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Medienrundschau:
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News vom
01. - 07. Januar 2004
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Zitat
des Monats:
"Tom
Ripley ist mit fünfundzwanzig schon ein älterer Herr. Er kann es
nur sein, indem er das Leben, das seinem Stand und seiner
Herkunft nach für ihn gedacht war, auslöscht. Das fällt ihm
nicht schwer, denn Tom Ripley kommt aus dem Nichts.
Er ist Vollwaise und in bescheidenen Verhältnissen
aufgewachsen. Er hat nicht studiert und muß sich mit
erniedrigenden Jobs über Wasser halten, bevor er die Gelegenheit
bekommt, ein anderer zu werden. Die Gelegenheit kommt, als er
die Möglichkeit hat, seinen wohlsituierten Freund umzubringen
und dessen Identität anzunehmen.
(...). Eben noch ein grüner Junge aus dem Bostoner
Kleinbürgertum, überspringt er einfach die mittleren Jahre, in
denen er sich normalerweise ein Leben aufbauen, erkämpfen und
einrichten müßte, und schnappt sich die Attribute und
Ausstattungsstücke des gesetzten Alters der Upperclass. (...).
Er will zu diesen goldbeschienenen jungen Menschen gehören, weil
sie eine Vergangenheit haben und deshalb auch eine Gegenwart und
Zukunft. Sie haben, ganz banal, eine Familie. Eine Familie, die
ihn etwas vererbt hat, Geld, aber
nicht nur Geld, sondern ein Leben, in das man gehören kann."(S.43f.)
(aus: Malin Schwerdtfeger "Wir
Nutellakinder" im
Kursbuch "Die 30jährigen") |
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BUHR, Elke (2004): Scheitern,
in: Frankfurter Rundschau v. 07.01.
- Inhalt:
Elke BUHR macht sich anlässlich des
"Buch des Scheiterns"
Gedanken über das neue
Modethema "Scheitern":
"Die
vielen gut ausgebildeten Jungjournalisten, Werbeleute und
Mediendesigner, die auf den rezessionsgeplagten Markt drängen,
produzieren vor lauter Produktivitätsstau jetzt Scheitern Short to
Go, schick aufgemotzt wie der Kaffee bei Starbucks."
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LÖCHEL, Rolf (2004): Charaktermaske Chauvi.
Claudia Benthien und Inge Stefan geben einen Sammelband zu
kulturellen Inszenierungen von Männlichkeit heraus,
in: Literaturkritik.de, Januar v. 06.01.
- Inhalt:
"Valerie,
die weiblich Hauptfigur sei »die Männerphantasie an sich« und somit
»der Traum jedes ordentlichen Sexisten«. Zudem handele es sich um
einen Roman, den nur Sextouristen »gut finden« können. Denn da der
Ich-Erzähler »unabgesichert« sei und zur »eigenen Stimme« werde,
bleibe der Text stets eine »direkte Aussage des Autor-Subjekts«, der
die Lesenden »in die Affirmation« zwinge. Zwingend ist auch diese
Kritik, die
Marlene Streeruwitz in einem Fernsehinterview gegen
Michel Houellebecqs Roman »Plattform« in Anschlag brachte.
Dennoch dürfte sie unter Literaturwissenschaftlern nicht auf
ungeteilte Zustimmung treffen. Zu denjenigen, die Widerspruch
erheben würden, dürfte vermutlich Thomas Borgstedt zählen. Diese
Annahme legen zumindest seine Ausführungen über ein anderes Werk des
französischen Autors nahe. In
»Elementarteilchen« nämlich sieht Borgstedt nicht nur eine
»Parodie auf den feministischen Diskurs«, an der er offenbar
Gefallen findet, sondern auch einen
»kulturkritisch skandalösen Tabubruch«, »provokant und
'politisch unkorrekt'«. Womit er für seinen Schützling schon tief in
die Kiste der Immunisierungsstrategien gegriffen hat. Bei
Houellebecqs »popliterarisch[em]« Buch, so fährt er fort, handele es
sich um eine »biologisch unterfütterte ironische Affirmation«
bestimmter »Geschlechterklischees« des »populär-feministischen
Diskurses», die wiederum »eine kompensatorische 'Maskerade'
de[s] verunsicherten Subjekt[s] durch genuin männliche
Attitüden« sei. Womit er - für den Fall, dass die
Immunisierungsstrategien nichts fruchten - sicherheitshalber noch
auf den
Mitleidseffekt für den armen Kerl setzt.
Nachlesen lässt sich Borgstedts Verteidigungsrede - die im übrigen
auch
Christian Kracht gilt - in dem von Claudia Benthien und Inge
Stephan herausgegebenen Sammelband »Männlichkeit als Maskerade«,
dessen Titel auf Joan Rivieres Aufsatz »Womanliness as a Masquerade«
(1929) anspielt und dessen Beiträge kulturelle
Männlichkeits-Inszenierungen von der griechischen Mythologie über
den Höfischen Roman und die Wiener Moderne bis hin zum
»Superhelden-Genre« und der »Star Wars«-Trilogie der Gegenwart
beleuchten",
schreibt Ralf LÖCHEL über ein Thema das in den letzten Jahren
vermehrt zu Kontroversen geführt hat.
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HÖGE, Helmut (2004): "Eine unnötige Zirkulation
von Papier und Geld".
Die Geschichte hinter den Obdachlosen-Zeitungen: Ein Insider
berichtet aus der Szene in der Hauptstadt,
in: Frankfurter Rundschau v. 06.01.
- Kommentar:
Helmut HÖGEs Informant berichtet von Singles,
die in keiner Single-Statistik erfasst werden:
"Die
meisten Obdachlosen sind Männer. Frauen verlieren zwar schneller
ihren Job, kommen aber besser damit klar, auch mit der Einsamkeit.
Männer verwahrlosen zudem leichter. Sie suchen verzweifelt Kontakte,
treffen sich mit anderen am Kiosk oder im Bahnhof, pennen mal hier
mal dort und irgendwann sagen sie sich: »Ich brauch meine Wohnung,
diesen Saustall, doch eigentlich gar nicht.» Man gibt einem Menschen
noch kein Zuhause, wenn man ihm eine Wohnung zuweist."
Männliche Singles als Modernisierungsverlierer
war von single-dasein.de bereits vor längerer Zeit als ein Thema
benannt worden, das es zu entdecken gilt. Der Artikel von HÖGE ist
ein erster Einstieg in ein weitgehend brachliegendes Thema:
"Für
Frauen gibt es an sich (...) mehr und bessere Hilfsangebote als für
Männer. Außerdem sprechen die Gerichte zu Recht im Trennungsfall,
wenn ein Kind da ist, meistens der Frau die Wohnung zu.
Und dann sind hier in den letzten Jahren rund 500 000
Männerarbeitsplätze weggefallen, aber 700 000 Frauenarbeitsplätze
neu entstanden. Für Männer sieht es also immer schlechter aus -
besonders von einem bestimmten Alter an und bei bestimmten Berufen.
Es gibt inzwischen eine regelrechte Partnerlosigkeit aus Armut. Die
Männer sind einsam, weil sie arm sind und umgekehrt."
Immer wieder hat single-dasein.de darauf
hingewiesen, dass das Alleinleben im mittleren Lebensalter männlich
ist, während die
sozialpopulistische Presse lieber über die einsame Karrierefrauen im
Single-Appartement berichtet.
Männliche Singles gehören außerdem
überproportional zu den Geringverdienern, was - weil es nicht ins
Yuppie-Klischee unserer Sozialpolitiker passt - ausgeblendet wird.
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PÖTTER, Bernhard (2004): Prügel für Pudel und Prosecco.
Der neue Volkssport heißt
Kinderlosen-Bashing. Aber Menschen ohne Nachwuchs haben es schon
schwer genug,
in: TAZ v. 06.01.
- Kommentar:
PÖTTER darf heute ausnahmsweise ein Herz für
Kinderlose haben:
"Kinderlose
kann man ohne Risiko beschimpfen. Man erntet dafür allgemeine
Zustimmung wie sonst nur beim Lob für Harald Schmidt. Totaler
Mainstream. Schon das Etikett lässt keinen Raum für Sympathie:
Kinderlos, da schwingt mit: arbeitslos, herzlos, gnadenlos,
skrupellos, Trauerkloß. Da vergessen wir gern die Details. Dass es
nämlich nur ein kleiner Teil der »Kinderlosen« ist, der sich aus
lauter Sehnsucht nach Selbstverwirklichung gegen den eigenen
Nachwuchs und für Pudel und Prosecco entscheidet. Dagegen sind viele
Kinderlose entweder wegen eines medizinischen Problems »ungewollt
kinderlos« (immerhin jedes siebte Paar); sie finden keinen Partner,
mit dem sie Brutpflege betreiben könnten; sie können es sich (noch)
nicht leisten, Kinder in die Welt zu setzen, oder sie arbeiten so
viel, dass Kindermachen nicht mehr in den Terminkalender passt. Und
nur Frauen fallen in die Rubrik »kinderlos«. Bei Männern heißt das
»ungebunden«."
In der TAZ sind Männer dagegen
zeugungs- und erziehungsunwillig
(für ersteres ist WINKELMANN zuständig und für letzteres DRIBBUSCH),
vergisst er anzumerken. Und ganz auf dem neuesten Stand ist PÖTTER
eben auch nicht, denn
die FAZ hat den kinderlosen Mann entdeckt.
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Der singlefeindliche
Artikel:
BÖLSCHE, Jochen u.a. (2004): Land ohne Lachen.
Deutschland schrumpft - und ergraut. Die Bundesrepublik rangiert
mit ihrer Geburtenrate unter 190 Staaten auf Platz 185. Vier von
zehn deutschen Akademikerinnen verzichten auf Mutterglück und
Mutterstress. Sind die Frauen in den Gebärstreik getreten - oder die
Männer in den Zeugungsstreik?
in: Spiegel Nr.2 v. 05.01.
- Kommentar:
Welch eine Wohltat wäre es doch, wäre der
letzte SPIEGEL-Leser schon heute ausgestorben!
Wir Singles müssten uns dann
nicht mit den Ressentiments von neoliberalen Wertkonservativen
herumärgern. In der neuesten Titelgeschichte werden wir wieder
einmal an den Pranger gestellt.
Der SPIEGEL nennt sich
Nachrichtenmagazin, was hier jedoch geleistet wird, ist weitgehend
nur die Wiederaufbereitung der letztjährigen Debatte.
Das bietet single-dasein.de jedoch ausführlicher
und objektiver, weil die Debatte anhand
der Offenlegung von Quellen überprüfbar ist und teilweise die
Artikel sogar im Original gelesen werden können. Beim SPIEGEL gibt
es dagegen zuallererst Einseitigkeit (in der Auswahl) und in
zweiter Linie Meinungen. Fakten werden dagegen klein geschrieben.
Das präsentierte
Meinungsspektrum kommt über ein Who is Who der Singlefeinde kaum
hinaus.
Von
Hans-Werner SINNs Rente nach Kinderzahl über
Jürgen BORCHERTs Familienausbeutungstheorie bis zu
Herwig BIRGs deutschnationalistischem Bevölkerungsprognoseansatz,
wird die Crème de la Crème des
Familienfundamentalismus vorgestellt.
Land ohne Lachen heißt es in der
Überschrift. Und wahrlich. Singles haben beim SPIEGEL wirklich
nichts zu lachen, wenn Journalistinnen wie
Susanne GASCHKE oder
Jutta KRAMM
Ressentiments in Leitartikel packen dürfen.
Da nützt es auch wenig,
wenn kurz darauf eingegangen wird, dass der Kindermangel "aus
einer Vielzahl unterschiedlicher Ursachen" geboren ist.
Dazu wird auf ungewollte
Kinderlosigkeit, fehlende Partner (für Linke, Feministinnen oder
Postfeministinnen (z.B.
Ulrike WINKELMANN) und Neoliberale sind das zeugungs- bzw.
erziehungsunwillige Männer, für Konservative und Rechte dagegen
Gebärunwillige bzw. Frauen, die gegen die weibliche Natur leben),
Bildungs- und Berufssystem, aber auch die freiwillige
Kinderlosigkeit (Susie
REINHARDT) hingewiesen.
Politisch bleibt diese
Ursachenvielfalt jedoch völlig folgenlos. Hier setzen die Autoren
auf die Bestrafung der Kinderlosen.
Dazu werden einige Mythen
aufgetischt:
1) Mythos vom Pillenknick
Ein Schaubild suggeriert, dass
1968 die Welt noch in Ordnung war: 2,5 Kinder pro 15-45jähriger
Frau, heute jedoch 1,4 (Westen) und 1,2 (Osten).
Verschwiegen wird dagegen, dass bereits seit 1900 kaum ein
Frauenjahrgang ein bestandserhaltendes Geburtenniveau erreicht
hat.
Der Babyboom der Nachkriegszeit
ist dagegen ein singuläres Ereignis, das durch das historische
Zusammentreffen von drei Faktoren erklärbar ist:
- ältere Frauen holten - als Auswirkung des zweiten Weltkriegs -
Geburten nach
- jüngeren Frauen war durch das Bildungs- und Berufssystem die
berufliche Karriere verwehrt und
- Flüchtlingsströme glichen die ungünstige deutsche Altersstruktur
aus.
2) Mythos Single-Haushalt
In einem Schaubild wird die
Entwicklung der Einpersonenhaushalte - als "Single-Boom"
titutliert - dargestellt. Im Zeitraum zwischen 1970 und 2002 hat
sich deren Gesamtzahl von 25,1 % (Westen) auf 36,7 % (West & Ost)
erhöht. Die Zahl der 25-44jährigen (also jene, die gefälligst eine
Familie haben sollen) hat sich im gleichen Zeitraum von 4,6 % auf
11,4 % erhöht. Oberhalb des Schaubilds sieht man zwei Disco-Queens
als Symbolfiguren der
Spaßgesellschaft tanzen.
Verschwiegen wird jedoch, dass
die Zahl der Single-Haushalte kein angemessener Indikator ist.
Selbst die Entwicklung bei den 25- bis 44Jährigen sagt nicht viel
aus, weil die Haushaltsstatistik nicht in der Lage ist,
Lebensformen abzubilden.
Die Zahl der Singles wird
aus verschiedenen Gründen überschätzt:
- Die Verbesserung des Wohnens haben zur Umwandlung von
Anstaltshaushalten (z.B. Schwesternwohnheime, Studentenwohnheime)
in Einpersonenhaushalte geführt. Folge: In den 70er Jahren fielen
viele Singles nicht in die Kategorie Einpersonenhaushalt.
- Die Haushaltsstatistik wurde in den 80er Jahre geändert. Gerade
in diese Zeit fällt ein explosionsartiger Anstieg. Die
Bundesstatistiker behaupten zwar, dass dies nicht auf die
Methodenänderung zurückzuführen sei, überprüft hat diese jedoch
niemand.
- Bei
Alleinerziehenden, die mit einem Partner zusammenwohnen, wird
der Partner meist als Single eingeordnet. Neuerdings sprechen
Politiker deshalb auch von TATSÄCHLICH! allein Erziehenden, weil
dies eine Studie - spät genug - aufgedeckt hat.
- Der zunehmende Mobilitätszwang führt dazu, dass vermehrt
Familienväter zu Wochenendvätern werden. In der Zweitwohnung
werden sie jedoch als Single registriert.
Stoiber, der sich gerne familienfreundlich mit Enkelkindern
ablichten lässt,
erhöht in Berlin den Single-Anteil - genauso wie viele seiner
Politikerkollegen.
3) Die Rentenversicherung
als Vollversicherung gegen Kinderlosigkeit
Die Allparteienkoalition der
neoliberalen Sozialstaatsgegner und mit ihnen der SPIEGEL
argumentiert: "ausgerechnet das umlagefinanzierte Rentensystem
belohnt den Verzicht auf Kinder am höchsten". Gleichzeitig wird
auf die hohe Akademikerkinderlosigkeit verwiesen.
Die Unlogik gerade dieser
Argumentation war bisher noch nicht ausreichend Gegenstand der
öffentlichen Debatte.
Gerade besser verdienende,
kinderlose Akademiker beziehen meist gar keine Renten! Viele
beziehen Pensionen und andere haben nur ihre private
Altersvorsorge oder sonstige Alterseinkommen. Es handelt sich also
gewissermaßen um ein Scheinargument, das erst dann seinen Sinn
erhält, wenn Kinderlosigkeit nicht als lebenslange
Kinderlosigkeit, sondern als Leben ohne Kinder im Haushalt
definiert wird.
Die Umdefinition von
Eltern mit Kindern, die den Haushalt bereits verlassen haben, in
Kinderlose ist der Trick, mit dem die Kinderlosenzahlen künstlich
in die Höhe getrieben werden.
Neuerdings werden diese
Kinderlosen treffender auch als Nicht-Erziehende bezeichnet.
4) Die Geburtenrate
ändert sich in den nächsten 30 Jahren nicht
"In Wahrheit ist die
Geburtenrate der nächsten Jahrzehnte weitgehend programmiert. Weil
die Zahl der potenziellen Mütter bereits seit langem sinkt und
Ungeborene nun mal keine Nachfahren in die Welt setzen," lautet
das Argument der Singlefeinde.
Tatsächlich ist die Geburtenrate
seit den 70er Jahren scheinbar relativ konstant. Berechnet man
jedoch - wie
Detlef GÜRTLER das getan hat - die Geburtenrate nicht für alle
gebärfähigen Frauen, sondern pro Frauenjahrgang, dann lässt sich
daraus eine Trendwende ablesen.
Die Generation Golf ist gebärfreudiger als dies z.B. Susanne
GASCHKE behauptet, während die 68er - also jene, die lautstark die
jetzige Debatte dominieren - Teil des Problems sind.
Die Untersuchungen
international renommierter Bevölkerungswissenschaftler
widersprechen den Annahmen der deutschen Prognostiker.
Nach LESTHAEGHE liegt die deutsche Geburtenrate höher als
ausgewiesen und
John BONGAARTS behauptet sogar ein Ende des Geburtenrückgangs in
den westlichen Industrieländern. Das passt nicht ins
Reformkonzept und wird deshalb in der deutschen Presse
totgeschwiegen.
Es wäre noch mehr zu diesem
unsäglichen Artikel zu sagen, z. B. über das Ranking, bei dem die
Deutschen an 185. Stelle stehen, während Staaten ohne
Nachwuchssorgen wie Somalia und Afghanistan Spitzenplätze
einnehmen (es handelt sich dabei noch nicht einmal um einen
Vergleich der Geburtenraten - Geburten pro gebärfähiger Frauen -
wie behauptet wird, sondern um einen - wenig aussagekräftigen -
Vergleich der Geburten pro 1000 Einwohner).
Das Kindermangel-Ranking zeigt
wohl am eindrucksvollsten, dass zwischen Wohlstand und
Kindermangel kein direkter Zusammenhang besteht, wie uns die
neoliberalen Wertkonservativen ständig einreden möchten.
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Outlook
India-Coverstory:
The World's Youngest Nation.
The Zippies Are Here.
54 percent of
Indians are now below 25 years of age. Young city or suburban
residents between 15 and 25 years of age, with a zip in their
stride. |
- Kommentar:
Im
SPIEGEL-Ranking des Kindermangels steht Indien auf Platz
80! Also kaum mehr als Mittelmäßigkeit bei der Nachwuchsproduktion.
Das sieht Outlook India aber ganz anders: Indien ist Weltspitze.
Benchmarking ist eben eine Frage des
Indikators. Will man eine Nation schlecht machen - wie unsere
Neoliberalen - oder will man die Stärken hervorheben - z.B. wie
Detlef GÜRTLER in "Vorbild Deutschland".
-
SINHA, Suveen K. (2004): Age Of The Zippie.
S/He's Liberalisation's Child, living for today, spending like
there's no tomorrow and at peace with ist transience,
in: Outlook India v. 05.01.
-
JOSEPH, Manu (2004): The Generation Why.
Let's say they don't gel. Questions about India? This writing
lump of humanity, this vast brown terra incognita elicits just one
response from them - "don't know"..."can't say"...
in: Outlook India v. 05.01.
-
MENON, Sadanand (2004): Mad Cow Disease Of
Self-Consumtion.
Young India seems to be in the grip of a new politics of memory,
a kind of gibberish of the mind,
in: Outlook India v. 05.01.
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EHRENSTEIN, Claudia & Ansgar GRAW (2004): Zahl
mir meine Hüfte, Baby.
Alte Union trifft Junge Union. Ein Streitgespräch über
Generationengerechtigkeit, Gesundheitskosten und die Versäumnisse der
Älteren,
in: Welt v. 05.01.
- Kommentar:
Kennt noch jemand
Philipp MIßFELDER? Das war der, der letztes Jahr im Sommerloch
mit dem Hüftgelenk tanzte. Die Welt brüht das nun nochmals unter der
Rubrik Generationengerechtigkeit auf.
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BLÜM, Norbert (2004): Die Anpassung der Bischöfe an den Zeitgeist,
in: Süddeutsche Zeitung v. 05.01.
- Kommentar:
Norbert BLÜM bleibt in seiner Sozialkritik dem
überholten 68er-Gestus verhaftet. Die grundsätzlich berechtigte
Kritik ist in dieser Form einfach nicht mehr zeitgemäß. Wo bleibt
das notwendige Update, das auch Jüngere überzeugt?
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KOCH, Klaus Georg (2004): Blick in ältere Höllen.
Mit den neuen Zumutbarkeitsregelungen für Arbeitslose dreht der
Staat am Begriff der Arbeit,
in: Berliner Zeitung v. 05.01.
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DIEZ, Georg (2004): Bude.
Deutschland De Luxe,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 04.01.
- Kommentar:
Georg DIEZ hat sich mit dem
Soziologen Heinz BUDE, einem Vordenker der
Berliner Republik, unterhalten. BUDE gehört zu den
Modernisierungsgewinnern der Single-Generation. Diese Aufsteiger
tendieren neuerdings zum Neokonservatismus.
DIEZ zitiert hierzu BUDE:
"daß er Leute wie sich heute vor allem
in der CDU finde, daß Familie immer wichtiger werde, die Leute
wieder Kinder kriegen und daß die Gewinner von Aufstiegsbewegungen
»nicht sonderlich liberal« seien: »Die wollen für ihre Kinder jetzt,
daß es gut wird. Die wollen Schulen, wo man sagt, wenn ich da mein
Kind hinschicke, dann kann ich damit meine Statusposition sichern in
der folgenden Generation«.
Solche Sachen sagte Heinz Bude, und ich dachte an meine Freunde, die
ihre Kinder auf Privatschulen schicken, und fragte mich, ob das also
diese Gewinner von Aufstiegsbewegungen waren und wie sie sich dabei
fühlten."
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SCHNURR, Eva-Maria (2004): Weblogs im Wahlkampf.
"Sie haben ein Modem? Ich habe eine Meinung!",
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 04.01.
- Kommentar:
SCHNURR mokiert sich über unliebsame
Konkurrenz für Qualitätszeitungen:
"die politischen Blogs haben eine
Mission. Sie wollen die aus ihrer Sicht oft einseitige oder
selektive Medienberichterstattung ergänzen. (...).
Blogs gibt es zu fast jedem denkbaren Thema von Handarbeitstips bis
zu selbstverfaßter Lyrik. Doch Ziel der politischen Blogger ist es,
ihre Meinung zu verbreiten. Deshalb kommentieren sie Artikel aus
Zeitungen und Magazinen, stellen Informationen aus kleineren, nur
lokal erscheinenden Medien zusammen, veröffentlichen bislang in der
Öffentlichkeit nicht beachtete Studien oder notieren ihre Gedanken
zum Tagesgeschehen."
Single-dasein.de gehört zwar
technisch gesehen nicht zu den Blogs, aber das Ziel die
Einseitigkeit der angeblich objektiven Qualitätszeitungen sichtbar
werden zu lassen und unterdrückte Informationen zugänglich zu
machen, ist ein Anliegen dieser Site.
Der Vorwurf, dass Blogs nicht
zwischen Nachricht und Kommentar trennen, gilt für single-dasein.de
dagegen nicht. Die Quellenangaben ermöglichen sogar eine
Transparenz, die den traditionellen Medien fehlt.
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MORENO, Juan (2004): Dran bleiben.
Sieben Frauen, sieben Männer, sieben Minuten - auch im Januar gibt
es viele Singles, viel Verzweiflung und viele Möglichkeiten,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 03.01.
- Kommentar:
"Früher,
als Schröder noch hipp und Berlin wild war, da glaubte man, es
alleine zu schaffen. Arbeit statt Liebe, going public für die Firma,
man selbst blieb Daheim. Es war okay, ein einsamer Wolf zu sein. Man
hatte schließlich Aktienoptionen, es rannte sich einfach deutlich
schneller alleine",
schreibt MORENO zur Einstimmung.
Ja, Ja! Früher - Ende der 90er Jahre -
war angeblich alles anders. Nur: in der Süddeutschen Zeitung ist
alles gleich geblieben!
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NZZ-Zeitfragen: Leichtes und Sinnhaftes
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HERRMANN, Jörg (2004): Ekstasen des Sehens.
Das Kino als Ort religiöser Erfahrung,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 03.01.
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LANDBECK, Hanne (2004): Der Herzschlag der
Mediengesellschaft.
"Daily Soaps" bringen einfaches Glück,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 03.01.
- Inhalt:
"Vier
Dailys, «Verbotene Liebe» und «Marienhof» im ersten deutschen
Programm und «Unter uns» und «Gute Zeiten, schlechte Zeiten» bei
RTL, teilen sich den heiss umstrittenen, aber gesättigten Markt.
Kein Einlass mehr in die Welt der Happy few. Im Gegensatz zur
«Lindenstrasse» und zur für diese vorbildlichen britischen «Coronation
Street» sind die Dailys nicht gerade gesellschaftskritisch. Sie
pochen mitten im Herzen der Mediengesellschaft und propagieren den
«hippen Lifestyle» eines Grossstadtmilieus, in dem sich
hauptsächlich weisse, «trendsettende» Menschen meist deutscher
Abstammung tummeln, die ein enges Beziehungsgeflecht schicksalhaft
miteinander verknüpft. Aus unzähligen WG und angesagten Kneipen,
den Treffpunkten für alle seelenüberquellenden und deshalb
unaufhörlich plappernden Protagonisten, schwappen die flott
jugendsprachlich gefärbten, dabei aber peinlich genau
Problemmilieus - wie die deutsch-türkische oder auch die
ostdeutsche Gemeinschaft - vermeidenden Sprachhülsen zum einsam
Fernsehenden. Globalisierung kommt werbefreundlich als
Australienreise vor",
berichtet Hanne LANDBECK, die 2002 das Buch "Generation
Soap" veröffentlicht hat.
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SIEMS, Dorothea & Cornelia WOLBER (2004):
"Familienfreundlichkeit ist ein wichtiger Standortfaktor".
Ministerin Renate Schmidt (SPD) appelliert an die Kommunen, die
Kinderbetreuung zu verbessern,
in: Welt v. 03.01.
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SPOERR, Kathrin (2004): Kinder haben - welch ein
Glück,
in: Welt v. 03.01.
- Kommentar:
SPOERR möchte die Deutschen zu ihrem Glück,
d.h. zum Kind, zwingen
und da die Politik neuerdings für das Glück
der Menschen zuständig ist, ist Sozialabbau als der Königsweg zur
Freiheit unumgänglich. Hier wird Freiheit ganz neu gedacht. Nicht
die Freiheit vom Kinde, sondern die Freiheit zum Kinde ist hier
natürlich gemeint! Wir glücklichen Neoliberalen...
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CPM (2004): "Die Regionen driften
auseinander".
Der hessische Wirtschaftsminister Rhiel fordert ein ganzheitliches
Denken in der Demographie-Debatte,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 02.01.
- Kommentar:
Der hessische Wirtschaftsminister RHIEL ist
bestens informiert über den Stand der Kinderlosigkeit in
Deutschland, nur weiß niemand woher er das weiß:
"Rhiel sprach von einer
Polarisierung innerhalb der jüngeren Generationen. Vor allem die
besser Gebildeten blieben kinderlos. In Westdeutschland werden 40
Prozent der jungen Akademiker zeitlebens ohne Nachwuchs bleiben.
(...). Vor allem die männlichen Hochschulabsolventen übernehmen nach
Aussagen der Statistiker für den Nachwuchs nur ungern Verantwortung.
Nahezu 50 Prozent von ihnen blieben kinderlos."
Was denn nun? Sind
Kinderlose nun zeitlebens kinderlos, erziehen sie nur nicht oder
zeugen sie nicht. Was meint also Herr RHIEL, wenn er von Kinderlosen
spricht?
Es trifft sich ganz gut, dass
Kinderlosigkeit in Deutschland ein sehr dehnbarer Begriff ist. Im
Grunde sind eben 100 % der Bevölkerung hierzulande irgendwann in
ihrem Leben kinderlos! Mehr geht nun wirklich nicht mehr...
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STEINBERGER, Karin (2004): Eine Frage des
Preises.
Heiratsmarkt in Indien: "Es ist die Hölle. Sie haben keine Ahnung,
wie rückständig wir sind". Jedes Jahr sterben Tausende Frauen, weil
ihre Eltern die geforderte Mitgift nicht bezahlen können - Nisha
Sharma hat sich dagegen gewehrt,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 02.01.
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FUCHS, Oliver (2004): Hühnerkämpfe.
Der "Bachelor" bei RTL: Ein menschliches Vakuum,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 02.01.
- Inhalt:
Oliver FUCHS über "Bachelor":
"Schwer
zu sagen, was am widerwärtigsten war: Die reaktionäre
Rote-Rosen-Romantik, der Villa-in-Südfrankreich-Kitsch,
die schwülstigen Candlelight-Dinner, die verlogenen Kennenlernspiele
(...). Alles, alles, alles war Lüge. Nur einmal ist Marcel
versehentlich ein wahrer Satz herausgerutscht: »Ich hoffe, dass ich
heute Abend noch ein Gefühl bekomme.«
In diesem Moment stand der Bachelor nackt vor uns, trotz edlem
Sakko, und wirkte wie ein naher Verwandter von Michel
aus Houellebecqs Roman Elementarteilchen: ein trauriger
westeuropäischer Mann am Anfang des 21. Jahrhunderts, ins Dasein
geworfen, emotional verarmt, sexuell verelendet, moralisch
verwahrlost. Ein menschliches Vakuum."
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KREYE, Andrian (2004): Die Futurologie.
Verblasste Mythen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 02.01.
- Inhalt:
"Ausgerechnet
die Zeitschrift Wired, Zentralorgan der pathologisch
zukunftsgläubigen Dotcom-Kultur, verkündete (...) in ihrer
Dezemberausgabe: »Futurismus ist tot!«
Laut Meinungsumfragen ist der
Kurswert der Zukunft in Amerika auf einen historischen Tiefststand
gesunken", berichtet KREYE über das Vorbild Amerika.
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WINKELMANN, Ulrike (2004): In Zukunft ganz dynamisch.
Es wird weiter reformiert: Die Pflegeversicherung,
in: TAZ v. 02.01.
- Inhalt:
Ulrike WINKELMANN
über die Kluft zwischen dem Notwendigen und dem Gerechten:
"Noch im Januar wird Sozialministerin
Ulla Schmidt Eckpunkte eines Gesetzes vorlegen, das bis zum Sommer
verabschiedet sein soll.
Erste Details wurden zu Jahresende schon verraten: So soll von
Nicht-Erziehenden ein Extrabeitrag von 2,50 Euro
verlangt werden. Zwar
haben sämtliche Experten geraten, die Vorgabe des Karlsruher
Gerichts lieber über die Steuer umzusetzen. Doch von Finanzminister
Hans Eichel (SPD) ist in diesem Jahr nichts, gar nichts zu erwarten.
Also muss Schmidt sich mit ihrer Strafgebühr unbeliebt machen - vor
allem bei denen, deren Kinder schon aus dem Haus sind."
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SCHLEGEL, Matthias (2004): "Wenn Arbeitslose
gehen, ist das eine Entlastung".
Wirtschaftsforscher sieht in der Abwanderung kein Drama. Nach
seiner Einschätzung ziehen mehr Höherqualifizierte in den Osten,
in:
Tagesspiegel v. 02.01.
- Inhalt:
Herbert BUSCHE vom Institut für
Wirtschaftsforschung in Halle über die nicht vorhandenen
demografischen Probleme des Osten:
"Die
niedrige Geburtenrate in Ostdeutschland verschärft ja noch das
demografische Problem.
Das wird sich bald wieder entschärfen: Zu DDR-Zeiten haben die
Frauen mit 18 bis 20 Jahren Kinder bekommen. Nach der Wende haben
sie sich westdeutschen Verhältnissen angepasst und warten damit zehn
Jahre länger. Diesen Knick in der Geburtenrate werden wir bald
hinter uns haben.
Bleibt nicht die Zukunftsfähigkeit des Ostens insgesamt auf der
Strecke, wenn so viele junge Leute weglaufen?
In der DDR gab es damals eine Geburtenrate von 2,2, im Westen
von 1,4. 1990 ging sie im Osten sprunghaft auf 1,1 zurück. Wir
schieben dort also immer noch einen Geburtenüberschuss vor uns her.
Auch deshalb ist die Abwanderung von jungen Leuten unter dem Strich
kein Drama."
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HEINE, Matthias (2004): Pantoffelhelden
marschieren nicht.
Deutschland geht flauschigen Zeiten entgegen: Comeback einer
diskriminierten Fußbekleidung,
in: Welt v. 02.01.
- Kommentar:
Auf diese Ursache des Geburtenrückgangs ist
bisher noch niemand gekommen:
"Möglicherweise hatte die demografisch
fatale Unfähigkeit zum Heiraten und Kinderkriegen in den vergangenen
Jahrzehnten damit zu tun, dass es einfach nicht mehr genug
Pantoffeln in Deutschland gab. (...). Schuld am Verschwinden der
Pantoffel waren natürlich die 68er", verkündet
Matthias HEINE.
Die Trendwende liest HEINE
deshalb aus dem Comeback der Pantoffel ab:
"Der Pantoffel wird wieder
gesellschaftsfähig. Die Szene hat ihn neuerdings angeblich als »Loungewear«
entdeckt. (...).
So schließt sich der Kreis: Die Rückkehr des Pantoffels ist
möglicherweise Zeichen eines Paradigmenwechsels in der
Familienpolitik des Staates und der Einzelnen. Man hat keine Angst
mehr vor Ehe, Kindern und der durch sie angeblich drohenden
Verpantoffelung."
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BUTTERWEGGE, Christoph (2004): Leben die Alten auf Kosten der
Jungen?
Generationen(un)gerechtigkeit als Ideologie,
in: Deutsche Jugend, H.1, Januar
- Inhalt:
BUTTERWEGGE skizziert die Debatte der letzten Jahre
um den demografischen Wandel. Er kommt zu dem Ergebnis, "dass die
Demografie als Drohwort und Mittel der sozialpolitischen Demagogie
fungiert, die Leerformel »Generationengerechtigkeit« zum politischen
Kampfbegriff geworden ist und beide die unsoziale Ideologie des
Neoliberalismus transportieren."
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- DÖRING, Nicola (2004): Verliebt -
verlobt - vernetzt.
Paarbeziehungen im Internet-Zeitalter,
in:
Psychologie Heute, Januar
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- PSYCHOLOGIE HEUTE (2004): Die Pein
allein.
Ein Mangel an befriedigenden Sozialkontakten belastet den
Kreislauf,
in:
Psychologie Heute, Januar
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- NUBER, Ursula (2004): Die Kunst,
"richtig" zu scheitern.
Es gibt nur noch wenige Tabus. Eines davon ist das Scheitern. In
unserer erfolgsorientierten Zeit ist kein Platz für Niederlagen.
Fatal: Denn jeder Mensch gehört zu irgendeinem Zeitpunkt seines Lebens
zu den Losern. Ein Ziel, einen Plan aufgeben zu müssen, das ist eine
elementare Lebenserfahrung. Doch nur wer richtig damit umgehen kann,
erkennt den Gewinn, der im Scheitern liegt,
in:
Psychologie Heute, Januar
- Kommentar:
Die Kultur des Scheiterns ist mittlerweile ein
modisches Thema geworden.
Single-dasein.de hat sich bereits im April 2002 mit diesem Thema
beschäftigt. Damals war das Buch
"Absteiger. Die Kunst des Verlierens" eines der wenigen Bücher
zum Thema.
Mit dem Ende der New Economy und
der Generation Golf in der Jobkrise ist das Scheitern zum
Modethema geworden.
Die FAS hat die
"neue Schule des Losers" propagiert und der "Club der polnischen
Versager" wurde Kult.
NUBER kann deshalb ein paar mehr Bücher
vorstellen.
Scheitern und Scheitern sind
jedoch zweierlei. Das Scheitern der Elite ist etwas anderes als das
Scheitern der Nicht-Eliten.
Während das Scheitern der Elite
sofort Thema Nr.1 der Mitte-Presse war und Storys über die
30jährigen Arbeitslosen anschwollen, interessiert das massenhafte
Scheitern die Presse nicht. Stattdessen dürfen Journalisten wie
Stefanie FLAMM Betroffenheitslyrik verfassen:
"»Denk doch mal an die polnischen
Spargelstecher, die hier jedes Jahr einfallen, damit ihre Familien
etwas zum Leben haben«, sagte die alte Freundin. »Die polnischen
Spargelstecher sind nicht der Maßstab«, sagte sie. »Du bist
arrogant«, sagte die alte Freundin, worauf sie gar nichts mehr
sagte, sich aber vorstellte, wie die alte Freundin in ihrem
Fischgrät-Kostüm zwischen den armen polnischen Spargelstechern
hockte und das Geld für die Havannas verdiente, die sie für
besondere Gäste in ihrem neuen »Humidor« hortete. Danach hatten sie
lange nicht miteinander gesprochen. Sie wollte eine Zeitlang nichts
mit Leuten zu tun haben, die ernsthaft glaubten, es liege allein an
der inneren Einstellung, auf welcher Seite des Tresens man stand."
Dieses Selbstbewusstsein
der Eliten speist sich u.a. auch aus der Aufmerksamkeit, die sie in
den Medien genossen:
"Sie lagen also wieder einmal im
Trend. Nur, daß sie diesmal keine Verbündeten hatten, sondern
Leidensgenossen. Trotzdem erging es ihnen wohl besser als den alten,
langgedienten Arbeitern, die, wenn die Tore ihrer Fabriken
schließen, noch einmal kurz ihre Helmut-Schmidt-Mütze lüpfen und
dann für immer in der Statistik verschwinden. Zwei Wochen nach ihrer
Entlassung titelte der Spiegel »Generation Arbeitslos«. Niemand tat
also so, als hätten sie sich um ihren neuen Status beworben, um die
Bundesregierung Lügen zu strafen, als wären sie vielleicht sogar
selber schuld. Sie waren der »in die Wüste geschickte Nachwuchs«,
die »Elite von gestern« und die »abmontierten Aushängeschilder«. Ein
mediales Blues-Orchester begleitete sie fast bis vor die Tore des
Arbeitsamtes", schreibt
FLAMM über "Meine erste Entlassung".
Während die Massen sich ihr
Scheitern selbst zuschreiben sollen (der
Imperativ der Individualisierung!),
ist für unsere Elite ihre Umwelt schuld. Dies ist auch der Geist aus
dem die Reformen gestrickt sind.
In der
beschleunigten Gesellschaft können die Eliten der Entschleuniger
ein neues Selbstbewusstsein entwickeln. "Downshifting" oder
"gewinnendes Verlieren" (DOEHLEMANN) sind die Alternativen zur
"neuen Schule des Losers", in der - wie Richard SENNETT dies vom
flexiblen Menschen gefordert sieht - die zweite Chance zum
Fixstern der Karriereorientierung wird.
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Zu den News
vom 17. - 31. Dezember 2003
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