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Medienrundschau:
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Zitat
des Monats:
Lob der Mittelstadt
"Das in den Medien gehegte Schreckensbild einer sich
verhärtenden Provinzbastion aus populistischem Ressentiment
bedarf ebenso einer Revision wie die unterstellte Aura der
jung-dynamischen Metropolen. (...).
Auf die Frage nach dem Ort jener Dynamik, die intellektuelle
Erneuerung und die Expansion des Kapitals gleichermassen
beflügelt, haben vor allem die deutschsprachigen Kulturen eine
altehrwürdige Antwort gegeben. Ihr Kern war das heute
unwahrscheinlicher denn je wirkende Motiv von der Provinz als
einzigem Ort starken Denkens. Vor allem die thüringischen
Kleinstädte Weimar und Jena, aber auch Freiburg, Tübingen und
Heidelberg, Marburg, Göttingen und Halle weckten schon um 1800
Bewunderung aufgrund vielfacher Erneuerungsbewegungen, die dort
begonnen hatten und weithin Resonanz fanden. (...).
Doch nicht etwa in die Metropolen ist die Energie dieses Geistes
gezogen, sondern in eine andere Lage der Provinz. Die zwanzig
besten Universitäten unserer Zeit, Harvard, Stanford, Princeton
und Yale etwa, Cambridge, Oxford und die ETH, gehören zu
Städten, die schon allein aus Quantitätsgründen nicht als
globale Metropolen gelten können. Dies trifft vor allem auf das
Silicon Valley als jene kompakte Kreativzone zu, deren
Erfindungen während der vergangenen drei Jahrzehnte den globalen
Alltag grundlegend verändert haben.
Google, Apple, Oracle und die meisten jener Startups, die
Weltmarken geworden sind, haben Adressen in Mountain View,
Sunnyvale oder Palo Alto, in Gemeinden mit etwa sechzigtausend
Einwohnern, welche die fünfzig Kilometer zwischen den kleinen
Millionenstädten San Francisco und San Jose ausfüllen."
(Hans-Ulrich Gumbrecht "Suburbia!" in der Neuen Zürcher
Zeitung v. 07.07.2017)
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11.07.2017
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DESTATIS (2017): 0,6 % weniger Ehescheidungen im Jahr 2016,
in:
Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts v. 11.07.
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GRÄBER, Berrit
(2017): Plötzlich erben die Schwiegereltern mit.
Kinderlose Ehepaare sollten ein
Testament machen - am besten schon gleich nach der Hochzeit. Falls ein
Partner stirbt muss der Hinterbliebene ansonsten alles mit der
Verwandtschaft teilen. Das führt oft zu Streit,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 11.07.
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GERNHARDT, Grit
(2017): Die Arbeiterklasse wächst und bewegt sich.
Der Historiker Marcel van der
Linden über riesige Streiks, schwache Gewerkschaften und prekäre
Normalarbeit,
in:
Neues Deutschland v. 11.07.
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Der
IAB-Kurzbericht Nr.16/2017 in den Medien
ASTHEIMER, Sven (2017): Lieber Arbeit statt Rente.
Jeder fünfte Befragte lässt sich
freiwillig weiterbeschäftigen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.07.
80 Prozent der Beschäftigten im Rentenalter gingen 2015 lieber in
Rente statt weiterzuarbeiten, hätte die Schlagzeile ebenfalls
lauten können, aber das wäre dann nicht neoliberal korrekt
gewesen!
Nur in jenen wenigen Branchen,
in denen Fachkräfte dringend gesucht werden, werden die
Bedürfnisse der Arbeitnehmer angemessen berücksichtigt.
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CREUTZBURG, Dietrich (2017): 425 Milliarden Euro für Pensionen.
Niedrigzins steigert Barwert der
Lasten im Bundeshaushalt,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.07.
Während das Handelsblatt
gestern die Pensionslasten zu
einer großen Story aufblähte, begnügt sich die FAZ mit einer kurzen
Meldung über die Vermögensrechnung des Bundes. Dabei zeigt sich,
dass die Pensionslasten stark davon abhängen welcher imaginärer
Rechnungszins unterstellt wird. Unter dem Strich heißt das dann:
"Lässt man die Zinsänderung
beiseite, ist die Pensionslast fast gleich geblieben."
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BRANKOVIC, Maja (2017): Migration lässt EU-Bevölkerung wachsen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.07.
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SCHUBERT, Christian (2017): Frankreichs Steuern sinken bald.
Präsident Macron zieht Entlastung
nun doch vor,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.07.
Christian SCHUBERT berichtet darüber, dass
das Jammern der
Wirtschaft geholfen hat. Die Abschaffung der Vermögenssteuer auf
Lebensversicherungen und Wertpapiere soll die Profite der
Finanzdienstleister steigern. Die Rentner werden dagegen durch die
Sozialsteuer CSG zur stärker zur Kasse gebeten. SCHUBERT glaubt nicht
daran, dass Frankreich wie versprochen die 3-Prozent-Defizitgrenze
einhalten kann. Von den Steuerentlastungen von rund 13 Milliarden Euro
profitieren in erster Linie Unternehmen und Besserverdienende.
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SCHMITT, Peter-Philipp (2017): 157 Menschen pro Minute.
Die Weltbevölkerung wächst weiter
und wird immer jünger,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.07.
Die FAZ feiert den
Weltbevölkerungstag.
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THELEN, Peter
(2017): Vorbild schwedischer Staatsfonds.
Private Alterssicherung:
Verbraucherschützer fordern für die Altersvorsorge einen Staatsfonds
wie in Schweden. Die Skandinavier sind von den hohen Kosten auf dem
deutschen Vorsorgemarkt weit entfernt,
in:
Handelsblatt v. 11.07.
Während in Deutschland 4 % des
Gehalts in die private Altersvorsorge gesteckt werden sollen, um den
Lebensstandard zu halten, sind es in Schweden nur 2,5 Prozent:
"In Schweden liegt der
Rentenbeitrag mit 18,5 Prozent ähnlich hoch wie hierzulande mit
18,7 Prozent. Nur dass 2,5 Prozent davon nicht in die
umlagefinanzierte Rente fließen, die auch in Schweden Basis der
Altersversorgung ist, sondern in die sogenannte Premium.-Rente.
Die kapitalbasierte Zusatzrente ist also in Schweden anders als in
Deutschland obligatorisch. Staatliche Zuschüsse gibt es dagegen
nicht. (...).
Wer nicht wählt, landet automatisch im Staatsfonds AP 7. »Anfangs
entschieden sich zwei Drittel für eines der privaten Angebote.
Inzwischen fast alle für AP 7.« (...). Die Durchschnittsrendite im
vergangenen Jahr lag bei 7,1 Prozent. Die Gebühren lieben derzeit
bei konkurrenzlosen 0,11 Prozent",
erklärt uns Peter THELEN. Anlass
ist die Forderung der Verbraucherschützer auch in Deutschland einen
Staatsfonds einzuführen. Ausgeblendet wird bei dieser Vorstellung
der schwedischen Altersvorsorge, dass das System der Alterssicherung
in Schweden anders funktioniert als hierzulande. Neoliberale picken
sich gerne immer nur Aspekte aus den Alterssicherungssysteme anderer
Länder heraus, obwohl historisch-gewachsene Systeme ohne Betrachtung
des sozialpolitischen Umfeldes überhaupt nicht angemessen
miteinander verglichen werden können. Was in Schweden funktioniert,
das muss in Deutschland noch lange nicht funktionieren.
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Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte
SCHÖCHLI, Hansueli (2017): Wie man ein Milliardenloch verschwinden
lässt.
Die offiziellen Unterlagen des
Bundes zur Rentenreform verschweigen die grössten Kostensteigerungen
der AHV,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 11.07.
Der Artikel müsste eigentlich
lauten: Wie man Milliardenlöcher erfindet, denn es geht um die Frage,
ob Kaffeesatzleserei, d.h. Zahlen aus Langfristvorausberechnungen die
Politik bestimmen sollen oder ob solche angeblichen Sachzwänge nichts
als Demagogie sind. SCHÖCHLI will Langfristprognosen uns als Wahrheit
verkaufen. Dagegen wehrt sich zu Recht das Schweizer Statistikamt. Die
Argumentation von SCHÖCHLI entspricht jener der Neoliberalen, die das
SPD-Rentenkonzept angiften, nur dass der Zeitrahmen in der Schweiz
nicht nur bis 2030, sondern sogar bis 2035 reicht. Die schwierigsten
Zeiten kommen aus neoliberaler Sicht immer erst in weiter Zukunft. Was
aber, wenn sich die Demografie nicht an die Vorausberechnungen hält.
Und noch viel entscheidender: Was ist, wenn sich der Arbeitsmarkt
völlig anders entwickelt als neoliberale Schwarzseher das
prognostizieren?
Fazit: Neoliberalen müssten die
Fehleinschätzungen der Vergangenheit entgegen gehalten werden, dann
könnten sie Vorausberechnungen nicht mehr so leicht als Wahrheiten
verkaufen.
FERBER, Michael
(2017): Zunehmende Gängelung der Anleger.
Angesichts der immer höheren
Schuldenberg droht eine jahrelange Finanzrepression,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 11.07.
Für Neoliberale ist die Welt
schlicht schwarz-weiß: Positive Entwicklungen werden dem Markt
zugeschrieben, negative dem Staat. Die Neoklassische Theorie ist im
Grunde nichts anderes als ein Freibrief für den Finanzkapitalismus,
deren Akteure mitsamt ihren Interessen außen vor bleiben. Der Begriff
"Finanzrepression" beruht auf der irrigen These, dass Politik und
Ökonomie zwei getrennte Sphären sind, obwohl im Gegenteil beide
Sphären untrennbar verbunden sind. Es gibt weder einen Markt ohne
Politik, noch umgekehrt. Nur eine Machtanalyse brächte Licht in dieses
Dunkel, doch das ist keine Sache von Neoliberalen und ökonomischen
Theorien. Worum es tatsächlich geht:
"Mit den künstlich niedrig
gehaltenen Zinsen kommt es (...) zu einer schleichenden Enteignung
derjenigen, die Geld in Anleihen angelegt haben. Dies ist in der
Schweiz die grosse Mehrzahl der Bevölkerung, schliesslich investieren
die Pensionskassen grosse Teile ihrer Vermögen in Obligationen",
erläutert Michael FERBER. Eine
solche Sicht lässt unberücksichtigt, dass nicht die Bevölkerung,
sondern die Pensionskassen die Akteure sind. Über deren
Handlungsspielräume erfährt der Leser jedoch nichts. Zudem gab es in
den vergangenen Jahren auch Gewinner der angeblichen Finanzrepression:
Immobilienbesitzer und Aktienanlegen.
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Das Single-Dasein in Russland
NIENHUYSEN, Frank
(2017): Wermutstropfen.
Die Russen werden immer älter, doch
die Männer sterben weiterhin deutlich früher als die Frauen. Das hat
auch mit Wodka zu tun. Der Landwirtschaftsminister rät nun: Mehr Wein
trinken,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 11.07.
"Noch nie ist die Lebenserwartung
für Russinnen und Russen so hoch gewesen, vor allem in Moskau und den
weitgehend abstinenten muslimischen Kaukasusrepubliken. Wer im
vergangenen Jahr geboren wurde, kann mit einer Lebensspanne von gut 77
Jahren rechnen - wenn es denn ein Mädchen ist. Russische Jungs werden
66,5 Jahre vorhergesagt. Macht für beide Geschlechter 71,87 Jahre.
(...). In Albanien liegt der Wert schon bei 78 (...).
In einigen fernöstlichen Gebieten werden Männer trotz des Anstiegs
statistisch nicht einmal 60 Jahre alt",
berichtet Frank NIENHUYSEN über die
Lebenserwartung in Russland, die in den 1990er Jahren am niedrigsten
war (gemessen ab 1960). Rauchen und Trinken, also ein ungesunder
Lebensstil, und die schlechte medizinische Versorgung wird dafür
verantwortlich gemacht. Beim übermäßigen Trinken wurde Russland
inzwischen jedoch vom EU-Land Litauen überholt.
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10.07.2017
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EUROSTAT (2017): EU-Bevölkerung zum 1. Januar 2017 auf knapp 512
Millionen gestiegen,
in:
Pressemitteilung des statistischen Amt der Europäischen Union v.
10.07.
Eurostat veröffentlicht heute
Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung Ende 2016, wobei es für
Deutschland nur Schätzungen gibt. So wird die Anzahl der Geburten in
Deutschland für das Jahr 2016 mit 770.000 angegeben.
Dies entspricht der Obergrenze der Schätzung des Statistischen
Bundesamtes vom Januar.
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ROMETSCH, Claudia
(2017): Am Ende reicht das Geld nicht.
Immer mehr Rentner verschulden
sich,
in:
Neues Deutschland v. 10.07.
"Laut Schuldneratlas Deutschland
stieg die Verschuldung bei über 70-Jährigen in den vergangenen fünf
Jahren um 58 Prozent auf insgesamt 174.000 Menschen. Auch bei den
jüngeren Senioren im Alter von 60 bis 69 Jahren gab es ein Plus von
sieben Prozent auf 504.000 Fälle. (...).
Der Anteil der verschuldeten älteren Menschen stieg nach Angaben des
Statistischen Bundesamtes seit 2012 von fünf Prozent auf 6,7 Prozent",
berichtet Claudia ROMETSCH. Im
Schuldneratlas Deutschland 2016 heißt es dagegen:
"Die Zahl überschuldeter Personen
und die Überschuldungsquote in den beiden ältesten Personengruppen
steigen auch in diesem Jahr merklich an. So hat die Zahl
überschuldeter, über 70- jähriger Personen mit rund 16 Prozent
wiederum überdurchschnittlich zugenommen. Die entsprechende
Überschuldungsquote (1,34 Prozent; + 0,17 Punkte) liegt zwar weiterhin
deutlich unter den Vergleichswerten der anderen Altersgruppen, der
Anstiegstrend ist im Mehrjahresvergleich 2013 / 2016 mit plus 58
Prozent dennoch überdurchschnittlich. Die Gesamtzahl überschuldeter
Personen ist zwischen 2013 und 2016 „nur“ um rund vier Prozent
angestiegen. 2016 müssen rund 174.000 Menschen in Deutschland ab 70
Jahren als überschuldet eingestuft werden (+ 25.000 Fälle). Bei der
nächstjüngeren Altersgruppe der 60- bis 69- Jährigen sind 2016 504.000
Überschuldungsfälle zu zählen (+ 33.000 Fälle; + 7 Prozent). Auch in
dieser Altersgruppe liegt der Anstieg merklich über dem Durchschnitt.
Zudem sind die Anstiege in beiden Altersgruppen in diesem Jahr stärker
auf einer Zunahme der Fälle mit hoher Überschuldungsintensität
(„vereinfacht: juristische Sachverhalte“) zurückzuführen. Bei dieser
Entwicklung muss weiter davon ausgegangen werden, dass große Teile
dieser Altersgruppen arbeiten gehen (oft im Rahmen atypischer resp.
geringfügiger Beschäftigungsverhältnisse), um fehlende Mittel für den
Lebensunterhalt zu beschaffen, da das Leistungsniveau der
Rentenversicherung offensichtlich nicht mehr ausreicht. So melden auch
immer mehr ältere Verbraucher in Deutschland Privatinsolvenz an."
(2016, S.7f.)
Die Angaben beziehen sich dabei auf
den Stichtag 1. Oktober 2016. Der Anstieg vollzog sich also nicht
innerhalb von fünf, sondern nur von drei Jahren. Mit Blick auf die
Studie der Bertelsmannstiftung sieht ROMETSCH die Situation in Köln
bereits heute so dramatisch wie sie 2036 bundesweit sein wird.
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ND/DPA
(2017): Ramelow schließt Stopp der Gebietsreform aus.
Thüringens Regierungschef hält es
für möglich, dass das Vorhaben bis zur Wahl 2019 nicht in Gänze
umsetzbar ist,
in:
Neues Deutschland v. 10.07.
Die Grünen bestehen darauf, dass
Weimar und Gera ihre Kreisfreiheit verlieren, wird in der
Agenturmeldung berichtet.
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GRÄBER, Berrit
(2017): Wie gewonnen, so zerronnen.
Wegen der Rentenerhöhung am 1. Juli
werden viele Senioren steuerpflichtig. Alles nur wegen ein paar Euro
mehr auf dem Konto,
in:
Welt v. 10.07.
"Nach einer Prognose des
Bundesfinanzministeriums (BMF) weden nach der diesjährigen
Rentenerhöhung etwa 40.000 Senioren für das laufende Jahr erstmals
eine Steuererklärung abgeben müssen. 2018 kommen weitere 80.000
Senioren dazu",
berichtet Berrit GRÄBER über die
Konsequenzen des Alterseinkünftegesetz, über das meist nur im Rahmen
der jährlichen Rentenerhöhungen berichtet wird.
"2017, so die Prognose des BMF,
müssen bereits 4,4 Millionen Rentner Einkommensteuer zahlen. Das wäre
jeder Fünfte der gut 20 Millionen Rentner hierzulande",
heißt es zum Umfang der Besteuerung
von Alterseinkünften, zu denen nicht nur die Renteneinkünfte zählen.
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Die Beamtenversorgung in der Debatte
GREIVE, Martin (2017): Pensionen kosten 63 Milliarden extra.
Auf den Staat kommen höhere
Pensionsverpflichtungen zu. Allein 2016 stiegen die künftigen
Ausgaben für Beamte um fast 10 Prozent, zeigen aktuelle Zahlen des
Bundes,
in:
Handelsblatt
v. 10.07.
Martin GREIVE, macht
gerne aus einer Mücke einen Elefanten, um Berichterstattung nach
Gutsherrenart zu betreiben. Dies ist diesmal nicht anders,
denn:
"Erst ab dem nächsten Jahr
bildet der Bund die anhaltende Niedrigzinsphase angemessen ab.
Hätte er dies schon in seinem jüngsten Zahlenwerk getan, wären
die Lasten für Pensionen und Beihilfen um fast 15 Milliarden
Euro zurückgegangen",
heißt es erst, wenn man sich
schon geraume Zeit durch den Artikel durchgelesen hat und GREIVEs
unseriöse Darstellung die beabsichtigte Empörung aufgebaut hat.
Wenn ausgerechnet Baden-Württemberg angeführt wird, dann wird es
ganz frech, denn die dortigen Landtagsabgeordneten würden gerne
wieder die kapitalgedeckte Altersvorsorge, die sie erst vor
einigen Jahren eingeführt hatten, loswerden. Die Darstellung der
"Beamtenprivilegien" ist ebenfalls unseriös, denn es wird
verschwiegen, dass es bei den Postnachfolgeunternehmen drastische
Einschnitte gab, weswegen der Bund, der sich durch die
Privatisierung auf Kosten unterlassender
Infrastrukturinvestitionen und Kürzungen bei der Alterssicherung,
glänzend sanieren konnte und nun kaum noch Pensionslasten zu
tragen hat.
Weil bei der Beamtenversorgung
auf Bundesebene nichts zu holen ist, konzentriert sich GREIVE auf
die Landes- und Kommunalebene, weil:
"das Gros der deutschen
Beamten bei den Ländern angestellt (ist). 1,3 der insgesamt 1,85
Millionen Staatsdiener arbeiten als Polizisten oder Lehrer beim
Land."
Lehrer und Polizisten will
GREIVE der weiteren Privatisierung anheimstellen. Schließlich
arbeiten bereits viele Lehrer im Niedriglohnsektor, z.B. in der
Erwachsenenbildung und der Flüchtlingsbildung. Bildung wird gerne
als wichtig gepriesen, anständig entlohnt sollen die Lehrer aber
bitte schön nicht werden. Unter Bildung wird bei Neoliberalen vor
allem Beton verstanden, obwohl Beton keine Kinder unterrichtet. So
verlogen ist der ganze Artikel wie die Bildungslüge insgesamt.
ANGER, Heike (2017): "Eine schreiende Ungerechtigkeit".
Bernd Raffelhüschen: Der Freiburger
Finanzwissenschaftler und Rentenexperte kritisiert versteckte
Billionen-Schulden,
in: Handelsblatt
v. 10.07.
Ausgerechnet Bernd
RAFFELHÜSCHEN, dessen fette Beamtenpension kürzungssicher ist,
wird uns als Anwalt der Rentner präsentiert. Das ist ein
unglaublicher Hohn. Uns werden Zahlen genannt, für die keinerlei
Quellen genannt werden, weshalb nicht zu Unrecht vermutet werden
darf, dass es sich bei den Zahlen lediglich um Spekulationen
handelt. Warum sollst sollte uns die Quelle verschwiegen werden?
GREIVE, Martin (2017): Ran an die
Privilegien.
Kommentar: Der Staat muss endlich
auch Beamte angemessen an den Kosten der Demografie beteiligen,
in: Handelsblatt
v. 10.07.
Martin GREIVE ist nicht bekannt dafür, dass er ein Herz für
Rentner hätte. Es geht also lediglich darum, Bevölkerungsgruppe
gegeneinander auszuspielen. Wie das funktioniert, hat das
Alterseinkünftegesetz gezeigt. Mit der Begründung, dass
Beamtenprivilegien geschleift werden sollen, wurden stattdessen
Rentner und Beamte
gleichermaßen durch die Besteuerung geschröpft: Nicht etwa ein
Prozentanteil, sondern ein gleich bleibender Festbetrag führt
seitdem dazu, dass die Rente von Bestandsrentnern immer weiter
hinter den Löhnen zurückbleiben. Das Alterseinkünftegesetz ist
somit ein Anschlag auf die dynamisierte Rente. Von den
Rentenanpassungen bleibt für die Bestandsrentner Jahr für Jahr
immer weniger übrig.
Fazit: Wer anderen die
Privilegien missgönnt, schneidet sich letztendlich ins eigene
Fleisch! Neoliberale nutzen die Missgunst und Ressentiments, um
die gesetzliche Rente Zug um Zug an die Wand zu fahren.
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RÜRUP, Bert (2017): Der Staat steht in der Pflicht.
Chefökonom: Das staatliche
Rentensystem muss Armut verhindern,
in: Handelsblatt
v. 10.07.
Bert RÜRUP befindet sich im Wahlkampfmodus und da fressen Wölfe
bekanntlich auch mal Kreide. Da kostet es nichts, wenn man sich für
die Armen einsetzt, denn schließlich wird das sowieso nicht
umgesetzt werden. Anlässlich einer Studie der neoliberalen
Bertelsmannstiftung versucht RÜRUP bei der Altersarmut abzuwiegeln:
"heute beziehen 3,1 Prozent der
fast 18 Millionen Älteren Leistungen aus der Grundsicherung im
Alter. Unterstellt man zusätzlich eine versteckte Armut, sind 5,5
Prozent realistisch. Laut Prognose steigt diese Quote bis 2036 auf
7,1 Prozent - in Westdeutschland von 5,6 auf 6,1 Prozent und in
den neuen Ländern von 5,1 auf 11,3 Prozent "
Mit versteckter Armut
argumentieren Neoliberale wie Bert RÜRUP nicht - höchstens es dient
der Abwieglung, denn eine Steigerung von 3,1 auf 6,1 oder gar 11,3
Prozent, sieht äußerst unvorteilhaft aus, weshalb der Rückgriff auf
die verdeckte Armut das Bild in schöneren Farben malt.
"Wer wirklich gegen Altersarmut
angehen möchte, der muss an ganz anderer Stelle ansetzen - am
Äquivalenzprinzip",
wendet RÜRUP gegen eine
Stabilisierung des Rentenniveaus ein, um dann anzufügen:
"Ein Ausbau der privaten oder
betrieblichen Altersvorsorge ist notwendig. (...) Eine freiwillige
Zusatzversorgung ist aber nicht geeignet, Armut zu verhindern.
Dies ist Aufgabe des staatlichen Systems."
Das könnte man auch dahingehend
verstehen, dass eine Pflicht zur kapitalgedeckten Altersvorsorge
notwendig sei. Eine Solidarrente ist für RÜRUP jedenfalls keine
Antwort auf die steigenden Altersrisiken:
"Hiergegen hilft nur eine
Doppelstrategie aus einer präventiven Bildungs- und
Arbeitsmarktpolitik und einer armutsfestereren Rente (...) und das
wird ohne eine Umverteilung von Reich zu Arm in der gesetzlichen
Rentenversicherung nicht möglich sein".
Das liest sich gut, aber der
Teufel steckt bekanntlich im Detail: denn was heißt Umverteilung von
Reich zu Arm, wenn bei der Rentenversicherung die Reichen durch die
Beitragsbemessungsgrenze außen vor bleiben? Und was nützt Bildung,
die keine hinreichende, sondern nur eine notwendige Voraussetzung
ist? Wird hier nicht nur Augenwischerei betrieben? Vor allem, wenn
im gleichen Atemzug gefordert wird, Lehrer schlechter zu bezahlen
wie GREIVE heute nahe legt?
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OTT, Klaus
(2017): Gierig und dreist.
Vermeintliche US-Pensionsfonds
bedrängten deutsche Finanzbeamte, die sich ihren Steuertricks nicht
beugen wollten,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 10.07.
Deutschland stilisiert sich
gerne zum Hort der Steuergerechtigkeit und die Mainstreammedien
spielen sich zu investigativen Robin Hoods à la Panama-Papers auf. In
diesem Zusammenhang wird dann sogar die selbstverständliche Arbeit von
Finanzbeamten zur Heldentat verklärt. Offenbar ist das Image des
angeblich steuergerechten Deutschland so miserabel, dass es solche
Artikel braucht. Wichtiger wäre es dagegen die Steueroasen innerhalb
von Deutschland zu bekämpfen. Lieber aber stellt man das Ausland an
den Pranger, damit die eigenen Methoden der Steuerhinterziehung bzw.
Nichtbesteuerung in einem besseren Licht erscheinen zu lassen..
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STRAUSS, Simon
(2017): Nicht nur Gender auf der Agenda.
Die Arbeitermetropole Manchester
hat ein Auge auf die sexuelle Identität und ein Ohr für die
Klassenfrage: Thomas Ostermeier und Nina Hoss adaptieren Didier
Eribons Roman "Rückkehr nach Reims",
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.07.
"Strauß ist seit einiger Zeit
Redakteur im Feuilleton der »FAZ«, er schreibt über Literatur und
vor allem über Theater (...). Er schreibt brutal subjektiv",
lobt Volker WEIDERMANN der
brutalst emotionale Literaturaufhübscher im
aktuellen Spiegel. Nur von
brutaler Subjektivität spürt man bei dieser Theaterkritik nichts.
Stattdessen wird uns die Feuilletonmeinung über Didier ERIBONs Buch
bieder nacherzählt. Die Theaterkritik selber ist ebenfalls gängige
Feuilletonware. Da hilft es auch nichts, wenn STRAUSS am Schluss
eine Begegnung zwischen "Klasse und Geschlecht" konstruiert, indem
er einem Bauarbeiter folgende Worte in den Mund legt:
"Glaubst du, nur weil ich ein
Tattoo habe, gerne Ale trinke und Stripclubs mag, habe ich etwas
gegen die LGTBs? Mann so einfach ist die Welt nicht."
So einfach gestrickt ist
höchstens die Feuilleton-Welt des Schriftsteller-Sohns.
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BRUCKNER, Pascal (2017): Der Tod des Todes ist der Tod des Lebens.
Die Lebenserwartung des Menschen
steigt. Werden wir den Tod überwinden? Und wäre das wirklich
wünschbar?
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 10.07.
"Ein Mensch, dem man
mikroelektronische Prothesen ins Hirn eingepflanzt hätte,
Nanokapseln zur Blutreinigung, dessen Gewebe durch Stammzellen
erneuert würde und der über Nachtsicht verfügte, könnte, heisst
es, bis zu 150 Jahre alt werden. Demnach gälte es, die Jugend bis
zur Schwelle des Todes zu verlängern, nicht das Alter.
Stattdessen gleichen unsere entwickelten Gesellschaften Asylen, wo
alle Krankheiten des Uralters – Krebs, Parkinson, Alzheimer –
unsere Senioren plagen, wo diese gewaschen und gewickelt werden
wie runzlige, redselige Säuglinge. Die Fortschritte der Medizin
zeitigen Albträume wie Abhängigkeit, Gebrechlichkeit, Umnachtung.
Die neue Langlebigkeit ist auch ein Fluch. Man altert im gleichen
Zug wie die eigenen Eltern und manchmal schneller als diese.
Zähneknirschend und weisshaarig sind sie immer noch da, wo man
selbst schon Grossvater ist.
Der Fortschritt schafft Dynastien von Hinfälligen in mehr oder
weniger fortgeschrittenen Stadien des Verfalls, Familien von
Bettlägerigen, die durch selbst schon greise Kinder versorgt
werden",
raunt es kulturpessimistisch -
angesichts elitärer Unsterblichkeitsphantasien - bei dem alternden,
einst neuen Philosophen, Pascal BRUCKNER.
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Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte
KAPP, Jean-Pierre (2017): Die Genfer Pensionskasse in Schieflage.
Grosszügige Renten der
Vergangenheit und Personalaufstockungen rächen sich,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 10.07.
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Das Single-Dasein in Osteuropa
GEINITZ, Christian (2017): In Osteuropa werden die Arbeitsplätze
knapp.
Hierzulande soll bis 2025
Vollbeschäftigung herrschen. In Tschechien ist das schon heute der
Fall. Das bereitet der Wirtschaft Sorgen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.07.
"Deutschland mit seinen großen Industriegruppen und Handelsketten ist
in Ostmitteleurop der führende Investor sowie Partner für Handel und
Wissenstransfer. Der überdurchschnittliche Beschäftigungsaufbau in den
Visegrâde-Ländern hat mit der geographischen Lage, mit der
EU-Förderung und mit der Integration in die Lieferketten zu tun. Aber
bisher natürlich auch mit der Verfügbarkeit von gutem Personal und den
niedrigen Arbeitskosten. Bei vergleichbarer Produktivität betragen die
Löhne in der Industrie nur etwa ein Drittel des deutschen Niveaus,
lobt
Christian GEINITZ zu guten Ausbeutungsmöglichkeiten in
Ostmitteleuropa. Sorge bereitet der Industrie deshalb, dass fehlende
Fachkräfte zu höheren Lohnforderungen führen und damit die
Profitrate fällt. Aus dieser Sicht
gilt Ungarn als Vorbild:
"Ungarn senkt in diesem Jahr den
Arbeitgeberbeitrag zu den Sozialabgaben von 27 auf 22 Prozent und
führt zugleich einen Einheitssatz in der Körperschaftsteuer von neun
Prozent ein. Das ist der niedrigste Wert in der EU und der
zweitniedrigste in der OECD. Bisher mussten die Betriebe je nach
Nettoumsatz 10 oder 19 Prozent zahlen.
Die Akademikerschwemme wird als
Problem gesehen, die dazu führe, dass z.B. Tschechien "als Vorreiter
in der Digitalisierung und der Industrie 4.0" gilt.
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Das Single-Dasein in Spanien
KRIEGER, Heinz
(2017): Arbeiten - egal was.
In Spanien sinkt die
Erwerbslosenquote, doch jüngere haben nach wie vor kaum Chancen,
in:
Neues Deutschland v. 10.07.
"Die Arbeitslosigkeit unter den
Jungen ist hoch, bei den unter 20-Jährigen liegt sie bei über 50
Prozent, in der Altersgruppe bis 25 Jahren bei 41,5 Prozent. Bezieht
man die bis 29 Jahre alten Arbeitssuchenden mit ein, sind 39 Prozent
ohne Arbeitsstelle. (...).
39 Prozent tragen sich mit Auswanderungsplänen - aber nur 21 Prozent
setzen das auch um. (...).
Mit Auswanderung ist übrigens nicht immer eine Arbeit außerhalb der
spanischen Grenzen gemeint. Oft wird darunter auch der Umzug in eine
andere Autonome Region verstanden, etwa von Valencia nach Aragon. Von
denen, die tatsächlich Spanien verlassen haben, sind 38 Prozent nach
Großbritannien gegangen. Darunter sind viele Krankenschwestern, die
dort willkommen sind, weil sie in Spanien eine Universitätsausbildung
abschließen müssen und deshalb mit ihren Kenntnisse oft durchaus an
die der Ärzte heranreichen. Zwölf Prozent der jungen Auswanderer auf
der Suche nach einem Job sind übrigens nach Irland gegangen",
berichtet Heinz KRIEGER über
Spanien, wobei weder immer die Quellen der Daten noch die Definition
des Begriffs "Arbeitslosigkeit" klar wird.
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09.07.2017
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BRANKOVIC, Maja
(2017): Deutschland hat keine Abgehängten.
Sonntagsökonom: In Amerika
produziert die Globalisierung viele Verlierer. In Deutschland nicht,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 09.07.
Der Artikel von Maja BRANKOVIC
knüpft an die Thesen aus dem Artikel
Kein Land der
Abgehängten und
Die armen Männer
von Amerika an. Dabei werden die Aufsätze
China-Schock von David AUTOR u.a. sowie
Trade and
Manufacturing Jobs in Germany von Wolfang DAUTH u.a.
vorgestellt.
Deutschland hat sehr wohl
abgehängte Regionen und niedergehende Branchen, nur wird das
verdeckt durch die Globalisierungsgewinner bei der
Automobilindustrie, dem Maschinenbau und der Chemiebranche. Symbol
des Niedergangs ist Pirmasens, das ehemalige Zentrum der
Schuhindustrie in der Südwestpfalz.
"Nicht Amerika, sondern
Deutschland nimmt im internationalen Vergleich eine Sonderstellung
ein. Denn auch in Norwegen, Dänemark und Frankreich hat der Handel
unterm Strich etliche Arbeitsplätze vernichtet - deutlich mehr,
als durch die neuen Exportchancen dazugekommen sind.
Für die aufstrebenden Globalisierungsgegner in diesen Ländern ist
das ein gefundenes Fressen. Wen überrascht es da noch, dass bei
der
französischen Präsidentenwahl im April nicht nur die
rechtspopulistische Marine Le Pen mehr als ein Fünftel der Wähler
hinter sich versammeln konnte, sondern dasselbe Kunststück fast
auch dem linken Globalisierungsgegner Jean-Luc Mélenchon gelang?"
meint BRANKOVIC. Diese
Interpretation könnte jedoch voreilig sein, denn die Untersuchung zu
Deutschland bezieht sich auf den Zeitraum 1993 bis 2014, d.h. die
Entwicklungen der letzten 3 Jahre fehlen bei der Untersuchung zu
Deutschland. Es könnte also durchaus sein, dass Deutschland im
Vergleich zu den anderen Ländern nur stärker zeitverzögert von den
negativen Folgen der betroffen wird. Länder wie Frankreich zeigen
dann nur, was auf Deutschland zukommen wird, wenn die neoliberale
Politik weiter fortgesetzt wird und der Niedriglohnsektor im
Dienstleistungssektor immer stärker den Arbeitsmarkt dominiert. Die
Krise der deutschen Automobilindustrie zeigt sich im Abgasskandal,
dessen Dimensionen in Deutschland immer noch verschleiert werden.
Der damit verbundene Vertrauensverlust dürfte erst in den nächsten
Jahren wirklich sichtbar werden. Man mag das bis zur Bundestagwahl
verschleiern können. Danach aber wird es Deutschland umso härter
treffen.
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08.07.2017
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BÄHR, Julia
(2017): Vater und Mutter haben, das heißt gar nichts.
Auf einmal wollen alle diskutieren,
was eine Familie ist: Gut so, doch reden wir endlich auch über die
Rechte von Alleinerziehenden und ihren Kindern,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.07.
Julia BÄHR kritisiert in erster Linie das Ehegattensplitting, bei dem
die Alleinerziehenden "durchs Raster" fallen. Den Entlastungsbeitrag
als Ersatz findet BÄHR ungenügend.
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CREUTZBURG, Dietrich & Kerstin SCHWENN
(2017): Beschäftigungsaufschwung füll Lücken der Rentenkasse.
Das Defizit dürfte sich in diesem
Jahr auf 900 Millionen Euro halbieren - der Beitragssatz bleibt
stabil,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.07.
Positive Entwicklungen bei der Rentenkasse sind den Neoliberalen ein
Ärgernis, weshalb Kaffeesatzleserei betrieben werden muss, um die
Entwicklung schlecht zu reden. Nur klappt das nicht so recht:
"Die neue Vorausberechnung legt nun
nahe, dass der Beitragssatz selbst im Jahr 2022 nur um 0,1 Punkte auf
18,8 Prozent steigen muss.
Die vorige Schätzung im April hatte für 2022 noch einen Satz von 19,1
Prozent erwarten lassen."
Als das Rentenpaket 2014
beschlossen wurde, sahen die Prognosen noch düsterer aus:
"Im Gesetzgebungsverfahren zum
Rentenpaket 2014 hatte die Regierung erwartet, dass die Reserve nur
bis 2018 reichen werde; schon 2019 hätte dann der Beitragssatz auf
19,7 Prozent steigen müssen.
Seither ist jedoch die Zahl der beitragspflichtigen Arbeitnehmer um
zwei Millionen auf 32 Millionen gestiegen, deutlich stärker als
erhofft. Allein von Januar bis Mai 2017 hat die Rentenkasse daher 89,7
Milliarden Euro an Beiträgen eingenommen. 3,8 Milliarden Euro mehr als
im Vorjahreszeitraum."
Aufgrund politischer Vorgaben darf
die Nachhaltigkeitsrücklage einen bestimmten Betrag nicht
überschreiten, sodass dadurch die Plünderung der Rentenkasse zu Lasten
der Arbeitnehmer als Sachzwang verkauft werden kann. So sind sowohl
die Mütterrente und die Ostrentenangleichung als
gesamtgesellschaftliche Aufgaben nicht aus Steuern finanziert worden,
sondern durch die Beiträge der Arbeitnehmer. Dieser Skandal aber wird
von CREUTZBURG & SCHWENN ausgeblendet.
Am Schluss wird auf den Beschluss
des Betriebsrentenstärkungsgesetzes, der Verbesserungen bei der
Erwerbsminderungsrente und der Ostrentenangleichung hingewiesen. Wie
bei Neoliberalen üblich, wird dabei der Stärkung der privaten
Altersvorsorge der größte Raum gewidmet. Die Bekämpfung der
Altersarmut gilt Neoliberalen als nachrangiges Problem.
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Gerd Bosbach & Jens Jürgen Korff - Die Zahlentrickser
KAUFMANN, Stephan
(2017): Verdreht, geschönt, bearbeitet.
Arbeitslose, Flüchtlinge, Reiche:
Mit Zahlentricksereien wird Politik gemacht, wie Statistik-Professor
Bosbach zeit,
in:
Frankfurter Rundschau v. 08.07.
Stephan KAUFMANN zeigt, wie mittels Statistik die Vergleichbarkeit von
Fakten verhindert werden kann. So werden Arbeitslose in Deutschland
seit Jahren wegdefiniert, indem einfach die Definition von
Arbeitslosigkeit geändert wurde. Auch beim Vergleich der
Erwerbstätigen wird gerne geschummelt, z.B. im derzeit beliebten
Vergleich mit Frankreich. Misst man jedoch nicht die Köpfe, sondern
die gearbeitete Arbeitszeit, dann steht Frankreich besser da als
Deutschland.
Ein beliebter Trick, das gewünschte Ergebnis zu erzielen, ist die Wahl
des Vergleichsjahres. So wird gerne publiziert, dass sich die
Geburtenzahlen im Vergleich mit 1964 halbiert hätten. Dagegen werden
seit 41 Jahren durchschnittlich 774.627 Kinder in Deutschland geboren.
Die Geburtenzahl des Jahres 2015 liegt lediglich 37.052 Kinder
niedriger als dieser langjährige Durchschnitt. Es kann also gar keine
Rede sein, dass die Alterslast des Minibabybooms in Deutschland nicht
zu tragen ist. Länder wie die USA oder Japan haben einen wesentlich
größeren Babyboom zu bewältigen. Neoliberale picken sich also jene
Zahlen heraus, die besonders gut zu ihrer politischen Ideologie
passen.
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WEIDERMANN, Volker
(2017): Auftrag: Erschütterung.
Literatur: Ihre Väter sind Botho
Strauß, Hans Magnus Enzensberger. Sie wollen eine neue "Gruppe 47"
gründen. Mit Pathos, Streitlust, Offenheit. Simon Strauß und Theresia
Enzensberger haben ihre ersten Bücher geschrieben,
in: Spiegel Nr.28
v. 08.07.
Im typischen WEIDERMANN-Sound, der voller Authentizitätsklischees ist,
versucht Volker WEIDERMANN die soziale Vererbung im Literaturbetrieb
zu verklären. Was WEIDERMANN jedoch über das Debüt Sieben Nächte
von Simon STRAUß erzählt, macht höchstens Literaturbetriebsinsassen
neugierig.
Theresia ENZENSBERGER durfte bereits als 17-Jährige einen Rezension
des Buchs
Generation zwei von Florian ILLIES für die FAZ
schreiben und wurde dafür in die Generation Smart (ein
Junge Union-Etikett!) eingereiht.
Der Debütroman der mittlerweile 30-Jährigen ENZENSBERGER spielt
"in den Zwanzigerjahren in Weimar
und in Dessau an der Bauhaus-Schule, später verlagert sich die
Handlung nach Berlin (...). Das Land, die Weimarer Republik brennt um
sie herum, und die schöngeistigen Studentinnen und Studenten treiben
Ichbeschau: »Letztes Wochenende ist Walther Rathenau von Rechten
ermordet worden, das ganze Land spricht über einen möglichen
Bürgerkrieg, und wir? Wir reden über zerfließende Zitronen und unsere
Diäten«",
beschreibt WEIDERMANN den Plot des
Romans
Blaupause, der dem gängigen Klischee des linksliberalen
Establishments der alten BRD folgt. Es erstaunt kaum noch wie wenig es
braucht, um im seichten Literaturbetrieb Aufmerksamkeit zu generieren.
Erschütterungen wird das kaum hervorrufen, eher die übliche
Selbstreferenzialität des Feuilletonbetriebs.
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GSCHWENDTNER, Christian
(2017): Die linke Tour.
Spätestens seit der Finanzkrise ist
Karl Marx so beliebt wie noch nie. Auf einmal finden ihn alle toll -
auch die Reichen. Warum gibt es dann keine Revolution?
in: Süddeutsche
Zeitung v. 08.07.
Angeblich gibt es in Deutschland einen MARX-Hype, tatsächlich wird
lediglich das 150-jährige Jubiläum der Veröffentlichung des Kapitals
gefeiert. Also ein typischer Feuilleton-Selbstreferenzialismus. Man
würde das genauso machen, wenn gerade Adam SMITH, der Urvater des
Neoliberalismus, zum Jubiläum anstände. Andere feiern Angela MERKEL
als den neuen Ludwig Erhardt. Wer auf Namedropping und auf dem
üblichen Einwand steht, dass die Welt zu komplex sei, dass es kein
Klassenbewusstsein mehr geben könne, ist mit dem Artikel gut bedient.
Die anderen können ihre Zeit besser nutzen.
HAAF, Kolja
(2017): Große Klasse.
Wo ist der Proletarier? Gibt es ihn
noch in Deutschland? Fünf Kurzporträts von Menschen, die nur mit
großer Mühe über die Runden kommen,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 08.07.
Kolja HAAF hat sich keine Mühe
gemacht den Proletarier zu suchen, sondern stellt uns Menschen vor,
die gut zum neoliberalen Klischeebild unserer Gesellschaft passen. Das
liegt daran, dass HAAF den Proletarier nur als Proll kennt, d.h. als
neoliberale Witzfigur.
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NICOLAS, Timo
(2017): Die Schönheit von Gallin.
Politik: Wie regiert man ein Dorf,
wenn man nicht mal Geld für Spit hat? Ein Besuch beim ärmsten
Bürgermeister Deutschlands,
in:
TAZ v. 08.07.
"Holger Klukas (...) ist der
Chef von
Gallin-Kuppentin: 5 Dörfer, 472 Einwohner. Er ist der vielleicht
ärmste Bürgermeister Deutschlands.
Die Gemeinde Gallin-Kuppentin liegt zwischen den Dörfern Rom, Goldberg
und Benzin an der Mecklenburgischen Seenplatte. (...).
Als Klukas 2006 zum Bürgermeister gewählt wird, ist der Kindergarten
schon geschlossen und die Schule wird bald folgen (...).
Die Tragik steckt im Detail. Der Zugfan, der extra neben den Bahnhof
zog, dessen Gleise jetzt stillgelegt sind. Die letzte Kneipe, die
gerade schließen musste. Die staatlichen Gutshäuser, einst Mittelpunkt
des Dorflebens, die heute Bayern oder Berlinern gehören. Die
freiwillige Feuerwehr, die 26 Mitglieder hat, von denen aber nur zehn
fit für den Einsatz sind. Wenn überhaupt. Dass die Jungen wegziehen,
weil es weder Arbeit gibt noch guten Handyempfang. Und dass die Alten
nicht mehr rauskommen, weil der Bus nur zweimal am Tag fährt. (...).
Wenn sich daran nicht bald etwas ändert, stirbt Gallin-Kuppentin. Wird
eine tote Gemeinde, in der Bayern und Berliner ihre Ferienhäuser
haben",
berichtet Timo NICOLAS aus der
Gemeinde Mecklenburg-Vorpommern. Im Mittelpunkt steht der parteilose
Bürgermeister, der von Hartz IV leben muss und dessen
Aufwandsentschädigung sich aufgrund der politischen Vorgaben, die an
die Demografie eines Ortes und die Knechtschaft der Hartz-Gesellschaft
gekoppelt sind, verringert hat:
"Als seine Gemeinde auf unter 500
Einwohner schrumpft, sinkt auch seine Aufwandsentschädigung. Nur noch
350 Euro. (...). 2010 bekommt er ein Schreiben aus Schwerin. Der
Ehrenamtssold von Bürgermeistern soll auf den Hartz-IV-Satz
angerechnet werden. Es blieben ihm dann nur noch 200 Euro."
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Das Rentenvorbild Österreich in der Debatte
SIEMS, Dorothea
(2017): Entzauberung des Alpenparadieses.
Ruheständler in Österreich bekommen
im Durchschnitt 60 Prozent mehr Rente als deutsche Senioren. Doch
die großzügige Alterssicherung in dem Nachbarstaat hat ihre
Schattenseiten. Für die Zukunft ist die Bundesrepublik besser
gerüstet,
in:
Welt v. 08.07.
Neoliberale zeichnen
normalerweise ein ganz düsteres Bild vom deutschen Rentensystem.
Dies strahlt dann plötzlich umso heller, wenn es darum geht, die
Rentensysteme von Ländern madig zu machen, die wesentlich besser
sind als das deutsche Rentensystem. Die Deutsche
Rentenversicherung hat nun die Mainstreamjournalisten mit
Informationen geimpft, um die Interessen der Reichen und des
Kapitals besser vertreten zu können. Das ist offensichtlich nicht
gelungen, denn keineswegs kann Dorothea SIEMS das Alpenparadies
entzaubern, sondern im Gegenteil wird sichtbar, was in Deutschland
gewaltig schief gelaufen ist. Die Leistungen für Rentner sind in
Österreich bedeutend besser als in Deutschland, weil das System
bei der Finanzierung wesentlich breiter aufgestellt ist:
"Obwohl die Rente für die
Betriebe (...) deutlich stärker zu Buche schlägt, kann sich die
Wirtschaft in dem Nachbarland aber nicht beklagen. Denn die
Gesamtbelastung mit Sozialabgaben ist in Österreich sogar
geringer als in Deutschland."
Dies liegt daran, dass in
Österreich nicht nur die Arbeitnehmerschaft, sondern alle
Erwerbstätigen in das System einbezahlen. In Österreich können die
Arbeitnehmer früher in Rente gehen und und Ältere müssen sich
nicht unfreiwillig ausbeuten lassen:
"Während hierzulande das
Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre steigt, liegt es
in Österreich bei 65 Jahren. Für Frauen gilt gar die
Altersgrenze von 60 Jahren, die erst ab 2024 langsam auf 65
Jahre ansteigt. Und während in Deutschland knapp 70 Prozent der
55- bis 64-Jährigen erwerbstätig sind, liegt die Quote in
Österreich unter 50 Prozent."
Ob die Kopplung der Renten an
die Lohnentwicklung besser ist als die Kopplung an die Inflation
wie in Österreich, dürfte je nach Arbeitsmarktlage und Geldpolitik
durchaus unterschiedlich beurteilt werden. Die Kürzungen durch die
Senkung des Rentenniveaus in Deutschland sind allemal gravierender
als die derzeitig günstige Lage bei den Rentenanpassungen.
Was Neoliberale wie SIEMS als
Schwäche bezeichnen, nämlich das Umlageverfahren, ist eher eine
Stärke. Geschwächt wird die Alterssicherung durch das
Kapitaldeckungsverfahren wie die Entwicklung der letzten 10 Jahre
deutlich zeigen.
Fazit: Die Entzauberung ist
nach hinten los gegangen: Das österreichische System ist
leistungsfähiger als die deutsche Alterssicherung.
Nichtsdestotrotz wollen auch in Österreich die Neoliberalen das
bewährte Alterssicherungssystem kippen. Wie in Frankreich soll
auch in Österreich Jugendlichkeit Trumpf sein bei der Wahl im
Herbst.
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ARAB, Adrian
(2017): Jung - und in der CDU ganz rechts.
Philipp Amthor kämpft für ein
Direktmandat im Bundestag - in Vorpommern, einer Region, in der die
AfD zur ernsten Gefahr für die CDU wurde. Der 24-Jährige setzt dabei
auf tief konservative Positionen,
in:
Welt v. 08.07.
"Philipp Amthor ist 24 Jahre
alt und kandidiert im
Wahlkreis 16. Der reicht von der Insel Usedom im Norden bis
zur Stadt Penkum an der polnischen Grenze im Südosten Vorpommerns.
Seit der Wende hat die CDU das Direktmandat gewonnen, doch das
könnte sich ändern. Denn hier im Nordosten der Republik ist die
AfD enorm stark. Bei der Landtagswahl im September 2016 erzielte
die Partei zum Beispiel in Greifswald und Umland 20,8 Prozent und
überholte die CDU. Mancherorts kamen AfD und NPD zusammen auf mehr
als 50 Prozent.",
berichtet Adrian ARAB zur
Bundestagswahl 2017 über eine Konstellation, die uns aus den
diesjährigen Wahlkämpfen in Frankreich wohlbekannt ist. Der
Wahlkreis 16 besteht aus Mecklenburgische Seenplatte I und
Vorpommern-Greifswald II.
Das Direktmandat in Vorpommern-Greifswald gewann bei der
Landtagswahl 2016 die AfD.
Die mediengerechte Inszenierung
einer Positionierung gegen die AfD soll verlorene Wähler
mobilisieren. Eine solche Strategie ist in Frankreich gewaltig
daneben gegangen, denn nicht nur die Linke, sondern auch die Rechte
ist dort im Parlament kaum mehr präsent.
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Das Single-Dasein in Dänemark
HAIMANN, Richard
(2017): Haustraum in den Dünen.
In Dänemarks Süden fallen die
Immobilienpreise ins Bodenlose - die Folge einer beispiellosen
Abschottung,
in:
Welt v. 08.07.
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Die
Wahlen zur Nationalversammlung in Frankreich in den Medien
WERNICKE, Christian
(2017): Ein rechtes Durcheinander.
Frankreichs Bürgerliche gleichen
einer Trümmerlandschaft. Noch haben sich die gedemütigten Erben de
Gaulles nicht von ihrer verheerenden Wahlschlappe erholt. Doch im
Hintergrund werden schon die Messer für die nächste Vorstandswahl
bei den Republikanern gewetzt: Populismus gegen einen Rest Vernunft,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 08.07.
Christian WERNICKE beschwört einen Zweikampf zwischen Laurent
WAUQUIEZ (Präsident der Region Auvergne-Rhône-Alpes) als
Anführer der strammen Rechten innerhalb der Partei der
Republikaner und Valérie PÉCRESSE (Präsidentin des Regionalrats
der Île de France) als Protagonistin, die die Flügel
zusammenhalten soll.
Am Dienstag soll entschieden
werden, ob die drei Minister MACRONs (Édouard PHILIPPE, Bruno Le
MAIRE und Gérald DARMANIN), die noch der Partei der Republikaner
angehören, aus der Partei ausgeschlossen werden sollen.
BOEHRINGER, Simone & Leo KLIMM
(2017): Paar der Gegensätze.
Deutschlands und Frankreichs
Wirtschaft streben auseinander. Das tut beiden Seiten auf Dauer
nicht gut, sagen die Regierungen. Sie wollen sich annähern,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 08.07.
Der Artikel präsentiert eine Vielzahl von Statistiken, deren
Aussagekraft eher zweifelhaft ist. Wenn es z.B. heißt, dass es
2080 mehr Franzoschen als Deutsche geben wird, dann ist das nichts
als Kaffeesatzleserei. Die Wirtschaftsleistung (BIP) wird nur in
absoluten Zahlen, aber nicht pro Kopf angegeben, obwohl das für
die Vergleichbarkeit entscheidender wäre. Zur Altersstruktur heißt
es: "In Frankreich leben mehr junge Menschen". Das Schaubild zeigt
aber auch, dass es mehr über 80-Jährige gibt, was auch an der
höheren Lebenserwartung (1,7 Jahre) in Frankreich liegt. Auch die
Zahlen zur Jugendarbeitslosigkeit sind wenig aussagekräftig, denn
es fehlen Angaben darüber wie viele dieser angeblich Arbeitslosen
in Wahrheit im Bildungssystem ihren Studienabschluss absolvieren.
SCHIERMEYER, Matthias
(2017): Die neue Zeit zieht ohne sie.
Die Brücke zur Welt Niedergang: Bei
fast jeder Wahl in einem EU-Mitgliedsland müssen Sozialdemokraten
und Sozialisten schwere Niederlagen einstecken. Linke Volksparteien
leiden unter einem steten Verfall. Sie werden nach wie vor
gebraucht, doch dafür müssten sie sich grundlegend erneuern,
in: Stuttgarter
Zeitung v. 08.07.
"Nur noch acht Regierungen in
der EU werden von Sozialdemokraten oder Sozialisten geführt -
nicht einmal ein Drittel der bald 27 EU-Staaten. An sechs
weiteren Regierungen sind sie beteiligt",
erklärt uns Matthias
SCHIERMEYER, der die portugiesischen Sozialisten der
Sozialdemokratie zuordnet, während dies für Frankreich ebenfalls
zutrifft, aber verschwiegen wird:
"Insbesondere in Frankreich
drohen die Sozialisten ins Bodenlose zu fallen. Viele Wähler
sind zu Emmanuel Macron übergelaufen (...). Linke sehen ihn als
Wirtschaftsliberalen - rechte Politiker stufen ihn als
Sozialdemokraten ein."
Da passt es natürlich nicht,
wenn die Sozialisten die eigentlichen Sozialdemokraten sind. Auch
sonst bleibt der Artikel oberflächlich und ungenau, was die
angebliche Wählerschaften in Frankreich angeht.
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Das Single-Dasein in Italien
PILLER, Tobias
(2017): Einmal ohne alles.
Lounge: Italien fehlen die Zutaten
für einen Aufschwung. Dauerwahlkampf und riesige Alltagsprobleme
blockieren das Land. Kommendes Jahr wird es eng,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.07.
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07.07.2017
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OESTREICH, Heide
(2017): Grüße von Adenauer.
Familie: Die Union kann
Familienpolitik? Weit gefehlt. Ein Blick ins Wahlprogramm zeigt: Ihre
Rezepte stammen zumeist aus den Fünfzigern,
in:
TAZ v. 07.07.
Heide OESTREICH fordert elitenfeministische Maßnahmen wie Quoten für
Führungsjobs und Familienarbeitszeit, die man sich leisten können
muss. Was nützt die Abschaffung von Minijobs, wenn keine
Arbeitsplätze für Normalofrauen geschaffen werden? Offenbar geht es
OESTREICH mit ihren Forderungen lediglich darum zu verschleiern,
dass es ihr in erster Linie um Akademikerinnen geht, aber nicht um
die Frauen ohne Hochschulabschluss.
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DRV
(2017): Ost-West-Angleichung und Verbesserung der EM-Rente.
Bundesrat billigt Änderungen,
in:
Pressemitteilung der Deutschen Rentenversicherung v. 07.07.
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SIEMS, Dorothea (2017): Deutschland droht chronische
Wirtschaftsschwäche.
Als Folge der Bevölkerungsalterung
wird sich das Wachstum mehr als halbieren. Einige Faktoren können den
Sinkflug noch verhindern,
in:
Welt v. 07.07.
Die Arbeitgeberlobbyorganisation IW Köln macht Wahlkampf für
Schwarz-Gelb. Mit ihrer Studie
Perspektive 2035 greift sie die unter Ökonomen umstrittene
These von der Säkularen Stagnation auf, um eine Erhöhung des
Renteneintrittsalters bis 2030 auf 68 Jahre zu fordern. Sie
flankieren damit Forderungen von CDU-Politikern nach einer Rente mit
70.
Wie absurd die naive
Fortschreibung der Vergangenheit in die Zukunft ist, zeigen die
Berechnungen der Studie:
"Die Anzahl der über
67-Jährigen wuchs von 9,6 Millionen im Jahr 1990 auf 14,5
Millionen Personen im Jahr 2015, also um rund 4,9 Millionen. Damit
lag im Jahr 2015 der Anteil der über 67-Jährigen an der
Gesamtbevölkerung bei 17,7 Prozent (1990: 12,1 Prozent)." (2017,
S.15)
Obwohl also die Bevölkerung im
Alter von über 67 Jahren innerhalb von 27 Jahren um 5,6 Prozent
zugenommen hat, ist dadurch nicht etwa die Wirtschaft
zusammengebrochen, sondern im Gegenteil war die Wirtschaftslage seit
1990 nie besser. Die zugenommene Ausbeutung der Arbeitskraft hat den
Unternehmen hohe Profite beschert, während die Arbeitnehmer
Lohneinbußen hinnehmen mussten. Mit Demografie hat das nichts zu
tun, sondern mit einer Politik zugunsten des Kapitals. Die
Demografisierung gesellschaftlicher Probleme soll davon ablenken.
Bis 2035 erhöht sich der Anteil der über 67-Jährigen kaum mehr als
seit 1990:
"Der Anteil der über
67-Jährigen an der Gesamtbevölkerung wächst bis 2035 von derzeit
17,7 auf 25,8 Prozent" (2017, S.15)
Die Prognose des IW Köln
berücksichtigt den Anstieg der Geburtenrate der in den 1970er Jahren
geborenen Frauen nicht angemessen, sodass der Anteil der unter
20-Jährigen unterschätzt wird. Hätte man den Demografen Anfang der
Jahrtausendwende geglaubt, dann müsste Deutschland bereits seit
einem Jahrzehnt schrumpfen. Bei der Geburtenrate wurde noch in den
1990er Jahren ein Rückgang auf 1,2 als nicht unwahrscheinlich
angesehen. Dies zeigt, dass Bevölkerungsvorausberechnungen - je
länger die Zeiträume sind - keineswegs treffsicher sind.
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Die
Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der Länder in den Medien
ECKERT, Daniel (2017): Einkommen im Osten steigen schneller.
Nirgendwo in Deutschland legen die
Löhne und Gehälter so stark zu wie in Sachsen. Das Schlusslicht
bildet Rheinland-Pfalz,
in:
Welt v. 07.07
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GERNHARDT, Grit
(2017): Ein Fonds fürs Alter.
Verbraucherverband fordert neues
staatliches Modell für die private Rentenvorsorge,
in:
Neues Deutschland v. 07.07.
Die Verbraucherzentralen setzen sich für einen Staatsfonds nach
schwedischem Vorbild ein. Eine Stärkung der gesetzlichen Rente ist für
diese kein Ziel, weil das ihrem staatlich vorgegebenen Auftrag
widerspricht. Damit wird die beste Lösung für Geringverdiener in
Sachen Altersvorsorge ausgeblendet.
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GUMBRECHT, Hans Ulrich (2017): Suburbia!
Die Metropolen versprechen Freiheit
- aber die Kreativzonen liegen heute am Stadtrand,
in: Neue Zürcher
Zeitung v. 07.07.
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Das Rentenvorbild Österreich in der Debatte
BRÜSS, Manfred (2017): Altersrenten in Österreich um 58 Prozent
höher als hierzulande,
in:
versicherungsjournal.de v. 07.07.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom 01. -
06.
Juli 2017
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Bitte beachten Sie:
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[ Homepage ] |
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