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Medienrundschau:
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News vom 01.
- 15. August 2002
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Spruch
des Monats:
"Einer
meiner ersten bezahlten Jobs bestand in der
freien Mitarbeit als Szene-Reporterin in der
Frankfurter Prinz-Redaktion.
Auch dort wurden Lifestyle-Trends gemacht
beziehungsweise frei erfunden. Oder gab es sie
wirklich? Man konnte nie sicher sein, was zuerst
da war, der Trend oder die Idee des Trends."
(Katja Kullmann
in "Generation
Ally", 2002) |
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| Nesthocker in
Deutschland sind eine unbekannte Grösse. Sie
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- GRIEDER,
André (2002): "Ich bin ein Egomane".
Hugh
Grant kommt mit "About a Boy" ins Kino.
Im Gespräch stellt er sich als Neurotiker dar,
in: Facts Nr.33 v. 15.08.
- Inhalt:
Die
Gebrüder Chris & Paul WEITZ haben
das Buch "About
a Boy" von Nick HORNBY verfilmt.
GRIEDER spricht mit dem Hauptdarsteller
Hugh GRANT:
"Facts:
Wollen Sie einmal heiraten?
GRANT: Es gab Zeiten, als alle meine
Freunde heirateten und sie mich fragten:
«Hughie, was ist los mit dir, weshalb
heiratest du nicht?» Jetzt sind sie alle
in Scheidung, und ich sage mir: «Gut,
muss ich da nicht durch.» Da fühle ich
schon ein bisschen Schadenfreude."
- Chris
& Paul Weitz - About a Boy
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- ROSSUM,
Walter van (2002): Im Herzen des Müllcontainers.
"Schluß mit cool"
- T. C. Boyle erklärt der zierlichen
Verzweiflung den Krieg,
in: Die ZEIT Nr.34 v.
15.08.
- T.
C. Boyle - Schluss mit cool
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- KONRAD,
Kai (2002): Paare in der Steuerfalle.
Das
Ehegattensplitting ist frauenfeindlich und kann
Familien zerstören,
in: Die ZEIT Nr.34 v.
15.08.
- Kommentar:
Eine Kritik am
Ehegattensplittung aus der Perspektive
von Doppelkarrierepaaren.
Unberücksichtigt bleibt jedoch, dass
neben der traditionellen
geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung
auch der Rollentausch gefördert wird.
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- HUPERTZ,
Heike (2002): Der Konzern der Menschenzähler.
Wer die Quote nicht ehrt: In
Amerika ist ein Kampf um die Zuschauerzahlen
entbrannt, der alles im Fernsehen in Frage
stellt,
in: Frankfurter Allgemeine
Zeitung v. 13.08.
- Kommentar:
HUPERTZ ist der
Meinung, dass "Ally
McBeal" in den USA
nicht abgesetzt worden wäre, wenn die
neue Zählmethode eingesetzt worden
wäre:
"was
kann repräsentativ genannt werden?
Jüngst hat es die ansonsten nicht durch
besonderen Wagemut auffallende Zeitung
'USA Today' unternommen, Nielsens Zahlen
in Frage zu stellen. Statt der
hierzulande üblichen Angabe des Ratings
in Haushalten - so entspricht ein
9,3-Rating 9,3 Prozent aller
amerikanischen Fernsehhaushalte - will
man jetzt bei 'USA Today' nur noch
absolute Zuschauerzahlen melden. Denn die
Zählung nach Haushalten bevorzugt
Sendungen, die sich vornehmlich an
Ältere richten, da sie zumeist in
Haushalten mit weniger Personen
leben."
Die
Verzerrung durch Haushaltszählung ist
auch hierzulande beliebt. Sozialpopulisten
können damit die Anzahl der Singles in
die Höhe treiben, obwohl
ihr Anteil an der Bevölkerung eher
bescheiden ist.
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- HEFNER,
Claudia (2002): Babys auf Bestellung.
Vor
20 Jahren wurde Österreichs erstes Retortenbaby
geboren. Aus der einst exklusiven künstlichen
Befruchtung ist längst ein boomendes Geschäft
geworden: Immer mehr Paare wünschen sich Kinder
aus dem Labor und wollen so die sinkende
Zeugungsfähigkeit kompensieren,
in: Profil Nr.33 v. 12.08.
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- KOGELBOOM,
Esther (2002): Beim ersten Take, da tuts noch
weh.
Liebeskummer
lohnt sich doch: Stuckrad-Barres Roman
"Soloalbum" wird verfilmt,
in: Tagesspiegel v. 11.08.
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- ADORJAN,
Johanna (2002): Katherina Reiche ist die Frau,
mit der Stoiber im Wahlkampf auf Frauenfang gehen
will,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v.
11.08.
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- kl (2002):
Saar-Ehen gehen häufiger zu Bruch.
Nur Stadtstaaten haben mehr
Scheidungen - Soziologin: Partner verlangen mehr
Beziehungs-Qualität,
in: Saarbrücker Zeitung v.
10.08.
- KLOSTERMANN,
Dietmar (2002): Ehe nicht ehern wie ehedem.
Hohe Qualitätsansprüche
führen zu Scheidungen,
in: Saarbrücker Zeitung v.
10.08.
- PFEIFFER,
Christine (2002): Keine Trennung auf Kosten der
Kinderseele.
Psychologin: Ehe nicht mehr
unbedingt Lebensbund - Hohe Scheidungsquote im
Saarland,
in: Saarbrücker Zeitung v.
10.08.
- Inhalt:
Interview mit der
Diplom-Psychologin Dorothee
LAPPEHSEN-LENGLER
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- HAAS, Claudia
& Roland LOSCH (2002): "Gedöns"
wird zum Wahlkampfknüller.
Familie
und Kinder sind inzwischen Top-Themen für die
Bundestags-Parteien - und alle wollen tief in die
Kasse greifen
in: Saarbrücker Zeitung v.
10.08.
- SATOR, Antje
(2002): Familie Stoiber gegen den Kanzler,
in: Saarbrücker Zeitung v. 10.08.
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- FRECH,
Günter (2002): Hartz und die
Haushaltsvorstände,
in: Saarbrücker Zeitung v. 10.08.
- Kommentar:
Margret
MÖNIG-RAANE, Vizechefin der
Dienstleistungsgewerkschaft VERDI
kritisiert das konservative Frauen- und
Familienbild des Hartz-Konzeptes:
"Ob gewollt oder nicht, hier
hantiert die Kommission mit dem
Ernährer-Modell aus den Fünfziger
Jahren". Die Kritik greift zu kurz,
denn das Modell
ist zugleich singlefeindlich.
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- WETZEL, Maria
(2002): Akademiker ohne Kinder.
Familienforscher fordert
mehr Entlastung für Eltern,
in: Stuttgarter Nachrichten
v. 10.08.
- WETZEL, Maria
(2002): "Finanzielle Anreize erhöhen die
Geburtenzahl nicht".
Familienforscher Fthenakis
fordert eine Neuorientierung der Familienpolitik,
in: Stuttgarter Nachrichten
v. 10.08.
- WETZEL, Maria
(2002): Kinder und Karriere,
in: Stuttgarter Nachrichten v. 10.08.
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- SEIBT, Gustav
(2002): Auf Wiedersehen Schönheit.
In der demographischen
Zeitenwende: Die gealterte Gesellschaft,
in: Süddeutsche Zeitung v.
10.08.
- Kommentar:
Wenn jemand Bücher
liest wie Die
deformierte Gesellschaft
(Meinhard MIEGEL) oder Die
demographische Zeitenwende
(Herwig BIRG), dann
könnte dieser Jemand auf solche Fragen
kommen wie:
"Werden
kritische Fernsehserien die Geschichte
aufarbeiten und die Verbrechen der
Selbstverwirklichung ums Jahr 2000
anprangern?"
Leider
stellt sich SEIBT die näherliegende
Frage nicht: Was ist von solchen
Prognosen überhaupt zu halten?
SEIBT
hätte sich die demographische Literatur
um das Jahr 1965 ansehen sollen. Damals
hatten Demographen aufgrund des
Verhaltens in den 50er Jahren auf das
Verhalten im Jahr 2000 kurzgeschlossen,
so wie heutzutage Demographen vom
Verhalten der 70er Jahre auf das
Verhalten im Jahr 2030 oder noch weiter
in die Zukunft schliessen.
1966 gab
Hans-Joachim NETZER das Buch Die
Gesellschaft der nächsten Generation
heraus. In dem Beitrag von Hermann
SCHUBNELL über die "Entwicklung
unserer Bevölkerung" zieht der
Autor den Schluss: "die weitere
Verbesserung der Einkommens- und vor
allem der Wohnverhältnisse für breitere
Bevölkerungskreise vorausgesetzt -
(werden) in der künftigen Generation
sicher nicht weniger Kinder geboren
werden als in der heutigen und daß die
Tendenz besteht, eher drei Kinder als nur
zwei haben zu wollen. (S.63)
SCHUBNELL
bezieht sich bei seinen Prognosen zum
Geburtenüberschuss auf die
Bevölkerungsvorausberechnung von Karl
SCHWARZ, der die
Geburtenhäufigkeit von 1964 ins Jahr
2000 hochrechnete: "Auf Grund dieser
Annahmen zeigt es sich, daß wir bis zum
Jahr 2000 mit einem Geburtenüberschuß
rechnen können, der zwischen 3,7
Promille und 6,1 Promille liegt".
Bereits zum
Zeitpunkt der Veröffentlichung der
Prognosen hatte sich das Gebärverhalten
der Frauen verändert. Kein Demograph hat
dies damals rechtzeitig prognostiziert.
Es ist davon auszugehen, dass dieses
Schicksal auch den Prognosen von Herwig
BIRG beschieden sein wird. MIEGEL bezieht
sich mit seinen Daten auf BIRG so wie
SCHUBNELL damals auf SCHWARZ.
Es muss
also erstaunen, dass die Prognosen der
Demografen nicht stärker in Zweifel
gezogen werden und stattdessen von
Kulturpessimisten wie SEIBT
Horrorvisionen auf der Basis
demografischer Unwahrscheinlichkeiten
verbreitet werden.
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- LIEBS, Holger
(2002): Soft sells.
Weniger
Muskeln, mehr Haare: Die Werbung hat ein neues
Männerbild entdeckt es ist auch ein altes,
in: Süddeutsche Zeitung v.
10.08.
- Inhalt:
"Härte und
Männlichkeit waren bei den Slackern
nicht gefragt, Schmerz und abgerissene
Melancholie traten an ihre Stelle. Diese
nihilistischen Babyboomer waren passiv
und kraftlos, weil sie keinen Anschluss
an die New Economy, ja nicht einmal an
die digitalen Nerd-Gewinnspiralen
hatten. Beck sang 'Im a loser', die
Dream Warriors legten nach mit 'I got a
hole in my soul about 10 feet wide.
Whats the year? Its the 90s.
Lifes a bitch', und diesen
Untergangs-Lifestyle schrieb niemand
besser auf als Douglas
Coupland im Roman Generation X, der auch
den Begriff des 'mentalen Ground Zero'
geprägt hat.
Und nun
kehrt all das also wieder, in einer
verfrühten Retro-Laune, fragt sich
empört LIEBS nach einem Blick in
aktuelle Mode- und Männerzeitschriften.
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- FUNK,
Albert (2002): "Kinder statt Ehe
fördern".
DIW
schlägt Umbau der Unterstützung für Familien
vor,
in: Tagesspiegel v. 09.08.
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- HARPPRECHT,
Klaus (2002): Nylons und Revolte.
Im
Rückblick stehen die Fünfziger keineswegs für
Muckertum oder Muff - eine Apologie unserer
Gründerjahre
in: Die ZEIT Nr.33 v. 08.08.
- Kommentar:
Klaus HARPPRECHT-
ein Angehöriger
der Flakhelfer-Generation - setzt
dem "deutschen Fräulein" der
50er Jahre im Namen der patriachalen
Autorität ein Denkmal.
Das
Denkmuster dazu hat er Barbara BIERACHs
Buch "Das dämliche Geschlecht"
entnommen:
"Frauen (...) benutzen ihre
Familien, um sich zurückzuziehen, ohne
zugeben zu müssen, dass ihnen letztlich
ein Job in der City zu anstrengend war.
Denn 'Karriere' klingt glamurös, ist
aber in Wirklichkeit zuvörderst harte
Arbeit. Eine verantwortliche Position
wirklich auszufüllen, bedeutet in den
meisten Branchen 50 Stunden Arbeit die
Woche, jede Menge Ringkämpfe mit
Kollegen und Konkurrenten und massiven
Verzicht aufs Privatleben. Vielen Frauen
wird das spätestens mit Mitte 30 zu
anstrengend und zu politisch. Entnervt
von dem ständigen Ringkampf um
Positionen und Budgets ziehen sie sich in
Vorstädte zurück und werden
Mutter." (Wirtschaftswoche
v. 30.04.2002).
HARPPRECHT bezichtet in ähnlicher Weise
die feministische Darstellung einer
Zurückdrängung der Frauen in die
Reviere Kirche, Küche, Kinder als
verzerrt:
"Die
Stereotype der späten sechziger Jahre
sagten manche Wahrheit - die ganze war es
nicht. In der Tat war es erstaunlich,
dass die Frauen ihre Verantwortung - und
damit eine gewisse Macht - so klaglos
preisgaben, als die Männer endlich
wiederkamen. Vielleicht waren sie nur
müde."
HARPPRECHT
sieht ansonsten in der Überwindung der
Errungenschaften der 60er und 70er Jahre
die Chance zur Rückkehr zu patriarchalen
Verhältnissen wie sie für die 50er
Jahre typisch waren.
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- DPA/GMS
(2002): Wenn Paare und Singles aufeinander
treffen,
in: Thüringische Landeszeitung v. 07.08.
- Inhalt:
"In Deutschland
(...) sitzen Singles ganz
selbstverständlich bei Paaren mit am
Tisch - zumindest in der Theorie der
Benimmregeln. In der Praxis ist das
Verhältnis nicht unproblematisch",
so wird in dem Bericht ein Alltagsproblem
von Singles beschrieben.
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- JACOBI,
Robert (2002): Die Rentner sind sicher.
Aber die Rückkehr der Alten
macht die Jugend nur noch stärker,
in: Süddeutsche Zeitung v.
07.08.
- Kommentar:
JACOBI
verbreitet Durchhalteparolen für die
Generation Golf und schiebt der
Single-Generation die Schuld für die
Misere der jungen Elite in die Schuhe:
"Generation Zwei hat den
Boom ausgenutzt, gruppiert sich um die
Vierzig- bis Fünfzigjährigen, die
Middelhoffs dieses Landes, die in den
neunziger Jahren schnell nach oben kamen
und lernten, von dünner Luft zu leben.
Sie wagten und gewannen, zogen Neid
auf sich und Spott, weil sie
den Shareholder-Value für wichtiger
hielten als das kulturelle
Erbe des Abendlandes. Ohne
ideologischen Ballast kletterten sie
durch Netzwerke, die lange hielten, nur
um sich plötzlich in Luft aufzulösen.
Geben haben sie abgeschafft, wenn es
nicht mit Nehmen verbunden war. Arm dran
ist vor allem der zweite Teil dieser
Generation Zwei, jene Menschen,
die vermeintlich zeitgeistgemäß für
den Erfolg sogar auf Familie verzichtet, es aber
trotzdem nicht nach oben geschafft haben.
Sie erreichen ein Höchstmaß
persönlicher Frustration und hemmen, was
kreativ und erfolgversprechend ist, nur
weil es von anderen kommt. Deren Kampf
ist längst verloren."
Momentan
profitieren jedoch die jungen Alten vom Scheitern
der "Spassgeneration", aber
JACOBI sieht Licht am Ende des langen
Tunnels:
"Generation
Eins, zwangsläufig die Generation der
Zukunft, hat also keinen Grund, den
Frustpegel weiter steigen zu lassen. Die
Warteschleife ist nur etwas ausgedehnter
als vor zehn Jahren die der
hyperflexiblen Vorgängergeneration,
deren Mitglieder mangels cash flow
demnächst ihre Strandbungalows räumen
müssen. Weg mit euch! (...).
Wenn etwas später auch die Alten das
Feld räumen, dann bekommt keinesfalls
die diskreditierte Generation Zwei ihre
zweite Chance. (...).
Abgeschreckt vom lautstarken Scheitern
der Spaßgeneration und einem Kanzler der
leeren Worte wissen die Jungen, was Werte
sind. (...). Wir Jungen können warten,
die aufgezwungene quarterlife crisis mit
Gewinn durchleben und uns in aller Ruhe
auf den leisen Umsturz vorbereiten."
Den
Kampf gegen die Alten hat Jan BRANDT (TAZ vom
03.08).
im Vergleich mit dem "Jahrgang
1902" (Ernst GLAESER) anschaulich
beschrieben und Bodo MROZEK - ein
entlassener Kollege von JACOBI sieht in
der TAZ vom 30.07. die Angelegenheit
seiner Generation Golf wesentlich
selbstkritischer:
"Dass
die Entlassung von ein paar hundert
Journalisten (...) zum generationellen
Debakel aufgeblasen wird, war erwartbar.
Journalisten schreiben am liebsten über
Journalisten, und wenn man sich schon
immer selbst als Maßstab aller Dinge
genügte, dann muss die Lage der Nation
geradezu zwangsläufig vom eigenen
Schicksal abhängen."
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- KISTER, Kurt
(2002): Adieu, Berliner Republik,
in: Süddeutsche Zeitung v. 07.08.
- Inhalt:
KISTER nimmt
Abschied von der Generation
Berlin:
"Die
Berliner Republik ist eine intellektuelle
Schimäre geblieben. Eine Zeitschrift
gleichen Namens dümpelt vor sich hin,
gemacht von den jungen Veteranen einer
kaum über den Status der Hoffnung hinaus
gediehenen Bewegung. In den Fraktionen
herrschen die, die immer schon
herrschten, und wenn ein paar Neue
dazugekommen sind, dann machen sie es wie
die Alten."
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- STEMMLER,
Kristian (2002): Nichts wie raus aus der City.
Stadtplaner
registrieren einen rapiden Einwohner-Zuwachs an
der Peripherie.
in: Hamburger Abendblatt v.
06.08.
- Kommentar:
"Aus der
Stadtflucht ist eine Innenstadtflucht
geworden", beklagt STEMMLER. Bei
näherem Hinsehen stimmt dies nicht, denn
die Innenstadt ist bei den Yuppies
gefragt, während die jungen Familien
nach ihrem Yuppieleben in die
Reihenhaussiedlungen am Stadtrand ziehen.
Die Yuppifizierung von innerstädtischen
Bezirken ist ein Phänomen, das seit den
80er Jahren im Blickpunkt steht. Dagegen
gerät die Suburbanisierung erst
neuerdings in den Blick und das, obwohl
beide Prozesse zeitgleich stattgefunden
haben.
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- HORX,
Matthias (2002): Die rucklose Republik.
Rot-grüne
Aufbrüche waren zu schwach, die Deutschen wollen
Nachkriegsgesellschaft bleiben
in: Welt v. 06.08.
- Inhalt:
Matthias
HORX verabschiedet sich
von Rot-Grün:
"Vier
Jahre Rot-Grün, das war, zumindest für
jene Mitglieder der unruhigen
Siebziger-Jahre-Aufbruchsgeneration (zu
denen ich mich zähle) ein großer Akt
der Versöhnung".
Danach wendet sich
HORX seiner Bobo-Philosophie der Zukunft
zu:
"Was
uns (...) trösten kann, sind die ehernen
dialektischen Gesetze der demokratischen
Evolution. Die echten, die
funktionierenden Reformen werden am Ende
immer von 'den anderen' vollzogen. Die
harten Reformen des Sozialstaats können
nur die Linken, die zentralen
Liberalisierungen immer nur die
Konservativen durchführen, sonst spaltet
sich die Gesellschaft. Die kommende
Koalition wird in diesem Sinne ebenso
'unsere' Koalition sein."
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- GERBER,
Torsten (2002): Klares Nein zur Halbierung der
Rente von Nichteltern.
Seltene
Einigkeit von SPD und CDU,
in: Welt am Sonntag v.
04.08.
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- HEYDEBRECK,
Amelie von (2002): Die Entmachtung der Jugend.
Die Alten schlagen zurück:
Im deutschen Kunst- und Kulturbetrieb haben junge
Menschen immer weniger zu melden,
in: Frankfurter Allgemeine
Sonntagszeitung v. 04.08.
- Kommentar:
Die Autorin sieht
die Jugend im
Verschwinden und
beschwört die Altenrepublik:
"Die
Masse, das werden schon bald die über
60jährigen sein. Nach Schätzungen des
Bundesinnenministeriums wird ihr Anteil
bis zum Jahr 2030 auf mehr als 35 Prozent
steigen. Diese Erkenntnis hat inzwischen
auch Grauhaarige in die Werbung gebracht
- Hauptsache allerdings, nicht zu alt,
und Hauptsache, braungebrannt. Ein
bißchen Schönheitschirurgie an der
Wirklichkeit muß sein. Eben weil die
Zielgruppe bislang von der
Werbewirtschaft vernachlässigt worden
sei, will der Leipziger Fernsehproduzent
Moviemaxx ab Oktober ein
deutschlandweites Seniorenprogramm
anbieten. Nicht nur Volkmusik, bewahre:
Mittlerweile seien ja auch die Rolling
Stones seniorenkompatibel."
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- BRANDT, Jan (2002): Abschied
vom Aufstieg.
Die
"Generation Golf" ist in der Krise.
Schon einmal hatte eine ganze Altersgruppe in
Deutschland das Gefühl, überflüssig
zu sein: der "Jahrgang 1902", zu dem
auch die Schriftsteller Ernst Glaeser und Ernst
von Salomon gehörten. Ein Rückblick
in: TAZ v. 03.08.
- Inhalt:
BRANDT zieht
Parallelen zwischen dem "Jahrgang
1902", dem ersten Jahrgang, der
nicht als Soldat in den 1. Weltkrieg
ziehen musste, und der "Generation
Golf":
"Wer
für die Misere verantwortlich war,
darüber bestand bei den Jungen kein
Zweifel. 'Der Krieg', sagt jemand im
'Jahrgang 1902', 'das sind unsere
Eltern', und bringt damit zum Ausdruck,
was viele seiner Altersgenossen dachten,
die davon überzeugt waren, als erste
Generation gegenüber vorangegangenen
'als ganze, große Schicht enterbt und
ausgesetzt' worden zu sein. Die nach dem
Krieg einsetzende Rezession, die
Inflation und die bürgerkriegsähnlichen
Zustände schienen die Erwartungen, dass
es mit einer demokratisch gewählten
Regierung auch nicht besser werden
würde, zu bestätigen. Zudem sahen sich
Arbeiter, Angestellte und Akademiker -
wie heute auch - mit einer
außergewöhnlich hohen strukturellen und
konjunkturellen Erwerbslosigkeit
konfrontiert.
In diesem Klima allgemeiner Sinnsuche und
Verwirrung begannen sich vor allem in
konservativen Kreisen revolutionäre
Ideen zu entfalten. Viele junge Männer
waren nicht länger gewillt, die
gesellschaftlichen Verhältnisse
hinzunehmen, sondern wollten aktiv an
ihrer Gestaltung mitwirken und die
'Republik der Greise' (Joseph Goebbels)
durch die Herrschaft einer 'jungen
Generation' ablösen.
Das einzige, was junge Linke und Rechte
einte und die 'Kriegsjugendgeneration'
des Jahrgangs 1902 mit den Frontsoldaten
zu verbinden schien, war der 'Kampf gegen
die Alten', die den Krieg verschuldet
hatten und danach wieder wichtige
Positionen in Politik, Wirtschaft und
Wissenschaft mit einer
Selbstverständlichkeit besetzten, als ob
nichts gewesen wäre."
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TAZ-THEMA
"Wahl 2002 - Die Frauen- und
Familienpolitik".
Der demografische
Schock und die Debatte über Zuwanderung haben
die Familienpolitik zum Wahlkampfthema gemacht.
Entsprechend groß fallen die Versprechungen aus:
Die Parteien kämpfen um die Gunst der
Wählerinnen, die zahlreicher sind als die
Wähler. TEIL 8 DER TAZ-SERIE ZUR WAHL
in:
TAZ v. 02.08.
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- MECHLENBURG,
Gustav (2002): Worst case scenario.
Norbert
Kron steuert seinen "Autopiloten" in
die Katastrophe,
in: Literaturkritik Nr.8,
August
- Norbert
Kron - Thema Zeugungsunfähigkeit
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- LOJEWSKI,
Günther von (2002): Renaissance eines
Politikthemas: Den Worten folgen nur wenige
Taten. Alles Krokodilstränen.
Familiengeld,
Betreuung von früh bis spät - ist das wirklich
zum Besten der Kinder, wie die Parteien sagen?
Unser Autor bezweifelt das,
in: Rheinischer Merkur
Nr.31 v. 01.08.
- GIERTH,
Matthias (2002): Weg mit der Erwachsenenbrille,
Was ist kindgerecht? Die Kommunalpolitik ist
gefordert,
in: Rheinischer Merkur Nr.31 v. 01.08.
- Inhalt:
Interview mit Alois
GLÜCK
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- KRAUSE,
Tilman (2002): Renaissance des Bürgerlichen.
Eine Familiengeschichte,
in: Merkur Nr. 8, August
- Kommentar:
Tilman KRAUSE
erzählt nicht eine, sondern SEINE
Familiengeschichte. In seinem
autobiografischen Text wird deutlich,
warum er zum einen das altehrwürdige
Bildungsbürgertum verteidigt und
anderseits das neue Bürgertum und die
Emporkömmlinge der 68er-Generation
ablehnt. KRAUSES Grossvater
mütterlicherseits war ein Emporkömmling
der wilhelminischen
Spassgesellschaft, der durch
seine Hochzeit den Aufstieg festigen
wollte, jedoch sozial abstieg:
"Nach
nicht einmal sechs Monaten wurde Hochzeit
gefeiert. Dummerweise verlor der
Prinzenerzieher, dessen Position nur für
ledige Personen in Frage kam, seine
Stelle und mußte sich etwas Neues
suchen. Es fand sich im ganzen großen
Deutschen Reich, das gerade eine
Lehrerarbeitslosigkeit durchmachte,
anscheinend nur eine Stelle als
Oberlehrer in Kiel."
Dem Statusverlust entsprach jedoch kein
Bewusstseinwandel, denn als
"Mitglieder jener kulturtragenden
Elite (...), die das gehobene Beamtentum
zwischen Kaiserreich und Nazizeit in
Deutschland darstellte", konnte der
individuelle Abstieg kompensiert werden.
Dieses Elitenbewusstsein liess ihn die
Nazis verachten und die 50er-Jahre unter
ADENAUER begrüssen. KRAUSE identifiziert
sich offensichtlich mit seinem
Grossvater, während seine Eltern den
Bruch mit dieser Welt vollzogen:
"Ich
wohnte damals mit meinen Eltern in Kiel.
Sie waren geradezu prototypische
Vertreter der 'skeptischen Generation',
schon auf dem Sprung, die Verkrustungen
der bundesrepublikanischen Restauration
aufzubrechen. Beide waren Studienräte,
auch meine Mutter war berufstätig, in
den Augen der älteren Generation ein
Skandal, wenn man heranwachsende Kinder
hatte. Sie vollzogen, wo sie nur konnten,
die Abkehr von der Welt ihrer eigenen
Eltern."
Das neue
Bürgertum, das KRAUSE im gegenwärtigen
Berlin entstehen sieht, beurteilt er mit
dem strengen Blick seines Grossvaters und
seiner Grossmutter:
"kulturprotestantisch geprägt wie
sie waren, hätten sie sofort nach dem
Sein hinter dem Schein gefragt. Welche
eigene Leistung liegt der ausgestellten
Repräsentationskultur eigentlich
zugrunde? (...). Vor allem aber dürfte
ihnen fehlen, was ihrem gesamten sozialen
und emotionalen Leben zugrunde lag:
Verwurzlung in der deutschen
Bürgerkultur."
Verwurzelung
das ist KRAUSEs Gegenbegriff zur
Gegenwart, in der Mobilität,
Flexibilität und Promiskuität (hier
führt er seinen Gewährsmann HOUELLEBECQ
an) die Angst vor Beliebigkeit und
Ichverlust schüren und gleichzeitig die
Sehnsucht nach einer stabilen Bürgerwelt
steigern.
Die Familie, das ist für das Bürgertum
wie es KRAUSE vorschwebt, das A und O:
"wer
die Lebensgrundnorm und -grundform, also
die Familie, nicht hinbekam, war ein
Mensch zweiter Klasse. Mal mit mehr, mal
mit weniger Mitleid bemäntelte sich
Verachtung für Ehelose. 'Alte Jungfer'
war eine gängige, völlig unhinterfragte
Bezeichnung".
Es mag als
Ironie des bürgerlichen Schicksals
erscheinen, dass KRAUSEs Grossvater zwar
seine Familie hinbekam, gleichzeitig aber
seinen Ledigenberuf verlor und damit
sozial abstieg! Das Problem der
Vereinbarkeit von Beruf und Familie war
also bereits im Bildungsbürgertum der
wilhelminischen Spassgesellschaft
angelegt und ist somit kein historisches
Novum wie das Sozialpopulisten heutzutage
verkünden.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom 16. - 31. Juli 2002
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2000-2002
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22. Januar 2003 |
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dem 14.Juni 2000 |
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