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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
     
       
     
       
       
   

News vom 01. - 15. März 2002

 
       
     
     
     
       
     
   
  • FEHR, Marianne (2002): Allein bin ich stark.
    Freche Töchter, beleidigte Mütter: Eine neue Frauengeneration nimmt sich alles und sagt niemandem danke. Doch die Grenzen sind noch immer dieselben, mit denen sich schon die lila Mütter schwer taten. Auch heute werden hoffnungsvolle Karrieren abrupt unterbrochen, wenn die toughen Frauen Kinder kriegen, Teilzeitstellen sind wenig attraktiv, Tagesschulen dünn gesät. Die Irritationen kommen mit dreissig,
    in: Weltwoche Nr.11 v. 15.03.
 
   
  • ÖHLER, Andreas (2002): Ich gönn' dir nix!
    Die Liste mit den 100 reichsten Deutschen ist noch druckfrisch, der Druck auf Langzeitarbeitslose auch. Und immer ist die berühmte Todsünde im Spiel. Warum ist Neid so wichtig? Und warum hat es Amerika mal wieder besser?
    in: Rheinischer Merkur Nr.11 v. 15.03.
  • FLORIN, Christiane (2002): Ich gönn' dir nix!
    in: Rheinischer Merkur Nr.11 v. 15.03.
 
   
  • OÖN (2002): Heuer noch weniger Geburten.
    Bringt Kindergeld mehr Babys?
    in: Oberösterreichische Nachrichten v. 15.03.
  • BOCK (2002): Weiterer Rückgang der Geburten droht in Oberösterreich,
    in: Oberösterreichische Nachrichten v. 15.03.
 
   
  • GASCHKE, Susanne (2002): Sterbenslangweilig.
    Frauen um die 35,
    in: Die ZEIT Nr.12 v. 14.03.
 
   
  • BROST, Marc (2002): Konjunktur ohne Kinder.
    Wie die Babyboomer für Wachstum sorgen,
    in: Die ZEIT Nr.12 v. 14.03.
    • Kommentar:
      "Sie sind jung? Sind verheiratet und haben keine Kinder? Schämen Sie sich!
      Längst ist es zum Schimpfwort geworden, ein Dink zu sein:
      double income, no kids," so beginnt BROST seine Verteidigung der Marketingzielgruppe "DINK".

            
      Die Volkswirte der Investmentbank UBS Warburg haben dieses Phantom der Sozialpolitiker angeblich studiert. Der Autor liefert jedoch keinerlei demografische Daten, sondern schliesst aus der zahlenmässigen Stärke der 30- 49jährigen, dass sich in dieser Gruppe besonders viele DINKS tummeln müssen. Falls dies zuträfe, dann ergäbe sich folgender positive Effekt:
            
      "Viele Dinks bedeuten (...) hohe Produktivität und hohe Wachstumsraten, sagen die Investmentbanker. Und weil die Rente unweigerlich näher rückt und weil die Dinks das wissen, sparen sie verhältnismäßig viel - und hohe Sparquoten drücken die Inflation."
            
      Die DINKs sind jedoch ein Phantom, das sich einerseits aus der Differenz zwischen Haushaltsstatistik und Verheiratetenziffern und andererseits aus der Ausblendung der Lebenslaufperspektive ergibt.
            
      Per Haushaltsstatistik werden Eltern in Kinderlose umdefiniert, d.h. die älteren DINKs sind mehrheitlich Doppelverdiener, deren Kinder nicht mehr in der elterlichen Wohnung leben.
            
      Bei den jüngeren DINKs handelt es sich dagegen mehrheitlich um Paare vor der Familiengründung.
            
      Lebenslang Kinderlose sind - entgegen dem Gerede der Sozialstaatsgegner - weiterhin eine Minderheit, die garantiert keinen Wachstumsschub auslösen wird.
 
   
  • BERG, Sibylle (2002): Komisch,das.
    Glückliche Paare in Hongkong. Sie fassen sich an den Händen und gehen zu Bett,
    in: Die ZEIT. Reisebeilage Nr.12 v. 14.03.
    • Kommentar:
      Die Welt der Sozialstaatsdichterin Sibylle BERG ist simpel. Das Sozialstaats-Märchen muss die Welt schwarzweiss malen. Schwarz - das ist Deutschland. Weiss - das ist Nicht-Deutschland, z.B. Hongkong. In Deutschland sind Paare unglücklich und Familien erst recht. In Nicht-Deutschland sind Paare glücklich und Familien erst recht. Deutschland ist scheisshuman und wohlhabend, aber unglücklich. Nicht-Deutschland ist inhuman und arm, aber glücklich. Bescheidenheit ist keine Zier, sondern die Voraussetzung des BERG'schen Glücksversprechen. Wer den Fernseher ausschaltet, die Zeitung beiseite legt, das Buch zuklappt und stattdessen vor die eigene Haustür geht, der kann die glücklichen Paare und Familien ebenfalls sehen. Denn Nicht-Deutschland ist kein geografischer Ort, sondern die Rückseite der öffentlichen Sozialstaatsdebatte!
 
     
   
  • SCHMITT, Uwe (2002): Mama liebt mich, papa vermiss' ich.
    Das Elend allein erziehender Mütter rührt amerikanische Hip-Hopper und George W. Bush. Der will nun die Ehe fördern,
    in: Welt v. 14.03.
 
     
   
  • LISCHKA, Konrad (2002): Aus Angst geboren.
    Die Reichen und ihre Wächter: Bald werden elf Millionen Amerikaner in umzäunten Wohnsiedlungen mit bewachten Einfahrten leben. Privilegierte soziale Gruppen verabschieden sich damit aus der Gesellschaft. Hauptsache, man ist unter sich und nicht Teil der heterogenen, nivellierten Masse,
    in: TAZ v. 13.03.
 
   
  • WEIGEND, David (2002): Tanz der Termine.
    Die Macher von Gratis-Magazinen erproben sich selbst, ihre Leser greifen gerne zu - so setzt sich ein Großstadttrend durch,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 12.03.
    • Inhalt:
      WEIGEND stellt Münchner Stadtmagazine als notwendige Infrastruktur der städtischen Erlebnis- und Spassgesellschaft vor. Das Spektrum reicht von "Curt" (expandiert gerade von Nürnberg nach München) über "Clash", "Partysan" (Flyer für die Techno-Raver), "go", "s.e.p.p." bis zum "Universalüberblick in-münchen" und dem deutschlandweiten "Prinz", der jetzt mit Extraheft "Flirtguide" die Partnerlosen gezielter ansprechen möchte.
      • Einen Überblick über Stadtmagazine in Bayern bietet der Media-Index
 
   
  • ZYLKA, Regina (2002): "Kinderpolitik wird für uns oberste Priorität haben".
    Grünen-Chef Kuhn fordert bis zu sieben Milliarden Euro für Kindergärten und Ganztagsschulen,
    in: Berliner Zeitung v. 12.03.
    • Kommentar:
      ZYLKA hat den Grünen Fritz KUHN wohl zwischen zwei Ausschusssitzungen interviewt und KUHN nutzte die Gelegenheit um einen zitatverdächtigen Satz zum Besten zu geben:
            
      "Ich will in einem Land wohnen, in dem lebensfeindliche Spießer, die gegen Kinderlärm klagen, ausgelacht werden. Eine solche Kultur gibt es bislang nicht."
            
      Widerrede wird da sicher gar nicht erst aufkommen (siehe GRUNER "Frauen und Kinder zuerst"), aber die Hoheit über die Stammtische lässt sich mit solch einem Satz mühelos erreichen.
            
      Mitte der 60er Jahre hiess es hierzulande auf Schildern: "Auf dem Rasen spielen verboten!" Dennoch wuchsen damals die geburtenstarken Jahrgänge heran. Die Argumente, mit denen heute die "kinderfeindliche Gesellschaft" beklagt wird, finden sich bereits in der familienpolitischen Debatte Anfang der 60er Jahre, z.B. in dem Buch "Gebrannte Kinder" von Richard KAUFMANN.
             Seit dieser Zeit ist der haushaltstechnische Begriff "Kinderloser" noch weiter von den familialen Lebensverhältnissen entfernt als damals.
             Das gemeinsame Sorgerecht macht so manchen Elternteil zum Teilzeit-Kinderlosen. Und schwangere Frauen vor ihrer ersten Geburt sind zwar gemäss der Diktion von Herrn KUHN Kinderlose, aber ihr Alltag dürfte kinderfixierter sein als jener vom Teilzeit-Vater KUHN, der sich in schallgeschütze, kinderfreie Ausschusssitzungssäle verabschieden kann.
            
      Es ist zwar "hip to be square", aber lebensfeindliche Spießer sind immer nur die anderen - schönen Gruss an die lebensfreundlichen Spießer...
 
     
   
  • SCHÖNHERR-MANN, Hans-Martin (2002): Norbert Elias: Die Gesellschaft der Individuen,
    in: Büchermarkt. Sendung des DeutschlandRadio v. 11.03.
    • Kommentar:
      "Nach dem 11. September verschärfte sich das gängige Lamento, wir würden heute in einer Gesellschaft von Ichlingen, Singles und Egoisten leben, denen jeder allgemeine Lebenssinn abhanden gekommen sei. Währenddessen führe Mohammed Atta vor, zu welcher Opferbereitschaft gläubige Menschen fähig seien. Dagegen verteidigt der Münchner Soziologe Ulrich Beck solche Individualisierungsprozesse durchaus als Eröffnung von Lebenschancen. Er sieht in ihnen keineswegs bloß negativen Sinn- und Werteverlust", leitet der Autor die Sendung ein, um dem die Auffassung von Norbert ELIAS entgegenzusetzen: "Anders als Beck betont Elias dabei eher die negativen Effekte von Individualisierungsprozessen, eben den Verlust traditioneller Bindungen und die Vereinsamung".
            
      ELIAS wird hier als "Atomisierungstheoretiker" dargestellt. Dies greift zu kurz, denn ELIAS-Konjunkturen sind Zeitenwenden im Sinne der "Verschiebungen von der Ich- zur Wir-Balance", d.h. Zeiten in denen die "Wir-Identität" grossgeschrieben wird. Nach 1968, 1977 usw. - immer wenn der Sicherheitsstaat gefordert wird, dann ist ELIAS wieder gefragt.
 
   
  • OESTREICH, Heide (2002): "Ich bin hundert Prozent Feminismus, ey".
    Alice Schwarzer trifft Aziza A: Oma erzählt vom Krieg. Eine Imageberatung im Gegenzug lehnt die Generation "Lila" ab,
    in: TAZ 11.03.
    • Inhalt:
      OESTREICH berichtet von einer Diskussion zum Thema "Lila trifft Handy" auf Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung. OESTREICH findet die postfeministische "Generation Handy" sympathischer als die "Generation Lila" der 70er Jahre Feministinnen à la Alice SCHWARZER & Co.
 
   
  • SPIEGEL (2002): Wendige Nomaden.
    Die Einsätze im Ausland formen einen neuen Soldatentypus bei der Bundeswehr. Möglichst bindungslos und mobil sollen die Uniformierten sein - zu Hause schafft das Probleme,
    in: Spiegel Nr.11 v. 11.03.
    • Kommentar:
      Bislang galten die bösen Yetties als Prototyp des flexiblen Menschen (SENNETT), doch nach dem 11. September ist der gute Soldat zum Sinnbild des modernen Nomaden geworden. Im Gegensatz zum karrieregeilen Jobnomaden, geht es nun um unsere heroischen Helden (siehe FOCUS-Titelstory vom 25.02.2002). Mobilität kann nun endlich zu einem positiven Wert werden.
            
      Schliesslich lässt selbst Edmund STOIBER für den Kampf an der Berliner Front seine Plakat-Familie in Bayern im Stich und nimmt für Deutschland ein Opfer auf sich. Für den Kanzlerposten wird auch STOIBER zum Single. Wenn die Pflicht ruft, dann klingt das besser als wenn es um die schnöde Karriere geht...
 
   
  • ZILM, Kerstin (2002): Horst W. Opaschowski: Wir werden es erleben. Zehn Zukunftstrends für unser Leben von morgen,
    in: BuchTipp. Eine Sendung des DeutschlandRadio v. 10.03.
    • Kommentar:
      Der Obertan OPASCHOWSKI verkündet seinen Untertanen was sie wollen sollen. Nach Meinung des Freizeitpädagogen soll die Zukunftsforschung (gemeint ist Matthias HORX und Konsorten) nicht danach fragen, was kommt, stattdessen seien Visionen (gemeint sind natürlich wertkonservative und keine neoliberalen) gefragt. Das ist das Metier, in dem sich Obertanen richtig wohl fühlen. Ausser der Rezensentin ist deshalb wohl keiner überrascht, dass der Hoffnungsschimmer bei OPASCHOWSKI immer noch "Zurück zur Familie" heisst. Wenn man die Welt schwarz-weiss malt, dürfen Lösungen eben auch keine Graustufen enthalten.
 
   
  • HARRIEHAUSEN, Christiane (2002): Wohnen, arbeiten und die Freizeit genießen.
    Am "Deutschherrenufer" in Frankfurt am Main entsteht ein neues Quartier mitten in der Stadt,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.03.
    • Kommentar:
      Hochwertiger "Wohnraum in der Stadt ist Mangelware. Banker und Börsianer zieht es nicht mehr ausschließlich in den Vordertaunus. Viele schätzen das urbane Leben. Wie in anderen Metropolen sind dabei die Standorte in unmittelbarer Wasserlage besonders beliebt", schreibt HARRIEHAUSEN.
            
      Die Stadtsoziologin Monika ALISCH hat Anfang der 90er Jahre die "Family-Gentrifier" als neue kaufkräftige Gruppe auf dem städtischen Wohnungsmarkt prophezeit. Diese Gruppe konkurriert mit alleinstehenden Yuppies und mobilen Wochenendpapas der "Spagatfamilie" um den hochwertigen Wohnraum der Dienstleistungsmetropolen der Welt.
            
      Autoren wie MÜLLER-BIALON versuchen diesen Konkurrenzkampf zwischen diesen wohlhabenden Gruppen für die allgemeine Kontroverse Familien contra Singles zu instrumentalisieren (siehe hierzu FR vom 09.03.2002). Die Ausweitung dieser Kampfzone als Gleichsetzung von Singles mit Yuppies ist nicht gerechtfertigt, sondern ein singlefeindlicher Beitrag.
 
   
  • LAUTERWEIN, Andréa (2002): "Ich bin für die Unsterblichkeit. Dann muss man keine Kinder mehr zeugen".
    Skandal-Autor Michel Houellebecq über Sadomasochismus, Furcht erregende Schweizer und den Hüftschwung von Elvis,
    in: Sonntagszeitung Nr.11 v. 10.03.
    • Inhalt:
      Interview mit Überlänge, in dem Michel HOUELLBECQ solche Sätze sagt wie:
            
      "Ich schätze die Deutschen, weil sie die Fähigkeit haben, Schuldgefühle zu entwickeln.(...) Die Deutschen haben einen Hang zur Selbstauslöschung. Die Juden sind allerdings noch interessanter, denn sie sind noch extremer: Sie fühlen sich schuldig, jüdisch zu sein - und sind dennoch stolz. Ich empfinde Sympathie für Leute, die sich dafür hassen, was sie sind. Die Amerikaner hingegen mag ich nicht, denn sie haben keine Schuldgefühle. Und ohne Schuldgefühle ist keine Moral möglich."
            
      Oder:
      "Sexualität ist von Natur aus ein Wettkampf. Sie ist fundamental mit Fortpflanzung verbunden. Diese Einsicht war einer der grössten Schocks meines intellektuellen Lebens. Das Überleben des Stärksten ist Quatsch. Es geht um das Überleben desjenigen, der am meisten Nachfahren hat. Und diese biologische Voraussetzung beeinflusst die Psychologie des Beischlafs."

            
      Oder:
      "
      Tagebuch schreiben ist ein gutes Mittel. Es führt dazu, dass einem die eigenen Probleme ankotzen. Nachher kann man sich Neuem zuwenden."
 
   
  • HILLGRUBER, Katrin (2002): Die Agentur ist ein Blumenhaus.
    Alles wunderbar: Rainer Merkels Debütroman erzählt aus der Angestelltenwelt
    in: Tagesspiegel v. 10.03.
 
   
  • PFÜTZE, Sebastian (2002): "Dann sollte man zupacken".
    Die Autorin Alexa Hennig von Lange hat am Samstag in Prenzlauer Berg geheiratet,
    in: Tagesspiegel v. 10.03.
    • Kommentar:
      Der Tagesspiegel setzt sich für die Institution Ehe ein. Jeden Sonntag wird der Heirat eine eigene Rubrik gewidmet. Heute berichtet PFÜTZE über die Popliteratenhochzeit von Alexa HENNIG VON LANGE mit Joachim BESSING. Ob aus der Vereinigung von "Tristesse Royale" und "Relax" jedoch "Relax Royal" wird - wie PFÜTZE meint - das wird die BUNTE Republik sicherlich weiter verfolgen dürfen.
 
     
   
  • Singlefeindlicher Beitrag:
    MÜLLER-BIALON, Martin (2002): "Viele Eltern mit kleinen Kindern stehen hier ganz allein".
    Expertinnen fordern den Einsatz der Politik für mehr Familienfreundlichkeit in der Stadt der Singles,
    in: Frankfurter Rundschau v. 09.03.
    • Kommentar:
      "Für die Leiterin des Kinderbüros, das zum Jugendamt gehört, ist es zu begrüßen, dass die Familien nun von der Politik neu entdeckt würden. Allerdings liegt die Notwendigkeit auch auf der Hand:
      In Frankfurt sind inzwischen 75 Prozent der Haushalte Ein-Personen-Haushalte," behauptet MÜLLER-BIALON.
            Dies hatte zwar der Soziologe Ulrich BECK bereits Anfang der 90er Jahre für deutsche Grossstädte prophezeit, aber bis heute ist dies nicht eingetroffen.
            
      Frauke HAß schrieb dagegen in der FR vom 07.01.2002, dass nach den neuesten Angaben des Statistischen Jahrbuches in Frankfurt 50,6 % Einpersonenhaushalte existieren.
      Keine 30 % der Frankfurter führen damit einen Einpersonenhaushalt.
      Darunter befinden sich vor allem ältere Witwen und junge Studenten.
      Auch Wochenendpapas und -mamas werden statistisch als Single geführt,
      wenn sie aus beruflichen Gründen einen Zweitwohnsitz gründen. Bei Frauke HAß kann man auch nachlesen, dass es in Frankfurt einen kleinen "Babyboom" gab.
            
      Die Stadtsoziologin Monika ALISCH hat bereits 1993 auf die
      kaufkraftstarken "Family-Gentrifier"
      hingewiesen, die zukünftig die alteingesessenen, einkommensschwachen Bewohner der beliebten Stadtteile verdrängen könnten. Die Städte haben ein Interesse daran, dass diese wohlhabenden Familien in die Innenstädte ziehen, statt wie bislang ihr Steueraufkommen den Umlandsgemeinden zu gute kommen zu lassen.
            
      Die 80er und 90er Jahre waren durch eine zunehmende Suburbanisierung geprägt. Familien zogen ins suburbane Reihenhaus, während einkommensschwache Singles (Studenten, ältere Witwen und Ausländer) in den innerstädtischen Quartieren zurückblieben.
            
      Die "Generation Golf" und mehr noch die "Generation Ally" hat dagegen andere Präferenzen. Sie möchte Beruf und Familie im städtischen Rahmen der Erlebnis- bzw. Spassgesellschaft vereinbaren.
            
      MÜLLER-BIALON vertritt die Interessen dieser kaufkraftstarken Klientel und spielt sie gegen einkommensschwache Singles aus (Verweis auf die hohe Zahl der Einpersonenhaushalte in der Gesamtstadt, statt jene umkämpften Stadtteile in den Blick zu rücken, um die es im Grunde geht), die im Gegensatz zu den "vergleichsweise wenigen" Yuppies des Banken- und Dienstleistungszentrums, die nicht-organisationsfähige Mehrheit der alleinstehenden Frankfurter darstellen.
 
   
  • HÖRISCH, Jochen (2002): Kinder sind Medien.
    Norbert Krons Débutroman "Autopilot"
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 09.03.
    • Inhalt:
      "«Autopilot» führt die Medien-, die Gen- und die Demographie-Diskussion elegant zusammen", lobt der Medienwissenschaftler HÖRISCH
 
   
  • STAHL, Eric (2002): Nie mehr allein!
    "Ally McBeal" und die Folgen: Immer mehr Sendungen zielen auf Singles ab. Jüngstes Beispiel ist "Alicia!"
    in: TV Today Nr.6 v. 09.03.
    • Inhalt:
      STAHL interpretiert den Single-Begriff psychologisch und nicht statistisch. Damit kommt er der Zielgruppe näher, die sich von den Single-Serien angesprochen fühlen.
            
      "Sex and the City" und "Ally McBeal" werden "natürlich nicht nur Partnerlose vor die Glotze ziehen: Die Erfahrung des Autors zeigt, dass auch zahlreiche fest verkuppelte Zeitgenossen auf die Dienstagswonnen nicht verzichten wollen - weil sie nämlich daran erinnert werden, dass es doch irgendwie ganz cool war, Single zu sein."
            
      STAHL berichtet über zwei neue Serien: zum einen über "Alicia!" auf Pro Sieben und zum anderen über "Die Couchcowboys" auf Sat1. Letztere ist eine Adaption der britischen Comedyserie "Men Behaving Badly" und wendet sich an den vernachlässigten Chauvinisten.
 
   
  • Internationaler Frauentag

    • Kommentar:
      Was ist der Unterschied zwischen dem Internationalen Frauentag und dem Muttertag?
      Wenn man die heutigen Tageszeitungen durchliest, dann kommt man zu den Schluss: es gibt keinen mehr!
            
      Zur Einstimmung hat die Süddeutsche Zeitung (07.03.) den Frauensenator Gregor GYSI befragt und dazu getitelt: "Ich beneide die Frauen ums Kinderkriegen". Alle Zeitungen haben begierig den neuesten "Vorstoß" der grünen Kinderpolitiker aufgegriffen. Der TAGESSPIEGEL hat den bevölkerungspolitischen Imperativ gleich mehrfach auf die Agenda gesetzt und Ursula MÄRZ (Frankfurter Rundschau) hat die Frau um 40 zur neuen Symbolfigur geadelt, um die "fortschreitende Kultur der Entbiologisierung" geisseln zu können, denn: "Die einzig biografisch wirklich unaufschiebbare Frage, die sie beschäftigen muss (...), ist die, ob sie noch ein Kind bekommt."
            
      Kurz vor der Abschaffung der Frau als Gebärmaschine - wenn man Jeremy RIFKIN glauben darf - wird sie noch einmal auf eine Gebärmaschine reduziert.
    • MÄRZ, Ursula (2002): Älter als Heike Makatsch und jünger als Senta Berger.
      Dieses erfahrene, karriere- und noch strandtaugliche weibliche Wesen: Der neueste Biografiekult um die Frau um die 40. Eine Bestandsaufnahme,
      in: Frankfurter Rundschau v. 08.03.
    • SAH/ADE/VS (2002): Kinder, Krippe, Karriere.
      In Europa gibt es dort viele Geburten, wo der Staat für Betreuung sorgt - und so Berufschancen für Mütter bestehen
      in: Tagesspiegel v. 08.03.
    • ULRICH, Bernd (2002): Hehre Worte, leere Wiege.
      Warum die Familienpolitik schlecht ist für das Kinderkriegen,
      in: Tagesspiegel v. 08.03.
      • Kommentar:
        Die Kinderpolitiker blicken nach Frankreich, so wie Frankreich vor 100 Jahren nach Deutschland geblickt hat!
        Der französische Journalist Jean-Claude GUILLEBAUD hat in seinem Buch "Die Tyrannei der Lust" den Geburtenwettlauf der beiden Nationen vom psychologischen Trauma der Franzosen ("der demokratische Schrecken") nach dem Krieg von 1870 bis zur "heiligen Union der Kinderfreunde" jenseits von Rechts und Links beschrieben. Während die Kirchen "Fruchtbarkeitsplädoyers" wie "Les Berceaux vides" ("Die leeren Wiegen") beisteuerte, schlug "der medizinische Diskurs apokalyptische Töne an".
              
        Während damals jedoch Arbeiter und Soldat benötigt wurden, möchte ULRICH heutzutage die bevölkerungspolitische Offensive mit dem volkswirtschaftlichen Schaden des demografischen Wandels salonfähig machen. Eine solche Kostenrechnung ist jedoch hochspekulativ un unseriös. Der "demografische Wandel" soll sozusagen zum Synomym für das politische Problem an sich werden. Damit wird die Demografie aber zum "Mittel der sozialpolitischen Demagogie" (Christoph BUTTERWEGGE).
        ULRICH möchte das Problem der Arbeitslosigkeit wegdefinieren.
        Denn eines ist offensichtlich: wenn man nicht die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, sondern den Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Familiengründung betrachtet, dann wird die Abhängigkeit der Geburtenentwicklung von der Wirtschaftspolitik sichtbar. Wer keine Arbeit findet, von der sich eine Familie ernähren lässt, dem nützt auch die beste Vereinbarkeitslösung nichts. Dies zeigt am besten der deutsche Osten: Es ist kein Zufall, dass dort die Geburtenrate in den 90er Jahren weltweit die Niedrigste war, obgleich es dort eine wesentlich bessere Infrastruktur für Kinderbetreuung gab. Stattdessen redet man lieber moralisch korrekt vom westlichen Hedonismus.
        Statt vom Zusammenhang zwischen Erwerbsquote und Geburtenrate, sollte über den Zusammenhang von Arbeitslosenquote und Geburtenrate geredet werden.
 
   
  • PRANGE, Astrid (2002): Wo ist mein Freibetrag?
    Das Verfassungsgericht macht's möglich: mehr Steuerprivilegien für Eltern und höheres Kindergeld. Gutverdiener profitieren am meisten,
    in: Rheinischer Merkur Nr.11 v. 08.03.
    • Inhalt:
      PRANGE vergleicht die Familienförderung hierzulande mit der chinesischen Ein-Kind-Politik und kommt damit zu einem Ergebnis, das Familienrhetoriker wie Jürgen BORCHERT auf die Palme bringen dürfte:
            
      "Kinder sind Luxus - jedenfalls in Schanghai. Dort wird eine Strafgebühr in Höhe von 13800 Euro fällig, wenn die Familie stärker wächst, als es die Regierung in Peking erlaubt. Mithilfe eines neuen Gesetzes, das es den Kommunen ermöglicht, ihre eigenen Regeln für Familienplanung zu erlassen, will die chinesische Wirtschaftsmetropole nun die strikte Ein-Kind-Politik auflockern und zugleich ihre Kassen füllen. Der finanzielle Aderlass für Eltern ist enorm, denn die Strafgebühr entspricht drei Jahresgehältern einer Durchschnittsfamilie.
      Im Gegensatz dazu ergießt sich hierzulande ein wahrer Geldsegen über kinderreiche Paare."
 
   
  • KESSLER, Helga (2002): Schön alt werden.
    Zwischen dem Traum von der ewigen Jugend und dem Alptraum des langen Alters vermittelt neu das Antiaging,
    in: Facts Nr.10 v. 07.03.
    • Inhalt:
      Bericht über die Anti-Aging-Bewegung in der Schweiz. Im Bericht wird die Hormonbehandlung kritisch gesehen und als Königsweg zum Altwerden ein gesundheitsbewusster Lebensstil empfohlen. Der Soziologe François HÖPFLINGER wird zum Thema interviewt.
 
   
  • DETTLING, Warnfried (2002): Lauter letzte Warnungen,
    in: Die ZEIT Nr.11 v. 07.03.
    • Kommentar:
      DETTLING lobt das Buch "Die deformierte Gesellschaft" des konservativen Revolutionärs Meinhard MIEGEL. Der 68er versucht mit seiner "Niedergangsprophetie" die Notwendigkeit eines Abbaus des Sozialstaats als unabdingbaren Sachzwang darzulegen.
 
   
  • KUTTER, Kaija (2002): Hamburger Frauen fertig beraten.
    Die Hansestadt fällt frauenpolitisch um Jahrzehnte zurück: Die neue Frauensenatorin Schnieber-Jastram will nur noch "Vater-Mutter-Kind"-Familien fördern. Alle Beratungsprojekte büßen Mittel ein. Wer geht morgen zum 8.-März-Empfang ins Rathaus?
    in: TAZ v. 07.03.
    • Kommentar:
      KUTTER berichtet aus Hamburg, wo der konservative Senat das umsetzt, was in den USA bereits seit der Clinton-Ära Normalität ist: alleinstehende Mütter werden als leistungsunfähige, unvollständige Familien attackiert.
            
      Katja GELINSKY hat diese konservative Doktrin in der FAZ vom 06.03. so zusammengefasst: "staatliche Einflußnahme und Kontrolle des Privatlebens erzwängen jene, die Sozialhilfe, Jugendämter und Gerichte in Anspruch nähmen, weil sie kein geordnetes Familienleben führten. Wer vom Staat in Ruhe gelassen werden wolle, dem sei vor allem eines zu empfehlen: heiraten und verheiratet bleiben."
            
      Mit der Formel von der "Familie als Leistungsträger der Gesellschaft" wird die Durchökonomisierung der Familie im Einklang mit den neoliberalen Forderungen nun auch auf die Familie selbst angewandt. Nach dem Markt wird damit das angeblich "letzte Bollwerk gegen den Kapitalismus" (HOUELLEBECQ) ebenfalls marktförmig modernisiert.
            
      Wenn also die organisierten alleinstehenden Mütter mit der Aktion "Ich bin kein Single" ihr Heil in der Abgrenzung gegen Kinderlose suchen, dann zeugt das von einer gewissen Kurzsichtigkeit.
            
      Susanne GASCHKE, eine Angehörige der Generation Berlin, hat die US-amerikanische Rhetorik bereits in der ZEIT vom 29.11. 2002 auf Deutschland übertragen und wenn man KUTTER glauben darf, dann setzt die CDU-Familiensenatorin Birgit SCHNIEBER-JASTRAM diese Linie bereits in Hamburg um.
 
   
  • KRÖNCKE, Gerd (2002): Paris: Wie, wie oft, mit wem?
    Manche nennen es Liebe,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 07.03.
    • Kommentar:
      KRÖNCKE hat die Coverstory "Enquête sur la vie sexuelle en France" im französischen Nachrichtenmagazin L'Express vom 28.02.2002 gelesen und berichtet darüber ohne die Quelle zu nennen. Er zitiert u.a. aus dem Interview mit der französischen Soziologin Janine MOSSUZ-LAVAU, deren Studie demnächst als Buch erscheint ("Les Lois de l'amour").
 
     
     
     
   
  • DOTZAUER, Gregor (2002): Macht Arbeit glücklich, Monsieur Houellebecq?
    in: Tagesspiegel v. 06.03.
    • Kommentar:
      Michel HOUELLEBECQ liest aus seinem neuen Roman "Plattform" im Herzen der Berliner Republik.
            
      Uwe WITTSTOCK (Welt v. 28.02. 2002) sieht im Typus des Skandalautors vom Schlage eines HOUELLEBECQ das Schriftstellermodell der Zukunft: "Von Literatur ist (...) selten die Rede. Selbst milde Kritiker bezeichnen den neuen Houellebcq als ästhetisch 'ungelenk' (...) - aber im Grunde geht es schon längst nicht mehr um (...) Texte, sondern um (...) Autoren als Lieferanten von öffentlichem Diskussions- und Erregungsstoff."
            
      Aus diesem Grunde wirbt Jörg PLATH im TAGESSPIEGEL vom 04.03.2002 für die Berliner Lesung mit der Person des Autors:
            
      "Schwitzen ist eine unkontrollierbare und daher vielsagende Reaktion des Körpers. Interessierte Leser kann es nicht kaltlassen, bei welchen Stellen seines Buches ein Autor sie zeigt - zumal, wenn es sich um Michel Houellebecq handelt. Da das Literarische Colloquium am 6.3. (20 Uhr) überfüllt sein dürfte, dünsten die Zuhörer gleich mit ihm mit: Ausweitung der Schwitzzone."
 
   
  • FALCKE, Eberhard (2002): Uralte Zeiten.
    Annegret Held erzählt von einer rheinischen Landkommune,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 06.03.
 
     
   
  • FILSER, Hubert (2002): Wir sind wieder mehr
    in: Süddeutsche Zeitung v. 05.03.
 
   
  • MISSFELDER, Philipp (2002): Die "Generation Smart" und der Ernst des Lebens.
    Die 1980er benutzen den Spaßfaktor, um die kürzer werdende Kindheit in einer veränderten Welt ein bisschen zu verlängern,
    in: Welt v. 04.03.
    • Inhalt:
      MISSFELDER, 1980 geboren und jüngstes Mitglied des CDU-Bundesvorstandes, lehnt Generationenlabels wie "Generation @" oder "Generation Fun" ab und definiert sich in der Tradition von Florian ILLIES' "Generation Golf" als "Generation Smart".
            
      Was Soziologen wie Ulrich BECK bisher nur mit Individualisierung bezeichnete, aber noch nicht gesellschaftliche Realität geworden ist, das sieht MISSFELDER für seine Generation Wirklichkeit werden:
            
      "lebenslanges Lernen statt vierzig Jahre lang denselben Beruf ausüben, sich durchsetzen auf einem grenzüberschreitend umkämpften Arbeitsmarkt, Existenzgründung statt Beamtentum, schnellere Wirtschafts- und Arbeitsabläufe, Unwägbarkeiten im Gesundheitssystem und bei der Altersvorsorge. Alles große Herausforderungen, die verständlich machen, warum die 'Smarties' heute mit dem Faktor Spaß versuchen, ihre immer kürzer werdende Kindheit ein bisschen zu verlängern."
 
   
  • KECK, Annette (2002): Kuscheln oder Coaching.
    Akademisches Heldenleben: Auf dem Beratungs-Trip,
    in: Berliner Zeitung v. 04.03.
    • Kommentar:
      Annette KECK hat einen Bewerbungs-Workshop besucht und wurde mit der für sie schockierenden Sichtweise des Trainees konfrontiert: "Um die anderen zu beruhigen, lenkt Daniel ein. Viele Unternehmen hätten inzwischen begriffen, 'dass ein glücklicher Familienvater, der auch Zeit mit seiner Frau und seinen Kindern verbringen kann, ein besserer Mitarbeiter ist als einer der depressiven Singles, die irgendwann Selbstmord begehen'".
            
      Eine solche Sichtweise ist jedoch keineswegs neu. Die Rede von der Single-Gesellschaft täuscht darüber hinweg, dass im Topmanagement immer noch der Familienvater mit traditioneller Ehe dominiert.
  • FUCHS, Claudia (2002): Null Drei Null.
    Zeit für Depressionen,
    in: Berliner Zeitung v. 04.03.
    • Inhalt:
      Claudia FUCHS beneidet die Partnerlosen, denn sie haben im Gegensatz zu den Paaren ihr ganzes Glück noch vor sich.
 
     
   
  • DIPPEL, Dennis (2002): Von der schnellen Mark ins soziale Aus.
    Nur ein Prozent der Haushaltshilfen sind angemeldet · Bußgelder und sozialer Abstieg als Folgen von Schwarzarbeit,
    in: Oberhessische Presse v. 04.03.
    • Inhalt:
      DIPPEL berichtet über die Entstehung von Dienstleistungszentren, über die Haushaltshilfen bequem gebucht werden können.
 
     
     
     
   
  • MUMELTER, Gerhard (2002): "Die Wiegen sind leer".
    Italiens Gemeinden locken mit Finanzhilfen die Frauen zum Kinderkriegen,
    in: Der Standard v. 02.03.
 
   
  • WEGMANN, Karl (2002): Von Katzen und Menschen.
    Eine Studie untersucht den Flirtfaktor von Haustieren,
    in: Berliner Zeitung v. 02.03.
    • Inhalt:
      Der Forschungskreis Heimtiere in der Gesellschaft hat beim Kölner Rheingold-Institut eine Studie über Haustiere als "Partnervermittler" in Auftrag gegeben und WEGMANN hat den dortigen Diplom Psychologen Jens LÖNNECKER befragt. "Das Ergebnis: Jeder zehnte Mann und jede 20. Frau gab an, dass sich aus einem ersten Kontakt über einen Hund schon einmal eine feste Beziehung entwickelt hat." Katzen als das von Singles bevorzugte Haustier haben nach Meinung des Psychologen den "Flirtfaktor Null".
 
   
  • HABERMANN, Gerd (2002): Neidökonomie der Familie,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 02.03.
  • HABERMANN, Gerd (2002): "Ökonomie des Neides" im Wohlfahrtsstaat.
    Zermürbende Wirkung auf die unternehmerische Elite,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 02.03.
    • Kommentar:
      HABERMANN ist ein Vertreter des apologetischen Liberalismus, sozusagen jener Typus des Liberalen, den der Sozialrichter Jürgen BORCHERT im Blick hat, wenn er die Ausbeutung der Familie beklagt.
            
      HABERMANN verteidigt den Yuppie gegen den gefrässigen Sozialstaat. Seine simple Neidökonomie behauptet, dass die Marktgesellschaft produktiven Neid (Konkurrenz) und der Sozialstaat destruktiven Neid erzeugt. Seine Neidrhetorik ist identisch mit jener von Konrad ADAM, nur dass ADAM die Familie als Beute des Staates thematisiert, während HABERMANN den Yuppie als Beute des Staates sieht.
            
      Während Adam SMITH noch im Egoismus das edelste Motiv des Menschen sah, heisst dies neudeutsch bei HABERMANN Selbstverwirklichung.
            
      HABERMANN und BORCHERT sind Gegenspieler, deren Argumentationen jeweils den anderen als Feindbild benötigen. Heisst BORCHERTs Schlachtruf "Die Kosten der Familie werden privatisiert", so ist HABERMANN's Replik: "die Kosten der Familie werden sozialisiert". Beide können ihre Positionen jedoch nur behaupten und nicht belegen.
            
      Die Prämissen von HABERMANNs Neidökonomik hat der Chronist der Neidgesellschaft Sighard NECKEL in seinem KURSBUCH-Artikel "Deutschlands gelbe Galle" ausführlich beschrieben und auf die dahinterstehenden interessenpolitischen Motive zurückgeführt.
            
      Eine grundlegende Kritik des apologetischen Liberalismus ist bei Jens BECKERT nachzulesen (KURSBUCH 135 "Die Erbengesellschaft" vom März 1999). Dort zeigt BECKERT die Dilemmata liberalen Denkens und deren jeweils einseitigen Lösungen auf, die er als apologetischer, konfiskatorischer und gemeinschaftlicher Liberalismus bezeichnet.
            
      Aber auch die Position von BORCHERT hat ihre blinden Flecken. SCHUMACHER (SZ vom 01.03.2002) bringt eines der Probleme der Kontroverse auf den Punkt:
            
      "Gerne bezichtigen Eltern Singles und Paare ohne Nachwuchs, auf ihre Kosten der Spaßgesellschaft zu frönen. Die Kinderlosen wiederum beklagen ihre exorbitante Steuer- und Abgabenlast und sehen die Nachkommen fremder Leute als Ursache beträchtlichen Konsumverzichts. Jeder vermag ihm genehme Zahlen zu präsentieren, womit das Übel beginnt: Selbst Wirtschaftsweise, Ministerialbeamte oder Sozialpolitiker vermögen nicht präzise zu beziffern, wie viel Geld der Staat unter dem Strich für die Familien ausgibt. Das System ist total intransparent".
            
      Die Intransparenz ist zum Teil aber die Folge der Begriffspolitik, die Familienrhetoriker wie BORCHERT betreiben. Die Umdefinition von Eltern in Kinderlose, die von der amtlichen Haushaltsstatistik unterstützt wird, vergrössert die an sich schon bestehende Intransparenz der Transferleistungen.
 
   
  • BUTTERWEGGE, Christoph (2002): Der Staat greift an.
    Haushaltskonsolidierung auf Kosten der Beschäftigten, Bedürftigen und sozial Benachteiligten. Bilanz der Sozialpolitik von SPD und Grünen seit 1998 (Teil II und Schluß),
    in: Junge Welt v. 01.03.
    • Inhalt:
      Christoph BUTTERWEGGE kritisiert das Konzept der Nachhaltigkeit und das damit verbundene Konzept der Generationengerechtigkeit. Seine These ist, dass die Themen "demographischer Wandel" und der Verweis auf die Interessen der Kinder und künftiger Generationen nur dazu dient von der intragenerationellen Schieflage abzulenken:
            
      "Das verkrampfte Bemühen um »mehr Generationengerechtigkeit«, der noch nie so große Beachtung zuteil wurde wie heute, lenkt in erster Linie von der dramatisch wachsenden sozialen Ungleichheit innerhalb sämtlicher Generationen ab."
 
     
   
  • OTT, Ursula (2002): Mutter, Kind und Vater Staat.
    Nicht alle Alleinerziehenden sind wirklich solo: Modernes Beziehungspatchwork und Vier-Eltern-Familie überfordern die deutsche Finanzbürokratie
    in: Die Woche Nr.10 v. 01.03.
    • Kommentar:
      Ein lesenswerter Artikel, der sich den Problemen der Alleinerziehenden von der begrifflichen Ebene nähert.
            
      Ausgangspunkt der Problembeschreibung ist für OTT die Definition der Alleinerziehenden durch das Statistische Bundesamt. Die familienhaushaltszentrierte Statistik interessiert sich nicht für die Partnerschaftsverhältnisse derjenigen, die Alleinerziehende genannt werden.
            
      Konservative Staatsrechtler wie Paul KIRCHHOFF haben diesen Umstand genutzt, um im Bundesverfassungsgerichtsurteil den Missbrauch zum Ausgangspunkt ihrer Revision (Streichung der Steuerklasse II für Alleinerziehende) zu machen. OTT nennt die verschiedenen Möglichkeiten, die Alleinerziehende besitzen, um sich Vorteile gegenüber Ehepaaren zu verschaffen:
            
      "Viele gut verdienende Mittelschichtler haben in den vergangenen Jahren ganz bewusst auf den Gang zum Standesamt verzichtet. Nicht weil sie die Ehe spießig finden, sondern weil der Alleinerziehenden-Status eine Menge Vorteile bringt: Man rückt auf der Warteliste für die Kinderkrippe nach oben, man bezahlt weniger Kindergartenbeitrag. Und bis vor kurzem bezahlte man auch weniger Steuern, weil man vom 'Haushaltsfreibetrag' profitierte."
            
      Während also unverheiratete Paare mit Kind zu den Gewinnern der bisherigen Gesetzeslage gehörten, sind die alleinerziehenden Partnerlosen die Verlierer der Neuordnung.
            
      Zwischen den Yuppie-Moms unter den Alleinerziehenden (z.B. Stella BETTERMANN) und den "Welfare-Families" liegen Welten, die bei OTT jedoch nur ungenügend berücksichtigt werden.
 
   
  • FREUND, Wieland (2002): "Trapezkünstler brauchen ein Netz".
    Der Philosoph Zygmunt Bauman über das Ende des Sozialstaats
    in: Welt v. 01.03.
 
       
       
   

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Zu den News vom 15. - 28. Februar 2002

 
       
   
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