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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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News vom 16. - 31. Oktober 2002

 
       
     
     
     
   
Spruch des Monats:
"Einer meiner ersten bezahlten Jobs bestand in der freien Mitarbeit als Szene-Reporterin in der Frankfurter Prinz-Redaktion. Auch dort wurden Lifestyle-Trends gemacht beziehungsweise frei erfunden. Oder gab es sie wirklich? Man konnte nie sicher sein, was zuerst da war, der Trend oder die Idee des Trends."
(Katja Kullmann in "Generation Ally", 2002)
 
       
   
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  • TICHY, Andrea (2002): Mütter machen Karriere.
    Eine Wiesbadener Initiative ebnet Frauen den Weg beim Wiedereinstieg in die Berufswelt,
    in: Rheinischer Merkur Nr.44 v. 31.10.
 
   
  • KUNISCH, Hans-Peter (2002): Wir ertragen keine zusätzliche Minute Realismus mehr.
    Michel Houellebecqs erstes Buch ist eine Biografie, ein Manifest und fast ein Roman: In "Gegen die Welt, gegen das Leben" bekennt er sich zu H.P. Lovecraft,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 31.10.
    • Inhalt:
      KUNISCH weist darauf hin, dass sich HOUELLEBECQ zwar als Kämpfer gegen den Realismus sieht, andererseits aber seinerseits zum Protagonist eines "neuen Realismus" in der europäischen Literatur geworden ist: 

            
      "Norbert Niemann hat ihn einmal von Michael Kumpfmüllers Realismus der vorgefundenen Medienbilder wie von Stuckrad- Barres Life-Style-Realismus abgegrenzt und Houellebecq zu Recht den Part eines »Realismus der Entzauberung« zugedacht. Tatsächlich gibt ja gerade Houellebecqs literarischer Bestseller »Elementarteilchen«, strukturell eine Weiterentwicklung des romantischen Reflexionsromans, das Beispiel eines mitleidlos-nüchternen, »realistischen« Blicks auf Gefühlswelt wie Lebensverhältnisse seiner Hauptfiguren, ihre Sex-Verfallenheit, ihre Unfähigkeit zur Liebe." 
            
      In der Neuauflage des Realismus sieht KUNISCH  einen "Beitrag zur »Erkenntnis der Welt«", der den "innerlichkeits- und gedankenverliebten Literaturen Frankreichs und Deutschlands schon einigen frischen Wind zugeführt" hat.
 
   
  • FREUND, Wieland (2002): Eintritt frei ins postironische Zeitalter.
    Purdy und die Anti-Rebellen gegen Uneingentlichkeit,
    in: Welt v. 31.10.
    • Inhalt:
      FREUND stilisiert den US-amerikanischen Kommunitaristen Jedediah PURDY, dessen Buch "Das Elend der Ironie" gerade auf deutsch erschienen ist, zum Anti-Rebellen. 

            
      Für FREUND stehen die Grünen in der Tradition PURDYs, während die FDP als "ängstlich, opportun, bindungsunfähig" charakterisiert wird. Mit dem Wahlsieg der Grünen und der Niederlage der FDP ist gemäß FREUND das "Zeitalter der Postironie" eingeleitet.
 
     
   
  • BUHR, Elke (2002): Löcher in den Konten.
    Niemand wird auf ewig siegen - Fehlfarben, die Erfinder des deutschen Punk, probieren ein Revival,
    in: Frankfurter Rundschau v. 30.10.
    • Inhalt:
      Elke BUHR macht sich Gedanken zur aktuellen Single "Club der schönen Mütter" der Band Fehlfarben:
            
      "Vielleicht werden irgendwann die Popgeschichtsschreiber feststellen, dass das wichtigste Ereignis des deutschen Popjahres 2002 die Entdeckung der Mutterschaft war. Man wird sich an die Bilder von Charlotte Roche erinnern, wie sie in ihrer Viva-Sendung Fast Forward mit kokettem Blinzeln und ausgefeilten Kalauern ihre Videos anmoderiert, und unterhalb des Blinzelns sitzt das kurze T-Shirt, und unterhalb des Shirts wölbt sich der schwangere Leib, und mit dem Kind wächst langsam aber unaufhaltsam die auf den Bauch der Mutter tätowierte Schlange. Demnach wäre es das eigentliche historische Verdienst der ehemals wichtigsten deutschen Punkband Fehlfarben, im Videoclip festgehalten zu haben, wie Charlotte Roche ihren dicken Bauch plus Kinderwagen über Felder und Wiesen schiebt und schließlich lachend mit den alten Herren in der Kneipe am Tisch sitzt."
 
   
  • BAUCHMÜLLER, Michael (2002): "Der demografische Wandel ist eines der größten Probleme der nächsten Jahre".
    Kurt Biedenkopf, CDU, ehemaliger Ministerpräsident Sachsens,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 30.10.
    • Inhalt:
      BAUCHMÜLLER hat die ideale Bevölkerungsstruktur im Jahr 1910 entdeckt. Seit damals hat die "tadellose Pyramide" ihre Form verloren. 
 
   
  • Zum Beginn der 5. Staffel der Serie "Ally McBeal"

    • HANFELD, Michael (2002): Es ist Pop, es ist Spaß, es ist wie beim Eishockey.
      Das macht er alles mit links: Wie David E. Kelley, der Vater von "Ally McBeal" , zu Geschichten kommt, die das Leben so nicht schreibt,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.10.
    • KELLER, Harald (2002): Wir müssen reden.
      In Sachen Synchronisation ein Ausnahmefall: Die Fernsehserie "Ally McBeal" geht in die letzte Runde,
      in: Frankfurter Rundschau v. 29.10.
    • KELLER, Harald (2002): Ein letztes Mal "Pookepsie".
      Heute startet die finale Staffel von "Ally McBeal" (Vox, 22.10 Uhr). Die Kultserie liefert wieder provokanten Witz und schräge Vögel: Zum Abschied sitzt Dame Edna im Gerichtssaal,
      in: TAZ v. 29.10.
 
   
  • SEEL, Christian (2002): Das Loch in der Milchstraße.
    Aus "Max" soll wieder ein Monatsmagazin werden. Die Hälfte der Redaktion wird das nicht mehr erleben,
    in: Welt v. 29.10.
    • Kommentar:
      Im Oktober letzten Jahres hat sich single-dasein.de angesichts des "Zurück zur Familie" der Lifestyle-Postille MAX Gedanken über die Zukunft eines solchen Blattes gemacht. Der Niedergang ist schneller gekommen als erwartet...
 
   
  • LEHNARTZ, Sascha (2002): Die Achtundsechziger als Väter der Spaßgesellschaft.
    "Die verspielte Revolution" heißt das neue Buch des Rechtshistorikers Uwe Wesel über die Achtundsechziger-Bewegung. Wir baten ihn zum Streitgespräch mit Arnulf Baring,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 27.10.
    • Kommentar:
      Zwei Angehörige der Flakhelfer-Generation debattieren über die 68er-Generation und  die Spaßgesellschaft. Für BARING beginnt die Spaßgesellschaft 1968, während WESEL das Ettikett "Spaßgesellschaft" ablehnt.
 
   
  • HANDKE, Sebastian (2002): Ich-AG sucht Mann fürs Leben.
    Abgesang auf eine erfolgreiche Frau: Warum die Serie Ally McBeal sterben muss,
    in: Welt am Sonntag v. 27.10.
 
   
  • Thema des Tages

    • BÜSER, Wolfgang & Norbert FREUND (2002): Unverheiratete haben's oft schwer.
      Partnerschaften ohne Trauschein sind beliebt, vom Gesetzgeber werden sie aber nicht gerade begünstigt,
      in: Saarbrücker Zeitung v. 26.10.
    • FREUND, Norbert (2002): Wachsende Zweifel am Ehegattensplitting.
      Immer mehr Kinder wachsen in "wilden Ehen" auf - und immer mehr Ehen sind "kinderlos",
      in: Saarbrücker Zeitung v. 26.10.
    • FREUND, Norbert (2002): "Es gibt kein Benachteiligungsgebot für wilde Ehen".
      Bundessozialgericht: Zahnarzthelferin, die für Umzug zum Lebensgefährten Job aufgab, bekommt Arbeitslosengeld,
      in: Saarbrücker Zeitung v. 26.10.
    • BILSDORFER, Peter (2002): Der Fiskus hat kein Herz für "wilde Ehen".
      Wenn es ans Erben oder Schenken geht, wird es für nichteheliche Paare richtig teuer,
      in: Saarbrücker Zeitung v. 26.10.
 
   
  • SCHNEIDER, Wolfgang (2002): Alle Eltern kidnappen ihre Kinder.
    Die Familie als Schule des Verdachts: Jaap Scholten erzählt in seinem Roman "Morgenstern" von vertauschten Identitäten,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 26.10.
    • Jaap Scholten - Familienbilder und ihre Konsequenzen
 
   
  • LOVENBERG, Felicitas von (2002): Ich will sein wie die anderen, aber anders.
    Außergewöhnliche Essays für gewöhnliche Menschen: Jonathan Franzens "Anleitung zum Einsamsein",
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 26.10.
    • Jonathan Franzen - Anleitung zum Einsamsein
 
   
  • LÖW, Ulrike (2002): Blind Date mit Speed.
    Sieben Frauen treffen sieben Männer je sieben Minuten,
    in: Nürnberger Nachrichten v. 26.10.
 
   
  • WÖRDEMANN, Gerad Kleine (2002): Expertin bittet zum Einkaufstraining.
    Kurs will Singles zu mehr Genuss verführen,
    in: Ostsee-Zeitung v. 26.10.
    • Inhalt:
      Bericht über das Einkaufstraining der Rostocker Verbraucherberatung
 
   
  • BERTHOLD, Norbert (2002): Ordnungspolitik ist die beste Familienpolitik.
    Anschubfinanzierung zur Bildung von Humankapital,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 26.10.
 
   
  • SEEL, Martin (2002): Paradoxien der Erfüllung.
    Warum das Glück nicht hält, was es verspricht,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 26.10.
 
   
  • RUTSCHKY, Michael (2002): Amerikanisierung.
    Von Swingbubis, Bluejeans und Okzidentalisten,
    in: Frankfurter Rundschau v. 26.10.
 
   
  • LEPENIES, Wolf (2002): Der Schwierige.
    Kann man mit Jonathan Franzen die US-Politik verstehen?
    in: Süddeutsche Zeitung v. 25.10.
 
   
  • RULFF, Dieter (2002): Stadt-Partei.
    Der Wert des C: Die Unio geht auf Erkundungstour,
    in: Frankfurter Rundschau v. 24.10.
    • Kommentar:
      Mit dem 22. September 2001 sieht RULFF ein Comeback der Stadt-Land-Dichotomie wie sie von Wilhelm Heinrich RIEHL über Oswald SPENGLER bis ins Heute herüberreicht.

            
      Zudem ist RULFFs Artikel ein schönes Beispiel für die
      Selbstreferentialität der Medienmacherkaste.

            
      Dem Wähler möchte RULFF auf die Spur kommen und er tut es, indem er die Zeitungen der Konkurrenz liest und deren Selbst- und sonstigen Bekenntnisse in seine "Analyse des Wählerverhaltens" einfließen lässt.
            
      So hat z.B. Harald MARTENSTEIN ("Wir wohnen (...) in  Charlottenburg. Verheiratet, beide berufstätig, ein Kind") im Tagesspiegel vom 06.09.2002 den Leser wissen lassen:
            
      "Wenn es (...) nach den ökonomischen Interessen ginge, müssten in unserer Gegend CDU und FDP die absolute Mehrheit haben. Warum wählt man, was man wählt? Es ist eine irrationale Mischung. Tradition, Herkunft, Familiengeschichte, eigene Geschichte, Image, Selbstbild, Selbstfindung… alles mögliche. Aber nicht vernünftig. Sachargumente werden wohl überschätzt".
            
      Bei RULFF liest sich das  dann so:
      "Und so hat auch, wer bürgerlich lebt, links gewählt, wenngleich seine Steuererklärung ihm eigentlich etwas anderes nahe gelegt hätte."
 
   
  • SONNENSCHEIN, Ulrich (2002): Faust in der Tasche.
    T. C. Boyle macht Schluss mit der Coolness,
    in: Frankfurter Rundschau v. 24.10.
    • Inhalt:
      SONNENSCHEIN  erläutert zuerst den Unterschied zwischen einem Zyniker und einem Moralisten, um danach T. C. BOYLE ("Schluss mit Cool") als Zyniker einzuordnen: "Wenn man einem Moralisten seine absolute Moral vorhält, bleibt der Zyniker schon deshalb unangreifbar, weil er jenseits des Textes gar kein Ziel mehr verfolgt. Und das ist meistens auch die Grundlage für die besseren Geschichten"
 
   
  • IB (2002): Nur wenig Lust auf Nachwuchs.
    Die Geburtenrate liegt in Österreich bei nur noch 1,3 Kindern pro Frau,
    in: Salzburger Nachrichten v. 24.10.
    • Inhalt:
      Nach einer Studie des Instituts für Demographie glauben die Österreicher nicht an einen Zusammenhang zwischen Familienförderung und Geburtenrate. Am bedenklichsten finden den Geburtenrückgang diejenigen, die in den nächsten Jahren in Rente gehen (55-59jährigen).
 
   
  • HILLENKAMP, Sven (2002): Ich will auch.
    Haben wollen, was man nicht hat. Sein wollen, was man nicht ist. Neid bestimmt unser Leben. Ein persönlicher Bericht über ein Gefühl, das antreibt und zerstört,
    in: Die ZEIT Nr.44 v. 24.10.
    • Inhalt:
      Die einen gehen zum Psychotherapeuten, die anderen schreiben ihre Neidbiografie. Dadurch erfährt der Leser, warum die New Economy und Nerds eine schlechte Presse hatten, warum bei "Klassenkämpfern" die Neue Mitte mit der Gesamtgesellschaft zusammenfällt und warum das Zusammentreffen mit Ulrich BECK aus einem Journalisten ("Neidberuf schlechthin") keinen besseren Menschen macht.
      • Sighard Neckel - Chronist der Neidgesellschaft
 
   
  • NOLTE, Paul (2002): Kleiner Ratgeber für Merkel & Co.
    Die Eindämmung der Ego-Gesellschaft. Oder: Warum Konservative nicht von gestern sein müssen,
    in: Die ZEIT Nr.44 v. 24.10.
    • Kommentar:
      NOLTE legt einen wertkonservativen Katalog der Generation Berlin vor, in dem der "Single-Gesellschaft" und der Popkultur eine Absage erteilt wird. Stattdessen fordert NOLTE eine Zivilreligion, deren Wertekanon aus den 50er Jahren stammt.
 
   
  • GASCHKE, Susanne (2002): Die perfekte Frau.
    Renate Schmidt, eine Familienministerin wie aus dem Bilderbuch: Drei Kinder, drei Enkel, verheiratet. Von staatlicher Zwangsbeglückung hält sie nicht viel,
    in: Die ZEIT Nr.44 v. 24.10.
    • Kommentar:
      GASCHKE betreibt Identitätspolitik und preist SCHMIDT als ideale Ministerin der Generation Berlin an. Als Kämpferin für den Erhalt des Ehegattensplittings soll SCHMIDT "zeitgeistkonformes Rebellentum" beweisen.

            
      Dagegen sieht Roswin FINKENZELLER ("Für Schröder bequem") in der Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 24.10.2002 die Nominierung von SCHMIDT taktisch: "Die Rechnung ist, daß einer Vorzeigegattin der rot-grüne Bruch mit der Ehe schneller verziehen wird als einem erprobten Single". 
 
   
  • KRUSE, Yvonne E. (2002): Die Zukunft will Liebe.
    Die letzte Staffel der populären US-Soap "Ally McBeal" markiert einen Wertewandel in der Gesellschaft,
    in: Welt v. 24.10.
    • Kommentar:
      KRUSE zitiert den Mainzer Soziologen Stefan HRADIL zum angeblichen Wertewandel:

            
      "inzwischen sind Singles out, vorbei die Zeiten, in denen Unabhängigkeit zählte, und das Alleinleben als einzig wahre Lebensform gepriesen wurde. In denen es niemanden gab, der das Badezimmer verwüstete oder zum Kauf eines Familienwagens drängte. Ein flotter Zweisitzer war das dringend benötigte Symbol für einen unabhängigen Lebensstil. Aber alleine in einem Zweisitzer hocken macht nach Meinung der Wissenschaftler heute keinen Spaß mehr. »Singles fungierten als Leitbilder unserer Gesellschaft. Man orientierte sich an ihnen,« sagt Stefan Hradil, Soziologie-Professor von der Universität Mainz, »aber diese positive Bewertung ist gekippt.«"
            
      Singles hatten ausgehend von den "swinging sixties" eine gewisse Zeit Leitbildfunktion. Spätestens Anfang der 80er Jahre war diese auf bestimmte Milieus beschränkt und seit Anfang der 90er Jahre sind Singles selbst in der Neuen Mitte in die Defensive geraten. Der Soziologe Günter BURKART spricht deshalb auch vom "Mythos Single".
            
      Was HRADIL anspricht, das bezieht sich einerseits auf den Yuppie, dem durch den Niedergang der New Economy die wirtschaftliche Basis abhanden gekommen ist, und andererseits auf die sozialpopulistische Debatte, in der Singles als "Sozialschmarotzer" diffamiert werden.
            
      Ally McBeal stand bereits für die Ambivalenz des Single-Daseins: finanziell unabhängig, aber unglücklich über die eigene Partnerlosigkeit.
            
      Von einem Wertewandel kann deshalb keine Rede sein. Dass jetzt die geburtenstarken Jahrgänge der Generation Golf in die Familienphase kommen, spiegelt sich nun auch in den Medien wieder. Das ist eine demografische Folge der veränderten Gesellschaftsstruktur und kein Wertewandel im Sinne eines Einstellungswandels der Betroffenen.      
 
   
  • LEITGEB, Hanna (2002): Im Jenseits der Ironie.
    Jedediah Purdy, Amerikas Antwort auf die Spaßgesellschaft, startet einen neuen Angriff auf die USA und denkt über sich selber nach,
    in: Literaturen Nr.11, November
    • Jedediah Purdy - Das Elend der Ironie
 
   
  • DECKER, Kerstin (2002): Das unordentliche Dasein,
    in: TAZ v. 23.10.
    • Inhalt:
      DECKER mokiert sich über die "Immobilitätsrevolution" der Bahn, die auch den letzten Autolosen zum Autokauf verführt.

            
      DECKER entdeckt einen pädagogischen Auftrag: "die Bahn will uns erziehen. Wer zu spät kommt, den bestraft die Deutsche Bahn. Mit dem härtesten Erziehungsmittel: Erziehung durch finanzielle Sanktionen".
            
      Und wer ist der Bahnfahrer der Zukunft? Die Rentnerin Tante L., denn die Bahn gibt ihr in der mobilen Gesellschaft "feste Haltepunkte des Daseins".
 
   
  • Tagung "Wer liebt, hat recht" in Tutzing

    • HENRICI, Axel (2002): Wer liebt, will nicht tauschen.
      Eine Tagung der Evangelischen Akademie Tutzing ging der Behauptung "Wer liebt, hat Recht" noch einmal nach,
      in: TAZ v. 23.10.
      • Kommentar:
        "Die Hinwendung zur Beziehung könnte ein Akt emotionaler Reife sein. Statt über Beziehungslosigkeit zu klagen und dabei dem eigenen Autismus zu huldigen, probieren Frauen aus, wie es ist, den Kerl zu behalten statt beim ersten Krach das Weite zu suchen. Eine Vorreiterin der neuen Haltung ist Anita Lenz. Die Berliner Autorin provoziert mit ihrem Ehedrama 'Wer liebt, hat Recht'",  behauptete Dorothee HACKENBERG in der Woche vom 24.11.2000.

              
        Die Wochenzeitung gibt es zwar mittlerweile nicht mehr, aber der damals angekündigte Paradigmenwechsel ist jetzt zum Thema akademischer Debatten avanciert.
              
        So interessant war für HENRICI das Debattenthema jedoch nicht, denn er porträtiert lieber ausschweifend den Pfarrer und Veranstalter  Jochen WAGNER, dessen zentrales Merkmal ist, dass er ein authentischer - d.h. glücklicher - Mensch ist, denn er "ist verheiratet und hat einen Sohn".  
    • LIEBS, Holger (2002): Happy End als Notausgang.
      "...und hatte eine Sehnsucht, und wusste nicht, wonach" - Die Tagung "Wer liebt, hat recht" in Tutzing suchte nach großen Gefühlen,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 22.10.
 
   
  • RIPPLINGER, Stefan (2002): Neunundneunzig Kulturkritikerwitze.
    Die offene Spaßgesellschaft und ihre Feinde,
    in: Jungle World Nr.44 v. 23.10.
    • Inhalt:
      RIPPLINGER beschäftigt sich mit den Feinden und falschen Freunden der Spaßgesellschaft.

            
      Ein entscheidender Tag ist für RIPPLINGER der 29. November 1996: "an diesem Tag erschien im Protestantenrundbrief Die Zeit Löfflers ernüchternder Eassy 'Die Spaß-Generation hat sich müde gespielt' (...). Seit diesem Tag fordern die deutschen Bischöfe, Prof. Sloterdijk und Dr. Willemsen ein Ende des Spaßes, gehen aber keineswegs mit gutem Beispiel voran."
 
   
  • SCHLAK, Stephan (2002): Die Schläfer.
    Generation Golf auf der Suche nach Haltung,
    in: Ästhetik & Kommunikation H.118, Herbst
    • Kommentar:
      Stephan SCHLAK, ein Generationsgenosse von Florian ILLIES hat eine Aufgabe für die Generation Golf parat:

            
      "die freie Gesellschaft gegen ihre terroristischen Spaßverächter zu verteidigen", statt sich weiterhin der "Ausweitung der Spielzone" zu widmen.
            
      Er gemeindet Heinz BUDE als "theoretische Ikone" der Generation Golf ein, obwohl BUDE für sich selbst die Generation Berlin ausgedacht hat.
            
      Nur Puristen wie Susanne GASCHKE sehen da einen großen Unterschied. Single-dasein.de sieht dagegen eher die Gemeinsamkeit: beide Generationseinheiten sind Teil der Neuen Mitte.
            
      Der einzige Unterschied liegt in der Selbstdarstellung.
      GASCHKE lästert lieber über die Putzfrauen der Generation Golf, während die Putzfrauen der Generation Berlin stillschweigend beschäftigt werden, um die Distanz zur eigenen putzfrauenlosen Wählerschaft nicht offensichtlich werden zu lassen. Die Generation Golf kennt dagegen keine solche Hemmungen, man ist schließlich unter sich. 
 
   
  • DETTLING, Warnfried (2002): Die CDU braucht jetzt keine Wertedebatte.
    Es kommt darauf an, passende Antworten auf die neuen Realitäten zu suchen,
    in: Welt v. 21.10.
    • Kommentar:
      "In den die Union prägenden Jahrzehnten, den 1950er- und 1960er-Jahren, waren mehr als 95 Prozent eines Altersjahrgangs verheiratet, und von ihnen hatten wieder über 90 Prozent Kinder. Wenn heute nach wie vor die allermeisten jungen Frauen und Männer sich ein gelingendes Leben nur mit Kindern, in Partnerschaft und Familie vorstellen können, aber dann ein Drittel eines Altersjahrgangs keine Kinder hat, ein weiteres Viertel nur ein Kind, Deutschland mit Italien und Spanien Schlusslicht bei der Geburtenentwicklung ist, dann stellen sich weniger Fragen an die Werte als Fragen an die Politik. Wer Werte bewahren will, muss es auf der Höhe der Zeit tun", wirft DETTLING in die laufende Wertedebatte der CDU ein.
      Was DETTLING hier vollbringt, das ist eine Collage aus Schönfärberei und Schwarzmalerei, nur mit den Lebensverhältnissen in Deutschland hat das nichts zu tun!
      Während STÖLZL in der WamS vom 20.10.2002 die "Patchworkfamilie in der Risikogesellschaft" in die Umbruchzeiten nach den Weltkriegen, also in die 50er Jahre verlegt, kontrastiert DETTLING die 50er-Jahre-Rama-Familienidylle mit der Kinderlosigkeit der Jahrtausendwende.

            
      Im Spiegel-Artikel vom 15. September 1954
      ist eine Grafik abgebildet, wonach es damals 20 % kinderlos Verheiratete gab, 29 % Ein-Kind-Familien und 30 % ("kinderlose") Ledige. Dies widerspricht also DETTLINGs Familienidylle!

            
      In Heinrich BÖLLs Erzählung "Haus ohne Hüter" wird die damals vorherrschende "Patchworkfamilie" geschildert: allein erziehende Mütter, die mit ihrem "Onkel" zusammenlebten, um ihre geringe Witwenrente nicht zu verlieren.
      Die Onkel-Ehen von damals hatten einen Status wie heutzutage die Paare ohne gemeinsamen Haushalt - sie waren amtsstatistisch unsichtbar und damit moralisch diffamiert und politisch randständig.
      Das Kontrastbild von DETTLING wirkt nur im Vergleich zum Geburtenrückgang. Hier aber werden Prognosen, und keine Tatsachen präsentiert. Zu welchem Prozentanteil heutzutage die Altersgruppen Kinder bekommen, das ist hoch spekulativ. Die Bevölkerungswissenschaftler müssen ihre Prognosen ständig nach unten korrigieren
      und nähern sich bereits der 25 %-Marke an. DETTLING bezieht sich offensichtlich nur auf die Kinderzahl eines begrenzten Milieus, dem er gesamtgesellschaftliche Bedeutung beimisst. Dies allein ist schon strittig.         
 
   
  • STÜRMER, Michael (2002): Lasst die Alten ran.
    Produktive Potenziale Teil VII: Die Jugend ist der einzige Fehler, der sich von selbst korrigiert,
    in: Welt v. 21.10.
 
   
  • OHNEMUS, Günter (2002): Das Klopfen, das auf eine Antwort wartet.
    Deutschland extrem (6): Über Marcel Prost, die Einsamkeit und Schwabing, das die größte Dichte an Singles und Psychotherapeuten hat,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 21.10.
    • Kommentar:
      "München-Schwabing, hat die größte Dichte an Singles und Psychotherapeuten. Singles bedürfen anscheinend erhöhter psychotherapeutischer Zuwendung. (...).
      Ich war einigermaßen überrascht, als ich von dieser Statistik hörte, weil – mit zwei Ausnahmen – alle Leute in meiner Umgebung, die schon einmal in psychotherapeutischer Behandlung waren, nicht alleine leben", schreibt OHNEMUS.

            
      Er begeht damit den üblichen Fehlschluss eines gesunden Menschenverstandes!
      Erstens leben in Schwabing in erster Linie Yuppies, zweitens sind Single-Haushalte nicht identisch mit Partnerlosen und drittens: warum sollen nicht Therapeuten die Alleinlebenden sein und die Therapierten aus den umliegenden Quartieren kommen?

            
      Da es keine diesbezüglichen empirischen Untersuchungen gibt, darf weiterhin spekuliert werden.
      Fehlschlüsse wie jene von OHNEMUS sind ein Indiz dafür, dass die Sozialpopulisten in unserem Lande das Bild der Singles in der Öffentlichkeit bestimmen. 
 
   
  • FINSTERBUSCH, Stephan (2002): Ende der Wohlfahrt.
    Japan vergreist: Die Alten haben die Mehrheit, die Durchschnittsfamilie hat nur noch ein Kind. Die Altersarmut wächst. Das Leben in den Großstädten wird für viele unbezahlbar. Eine Reportage aus einem verunsicherten Land,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 20.10.
    • Kommentar:
      Die asiatischen Deutschen werden gerne als Vorbild und Drohbild benutzt.

            
      Entweder sind die Deutschen zu arbeitsfaul und sollen sich am Arbeitseifer der ameisenartigen Asiaten orientieren, oder die Deutschen sind zu gebärfaul, dann sollen sie Japan als abschreckendes Beispiel vor Augen geführt bekommen. Japan ist uns immer eine Nasenlänge voraus, so will es das Japanbild der Wirtschaftsliberalen.
            
      Haruki MURAKAMI, der globalisierte Japaner, erzählt dagegen vom "Neue-Mitte"-Japan jenseits dieser Klischeebilder der Flakhelfer-Generation.
 
   
  • HILLER, Christian von (2002): Im Dezember bricht bei der Bahn das Chaos aus.
    Das neue Preissystem sorgt für Massenprotest unter den Kunden. Es ist undurchsichtig und zu kompliziert. Bahn-Chef Mehdorn will die Reisenden umerziehen, anstatt sich nach ihren Wünschen zu richten,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 20.10.
    • Inhalt:
      HILLER zitiert den Verkehrswissenschaftler Gottfried ILGMANN, der als Anwalt der Alleinreisenden, Spontis und Fernpendler das neue Bahnpreissystem kritisiert.
      • Norbert F. Schneider - Mobilität und Lebensform
 
   
  • FINKENZELLER, Roswin (2002): Das Familientier.
    Renate Schmidt ist von großer geistiger Schmiegsamkeit. Und Beifall ist ihr Lebenselexier,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 20.10.
    • Renate Schmidt - Politik für die Mütterelite
 
   
  • DOTZAUER, Gregor (2002): Willkommen im Hotel Insomnia,
    in: Tagesspiegel v. 20.10.
    • Kommentar:
      Das diesjährige Saisonthema heißt Schlaflosigkeit. Die Neue Rundschau hat dazu jetzt ein Themenheft "Über den Schlaf" herausgebracht, das DOTZAUER vorstellt. Ein Beitrag stammt von Jochen SCHIMMANG ("Aus der Mügigkeit kommend"), der mit dem Roman "Murnaus Lücke" das Thema literarisch bearbeitet hat.
 
     
   
  • WAMS (2002): "Wir sagen nicht nur Nein".
    Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel kündigt harten, konstruktiven Widerstand gegen die rot-grünen Projekte an,
    in: Welt am Sonntag v. 20.10.
    • Kommentar:
      Die Singlefrau MERKEL darf artig Wort zum Sonntag-Sätze vortragen:

            
      "Institutionen werden in ihrer Bedeutung und ihrer Anerkennung wieder zunehmen. Der Wert der Familie wird deutlicher erkannt werden, wenn Singles und Ältere feststellen, dass sie ohne Familien keine Zukunft haben."
 
   
  • STÖLZL, Christoph (2002): Zukunft im Geiste Preußens.
    Familie, Nation, Rechtsstaatlichkeit. Moderner Konservatismus muss sich am Bewährten orientieren und dessen Aktualität erkennen. Der Berliner CDU-Vorsitzende Christoph Stölzl plädiert für einen liberalen Traditionalismus,
    in: Welt am Sonntag v. 20.10.
    • Kommentar:
      Der verhinderte Kulturstaatsminister darf ersatzweise Kulturpolitik in der WAMS betreiben.

            
      Statt in Aldous HUXLEYs Brave New World leben zu müssen, dürfen wir uns freuen, dass Ehe und Familie
      "die älteste und modernste Form des Sozialstaats" ist.
      Und wir dürfen nach Frankreich blicken:

            
      "Vom Nachbarland Frankreich, das immer hochsensibel war in Sachen Familie, kann man lernen, wie man das Problem Modernisierung versus Familie löst. Die »École maternelle« und die Ganztagsschulen entlasten die Mütter und sind gleichzeitig Pflanzschulen von Leistung und Patriotismus. Die Wissenschaft sagt: Frauen sind dort am zufriedensten, wo sie Mutterschaft und Beruf ohne Konflikt vereinen können. Die CDU/CSU sollte sich das Modell anschauen. Es ist Welten entfernt von der Atomisierung des Menschlichen".
            
      Michel HOUELLEBECQ würde dem sicher widersprechen!
      • Barbara Vinken - Die deutsche Mutter
 
   
  • LORENTZ, Frank (2002): Der Zorn der älteren Herren.
    Die Fehlfarben, Ikonen des Deutsch-Punks, spielen wieder. Hat sich halt so ergeben, sagt Sänger Peter Hein,
    in: Welt am Sonntag v. 20.10.
    • Peter Hein - Nesthocker Blues
 
   
  • MEIR, Gerhard (2002): Sarah Jessica Parker.
    Celebrity of the Week,
    in: Welt am Sonntag v. 20.10.
    • Sex and the City-Hauptdarstellerin Sarah Jessica PARKER
 
   
  • JÄHNER, Harald (2002): Das Ende des Jugendkults,
    in: Berliner Zeitung v. 19.10.
    • Kommentar:
      JÄHNER hat den Artikel von KOCH in der FAZ vom 16.10.2002 gelesen und befasst sich mit der aktuellen Wertschätzung des Alters. 

            
      Er kommt zu zeitlosen Gesetzen wie: "Der Jugend gehören die Zeiten des Aufschwungs, dem Alter die allgemeine Sorge um den sicheren Abstieg". 
            
      Diese Weisheiten hat sich JÄHNER bei Sebastian HAFFNER ("Geschichte eines Deutschen") angelesen, der wiederum hat sie selbst in der Weimarer Republik im Jahr 1924 beobachtet.
            
      Den damaligen "Karnevalsgeist" übersetzt JÄHNER als "Spaßgesellschaft", damit auch wirklich jeder den Zusammenhang erkennt. 
            
      Nach JÄHNER ist jetzt Erfahrung aus erster und nicht aus zweiter Hand gefragt. Fragt sich nur, warum er das alles aus zweiter Hand hat.
            
      Zum schlechten Ende beschwört JÄHNER den kommenden Generationenkonflikt, der angeblich vor der Tür steht:
      "Lange wird das nicht so gehen. Die nächste Hausse der Jugend wird wohlmöglich ziemlich aggressiv ausfallen."
      Das hat der 68er Reimer GRONEMEYER bereits 1989 in seinem Buch "Die Entfernung vom Wolfsrudel" prophezeit:
      "Die Woopies von heute sind die erste und letzte Generation, die sich dem Rausch des Wohlfahrtsstaats und des ungebremsten Konsums hingeben kann. Die Alten werden den Jungen künftig eher als gierige Greise, als unersättliche Parasiten erscheinen. Der Boden ist bereitet für den Altersklassenkampf. Von der Jahrtausendwende an könnte er die Welt tiefer spalten als Rassenhaß, Geschlechterkrieg oder Klassenkampf zwischen Kapital und Arbeit."

            
      Die Jahrtausendwende liegt hinter uns und der Krieg Jung gegen Alt ist bisher ausgeblieben, denn die Jungen genießen lieber das Rebellentum eines Nesthockers als von den Eltern in die Kälte vor die Tür gesetzt zu werden.
      Einen Ausweg aus der "Generationenfalle" weist Lothar BÖHNISCH: Die Neubewertung der Lebensalter.
  • KRAMM, Jutta (2002): Demographie.
    Die geriatrische Gesellschaft,
    in: Berliner Zeitung v. 19.10.
 
   
  • KISTER, Kurt (2002): Wir sind bereit.
    Haben Sie Arbeit? Der Gang der Dinge lehrt jetzt auch die gut ausgebildeten Menschen zwischen 30 und 40, dass sie mit dem Schlimmsten rechnen müssen,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 19.10.
    • Kommentar:
      KISTER muss den Platz füllen, der aufgrund des fehlenden Anzeigengeschäfts bei der SZ noch zugetextet werden muss.

            
      Dazu bietet sich das Thema der arbeitslosen Leistungsgeneration Golf geradezu an. KISTER stellt sich vor wie es ist, wenn die Rationalisierer selbst zum Sozialfall werden:
            
      "Was noch boomt, ist die Branche jener, die anderen erklären, wie sie mit immer weniger Menschen immer noch genug Autos, Nasenhaarschneider oder, meinetwegen, Zeitungen machen können. Doch, das geht. Allerdings nur so lange, bis die Rationalisierer und Unternehmensberater alle Wasserköpfe in tausend Firmen so gezielt aufgestochen haben, dass sie plötzlich selbst auf dem Trockenen sitzen. Eine niedliche Vorstellung: McKinsey müsste dann Roland Berger holen und der wiederum..."  
 
   
  • NOLTE, Paul (2002): Vom Verschwinden des Bürgertums in der CDU.
    Die Union braucht wieder ein zeitgemäßes bürgerliches Profil - Sonst droht ihr der Populismus,
    in: Welt v. 19.10.
 
   
  • HETSCHER, Iris (2002): Bei Anruf nette Gesellschaft.
    Neue Agentur vermittelt Begleitpersonen für Nachmittags- und Abendvergnügen,
    in: Weser-Kurier v. 19.10.
    • Inhalt:
      HETSCHER berichtet über den Ersten Bremer Begleitservice, der im Internet unter www.bremer-begleitung.de erreichbar ist.
 
   
  • Report:
    Fluch oder Segen? Das Comeback der Fehlfarben...

     "Geschichte wird gemacht, es geht voran": Der Klassiker von 1980, "Monarchie und Alltag", bleibt das Monument der Fehlfarben. Nun haben die Akteure von damals die Punklegende für ein neues Album "reaktiviert" - vermeiden aber das "böse P-Wort". Ein Rückzugsgefecht alternder Rocker?
    in: TAZ v. 19.10.

    • GROSS, Thomas (2002): Ein Aufstand alter Männer,
      in: TAZ v. 19.10.
      • Inhalt:
        GROSS versucht eine Annäherung an das Punk-Phänomen:

              
        "Was (...) seine wahre, innerste Essenz ausmacht, wer das P-Wort berufen in den Mund nehmen darf und wer nicht, ist bislang strittig. Düsseldorf war mehr Dosenbier, Hamburg die Brutstätte kommender Popstrategen und Berlin, wie immer, ein Sonderfall. An populärer Musik geschulte Intellektuelle beweisen Punkkompetenz, indem sie den Weltekel der Bewegung mit den Avantgardetheorien des 20. Jahrhunderts verbinden. Und tatsächlich lassen sich Spuren nachweisen, von Walter Benjamins Idee eines "destruktiven Charakters" bis hin zu Adornos negativer Dialektik, aber darüber hinaus?
              
        Dem Comeback von Gruppen wie Fehlfarben kann GROSS wenig abgewinnen, denn aus "den scharf gerittenen Attacken von einst sind Rückzugsgefechte geworden, und aus Jugendverschwendern Wertkonservative."
    • DAX, Max (2002). "Zur Erholung gehe ich ins Büro",
      in: TAZ v. 19.10.
      • Inhalt:
        Interview mit Thomas SCHWEBEL, Michael KEMNER und Peter HEIN. Letzerer kommt erst zu spät und setzt sich dann ab, um zuletzt doch noch am Gespräch teilzunehmen.

              
        Punk war schon immer eher Stilisierung, was die Beschreibung der Kleidung und des Interviewsettings wichtiger werden lässt als das Interview selbst:
              
        "Endlich setzt sich Peter Hein zur Runde. Diesmal hält der Stuhl. Hein trägt einen seltsam verknitterten weißen Anzug, der ohne Zweifel für einen Menschen mit einem dickeren Bauch geschneidert wurde. Der Anzug sitzt überhaupt nicht, aber Hein fühlt sich darin offensichtlich richtig wohl"    
        • Peter Hein - Nesthocker Blues
 
   
  • BECKER, Jochen (2002): Neonhelle Eurolandschaften.
    Suburbanisierung in Deutschland. Den Innenstädten droht Verarmung; draußen auf freiem Feld hoffen "beleuchtete Äcker" vergeblich auf Ansiedlung,
    in: Freitag Nr.43 v. 18.10.
    • Kommentar:
      Seit den 80er Jahren hat sich Deutschland grundlegend geändert:

            
      Die Städte sind geschrumpft und die Vorstädte sind gewuchert. Während sich die Wissenschaft mit dem Thema Gentrification beschäftigt hat, ist ihr der Gegenstand abhanden gekommen und in die Suburbs abgewandert. Aus den Yuppies wurden Suburbaniten, zurück blieben vor allem junge Studenten, geringverdienende Partnerlose im mittleren Lebensalter und ältere Rentnerinnen. Zusammengefasst werden diese unter dem Begriff "Singles". Von Sozialpopulisten, denen es um kaufkräftige Stadtbewohner geht, wird der Blick dagegen auf die Yuppies in den begehrten innenstadtnahen Wohngebiete gelenkt. Die allein stehenden Sozialhilfeempfänger bleiben dagegen im Dunkeln.
            
      Mittlerweile hat sich die Stadtforschung dem Gegenstand Suburbanisierung zugewandt, obwohl - oder vielleicht gerade weil - der neueste Trend die Family-Gentrifiers sind. Sollte sich das Thema erledigt haben, die Stadtforschung wird es dann sicher aufgreifen!
 
   
  • RED (2002): Bundessozialgericht stärkt "Wilde Ehen",
    in: Saarbrücker Zeitung v. 18.10.
  • RIEDEL, Anne (2002): Keine Sperre bei Nachzug.
    BSG stellt Unverheiratete den Paaren mit Trauschein gleich,
    in: Frankfurter Rundschau v. 18.10.
  • RATH, Christian (2002): Liebe erleichtert.
    BSG: Arbeitslosengeld darf nicht gesperrt werden, wenn Job wegen Umzug des Lebenspartners gekündigt wird,
    in: TAZ v. 19.10.
 
     
   
  • LEINEMANN, Susanne (2002): Wer sich bewegt, verliert.
    Der rot-grüne Koalitionsvertrag fördert das Gestern und das Morgen. Das Heute bekämpft er,
    in: Welt v. 18.10.
 
   
  • GASCHKE, Susanne (2002): Die verpasste Revolution.
    Kein Ausland, erst recht kein Inland: Susanne Leinemanns unkonventioneller Blick auf die entschwundene DDR,
    in: Die ZEIT Nr.43 v. 17.10.
    • Inhalt:
      Susanne GASCHKE lobt das Buch "Aufgewacht. Mauer weg" ihrer Generationsgenossin Susanne LEINEMANN.
 
   
  • WILKENS, Katrin (2002): Sex ist etwas Wundervolles.
    Die Cosmopolitan-Chefredakteurin Ulrike Droll entwickelt sinnvolle Paarungsstrategien für die gut verdienende Großstadtfrau,
    in: Frankfurter Rundschau v. 17.10.
 
   
  • KAHLWEIT, Cathrin (2002): Aus allen Wolken gefallen.
    Familienministerin Renate Schmidt (SPD) über ihr neues Amt,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 17.10.
    • Renate Schmidt - Politik für die Mütterelite
 
   
  • NAUMANN, Julia & Lisa ARNS (2002): "Joschkas Mädchen" führen die Grünen-Fraktion.
    Sager und Göring-Eckardt gelten als treue Parteigängerinnen des grünen Fürsten - Beide haben Realo-Erfahrung,
    in: Saarbrücker  Zeitung v. 17.10.
    • Inhalt:
      Die Autorinnen porträtieren die neuen Fraktionsspitzen u.a. die grüne Kinderpolitikerin Katrin GÖRING-ECKARDT:

            
      "Mitte der 90er Jahre verlagerte sie ihr Wirken immer mehr in die Bundespartei. Zusammen mit anderen jungen Grünen wie Cem Özdemir gehörte sie zur so genannten »Pizza-Connection« und traf sich regelmäßig mit CDU-Abgeordneten zum Meinungsaustausch. 1998 kam Göring-Eckardt dann selbst in den Bundestag und wurde gesundheits- und rentenpolitische Sprecherin. (...). In der Fraktion gilt sie als kommunikativ - eine Abgeordnete, die Kontakte pflegen kann und gerne die Fäden in der Hand hat. (...). Im Mai 2000 gründete sich die »Ingerslebener Familie« auf Initiative von Göring-Eckardt."
 
   
  • KOCH, Gerhard R. (2002): Vergreisung.
    Im etablierten Kulturbetrieb dominieren immer mehr die Alten,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.10.
    • Kommentar:
      KOCH beschreibt das Bellheim-Syndrom vom "Trau keinem unter fünfzig" anhand zahlreicher Namen aus allen Teilen des Kulturbetriebs.

            
      Er sieht mit der ökonomischen Krise das Ende der Spaßgesellschaft kommen. Das heißt für ihn "Ernsthaftigkeit, gar traditionelle Kunst-'Werte' (steigen) wieder im Kurs".
            
      KOCH sehnt sich nach Hohenpriestern im Kulturbetrieb, die er jenseits anarchischer Traditionsverweigerung und Vergötzung des Vergangenen ansiedelt. Da jedoch normatives Oberlehrergehabe bei der Generation Golf zur Abwehr führt, müssen sich die neuen Hohepriester anderer Tricks bedienen, um ihrem Oberlehrerauftrag nachzukommen...
 
   
  • BUDEUS-BUDDE, Roswitha (2002): Das Märchen vom ganz normalen Wahnsinn.
    Über Kinder, die nicht gewollt sind, die plötzlich alleine da stehen, verlassen: Die Jugendbuchpreisträgerin Alexa Henning von Lange,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 16.10.
    • Alexa Hennig von Lange - Die Techno-Szene der 90er Jahre
 
       
       
   

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Zu den News vom 01. - 15. Oktober 2002

 
       
   
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