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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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News vom 01. - 10. Februar 2003

 
       
     
     
     
   
Zitat des Monats:
"Am 13. November 1992 erblickte ein schmales Taschenbüchlein von gerade einmal 106 Seiten das Licht der Buchläden. Es hieß Weil das Land sich ändern muss, und trotz seines geringen Umfangs vereinte es unter seinen Autoren die Creme der politischen Klasse Deutschlands: Marion Gräfin Dönhoff, Meinhard Miegel, Wilhelm Nölling, Edzard Reuter, Helmut Schmidt, Richard Schröder und Wolfgang Thierse malten die Zukunft der Republik in düstersten Farben. (...). Heute, gut zehn Jahre später, zeigt sich (...), dass der mit Abstand richtigste Satz des ganzen Pamphlets (...) war: »Allenthalben hat die Qualität der politischen Klasse nachgelassen.«
Besonders deutlich wird das im Kapitel »Damit die Deutschen nicht aussterben«. Damit der geneigte Leser bereits an der Pforte alle Hoffnung fahren lasse, beginnt es mit einem Horrorgemälde: Bis Ende der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts werde die Bevölkerung Deutschlands um rund eine Million Menschen abnehmen (...).
Starke Worte, nicht wahr? Nur mit einem kräftigen Haken: Keines davon ist wahr. Jetzt, zehn Jahre später, können wir die ersten Horror-Zahlen an der tatsächlichen Bevölkerungsentwicklung messen. Und die Zahlen, die das Statistische Bundesamt für die Bevölkerungsentwicklung in den 90er Jahren veröffentlicht, haben nicht das Geringste mit der damaligen Schmidt-Dönhoff-Miegel-Prognose zu tun: Die Bevölkerung Deutschlands hat sich im Laufe jenes Jahrzehnts nicht etwa um eine Million Menschen verringert, sie hat um mehr als drei Millionen Menschen zugenommen!"

(aus: Detlef Gürtler "Vorbild Deutschland", Februar 2003, S.43f.)
 
       
   
  • DETTLING, Daniel (2003): Vergesst das deutsche Modell.
    Die Generation der 30- bis 40-Jährigen hat schon verloren, bevor sie richtig loslegen konnte. Daniel Dettling plädiert deshalb für eine Revolution der Jungen,
    in: Frankfurter Rundschau v. 10.02.
    • Kommentar:
      Wenn man zu lange am FAZ-Stammtisch sitzt, dann kommen solche depressiven Pamphlete heraus, wie jenes von DETTLING.
      Man kann ein Glas halbleer oder halbvoll sehen, DETTLING wählt erstere Methode.

            
       Für die zweite Methode steht dagegen Detlef GÜRTLER, der die angeblichen Schwächen des Modells Deutschland als Stärken sieht und damit versucht die produktiven Potenziale unseres Sozialstaats nutzbar zu machen.
            
       Die Untergangspropheten mit der "Die Lage ist ernster als die Stimmung"-Attitüde - also das Lager der neoliberalen Besitzstandswahrer - liegt uns nun schon seit 30 Jahren mit den gleichen Parolen in den Ohren. Kein Wunder also, dass die 89er nichts anderes mehr kennen und deshalb die Leerformeln einfach nachplappern.
            
       Statt Jammern, sind Visionen angesagt!
      Die "I-AG des Monats" ist z.B. gefragt.
      Dieser Tage wurden in einer langen städtischen Fußgängerzone Lampen von Straßenleuchten ausgewechselt. Zwei Arbeiter fuhren mit einem orangefarbenen Transporter mit Hebebühne vor. Das Fahrzeug wurde fest verankert. Ein Arbeiter ließ sich hochfahren an die Leuchte in 2,5 m Höhe und wechselte  die Lampe aus. Der Fahrer saß derweil im Fahrzeug, statt z.B. in einem teuren Café einen Kaffee zu konsumieren und dadurch die schwächelnde Wirtschaft anzukurbeln. Sein nächster Einsatz kam erst, als die Lampe ausgewechselt war und die Hebebühne wieder nach unten gefahren werden musste. Nach der Entankerung des Transporters wurde zur nächsten Straßenlampe gefahren. Dieses Spektakel, bei dem kein arbeitsloser FAZ-Journalist dabeistand, dauerte ca. 15 Minuten.

            
       Mit einer I-AG - z.B. einem Ex-FAZ-Journalisten - wäre das ganz anders gegangen: Vorfahren mit dem eigenen Kleinauto, Abladen einer handelsüblichen Leiter, Austausch der Lampe. Fünf Minuten Arbeitszeit. Gespart: ein teures Spezialfahrzeug, das hauptsächlich Roboter hergestellt haben und ein Mann, der durch Konsum die Wirtschaft ankurbeln könnte. Für die I-AG wären sogar noch 5 Minuten Pause drin.
            
       Der Produktivitätsfortschritt inklusive nachhaltigeres Wirtschaften könnte als sinnvolle Generationengerechtigkeit dem Sozialstaat zugute kommen.
            
       Ein Tip also für unsere nachwachsenden Jammer-Intellektuellen: Statt am FAZ-Stammtisch die Zeit zu vertrödeln (angeblich fehlt diese laut DETTLING) und sich im Selbstmitleid zu baden, lieber mit offenen Augen durch die Straßen laufen.
            
       In Deutschland sind konkrete und keine abstrakten Probleme zu lösen!
 
   
  • GASCHKE, Susanne (2003): Zu gut gemeint.
    Die Nach-68er haben sich in einem moralischen Irrgarten verlaufen - doch es gibt einen Ausweg,
    in: Tagesspiegel v. 10.02.
    • Kommentar:
      Die Platte von Susanne GASCHKE kennt man bereits. Unsere Leistungsträger, deren Leistung es ist, in Taxis zu weinen, wissen es ganz genau: "das gegenteil von gut ist gut gemeint" (kettcar "du und wieviel von deinen Freunden" - für jene, die hipster-allüren besitzen).

            
       Weil es einfach gut tut, darf GASCHKE nach Daniel DETTLING und Joachim RASCHKE auch noch etwas über das Versagen der Generation Schröder zum Besten geben.
            
       Bernhard SCHLINK hat das im Spiegel vom 30.12.2002 vorexerziert. 
 
   
  • MARIN, Rick (2003): "The Hipster Handbook": The Good, the Bad and the Frado.
    Robert Lanham's book is an entertaining field guide to this generation's stylistic and linguistic signs and signifiers,
    in: The New York Times Book Review v. 09.02.
    • Kommentar:
      Robert LANHAM hat mit "The Hipster Handbook" das Hipstertum für die Generation Golf upgedatet.

            
       Die Grundtheorie hat bereits die Beat Generation geliefert und Diedrich DIEDERICHSEN hat in "Sexbeat" (1985) seine Version vom Hipster vorgelegt.
            
       Für die Yuppie-Generation gab es das Handbuch von Marissa PIESMAN und die Yetties wurden von Sam SIFTON katalogisiert.
            
       Jetzt also LANHAM. Jede neue Hipster-Generation benötigt ihre eigene Sprache, also heißt cool ab sofort für die LANHAM-Fangemeinde "deck". Die Krise der Männlichkeit wird von LANHAM durch den Rückgriff auf die Posen des männlichen Mannes aufgelöst. In Deutschland versucht gerade Patrick WAGNER mit Surrogat das Rockertum zu erneuern.
            
       Woran erkennt man einen Hipster?
      LANHAM nennt 11 Punkte, u.a.: "You enjoy complaining about gentrification even though you are responsible for it yourself". Der Hipster beklagt sich über die Yuppisierung z.B. in Berlin, selbst dann, wenn er selber zur Aufwertung eines Wohngebiets wie dem Prenzlauer Berg beiträgt.

              Man darf sicher sein, dass die nächste Hipster-Begrifflichkeit bereits in irgendeinem Zirkel im Umlauf ist und auf seine mediale Vermarktung wartet.
            
       Die nächste FOCUS-Geschichte mit der LANHAM-In-und-out-Liste wird nicht lange auf sich warten lassen. Auf das Nachrichtenmagazin ist in dieser Hinsicht 100 % Verlass.
 
   
  • SONNTAGSZEITUNG (2003): "Einmal pro Woche Sex mit Lust ist viel wertvoller als dreimal ohne".
    Sexualwissenschaftler Martin Dannecker über sein frühes Outing, Lustgewinn und langweilige Schweizer,
    in: SonntagsZeitung v. 09.02.
    • Kommentar:
      Sex ist immer gut für die Auflage. Der Sexualwissenschaftler DANNECKER redet gerne über Kollegen wie KINSEY und Hans GIESE; Alice SCHWARZER fehlt auch nicht und ansonsten erfährt man, dass Hunde und Schwule eine besondere Beziehung haben:
      "Ich lese, gehe ins Theater, ins Kino, habe einen Hund ...
      ... wie viele Schwule.
      Auch das ist tatsächlich kein Klischee. Früher hat es mich zwar ungeheuer empört, als Sexualforscher Giese die Frage nach einem Hund an Kindes Stelle in seinen Homosexualitätsstudien drin hatte. Ich fragte mich ärgerlich, auf welches Niveau er uns noch herunterreduzieren wollte. Heute muss ich zugeben, dass es natürlich auch unter Schwulen die weit verbreitete Sehnsucht gibt, Kinder zu haben, und dass dieser Wunsch nicht selten auf Tiere verschoben wird."
 
   
  • SCHAGHAGHI, Mariam (2003): "Ich finde es sexy, wenn Frauen deutsch sprechen".
    In seinem neuen Film bringt Hugh Grant Sandra Bullock zur Raserei. Dabei verzweifelt der smarte Brite doch oft an sich selbst,
    in: Welt am Sonntag v. 09.02.
    • Kommentar:
      Ein Argument gegen die 68er, das Michel HOUELLEBECQ noch nicht eingefallen ist!
      "WamS: Ist es heute schwieriger, gute romantische Komödien zu machen wie etwa früher Spencer Tracy und Katharine Hepburn?
      Grant: Ja. Schuld ist die sexuelle Revolution der Sechziger. Als die meisten Liebesdinge noch verboten waren, war es schlicht einfacher, romantisch zu sein. Heute heißt die Herausforderung: Was können wir uns einfallen lassen, damit die beiden nicht schon auf Seite sechs im Bett landen?"
  • WELT (2003): Bin ich schön?
    Hugh Grant hasst seine Arbeit als Schauspieler - nur leider: Er liebt das Blitzlicht, das Geld und die schönen Frauen. Ein Gespräch über Ängste, Egoismus und Sandra Bullock. Aber die hat unglücklicherweise schon einen anderen,
    in: Welt v. 08.02.
    • Kommentar:
      Für alle, die die Kinderfrage leid sind:
      "DIE WELT: Sind Kinder nicht so Ihre Sache?
      Grant: Oh doch. Vielleicht nicht in den letzten fünf Jahren, aber es wird Zeit. Ich sollte wirklich welche haben. Ich muss. Wenn Sie das richtige Mädchen dafür kennen, sagen Sie Bescheid".
 
   
  • KAUFER, Stefan David (2003): Ab in die Egotherapie!
    Knapp 300.000 Menschen waren im Berlin im Dezember arbeitslos. Auch Karin. Ihr Leben ist ein gestaltloser Brei. Sie gehört zu den Leuten, die Angst vor allem haben, was irgendwie mit Dynamik zusammenhängt. Eine Geschichte von Zeitmanagement und Langeweile, Fitness und Goldgruben,
    in: TAZ v. 08.02.
    • Kommentar:
      SCHRÖDER ist nicht einsam! KAUFER steht ihm mit seiner Reportage aus dem Leben eines modernen Taugenichts bei, dem nur noch der Arbeitsdienst hilft. Vielleicht hätte er Judith HERMANN vor vier Jahren zum Arbeitsdienst schicken sollen, dann würden ihren Erzählungen heute andere Gestalten bevölkern: Glückliche Ich-AGs.
 
   
  • HARTMANN, Andreas (2003): Voller Bollerfaktor.
    Größer als Gott: Fette Sprüche gehören zum Konzept der Berliner Rockband Surrogat. Doch vom Größenwahn zum Dorfdeppentum ist es nur ein Schritt,
    in: TAZ v. 08.02.
    • Kommentar:
      Anders als SCHRÖDER, bleibt sich Patrick WAGNER treu.

               Auf der letzten CD "Rock" sang er im Song "Gib mir alles": "Gib mir Kitty-Yo/ gib mir Daimler Benz/ gib mir alles muss zerstört werden."
            
       Für "Hell in Hell" hat WAGNER Kitty-Yo den Rücken gekehrt. Im linken Juste Milieu gilt er deshalb als Verräter.
            
       Also ein glatter Verriss von Andreas HARTMANN. Er schließt sich damit Jens BALZER von der Berliner Zeitung (06.02.2003) an, der schon mal ganz prollmäßig werden kann, wenn er dem selbst erklärten Rocker WAGNER mädchenhaftes Posing vorwirft:
            
       "Patrick Wagner verfügt zwar über stramme Unterarme, an denen die noch strammeren Unterarmadern beim Gitarrespielen ganz redlich hervortreten können. Ansonsten aber hält er die Gitarre (siehe dazu auch unsere Fotografie) wie ein Mädchen: den Gitarrenhals hält er zu weit nach oben gerichtet, den Anschlag vollzieht er wie mit gespreizten Fingern". So ungefähr muss man in den 70er Jahren bei den Alt-Linken argumentiert haben, damals als Svende MERIAN noch nicht den Tod des Märchenprinzen verkündet hatte und Eric BURDON ("When I was young") den Feministinnen Stoff für die Verdammung des Machos lieferte. 
 
   
  • SOMMER, Gerlinde (2003): "Zonenkinder": Eine Abrechnung zwischen Aufbruch und Verlust,
    in: Thüringische Landeszeitung v. 08.02.
    • Kommentar:
      Gerlinde SOMMER ärgert den Spiegel und lobt Jana HENSEL:

      "»Zonenkinder« ist lesenswert. Und die Frage, ob das Buch in die Kategorie »Generation Golf« gehört, beantwortet sich von selbst."
      • Jana Hensel - Zonenkinder
 
   
  • NAHLES, Andrea/MAURER, Ulrich/ANNEN, Niels/SCHEER, Hermann/SKARPELIS-SPERK, Sigrid (2003): Zeit für einen Neuanfang.
    Vorschläge für eine neue Agenda sozialdemokratischer Regierungspolitik,
    in: Frankfurter Rundschau v. 08.02.
    • Kommentar:
      Die FR druckt das Positionspapier der SPD-Linken. Es wird nur niemanden interessieren!
 
   
  • DOBLER, Franz (2003): Kind of blue.
    Er schrieb böse Romane über das Nachkriegsdeutschland, dann stieg er aus: Der Schriftsteller Hans Frick ist tot,
    in: TAZ v. 08.02.
    • Hans Frick - Der Verlust des Sohnes als kritisches Lebensereignis
 
   
  • SCHIRRMACHER, Frank (2003). Die Stimmung ist viel besser als die Lage.
    Ordnung des Landes (5): "Womit wollen wir Geld verdienen?" Hans Barbier trifft Angela Merkel, die beklagt, daß es bei vielen kein Gefühl mehr für die Bedrohung unseres Wohlstandes gibt,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.02.
    • Kommentar:
      Der FAZ-Stammtisch wird fortgesetzt, denn die Stimmung ist viel besser als die Lage. Solange sich das nicht ändert, wird dieser Stammtisch nicht aufgelöst - also wohl erst, wenn SCHIRRMACHER Kanzler ist - oder doch zumindest Regierungssprecher. Die FAZ-Revoluzzer sind sich da einig.
 
   
  • KOCH, Claus (2003): Oh heilige Einfalt!
    in: Süddeutsche Zeitung v. 07.02.
    • Kommentar:
      KOCH hat die Le Monde vom 22.01.2003 gelesen und dort den Begriff "acharnement procréatif" entdeckt:
      "Unelegant könnte man das mit »Zeugungsverbissenheit« übersetzen: Die unbeirrbare Hartnäckigkeit, sein Kind aus eigenem Genom zu erhalten". Schon sind wir mittendrin in der Debatte um das Menschenrecht aufs eigene Kind.
 
     
   
  • KRON, Norbert (2003): Es lebe der Feuerstein-Darwinismus.
    Warum das Ehepaar Pease so großen Erfolg mit seinen Ratgebern zum Geschlechterunterschied hat,
    in: Welt v. 07.02.
    • Inhalt:
      Der Schriftsteller Norbert KRON ("Autopilot") erklärt den Erfolg  von Allan und Barbara PEASE ("Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken")
      zum einen mit der Vorbildfunktion der Autoren ("was wäre ein größerer Beweis für die »wissenschaftliche« Richtigkeit ihrer Behauptungen, als dass sie von einem verheirateten Paar vertreten und in der Praxis erprobt worden sind?") und zum anderen mit der "Kampfzone des heterosexuellen Gezänks":

            
       "das Gleichheitspostulat hat den Streit zwischen den Geschlechtern nicht abgeschafft – im Gegenteil, es hat das Durcheinander nur vergrößert. Wer das leicht unzeitgemäße Los teilt, der strikt heterosexuellen Mehrheit anzugehören, erlebt, dass Frauen und Männer, zumal am Höhepunkt ihrer Geschlechtsreife, einander angesichts der hinzugewonnenen gesellschaftlichen Möglichkeiten nur umso beharrlicher missverstehen. Ein gutes Vierteljahrhundert nachdem »Alice im Männerland« (so der Titel ihres letzten Buches) den Unterschied zwischen den Geschlechtern klein zu reden versuchte, scheint er größer denn je zu sein".
            
       Sein Fazit zum Stand des Geschlechterkampfes lautet:
            
       "In der westlichen Welt herrscht wieder Ordnung zwischen den Geschlechtern. Der Feuerstein-Darwinismus hat über den Emma-Feminismus gesiegt. Und das Praktische daran ist: Ehe Alice Schwarzer irgendetwas dagegen vorbringen darf, muss sie erst beweisen, ob sie rückwärts einparken kann".
 
   
  • SCHNEIDER, Carsten (2003): Wir Zonenkinder.
    "Zonenkinder", geschrieben von Jana Hensel, ist ein Buch über die Erfahrungen und Gefühle einer besonderen Generation, die mit dem Ende der DDR 1989 entstand,
    in: Thüringer Allgemeine  v. 07.02.
 
   
  • LESSENICH, Stephan (2003): Im Dienste des großen Ganzen.
    Die Ich-AG als Chiffre eines Umbruchs. Neue Sozialpolitik leitet zum Selbstverantwortlichsein an,
    in: Freitag Nr.7 v. 07.02.
    • Kommentar:
      LESSENICH skizziert - ganz leidenschaftslos - die Programmatik der Ich AG als Ausdruck eines autoritären Sozialstaats,
      wie er bereits vor längerem von Ralf DAHRENDORF als "neuer Autoritarismus" beschrieben worden ist, und den man auch als öffentliche Anleitung zum Unglücklichsein interpretieren kann:
      "Prophylaxe, Prävention und Eigenvorsorge sind in diesem Kontext die sozialpolitischen Instrumente der Wahl: Garanten selbsttätiger, sozialverpflichteter Sicherung. Der neuen, doppelten Logik des Sozialstaats entsprechend werden sie zugleich als Zeichen persönlicher Autonomie - i.S. der selbstbestimmten Verfügung über den eigenen Körper, den eigenen Nachwuchs, das eigene Geld - wie auch als Ausweis sozialer Verantwortlichkeit der Individuen gedeutet: Wer selber rechtzeitig vorbeugt, vorleistet, vorsorgt, der fällt später niemand anderem zur Last. Umgekehrt verweisen in diesem Sinne mangelnde Selbsttätigkeit und fehlende Eigenvorsorge nicht nur auf die Unfähigkeit des Einzelnen, von seiner Freiheit angemessenen Gebrauch zu machen, sondern darüber hinaus auf die Weigerung, gesellschaftlichen Bedürfnissen gerecht zu werden. So oder so erfordert entsprechend inadäquates Verhalten der Sozialstaatsbürger und -bürgerinnen jedenfalls umfassende Maßnahmen sozialpolitischer Verhaltenssteuerung. Gegen die durch Gegenleistungen nicht gedeckte, »ausbeuterische« Inanspruchnahme sozialer Leistungsangebote darf und muss sich die Gesellschaft selbstverständlich verteidigen.
      Den Ton dieser Debatte hat Bundeskanzler Gerhard Schröder in seiner diesjährigen Neujahrsansprache vorgegeben, als er nicht schlicht für »mehr Eigenverantwortung jedes Einzelnen« plädierte. Darüber hinaus betonte er, das Soziale unserer Marktwirtschaft liege darin, dass jeder die gleichen Chancen habe - und zugleich die Pflicht, diese Chancen auch zu nutzen. Die Pflicht zur Nutzung der Marktchance, die persönliche und gesellschaftliche, ökonomische und moralische Pflicht zum Selbstverantwortlichsein: Das ist die Ideologie der Ich-AG."
 
   
  • SCHALLENBERG, Jörg (2003): Das Leben zum Lied.
    "Fehlfarben"-Sänger Peter Hein über die Last der Vergangenheit und eine ungewisse Zukunft,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 06.02.
    • Inhalt:
      Peter HEIN ist mit der neuen Fehlfarben-CD "Knietief im Dispo" auf Tour:
      "SZ: Ihr Modell ist ja der Popstar im Nebenjob. Sie arbeiten seit mehr als 25 Jahren als Angestellter bei Xerox und gehen nur auf Tournee, wenn Sie Urlaub haben. Wollen Sie das noch mal ändern?
      Hein: Naja, bei Xerox geht es ja nur noch ein halbes Jahr.
      SZ: Wieso? Wegrationalisiert?
      Hein: Genau.
      SZ: Und dann? Knietief im Dispo?
      Hein: So ist das eben. Wir sind mit unseren Platten der Zeit voraus. Auch unserer eigenen. Jetzt lebe ich eben das Leben zu meinen Songs."
 
   
  • Schwerpunkt Judith Hermann

    • Kommentar:
      Literaturkritik.de verteidigt Judith HERMANNs "Nichts als Gespenster" gegen ihre Kritiker in den Neue-Mitte-Feuilletons
    • HAGESTEDT, Lutz (2003): Bekanntes Gesicht, gemischte Gefühle.
      Der Frühjahrsproduktion fehlt ein Moment der Verführung,
      in: Literaturkritik.de, Februar v. 06.02.
    • PONTZEN, Alexandra (2003): Spät erst erfahren Sie sich.
      Judith Hermann findet "Nichts als Gespenster",
      in: Literaturkritik.de, Februar v. 06.02.
    • MOHR, Peter (2003): Liebe lässt sich nicht erzwingen.
      Judith Hermanns Erzählungen "Nichts als Gespenster",
      in: Literaturkritik.de, Februar v. 06.02.
    • SCHOLTZE, Laslo (2003): Ruhiger, weiter, traumtief.
      Der zweite Erzählband von Judith Hermann,
      in: Literaturkritik.de, Februar v. 06.02.
    • ANZ, Thomas (2003): Judith Hermann photographiert Geister.
      Anmerkungen zur immanenten Ästhetik in "Nichts als Gespenster",
      in: Literaturkritik.de, Februar v. 06.02.
    • PRANGEL, Matthias (2003): Eine andere Art von Rückblick.
      Gespräch mit Judith Hermann über "Sommerhaus, später",
      in: Literaturkritik.de, Februar v. 06.02.
 
   
  • ZEIT-Serie "Land ohne Leute" - Teil 6

    • THADDEN, Elisabeth von (2003): Hagestolze werden bestraft.
      Wie schafft man es, dem Land zu mehr Kindern zu verhelfen? Ein Ausflug in die abgründige Geschichte der Bevölkerungspolitik, anlässlich einer klugen Dissertation,
      in: Die ZEIT Nr.7 v. 06.02.
      • Inhalt:
        Adel verpflichtet! Von THADDEN nutzt die Dissertation von Martin FUHRMANN über "Volksvermehrung als Staatsaufgabe", um das folgende bevölkerungspolitische Credo zu verkünden:
        "Sozialer Aufstieg und die Sicherung des Status, das sind mächtige Triebfedern der Empfängnisverhütung, solange der Staat Kinder für Privatsache hält. Wenn dann noch die weibliche Freiheit ins Spiel kommt, die ein Fichte in der Ehe aufgehoben sah, dann ist die Verhütung fast schon perfekt.
        Sie ist, zum Glück, nicht verlässlich. Weswegen hierzulande und heute zwar Hagestolze nicht bestraft werden sollten, aber doch alle Benachteiligungen für Familien gründlich beseitigt."
 
   
  • ULRICH, Bernd (2003): Reaktionäre von links.
    4,6 Millionen Arbeitslose - und sie verteidigen die Privilegierten gegen die Schwachen,
    in: Tagesspiegel v. 06.02.
    • Kommentar:
      Bernd ULRICH nervt mit seiner Wende zum Weniger, die eine Wende zum falschen MEHR ist!

            
       Wäre es eine Wende zu weniger Neue Mitte, dann wäre es zu ertragen, aber es ist eine Wende zum mehr Neuer Mitte. Die Elite will sich nicht ändern. Damit sie so bleiben kann wie sie ist, muss Restdeutschland anders werden.
            
       Der Clou der Besitzstandswahrer aus der Neuen Mitte ist die Neudefinition des "guten" sozial Schwachen:
            
       "in der Tat ist die Gefahr groß, dass in diesen harten Jahren die Schwächsten durch den Rost fallen. Doch müsste diese Linke auf der Höhe der Zeit sich erstmal darüber verständigen, wer denn die Schwächsten sind. Rentner, Arbeitnehmer, Angestellte im öffentlichen Dienst sind es kaum – anders als die meisten Arbeitslosen jedoch, viele allein erziehende Mütter, Obdachlose, die Langsamen, viele Kinder, die Ungeborenen."
            
       Läßt man das Blendwerk weg, dann liegt der Tenor auf den vielen allein erziehenden Müttern und den vielen Kindern, den Ungeborenen. Rentner wird dann zum Synonym für Kinderloser, während Arbeitslose vorwiegend alleinerziehende Mütter sind, weil sie keinen Job finden und schnell obdachlos werden. Schon sind wird da, wo ULRICH eigentlich schon immer ist: beim Kampf der "Eltern" gegen "Kinderlose".
            
       Schaut man genauer hin, dann wird jedoch klar: die alleinerziehende Mutter ist nicht per se sozial schwach, sondern es gibt Yuppie-Moms wie Stella BETTERMANN und es gibt jene, die zwar alleinerziehend sind, aber dennoch die Wohnung mit einem Partner teilen und rechtlich/finanziell sozusagen die Vorteile einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft nutzen,  während sie die Nachteile der gegenseitigen Verpflichtung ablehnen.
            
       Gerade in der Festung Neue Mitte ist diese Spezies stark vertreten. Deshalb ist ULRICHs Anspruch ein Anwalt der sozial Schwachen zu sein, eine Halbwahrheit.
            
       Sozial schwach ist keine Eigenschaft einer spezifischen sozialen Gruppe wie Bernd ULRICH das nahe legt, wenn er z.B. Rentner und Alleinerziehende gegeneinander ausspielt. Sozial schwach sind ganz konkrete Menschen, die man sowohl unter Rentnern als auch unter Allein Erziehenden findet.    
 
     
   
  • BOBERSKI, Heiner (2003): Zwischen Kind und Karriere.
    Die Soziologin Christiane Pfeiffer: Von Frauen wird heute "fast Utopisches" verlangt... 
    in: Wiener Zeitung v. 05.02.
 
   
  • ADAM, Konrad (2003): Unsere Kinder! Wessen Kinder?,
    in: Welt v. 05.02.
    • Kommentar:
      Kinderlose sollen aus der Politik verschwinden,
      fordert Konrad ADAM in seinem Leitartikel und beruft sich dabei auf NIETZSCHE. "75 Prozent der Deutschen lieben Kinder, der Rest hat welche", zitiert er Harald SCHMIDT.

            
       Otto Normalleser wird ihm beipflichten, denn kinderlos sind immer die anderen. Warum?
      Die Verlogenheit der Argumentation von ADAM resultiert aus der Zweideutigkeit seines Elternbegriffs.
      Die Schizophrenie der Begriffsverwendung dürfte den Wenigsten überhaupt auffallen, denn der rhetorische Kunstgriff der Sozialpopulisten besteht in der Montage zweier widersprüchlicher Elternbegriffe.

            
       Zum einen beruft sich ADAM auf die amtliche Haushaltsstatistik, wenn er Eltern als bedrohte Minderheit anspricht.
            
       Eltern, deren Kinder nicht mehr im Elternhaushalt leben, werden in der Statistik zu Kinderlosen umdefiniert. Auf diese Lebensphase der jungen Eltern bezieht sich SCHMIDTs Bonmot.
            
       Die Soziologie hat mit dem Begriff der multilokalen Mehrgenerationen-Familie diese statistische Unsichtbarkeit der Familie rückgängig gemacht.
      Durch den Auszug eines Kindes endet nicht die  Elternschaft. Eltern werden deshalb auch nicht zu Kinderlosen, wie die amtliche Statistik das behauptet.

            
       Folgt man diesem Gedanken, dann stellen Eltern die Bevölkerungsmehrheit und lebenslang Kinderlose sind die Ausnahme.
            
       Diese Sichtweise vertritt auch ADAM. Er geht sogar noch darüber hinaus, indem er Kinder sogar als lebenslangen Besitz der Eltern betrachtet.
            
       Darauf verweist zum einen sein Possessivpronomen, das den elterlichen Anspruch begründet und zum anderen die von Adam SMITH entlehnte, aber verkürzte, Wendung von den Eltern als Anwälten des Gemeinwohls.
            
       Der rhetorische Kunstgriff des Sozialpopulisten
      besteht also darin, dass er sich einerseits der Gunst der Eltern als Bevölkerungsmehrheit versichert, um ihnen andererseits das erhabene Gefühl einer gesellschaftlichen Minderheit zu verschaffen.

            
       Diese Identitätspolitik führt dazu, dass Kinderlose letztlich immer die anderen sind.
 
   
  • Stimmen zur Wahl:

    • RASCHKE, Joachim (2003): Aller politischen Dinge sind drei.
      Rot-Grün oder Bürgerlich - wer hat die strukturelle Mehrheit im Land? Eine Nachwahllese,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 04.02.
      • Inhalt:
        Der Politikwissenschaftler Joachim RASCHKE erklärt die Rationalität des Wählervotums als themenabhängig.

              
         Während Rot-Grün die soziale und kulturelle Mehrheit stellen, hält Schwarz-Gelb die ökonomische Mehrheit. Je nach dem, was gerade auf der politischen Tagesordnung steht, votiert der Wähler entweder für Rot-Grün oder Schwarz-Gelb.
              
         In dieser Sicht geht es letztlich nur noch um die Vorherrschaft im öffentlichen Diskurs. Wer es schafft die richtigen Themen auf die Tagesordnung zu setzen, der gewinnt die Wahl. Am 22. September half dies Rot-Grün und jetzt eben Schwarz-Gelb.
    • WALTER, Franz (2003): Verschreckt und verwirrt.
      Seit zweieinhalb Jahren ist die rot-grüne Koalition ohne jede politische Perspektive. Sie ist das begründungsloseste Regierungsbündnis seit Bestehen der Bundesrepublik,
      in: TAZ v. 04.02.
      • Inhalt:
        Der Politikwissenschaftler Franz WALTER denkt über die Wahl weit hinaus.

              
         Er hält Rot-Grün nicht für ein politisches, sondern nur für ein kulturelles Projekt, das sich mittlerweile erschöpft hat.
              
         WALTER macht sich deshalb verzweifelt auf die Suche nach dem Superman der SPD. Wenn dieser beim sozialdemokratischen Nachwuchs nicht gefunden wird, dann sieht er "in elf oder fünfzehn Jahren" - nachdem also die kommende CDU-Regierung abgewirtschaftet hat - die Sozialdemokratie ernsthaft gefährdet.
 
   
  • KAUBE, Jürgen (2003): Wer war's?
    Schmitts Rache: Die SPD hat den falschen Feind bekämpft,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.02.
    • Kommentar:
      Der Feuilleton-Revoluzzer KAUBE wertet die Wahlniederlagen der SPD in Hessen und Niedersachsen voreilig als Ausdruck eines Volkeswillen, der sich bereits in der FAZ-Feuilleton-Revolte als seine Speerspitze ankündigte.

            
       Das FAZ-Feuilleton versteht sich nun also als rechtmäßiges Sprachrohr des Bürgers und will nicht mehr als Aufstand einer konservativen Elite verstanden sein, die ihren Besitzstand bedroht sieht.
            
       Dumm nur, dass die Verkaufszahlen der FAZ seit Monaten nach unten zeigen. Offenbar weiß der Bürger die Qualitäten des Blattes nicht richtig zu schätzen.
            
       Vielleicht macht sich die FAZ ja das Motto der Rockband "Surrogat" zu eigen: "Wir sind immer oben, und wenn wir unten sind, ist unten oben" (Hell in Hell).
 
   
  • FÖRSTER, Jochen (2003): "Wovon erzählt dieses Buch?"
    Ist doch egal: Spannend an Judith Hermanns neuem Band "Nichts als Gespenster" ist vor allem seine Rezeption,
    in: Welt v. 04.02.
    • Kommentar:
      Der Erzählband "Nichts als Gespenster" von Judith HERMANN ist nicht einmal eine Woche auf dem Markt und schon zieht FÖRSTER sein Resümee bezüglich der Vielzahl von Rezensionen.

            
       Bei seinem Streifzug durch die Neue-Mitte-Feuilletons hat er vier Lager entdeckt. Nichts desto trotz reduzieren sich für FÖRSTER die vier Lager auf eine einzige Tendenz: "Judith Hermann hat Pech gehabt. Ihr Erzählen passt nicht in diese Zeit".
 
   
  • HODONYI, Robert (2003): Unbehagen mit dem Wir.
    Jana Hensel las aus "Zonenkinder" - und in Dresden prallten die Wahrnehmungen der Wendezeit aufeinander,
    in: TAZ v. 04.02.
    • Kommentar:
      HODONYI greift in seinem Artikel das SPIEGEL-Theorem von Doja HACKER auf.

            
       Während dort jedoch der Ost-West-Konflikt in den Vordergrund gerückt wurde, ist HODONYI dem innerostdeutschen Generationenkonflikt nachgegangen.
 
   
  • WEGENER, Basil (2003): Verunsicherte Deutsche: Welche Stimmung ist angemessen?
    Das Jammern macht sich breit - Aber auch die gewollt gute Laune hilft nicht weiter,
    in: Stuttgarter Nachrichten v. 03.02.
    • Kommentar:
      WEGENER ist auf der Suche nach der angemessenen Stimmung.

            
       Waren Mitte November noch die Feuilleton-Revoluzzer dominierend, so ist jetzt mit Matthias HORX der Optimismus als erste Bürgerpflicht angesagt.
            
       Den Umschlagpunkt bildet die Lampedusa-Rede von Bundeskanzler SCHRÖDER, der damit zwar rechtzeitig die Neue-Mitte-Eliten, nicht aber das Wahlvolk in Hessen und Niedersachsen erreichte.
            
       Der Soziologe und Eliten-Forscher Michael HARTMANN sieht das Stimmungsbild sowieso differenzierter:
            
       "»Besonders in einigen Stadtteilen in den Metropolen konzentriert sich die pessimistische Stimmung«, sagt der Darmstädter Soziologie-Professor Michael Hartmann, »dort, wo die jungen Erfolgreichen sich in den 90ern ihre Eigentumswohnungen gekauft haben.« In weiten Teilen der Normalbevölkerung, bei einfachen Angestellten etwa, sei der ganz große Optimismus damals dagegen ohnehin kaum angekommen - abgesehen von »der kurzen Phase des Booms so genannter Volksaktien wie denen der Telekom«. Insofern halten sich auch die Enttäuschungen bei vielen in Wahrheit durchaus in Grenzen."  
 
   
  • ROSENKRANZ, Jan (2003): "Für mich zählt nur das Konto",
    in: TAZ Frankfurt v. 03.02.
    • Kommentar:
      ROSENKRANZ liefert anlässlich des Wahldebakels von Rot-Grün in Hessen eine tröstliche Reportage aus einer Seniorenresidenz in Berlin-Mitte.

            
       Ob wahr oder new journalism-mäßig erfunden, das ist dabei total egal! Es ist auf alle Fälle alles dialogmäßig aufbereitet, was sonst in trockenen journalistischen TAZ-Berichten ebenfalls drinstehen würde.
            
       Ansonsten handelt es sich beim TAZ-Rentner um das genaue Gegenbild zum Kanzleramt-Rentner des FAS-Feuilleton:
            
       "Sie haben nicht viel gemein. Eigentlich nur das Alter.
      Doch in einem sind sie sich trotzdem alle einig: An dieser Kaffeetafel wäre niemand dazu bereit, freiwillig auf einen Teil der Rente zu verzichten, um jüngere Beitragszahler zu entlasten".
 
   
  • HILDBRANDT, Hans Georg (2003): Er hat ja sonst nichts zu lachen.
    Der Arbeitsalltag ist hart, die Frauen stark. Und alles politisch überkorrekt. Da bleibt nur eines: Mann erzählt wieder Witze. Je derber, desto lieber,
    in: SonntagsZeitung v. 02.02.
    • Kommentar:
      Der MERKUR hat bereits vor einiger Zeit ein Sonderheft zum Thema Lachen herausgebracht. HILDBRANDT geht es jedoch nicht um den Kulturkampf zwischen dem Westen und dem Islam, sondern um den Kulturkampf der Geschlechter.

            
       Das FHM-Männer Magazin hat nun das neue Witzzeitalter eröffnet, vermeldet der Autor.
            
       "Rippenstoss-Schenkelklopf-Witze" sind nach HILDBRANDT nicht mehr das Kennzeichen elitärer Oberschicht-Herrenclubs und der prolligen Peripherie, sondern kehren in die gesellschaftliche Mitte zurück.
            
       Dem Mann geht es so dreckig, dass er sich nach "einer verschworenen Karrenschmiere- und-Fussballschuh-Männlichkeit" zurücksehnt:
            
       "Die von der Gesellschaft abgesegnete Verlängerung der Pubertät bis ins dreissigste Lebensjahr, die Verunsicherung durch permanente Wirtschaftskrise und einen Büroalltag in der geistigen Wüste geschlechtsneutraler Windows-Kabäuschen haben die einstigen Männerbündler in die Vereinzelung getrieben."
            
       HILDBRANDT führt einige Exemplare dieser angeblich bahn brechenden neuen Herrenwitze an. Nach deren Lektüre muss jedem Mann klar werden, die Herren - und nicht die Männer - stecken tatsächlich in einer tiefen Krise.
            
       Da empfiehlt sich die Lektüre von Sybille BERGs "Herrengeschichten".
 
   
  • GESTERKAMP, Thomas (2003): Mit 40 zum alten Eisen.
    Der Jugendkult der Arbeitswelt,
    in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Februar
    • Thomas Gesterkamp - Neue Väter und die New Economy
 
   
  • NZZ FOLIO "Haushalt"

    • MARTI, Michael (2003): Der Krisenherd.
      Der Haushalt ist der Ort der Beziehungsdramen. Männer sehen widerwillig ein, dass sie sich an der Hausarbeit beteiligen sollten. Merkwürdigerweise haben dennoch meistens die Frauen den Dreck. Was tut sich an den Schmutzrändern des Geschlechterkampfs?,
      in: NZZ Folio, Februar
 
   
  • WACKWITZ, Stephan (2003): Der Messias ist nicht gekommen.
    Versuch über die Befreiung,
    in: Merkur, Februar
    • Inhalt:
      WACKWITZ arbeitet sich weiter an seinem 70er-Jahre-Trauma ab:
      "»Und über die Wasser weht's kalt.« Der Schrecken des selbstverschuldeten Alleinseins in Eichendorffs Zeile, die das biblische Bild vom Geist Gottes über den Wassern in eine trostlose, von allen guten Geistern endgültig verlassene Naturschilderung umgestaltet, hat mich seit 1975, als ich meine erkünstelte fortschrittliche Kleinbürgerexistenz an der Seite der Arbeiterklasse zum ersten Mal zu verlassen und aufzugeben versuchte, durch mein Leben begleitet, wobei es mir in dessen Verlauf nach und nach gelungen ist, gleichsam immer größere Quanten seiner Angstenergie (...) in Sinnbilder überwundener Schmerzen, fast in etwas Schönes und mich jedenfalls nicht mehr rettungslos Überwältigendes umzuarbeiten - eine Arbeit, in der ich, je älter ich mittlerweile geworden bin, den eigentlichen Sinn meines Daseins zu erkennen glaube".

            
       Wie immer fehlt auch dieses Mal T. W. ADORNO nicht.
 
   
  • SCHIMMANG, Jochen (2003): Verschwinden.
    Ein rhapsodischer Literaturbericht,
    in: Merkur, Februar
 
   
  • RUTSCHKY, Katharina (2003): Wertherzeit.
    Der Poproman - Merkmale eines unerkannten Genres,
    in: Merkur, Februar
    • Kommentar:
      Die Zeit der Abgesänge auf die Popliteratur ist längst vorbei und die Literaturwissenschaft beschäftigt sich bereits mit diesem historischen Phänomen.

            
       Katharina RUTSCHKY stört das wenig.
      Sie verteidigt den Poproman am Beispiel von Benjamin von STUCKRAD-BARREs "Soloalbum", Christian KRACHTs "Faserland" und Alexa Hennig von LANGEs "Relax" gegen seine Verächter aus der Hochkultur.

            
       In Jacob HEILBRUNN sieht sie einen Wiedergänger von Siegfried KRACAUER, der im Jahre 1932 im Aufsatz "Zur Produktion der Jungen" u.a. Klaus MANN "Zum Kotzen" fand. 
 
   
  • WIMMER, Monika (2003): Wann Alleinleben gelingt.
    Das Partnerschaftsideal und die sozialen Fähigkeiten von Singles entscheiden über ein zufriedenes Leben,
    in: Psychologie Heute, Nr.2, Februar
    • Inhalt:
      WIMMER berichtet über die Interviewstudie "Alleinleben - Chance oder Defizit?" von Jutta STICH.

            
       STICH hat 13 in den 40er Jahren geborene Alleinlebende befragt.
            
       WIMMER stellt mit dem Modernisierungsverlierer Herbert Fest und der Modernisierungsgewinnerin Susanne Ebenholz zwei typische Vertreter dieser 68er-Generation vor.
 
   
  • HERTEL, Janine (2003): Ab 40 ist das Singleleben nicht mehr chic.
    Vor allem ältere Alleinlebende haben immer noch ein Imageproblem,
    in: Psychologie Heute, Nr.2, Februar
    • Inhalt:
      Janina HERTEL hat am Psychologischen Institut der TU Chemnitz eine Studie zum Thema "Singles von heute - Soziale Wahrnehmung von Alleinlebenden und Personen in Partnerschaft" durchgeführt.

            
       267 Partnerlose und Personen mit fester Beziehung  zwischen 20 und 50 Jahren wurden nach ihrem Single-Bild befragt.
            
       HERTEL hat herausgefunden, dass die partnerschaftlich gebundenen Personen das Singlebild der Medien übernommen haben:
            
       "Junge Alleinlebende im Alter zwischen 25 und 35 werden dort als Personen mit Stil, als selbständig, karriereorientiert und aufgeschlossen gezeigt. Hat eine Person aber die 40 erreicht, wandelt sich das Bild. Jetzt gilt das Singledasein nicht mehr als chic dund als Zeichen von Flexibilität"
 
       
   

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Zu den News vom 21. - 31. Januar 2003

 
       
   
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