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Medienrundschau:
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Zitat
des Monats:
Facetten der
Einsamkeit
"Einsam ist der Teenager in der Kleinstadt, der das Gefühl
hat, irgendwie anders zu sein als alle, die er hier kennt.
Einsam ist der Mann, der von seiner Frau verlassen wurde und mit
keinem über seinen Kummer redet, sondern sich stattdessen in
One-Night-Stands flüchtet. Einsam ist die Frau, die realisiert,
dass sie zwar mit ihrem Partner noch zusammen lebt, aber er sein
Leben schon seit Jahre nicht mit ihr teilt. Einsam ist der Mann,
der denkt: »Die anderen sind sowieso nur Idioten, ich
brauche gar keinen davon« - und nur manchmal nachts, ganz leise,
in sich spürt, dass das vielleicht nicht seine hundertprozentige
Wahrheit ist."
(aus: Sonja Niemann
"Niemand da"
in der Zeitschrift Brigitte Nr.8 v. 29.03.2017, S.105)
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08.04.2017
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SCHÄFER, Christoph & Johannes
PENNEKAMP
(2017): Ein Herz für die Familie.
Lounge: Die Parteien überbieten
sich mit Versprechen, mit denen sie Familien nach der Wahl beglücken
wollen. Doch durchdacht und durchgerechnet ist fast nichts. Und auf
die wirklich Bedürftigen zielen die Vorschläge nicht,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.04.
"Wer zwei Kinder hat und in der falschen Gegend Deutschlands lebt,
muss schnell 800 Euro und mehr von seinem monatlichen Netto
abtreten.
Sogar das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft in
Köln findet das ungerecht. Der Direktor Michael Hüther sagt, dass
»alles bis zum Abitur den Charakter eines öffentlichen Gutes hat.
Das muss der Staat finanzieren.«",
berichten SCHÄFER & PENNEKAMP
über die Interessenidentität von Wirtschaft, SPD-Kanzlerkandidat und
der betroffenen Eltern.
Als Kritiker wird Holger BONIN vom IZA aufgeführt, der uns
"partnerlose" Alleinerziehende als die wirklich Bedürftigen
präsentiert:
"Allen voran sind da die
Alleinerziehenden. Jede Dritte, der ein Kind ohne Partner
großzieht, ist von Armut gefährdet, zeigen Zahlen des
Statistischen Bundesamtes. (...). Kitas zum Nulltarif und
Steuererleichterungen gingen an dieser Problemgruppe weitgehend
vorbei, sagt Bonin. Denn die unteren Einkommensgruppen zahlten
schon heute kaum Steuern und Kita-Gebühren."
Ob Alleinerziehende partnerlos
sind oder einen neuen Partner haben, mit dem sie zusammenwohnen,
aber nicht zusammenwirtschaften, wird aus politischen Gründen in der
amtlichen Statistik nicht erfasst. Die Kluft innerhalb der Gruppe
der Alleinerziehenden wird dadurch verharmlost. Davon profitieren in
erster Linie besserverdiendende Alleinerziehende mit neuem Partner.
"Gegenwind kommt auch von den
Kommunen. Sie könnten nicht auf die Kita-Gebühren verzichten,
sagte Gerd Landsberg, der Hauptgeschäftsführer des Deutschen
Städte- und Gemeindebunds",
wird uns ein weiterer Gegner
kostenloser Kitas präsentiert. Als gerechtere Lösung wird uns -
wieder mit BONIN und mit Blick auf die relative Armut - der
Unterhaltsvorschuss präsentiert:
"»Die relative Armut kann
dadurch sogar zunehmen«, sagt Forscher Bonin. Mittel- und
Gutverdiener würden entlastet, für Ärmere verändere sich nichts.
Eine »sehr zielgenaue Leistung« für Alleinerziehende sei dagegen
der »Unterhaltsvorschuss«."
Das Konzept der "relativen Armut"
wird von der FAZ in der Regel abgelehnt - nur, wenn es wie
hier zu den eigenen Interessen passt, wird es vereinnahmt.
Die sonstigen
Wahlkampfversprechen, die auch in den anderen Medien mangels
aussagekräftiger Details breitgetreten werden, sind für die
Autoren dagegen nur Staffage.
Fazit: Aus neoliberaler Sicht
muss Sozialpolitik möglichst günstig sein. Die Metapher dafür ist
"zielgenaue Leistung", mit der Bevölkerungsgruppen gegeneinander
ausgespielt werden können. Bei Steuersenkungen und Freibeträgen ist
Zielgenauigkeit dagegen kein Kriterium, denn davon profitieren in
erster Linie Besser- und Spitzenverdiener!
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KROHN, Philipp (2017): Die Tücken der alternativen Garantieformen.
Versicherer preisen die neuen
Garantiemodelle in der Altersvorsorge. Sie sind aufwendiger gebaut als
traditionelle Varianten. Doch auch sie kosten Rendite,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.04.
Philipp KROHN, Gegner von Garantien jeder Art huldigt dem Fetisch
Rendite. Als Gegner werden Aufsichtsregeln und der Verbraucherschutz
ausgemacht, die die Kapitalmarktakteure und ihre Profitgier gängeln.
KROHN stellt uns alternative Garantieprodukte von Ergo, Axa,
Standard Life und Canada Life vor, um am Ende für den Wegfall von
Garantien zu plädieren, denn dies sei sozusagen der einzige Weg zur
angemessenen Rendite.
Außen vor bleiben klassische
Produkte, die z.B. immer noch erfolgreich von der
Alten Leipziger vertrieben werden und die
gesetzliche Rentenversicherung, deren Produkt immer noch unschlagbar
ist, aber den Interessen der Finanzmarktakteure ein Dorn im Auge
ist.
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WOLFF, Volker (2017): Langes Halten lohnt sich nicht.
Die Vermögensfrage: Steigen die
Zinsen, sinken die Kurse der Anleihen und ihrer Fonds. Mit Short-ETF
kann man an diesem Kursverfall verdienen. Das Problem dabei: Short-ETF
sind unberechenbar,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.04.
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PRANTL, Heribert (2017): Schlüssel-Worte.
Hohle Parolen oder Wegweiser zu
einer besseren Gesellschaft? In der Sozial-Rhetorik des
Kanzlerkandidaten Schulz und seinen Ruf nach mehr Gerechtigkeit
stimmen auch andere Parteien ein,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 08.04.
Heribert PRANTL bekämpft die Leer- und Beschwörungsformel
"Gerechtigkeit" mit den gleichen Mittel wie Martin SCHULZ: Mit
nichtssagender Rhetorik. Am Ende kommt er uns mit dem
Kirchenfunktionär Georg CREMER und seinem Diktum, dass
"im Wahlkampf vorrangig die
Gerechtigkeitsthemen der Mitte angesprochen und die Belange der
Armen rhetorisch missbraucht würden."
Warum das nur im Wahlkampf so
sei, dafür bleibt uns PRANTL Belege schuldig.
Der SZ-Wirtschaftsteil steht geradezu für einen solchen
Missbrauch!
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FROMM, Thomas & Lea HAMPEL
(2017): Glück gegen Geld.
1.000 Euro, jeden Monat, für jeden
Bürger - diese Idee elektrisiert gerade die westliche Welt. Die Riege
der Befürworter reicht vom Firmenboss bis zum IT-Angestellten. Das
zeigt: Grundeinkommen ist nicht gleich Grundeinkommen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 08.04.
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SPECKMANN, Guido
(2017): Humor aus dem Leitz-Ordner.
Zu Besuch bei Gerhard Henschel, dem
Autor der Martin-Schlosser-Romane,
in:
Neues Deutschland v. 08.04.
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07.04.2017
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SCHLOEMANN, Johan (2017): Die Welt ist noch nicht genug.
Globalisierung am Ende? (1):
Jahrzehntelang schien das Fortschreiten der Globalisierung
unaufhaltsam. Doch mit dem Erstarken des Nationalismus und der Wahl
von Donald Trump hat sich die Lage geändert. Eine neue Serie im
SZ-Feuilleton,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 07.04.
Kann man über ein Phänomen diskutieren, das Johan SCHLOEMANN nicht
einmal einer Definition für würdig hält? Der Begriff ist zur Leer-
oder Beschwörungsformel verkommen - und genauso wird er von
SCHLOEMANN auch verwendet. Die Serie hat anscheinend nur einen
einzigen Zweck: Die Rettung der Leer- und Beschwörungsformel
"Globalisierung". Der Einführungstext strotzt von Namedropping und
Bewertungen, Informationen bleibt er dagegen schuldig. Es wird
einfach nur das neoliberale Mantra, dass Deutschland "zu den großen
Gewinnern der Globalisierung" gehöre, wiederholt. An unseren Eliten
prallt jegliche Kritik ab. Wer der Meinung ist, dass die Verfechter
der Leer- und Beschwörungsformel gefälligst Fakten liefern sollten,
statt mit Globalisierung nur die Vorteile neoliberaler Politik zu
benennen, um von den Nachteilen zu schweigen, der wird von
vornherein ausgeschlossen oder wird diffamiert. Wenn alle Artikel
der Serie derart öde sind, lässt sich die Zeit gewinnbringender
verbringen!
BLECHSCHMIDT, Peter (2017): Ummelden oder zahlen.
Immer mehr deutsche Kommunen
verlangen eine Zweitwohnungssteuer. Berlin tut das schon länger - und
will den Satz jetzt sogar verdreifachen. Aus gutem Grund: Für jeden
Einwohner mit Erstwohnsitz gibt es Geld aus dem Finanzausgleich,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 07.04.
Peter BLECHSCHMIDT polemisiert gegen die Erhebung von
Zweitwohnungssteuern. Mitstreiter sind der Bund der Steuerzahler und
Eigentümer-Zentralverband Haus und Grund, also die
Lobbyorganisationen von Besser- und Spitzenverdienern, die für eine
Abschaffung plädieren - aber keine Alternativen anbieten wie z.B.
der kommunale Finanzausgleich sozial gerechter gestaltet werden
könnte.
"Die Zweitwohnungssteuer (...)
ist relativ jung; erst 1972 wurde sie erfunden. Mittlerweile wird
sie nach den Erkenntnissen von Haus und Grund in 517 Städten
erhoben, wobei Bayern mit mehr als 100 Kommunen Spitzenreiter ist.
(...).
Die Stadt Überlingen am Bodensee, die als Erste überhaupt die
Steuer einzog, hat den Satz kürzlich auf 23 Prozent erhöht",
erläutert uns BLECHSCHMIDT. Die
Zweitwohnungsteuer wird also nur in sehr wenigen Kommunen
Deutschlands überhaupt erhoben - und vor allem nur von attraktiven
Kommunen. Obwohl also nur wenige betroffen sind, will uns
BLECHSCHMIDT weismachen, dass davon die Republik im Mark erschüttert
wird, denn:
"Das trifft besonders hart
gering verdienende Berufspendler und Studenten, die häufig fernab
ihres ersten Wohnsitzes eine Universität besuchen".
Berufspendler benötigen jedoch
keinen Zweitwohnsitz, sondern nur das multilokale Wohnen von
Shuttles und Fernpendlern wird tangiert. Studenten gehören dagegen
meist nicht zu den Armen, sondern haben meist
Akademiker-Elternhäuser im Hintergrund. BLECHSCHMIDT vertritt also
vorwiegend die Interessen seines Wohlstandsakademikermilieus. Denn
warum wollen sich die Studenten nicht mit ihrem Erstwohnsitz
anmelden? Diese Frage klammert BLECHSCHMIDT aus, denn mit der
Ummeldung könnten sie die Steuer umgehen. Zudem sind
Doppelkarrierepaare der oberen Mittelschicht, die meist verheiratet
sind, durch das Bundesverfassungsgericht vor der Steuer beschützt.
Unverheiratete Doppelkarrierepaare können die Ausgaben von der
Steuer absetzen. Dazu passt, dass für BLECHSCHMIDT Mobilität nur als
Aufwärtsmobilität in den Blick kommt, während jene, die gegen den
sozialen Abstieg ankämpfen, außen vor bleiben, obgleich gerade jene
besonders hart betroffen wären und durch die Hartz-Gesetzgebung
sogar ein Mobilitätszwang geschaffen wurde.
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HOYER, Niklas
(2017): Premium sind nur die Provisionen.
Riester-Rente: Niedrigzins, Kosten
und schädliche Regeln bremsen die staatlich geförderte Altersvorsorge.
Die Renditen sind bescheiden - mit einer Ausnahme,
in:
Wirtschaftswoche Nr.15 v. 07.04.
Niklas HOYER präsentiert uns Zahlen zur Rendite von
Riester-Verträgen, aber nur wer das Kleingedruckte unter einer
Tabelle liest, erfährt, dass die Zahlen keinen Durchschnitt
darstellen, sondern einem Tarifprodukt der Allianz entnommen sind
und zudem eine Reihe von Annahmen enthalten, die die Aussagekraft
enorm einschränken. Es geht also nicht um Information, sondern um
eine Polemik, denn derzeit wird mit dem
Betriebsrentenstärkungsgesetz auch an Änderungen der privaten
Altersvorsorge gearbeitet. In diesem Zusammenhang muss man die
Kritik der Finanzmarktakteure betrachten.
"Einige Versicherer, wie
Cosmos-Direkt, bieten mittlerweile kein Riester mehr an (...).
Andere schicken ältere Interessenten nach Hause. Bei Ergo werden
neuerdings nur noch Neukunden bis 50 Jahre bedient, bei der
Hannoverschen liegt das Höchstalter bei 49 Jahren",
berichtet HOYER über Einzelfälle
der Branche, die offenbar eine Tendenz suggerieren sollen.
"Dabei ist Altersvorsorge
wichtiger denn je. Angesichts der schrumpfenden Bevölkerung wird
die Rente künftig weniger stark steigen als die Löhne",
verkündet uns der Witzbold.
Die Renten steigen bereits seit Jahren weniger stark als die Löhne,
was uns die Wirtschaftsteile der Mainstreamzeitungen ständig unter
die Nase reiben, wenn es darum geht eine Stabilisierung des
Rentenniveaus zu verhindern! Ob die Bevölkerung überhaupt schrumpfen
wird, ist ebenfalls noch nicht ausgemacht.
"Wie es nach der Bundestagswahl
im September weitergeht, hängt von CDU und SPD ab - ohne
wenigstens eine der Parteien wird es keine neue Bundesregierung
geben. Im Fokus ihrer Rentenreformen wird aber die gesetzliche
Rente stehen, nicht Reister",
klagt uns HOYER als Lobbyist der
Finanzmarktakteure. Während bei der betrieblichen Altersvorsorge ein
Garantieverbot geplant ist, soll bei Riester-Verträgen nach deren
Willen auch eine Abweichung von den Garantien möglich sein. Geht man
15 Jahre zurück, dann wurde die Riester-Rente nur durchsetzbar, weil
Garantien versprochen wurden.
Fazit: Auf die Akteure der
privaten Altersvorsorge ist kein Verlass. Sie verkaufen uns nur das,
was ihnen die höchsten Profite verspricht und verlagern die Risiken
auf die Versicherten. Es gilt deshalb die gesetzliche
Rentenversicherung zu stärken, statt zu schwächen.
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REICHEL, Reiner
(2017): Förderung vertreibt Investoren.
Sozialwohnungsbau: Bezahlbarer
Wohnraum wird dringend gesucht. Doch die Zahl der Sozialwohnungen
nimmt ab. Zu geringe Renditen halten Bauträger vom Neubau ab,
in:
Handelsblatt v. 07.04.
Der Artikel zeigt eines ganz
klar: Der Sozialwohnungsbau darf nicht privaten Investoren
überlassen werden, sondern muss wieder zur staatlichen Aufgabe
werden.
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DEMLING, Alexander
(2017): Herrschaft der Hooligans.
Auch die völlig Ahnungslosen dürfen
in der Demokratie abstimmen. Der US-Politikwissenschaftler Jason
Brennan will sie daher abschaffen - und stattdessen den gut
informierten mehr Macht geben,
in:
Handelsblatt v. 07.04.
Mit Postdemokratie können
Bestrebungen beschrieben werden, mit denen die Bevölkerung sogar
noch von den minimalen demokratischen Teilhabemöglichkeiten
ausgeschlossen werden sollen. Dazu gehören alle Formen der
Einschränkungen des Wahlrechts genauso wie die Verlängerung von
Wahlperioden bzw. die Einführung von
Pseudomitbestimmungsmöglichkeiten. Neoliberale setzen vor allem auf
Expertokratien als Demokratieersatz.
Alexander DEMLING stellt uns das
Buch Gegen Demokratie des Poolitikwissenschaftler Jason
BRENNAN vor, dessen elitäres Machwerk bereits durch seine Typologie
der Wähler (Hobbits, Hooligans und Vulkanier) entlarvt wird.
"Brennan will die »Ein Mensch,
eine Stimme«-Demokratie durch die sogenannte Epistokratie, die
Wissensherrschaft, ersetzen. Bürger würden darin einen Test
ablegen, der Grundwissen über politische, soziale und
wirtschaftliche Fakten und Zusammenhänge prüft",
erklärt uns DEMLING diese
Variante der neoliberalen Expertokratie. Familienpolitiker setzen
auf ein Familienwahlrecht, andere wollen Sozialtransferempfänger
ausschließen. Da fragt man sich nur noch, wann sich unsere Eliten
selber wählen werden. Vielleicht sollte man in diesem Zusammenhang
an die französische Revolution erinnern!
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WERMKE, Christian
(2017): Der Sound des Herausforderers.
Martin Schulz - der Kandidat,
in:
Handelsblatt v. 07.04.
Christian WERMKE droht uns mit einer Flut von
SPD-Kanzlerkandidats-Büchern, deren erstes er vorstellt. Können
diese gehaltvoller sein, als das Nichtssagende des Kandidaten? Eher
nicht! Martin SCHULZ steht für die neoliberale EU-Agenda und das
Wahlkampfgeschwafel kann darüber nicht hinwegtäuschen. Schon Peer
STEINBRÜCK ließ sich nicht als Anwalt der kleinen Leute verkaufen.
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NEIßE, Wilfried
(2017): Der Pflege geht der Nachwuchs aus.
Brandenburg: Debatte im Landtag
offenbar dringenden Handlungsbedarf in der Kranken- und Altenpflege,
in:
Neues Deutschland v. 07.04.
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KROHN, Philipp
(2017): Alte Leipziger setzt Wettbewerb unter Druck,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.04.
"Andere haben klassische
Garantien abgeschafft, die Alte Leipziger hält daran fest",
berichtet Philipp KROHN, der ein
Gegner dieser Garantien ist.
Die Alte Leipziger
zeigt, dass es (noch?) Alternativen zur Beerdigung der klassischen
Lebensversicherung gibt: Statt die Eigenmittel durch
Ausschüttungen zu schmälern, setzt die Lebensversicherung auf die
Stärkung der Eigenkapitalquote, die mit 4,26 % mehr als doppelt so
hoch ist wie der Branchendurchschnitt. Mit lukrativen
Garantieprodukten spricht sie zudem unabhängige Versicherungsmakler
an und kann sich im Bereich der betrieblichen Altersvorsorge gegen
Konkurrenten behaupten:
"Vor allem in der betrieblichen
Altersversorgung, wo die Alte Leipziger auf einen Marktanteil von
8 Prozent kommt, hilft das, auch größere Ausschreibungen von
Arbeitgebern für sich zu entscheiden. Die Bruttobeträge in der
Lebensversicherung steigerten sich um 0,7 Prozent auf 2,36
Milliarden Euro",
erläutert KROHN. Die Alte
Leipziger kann deshalb kein Interesse an einem Garantieverbot haben,
wie es das Betriebsrentenstärkungsgesetz der Bundesregierung
vorsieht. Dazu schreibt KROHN jedoch nichts.
KROHN, Philipp
(2017): Aufsicht Eiopa verärgert Europas Versicherer,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.04
Philipp KROHN zählt einige
europäische Lobbyorganisationen der Versicherungswirtschaft auf, die
gegen die Senkung der Ultimate Forward Rate von 4,2 auf 4,05 Prozent
ab Januar 2018 aufbegehren. Die Versicherungswirtschaft befürchtet
nun, dass sie ihre "aufsichtsrechtlich geforderte
Eigenmittelausstattung" verfehlen könnte.
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DÖRR, Julian
(2017): EU-Strukturpolitik auf Abwegen.
Einst nur für arme Regionen
gedacht, fließen die Fördergelder heute bis ins reiche Bayern - mit
absurden Verteilungseffekten. Höchste Zeit für die Reform der
heimlichen Ersatzwirtschaftspolitik,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.04.
Julian DÖRR kritisiert die so genannte
Kohäsionspolitik der EU und plädiert für einen Wettbewerb der
Regionen:
"Schlussendlich sollte die
Förderung tatsächlich auf die Regionen beschränkt werden, die
weder selbst die Leistungsfähigkeit haben, sich zu entwickeln,
noch auf eine wirtschaftstarke, übergeordnete Instanz
zurückgreifen können."
Bei der Betrachtung der
Kohäsionspolitik aus neoliberaler Perspektive wird jener Punkt
ausgeklammert, mit dem die EU ihre "uneinsichtigen" Mitgliedsstaaten
zur Räson bringen will:
"Die Kommission kann die
Fondsmittel für einen Mitgliedstaat aussetzen, falls er sich nicht
an die EU-Wirtschaftsregeln hält." ( Juni 2014)
Die Kohäsionspolitik der EU setzt
mit ihrer Förderung auch Akzente hinsichtlich der Gleichwertigkeit
der Lebensbedingungen in Deutschland, bei der es um die Frage der
Benachteiligung ländlicher Regionen geht, die aufgrund der Angst
unserer neoliberalen Eliten vor populistischen Erfolgen immer
stärker auf die politische Agenda drängt.
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HOCHGESCHWENDER, Michael
(2017): Diesen Weißen geht es ähnlich wie den Schwarzen.
Ins wahre Leben: J. D. Vance führt
in seiner Autobiographie "Hillbilly Elegy" zu den Armen in den
Appalachen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.04.
Michael HOCHGESCHWENDER bewertet an der Autobiographie des
Unternehmensberaters J. D. VANCE den Blick des erfolgreichen, sozialen
Aufsteigers ambivalent:
"Seine Antworten sind immer dann
stark, wenn sie aus der gefühlten Evidenz eigener, unmittelbarer
Erfahrung stammen und mit intimem Erleben gesättigt sind. Aber genau
darin liegt eine der zentralen Schwächen. (...).
Nicht jeder kann sich, wie es der Autor tat, nach einer vertrödelten
Schulzeit, über den Weg des freiwilligen Einsatzes beim United Marine
Corpse im Irak den Weg an die Eliteuniversität Yale und damit in einen
gut bezahlten Job bahnen. (...).
Vance (...) bietet (...) keine echte Alternative zur gegenwärtigen
Situation der weißen Unterklassen. Zu groß ist die Spannung zwischen
individuellem Erfolgsrezept und strukturellen Defiziten."
HOCHGESCHWENDER kritisiert genau
das an VANCE, was
im Wirtschaftsteil der FAZ besonders gelobt wurde: Die
Betonung des eigenen Willens zum Aufstieg als Garant desselben.
HOCHGESCHWENDER betont dagegen die strukturellen Defizite der Region.
Die
Autobiographien erfolgreicher sozialer Aufsteiger bieten zwar
einen Einblick, aber sie blenden meist jene Bedingungen aus, die
jenseits ihrer eigenen Situation das grundsätzliche Scheitern von
Aufstiegsbemühungen prägt. Von daher wäre es an der Zeit, dass jene
eine Stimme er halten, die mit ihren Aufstiegsbemühungen gescheitert
sind. Ihre Erfahrungen wären ungleich wichtiger als jene von
erfolgreichen sozialen Aufsteigern, die meist nur den Mythos von der
Leistungsgesellschaft bestätigen sollen.
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06.04.2017
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PAUER, Nina (2017): Ihr wolltet es so.
Zwischen Eltern und
Kinderlosen herrscht ein harter Wettbewerb um das richtige
Lebensmodell. Warum sind alle beleidigt?
in:
Die ZEIT Nr.15 v. 06.04.
Es gibt gerade keinen Grund,
Eltern und Kinderlose aufeinanderzuhetzen, weshalb Nina PAUER die
Kampfpause nutzt, um den angeblichen Mechanismus des Kampfes der
Lebensstile aufzudecken: Die Illusion der Wahlfreiheit bzw. der
Multioptionalität. Gleichzeitig outet sie sich damit als Mitglied
der "urbanen, kreativen und akademischen Milieus", denn der Rest der
Gesellschaft war sowieso nie dieser Illusion bzw. dem Versprechen
der Individualisierung erlegen - und war auch nie damit gemeint,
sollte man dazufügen.
"In den fünfziger Jahren
bestand noch gesellschaftlicher Konsens über die Lebensziele Haus,
Heirat und Kinder",
glorifiziert PAUER das
bürgerliche Ideal, denn gesellschaftlicher Konsens war damals reine
Elitensache. Tatsächlich entbrannte bereits Mitte der 1950er Jahre -
also in der Wirtschaftswunderzeit - der Kampf der Lebensstile. Alle
Klischees, die Nina PAUER als Entdeckung ihrer Generation feiert,
konnte man bereits in dem 1961 erschienenen Buch
Gebrannte Kinder von Richard KAUFMANN nachlesen.
"Der neue Hang zum
Lebensvergleich hat klassenkampfähnliche Züge",
meint PAUER. Von neu kann keine
Rede sein, denn der
Kampf der Lebensstile wurde bereits Mitte der 1980er Jahre als
Teil der sozialen Bewegungen initiiert und vom Soziologen Ulrich
BECK popularisiert. Seit damals ist der Lebensvergleich Teil der
Identitätspolitik der neuen Mitte. Dass PAUER diese Inszenierung
immer noch intoniert, zeigt höchstens wie wenig fortschrittlich ihre
Generation (genauer: ihr soziales Umfeld) ist. Die Soziologin
Cornelia KOPPETSCH spricht von der
Wiederkehr der Konformität. In dieser neuen Ära ist PAUER
und ihr soziales Umfeld ganz offensichtlich noch nicht angekommen.
Vielleicht liegt das daran, dass PAUER lieber ins vertraute Amerika
(David
RIESMAN und Adam PHILLIPS
"Missing out") und ihr eigenes Milieu blickt als vor ihre eigene
Haustür zu gehen und die Wohlfühloase ihres Milieus zu verlassen.
Fazit: Nina PAUER schreibt für
Ewiggestrige, die noch nicht in der neuen Zeit angekommen sind!
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AUGSTEIN, Jakob (2017): "Wozu der ganze Mist!".
Im Gespräch: Was ist los in einer
gereizten Gesellschaft, wenn jede Verständigung scheitert? Heinz Bude
und Jakob Augstein über Stimmung,
in:
Die ZEIT Nr.15 v. 06.04.
Der Soziologe Heinz BUDE darf zum
wiederholten Male seine bekannten Thesen breittreten. Mit dem
SPD-Kanzlerkandidaten und Stimmungspolitiker Martin SCHULZ meint er
die SPD auf dem richtigen Weg. SCHULZ ist der Liebling der
Agenda-Elite, die meint, dass ein bisschen Face-Lifting genügt, um
so weitermachen zu können wie bisher.
"In den USA sinkt die
Lebenserwartung von Männern ohne College-Abschluss seit zehn
Jahren",
weiß nun selbst Heinz BUDE. Vor
10 Jahren interessierte ihn das als Vordenker der Berliner Republik
und des Selbstunternehmertums nicht. Jetzt spricht er von
"vergessenen Männern und Frauen" als dem "neuen Proletariat" und
meint damit, was früher als "working poor" oder Beschäftigte im
Niedriglohnsektor des Dienstleistungssektors bezeichnet wurde.
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Der
Berufsbildungsbericht 2017 in den Medien
CREUTZBURG, Dietrich
(2017): Fleischer und Bäcker finden keine Lehrlinge.
Wer eine Lehrstelle sucht, muss
nicht mehr lange suchen. Im Gegenteil: In Ostdeutschland oder Bayern
kann jede zehnte Lehrstelle nicht mehr besetzt werden,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.04.
Dietrich CREUTZBURG betrachtet
die Ausbildungssituation in Deutschland in erster Linie aus der
Perspektive der Arbeitgeberlobby, die an billigen Arbeitskräften
interessiert sind, weshalb er das Schlagwort vom
"Fachkräftemangel" benutzt, denn nur eine große Reservearmee und
der Kampf vieler um eine Stelle garantiert Profitsteigerungen.
Der demografische Wandel und
der Fachkräftemangel ist jedoch nicht das Problem, sondern die
Tatsache, dass es beliebte bzw. unbeliebte und unlukrative bzw.
lukrative Ausbildungsberufe gibt, zeigt, dass das Passungsproblem
von Angebot und Nachfrage in erster Linie hausgemacht ist.
CREUTZBURG nennt deshalb Möglichkeiten, um die Attraktivität von
Ausbildungen zu steigern:
"So könne noch mehr dafür
getan werden, um junge Frauen für technische Berufe zu
begeistern. Auch gelte es, die Mobilität der jungen Menschen
stärker zu unterstützen - »zum Beispiel auch dadurch, dass der
Betrieb dem Azubi einen Führerschein finanziert«, so die
Ministerin."
PETER, Tobias
(2017): Ausbildungschancen "so gut wie nie".
Bundesregierung: Viele Lehrstellen
bleiben unbesetzt. Angebot und Nachfrage passen häufig nicht
zusammen,
in:
Frankfurter Rundschau v. 06.04.
"Die Alternative zur
Ausbildung kann zum Beispiel eine berufsvorbereitende Maßnahme
oder ein Praktikum sein",
erklärt uns Tobias PETER.
Immerhin ca. 60.000 junge Erwachsene geben sich nicht mit einer
unbeliebten bzw. unlukrativen Ausbildung zufrieden, sondern
greifen lieber zur Alternative - oder studieren lieber gleich.
ÖCHSNER, Thomas (2017): Viele bleiben draußen.
Eigentlich sind die Chancen auf
einen Ausbildungsplatz gut. Trotzdem gehen mehr als 20.000
Jugendliche leer aus. Das zeigt der neue Berufsbildungsbericht,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 06.04.
"Es gibt wegen des
Geburtenknicks weniger Schulabgänger und um fast 200.000 weniger
Bewerber als noch vor zehn Jahren. Gleichzeitig beginnen etwa
150.000 junge Menschen mehr als vor einem Jahrzehnt ein
Studium",
erklärt uns Thomas ÖCHSNER die
angebliche Demografie der Ausbildungssituation. Im
Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2017 heißt es:
"Zwischen 2004 und 2015 war
die bundesweite Zahl der der Abgänger/-innen und
Absolventen/Absolventinnen aus allgemeinbildenden Schulen
bereits um 119.400 auf 826.000 gesunken. (...). Dabei sank seit
2004 insbesondere die Zahl der nicht studienberechtigten
Schulabgänger/-innen, die die Hauptklientel der dualen
Berufsausbildung bilden. 714.800 Abgängerinnen und Abgängern im
Jahr 2004 standen nur noch 543.300 im Jahr 2015 gegenüber
(-171.500)". (2017, S.18)
Das sind offenbar jene Zahlen,
die ÖCHSNER uns präsentiert, ohne jedoch darauf hinzuweisen, dass
sich das Defizit durch die Zuwanderung von minderjährigen
Geflüchteten verringert. Zudem werden weitere Gruppen
unterschlagen, die der Berufsbildungsbericht 2017 folgendermaßen
beschreibt:
"Zu beachten ist, dass neben
den Schulabgängerinnen und Schulabgängern aus allgemeinbildenden
Schulen auch weitere Gruppen wie insbesondere Schulabgängerinnen
und Schulabgänger aus beruflichen Schulen, Altbewerberinnen und
Altbewerber, Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher eine
Ausbildung nachfragen" (2017, S.46 Fn 38),
Der Berufsbildungsbericht 2017
schweigt sich ansonsten über den demografisch bedingten
Schulabgängerrückgang aus.
Fazit: Das Potenzial der
Nachfrager wird durch den angeblichen demografischen Wandel als zu
niedrig ausgewiesen und die hausgemachten Probleme der deutschen
Wirtschaft verharmlost.
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FRATZSCHER, Marcel (2017): Zufriedenheit und Ungleichheit.
Standpunkt,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.04.
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LASCH, Hendrik
(2017): Wider den Stachel der Demütigung.
Sächsische Ministerin will mehr
Respekt für ostdeutsche Lebensleistungen - und einen
"Gerechtigkeitsfonds",
in:
Neues Deutschland v. 06.04.
Hendrik LASCH berichtet über die
sächsische SPD-Ministerin Petra KÖPPING, die einen
"Gerechtigkeitsfonds" ins Spiel gebracht hat:
"Es gehe etwa um
Rentenansprüche von Reichsbahnern, Bergleuten und geschiedenen
Ost-Frauen."
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POELCHAU, Simon
(2017): Unten kommt zu wenig an.
EU-Kommission rügt Bundesregierung
wegen unsozialer Verteilungspolitik,
in:
Neues Deutschland v. 06.04.
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Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte
ENZ, Werner
(2017): Gespaltene Schweizer BVG-Welten.
Kommentar: Publica senkt
Umwandlungssatz,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 06.04.
Werner ENZ hetzt gegen die geplante Rentenreform 2020, deren
Senkung des Umwandlungssatzes (schrittweise Senkung ab 2019 von
6,8 auf 6,0 %) dem Neoliberalen nicht weit genug geht. Er hofft
deshalb, dass die geplante Senkung des Umwandlungssatzes auf 5,09
% im Jahr 2019 durch die Pensionskasse Publica, die Politik unter
Handlungsdruck setzt.
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05.04.2017
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THIEL, Thomas
(2017): Aufschrei der Unberührbaren.
Lief Michel Foucault in seiner
Gouvernementalitätstheorie dem Neoliberalismus in die Arme - mit
gravierenden Folgen bis heute? Die Debatte um den Vordenker der
Identitätspolitik ist neu entflammt,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.04.
"Nach der amerikanischen
Präsidentschaftswahl ist die Debatte neu entflammt, ob Foucault
(...) eine Blaupause jener Identitätspolitik vorgelegt hat, die
für die Sprachlosigkeit der akademischen Intelligenz vor der
Renaissance des Nationalismus verantwortlich ist",
schreibt Thomas THIEL, der den
Sammelband
Foucault and Neoliberalism, herausgegeben von Daniel ZAMORA
& Michael C. BEHRENT vorstellt, aber verschweigt, dass dieser
bereits Ende 2015 erschienen ist - und damit auch keine Reaktion auf
TRUMPs Sieg ist.
"Das Buch bettet Foucaults
Wende in das intellektuelle Panorama der siebziger Jahre, das in
Frankreich von verblassenden Revolutionshoffnungen und dem Bruch
vieler Intellektueller mit dem Marxismus geprägt ist. Foucault,
einest Mitglied der Kommunistischen Partei, die er nun abgrundtief
hasst, solidarisiert sich mit den Nouvelles Philosophes (...).
Foucault (...) verwirft im selben Atemzug den Staat und sucht nach
anderen Formen der Regierung. (...). Klassenkampf und
Verteilungsfragen verschwinden von der Tagesordnung. Die Agenda
setzt jetzt die Identitätspolitik: Rassismus, Exklusion,
Feminismus und sexuelle Befreiung. (...). Foucault (...) verwirft
die schwerfällige Staatstheorie und feiert das Freiheitspotential
des amerikanischen Neoliberalismus, der (...) ohne Zwang auskomme
(...) und ihm Anreize zur Selbstermächtigung zuliefere",
fasst THEIL das Wesen des Werks
von Michel FOUCAULT zusammen. Das Problem dabei ist nur, dass
FOUCAULT bereits tot war, als die Schattenseiten des Neoliberalismus
in den 1980er und 1990er Jahren deutlich wurden.
Außerdem - und das ist ganz
entscheidend - wird der Begriff der Identitätspolitik von THIEL und
den FOUCAULT-Kritikern verkürzt, denn Identitätspolitik ist kein
linkes Metier, sondern Politik der Mitte. Seit den 1990er Jahren
richtete sich die Identitätspolitik der Mitte in Deutschland gegen
Singles und Kinderlose. Im Zuge der Demografisierung
gesellschaftlicher Probleme durchdrang sie viele Politikbereiche.
FOUCAULT wurde vor allem durch sein Konzept der Selbstsorge
vereinnahmt, um den - als paternalistisch gegeißelten Sozialstaat
abzubauen. Dieser
Umbau des Sozialstaats im Zeichen von Zivil- und
Dienstleistungsgesellschaft wurde bereits im Jahr 2001 auf
dieser Website problematisiert.
Richtig ist, dass FOUCAULTs
Sichtweise im Frankreich der 1980er und 1990er Jahre soziale
Aufsteiger wie Didier ERIBON ("Rückkehr
nach Reims") anzog. Die Identitätspolitik verdrängte die soziale
Frage, weil sie den damaligen Zeitgeist wiederspiegelte.
Sie ermöglichte Arbeiterkindern wie ERIBON den sozialen Aufstieg in
die intellektuelle Elite Frankreichs. Die jetzige Kritik
wiederum zeigt nur, dass sich der Zeitgeist gedreht hat - und zwar
nicht erst wegen dem Brexit oder TRUMP. Das sind Phänomene, die nur
noch die Ewiggestrigen wachrüttelten. Wer Augen hatte, um zu sehen,
der erkannte spätestens Mitte der 1990er Jahre in Deutschland,
welche fatalen Entwicklungen eingesetzt haben. Wenn es bei THIEL
heißt, dass FOUCAULT eine
"apologetische, zutiefst
unpolitische Nacherzählung des Neoliberalismus"
geliefert hat, dann gilt das umso
mehr für das deutsche Äquivalent der Individualisierungstheorie von
Ulrich BECK. Individualisierung ist die soziologische Bezeichnung
für Neoliberalismus. In den Lobpreisungen dieser
Wissenschaftsrichtung erscheint
Individualisierung als Versprechen, während der bestrafende Staat
der Hartzgesellschaft ausgeklammert wird.
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BÄHR, Sebastian (2017): Randthema soziale Gerechtigkeit.
SPD-Bundestagsabgeordneter Marco
Bülow über die Themenauswahl in den politischen Talksendungen in ARD
und ZDF,
in:
Neues Deutschland v. 05.04.
"Mit seinem Team untersuchte er
zwischen Oktober 2015 bis Anfang März 2017 insgesamt 204 Sendungen
der Formate »Maischberger«, »Anne Will«, »Hart aber fair«,
»Günther Jauch« und »Maybritt Illner«. 52 Mal ging es um
Flüchtlinge, 22 Mal um den Terror des IS, Altersarmut und Rente
waren dagegen nur vier bzw. drei Mal Gegenstand der Diskussion",
berichtet Sebastian BÄHR über die
Untersuchungen des Forschungsteams um Marco BÜLOW.
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DAS, Lilian & Stefanie HERGERT
(2017): Wenn das Geld nicht reicht.
Armut und soziale Gerechtigkeit
werden zwei zentrale Themen im Bundestagswahlkampf 2017 sein. In
vielen Debatten geht es aber erst einmal darum, wie man Armut misst.
Denn mit wenig Geld ist man nicht überall arm. Wird das regionale
Preisniveau berücksichtigt, ist da Stadt-Land-Gefälle stärker als das
zwischen Ost und West,
in:
Handelsblatt v. 05.04.
Das Schlagwort von der
"Kaufkraftarmut", mit dem DAS & HERGERT den relativen Armutsbegriff
diffamieren, ist ein Kampfbegriff der Arbeitgeberlobbyorganisation IW
Köln. Dem unterliegt die Vorstellung, dass sich Arme gefälligst aus
den begehrten urbanen Zentren zurückziehen sollen, um ihr Armutsdasein
in den peripheren Gebieten unseres Landes zu fristen.
Fazit: Gelänge die Ghettoisierung
der Armen an der deutschen Peripherie, dann würde sich die Armutsquote
in Deutschland senken lassen, so die neoliberale Vorstellung von
kostengünstiger Armutsbekämpfung.
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REZMER, Anke
(2017): Weniger Anleihen bitte!
Betriebsrenten: Vermögensverwalter
und Berater empfehlen Managern von Pensionsvermögen Alternativen zu
Zinspapieren,
in:
Handelsblatt v. 05.04.
Anke REZMER macht PR für die
Unternehmensberater von Willis Towers Watson und die
Vermögensverwaltung Flossbach von Storch, die das Geschäftsfeld
Betriebsrente beackern.
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WELTER, Patrick (2017): Arbeitskräftemangel in Japan.
Umfrage der Notenbank bestätigt
einen gemässigten Erholungstrend,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 05.04.
"Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter sank in den vergangenen
zwanzig Jahren um fast 11 Mio. auf 76,2 Mio. Ökonomen erwarten,
dass mit der jetzigen Verknappung auf mittlere Frist die Löhne
steigen werden",
erklärt uns Patrick WELTER die
Konsequenzen der Alterung der japanischen Bevölkerung.
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Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte
SCHÖCHLI, Hansueli
(2017): Weshalb die Männer früher sterben.
Die neuesten Daten zur Lebenserwartung
rufen nach Rückfragen zum Frauenbonus,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 05.04.
Wie bereits vor zwei Tagen Marcel
AMREIN, nutzt nun auch Hansueli SCHÖCHLI die Veröffentlichung zur
Lebenserwartung, um eine neoliberale Rentenpolitik der Erhöhung
des Renteneintrittsalters zu rechtfertigen. Differenzierungen
aufgrund der Ungleichheit der Lebenserwartung lehnt SCHÖCHLI
entschieden ab. Männer seien zudem zu ca. 75 % selber schuld, dass
ihre Lebenserwartung niedriger ist als jene der Frauen.
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04.04.2017
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BUTTERWEGGE, Christoph (2017): Ein politisches Armutszeugnis.
Soziales: Der neue Armuts- und
Reichtumsbericht der Regierung beschönigt die Lage - trotzdem wird die
Spaltung im Land darin offensichtlich,
in:
TAZ v. 04.04.
"Nach den gesellschaftlichen, sozioökonomischen und politischen
Ursachen der Einkommens- und Vermögensspreizung im Land wird
in dem Bericht (...) gar nicht gefragt, genauso fehlen auch
Empfehlungen zu deren Beseitigung. Gegenstand der Betrachtung sind
allein die individuellen Auslöser persönlicher Notlagen
(...), wohingegen die strukturellen Ursachen für soziale Auf- und
Abstiege weitgehend im Dunkeln bleiben",
kritisiert der
Politikwissenschaftler Christoph BUTTERWEGGE den Armuts- und
Reichtumsbericht. Er wirft dem Bericht zudem vor, den wahren
Reichtum durch die Definition "Einkommensreich" zu verschleiern,
weil dadurch die Vermögenden im Lande außen vor bleiben.
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FREUDENBERG, Sandra (2017): An der Schwelle zum Paradies.
Reportage: Die "Zuagroasten" gehen
sonntags nicht in die Kirche. Das Wirtshaus am Marktplatz serviert
vegane Gerichte. Ein kleines Haus kostet 850.000 Euro. Wie Holzkirchen
versucht, sich mit dem Umbruch zu arrangieren,
in:
TAZ v. 04.04.
"Holzkirchen liegt etwa 30 Kilometer südlich von München und ist
so etwas wie das Einfallstor für Städter, die das Wochenende am
Tegernsee oder in den bayerischen Alpen verbringen wollen. (...)
Entsprechend oft ballt sich rund um die 17.000-Seelen-Gemeinde der
Autoverkehr - bundesweit bekannt ist Holzkirchen vor allem durch
die Staumeldungen auf der A8 Richtung Salzburg",
beschreibt Sandra FREUDENBERG die
Lage von
Holzkirchen im oberbayerischen Landkreis Miesbach.
"Nach Holzkirchen ziehen
Menschen, die ihre Jobs und ihr Leben in der Großstadt nicht
aufgeben, ihre Kinder zugleich aber auf »dem Land« großziehen
wollen. »Auskindern« nennt das der ortsansässige
Immobilienmakler",
erklärt uns FREUDENBERG das
Klientel der Family-Gentrifier von Holzkirchen. Der Begriff wurde
ursprünglich für jene Doppelkarrierefamilie geprägt, die
innenstadtnah wohnen wollte. Im Zuge der neoliberalen
Standortpolitik in Deutschland, können sich viele
Doppelkarrierefamilien eine innenstadtnahe Wohnung in den großen,
attraktiven Metropolregionen nicht mehr leisten und ziehen deshalb
wieder vermehr in die Umlandgemeinden von Metropolen. Die taz
folgt nun ihrem Klientel des urbanen, kreativen Milieus in die neuen
"sozialen Brennpunkte".
Holzkirchen wird nicht wie von
Wikipedia als "bevölkerungsreichste und wirtschaftlich stärkste
Kommune des Landkreises" beschrieben, sondern als Ort, an dem sich
das grüne taz-Klientel wohlfühlen könnte:
"Holzkirchen (...) an der
Schnittstelle der Landkreise München und Miesbach (...). Es gibt
neben dem staatlichen auch ein privates Gymnasium, eine private
Grundschule bietet Ganztagsbetreuung. Für den Nachwuchs ist rundum
gesorgt: Waldorf- und Waldkindergarten, Montessori- und
Musikschule."
Statt einer Fußgängerzone gibt es
jedoch nur eine Hauptverkehrsstraße im Ortskern. Und die
einheimische Jugend lungert herum, während die eingefallenen
"Neureichen" Golf, Polo und sonstige mehr oder weniger trendigen
Freizeitvergnügungen nachgehen.
Fazit: FREUDENBERG stellt
Holzkirchen als Ort vor, in dem Etablierte und Außenseiter (Norbert
ELIAS) bzw. Einheimische und Zugereiste (FREUDENBERG) mit ihren je
eigenen Vorstellungen vom guten Leben aufeinanderprallen.
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DELHAES, Daniel/GREIVE, Martin/SPECHT, Frank (2017): Ein Herz für
Familien.
Union und SPD überbieten sich mit
Versprechen für eine bessere Familienförderung,
in:
Handelsblatt v. 04.04.
SPECHT, Frank (2017): Die heile Welt der SPD.
Kommentar: Die SPD geht mit ihrer
Familienarbeitszeit einen Schritt zu weit,
in:
Handelsblatt v. 04.04.
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CREUTZBURG, Dietrich & Manfred
SCHÄFERS
(2017): Wettstreit um die Gunst der Familien.
Die CSU lockt mit dem
Kindersplitting. Die SPD umwirbt Eltern mit mehr Leistungen. Was
kosten die Versprechen? Wie passen sie in das Steuerrecht?
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.04.
SCHÄFERS, Manfred
(2017): Seehofers Kinderstück.
Kommentar,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.04.
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Die
Präsentation des Wahlprogramms der Linkspartei in den Medien
CREUTZBURG, Dietrich &
Hendrik WIEDUWILT
(2017): Billig wohnen, Reiche besteuern.
Die Linkspartei stellt ihr
Wahlprogramm vor,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.04.
CREUTZBURG & WIEDUWILT stellen
eine sehr selektive Auswahl aus dem Wahlprogramm der Linkspartei
vor.
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KAHL, Jürgen
(2017): Duisburgs Rettung kommt aus dem Fernen Osten.
Die Zugverbindung zwischen China
und Deutschland weckt in der armen Ruhrpott-Stadt viel Hoffnung - und
etwas Skepsis,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 04.04.
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03.04.2017
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MAUER, Heike
(2017): In die Gedöns-Falle getappt.
Populismus: Die aktuelle Debatte um
den Zusammenhang von Sozialer Frage und Rechtspopulismus blendet
Reproduktionsverhältnisse aus,
in:
TAZ v. 03.04.
Heike MAUER versucht davon
abzulenken, dass in Deutschland der neoliberale Elitenfeminismus
dominiert. Es geht nicht um eine ökonomistische Verkürzung der
sozialen Frage, die MAUER den Linken vorwirft, sondern darum, dass
unter dem Mäntelchen der Geschlechtergleichheit die
Doppelkarrierefamilie der oberen Mittelschicht zum Ideal erhoben
und damit die Gesellschaft gespalten wird.
Nichts davon lesen wir bei MAUER,
die sich auf Nancy FRASER beruft, die jedoch
in einem aktuellen Aufsatz genau jenen neoliberalen
Elitenfeminismus kritisiert, den MAUER in ihrem Artikel verharmlost,
um dieser Art von elitärem Feminismus einen sozialen Anstrich zu
verpassen!
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PRANTL, Heribert (2017): Die Steuer, ein Kinderfeind.
Kommentar: Bevorzugung nur der Ehe
ist Benachteiligung der Familie,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 03.04.
Heribert PRANTL gehört wie Heike MAUER zu jener Fraktion, die die
Doppelkarrierefamilie der oberen Mittelschicht zur Richtschnur für
die ganze Familie machen möchte. Wenn er für ein Familiensplitting
plädiert, dann profitieren davon in erster Linie Besser- und
Spitzenverdiener. Das ist keine Kinderförderung, sondern gehört wie
das Elterngeld in die Rubrik, dass in Deutschland die Kinder von
Akademikern mehr Wert sein sollen als andere.
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STEFFEN, Johannes (2017): Rentenanpassung 2017.
Mindestlohn wirkt im Osten abermals
anpassungssteigernd,
in:
sozialpolitik-portal.de v. 03.04.
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HEBEL, Stephan
(2017): Linke CDU, dumme Wähler?
Der Aufstieg der AfD, der Kurs der
Kanzlerin und die unverdiente Beliebtheit gängiger Erklärungen,
in:
Neues Deutschland v. 03.04.
Auszug aus dem neuen Buch
Mutter Blamage und die Brandstifter von Stephan HEBEL. Der
Linksruck der CDU wird als Neoliberalismus beschrieben und der
Politikwissenschaftler Herfried MÜNKLER als Teil der herablassenden
Elite, die in den Wählern der Linken und Rechten nur dumme und
unwissende Menschen sieht.
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DECKERS, Daniel
(2017): Besser als ihr Ruf.
Meinungsumfragen beeinflussen die
Bürger - warum auch nicht?
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.04.
Daniel DECKERS hofiert die
Meinungsforscher von ZDF und Bildzeitung. In der Retrospektive
werden deren Ergebnisse so umgedeutet, dass sie den rechten Sinn
ergeben. Entscheidender ist jedoch die Prospektive, denn diese
Deutungen, die von den Medien unters Wahlvolk gestreut werden, haben
rein wahlkampfstrategische Bedeutung. Sie können die Wähler
mobilisieren oder beruhigen und beeinflussen dadurch auch den
Wahlausgang. Das findet DECKERS ganz in Ordnung.
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ETTEL, Anja
(2017): Einfaches Rezept für mehr Glück.
Seit die Regierung 2016 ergründete,
was die Deutschen zufrieden macht, ist wenig passiert. Laut einer
Studie wäre es für die Politik relativ leicht, die Lebensqualität
spürbar zu steigern,
in:
Welt v. 03.04.
Umverteilung kostet, Glück gibt
es dagegen günstig, weshalb Lebensqualität im neoliberalen Zeitalter
zur neuen Wunderwaffe avanciert ist. Anja ETTEL berichtet über den
ehemaligen Deutsche Bank-Ökonomen Stefan BERGMANN (dessen Biografie
für den Aufbau einer Denkfabrik mit wohlklingendem Namen auf
eine Saulus-Paulus-Konvertitengeschichte getrimmt wurde) und dessen
Studie, über die ETTEL exklusiv berichten darf. In dem Artikel geht
es fast ausschließlich um das Sicherheitsgefühl der Deutschen, das
mit der objektiven Faktenlage nicht übereinstimme. Bei der Armut
interessiert sie nur die Armut der Vollzeitbeschäftigten.
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Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte
AMREIN, Marcel (2017): Die Männer holen auf.
Lebenserwartung für beide
Geschlechter bei über achtzig Jahren,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 03.04.
Marcel AMREIN stellt die
Veröffentlichung neuer Zahlen zur Lebenserwartung der Schweizer
einzig und allein in den Kontext der Rentenreform, um den
Schweizern vorzuhalten, dass das Renteneintrittsalter angesichts
ihrer Lebenserwartung zu niedrig ist, denn die Lebenserwartung
eines 65-jährigen Mannes beträgt 18,9 Jahre, diejenige der Frauen
sogar 22 Jahre.
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02.04.2017
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WAGNER, Gerald (2017): Später Umstieg ist immer möglich.
Den Schulen wird vorgeworfen, sei
würden soziale Unterschiede festigen, statt sie zu verringern,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 02.04.
In einem unfreiwillig komischen Artikel zeigt Gerald WAGNER genau
das Gegenteil von dem, was er verlautbaren lässt. In Deutschland ist
die soziale Herkunft der entscheidende Faktor für eine
Bildungskarriere, weil sich das in der präsentierten Studie nicht
widerlegen lässt, kommt er zu dem Schluss:
"Den Schulen (...) ist eine
niedrige Bildungsherkunft ihrer Schüler (...) nicht vorzuwerfen."
Oder anders formuliert: WAGNER
ist der Auffassung, dass es durchaus richtig ist, wenn Kinder aus
bildungsfernen Schichten keine Karriere machen und seinesgleichen
unter sicht bleiben kann.
So freut er sich darüber, dass Migranten aus einem
Akademikerelternhaus hierzulande einen sozialen Aufstieg schaffen,
während Arbeiterkinder durch ihr bildungsfernes Elternhaus auf der
Strecke bleiben. Normalerweise gilt nur als sozialer Aufsteiger, wer
einen höheren Bildungsabschluss erreicht als seine Eltern. Das aber
sieht WAGNER nicht als Aufgabe von Schulen!
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01.04.2017
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Klassengesellschaft oder nivellierte Mittelschichtgesellschaft?
HAGELÜKEN, Alexander
(2017): Boom ohne Boomer.
Samstagsessay: Die deutsche Politik
ignoriert die Mittelschicht schon lange - gefährlich lange für die
Demokratie. Bei der Bundestagswahl lässt sich das endlich ändern.
Doch die Volksparteien zaudern,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 01.04.
Die Beiträge von Alexander
HAGELÜKEN und Thomas STEINFELD ergeben zusammen ein Bild dessen, wer
zur Zielgruppe der SZ gehört. Während HAGELÜKEN die
Mittelschicht definiert, diffamiert STEINFELD den Begriff der
Arbeiterklasse.
"Wer zur Mittelschicht gehört,
wird unterschiedlich definiert. Die engere Definition reicht von
jenen, die etwas weniger des mittleren Einkommens in Deutschland
verdienen bis zu jenen, die eineinhalb Mal so viel verdienen. Für
Singles heißt das: Etwa 1.500 bis 2.500 Euro netto im Monat. Für
eine Familie mit zwei Kindern 3.000 bis 5.500 Euro im Monat. Da
fallen Facharbeiter genauso darunter wie Lehrer, Sachbearbeiter und
Ingenieure",
erklärt uns HAGELÜKEN, der sich
damit die
Definition der Arbeitgeberlobbyorganisation IW Köln zu eigen
macht, die auch schon
der Stern in
einer Titelgeschichte verbreitet hat, nur dass er das
verschleiert.
Die Mittelschicht definiert
HAGELÜKEN jedoch nicht nur über das Einkommen, sondern auch über
deren Vorstellungen vom guten Leben:
"Einmal zur Mittelschicht
gehören, mit eigener Immobilie, Fernreisen in den Urlaub, Studium
für die Kinder."
Während
die FAZ aufgrund
einer Studie der Arbeitgeberlobbyorganisation IW Köln von
"ängstlicher Mitte" spricht, spricht HAGELÜKEN ökonomistisch von
"Stagnierenden". Zudem steckt er ein hohes Politikziel, das er als
gescheitert erklärt:
"Das Verspechen von zunehmendem
Wohlstand, das die Mittelschicht genauso zufriedenstellte wie
potenzielle Aufsteiger - es ist gebrochen."
Bezeichnenderweise wird der
Begriff "Geringverdiener" erst im Zusammenhang mit dem
Rechtspopulismus erwähnt. Das politische Programm, das zur neuen
Größe der Mittelschicht führen soll, umreißt HAGELÜKEN
folgendermaßen:
"Mehr Nettoeinkommen für breite
Schichten, mehr Unterstützung für Familien, Aufstiegschancen,
Perspektiven für die jüngere Generation."
Das ist vage genug, um möglichst
viele anzusprechen: Dazu gehört die "Mehr Brutto fürs
Netto"-Fraktion der Klientelpartei FDP genauso wie die
Wählerklientel der restlichen etablierten Parteien. Das Feindbild
ist die "paternalistische SPD-Sozialtradition", womit wir bei
STEINFELD und der Diffamierung der Arbeiterklasse wären.
STEINFELD, Thomas
(2017): Wenn sein starker Arm es will.
Donald Trump, die neuen Rechten und
Martin Schulz: Sie alle beschwören den Mythos vom Arbeiter. Über die
seltsame Wiederkehr des Proletariats,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 01.04.
Thomas STEINFELD erklärt uns den Mythos von der
Arbeiterklasse. Nach dem Diktum der Individualisierungspropheten
um Ulrich BECK hat sich die Klassengesellschaft aufgelöst:
"Die Klasse (...) wurde
nationalistisch, sozialdemokratisch und bürgerlich",
umschreibt das STEINFELD.
Nur dass sein Klassenbegriff nicht jener von MARX ist, wie er uns
weismachen will, sondern in der Tradition von Max WEBER steht. Dann
geht es nicht mehr um Klassen, sondern nur noch um
Klassenbewusstsein:
"Diesseits der IG Metall jedoch
scheinen sich die Arbeiter kaum mehr als Kollektiv wahrzunehmen, und
sie werden offenbar auch vom Rest der Gesellschaft nicht mehr als
solches wahrgenommen",
erklärt uns STEINFELD diese
verkürzte Sicht,
um dann jedoch zu zeigen, dass diese Sicht falsch ist, denn
schließlich dreht sich sein Aufsatz einzig und allein darum, zu
zeigen, dass die Arbeiterklasse dem Rechtspopulismus aufsitzt, d.h.
sie folgt quasi falschen Göttern. Marxisten sprachen von "falschem
Bewusstsein".
Klassenbewusstsein ist kein Phänomen, das sich aus objektiven
Tatsachen (Klassen) ableitet, sondern es bedarf eines Denksystems,
das die gesellschaftliche Realität erklärbar macht. Oder wie es der
französische Soziologe Didier ERIBON in seinem Buch
Rückkehr nach
Reims schreibt:
"Die
Stellung innerhalb des sozialen Gefüges und der Arbeitswelt bestimmt
noch kein »Klasseninteresse« und sorgt auch nicht automatisch dafür,
dass die Menschen dieses als das ihre wahrnehmen. Dazu bedarf es
vermittelnder Theorien, mit denen Parteien und soziale Bewegungen
eine bestimmte Sichtweise auf die Welt anbieten. Solche Theorien
verleihen den gelebten Erfahrungen zu einem bestimmten Zeitpunkt
eine Form und einen Sinn, und die selben Erfahrungen können ganz
unterschiedlich interpretiert werden, je nachdem, welcher Theorie
oder welchem Diskurs man sich gerade zuwendet, um in ihnen einen
Halt zu finden." (2016, S.142f.)"
In
der deutschen Nachkriegsvergangenheit waren die Deutungsschablonen
von der nivellierten Mittelstandsgesellschaft (SCHELSKY) und der
Individualisierungstheorie à la Ulrich BECK wirkmächtig. Letztere
war eine Theorie der Aufstiegsgesellschaft. In naiver Umkehrung
dieser Sicht wird nun von "Abstiegsgesellschaft" (Oliver NACHTWEY)
gesprochen:
"Die Rückkehr der Arbeiterklasse
ist ein Phänomen der »regressiven Moderne«, wie der Darmstädter
Wirtschaftssoziologe Oliver Nachtwey (...) diese Entwicklung nennt.
Ihre Renaissance hatte sich seit Jahren angekündigt",
erklärt uns STEINFELD. Statt
reflexiver also nur noch regressive Moderne? Auf alle Fälle sind wir
mitten in politischen Deutungskämpfen und STEINFELD geht es um die
Diffamierung des Begriffs Arbeiterklasse und damit um die
Diffamierung von Vorstellungen jenseits der Mittelschichtsdoktrin,
die vor allem den Interessen der oberen Mittelschicht, d.h. dem
elitären Akademikermilieu dient, das sich mit der Oberschicht gegen
den Rest der Gesellschaft verbündet hat.
Fazit: Wenn man dieses
Besitzstandswahrerbündnis als regressive Moderne versteht, dann wird
klar, dass unsere neue Klassengesellschaft die Konsequenz dieser
Interessenpolitik ist. Am Ende steht die gespaltene Gesellschaft.
Denn wenn die urbane Doppelkarrierefamilie der neuen Mittelschicht
die Großstädte in Besitz genommen hat, bleibt dem Rest der
Gesellschaft nur noch das verelendende Land!
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REICHERT, Martin
(2017): So wie wir heute arbeiten.
Die These: Nehmt uns die Angst,
gebt uns die Einheitsrente,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.04.
Martin REICHERT hat im bürgerlichen
Wohlfühlorgan Die ZEIT einen
Artikel von David SHELDRICK gelesen, der sich mit 21 Jahren
darüber beklagt, dass er und seine Frau monatlich nur 5.000 Euro
netto verdienen.
Ein kinderloses Paar gehört mit diesem Einkommen zur oberen
Mittelschicht. Der Mann hat also Luxussorgen, die kein Normalo
nachvollziehen kann, höchstens taz-Journalisten wie REICHERT,
der angesichts dieser Situation von Prekariat und Geringverdienern
spricht und damit all jene beleidigt, die tatsächlich arm in diesem
Land sind.
Weil sich also dieser Yuppie Sorgen
um seine Altersversorgung macht, schlägt REICHERT eine "vernünftige
Altersgrundversorgung" bzw. Einheitsrente vor. SHELDRICK hat
voraussichtlich noch gut 45 Jahre bis zur Rente vor sich, will aber
jetzt schon genau wissen, dass er keine staatliche Rente bzw. kein
sicheres Alterseinkommen mehr erhalten wird. Geht man 40 Jahre
zurück, da gab es bereits schon einmal eine Generation, die sich
Sorgen um ihre Zukunft machte: Jene für die in der Begriff
Jugendarbeitslosigkeit Mitte der 1970er Jahre und
Akademikerarbeitslosigkeit Anfang der 1980er Jahre erfunden wurde.
Die Zukunft ist offenbar immer eine andere als jene, die man sich
ausmalt!
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BRANDSTETTER, Barbara
(2017): Abrechnen, bitte!
Für immer mehr Ruhständler wird das
Finanzamt zum lebenslangen Begleiter. Allein durch die Rentenerhöhung
2016 sind rund 160.000 Rentner in die Steuerpflicht gerutscht,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.04.
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FRANKFURTER RUNDSCHAU-Tagesthema: Wohnungsnot - Kein Platz für
Studenten.
Wenige Tage vor
Vorlesungsbeginn suchen viele Studierende noch nach einer Bleibe. Der
Asta der Goethe-Uni beklagt, dass die Mieten so hoch sind, dass sich
manche kein Studium mehr in Frankfurt leisten können.
HENKE, Judith & Chrsitoph MANUS
(2017): Am Markt vorbei.
Wer in Frankfurt ein Wohnheimzimmer
sucht, hat ein Problem. Es gibt zu wenig Plätze. Und was entsteht, ist
zu teuer,
in:
Frankfurter Rundschau v. 01.04.
HENKE, Judith
(2017): "Das ist Kapitalismus".
Asta fordert mehr günstigen
Wohnraum. Gespräch mit Valentin Fuchs und Felix Sauer,
in:
Frankfurter Rundschau v. 01.04.
HENKE, Judith
(2017): Veganer, hochintelligenter Kletterer gesucht.
Wer in Frankfurt ein WG-Zimmer
sucht, muss sich oft hohen Anforderungen stellen,
in:
Frankfurter Rundschau v. 01.04.
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NEON-Titelgeschichte:
Wer sind deine wahren Freunde?
Wie man merkt, wer im Leben
wichtig ist und wann man besser einen Schlussstrich zieht
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SKROBALA, Jurek (2017): Ein Hoch auf euch.
Sie spenden Trost und Schnaps: Das macht wahre Freunde aus, oder?
Woran wir sie auch in Zeiten von Facebook und Instagram noch
erkennen,
in: Neon,
April
STEEG, Lena (2017): "Es
hilft, wenn einem dieselben Dinge peinlich sind".
In ihrer
Fernsehserie "Jerks" spielen die Kindheitskumpel Christian Ulmen und
Fahri Yardim sich selbst. Ein Gespräch über Freundschaft und was sie
alles aushalten muss,
in: Neon,
April
STEEG, Lena & Hatice
INCE (2017): Freundschaften zu pflegen ist eine Kunst. Sich aus
ihnen zu befreien aber auch. Unsere Autorinnen haben beides
versucht,
in: Neon,
April
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NEON (2017): Ehrliche Kontaktanzeigen,
in: Neon, April
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom 22. -
31.
März 2017
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