Anfang der Debatte, sondern höchstens
einen für die verschnarchte Ex-Linke. Frank SCHIRRMACHER war kein
Pionier der Debatte, sondern ein zeitgeistiger Mitläufer, der
lediglich absahnte. Seine Bücher fassten das für verschlafene
ex-linke Neubürgerliche zusammen, was die bevölkerungspolitische
Strategie der Vergangenheit war, während längst die nächste Stufe
der Demographiepolitik eingeläutet war.
Antje SCHRUPP möchte den Blick
auf die
steigende Lebenserwartung lenken. Das Institut für
Bevölkerungsforschung hat jedoch gerade wieder deutlich
gemacht, dass der Geburtenrückgang das Problem zu sein hat. In
seinem Aufsatz
Folgen der dauerhaft
niedrigen Fertilität in Deutschland von Martin BUJARD sagt
dies bereits die Überschrift. Das Strickmuster der Analyse ist
simpel:
"Zur Analyse der Folgen
dieses Geburtenrückgangs bedarf es einer analytischen Trennung
zwischen Alterung und Schrumpfung (u.a. Swiaczny 2014).
Beide Phänomene implizieren höchst unterschiedliche Folgen. Die
Bewertung der Gesamtfolgen des Geburtenrückgangs in Deutschland
variiert in der Literatur dahingehend, ob die Alterung die
»schlimmere« Entwicklung sei (Sinn 2013) oder der
Bevölkerungsrückgang (Birg
2003;
Kaufmann 2005). Bei Bevölkerungsprojektionen
unterscheidet sich der Einfluss der drei zentralen Parameter
Lebenserwartung, Migrationssaldo und Geburtenrate im Hinblick
auf Alterung und Schrumpfung fundamental."
Man erkennt auf den ersten
Blick, dass innerhalb von einem Jahrzehnt der Fokus der
Aufmerksamkeit von der Schrumpfung auf die Alterung als
Hauptproblem verschoben wurde. Der Hintergrund ist einleuchtend,
denn im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends rechnete man noch
mit einer unabänderlichen schnellen Schrumpfung. Nachdem dies in
den letzten Jahren unhaltbar wurde, musste zwangsläufig die
Alterung das Hauptproblem werden. Noch im Jahr 2007 wurde ein Buch
mit dem Titel
Das große Schrumpfen auf den Markt geworfen, in dem
erläutert wurde, dass Deutschland jedes Jahr unausweichlich um
200.000 Menschen schrumpft, während es seit mehreren Jahren um
mehr als 200.000 Menschen wächst. Deutschlands Zukünfte können
sich also sehr schnell ändern, egal was uns die
Geschichtenerzähler vom demografischen Wandel gerade erzählen...
MATTEONI, Federica (2015): Mutter, du Opfer.
Karriere, Mutterliebe, Kleinfamilie und Post-Baby-Body müssen
gleichermaßen gut funktionieren. Frauen, die all das wollen,
unterstützt der Staat,
in:
Jungle World Nr.25 v. 18.06.
DIEH, Sarah (2015): Böse Frauen braucht das Land.
Kinderlosigkeit wird zu einem Frauenproblem stilisiert. Stattdessen
ist sie eine gesamtgesellschaftlichen Frage,
in:
Jungle World Nr.25 v. 18.06.
Sarah Diehl - Die Uhr, die nicht tickt
MATTEONI, Federica (2015):
"Der deutsche Müttermythos hat gesiegt".
Bereits im Jahr 2001 analysierte Barbara Vinken, Professorin für
Literaturwissenschaft und Romanistik an der Universität München, in
ihrem Buch
»Die deutsche Mutter. Der lange Schatten eines Mythos« die
Ursprünge der Ideologie der Mütterlichkeit und deren
gesellschaftliche Auswirkungen. Im Gespräch mit der Jungle World
erläutert sie, warum sich nach 15 Jahren trotz einer
staatsfeministischen Familienpolitik an bestimmten Frauen- und
Mutterbildern kaum etwas geändert hat,
in:
Jungle World Nr.25 v. 18.06.
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SEEßLEN, Georg (2015): Kann Mann Feminist sein?
Schlagloch: Sie ist kompliziert, die Sache mit den Geschlechtern,
in:
TAZ v. 17.06.
"Vollends kompliziert wird es
beim sexuellen oder biopolitischen Feminismus. So einfach die
Etablierung und Respektierung des sexuellen Selbstbestimmungsrechts
und die Forderung nach einem gesellschaftlich garantierten Schutz
gegen sexuelle Gewalt scheint, so kompliziert ist die Analyse von
Bevölkerungspolitik,
Reproduktionsmedizin oder Life Sciences. Denn von dort kommt
noch einmal eine vollkommen neue Definition von Geschlecht als Sex
und Gender, und möglicherweise entsteht dort auch das
Phantasma einer Überwindung von Weiblichkeit durch Technologie.
Und dann geht es noch um Begehren und Lust. Auch das ist so
kompliziert, dass man es am liebsten im rein Subjektiven auflöst.
Aber gewiss ist die Spaltung in Biopolitik und guten/schlechten Sex
ein Trick der Entpolitisierung", meint Georg SEEßLEN.
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SEEßLEN, Georg (2015): Die Ampel ist abgeschaltet.
No Ranking: Nachdem Soziologen und Historiker das CHE-Hochschulranking
boykottierten, veröffentlichen sie Informationen zu ihren
Studiengängen nun auf einer eigenen Plattform. Die Sortierung nach
Farben fehlt, dafür erhalten Interessierte auch Infos zu Sonnentagen
am Studienort,
in:
TAZ v. 17.06.
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BADE, Klaus J.
(2015): Zur Karriere und Funktion abschätziger Begriffe in der
deutschen Asylpolitik,
in: Aus Politik und
Zeitgeschichte Nr.25 v. 15.06.
"Eine List der Bevölkerungs-
und Wirtschaftsgeschichte wird (...) darin liegen, dass
das vermeintliche Paradies in der Mitte Europas unter dem Druck
des demografischen Wandels im aufgeklärten Eigeninteresse
schrittweise zu einem doppelten Kurswechsel gezwungen sein dürfte:
einerseits in Richtung einer Öffnung weiterer regulärer
Zuwanderungswege, andererseits in Richtung einer stärkeren und
früheren Eingliederung von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt",
meint Klaus J. BADE.
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Zu den News vom 01. - 14. Juni 2015
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